Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 49 (12.12.1919)
- Date
- 1919-12-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit* 4 »nniQCHF ZPTTfTMO Nr. 49 stina. Die hebräische Sprache verbieten, hieße die Jüdische Volksseele töten. A. J. Idelsohn (von den Zeire-Zion) sprach über -die große Zukunft des Hebräischen beim Aufbau unseres Landes. M. Rudnitzki gab ein erschöpfendes Bild von den Verfolgungen, denen die hebräischen Schulen iind Lehrer durch die jüdischen Denunzianten' äusgesetzt sind. S. Pugatschow erklärte, mit dem Kampf gegen die hebräische Sprache wolle inan die Zukunft unserer jüdischen nationalen Schule im Keime ersticken. Einen gewaltigen Eindruck machte die Rede des Oberrabbiners Mase. Einstimmig wurde unter großem Enthusiasmus eine Resolution angenommen, die gegen den Kampf gegen die hebräische Sprache als eine unterhörte Vergewaltigung eines nationalen Rechtes, die sich ausschließlich gegen die Juden richtet, aufs schärfste protestiert Die Resolution appelliert an die Regierung, den Gewalt- und Willkürhandlungen der unteren Organe, die die hebräischen Schulen konfiszieren und gewaltsam schließen; Einhalt zu gebieten, sowie sämtliche geschlossenen hebräischen Schulen wieder zu eröffen. Das jüdische Volk werde, was immer auch ‘ kommen möge, treu zu seiner nationalen Sprache halten und die Liebe zu seinem unvergänglichen -Volksgut weiter pflegen, ungeachtet aller vorübergehenden harten Verfolgungen. Nach dem Erfolge, der durch das Dekret des Bildungskommissars erzielt worden war, schöpfte der jüdische Kommissär in Moskau, Herr Dimanstein, von neuem Mut auch den Kampf gegen die Zionistische Organisation wieder aufzunehmen: Dieser zur traurigen Berühmtheit gelangte Herr S. Di maust ein veröffentlichte Ln der offiziellen Regierungszeitung „P r a w d a“ vom 12. September Artikel mit der Ueberschrift „Die jüdischen Imperialisten“, der wörtlich wiedergegeben sein soll: „Die Künstler von Versailles brauchten für Klein-Asien eine Okkupationsarmee und „erinnerten sich“ plötzlich des ewig verfolgten Volkes Israel, dem sie einen Judenstaat bescheren wollen, dort, wo vor 2000 Jahren Juden gelebt haben. Die jüdische Bourgeoisie in der Gestalt der Zionistischen Organisation ging energisch ans Werk, die Idee des Judenstaates zu verwirklichen. Jahrelang haben die ungekrönten jüdischen Diplomaten die Machthaber belästigt Man kam aus den Wartezimmern der Ministerien nicht heraus, man besuchte auch Plehwe, den Dr. Herzl davon überzeugen wollte, daß der Zionismus das geeignetste Mittel zur Ablenkung der Juden vom revolutionären Kampfe ist Dies alles blieb erfolglos. Palästina gab man ihnen nicht Während des Krieges, wo die überzeugendste Kraft die militärische Macht wurde, begannen die Zionisten, jüdische Legionen zu organisieren. An die Spitze dieser Bewegung stellte sich der nicht anbekannte Zionist W. J abötinski. In England füiirte er einen energischen Kampf gegen die russischen Emigranten — Internationalisten. Jaboiihski verlangte von der Regierung die Zwangsmobilisierung der russischen Emigranten. Für. die Agitation gegen diese Kampagne wurden viele nnserer Genossen in die Gefängnisse und Konzentrationslager geschleppt (darunter auch Genosse G. Tschitscherin, der gegenwärtige Kommissar für auswärtige Angelegenheiten). Den Zionisten gelang es, Legionen zu organisieren, die gegen die Türkei ausgeschickt wurden. Als nach dem Siege der Entente die Frage der Aufteilung der Türkei akut wurde, (die kleinasiatischen Gebiets sind von Arabern und Beduinen, „wenig zuverlässigen Elementen“, bewohnt), beschlossen die Alliierten, die kleinasiatischen Teile der Türkei mit Juden zu besiedeln, um dort eine militärische Stütze gegen die meuternden Araber zu. besitzen. Die jüdische Bourgeoisie, die sich das Recht angeeignet hat Im Namen'der jüdischen Massen zu sprechen, tritt jetzt in der Rolle imperialistischer Eroberer auf. Die jüdischen Legiöjiäre., okkupieren Palästina, verdrängen