Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 47 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Nr. 47 Mit dem Anwachsen der industriellen Tätigkeit, in, Palästina wird es vielleicht möglich sein, -ausschließlich unbearbeitetes Oel direkt von den Oetfeldern nach Haifa und Jaffa zu verschiffen und es dort zu reinigen. Auf diese Weise wird nicht* nur das Brennmaterial selbst billiger werden, sondern auch neue Industrien in Palästina geschaffen werden. Das Departement für Handel .und Industrie hat auch festgestellt, daß große Quantitäten von Brennöl aus Baku letzt in Bahun erhältlich sind, ' und daß der Preis der Tonne, geliefert in Palä- , stina, den Preis für das ägyptische Oel nicht übersteigen, vielleicht sogar niedriger sein wird. Aus diesen Mitteilungen geht hervor, daß die neuen Unternehmungen in Palästina sicher sein können, auf viele Jahre hinaus das nötige Brennmaterial erhalten zu können. Die jüdische Häuserbaugesellschaft „Haboneh“. Unter dem Titel „Haboneh“, Gesellschaft für Förderung von Bauunternehmungen in Palästina, ist die. seinerzeit in Rußland gegründete jüdische Baugesellschaft „Haboneh“ nunmehr mit einem Kapital von 200.000 Pfund Sterling Anteilen zu je 1000 Pfund Sterling als englische Gesellschaft registriert worden. Die erste Aufgabe der Gesellschaft wird es sein, für Häuserbau in Palästina zu sorgen -und Baumaterial dorthin zu beschaffen, dessen Mangel von nachteiligster Wirkung für den Fortschritt der Kolonisation und die Entwicklung der Industrie ist. Der Board of Trade“ hat eine Lizenz zur Herausgabe aller Anteile der Gesellschaft erteilt, nachdem er davon Kenntnis genommen hatte, daß die Gesellschaft mit Wissen und Billigung der zionistischen Organisation gegründet worden ist. Der „Board of Trade“ hat an die Erteilung der Lizenz die Bedingung geknüpft, daß ungefähr 50 Prozent des Gewinns im Vereinigten Königreich von Großbritannien verwendet werden müssen. Die Geschäfte der Gesellschaft werden hauptsächlich von Palästina aus geleitet werden; das Hauptbureau ist in J a f f a. errichtet worden, wohin bereits drei Direktoren der Gesellschaft übersiedelt sind. Zu den Gründern der Gesellschaft gehören unter anderen die bekannten zionistischen Führer Üssischkin, Issak und B*o r i-s Goldberg, Swatopolsky und Naiditsch. „ Weitere Informationen erteilt das Sekretariat der Gesellschat, Adresse: Secretary „Haboneh“, 8, Draper'sgarden, London E. C. Die Feier des Deklarationstages in Palästina. Dem Kopenhagener Zionistischen Bureau wird aus Palästina telegraphiert: Am 2. November fand anläßlich der Wiederkehr des Jahrestages der britischen Regierungserklärung eine vom Waad Hair (Jüdisches Stadtkomitee in Jerusalem) einberufene Massenversammlung statt, auf der der Vorsitzende des Waad Hair, Herr David Jellin, die Hauptrede hielt. Herr Jellin führte aus, es bestehe begründete Hoffnung, daß der Aufbau der nationalen jüdischen Heimstätte während des kommenden Jahres gewaltige Fortschritte machen werde, und es sei kein Grund, wegen.der durch die politischen Verhältnisse bedingten Verzögerungen entmutigt zu sein. Der 2. November werde vom jüdischen Volke als nationaler Feiertag betrachtet werden. Dr. Weizmattn richtete ein Schreiben an die Versammlung, in dem' er versicherte, daß die Hoffnungen des jüdischen Volkes vor ihrer baldigen Verwirklichung stehen. