Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 50 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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sdbft*Jieb.rälsth« Sprache heransgab. Während «des^Krieget ertötete .äer Zusammenschluß <leser. beiden Gesellschaften.' Die Gesellschalt lmdizt,je£Et..<He Herausgabe einer medizinischen Zeitschrift.in.hsbrStüdier- Sprache mit dem Titel JHarevliaaJh” an. Zurzeit gehören der Gesellschaft 60. Aerzte. 2 Veterinärärzte and 5 diplomierte Apotheker an. Ende Novembersoll eine palästinensische Aerztc-Koalerenz abgehalten werden; . 7 : Efai Konflftl «rischen Dssischkin and der Jtadassa‘. Die palästinensische Presse bespricht mit groß« Erregung eineu Konflikt der angeblich zwischen Ussischkin and der amerikanischen Medical Unit „H a da s s a“ ausgebrochen ist Nach dem Bericht de« „Hapoel-Hazair" hierüber, veröffentlicht hätte die Medical Unit als Antwort anf eine Kritik, welche die neue zionistische Kommission an ihrer Arbeit übte, sich nach Amerika gewendet und verlangt nicht der zionistischen Kommission. 'sondern direkt der amerikanischen Organisation unterstellt zu werden. Die amerikanische Organisation entschied darauf, daß die Medical Unit in bezug auf Sprache (1!) und in bezug anf Anstellung voa Kräften von der zionistische» : Kommission . unabhängig und direkt der amerlkaniachen Organisation unterstellt sei. Jtfapoel-ilazair'* beklagt sich darüber, daß mit dieser Entscheidung die amerikanischen Zionisten zum Prinzip der landsmannschaftlichen Kolelim «rückgekehrt sind, die sich nicht der einheitlichen nationalen-Disziplin fügen wollen. Reformen Im Chalukawesetu ~ Wie „Cbadaschot liaarez“ mitteiien. macht sich letztens in Kreisen der Chaluka empfang er des ..ungarischen Kclel in Jerusalem die Neigung bemerkbar. sichvomEmpfangder Chaluka los Zusagen. Dazu hat gleichermaßen die verbesserte wirtschaftliche Lage vieler junger Leute -.unter den Empfängern und die Herabsetzung der Lnterstützungsauote beiger trägen. Die Verwaltung der Landsmannschaft entschloß, sich darauf zu einer systematischen Reform. - nämlich zur Zweiteilung der Subventionsgelder: 1 ein Teil wird für Wohltätigkeitszwecke, der andere Teii für Ueberführung der geeigneten Elemente zur Landarbeit in Palästina verausgabt. Es ist dafür gesorgt worden..daß bereits bei der Sammeltätigkeit in der Diaspora auf diese Neuerung hingewiesen werden soiL- Man verspricht sich von dieser ProdukttvJertmg der Chaluka einen großen Sammelerfolg in.Amerika.. . - 7 Einen ähnlichen Beschluß faßten die beiden chassidischen Kolelim Liubawitsch und .Bobruisk: 50 Prozent aller Spenden sollen zum Besten .von Waisen. Kranken. Witwen und Greisen verwendet Werden, die anderen 50 Prozent werden an junge Leute vergeben, die sich der Landwirtschaft widmen wollen. Die beiden Landsmannschaften gehen daran, sich .zusammenzutun. um gemeinsam die, Idee der Landwirtschaft in die Chnlukaiugend zu tragen. Als Symptome eines Gesundungsprozesses der -Chalüka: sind diese neben Regungen höchst btgrüßens-. und bemerkenswert. Ban eines jüdischen Stadtviertels in Jerusalem — Telephon-und elektrische Anlage. Ein Telegramm aus Palästina berichtet dem K‘ Z. B—daß in Jerusalem der Bau eines neuen jüdischen Ouaftiers beschlossen ist. In einem' In der .Neuen Züricher Zeitung" veröffentlichtes Brief aus Jerusalem erfahren wir darüber folgende Einzelheiten: Die Ueberfühmng des -bisher vorhandenen jüdischen Verwaltuncsauöaratbs von Jaffa nach Jerusalem bedingt die Uebersiedlung einer größeren -Anzahl von Beamtenfamilien. und da die Wohnungsnot auch in Jerusalem sehr groß ist. hat der provisorische Ifatlonalrat beschlossen. Maßnahmen zu treffen, um den Bau von 500 modernen Häusern mit vollständig europäischer Inneneinrichtung in allernächster Zeit zu ermöglichen. Das neue Viertel soll zwischen dem Scopus