die Araber und'Beduinen, um deren Platz einzunehmen Die jüdischen Soldaten in Palästina tragen englische Uniformen Der Führer der russischen Zionisten, Jabotinsk.!, ist zum General-Gouverneur von-Palästina ernannt. (?) Er spielt dort die Rolle, , die seinerzeit Murawjew in Polen und Litauen gespielt hat Jeder Widerstand der eingeborenen Bevölkerung wird .blutig unterdrückt Erst vor kurzem haben die jüdischen Legionäre den Aufstand in Aegypten unterdrückt i Die Zionistenkonferenz in Paris schickte ihnen eine herzliche Danksagung für diese tapfere Tat. Die jüdischen Massen werden bald für die Verbrechen der jüdischen Bourgeoisie zu zahlen haben. Die Imperialisten bedienen sich nur jetzt in der Not der Hilfe der ihnen verhaßten Juden. Sobald sich die Verhältnisse ein wenig ändern, werden sie den Arabern gestatten, die in Palästina angesiedelten Okkupanten abzuschlachten und werden sich daran vielleicht selbst beteiligen. Die russischen Zionisten betrachten sich als einen Teil der Liga der Nationen, wohin sie ihre Vertreter delegieren. Sie haben sich mit der Entente aufs engste verbunden. Im Sowjetrußland stehen sie auf seiten der Konterrevolution. Die jüdischen Pogrome beunruhigen sie nicht im geringsten, denn sie erblicken in ihnen ein Mittel, um die Juden zu zwingen, nach einem „eigenen Land“ zu streben. Die Dokumente, die während der letzten Hausdurchsuchungen bei den Zionisten gefunden wurden, bestätigen dies alles.“ Die Befürchtungen der Zionisten, daß dieser ganz unglaubliche und ebenso törichte wie verlogene Artikel nur die Einleitung zu einer großen Zionistenverfolgung darstelle, haben sich leider sehr bald als begründet erwiesen. Zwei Tage nach dem Erscheinen des Artikels wurden sämtliche in Petrograd anwesenden Mitglieder des Zionistischen Zentralkomitees verhaftet, um von der „Außerordentlichen Kommission zur Bekämpfung der Konterrevolution“ verhört und abgeurteilt zu werden. Glücklicherweise gelang es jedoch rechtzeitig, bei der Moskauer Regierung Schritte zu unternehmen, die zur Freilassung der. Verhafteten führten. Die Tätigkeit der Zionistischen Organisation in Moskau und Petrograd. (Umfaßt die Berichtsperiode Mai-September 1919.) Das Organ der Zionistischen Organisation „Chronika Jewreskoj Jisni“ erschien bis vor kurzem ununterbrochen unter der bekannten Bedingung, daß es zu den russischen politischen Tagesfragen keine Stellung nehmen dürfe: Die Nummern enthalten, daher, .ausschließlich Informationsmaterial über -die Lage der jüdischen Bevölkerung und über die Tätigkeit der Zionistischen Organisation. (Außerdem erscheint die russische Monatsschrift „Erez-Israel“, ein wissenschaftliches Journal für die kolonisatorischen Palästina-Probleme.) Aber selbst das kleine Informationsblatt kann nur unter den größten Schwierigkeiten herausgegeben werden. Im Juli mußte das Blatt auf ein Minimum beschränkt werden, weil fast das gesamte Personal der Redaktion, der Administration und der Druckerei eingezogen wurde. Anfang August mußte das Blatt für eine kurze Zeit wegen der Papierkrise eingestellt werden und konnte erst nach vielen Bemühungen in sehr beschränktem Umfange wieder erscheinen. Großen Erfolg hat die in Petrograd gegründete Gesellschaft zur Ausbildung technischerKräfte für Palästina. Die Gesellschaft, die den Namen „Polytechnische Palästinagesellschaft“ trägt, gibt ihren Mitgliedern die Möglichkeit, an den in Rußland bestehenden technischen Kursen teilzunehmen. An erster Stelle steht dl« Ausbildtmg:von Bauarbeitern.'-Dem Gebiete des Bauwesens (Häuser-, Fabriken-;, Brükken- und Wegebau) wird besonderes interesse gewidmet werden. Große Aufmerksamkeit soll auch der Konservenfabrikation zugewendet . werden. Eine, besondere Abteilung wird für die Erlernung des Trocknens und der- Präparienmg von Früchten und Gemüse eingerichtet werden. Dieser Kursus ist für die Dauer von 4 Monaten berechnet. 