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der Dr. Weizmann der Dank der Jerusalemer Juden für seine erfolgreiche politische Tätigkeit ausgesprochen wird, und in der er gebeten wird, Herrn Balfour den Ausdruck der tiefsten Dankbarkeit der Jerusalemer Juden zu übermitteln. Die jüdischen Kindergärten. Ende Juli 1919 gab es in Palästina und Syrien 45 jüdische Kindergärten, von dienen 34 unter der Verwaltung des Waad-Hachinuch (Zionistischer Erziehungsrat), 9 unter der Verwaltung der I- C. A. und je 1 unter der Verwaltung der Alliance Israelite Universelle und der Evelina de Rothschild-Schule standen. Kindergärten bestanden in folgenden Orten: Jerusalem 13, Jaffa 5, Hebron 1, Rischon-le-Zion 1, Nachlath Jehudah 1, Rechoboth 2, Ness Ziona i. Ekron 1, Ber Tuwia 1, Ps- -tach Tikwah 2, Ain Ganini 1. Sichren Jacob 2, Haifa 1, Merchavia 1, Kfär Tabur 1, Sedjera 1, Bet Gan 1, Kinereth 1, Tiberias 1, Saffed 0, Rosch- Pinah 1, Mischmar Hajarden 1, Metullah 1, Beyruth 1 und Damaskus 2. Die Gesamtzahl der Kinder in. den Kindergärten beträgt 5300, der "Lehrer 125. ' Die samaritanische Gemeinde in Sichern. Die samaritanische Gemeinde in Sichern hat kürzlich an die Z'onistische Palästina-Kommission ein Schreiben gerichtet, worin sie von der Gründurtg eines Gemeindekomitees Kenntnis gibt, das den Zweck hat, alle Angelegenheiten der Samaritaner zu leiten, ihre Lage in kultureller und materieller Hinsicht zu verbessern und die Gemeinde vor dem Untergang zu bewahren. Die Fellachen arbeiten. Zirka 700 Mann, meist Fellachen, sind für die Ausbesserung der Wege in der Nähe von Jerusalem engagiert worden. Da die betreffenden Stellen ziemlich weit ,von der Stadt entfernt liegen, ist es* für ■ die jüdischen ungelernten Arbeiter . schwierig,' sich an diesen Arbeiten zu beteiligen. Die Verwaltung hat auch Geld für die Aus- .besserung der Straßeniii Jerusalem selbst bewilligt, hierzu ist aber viel Wasser erforderlich, Anläßlich meines durch meinen Abgang von Wien veranlagten Ausscheidens ans der Redaktion der „Jüdischen Zeitung“ sage ich allen Freunden und Mitarbeitern herzlichen Dank und AbschiedsgruB. Wien. 27. November 1919. Dr. Robert Weltsch. ■nanHUBHomMB das zur Zeit ziemlich knapp ist Der Stadtrat hat demgemäß beschlossen, mit den Reparaturen in der Stadt bis zur Zeit der Regenfälle zu warten, um dann die Arbeiten in der Stadt, sowie der Ausbesserung des Weges nach Jafia sofort in Angriff zu nehmen. Die Kanalisierungsarbeiten in Jerusalem. Das Kopenhagener Zionistische Bureau, berichtet: Scjmn im März 1918 ließ die britische Verwaltung in Jerusalem eine rohe Uebersicht über die in den jüdischen Vierteln Jerusalems bestehenden Kanalisationsanlagen anfertigen. Gleichzeitig wurde ein Projekt für die Anlegung einer modernen Anlage ausgearbeitet, deren Kosten auf Lst. 8500 geschätzt wurden. Auf Grund dieses Kostenvoranschlages bewilligte die Zionistische Kommission in der Erkenntnis der Bedeutung einer derartigen Anlage für die Besserung der sanitären Verhältnisse in diesen Vierteln den Betrag von Lst 10.000. und die Vorarbeiten. die zuerst in den Händen der britischen Militärverwaltung lagen, gingen einige Monate nach Abschluß des Waffenstillstandes in die Hände von jüdischen Ingenieuren über. Diese stellten die endgültigen Pläne für die Anlagen her. deren Fertigstellung, wie zu erwarten ist. für den ganzen Nord .vest-Distrikt von Jerusalem von größter Bedeutung werden wird. Nachdem die Ausarbeitung der Pläne im Juni beendet war. hat jetzt die eigentliche Kanalisierungsarbeit begonnen, bei der 100 bis 200 Arbeiter beschäftigt sein werden. Zwei jüdische Firmen, die eine in Aegypten, die andere in Jerusalem. sind mit der Ausführung der Arbeiten betraut worden. Die Bautätigkeit Dem Kopenhagener Zionistischen Bureau wird aus Palästina berichtet: In Jaffa entwickelt sich das Bauwesen in der letzten Zeit in größerem Maße. Außer den Häuserbauten der Gesellschaft ..Haboneh“ und den Häusern . der Handwerkerzentrale werden auch verschiedene Privathäuser errichtet. In