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Jüdische Zeitung · 1919-11-21 · 46 (21.11.1919) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
46 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Seite « Hr. 46 JÜDISCHE ZEITUNG allgemeinen Aufmerksamkeit amführt, ist ja stets bloß das innere Gerüst des Kunstwerkes. sein „Problem“ — die eigentliche Cbarakterindividuation, das einzigartige Milieu, das imponderabile Füuklum unserer Psychik und Ethik — das kann anch von den besten fremdsprachigen Bühnen weht voll erfasst werden. ,,Eisik Scheffel“ kamt wohl als „Arbeiterdrama“ vor deutschen Arbeitern mit Erfolg demonstriert werden, aber daß es mehr als ein Arbeiterdrama ist, daß es in seiner Typik ein Stück jüdischen Ghettolebens ist, in seiner Hauptgestalt auch. einen jüdischen Charakterkopf schildert — darauf kann weder die deutsche Theaterregie noch der deutsche Zuschauer edngehen: für das Jüdische gibt's ja auf der fremden Bühne ein streotypes Aequivalent: das tradionelle Kostüm, das Jüdeln, die Karrikatur u. dgL Man könnte vielleicht einwenden: das jüdische Drama — wie z. B. Gordins — stehe nicht anmer auf der Höhe moderner dramatischer Kunst, ja, kann man dasselbe nicht beispielsweise von der deutschen Dramatik sagen? Erscheint uns nicht jetzt Leasings dramatische Technik vielfach überholt? Mutet nicht Schiller vielfach als veraltet an? Was hat ihm schon alles Otto Ludwig in den Fünfzigerjahren' des vergangenen Jahrhunderts vorzuwerfen gehabt! Trotzdem 'gehören aber Lessing und Schiller mit Recht zum eisernen Bestände der deutschen Bühne. Und neben Gerhart Hauptmann vergessen auch die kunstreichsten deutschen Bühnen der Gegenwart niemals Sudermann, Fulda, L’Arronge u. dgl. i Judentum ist ein Weltproblem. das auch in der Weltliteratur seine Spiegelung findet. So existieren neben den jüdisch gefaßten eine große Anzahl fremdsprachiger Dramen] die die jüdische Problematik behandeln — von Shakespeares „Sheylok“ und Lessings „Nathan“ bis auf Eugen Tschirikows „Juden“ und Artur Schnitzlers „Professor Bernhardi“. Aber nur auf einer jüdischen Bühne könnten sie erst in gebührendem Lichte erscheinen, frei von jenen Schlacken feindseliger Subjektivität, die oft auf der fremdsprachigen Bühne gar nicht zu vermeiden sind. Gibt doch den ,anerkaimt hervorragendsten Sheylok auf dem -deutschen Theater der Gegenwart Rudolf Schildkraut. der von der amerikanisch-jüdischen Bühne hörstammt! Und! den Nachmaim in Tschirikows „Juden“ — den kann uns jemand auf der Bühne ebensowenig nachmachen wie im Leben. ... — Es sei erwähnt, daß gerade die neue jüdische Literatur so reich an Uebersetzüngen ist wie keine andere und eine künstlerische jüdische Bühne könnte auch als die würdigste Interpretin fremder Geistesgüter erscheinen. (Schluß folgt)- Aufruf! 