Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 46 (21.11.1919)
- Date
- 1919-11-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Stile 6 Ziehung der britischen Trappen aus Syrien und die Besetzung dieses Gebietes durch die Franzosen and Araber bis zum Friedensschluß mit der Türkei getroffen worden. Wenn die Friedenskonferenz Großbritannien ein Mandat über irgendwelche Territorien des früheren türkischen Reiches erleben .werde. so beabsichtige die britische Regierung Formen der Verwaltung, einzuführen, die in jeder: Weise eine wachsende Entwicklung der fokalen Regierung und Institutionen fördern werden. '* Begräbnis des Major Rothschild. Die Leiche des im Palästina-Fjpldzuge gefallenen Majors Evelyn de Rothschild wurde jetzt von Kairo nach Palästina überführt und in der Kolonie Rischon-le-Zion unter militärischen Ehren beigesetzt * Die Arbeit der Orthodoxie In Polen. Der Jiaderech“, das Zentralergan der Agudas Jisroel, veröffentlicht in seiner letzten Nummer einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der „Szlome Eimme Jisroel“ in Polen, dem wir unter anderem folgendes entnehmen: Der Organisation der. ^Szlome Emune Jisroel“ gehören gegenwärtig in ganz Polen mehr als 600 Verbände an. die zirka 120.000 Mitglieder zählen. Fast alle Wundenrabbis und Rabbiner Polens, etwa 400 an der Zahl, sind Aktivmitgüeder der genannten Organisation und entfalten eine rege Tätigkeit zugunsten der Agudah, die in mehreren Städten unter dem Namen „Jesodeh Hathora“ Chedarim erreichtet hat, in denen mehr als 50.000 Knaben iijre Erziehung und Ausbildung im Geiste der Thora finden. Auch für die Erziehung und Ausbildung jüdischer Mädchen ist gesorgt worden. Durch die Agudah haben die Jescbiboth nicht nur in Polen, sondern auch in denjenigen Teilen Litauens, die vom polnischen Heere okkupiert worden sind, eine kräftige Unterstützung erfahren. Zur Erleichterung der organisatorischen Arbeiten der . Agudah werden die Arbeiten der Landesorganisation auf Bezirke verteilt In jedem Bezirke wird ein Büro eröffnet, das als Vermittlungsstelle zwischen dem Landes- Zeirtralverband und den Lokalverbänden dienen solL Derartige Büros werden in Krakau für Westgalizien. in Lemberg für Ostgalizien, in Bialystok für Litauen und in Posen für Ostpreußen errichtet. Auch Kongreßpolen wird in sechs Bezirke eängefeilt werden. Die am 20. Siwan, der auf Initiative der Agudah als allgemeiner Trauertag eingesetzt wurde, durch die Lokalverbände gesammelten 200.000 Mark, wurden für die Enrichtung eines Waisenhauses in Galizien bestimmt * Die hebräische Bewegung ln Tripolis. Nachdem bisher die Versuche.zur Wiederbelebung der hebräischen Sprache. mit einheimischen Kräften mißlungen waren, gelang es nunmehr den tripolitairisehen Juden eine hebräische Lehrkraft aus Saloniki zu finden. Fräulein Arari. die vorher zwei Jahre hebräischen Unterricht in Palästina erteilt hatte, eröfinete außer dem hebräischen Tagesunterricht in den Schulen für Knaben und Mädchen der Alliance auch einen Abendkurs in der hebräischen Sprache. Zionistische Bewegung Auch die französischen Zionisten sind unzufrieden „Peuple Juif“, das Organ der französischen Zionisten, veröffentlicht im Hinblick auf die Herbstsession des Rates der französischen Zionisten, die für den 15., 16. und 17. November festgesetzt wurde, einen Leitartikel aus der Feder N. Hermanns über die Aufgaben des Rates der französischen zionistischen Organisation, der u. a. über die Einberufung eines außerordentlichen Kongresses folgendes schreibt: Was die zionistische Zentralorganisation betrifft, so ist nach unserer Meinung nötig, daß das Provisorium und der durch den Krieg geschaffene Ausnahmezustand aufhören, ln allen Ländern finden parlamentarische .Wahlen statt oder werden solche geplant; bei uns hat die Leitung seit 1913 keine Rechenschaft über ihre Tätigkeit abgelegt Es ist