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Jüdische Zeitung · 1920-01-16 · 3 (16.1.1920) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
3 (16.1.1920)
Date
1920-01-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 5 Nr. 3 Saratow. Einen «roßen Erfol« hatte die im August hier äbgebaltene Konferenz der Zeire-Zion. Für das lebhafte Interesse der Teilnehmer sprächt die Tatsache, daß ungeachtet der ungeheuren Reiseschwierfekeiten Delegierte aus Samara. Pensa und Moskau nach Saratow gekommen waren. Die Konferenz beriet drei Tage lang mit tiefem Ernst sämtliche Organisafionsangelegenheiten. Es wurde beschlossen, ein Hauptbüro der Zaire Zion für Großnißlaud einzurichten. Witebsk. Ueber den Kampf der jüdischen Kommissäre gegen die zionistische Organisation im Gouvernement Witebsk ist schon mehrfach berichtet worden. Trotz der schweren materiellen Lage der jüdischen Bevölkerung ist es uns doch gelungen, die notwendigsten Arbeiten durchzuführen. Große Unterstützung findet die nationale Arbeit durch den jüdischen Turnverein „Makkabi“. der ein Zweigverband der Moskauer Tumeesellschait „Makkabi“ ist. Kürzlich hat hier eine Koalier en z d e r Makkabi stattgefunden, die von Delegierten aus Mohileiw. Smolensk und Pskow besucht war. Die Konferenz hat bei der jüdischen Bevölkerung, namentlich bei der jüdischen Jugend, großes Interesse und lebhafte Anteilnahme gefunden. Die Reibungen innerhalb der Poale Zion- Gruppen im Gouvernement Witebsk haben letztens scharfe Formen angenommen. Die überwiegende Majorität dieser Gruppen will von dem linksradikalen Elementen nichts wissen und hat auf der kürzlich in Witebsk abgehaltenen Konferenz ihre Schwenkung nach r echts öffentlich demonstriert Betreffs der Palästinafrage wurde eine Resolution angenommen, in der gesagt wird, daß die Palästinafrage nunmehr in das Stadium der Verwirklichung getreten ist. wo sie die Mitarbeit sämtlicher Kräfte der Nation zu beanspruchen berechtigt sei. Zur Förderung der Lage'der Arbeiter in Palästina schlug die Konferenz die Errichtung einer Arbeiterbank vor. In den linksradikalen Kreisen der Poale Zion herrscht große Aufregung über diese „reaktionären“ Beschlüsse. Hornel. Das zionistische Leben in unserer Stadt ist sehr rege, besonders seit der Abhaltung der letzten Zeire Zion-Konferenz. Da unsere Stadt den Mittelpunkt für die Flüchtlingsmassen bildet widmen sich unsere aktiven Kräfte größtenteils den Hilfsarbeitern Die Reihen unserer Jugend werden immer wieder durch Mobilmachungen und Rekrutierungen gelichtet. Dennoch konnten wir die Schekelwoche und andere zionistische Arbeiten mit Erfolg durchführen. Rostow am Don. Seit der Vertreibung der Bolschewiki aus unserer Stadt haben wir heute zum erstenmal die Gelegenheit an das Zentralkomitee Bericht zu erstatten). Seit einem Jahre befinden wir uns unter der Herrschaft des- Generals Krassnow. die wir sehr schwer empfinden. Die einst bei uns so blühende zionistische Organisation liegt jetzt fast völlig am Boden, unsere besten Kräfte wurden eingezogen, Krankheiten und Epidemien raubten uns unsere besten Mitarbeiter. (So starb einer unserer aktivsten Zionisten, Michael Rabinowitsch.) Erfreulicherweise konnten jetzt einige Versuche unternommen werden. um die zionistische Organisation wieder aufzuricliten, Ein großes Verdienst haben hieran der Hechawer und die Zeire Zion. Ein von allen zionistischen Gruppen gemeinsam veranstalteter Palästina-Abend brachte uns einen großen moralischen und pekuniären Erfolg. Mehr als 70.000 Rubel wurden gesammelt und eine große Anzahl von Schekolim abgesetzt. Zurzeit bildet sich bei uns eine Gruppe der Oie Zion: außerdem gründen wir eine Gesellschaft zur Wiedergeburt Palästinas nach dem Moskauer Muster. Leider sind wir vom Merkas ganz abgeschnitten und haben gar keine Nachrichten darüber, was in der zionistischen Bewegung zurzeit vorgeht Schöne Worte aus der Slowakei Die Behandlung der jüdischen Bevölkerung m der Slowakei, die bekanntlich