Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 4 (30.1.1920)
- Date
- 1920-01-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 5;^r. 4gesichert wurden, und ■ daß sie Vertrauen in die •Verwaltung gewannen. Durch die aus der früheren Zeit bestehenden Gegensätze zwischen der türkischen Regierung und den Arabern im Verein mit den wachsenden militärischen Erfolgen ist es der britischen Verwaltung gelungen, dieses Vertrauen im wesentlichen zu schaffen. Es wurde dabei besonderer Wert darauf gelegt, die Schulen und alle Erziehungseinrichtungen, Bibliotheken, Einrichtungen, auf die Bagdad stolz war, besonders zu fördern. Man bestrebte sich, aus den Arabern selbst Ingenieure auszubilden, und in den ersten zwölf Monaten gelang es, 80 Studenten so •weit vorzubüden, daß sie als Assistenten.des Bewässerungsverwalters Verwendung finden konnten. Diese kulturelle Pflege blieb nicht ohne Eindruck auf die Scheichs der ackerbautreibenden Stämme. Noch mehr aber wurde die Arbeitslust durch die besondere Pflege der Ackerbauinteressen gefördert Die mit Oel angetriebenen Pumpenanlagen, von denen es über 300 in der Umgebung Von Bagdad gibt wurden wieder in Betrieb gesetzt, das nötige Oel, das den Eingeborenen in den letzten zwei Jahren gefehlt hatte, wurde durch Militärtransporte herangeschafft Ackerbaugeräte wurden durch besondere :MUitärwerkstätten ergänzt und repariert Samen, selbst solche von fremden Pflanzen, wie von Kartoffeln, wurden verteilt und Anweisung für den Anbau gegeben. Sodann wurden vor allen. Dingen das Willcoc tos sehe. Kanalwerk weitergeführt. Zwei Kanäle wurden im November 1917 beendet und dadurch sofort 50.000 Acres der neuen Bebauung durch Bewässerung erschlossen; es wurden etwa 20.000 Tonnen Getreide im Frühling 1918 dort geerntet Die Bewässerungsarbeiten kamen am Euphrat im November zum Stillstand, aber sie machten am Tigris weiter wesentliche Fortschritte. Schwierig war die Sichei Stellung von Saatgut. Bei der Knappheit des Getreides und den dadurch bedingten hohen Preisen in Bagdad und Umgegend bestand die Gefahr, daß die Bauern ihre Vorräte verkaufen würden, ohne genügende Saatmengen für das nächste Jahr zu behalten. Es wurden deshalb Verträge mit den Scheichs abgeschlossen, nach' denen diese gegen einen kleinen Anteil an dem künftigen Gewinn die Garantie für die Rückstellung genügender Mengen Saatguts übernahmen' und die Erfüllung der etwaigen Anforderungen der britischen Verwaltung garantierten. Diese Maßnahmen erwiesen sich auch als erfolgreich, und ein großer Teil des neu erschlossenen Bodens konnte durch heimisches Saatgut bestellt werden. Fürdie nördlichen Gebiete am Tigris fehlte es allerdings an Saaten: man mußte über 6000 Tonnen Saatgut aus Indien einführen. Außerdem mußten zur Förderung des Anbaues in den neuerschlossenen Gebieten Barvorschüsse an die Bauern gewährt werden. Der Erfolg dieses Planes übertraf alles in allem die Erwartungen: Es 'wurden 253.000 Tonnen Getreide geerntet und 50.400 Tonnen als Steuer abgeführt. Im Februar 1919 waren annähernd 80 Prozent der gewährten Vorschüsse zurückgezahlt. Der erwähnte Agrikulturplan war lediglich auf die Produktion eingestellt Die Produkte mußten nun aber gereinigt, gedroschen, eingesackt und abtransportnert werden. Diesen Aufgaben widmeten sich besondere Zweige' der Verwaltung: Hilismaschinen wurden aus Indien emgeführt, die Eisenbahn erreichte Ende Mai 1919 Hillah. Das war der Stand bei Beendigung des; Krieges. Sofort nach dem Waffenstillstand wurde die britische Verwaltung auf M o s u 1 ausgedehnt, eine Provinz, die noch reicher ist als der Irak. Mesopotamien ist ein Land mit großen Möglichkeiten. Bei guter Verwaltung kann es sich wieder auf seine im Altertum berühmte wirtschaftliche Höhe heben, ein Umstand, der für Palästinas Zukunft von der größten Bedeutung sein kann. RUNDSCHAU Das; aufständische Yemen. Im August v. J. brach Oberst Jacobs mit drei oder vier Offizieren zu einem Besuche des Imams Jahsa von Aden nach Sana, der Hauptstadt des Fürstentums, auf. Nachdem