1 , Durch den Krieg waren viele Hunderte Juden gezwungen. Palästina, wo sie seit Jahrzehnten ihr Heim gefunden hatten, zu verlassen; sie würden als „feindliche“ Staatsbürger verjagt oder flohen selber vor Hunger und Seuchen. Viele von ihnen, darunter die Mehrzahl hilflose Frauen und Kinder, haben in Wien. Nikolsburg und anderwärts Zuflucht gesucht und gefunden. Kümmerlich genug haben sie bis heute hier ihr Leben gefristet. Nun sehen sie sich neuerdings als lästige Ausländer bezeichnet und von der verdoppelten Not des •Winters bedroht, zur sofortigen Rückwanderung genötigt Schiffsraum und Einreisebewilligung erscheinen gesichert, noch nicht aber die Mittel zur Deckung der hohen Fahrkosten, welche pro Kopf •ohne Verpflegung nicht weniger als 2500 Kronen betragen. In Wien, dem Hauptetappenpunkt für unsere Palästina-Heimkehrer, haben sich dann — angesichts der Dringlichkeit der Heimkehraktion — alle maßgebenden iüd'schen Körperschaften (Israelische Kultusgemeinde, Israelitische Allianz. B‘nai BTith. Zionistische Organisation. American Joint Distribution. Committee. Palästina-Amt. die Kolelim Oesterreich-Ungarn. Wien und Drohobycz und der Verein „Opfertag“) in Erweiterung des chon fhrüer bestandenen „Komitees der 4 Organisationen“ zusammengeschlossen, um dies Hindernis zu. überwinden. Da jedoch unsere Mittel nicht hinreichen, wenden wir uns an das jüdische Publikum mit dem warmen und dringenden Appell, durch rasche und ausgiebige Spenden die Durchführung der Aktion zu sichern. Unter jüdischen Brüdern braucht es nicht vieler Worte. Es gilt. Frauen mit ihre« Männern Kinder mit ihren Eltern nach Jahren bitterer Trennung und drückender Not wieder zu vereinen, eine ganze unglückliche Gemeinde ihrer Heimat dem uns allen heiligen Lande, wieder zuzwühren. Wir rufen, tut eure Pflicht! Komitee zur Heimbeförderung der Palästina- Flüchtlinge. Wien. II. Zirkusgasse 33. Tel. 45325. Oberrabmer Dr. Z. P. Chajes. Eduard Deutsch. Prof. Dr. S. Ehrmann. N. Kofstädter. Dr. Armand Kaminka. Dr. Arthur Kuranda. Wolf Pappenheim. Hofrat Dr. S. Rappaport Oskar Schramek. David Schreiber, löbl Taubes. Rev. Rudolf Taussis. Dr. Egon Zweig. Zahlstelle: Allgemeine Depositenbank. Wien. L. Schottenring 1. Konto „Palästinaheimkehrer.“ Vereinsnachriehten Verband der iüd. Invaliden und Heimkehrer in Wien. (Verbandslokal, 2. Bezirk, Obere Donaustraße 65-/4. Hochparterre.) Wir bringen unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Verband nunmehr seine volle Tätigkeit anfgenommen hat und an Wochentagen in der Zeit von 4 bis 6 Uhr nachmittags im Verbandslokal. 2. Bezirk. Obere Donaustraße 65.14. amtiert. — Der Verband, dessen Gründung sich Infolge der judenfeindlichen Tendenzen einzelner Führer der nichtjüdischen Invalidenverbände als zwingende Notwendigkeit ergeben hat. macht es sich zur Aufgabe, den iüd. Invaliden und Heimkehrern, diie wohl in doppeltem Masse die ärmsten Opfer dies Weltkrieges sind, die Möglichkeit der Weiterexistenz zu verschaffen und tunlichst zu sichern. Zu diesem Zwecke erstrebt er die Schaffung von Ambulatorien zur unentgeltlichen ärztlichen Behandlung und die Errichtung von Tuberkulosenheimstätten, die Gewährung von kostenlosem Rechtschutz, die Durchführung der durch die erlittenen Verletzungen (Verlust von Qliedmaßen. Erblindung usw.) unumgänglich notwendigen Berufsumschichtung, die Gründung von Konsumanstalten und Produktivgenossenschaften usw. Wir richten an unsere Mitglieder den Appell, nach Kräften für den Verband zu werben. -• Jüdisch-akademischer Philosophen - Verein. Bei der am 10. d. M. stattgefundenen Generalversammlung wurde folgender Ausschuß gewählt: Obmaun: Herr .Dt* Josef Flesch; Obmannstellvertreter: Herr Wolf Ghaies und Fräulein