der Nähe von Tel Awiw auf dem Wege von Jaffa nach Sarona wird ein größeres Gebäude gebaut, das für Geschäftslokale bestimmt ist. Der Waad von Tel Awiw teilt soeben mit. daß er demnächst mit dem Bau von Geschäftsgebäuden auf der Pinskerstraße beginnt. Wie es heißt, soll die Handwerkerzentrale demnächst an den Bau von 60 neuen Häusern herantreten. Auch in der Chevra Chadaschah soll demnächst ein großes Geschäftshaus errichtet werden. All diese Bauten werden größtenteils durch jüdische Arbeiter ausgeführt, so daß hiebei zahlreiche Familien jüdischer gelernter Arbeiter ihr Brot verdienen. Auch in Haifa werden jetzt mehrere Gebäude errichtet, hauptsächlich durch die Gesellschaft Haboneh. Leider mußte der Bau einiger Häuser infolge von Streiks unterbrochen werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird aber die Arbeit bald wieder aufgenommen werden. — Die 136 marokkanischen Juden, bei denen man befürchtete, daß sie wegen Arbeitslosigkeit abzureisen gezwungen sein werden, sind schließlich doch im Lande verblieben. Dank den Bemühungen der Ziomstischen Palästina-Kommission' hat. eine größere Anzahl von ihnen Arbeit gefunden. Man bemüht sich, auch für die anderen Unterkunft zu schaffen._ RUNDSCHAU Der Katholikenkongreß an das Zionistische Aktionskomitee Das Zionistische Aktionskomitee erhielt von Herrn Dekan K a r I i, dem Präsidenten des nach Einsiedleln einberufenen internationalen Katholikenkongresses, nachstehendes Schreiben: Congreß catholique international de Palestine 1919 — Einsiedeln. Zürich, 4. Oktober 1919. Zeppelinstraße 28. An das Zionistische Aktionskomitee, zu Händen des Präsidenten Herrn N. So ko low, Paris. In den Tagen vom 21. bis 25. Oktober 1919 soll ein internationaler Katholischer Palästinakongreß in Einsiedeln stattfinden. Um allen Mißverständnissen vmzubeugen, gestattet sich das InUiatwkomitae. das hohe Aktionskomitee zu verstünd;gen. daß unsere Intentionen dem Wohl des jüdischen Volkes und den Interessen des Zionismus mehl nu: keineswegs entgegenlaufen, sondern d a £ wir im Gegenteil den aufrichtigen Wunsch haben, sowohl' mit dem jüdischen .Volke, * als auch mit der zionistischen Orsanisation, a's dessen legitimer Vertreterin, in bester Eintracht und in Frieden zu leben. Der Kongreß wird auch in seinen Beschlüssen den durch die Friedenskonferenz geschaffenen politischen Verhältnissen in Palästina Rechnung tragen und wird eine besondere Genugtuung empfinden, wenn auch die zionistische Organisation ihrerseits unseren Forderungen das nötige Verständnis entgegenbringen und auf diese Weise zun gegenseitigen Unterstützung, zur Förderung den gemeinsamen Ideale der Nächstetrliebe und zum Heile der Menschheit auf dem uns allen heiligen Boden beitragen wird. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Präsident: (sgnd) A. Karli, Dekan, Baden. Aus diesem Brief geht eindeutig hervor, daß auf katholischer Seite der Wunsch besteht, den zionistischen Plänen keine Hindernisse zu bereiten und im Sinne des bekannten Papstwortes mit dem Zionismus gute Nachbarschaft zu halten. Diese Haltung ist um so erfreulicher, als durch die unwürdigen Auslassungen gewisser klerikaler und christlichsozialer Organe (z. B. in Wien) manchmal der Anschein entstehen könnte, als ob die „christliche“ öffentliche Meinung für die Größe der zionistischen Bewegung kein Verständnis hätte.;i!f!! 1 *- Vom Komitee der jüdischen Delegationen. Der Pariser A.