der .Gesellschaft der freie Durchzug durch das Gebiet der verschiedenen Stämme gewährt worden war, verließ sie Hodeidai. Im Gebiet dies Kuhrastammes wurde sie jedoch überfallen und soll festgehalten werden, bis die englische Regierung die Forderung nach Aufhebung der Blockade über den Hafen Hodeida und einige andere „etwas dunkle Forderungen“ bewilligt. Obwohl die Blokkade inzwischen aufgehoben worden ist, sind die Engländer dennoch nicht fneigelassen worden, und es soll neuerdings der Abzug der englischen Kommission von Hodeida verlangt werden. Da die Engländer keineswegs hierzu gesonnen sind, so dauern die Verhandlungen noch an in der Hoffnung auf einen Ausweg, der die Entsendung einer Strafexpedition erübrigt. Offenbar im Zusammenhang mit diesen Dingen steht eine Nachricht der „Times“, die von einem Aufstand in Hogdteid'a meldet, bei dem die Aufständischen schließlich die ganze Stadt besetzt hätten. Infolgedessen sei ein Bataillon mit Maschinengewehren und Artillerie in Hodeida gelandet worden. Die „Depeche Coloniale“ widmet der englischen Politik anläßlich dieser Vorgänge, die auch französische Interessen berühren, eine von bitterer Ironie und widerwilliger Anerkennung erfüllte. Würdigung. (Neuer Orient) Aufschub der Ostjüdischen Konferenz in Berlin. Infolge der in jüngster Zeit entstandenen VerkehrsschwierigWeiten ist auf Ersuchen femliegender Ortsgruppen die Ostiüdische Konferenz für einige Zeit aufgeschoben worden. Der neue Kohferenztermin würd nooh bekannt gegeben -werden. •'" lOBfSCHE ZEITUNG Auswanderung kaukasischer' Juden’ nach Palästina. Im Kaukasus ihaben' sich, wie „Haale m“ berichtet, bisher 12.000 Juden zur ehebaldigen Auswanderung nach Palästina gemeldet Der überwiegende, Teil von ihnen besteht aus Bergluden, .die in der Landwirtschaft gut bewandert sind, den Rest bilden Handwerker. Eine in Baku kürzlich abgeihalterae zionistische Versammlung hat behufs Regulierung der Auswanderung weitgehende wichtige Beschlüsse gefaßt darunter auch die Errichtung eines Zentralbureaus bi Baku und eines Informationsbureaus in B ä t u m. welches die Verbindung zwischen dem Zentralbureau einerseits und Korrstantinopei und Palästina anderseits aufrecht erhalten solL Zur Ausführung der gefaßten Beschlüsse wurde ein Budget von 210.000 Rubel angenommen. Expreß London—Bagdad. Kürzlich sprach in London Sir Arthur Fell, der wärmste Verteidiger der Untertuunelimg des Kanals, über dieses Projekt; er führte aus, daß alle Militärs der neuen Schule ebenso wie auch der Kriegsminister selbst es in gleicher Weise billigen; Palästina und Mesopotamien werden nach der Voraussage des Redners eine solche Entwicklung durchmachen; daß in fünfzehn Jahren täglich ein Bagdad-Expreß vom Bahnhof Charing Cross abgehen wird. Daher würde der geplante Tunnel vor allem dieser wichtigen Verbindung Englands mit dem Orient zugute kommen. Zionistische Bewegung Zionistisches Landeskomitee für Deutschösterreich Sitzung vom 12. Jänner 1919. Vorsitzender Ing. Stricker. Anwesend: Bato. Dr. Ehrlich. Dr. Mandl, Rappaport. Dr. Tartakower, Taubes. Wcinor. 1. Absage der zionistischen Jahreskonferenz. Ing. Stricker verliest das aus London eingelangte Schreiben, welches in ausführlicher IVeise die Motivierung der Absage der ahreskonferenz enthält „Die Londoner Leitung gibt einen kurzen Ueberbiick der Ereignisse und betont dann, daß sie sich dessen bewußt ist. daß die Situation im jüdischen Volk und in der zionistischen Organisation zu einer wachsenden Unruhe geführt hat, die immer mehr auch die Arbeit der zionistischen Leitung erschwerte. Diese Unruhe verdichtete sich in den letzten Monaten seitens zahlreicher Föderationen mehr und mehr zu der konkreten Forderung nach Einberufung einer Jahreskonferenz. Die zionistische Leitung wünscht nichts sehnlicher, als diese Konferenz so schnell als möglich einberufen zu können. Es war aber unmöglich vor dem Spätherbst 1919 an eine solche zu denken, .da die allgemeine politische Situation die Einberufung immöglich machte. Anfang November