2 Monate theoretische Arbeit, 1 Monat Laboratorium und 1 Monat praktische Arbeit Außerdem, werden theoretische und praktische Kurse für Trockenlegung von Sümpfen errichtet werden: Zwecks Ausbildung von jüdischen Fachleuten auf dem Gebiete des Konsumwesens, das für Palästina, von besonderer Bedeutung ist stehen die kooperativen Kurse der Stadt Moskau zur Verfügung. Auch zahlreiche Fabriken und technische Unternehmungen haben der Gesellschaft ihre Unterstützung zugesagt. Die Palästina-Gesellschaft fordert alle Personen, die in nächster Zukunft nach Palästina auswandern wollen, um sich dort der produktiven Arbeit zu widmen, auf, an den Ausbildungskursen' der Gesellschaft in Moskau teilzunehmen.. Die Gesellschaft gibt zugleich bekannt, daß diejenigen Teilnehmer, die sich für die technische Ausbildung als besonders fähig erweisen werden, auf ma- '• terielle Unterstützung der Gesellschaft rechnen können. Die Gründung der Polytechnischen Palästina-Gesellschaft hat in weitesten Kreisen der Judenheit in Moskau und >in der Provinz das größte Interesse hervorgerufen. Die Resultate der Woche des „Scheket- Hageulah“ haben die kühnsten Erwartungen' übertro'ffen. Berichte über den günstiges Verlauf der Schekelkampagne treffen fortlaufend ein. Wir erhalten telegraphische Bestellungen neuer Schekelblocks, die wir aber leider nxlit ausführen können, weil unser Schekelvorrat völlig vergriffen ist. Wir fordern daher die Ortsgruppen, die Schekelblocks entbehren können, aut diese umgehend an uns zu retournieren. Für den großen Erfolg der Woche des Schekel-Hageulah sprechen folgende Zahlen und Angaben: Hornel: Ungeachtet der Pogromstimmung wurden 1500 Schekel abgesetzt die .den Betrag von 8500 Rubel ergaben. I v e n e t z: der größte Teil der jüdischen Bevölkerung kaufte den Schekel. Snow: von 300 jüdischen Einwohnern zahlten 100 den Schekel. Sluzk: trotz des hier herrschenden Belagerungszustandes haben wir 1000 Schekel abgesetzt. Uwarowitschi (Gouvernement Mohilew): die mit großem Erfolg eingelötete Schekelwoche ist durch den ausgebrochenen Pogrom, der 35 jüdische Familien völlig ruiniert hat, unterbrochen worden. Von 150 hier lebenden jüdischen Familien haben 130 dep Schekel gekauft. N o w, o b o.r i ssow: 300 Schekolim, die den Betrag von 1500 Rubel ergaben. Pogost-Sluzk: sämtliche 175 jüdischen Familien haben den Schekel gekauft Rudensk: von ,105 jüdischen Einwohnern haben 100 den Schekel gekauft Reinertrag: 600 RubeL Smilow i t s c h i: die Schekelwoche konnte nicht mit Erfolg durchgeführt weiden, weil die Propaganda in jüdischer Sprache verboten wurde. Auch in russischer Sprache konnten wir nur unter strenger Kontrolle des Komitees der Kommunistenpartei arbeiten. Korsowka: von 600 jüdischen Einwohnern haben 570 den Schekel gekauft. Gesamteinnahme: 2225 Rubel. Krasnopolie: Eine Propaganda für den Schekel Hageulah konnten wir aus Mangel an intellektuellen Kräften nicht ausführen. Trotzdem ist es gelungen, unter 1100 jüdischen Einwohnern 700 Schekel abzusetzen. Retschiza: auf einem Meeting, das glänzend verlief, haben wir 800 Schekel verkauft Radoschkowici: 400 Schekolim verkauft Reinertrag: 1500 Rubel frage in Palästina“ von A. W. Rosenberg; „lieber die zweifellosen Symptome für das Vorhandensein im alten und gegenwärtigen Palästina“ von M. A. Rakusin und J. Malkes; „Die Erschließung und Exploitierung palästinensischer Phosphate“ von J. E. Tysler. Das reichhaltige Hert^ schließt mit Arbeiten von Slizan und Brutzkus und einer ausführlichen Chronik der Palästina-Gesellschaften. Daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen in Rußland von einem Aufblühen der jüdischen Literatur keine Rede sein kann; bedarf wohl keiner "besonderen Erwähnung. Dennoch ist im Laufe der Berichtsperiode eine Reihe von wertvollen Büchern erschienen. An erster- Stelle steht der Stybel-Verlag in Moskau, der zwar infolge der Requisition des größten Teiles seiner Druckerei seine Tätigkeit so gut wie einstellen,' mußte (der Verlag verlegte bekanntlich seine Zentralen nach Warschau und New-York), aber