-Gewährsmatm der „Jüdischen Preßzentrale Zürich“ berichtet: Die russischen und ukrainischen Mitglieder des Komiteeist Dr. Pasmanik. Idelsohn und A. Goldstern, sowie der Beauftragte des Kiewer nationalen Sekretariats, Herr Großmann, werden zwecks Teilnahme an den Beratungen der Delegierten de* früheren Rußland in Paris erwartet. Das Komitee hat die Einladung der ukrainischen Regierung zur Teilnahme an der Kommission zur Untersuchung der Pogrome zustimmend beantwortet Außer dem Komitee sind noch eingeladen: Die zionistische Organisation, die „Ito“, die Alliance Israelite und das amerikanische Jewish Committee. Auch der amerikanische jüdische Kongreß- und der kanadische jüdische Kongreß sollen eingeladen werden. . Mit der Organisierung des „Waad Haarazoth“ wurde eine besondere Kommission betraut. Spezialdelegierte des Komitees sollen die Organisation in den einzelnen Ländern durchführen- Der Zeitpunkt für den Zusammentritt der allgemeinen jüdischen Hilfskonferenz wurde auf Ende Jänner 1920 festgesetzt. Vom amerikanischen jüdischen Kongreß ist die Nachricht eingelaufen; daß das Kongreßkomitee sich mit 'dieser Frage in der nächsten Sitzung befassen werde. Eine Teilnahme steht sicher zu 'erwarten.' Die Bukowinaer Vertreter, Dr. Krämer und Dr. Diamant wie die transsylvanischen Delegierten haben ausführliche Memoranden bezüglich der Kredithilfe dem Joint-Distribution-Committee unterbreitet. Das Mitglied des Komitees, Dr. Syrkia (Poale Zion) ist nach Palästina abgereist. Die palästinensischen Arbeitervertreter Schochat und Blumenfeld sind aus Stockholm und London wieder in Paris eingetroffen. Die zionistischen Mitglieder des Komitee» hielten am 8. d. M. eine längere Besprechung ab. ln der -die Ländervertreter Berichte erstattete* und die Wünsche ihrer Organisationen vor. brachten. _____ * Die Pression auf Rumänien. Wie die ,J.P.Z.“ aus Finanzkreisenerfährt, soll auf Seiten der Entente die Absicht bestehen, säf Rumänien auch einen wirtschaftlichen Druck auszuüben, um die rumänische Regierung, welche bezüglich der Forderungen der Entente und der Unterzeichnung der Friedensverträge beständig Ausflüchte sucht, von dem Ernst ihrer Stellungnahme zu überzeugen. Unter anderem sollen Maßregeln ergriffen werden, die sich auf den rumänischen. Warenverkehr beziehen. In Frankreich hä'ten bereits die Banken von der Regierung einen Wink bekommen, rumänischen Kaufleuten keine Warenkredite zu gewähren, für Rumänien bestimmte Waren nicht zu belehnen und Le h- Noten in größeren Beträgen nicht ohne Genehmigung der Regierung zu handeln. Der Kurs der rumänischen Valuta ist durch diese Maßnahme bereits stark in Mitleidenschaft gezogen. * Vom American Jewish Committee. Der amerikanische Korrespondent der „Jüdischen Preßzentrale Zürich“ berichtet: Bei der Jahresversammlung des amerikanischen Jewish Committee wurde die Tätigkeit dieses Komitees bei der Friedenskonferenz in Paris besprochen, jedoch bei verschlossenen Türen, so daß keine genaueren Berichte darüber vorliegen. Es wurde beschlossen, die Abstimmung über diese Frage bis zur Beendigung der Friedenskonferenz und bis zur Unteriertigung des Friedens hinauszuschieben. Als zweiter Punkt der Tagesordnung wurde die Beteiligung der Juden: in der ameri- . kanischen Armee behandelt. Ais bei dieser Gelegenheit A. Bernheimer, der Schatzmeister des amerikanischen Jewish Committee, gegen den Ausdruck „amerikanische jüdische Soldaten“ protestierte und betonte, daß es in Amerika ebensowenig jüdische, wie katholische oder protestantische Soldaten gäbe, kam es zu lebhaiten Protesten. Marshali weigerte sich dem Vorschlag Bcrnlieimers beizustimmen und erklärte, daß die jüdischen Soldaten in Amerika tatsächlich jüdische Soldaten seien und daß man über ihre Teilnahme Fm Kriege genau informiert sein wolle. Marshalls Worte wurden mit großem Beifall aufgenonm Louis Marlhall wurde einstimmig iÄ> künftige Jahr als Präsident des amerikattj Jewish Committee wiedergewählt.