eine beträchtliche Minderheit im Lande ausmacht halt in dien ersten Zelten nach der Okkupation, wie man weiß, vieles zu wünschen übrig gelassen. Uebfergrifie der Organe und ein von oben ziemlich) unverhüllt praktizierter Antisemitismus haben dfer durch die allgemeine Unsicherheit ohnedies geängstigten jüdischen Bevölkerung arg zugesetzt und über den bevollmächtigten Minister Srobar wollten die Klagen nicht verstummen. Auf der einen Seite trat er in der Oeffentlichfcert mit rein antisemitischen Aeußerungeh auf, andererseits empfahl er den Juden, aus ihrer „Isoliertheit“ herauszutreten und den Anschluß an das slowakische Element zu suchen, von einer Anerkennung der jüdischen Nationalität, von einem Verständnis für die jüdischen Forderungen zeigte sieht bei ihm keine Spur. Seit einiger Zeit scheint in dfer Slowakei einige Beruhigung eingetreten zu sein, von gröblichen Ausschreitungen wenigstens hat man nichts gehört, aber die jüdischen Forderungen harren noch ihrer Verwirklichung. Nun wird eine Neujahrsrede bekannt, die Minister Srobar bei einem Graituiatkmsempfange hi eit, und; in welcher zwei Stellen bemerkenswert sind. So sagte der Minister: „Das heutige magyarische Regime ist charakterisiert durch eine ganz besonders brutale Eigenschaft: die vollständige Ausrottung dies magyarischen Judentums. Es ist ein unerhörter Undank des magyarischen Volkes gegenüber seinen Juden, welche das magyarische Kapital zu einer ansehnlichen Höhe vervielfachten, welche dem magyarischen Volke eine sehr hohe Zahl von Schriftstellern, Künstlern und Gelehrten gaben, welche die magyarische Journalistik auf eine vollkommene Stufe hoben, welche durch Ehre Tüchtigkeit. Arbeitslust und Begabung auf allen Gebieten des staatlichen Lebens für die trägen Gentryleute und Aristokraten einsprangen, daß heute die Magyaren mit der größten BrutaEtät diese ihre besten Mitarbeiter peinigen. Die fünfzehn Millionen dtes einflußreichen, wohlhabenden und gebildeten Judentums Europas werden dieses unmenschliche Vorgehen der magyarischen Intelligenz und Aristokratie niemals verzeihen und für die Juden kann dies eine Lehre sein, wie gefährlich es ist, wenn sich die Söhne eines Volkes in die Dienste eines anderen Volkes stellen, dlas Herreninstinkte hat. Unmenschiichkeit und; UnSittlichkeit bringt nicht nur den Unterdrückern) Unglück, sondern auch den Unterdrückern und! ihren Helfern den Untergang." An einer anderen Stelle seiner RedSe sagte Dr. Srobar: „In der Slowakei genießen alle Natioffen'volle Freiheit und Gleichheit und wir werden uns auch in Hinkunft an diesen Kardinalgrundsatz halten, daß nur freie Nationen die Freiheit des Landes schützen können, und daß nur freie Nationen dauernde und feste Stützen jedes Staates sein können. Ein geknechtetes Volk hat nur seine Knechtschaft zu verteidigen, ein freies Volk, dias seine Freiheit verteidigt verteidigt sein Leben. In der tschecho-slowakischen Republik genießen auch alle Religionen und Gesellschaftsklassen Freiheit und Gleichberechtigung.“ So schöne und einsichtsvolle Worte hätte man von jedermann eher erwartet als gerade von Herrn Srobar. Main muß nun zuwarten, ob sein Eintreten für das magyarische Judentum nicht bloß dem Wunsche' entspringt sich seiner als bequemen Mittels gegen Ungarin zu bedienen. Wenn Herr Srobar den Juden Lehren erteilen will, wie gefährlich es ist wenn sich die Söhne eines Volkes in die Dienste eines anderen Volkes stellen, so ist bei flun der Schluß naheliegend, daß er die Juden der Slowakei meint die er magyaristereiHÜer Neigungen angukJageni pflegt Man weiß nun nicht ob der letzte Sinn seiner Warte nicht der ist sie sollten ihre angeblichen magyarischen Gefühle gegen ein Bekenntnis zum Stowakentum ein tauschen; denn es fällt schwer, an so plötzliche Sinnesänderung des Ministers für die Slowakei zu glauben. Jedenfalls müßte es jetzt an ihm liegen, seinen Worten durch die Tat Nachdruck zu Verleihern Für das slowakische Judentum aber ist nichts dringender als eine einheitliche, auf alle Sanderbestrebungen verzichtende Organisation, die ihre Forderungen mit dem nötigen Nachdruck vortragen und den Minister an seine eigenen Worte mahnen könnte. Ukraine Denikin and die Pogrome; Der Pariser P.