entschloß sich dann die Leitung. dem Drängen des polnischem tschechoslowakischen. deutschen und österreichischen Landesverbandes zu folgen und die Jahreskonferenz für die zweite Hälfte Jänner nach Basel einzuberufen. um davon unabhängig zu sein, ob eine nach London einberufene Jahreskonferenz durch irgendwelche Umstände wieder unmöglich werde. Besonderes Gewicht wurde darauf gelegt.' daß an der Konferenz die zionistischen Vertreter Südrußlands teilnehmen könnten, da sich in diesem Gebiet in den großen jüdischen Massen, die von der Pogromkatastrophe heimgesucht sind, ein elementarer Drang zur; Auswanderung nach Palästina gezeigt hat und es auf Grund der authentischen, der Leitung* erstatteten Berichte unmöglich schien, fürd ie Zionisten dieser Länder Direktiven auszugeben. ohne bei der Jahreskonferenz eine gründliche Aussprache herbeizuführen. Aber der endgültige Beschluß über die Einberufung der Jahreskonferenz wurde gefaßt, ohne daß Sicherheit bestand, daß die zionistische Organisation Amerikas an dieser Konferenz werde teünehmen können. Die Leitung glaubte jedoch, daß die Zionisten Amerikas mit Rücksicht auf die Bedeutung der Jahreskonferenz für die gesamten Organisation die Möglichkeit finden würden, wenn auch nicht in der ihrer Bedeutung angemessenen Stärke, aber vielleicht durch eine Delegation repräsentativer Vertreter beteiligt zu sein. Zum größten Bedauern der Leitung erklärte jedoch die zionistische Organisation Amerikas, daß sie ganz außerstande sei. sich an der einberufeneu Jahresversammlung zu beteiligen. hauptsächlich mit Rücksicht auf eine für die erste i Monate des Jahres in. Amerika organisierte große F i na n zk amp agne. von deren Erfolg die Fortführung der ganzen, Arbeit (besonders in Palästina) in finanzieller Hinsicht abhängig ist da wie bekannt, der größte Teil des zionistischen Budgets von den Zionisten Amerikas gedeckt wird In dieser Finanzkampagne sind die Leiter der zionistischen Organisation Amerikas absolut unentbehrlich und es sei vollkommen ausgeschlossen. daß sich die amerikanischen Zionisten, so gern sie es auch täten, an der Sitzung beteiligen. Im Verlauf einer ausführlichen Korrespondenz machten die amerikanischen Zionisten den Vorschlag. die einberufene Jahreskonferenz nicht als eine legale Jahreskonferenz, sondern nur als eine Konferenz der europäischen Zionisten zu betrachten, welche demnach nur informatorische Kompetenz, ohne Berechtigung zu legalen Beschlüssen hätte. Eine legale Jahreskonferenz sollte für Juli einberufen werden und an dieser Konferenz würden sich die amerikanischen Zionisten beteiligen. .Es war der zionistischen Leitung von Anfang an War. daß eine Jaftreskonferenz ohne Teilnahme der amerikanischen Zionisten die gesamte Organisation in eine außerordentlich schwierige Lage bringen würde. Infolgedessen wurden noch besondere Berichte an die zionistische Organisation Amerikas gesandt, welche die ganze Lage der Organisation ausführlich darstellten und die Bitte aussprachen. der Situation Rechnung zu tragen und eine Delegation zu entsenden. Gleichzeitig mit der Antwort der amerikanischen Zionisten auf (fiese letzten Vorstellungen. daß sie trotz Erwägung aller Gründe den Beschluß ihres Exekutivkomitees nicht zu ändern imstande sei, kamen auch Berichte aus Kanada und Argentinien, wonach diese Länder ebenfalls außerstande seien, sich an der Konferenz zu beteiligen. Aus Südrußland traf ein Telegramm ein. daß die Delegierten nicht rechtzeitig in Basel eintreffen könnten und die Vertagung dringend verlangten. Dazu kam. daß für Anfang Jänner der Beginn der türkischen Verhandlungen in Aussicht genommen wurde und damit zusammenhängend wahrscheinlich die Mandatsfrage behandelt werden wurde. Es ist selbstverständlich. daß bei diesen Verhandlungen die Leitung und speziell die politischen Führer an Ort und Stelle sein müssen. Es ist unmöglich, gleichzeitig eine Konferenz abzuhalten, die ohne die Teilnahme der verantwortlichen Leitung sinnlos ist So wurde in der Sitzung des Aktionskommitees vom 