und dem Oelberg in der Umgebung der zu erbauenden Universität erstehen und den Mittelpunkt des neuen Jerusalems bildeu. Auf Anregung der. Jerusalemer Handelskammer wurde ferner die Einrichtung eines öffentlichen Telephondienstes be-- schlossen. der den bedeutenden Handels- und Bankhäusern sowie den philantropischen und religiösen Gesellschaften zugängig gemacht werden soll. Später soll das Kabelnetz ausgebaut und auch Privatleuten zur Verfügung gestellt werden. Auch der Ausbau eines elektrischen -Tramnetzes in'und um Jerusalem und die Durchführung der schon in beschränktem Maße bestehenden elektrischen Beleuchtung für die ganze Stadt zur Straßen- und Häuserbeleuchtung Ist geplant Kanada Wir" entnehmen die folgenden Ausführungen einem Essay von Rüben Bramin im New-Yorker „Jüdischen Tagblatt“: Die drei jüdischen Hauptzentren in Kanada sind Montreal. Toronto' und Winnipeg. Montreal hat eine jüdische Bevölkerung von etwa 60.000. Toronto von 35 000. Winnipeg von etwa 15.000 Seelen. Diese drei jüdischen Zentren in Kanada sind in Charakter und Wesen verschieden. Montreal hat mehr jüdische Intelligenz und Halbinteiligenz. auch verhältnismäßig mehr wohlhabende und sehr vermögende Juden als Toronto und Wimnigpeg: das ganze jüdische Leben Montreals ist im Vergleich zu den zwei anderen jüdischen Zentren gewissermaßen vielseitiger. . vielfarbiger -und beweglicher. Das jüdische Toronto ist volkstümlicher, jüdischer' und in der letzten Zeit auch rühriger. Vor einigen Jahren war noch Montreal am rührigsten in jüdischer Beziehung. Das jüdische Winnipeg ist die gastfreundlichste, zuvorkommendste und verhältnismäßig freigebigste Gemeinde. Uebrigems haben im allgemeinen die Juden in Kanada eine offene Hand. Sie geben leicht besonders die jüdischen Massen, für verschiedene Gemeinschaftszwecke und -Institutionen. Die Ju- 'denheit Kanadas hat jedoch wenig Leute, welche die speziellen Fähigkeit«! für jüdische Gemeinschaftsarbeiten besitzen: die jüdische Gemeinschaftsarbeit wird im Stile der Wohltätigkeit, freiwillig und wenig systematisch geleistet, entbehrt auch der- Großzügigkeit, und Originalität In den meisten Fällen wird .das.New-Yorker Muster, als beispielgebend angesehen ürid nachgeahmt obwohl doch die allgemeinen und politischen Verhältnisse in Kanada ganz andere sind. "Erst in den letzten Jahren ist das Interesse der kanadischen Juden am politischen Leben des Landes erwacht Bei den Wahlen; welche vor kurzem in der Provinz Ontario vorgenommen wurden, kam es zu starken Zusammenstößen zwischen den jüdischen Liberalen und den jüdischen Konservativen, eine Tatsache; die zürn ersten Male zu beobachten war. Die wirtschaftliche Läge der kanadischen Juden’hat sich in'der letzten Zeit gehoben. Juden dringen 'in wirtschaftliche und soziale Schichten ein.'denen sie bisher ferngestanden sind und erweisen sieb, dank ihrem Fleiß und ihrer Zähigkeit auf allen Gebieten als tüchtig. Im Zusammenhänge mit den blutigen Ereignisseh jenseits des Ozeans begannen die Juden Kanadas inletzter Zeit sich in verschiedene Verbände und Landsmannschaften zu organisieren: es gibt bereits Verbände der ukrainischen, der polnischen, lifhaüischeri. rumänischen und Bukowinaer Juden: die'organisatorische Arbeit dieser Ver-' bände steht unter der Aufsicht und Leitung des Kongreßkomifees. Die letzteren sind der Ausdruck dafür, daß die Vorgänge in der ganzen Welt und besonders -die blutig«! -Erlebnisse dis Judentum^ auch den Juden Kanadas die Ueberzüugung vbk der Notwendigkeit eines jüdischen Kongresses ätr permanente'Institution gebracht haben. Der Jüdische Kongreßgedanke hat te Kanada ein Gefühl der Verantwortlichkeit gegenüber iüdi.7sehen Genielnschäftsangelegenheiten geschaffen; das früher nichtvorhanden war. Nur Personen, welche von den Kongreßkomitees gewählt sin*, dürfen sich an die Regierung in jüdisch«! Angelegenheiten