-Gewährsmann der „Jüdischen Preßzentrale Zürich“ tedt mit: Dre Pariser Repräsentanten der Denikimschen Regierung sind sehr darum besorgt sich von der Beschuldigung, Judenpogrome hervorgerufen, begünstigt oder geduldet zu haben, reinzuwaschen. Auf eure Anfrage aus Rußland antwortete der Münster Neratow: „Gegen Pogrome werden alle möglichen Maßregeln ergriffen. Die volle Gleichberechtigung der Juden ist selbstverständlich." Trotzdlem sind im Demkinschen Gebiet furchtbare Judenpogrome vorgekommen: Tausende ermordet Zehntausende geplündert und ausgeraubt, Hunderttausende Juden im Zustande des unbeschreiblichen Elends. Die Sachlage ist folgende: Denikin und die Regierung sind gegen die Pogrome, aber Denikin besitzt keine Macht seinen Offizieren. Beamten und! Soldaten Gehorsam zu gebieten. Ein Teil dler Intelligenz mit dem einflußreichen Schulgin; dem Redakteur des .JKiewliani'n“, an dfer Spitze; treibt eine furchtbare antisemitische Hetze. In der Masse, besonders in der Armee, sind durch den Bürgerkrieg und die allgemeine Zerrüttung die wildesten Instinkte wachgerufen. Wie von einer „hochautoritativen russischen Quelle“ versichert wurde, sollen übrigens seit zwei Wochen die Pogrome aufgehört haben. Zur Charakteristik der Lage teilt dfer Korrespondent eine Resolution dter Denikin freundlichen Kadettenpartei, angenommen auf der letzten Parteikonferenz in Charkow, mit: „Die Charkowar Konferenz der Kadettenpartei spricht die Ueberzeugung aus, daß die stattfindenden Judenpogrome unzulässig sind; nicht bloß aus Humamitätsrücksichten, sondern auch vom Standpunkte jener großen Sache, der die Freiwilligen-Armee dient Die vom Bolschewismus hervorgerufeno moralische Verwilderung hat auch die Ausbreitung der Judenpogrome hervorgerufen. Die führenden und bewußten Kreise des Judentums sollten einen unerbittlichen Krieg jenen Elementen unter den Juden erklären, die fluirch ihre aktive Teilnahme an der bolschewistischen Bewegung ein verbrecherisches und böses Werk schaffen. Die Konferenz spricht die Hoffnung aus, daß jene gesunden Richtungen im Jud’entume. die zusammen mit allen russischen Bürgern bestrebt sind, an dfer Befreiung Rußlands vom Bolschewismus teilzunehmen, von den breiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung werden aktiv unterstützt werden." Dr. Pasmanik veröffentlicht in der „Cause Commune“, dem offiziellen Organ der Demikinschen Armee m Paris einen längeren Artikel, in dem er die ständig erneute Beschuldigung widerlegt, die Juden seien schuld an allem Unglück, das Rußland betroffen hat. und die russischen Intellektuellen auffordert mit allen Kräften gegen den Antisemitismus und die daraus folgenden Pogrome zu kämpfen, da dies nicht nur für die Rettung der Juden, sondern auch für das Ansehen und die Wiedergeburt des neuen Rußland notwendig ist ienigen. welche den Boden bearbeiten, werden dann die anderen bilden; und diese arbeitende Majorität würde dann zum Besitzer des Landes. Eine Bewegung, die denjenigen, weiche tatsächlich den Willen haben, sich im Lände als arbeitendes Element niederzulassen, die Gelegenheit hiezu nimmt hat aufgehört die nationale Bewegung zu sein und ist dem Tode geweiht. 