Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 50 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2438141-2438727-2438776--6532-2446622- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
93t« 4 Von Oer Leitung josef Cowen gegen die Leitung Am-2, Dezember fand in .London eine bemerkösswerte Diskussion über die zionistische Situation' statt, die von Josef Co weit einseleitet yurde * . Co wen führte unter anderem feinendes aus: _Jch habe die Empfindung. daß die Zionisten Englands und anderer Länder für die kommenden «roßen Aufgaben nicht genügend vorbereitet sind: Die Monistische Jahreskonferenz in Basel wird ■ihren Zweck verfehlen, wenn die zionistische Leitung die Oeffentlichkeit nicht über die gegenwärtige Lage in aller Offenheit informieren wird. Die bnreaukratisebe Maschine darf den Ausgang der ’ Konferenz nicht von vornherein bestimmen. Die Konferenz muß alle Anschauungen in der zionistischen Bewegung repräsentieren. Die Vorschläge, die von der zionistischen Organisation der Friedenskonferenz und der englischen Regierung unterbreitet worden sind, müssen endlich einer öffentlichen Diskussion zugänglich gemacht werden. Dr. Weizmann hat gegen die geheime Diplomatie Herzls gekämpft und ich werde es sicht begreifen können, wenn Dr Weizmann heute die geheime Diplomatie weniger bekämpfen sollte als in den Tagen Herzls. Die Politik Herzls siegt heute, s,'äber sie wird von Männern durchgeiiihrt, die sie zu Lebzeiten Herzls iigmer bekämpft habea Ich erinnere mich, daß Ussischkin mir. bevor er zur Friedenskonferenz ging, sagte: ..Wie schade, daß Herz! und Wolfsohn nicht mehr leben“. Es ist kein Geheimnis. daß in dem Aktionskomitee, das 1913 gewählt wurde, sjch einige Mitglieder befanden, welche die gegenwärtige Politik eines Bündnisses mit England bekämpften. Ich glaube nicht daß es wünschenswert ist daß eine Politik von Männern durchgeführl wird, welche nicht an sie glauben. Die zionistische Bewegung ist geschwächt worden. weil Männer von Nerven und Verdienst nicht mehr' in-der Bewegung mitarbeiten. Die zionistische Organisation ist heute nicht so stark wie säe vor 2 Jahren war, als die Deklaration erlassen;vuirde Lord Robert Cecil sagte damals im Opernhaus; ..Armenien für die Armenier. Arabien für die Araber, Judäa für die Juden“. Das englische Volk war überzeugt daß ein unabhängiger jüdischer Staat in Palästina errichtet werden würde. Ich persönlich verhänge V einen unabhängigen Staat Aber es ist ein großer Unterschied zwischen einem Staat und irgend einem Mandat welches uns gänzlich der Gnade Englands äusliefern würde: Die öffentliche Meinung ist nicht genügend bearbeitet worden. Sie ist heute dem Zionismus nicht so günstig gestimmt wie yor 2 Jahren und das beeinflußt wieder die Regierung. - Keine andere zionistische Politik ist möglich als die eines Bündnisses mit England, Das Mandat aber, das England über Palästina erhalten werde, müsse präzise definiert und In seiner Dauer bestimmt werden. Die Balfour-Erklärung ist das einzige, das die zionistische Leitung von der Regierung erlangt hat Der Ausdruck ..National Home“ kommt in keinem Staatswörter buc h v or. Es ist ein vages poetisches Wort Es kann alles und nichts sein, Es ist ein Dokument nötig, das unsere Rechte sicher stellt sonst könnte eines Tages ein Pharaoh erstehen, „der Josef nicht kannte“. Wir müssen auch mit den Arabern offen sein. Man darf nicht vergessen, daß es die Araber gewesen, sind. die für die jahrhundertlange Vernachlässigung Palästinas die Schuld tragen. Die Araber e; halten Arabien, weite Gebiete." die ihnen versprechen worden sind. Wir wollen mit den Arabern In Frieden und Freundschaft leben und wir werden es im Stande sein, wenn wir zu ihnen offen sein werden. Die Araber brauchen unsere Unterstützung und wir werden ihnen helfen, wenn sie uns