wahr, daß die Hälfte unseres Volkes sich derzeit in einer tragischen Lage befindet die ihm nicht erlaubt sein Recht in der Organisation auszuüben; wenn jedoch der zionistische Kongreß, den man in Jerusalem plant dort noch nicht einberufen werden kann, brauchen wir einen außerordentlichen Kongreß, der allein den Willen des jüdischen Volkes laut kundgeben kann. Die Londoner Konferenz vom März dieses Jahres war augenscheinlich ungenügend. Der Umstand, daß die Führer selbst sie wenig ernst genommen haben, hat ihre Aufgabe noch erschwert. Dies hat eine bedauerliche Mißstimmung in den Lokalorganisationen hervorgerufen. Es ist wahr, daß die zionistische Leitung seit ihrer Verlegung nach London'eine lebhafte Tätigkeit' entfaltet Immerhin ist es nötig, daß die Vertreter der .Lokalorganisationen mit' diesen Leitungen in Fühlung kommen, um sich ihrer täglichen Arbeit mit mehr Vertrauen und Enthusiasmus widmen zu können und mit besserer Einsicht in die Lage. Wir wollen hier nicht über die "auswärtige zionistische Politik reden. Der Kongreß, den wir verlangen, wird in dieser Sache mitzusprechen haben. Was den Wiederaufbau in Palästina betrifft so ist diese sehr wichtige Etage1 bei'uns noch zu wenig .studiert .worden ünff jnän wird sie-vor allem vom Wissenschaft-, liehen'lind praktischen Gesichtspunkt betrachten müssen!' Denn in solchen Fragen , kann man sich mch}‘ .mit einigen Reden mehr 'oder ..weniger kompehäuer £eufe'.ünd ' mit' Majoritätsbeschlüssen BegirSfe&i. ' ""..1 ' JÜDISCHE zemaw Nr. 46 Schekelpropaganda. Alle zionistischen Landesverbände werden dringend ersucht die Schekelpropaganda für das laufende Jahr mit äußerster Energie durchzuführen und das zionistische Zentralbureau unverzüglich von der Anzahl der verteilten Schekelquittungen in Kenntnis zu setzen. Es ist von größter Wichtigkeit daß das Aktionskomitee so schnell wie möglich die genauen Daten über die verkauften Schekel erhält um auf diese Weise über die Anzahl der organisierten Zionisten in den einzelnen Landesverbänden und in der Gesamtorganisation informiert zn sein. Der Erfolg der gegenwärtigen Schekelpropaganda ist von größter Bedeutung. Die Größe und die Kraft unserer Organisation muß in der Zahl unserer organisierten Anhänger ihren adäquaten Ausdruck finden. Die Schekelpropaganda des gegenwärtigen Jahres muß in ihren Resultaten nicht nur alle früheren Jahre übertreffen, sondern sie muß auch den außergewöhnlichen Anforderungen der Stunde entsprechen. Alle Schekelgelder müssen sofort an das zionistische Zentralbureau überwiesen werden. Das Engere Aktionskomitee der zionistischen Organisation. Schweizer Delegiertentag. Das Aktionskomitee des Schweizerischen Zionistenverbandes hat beschlossen, den Delegiertentag für den 30. November nach Olten zu berufen. Die Privatinitiative in Palästina. „Golos Bielostoka“ meldet Die Delegierten der Gesellschaft „Magi“, die in Palästina für 600 Familien Boden ankaufen wollen, haben Auslandspässe erhalten und werden demnächst mit dem aus Triest am 30. November abgehenden Dampfer nach Palästina reisen. Zionistischer Parteitag ln Lemberg. Das zionistische Exekutivkomitee für Ostgalizien beruft für den 28. bis 30. Dezember einen Parteitag nach! emb erg ein. Mischmarausweis. Laizar Sandler. Josef Stand. Salomon Wasser. Dr. Fritz Georg Steiner ie 100 K: Karl Blume. Königsfest 50 K: Ludwig Bato 40 K: Karl Schön 20 K: Elise Juhn. Salomon Rosenfeld. Adolf Drach. Ferdinand Schmetterling je 10 K: Salomon Preis, Rachel Schwager. M. Tager je 5 K: Theres LöbL D. M. Wertheimer je 3 K. Zusammen 621 K. Bisher ausgewiesen 10.075 K. Summe 10.696 K. Vom Zionismus in Persien. Dem Kopenhagener Zionistischen Bureau wird vom Zentralkomitee der Zionistischen Organisation von Persien, das seinen Sitz in Teheran hat, wie folgt geschrieben: „Wir geben Ihnen im nachstellenden einen kurzen Bericht über.die