22. Dezember nach eingehender Beratung der gesamten Sachlage die Vertagung der Konferenz beschlossen. Gleichzeitig wurde beschlossen, so schnell als möglich eine Sitzung des großen Aktionskomitees nach London einzuberufen. um bei der Behandlung speziell der Mandatsfrage das gesamte große Aktionkomitee heranzuziehen und mitwirken zu lassen. An dieser Sitzung des Aktionskomitees vom 22 Dezember nahmen außer allen in London anwesenden Mitgliedern des Aktionskomitees von Seiten des englischen Aktionskomitees die Herten Sokolow. Dr. Lewin und außerdem Dr. Nordau teil. Die zionistische Leitung ist überzeugt, daß die Landesföderationen nach dieser ausführlichen Darlegung die Motive der Beschlußänderung verstehen und gutheißen werden. Der Sitzung des großen Aktionskomitees wird es überlassen, über die Einberufung der Jahreskonferenz zu beschließen. Bisher liegt der von der zionistischen Organisation Amerikas eingebrachte Vorschlag vor, iür Juli eine Jahreskonferenz anzusetzen. da sich die amerikanischen Zionisten erst zu dieser Zeit an einer allgemeinen Konferenz beteiligen können. Das gleiche gilt für die meisten anderen überseeischen Föderationen. Das große Aktionskomitee wird unter Würdigung der gesamten organisatorischen und politischen Lage entscheiden müssen, wann und wohin eine Sitzung einzuberufen ist und ob es vielleicht möglich sein wird, statt der Jahreskonferenz den Kongreß einzuberufen.“ Auf Vorschlag Ing. Strickers wurde beschlossen. in folgender Weise nach London zu schreiben: „Aus unserer ganzen Korrespondenz im Laufe des letzten Jahres weiß die zionistische Leitung, wie sehr wir im allgemeinen Interesse der zionistischen Bewegung darauf gedrungen sind, daß endlich auf irgend eine Art der Kontakt der Leitung mit den Vertretern der großen Massen zustande kommt. Wir haben daher die Einberufung der Jahreskonferenz iür Mitte Jänner lebhaft begrüßt wenngleich wir der Meinung waren, daß sie ebenso gut schon mindestens ein oder zwei Monate früher hätte anberaumt werden können. Umso bedauerlicher scheint es uns nun. daß auch diese Jahreskonferenz. der wir mit großen Erwartungen entgegengesehen haben. abgesagt wurde. Und mm soll das große Aktionskomitee für die nächste Zeit nach London und eventuell die Jahreskonferenz für Juli einbeniren werden. Damit ist innerhaib der Organisation fast derselbe Zustand wieder geschaffen, wie er im Sommer 1919 herrschte. Denn, daß das große Aktionskomitee in absehbarer Zeit in London wird vollzählig zusammentreten können, halten wir nach der ganz vagen Art der diesbezüglichen Mitteilungen. von anderen Schwierigkeiten abgesehen, schon wegen der erforderlichen Vorbereitungszeit für ausgeschlossen. Bleibt also nur die Aussicht an! die iür Juli geplante Jahreskonferenz. Dieser Zustand ist aber nicht einmal so sehr für uns als für die Leitung selbst unhaltbar. Wir haben in wiederholten Briefen darauf hingewiesen, wie groß die Unruhe unter den Massen des Volkes ist. So sehr wir es daher auch begrüßen, daß die zionistische Landesföderation Amerikas der Bewegung große Mittel zur Verfügung stellt, so sehr müssen wir dagegen Protest erheben. daß der Wille einer Föderation Diktat für die gesamt e Weltorganisation sein solL Wir fügen uns dem Zwang, weil wir die allgemeine Lage keimen. In merito wiederholen wir unsere Forderungen nach sofortiger Einberufung einer Jahreskonferenz oder einer Sitzung des großen Aktionskomitees aui das nachdrücklichste, natürlich unter solchen Bedingungen, daß die Abhaltung auch wirklich gewährleistet ist. Daneben aber verlangen wir, daß die Leitung durch Entsendung geeigneter Männer aus dem Aktionskomitee dafür Sorge trägt, daß die großen zionistischen Föderationen Mittel- und Osteuropas über ihre Intensionen und Arbeit aufgeklärt werden und' daß anderseits die Leitung auf demselben Wege Aussprache mit den Massen des jüdischen Volkes pflege. Denn im entscheidenden Augenblick wird es unerläßlich win daß die Leitung das Bewußtsein hat das vollste Vertrauen des jüdischen Volkes zu be-