unterstützen werden. Eine andere bedeutsame Frage ist ob die Juden Osteuropas, die in Tausenden nach Palästina gehen wollen, informiert worden sind, daß Pa;ästina in den nächsten 2 oder 3 Jahren nur ganz kleine Gruppen wird aufnehmen können? In der Diskussion, die der Rede Cowens folgte. wurde von Herrn N. Lazarus ausgeführt daß in der polnisch-jüdischen Presse vom Aktionsk< niitce sehr ausführliche Berichte über die gegenwärtige Situation veröffentlicht wurden. Wenn gewisse Persönlichkeiten heute in der Bewegung iehiten. so wäre es ihre eigene Schuld. Die Oefieutlichkeit wäre dem Zionismus nach wie vor günstig gestimmt Herr Leo Herrmamn erklärte, daß in der Basler Konferenz alle zionistischen Parteien vertreten sein werden. Was die politische Zukunft Palästinas betreffe, so müsse man vor allen mit den Tatsachen rechnen. Man könne keinen Staat nyit Staatsmännern, sondern nur mit einem Volke aufbauen. So lange die Juden in Palästina in Minderheit wären, wäre ein jüdischer Staat unmöglich. Die Hauptaufgabe wäre die Umwandlung der jüdischen Minorität In eine Majorität. Der ..Jewish Chronicle“ hätte Theorien eines jüdischen Nationalisten veröffentlicht, die zu sehr Wortspiel waren, um ernst genommen zu werden. Der C h r onicle, von dem man auf dem Festland mit Unrecht annahm, daß er den zionistischen Führern in . England nabestünde, hätte einen ungünstigen. Einfluß auf die zionistische, Stimmung ausgeübt Boris Gol db-erK trat der Behauptung ent- JpmSCHT> ZEin'Nfl Nr. BO Aus der Bewegung gegen, daß es in der zionistischen Bewegung geheime Diplomatie gäbe. Die zionistischen Vorschläge waren von der im Februar abgehältenen Konferenz* in aller-Gründlichkeit besprochen worden. Kritik wäre mehr an der Organisation als an den Führern berechtigt Nur ein Drittel der für die Arbeit in Palästina -benötigten Gelder wären eingeflossem ... Josef Co wen - erklärte im Schlußworte, daß die Londoner Konferenz die Bedingungen des Mandats nicht diskutiert hätte. Die Zionisten .versuchten nicht, die Bedingungen zu erlangen, die nötig wären- Sie würden keine freie Hand in Palästina erlangen. Die Haboneh-Gesellschaft hätte z. B. ihre Registrierung nur durch die Verpflichtung erlangen können. 50 Prozent ihrer Ausgaben in England zu machen. Die öffentliche Meinung müßte mehr beeinflußt werden. 9 Die Cow en-Greenb erg-Gruppe hält es für angebracht. - neuerdings wieder mit stets stärkeren Mitteln dem gegenwärtigen Aktionskomitee Schwierigkeiten zu bereiten. Ursache dieses Kampfes ist ihre unversöhnliche Gegner-, schaft gegen die Nachfolger Herzls und Wolffsohns. „Die Politik Herzls siegt heute, aber sie wird von Miii rern durchgeführt, die sie zu Lebzeiten Herzls immer bekämpft haben.“ In ihrem Aerger darüber, daß andere und nicht sie diese Politik durchführen. übersehen sie aber eines, was gerade in der Jüdischen Zeitnng.unlängst ausführlich dargestellt wurde: daß Herzl diese Politik schlecht, geführt hat. während es den heutigen Führern gelungen ist. sie zinn Erfolge zu führen. Mas Nordau in London Politische Arbeiten, in London ■ . ■ . Z3I1 Rfoaijl Politische Arbeiten in Paris . li 10.503; . „•; Allgemeine Organisation . . >. . „ 944- „ Propaganda ...... . - . -. , . 1.998; Presse (Publicity) ... i. . , - . . 1.099. . Verwaltung . : . ,., . , . , 3.753. Finanzabteilung . . . •„ . . , , 499 „ Erziehungsressort . . . . ... 1.105. ,. Kopenhagener Bureau . . . , , l.