4. Der Zionismus ist nicht bloß eine Tätigkeitssphäre für die Arbeiter allein. * 5. Die Idee dre Arbeit Alle Parteien sind von der. Ueberzeugung durchdrungen, daß Palästina dann zum Lande Israels werden wird, wenn die gesamte Arbeit durch Juden allein geleistet werden wird. Denn sollten die Juden es fortsetzen, bloß arabische Arbeiter zu beschäftigen, dann wird der kritische Zustand eintreten. daß die wirklich das Land Bearbeitenden die Herren desselben bleiben werden. Hiefür ist auch ein positiver Grund anzuführen: Es gibt keine andere Heilung für die Krankheit unseres Volkes — nämlich; daß es bloß von der Arbeit anderer und! von dler Gnade der anderen lebt — als die, daß unser Volk sich selbst daran gewöhne, alle natürlichen Arbeiten mit seinen eigenen Händen zu verrichten 6. Soziale Gerechtigkeit Ate Mittel hieziu erkennen wir an: Die Nationalisierung des Bodens und die Nationalisierung der natürlichen Bodenschätze als auch der TransportmitteL Was die Sozialisierung der übrigen Produktionsmittel anbelangt halten wir sie für ungeeignet sie als gemeinschaftliche Grundlage vorzuschlagen, da sie noch ganz unklärt ist und unser Volk derzeit nicht geeignet ist. sich auf bloße Experimente einzulassen. Unsere Golusarbeit muß auf unser zukünftiges Leben in Palästina gerichtet sein. Wir glauben nicht an die Diskussionen, ob der Golus ewig bestehen oder bloß eine vorübergehende Erscheinung ist; wir bekennen bloß, daß ohne ein Palästina, dessen ganze Arbeit durch die Juden geleistet wird, keine Hilfe für unser unglückliches Volk vorhanden ist. Die Konzentrierung unseres Geistes auf ims;rt- Arbeit in Palästina und die Anpassung unserer Kräfte an die Arbeit wird zum Anziehungspunkt für alle diejenigen Juden werden, für die die zionistische Idee noch nicht zu einem seines Inhaltes beraubten Begriffe geworden ist“ Das Heft enthält weiters einen Aufsatz von M. J. Leder, der den Hintergrund für die einberufene Konferenz des Hapoel-Hazair und der verwandten Gruppe beleuchtet Dr. Tartakower bespricht in einem Aufsatze die Bedeutung des verstorbenen Adolf Stand für die Jugend seiner Zeit Derselbe Autor liefert auch eine Uebersetzung einer autobiographischen Erzählung dtes Josef R. Ehrlich: „Der Weg meines Lebens“. Ferner enthält das Heft einen sehr interessanten und aufschlußreichen Brief des palästinensischen Hapoel-Hazair. Meier Henisch bespricht in einem Briefe an die Palästinenser die energielose Arbeit der Juden im Golus für die Hebraisierung. Menachem Frostig steuert ein kleines Gedicht bei Die Chronik gibt Aufschluß über die bisherige Arbeit des Hapoel-Hazair in Wien und über die Leistung des Wiener „Hecbaluz“. Ate stolze, beredte Zeugen einer großen Zeit grüßen uns die Piutim. Sie singen von der Kraft und Ausdauer unseres Volkes, dem Stolz seiner’ in sich gefestigten Lebensanschauung, seinem von unverwüstlicher Hoffnung getragenen Idealismus, von Gott erfülltem Lebensmut und seiner Gott geweihten Lebensführung. Solche Dokumente einer zurückEegenden Zeit fragen die ewige Mahnung für jede Gegenwart in sich; nicht zurückzusehen hinter Errungenschaften, die unsere Väter mit ihrem Lebensblute einst sich erkämpft.“ Wir könnten nicht treffender den Geist dieses Buches kennzeichnen, als mit diesen Worten, welche der Herausgeber — von einem Autor kann hier nicht gesprochen werden — in seinem treffenden Geleitwort dem Buche vorausschickt Es ist aufs wärmste zu begrüßen, daß ein Anfang gemacht wurde, die Piutim unserer Liturgie, die uns bisher nur in phrasenhaften Uebersetzungen der Festtagsgebetbücher zugänglich waren, endlich in vornehmer, gediegener, philosophisch abgetönter Uebersetzung näherzubrtngen. Wir sollten endlich zu begreifen anfattgen, welche Welt von tiefen Gedanken und Gefühlen in den hebräischen Dichtungen des Mittelalters verborgen liegt, die zum großen Teil als Piutim (Lobgedichte), Sehchoth (Bußgebete) und Kinoth (Klagegesäuge) in unsere Liturgie und damit in die jüdische Volksseele Eingang gefunden hat Der Uebersetzung sind ausführliche und aufschlußreiche Erläuterungen beigefügt Die Ausstattung des Buches ist recht gediegen. L. G. Die Piutim für Rosch-Haschana. U.ebersetzt und erläutert von Dr. Joseph Breuer. Verlag Sänger & Frieöberg. Frankfurt a. M. 1919. „Moriah“. Das soeben erschienene Järmerheft der bekannten jüdischen Monatsschrift in polnischer Sprache. „Moriah“. enthält folgende Aufsätze: Abg. A. Hartglas: Unsere Sendung; Dr. Ignaz Schwarzbart: Das Rätsel unserer

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