wenden. Das ist ein wichtiger organisatorischer Fortschritt der verhältnismäßig jungen’ Die zionistische Föderation Kanadas und die ganze zionistische Arbeit dortselbst hatte in die7sem Jahre eine schwere Krise durchzumachen.' Glarence de Sola, welch« 20 Jahre läng Präsident der zionistischen Föderation in Kanada ge* wesei war. wurde vor etwa einem Jahre - zum Rücktritt gezwungen. . Die demokratischen Elemente. die zionistische Jugend und Intelligenz, haben den sefardischen Millionär genötigt, elnznsehen, daß er nicht imstande ist. <Üe gegenwärtigen.: Aufgaben der zionistischen Bewegung zu erfassen. Mit ihm kam auch ein Teil d« alten zionistischen Garde zu Falt Die intelligente Jugend hatte vor einem Jahre einen heftigen Kampf für die Reformierung der Föderation lind der zionistischen Tätigkeit in Kanada zu bestehen. Die alten-Formen wurden gestürzt, doch die neuen sind noch nicht standfest. Es fehlt an Energischen und der Sache ergebenen Führern. Es fehlt auch der Führ«; welcher sich kraftvoll an die Spitze stellen könnte - Ein Teil der zionistischen Jugend ist auch in der letzten Zeit sehr entmutigt nach den großen Hoff-- nungen und Erwartung, die an die Balfoursche. Deklaration geknüpft wurden. ’i Polen Die Schullrage. . Das polnische Unterrichtsministerium hat beschlossen, daß in den staatlichen Mittelschulen’ jüdische Schüler nicht verpflichtet sein werden.- am Samstag zu schreiben. Was die privaten MN-- leischulen anbelängt. haben die einzelnen Dlrek-- toren. denen das Ministerium keine Beschlüsse aufzwiugen kann, die ihnen opportun scheinenden Bestimmungen zu treffen. Nach Erledigung der entsprechenden Formatlitäteu. wird das Ministerium den einzelnen Schulverwaltungen in einen*1 Erlasse von erwähnter Begünstigung Mitteilung machen Die ^gänzliche Befreiung der jüdisch«*' Schüler vom Schulbesuch am Samstag wurde vom.'- Ministerium abgelehnt. Die polnischen Sozialisten (P. P. S.) hab^U bei ihrer letzten Kulturkonferenz in. Krakau u; 'ie1 folgende-Resolution bezüglich der Schulen-für dfe nationalen Minoritäten angenommen:-!. Die jggtytT nalen Minoritäten, die auf dem Gebiete des ethnographischen Polen leben, müssen das Reckt naben, private Schulen zu gründen, von den gewöhnlichen bis zu den höchsten. Ein besthhmfes- Miniirmm polnischer Unterrichtsfächer. <w|e Ge-J schichte. Sprache und Geographie Polens; wie auch Lehre über das jetzige Polen müssen in diesen Schulen eingeführt werden, insofern sie Oeficntlichkeitsrecht wünschen. 2. Es-d müsse» Staatsschulen für nationale Minderheiten; die'vom Staate anerkannt wurden und die auf dem Geibiete des ethnographischen Polen wohnen, mit nichipolnJschef Unterrichtssprache gegründet werden. falls dies Eltern nichtpolnischer'Nationalität verlangen und die Freaueiiz dieser Schulen sicher- - gestellt sein wird. Uni einklassige Volksschule*'' zu eröffnen, genügt es. wenn Sich 40 Kinder meldenc für ’ niehrklassige oder höhere Schulen muß' eine* Frequenz, wie sie durchschnittlich in den polnischen Schulen ähnlichen Typus vorliegt. gesichert werden. Zweisprachige Schulen sollen nicht geduldet werden. Bezeichnend ist. daß die P. P. S. durch verschiedene Verklausulierungen hlnwiesea. daß obige liberalen ‘Grundsätze ''keineswegs auch iür die .Juden Anwendung finden sollen. Sprechsäal Die bolschewistische Gefahr p Die Redaktion der „Jüdischen Zeitung" hatl eine Reihe von Zuschriften erhalten, welche gegen’ die in Nr. 48 unseres Blattes veröffentlichte Notiz'] „Die bolschewistische Gefahr“ Protest erheben.. Da es nicht möglich ist, alle diese Zuschriften,-? von ~ -denen insbesondere die Erklärungen des.] „Hechaluz" und-des „Hapoel hazair“ hervorzu-l heben wären, zu veröffentlichen, möchten wir uns] vorläufig und ohne die Diskussion einer Frage, ] deren sachliche Erörterung nur begrüßt werden kann, zu unterbinden, auf folgende