(Ö6 i „ In einigen Fällen war weniger, In ander» mehr Geld ausgegeben worden, als. vom Budget äüsgesetzt worden war. Z. B. hat .die Londoner politische Arbeit weniger als die ihr zugewiesea» Summe gekostet, während die Pariser den Betrag überschritten hat. Es ist augenscheinlich, dafi dies die Schuld der sich in die Länge ziehenden Friedenskonferenz und die Föjge .der Verlegung der politischen Tätigkeit nach Paris ist. In den Fällen, wo weniger Geld ausgegeben worden ist, als vorgesehen, Ist das darauf zurückzuführen, daß die Bedingungen ungünstige waren und nur das unumgänglich Notweridigeausgegebei wurde. Von besonderer Wichtigkeit ist die sanitäre Arbeit in Palästina, von welcher die Gesundheit der jetzigen Bevölkerung und der zukünftigen Einwohner so sehr abhängt.. Hinsichtlich der Entwässerungsanlagen ist die Arbeit in den Sumpfiändern in der Gegend vor Kinereth unter der Leitung und Kontrolle tüchtiger Ingenieure begonnen worden; große Summen sind für diese Arbeit bewilligt. Das Resultat dieser Verbesserungen wird sein, daß eine große Zahl der jetzigen Bewohner vor furchtbarer Krankheit, und frühzeitigem Tode bewahrt und große Gebiets- Strecken ackerbaufälligen Landes unter Kultur genommen werden. Das Engere Aktionskomitee hat. wie das Kopenhagener Zionistische Büro telegraphisch berichtet Max Nordau eingeladen, an der Leitung - der zionistischen Arbeiten teilzunehmem. Max Nordau hat dieser Einladung Folge geleistet und ist bereits am 17. Dezember in London eiraretroffen. Man mag zu der Politik, welche Nordau in den letzten Jahren innerhalb des Zionismus befolgt hat stehen, wie man will, so wird man dennoch diese Nachricht allseitig mit Genugtuung aufnehmen. Die Jahreskonferenz steht vor der Türe, in knapp vier Wochen sollen in Basel zum erstenmale wieder seit sechs Jahren die gewählten Vertreter aller zionistischen Landsmannschaftten zur gemeinsamen Beratung zusammentreten. Seit dem letzten Kongreß, der im Jahre 1913 in Wien stattfand.: hat sich aiich in der persönlichen Zusammensetzung zionistischer Tagungen ein großer Wandel vollzogen. Der Wiener Kongreß t stand noch im ZeicheniWolffsöbns und schon, im- Zeichen TscMenows: Nordau stand abseits. Die Bewegung hatte, sich über ihn hinaus, entwickelt. Die Jahreskonferenz, die: jetzt als der sogenannte kleine Kongreß zusammentreten wird, steht durchaus kn Zeichen Weizmanns. denn erfolgreichsten aller bisherigen zionistischen Führer. Aber die Erfolge. die er erzielen konnte, haben nicht zu hindern vermocht, daß ganze Gruppen von Zionisten ihm Schwierigkeiten bereiten. In London nimmt die von Cowen. Greenberg. Zangwill u. a. geschürte Opposition von Tag zu Tag zu. Die Mißstimmung, die, aus anderen Gründen, ach auch in anderen Kreisen bemerkbar zu machen begonnen hat. hat sich auf der Suche nach sachlichen Progranimpunkten auch der Tatsache bemächtigt, daß Nordau seit Jahren isoliert und gewissermaßen ausgeschaltet in Spanien lebt. Zwar ist dieses spanische Exil nicht auf Konto der zionistischen Leitung zu setzen gewesen, aber die Tatsache an sich genügte, um gewisse Folgerungen aus ihr abzuleiten. Zweifellos wäre es; auf der Jahreskonferenz zu scharfen Auseinandersetzungen gekommen, über welchen die Feierlichkeit des Wiedersehens unter so günstig geänderter Korsetilation erheblich Einbuße erlitten hätte. Es ist ein erfreuliches Zeichen für die innerliche Stärke, über welche die gegenwärtige Leitung verfügt, daß siesich dazu entschlossen hat noch vor Zusammentritt dieser Konferenz ihre iiand zur .Wiederherstellung der inneren Einheitsfront zu bieten. Es ist nicht minder erfreulich, daß Nordau diesem Rufe Folge geleistet hat Seine leilnahme an der Konferenz wird die Gewähr dafür bieten, daß die dort anwesenden zionistischen Führer sich über alle sachlichen und persönlichen Gegensätze hinweg restlos zur gemeinsamen Arbeit'zusäfluntnfinden werden. Personalia .Dr. Runpin. welcher dieser Tage zu kurzem Aufenthalt in Wien eintrifft, hat seine Uebersiedlung ■ nach Palästina aufgeschoben, um noch äa der Jahreskonferenz in Basel teilnehmera zu können. Auch Dr. Hantke. . welcher seinen Wohnsitz nach London verlegen sollte, hat seine Abreise verschieben müssen. Ebenso ist die Nachricht. daß Professor Dr, Warburg die Leitung der botanischen Abteilung des Technikums ‘ in. Haifa übernehmen soll, zumindest noch verfrüht. Die Palästina-Auföaü-Aktfen Die Kassenverwaltung des zionistischen Zentralbüros gibt folgende Aufstellung über die Aufbaufondsgelder, die sie von verschiedenen Ländere bis zum 2. November empfangen hat. Die TabelU gibt gleichzeitig .den Betrag an, zu dem die betreffende Landsmannschaft veranlagtwar: W«. : * ftiigti. Siitij süffö-j. Ifirg ■ Pfund . 