Tätigkeit der zionistischen Organisation in Persien seit ihrer Begründung. Als uns m November 1917 von der Zionistischen Organisation in Petrograd die Nachricht von der Britischen Regierungserkärung übermittelt und das Telegramm in der Synagoge verlesen wunde, wo eine große Menge von Juden versammelt war. da neigten sich alle und dankten Gott, und es entstand ein gewaltiger Ausbruch der Freude über > diesen Anfang unserer Erlösung. Es wurde sofort ein Komitee gewählt, das den Auftrag erhielt, der Leitung der Zionistischen Organisation unseren tiefsten und innigsten Dank, zum Ausdruck zu bringen und die Zionistische Organisation in Petrograd zu ersuchen, unsere junge Organisation bei den zionistischen Zentralstellen einzuführen und uns deren Instruktionen zu übermitteln. Seit jener Zeit haben wir unter furchtbaren Epidiemien, die infolge der großen Hungersnot im Lande über uns hereinbrachen, furchtbar gelitten. Von der im ganzen 7000 Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung Teherans sind im Verlaufe von zwei Monaten mehr als 1000 an Hunger und Krankheiten gestorben. Dank der Hilfstätigkeit der amerikanischen Juden konnte die arme jüdische Bevölkerung späier, wenn auch mit Not und Mühe, ihr Leben fristen. Trotz all diesen Elends arbeitete unsere Organisation weiter, obwohl unsere Verbindung mit Petrograd abgebrochen war. Zum Glück haben uns Ihre „Mitteilungen“ immer erreicht und uns immer von neuem mit Mut beseelt. . Nach und nach begannen die Hungersnot und die Krankheiten zu verschwinden. An den Zwischenfeiertagen des Pessachfestes traten wir mit einer großen Demonstration an die Oeffentlichkeät. Mehr als 2000 Juden wären zur Stelle und für viele Hunderte war kein Raum mehr. Es wurden Ansprachen gehalten, in denen der Auszug aus Aegypten, die Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft und die neue' durch die britische Deklaration eingeleitete Epoche in Parallele gestellt wurden, und die Versammlung schloß mit den Ruieh: Hoch Persien! Hoch die alliierten Mächte, die Vorkämpfer'für die kleinen Nationen! Hoch Zion! ,An alle Bezirke in Persien, in denen Juden leben, wurde., durch ein'Zirkular die Aufforderung gerichtet, Zionistische' Ortsgruppen ins Leben zu rufen: Von1 überall i;empfingen-: -iWir. Dankbriefe. Auch weiterhin haben wir für die Wiedererweckung des jüdisch-nationaleii Gefühls und der hebräischen Sprache gearbeitet, und der Erfolg unserer "Bemühungen' Sch eint uns zufriedenstellend. Wir haben großen Bedarf an hebräischen Büchern, Kartra.- -von Erez-Israel' ühd: Lehrbüchern'1 für unsere Kihder- Wir danke« Ihnen '.von Herzen für -<tfe Schritte, die Sie - zugunsten der unglücklich«» jüdischen Bevölkerung in Urumia und Hamadao getan haben und bitten Sie-dringend, ihre Bemühungen bei der persischen Regierung fortzu'- setzem, damit diese die dortigen Juden gegen die Uebergriffe der Mohammedaner schützt und die lokalen Behörden für den Schutz der Juden verantwortlich macht“ Eine „Freie jüdische Bühne" in Wien; Von Dr. Jesckiel Liftschütz. Das ganze Geheimnis des jüdischen Theatereiends': daß nämlich die jüdische Bühra seit jeher von der Intelligenz des jüdischen Volkes gemieden ist < Nathan Birnbaum. („Zur Frage d. jüd. Theaters" 1910.) li. In der jüngsten Phase dfer jüdischen Renaissancebewegung ist ein auffallendes Streben nach künstlerischem Erfassen und künstlerischet Durchdringung des jüdischen Lebens vielleicht daS tiefste Moment - j Auf dem Gebiete der Pflege der jüdisch»/ Kunst sind in allerletzter Zelt auch in Wie« manche erfreuliche Symptome zu vermerken. Einer Reihe jüdischer Dramen sind in deutschen Uebertragungen in Wiener Theatenn aufgeführt wördiejt endlich wurde in Wien ein jüdischer Theaterverei® „Freie jüdische Volksbühne“ gegründet Der Verein besitzt noch kein eigenes Theaterlokal und spielte bis jetzt im „Carltheater“ und im „Bürgertheater1*. Es wurden im Rahmen des Vereines bis nun viel: Dramen jüdischer Dichter in jüdischer Sprache aufgeführt die ihre tragischen Konflikte der Protjflematik des jüdischen Lebens entnehmen: „Die Newejle“ von Perez Hirschbein — ein soziales Motiv aus jüdischem Armeleutmllieu; „Uhn a Heim“ von Jakob Gordin — die Tragik Jüdischer. Heim- und Heimatlosigkeit; „Die Mutter“ — vok David Pinski — ein Zwiespalt auf dem Boden deb festen jüdischen Familienlebens; „Jekel, den Schmied“ vom selben Dichter — das. Don-Juaj^- Problem, ins Jüdische projiziert Es sind Dramen, die in ihrem Kunstwerke den besten Bühnen geiwachsen sind. 2. :: Ein Wort zur jüdischen Theatergeschichte. Die Geburtsstätte des jüdischen Theaters ist Rußland. Das erste jüdische Theater wurde vom bekannten jüdischen Dichter Abraham Goldfaden in den Siebzigerjahren. des, .vergangenen-j Jahrhunderts in Odessa gegründet,'es. wurde'aber bätö von den russischen Behörden gesperrt. Mit dpi» unzähligen jüdischen Auswanderern wanderte ab&r auch die Idee des jüdischen Theaters nach Amerika, aus, wo es ein reges Leben entfaltete. Man pflegt . gewöhnlich zwei Perioden in der Entwicklungsgeschichte des jüdischen Theaters zu unterscheiden: eine „historische“ Periode und eine „realistische“. In der ersten Epoche blühte hauptsächlich die historische Operette; Goldfadens „Bar. Koehba“ und „Sulamith“ können als chai-, rakteristische Beispiele gelten. Historisches Kolorit besitzen sie allerdings ebensowenig wie künstk lerischen Wert. Die „realistische“ Periode w-urda von Jakob Gordin eingeleitet, der in den Acht* zigerjahren aus Rußland nach Amerika kam, dort EXramenschriftsteller wurde und im Laufe yo* zwanzig Jahren über achtzig Dramen schrieb. Gordin war kein ursprünglicher Schöpfer auf dem Gebiete der dramatischen Kunst er. war mehr Theatraliker als auf die Zwiespälte des Seins eingestellter Dramatiker, aber eine Reihe von ihm geschaffener Dramen spiegeln in ihren Konflikten und Charakteren das unmittelbare jüdische Leben und werden zum volkstümlichen Bestandteile jedes jüdischen Theaterrepertoirs gehören. Gordin hat den ersten Schritt zur literarischen jüdischen Bühne getan. Es ist bemerkenswert, daß seit Gordins letzter Schaffensperiode das osteuropäische jüdische Theater im ganzen in ein.gewisses geistiges Abhängigkeitsverhältnis zum amerikanisch-jüdischen geriet Die jüngste jüdische Dramatik nach Gordin ist schon mehr künstlerisch als theatralisch orientiert. Rußland und Amerika bilden sozusagen difl HeerstraÄen der jüdischen Theaierentwickluhgv Wie verhält es sich nun mit dem Gedanken eines jüdischen Theaters im Westen Europas, namentlich in Wien? Ist es hier, möglich? Ist es notwendig? a Konkret zerfällt die Frage eines jüdischen Theaters im wesentlichen1 in drei Einzelfragen: Repertoire, Schauspieler, Publikum. - Gibt es ein spezifisch jüdisches Theaterr repertoire? Ja, ein solches gibt es — zum Teil -in engeren, zuni Teil aber auch in weiteren Grenzen als ein deutsches, französisches und dergl.. Innerhalb der neuen jüdischen Literaturgibt es eine Reihe von Dichtenv die in ihren dramatischen Werken mit ihrer Motivik - und mit-ihrem Pathds ganz.in den Zwiespalten des spezifisch jüdischen Lebens verwurzelt snd. Man denkt hur an die* bekanntesten Namen: Gordin; Hirschbein. Scholem Asch,;David > Pinski, Perez: Fremdsprachige Bünnen haben .'unseren Dichtern ihre Tore geöffnet: Asch 'beispielsweise wird in - allen' europäische« Sprachen gespielt David Pinskis;,Eisik Scheffel“ zählt* äiich in-Wien zu den populärsten4 Stückefi. Wieviel' 'geht da aber 'an' ürspfühglicb-jüdischeh , Schönheit an sprachlich-assoziativer Wirkung verlören! - Denn' wie. weit sind" inder -Tat' unser? arischem Mitbürger in ihrem' Verständnis1 für;uhser jüdisches.1'Weseh?; Jenes1 -„aUgefaeinmenschliche?' Element das ein jüdisch geschriebenes Drama' der