doch mehrere Klassiker in hebräischer Uebersetzimg herausgeben konnte (Heine, Tolstoi) Klassiker-Uebersetzungen lieferte auch der hebräische Verlag Alumoth in Moskau (Druckerei Bockstein). Bisher sind in diesem Verlag erschienen: „Die Waldstimme“ von Jack London, übersetzt von Ben-Elieser; „Humoresken und Erzählungen“ von Mark Twain, übersetzt von Zwi Barlass. Letzteres Werk ist in zweiter Auflage herausgegeben worden. Von Zwi Bariass ist eine satirische Schrift in hebräischer Sprache erschienen, die starken Absatz fand. In jüdischer Sprache sind'erschienen: der 1. Teil der gesammelten Schriften von Dr. E. W. Tsclilenow und die interessante Schrift von S. Rosenfeld über Lilienblum. Weit größer ist die Zahl der jüdischen und zionistischen Schriften in russischer Sprache, so Bialiks „Erzählungen“ in guter Uebersetzung; „Unser Land“ von E. A n o c h i. Die bekannte historisch-ethnographische Gesellschaft gab den 10. Band ihrer Sammelschrlft „Jewreskaja S t a r i n a“ heraus, der eine Fülle von wertvollem Material über das jüdische Leben in Rußland in naher und nächster Vergangenheit enthält. Großes Interesse hat die Fortsetzung des „Pinkas der Vierländersynode“, der in hebräischer und russischer Sprache wiedergegeben ist Erschütternd ist das Kapitel über die Leiden der Juden in Litauen, während des Jahres 1914/15. Dieses Kapitel über die Judenverfolgungen durch die zarischen Truppen im ersten Kriegsjahre trägt die Ueberschrift „Das schwarze Buch“ und gibt ein getreues Bild über jene schrecklichen Tage, die ja noch in lebhafter. Erinnerung vieler sind. Der zionistische Verlag Kadimah gab folgende wertvolle. Schriften heraus: „Das gegenwärtige Syrien und Palästina“ von Dr. A. R u p p i n (376 Seiten), übersetzt von A. O. Saidemann); den 1. Teil der gesammelten Werke von A. O. Idelsohn (224 Seiten). Von großem Interesse ist besonders das von dem Verlage Kadimah herausgegebene Werk von S. D u b n o w „Die neueste Geschichte des jüdischen Volkes“ (496 Seiten). Im Verlage Safruth Ln Moskau ist der erste Band der gesammelten Schriften von Achad-Haam. in russischer Uebersetzung von Ch. Grünberg erschienen; ferner das Buch „Das jüdischnationale Zentrum in Palästina“, eine sozial-ökonomische Abhandlung, von B. D. Brutzkus. Was Zeitschriften anlangt, so gab es außer den erwähnten zionistischen Journalen keine Möglichkeit, weitere herauszugeben, abgesehen von den periodischen Flugschriften! zionistischer Ortsgruppen in der Provinz. Zeitschriftenschau „Al Hanisslm“. eine Chanukkahgabe für die jüdische Jugend, Sondernummer von „Bar Kochba, Blätter für die heranwachsende jüdische Jugend“. heraussregeben von C. Z. Klötzel Welt-Verlag. Berlin NW 7. brosch. Mk. 2—. — Dieses 32 Seiten starke, sehr schön ausgestattete Heft bringt außer einer Einleitung und einem längeren Auszug aus den „Makkabäerbüchern“ Chanukkalierzähhiiigen von Schalom Asch, Annette Loewenthal Gedichte von Zuckermann und Herzl. die Noten des „Moaus zur“ und eine Reihe kleinerer Beiträge, die alle im Zusammenhang mit dem Chanukkahfes-t stehen. Das Verständniseines Kapitels . ans dem Jugendromah „Moses Eipenbrinks Abenteuer“ der im „Bar Kochba“ fortlaufend erscheint, .wird dadurch ermöglicht. daß der. bisherige Inhalt kurz erzählt wird Einen besonderen Schmuck des Heftes stellen -die zahlreichen Bilder nach Zeichnungen von Budko. Lotte Baerwald und Ludwig Wronkow dar. Eine Anzahl noch nirgends veröffentlichter Bilder aus dem Leben Palästinas geben dem Heft ■einen besonderen Reiz. Rätsel und Briefkastennotizen. darunter eine sehr lesenswerte über den „jüdischen Weilinachtsbaum“ schließen das Heft Die Arbeit Organ der Zionistischen Volkssozialistischen Partei. „Hapoel Hazair“. Inhalt: Zur Frage der zionistischen Weltkonferenz. Wilhelm Stapel: Antisemitismus James P. Warbasse: Die -Bedeutung der Genossenschaftsbewegung. Aus Palästina: Zur Lage der Arbeit A. D. Gordon: Von draußen. Markus Reiner: Präludien zum Aufbau des Landes Israel. -