100.000 Piund 10.721 Land England Ver. Staaten" von Amerika . 200.000 108.289 Rußland . . ...... 69.400 6.060 Australien . . . . . . .10.000 1.360 Frankreich.. 1.500 696 Griechenland ...... 1.200 223 Marokko. . 500 T7 Aegypten . . . . . . . 1.000 1.10Ö Rumänien . . 2.000 200 Südafrika . . . . . . 20.000 5.029 Holland . ......._2.500__400_ Gesamtsumme 408.100 134.095 Wir bedauern sehr, fährt der Bericht fort, da8 ein großer Teil der Landesverbände ihren Verpflichtungen gegenüber dem Aufbaufonds bis zum 1. November, also, in einer Periode von acht Monaten, nicht nachgekommen ist. Wir haben nichts Nennenswertes von Skandinavien, der Schweiz, Oesterreich, Italien,.der-europäischen Türkei, Bulgarien, der Tschecko-Slowakei, Litauen, Polen. Ukraine, Belgien, Argentinien, Poale-Zion und Palästina erhalten. Es ist Pflicht dieser Länder, trots enormer Schwierigkeiten, denen einige von ihnen gegenüberstehen, äußerste Anstrengungen zu machen, das Volk aufzurfltteln und der Zentralorgantsation die Summe, die diese festgesetzt hat, zuzuführen. Es wäre sehr zu bedauern, wenn in diesem Stadium unserer Sache die zionistische Tätigkeit in Palästina, die unbedingt von der treuen Erfüllung unserer finanziellen Verflichtungen abhängt, einen einzigen Augenblick durch da» zögernde Handeln und der oben erwähnten Föderationen gefährdet werden sollte. ‘ Finanzbericht des Londoner Zentralbüros Die vom 1. März bis zum 31. August 1919 ausgegebene Gesamtsuiiune beläuft sich auf 165.665 Pfund 6 Schilling gegen 245.936 Pfund 10 Schilling, die vom Budget genehmigt worden waren. Von dieser Summe wurden tatsächlich 133.466 Pfund. 15 Schilling für die Tätigkeit in Palästina selbst ausgegeben, also sind von der Gesamtsumme 82 Prozent direkt auf die Wiederaufrichtung des jüdischen Palästina verwendet worden. Es wurden durchschnittlich 22.244 Pfund monatlich nach Palästina überwiesen. Die Summe setzt sich wie folgt zusammen: Schulen . . ... . . . . . 33.873 Pfund Landwirtschaft . . . . . ... 20.354 it Sanitäres 29.977 „ Verwaltung .. 15.870 Nationale Organisation . . . ,. . 8.348 Entwässerungsanlagen _ . . ... 4.500 . „ Produktive Hilfe und allgem. Palästinazwecke . . . ...; 20.544 Die nicht für Palästina bestimmten Ausgaben verteilen sich wie folgt: Deutsdiösterreidi Zirkular .des Zionistischen Landeskomitees. Im vollen Bewußtsein der Verantwortung, di» das Landeskomitee sowie die Leitung jedes änderen Landesverbandes mit der Leitung der Zionistischen Weltorganisation mitzutragen hat und gedrängt durch die Tätigkeit von Männern, dl* frei von jeder Verantwortung gegenüber de» Massen des jüdischen Volkes, die gegenwärtige Zeit der Vorbereitung dazu benützen, um aufstachelnd und Unzufriedenheit säend zu wirken, sieht sich das Zionistische Landeskomitee für Deutschösterreich zu folgender ‘ Verlautbarung veranlaßt: 1. Die politischen Errungenschaften der zionistischen Exekutive: Von dem verantlichen Posten aus, auf dem wir stehen, erklären wir, daß alle Gerüchte über eine ungünstige Wendung unserer Palästinaemmgenschaften erlogen sind,'daß vielmehr da» Mandat Englands, über Palästina mit dem Aufträge. Palästina als nationale Heimstätte der Juden zu errichten, soweit als gesichert zu betrachten ist, als eine solche Sicherheit vor der Unterzeichnung und Ratifikation der bezüglichen Verträge über-