Bemerkungen; beschränken: Hinsichtlich der schärfsten Verurteilimg des( Verhaltens jener poalezionistischen Elemente, die, zu"dem Aufsatz Anlaß gegeben haben, dürften wir. wohl auch mit denjenigen übereinstimmen, die gegen diesen Aufsatz protestieren. Der Schwerpunkt aller Proteste richtet sich daher auch nicht] gegen die Sache selbst, sondern gegen jenen] Schlußpassus, ln welchem' darauf hingewiesen? würde, daß Efnwanderungsverbote sich in der] Praxis immer 'nur gegen diejenigen Elementerichten, welche als Unternehmer und Arbeitgeber; hinzugeh’en beabsichtigen, während diejenigen, die! „nicbre'zu verlieren haben, Arbeiter, Chäluzim", letzten* Endes viel leichter jene Energie und Aufopferung aufbringen, die ihnen allen Widerständen? zua Trotz die Wege öffnen. Nun ist wohl, gegenj •in* tatsächliche Feststellung dies« Art auch mlchts einzüwenden und sie kann schwerlich besstritfen ' werden. Wenn sie aber so aufgefaßt jwurde.alsob darin die Chäluzim und die’Arb eit« rschlechthin ’ des Bolschewismus verdächtigt würden, so muß demgegenüber bemerkt werden, daß ,?dazu keinerlei Veranlassung vörliegt. Paß die tChaluzim mit ihrem-unvergleichlichen Idealismus unser wertvollstes"Menschemnaterial für-Palästina fbilden werden, steht außer Zweifel. Aber man i karni diesen Idealismus noch so hoch einschätzen, ^wird man doch dieeine Tatsache nicht’ {leugnen können:-Auch wer als selbstloser Pionier gnach Palästina geht, wird, so lange dort nicht fgenügend Arbeitsgelegenheit geschaffen werden Ikarni, dem Heer d« Arbeitslosen und dadurch,?ob beabsichtigt oder nicht, denjenigen politischen |Kreisen zugeführt, deren extreme Stellungnahme einem erst zu schaffenden Gemeinwesen nicht zum i'Guten gereichen kann. Nicht um kapitalistischen Geist zu infiltrieren, wohl aber um die «-. schreckend zunehmende und durch jeden einwandernden Chaluz noch anwachsende Arbeitslosigkeit als Zündstoff für politische Verwicklungen :zu bekämpfen, wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß ein Verbot aufgehoben werden möge, welches in erster Reihe die Arbeitgeber und Unternehmer vom Lande fernhält. Auch diese (Forderung dürfte von allen Chäluzim geteilt werden, da derjenige, d« hinübergeht, um zu arbeiten, in erster Linie begrüßen wird, -wenn zujnächst solche hinübergehen können, die ihnen Arbeit verschaffen. > . Stimmen wir also sachlich überein, so bleibt nur das eine zu bereinigen: die Verknüpfung der Chäluzim schlechthin mit dem Bolschewismus. Und da muß auf eines hingewiesen werden: mit dem Namen Chaluz wird heute ein schmählich«'Mißbrauch getrieben. Jeder einzelne (Belege genüg liegen hierüber vor); der aus ganz gleich welche« Gründen seinen gegenwärtigen Aufenthaltsort verläßt und nach Palästina gelangen will, benutzt diese Bezeichnung, um auf solche Welse sich dl*- Unterstützung der zionistischen Organisationen zu sichern. Aufgabe derjenigen Vereinigungen, dl* dem Namen seine ursprüngliche Bedeutung beibehalten wollen, wird es sein, — eine schärfere Kontrolle ihrer Mitglieder durchzuführen und. wenn sie von einem Palästinaamt die Mitwirkung zur Beförderung einzelner Gruppen erbitten. In diese Gruppen nur solche Mitglieder aufzunehmea/ für die sie voll und ganz bürgen können. Auch den - Verfasser jenes Briefes, der zu dem Artikel Anlaß gegeben hat, gab sich für einen Chaluz aus. Es scheint auch, als ob der Artikel noch nach einer anderen Richtung hin mißverstanden worden wäre. - Der Unterzeichnete Verfasser, der für den Aufsatz lediglich, persönlich einzustehen hat, beabsichtigt nicht, den kapitalistische« Geist für Palästina als schlechthin wünschenswert hinzustellen; ohne selbst prinzipiell Stellung «t nehmen, ja gerade mit dem Hinweis darauf, daß eine solche Stellungnahme jetzt verfrüht sei, betonte er die tatsächlich gegebenen Verhältnisse, welche uns unsere Bewegungsfreiheit eng be-