Hulda Schenkel; Schriftführer: Herr Markus Teichmann; Kultusreferenten: Herren Zwi Sonnenschein. Gerstel, Veranstaltungsreferenten: Herren Bruno Schanzer. Moritz Schneger* Siegfr. Weiner: Bibliothek: Herr Abraham Schenke!; Nationalfond: Herr Tannenbaum: Kassarevisoren: Fräulein Reiss Sabine und Fräulein Bronisl. Klomer. Amtsstunden täglich von 11 bis 12 Uhr vormittags. Bibliothek Montag und Mittwoch. Sprechstunden des Obmannes oder dessen Vertreter Montag und Mittwoch von 11 bis 12 Uhr. Jugendverein .Ahawath Zion" gibt bekannt, daß die Vereinstätigkeit im neuen Heime, II., Stuwerstraße 46/3, bereits aufgenommen wurde. Die Vereinsleitung besteht aus: Obmann Saul Weinreb, Obmarnistellvertreter Pinkas Weinfeld. Schriftführer S. Elber, Kassier E. Hasten. Bibliothekar B. Dawid. N. F. K. und! Heimv. O. Vogelfänger und drei Beiräten. Ankündigungen Hebräischer Konversationsklub. Freitag, den 21. d. M„ 6 Uhr abends, findet rrn Lokale der Vereinigung jüdischer Exportakademiker, II., Taborstraße 1. die erste Zusammenkunft des von den gefertigten Vereinen gegründeten hebräischen Konversationsklubs statt Gäste (hebräisch sprechend oder verstehend) willkommen. „Jabne“. — ..Lese- und Redehalfe“ — „Vereinigung jüdischer Exportakademiker.“ Sektion Landstraßen Hebräische Kursen Zu . den in nächster Woche beginnenden Kursen der hebräischen Sprache für Anfänger und Vorgeschrittene. Erwachsene und Kinder werden Anmeldungen in der zionistischen Sektion Landstraße. III.. Untere Viaduktgasse 13 täglich von 2 bis 5 Uhr nachmittags entgegengenommen. Anmeldungen können auch schriftlich erfolgen. Alles Nähere, wie Zeitdauer. Kursbeitrag usw. werden noch bekanntgegeben. Im Interesse des raschen Beginnens werden die Interessenten ersucht, die Anmeldungen (Name, Adresse, Anfänger oder Vorgeschrittener und welche Zeit am erwünschtesten wäre) umgehend erfolgen zu lassen. Hugo Znckermann-Feler. Sonntag, den23. Dezember. halb 4 Uhr nachmittags, des inf Monat Kislew wiederkehrenden fünften Todestages unseres unvergeßlichen Dichters Hugo Zuckermann findet ein Vortrag von Dr. Silberschein über dessen „Lyrische Dichtung“ statt. Gäste willkommen. DreP Vorträge über das Judentum von Dr. Alfred'Nossig. und zwar über 1. Wiederaufbau Palästinas, 2. Vom integralen Programm der jüdischen Bewegung. 3. Sozialismus und' Mosaismus. Der erste Vortrag findet am 1. Dezember um 6 Uhr abends im großen Musikvereinssaale statt* Dr. Nossig wird in seinem Vortrage über „Wiederaufbau Palästinas“ über folgende Fragen sprechen: Die Palästinapolitik der Propheten — Die gegenwärtigen Aussichten der Juden in Palästina — Die Grundprobleme des Anfbaues — Maximalistische und gemäßigte Forderungen — Massenkolonisatioai oder Maßkolomsation — Verhältnis iü. den Arabern Die Neutralisierung Palästinas. Im zweiten Vortrage, „Vom integralen Programm der jüdischen Bewegung“, der am 3. Dezember, 6 Uhr abends, im Militärkasino. I., Schwarzenbergplatz Nr. 1. stattfindet, wird Dr. Nossig folgende Fragen erörtern: Nationale Selbstbestimmung — Der alte jüdische Bund — Die Zerstreuung — Die jüdischen Parteien der Gegenwart — Die Renaissancebewegung — Die Organisation der Weltiudenheit. In seinem dritten Vortrage, „Sozialismus und Mosaismus“, der am 4. Dezember. 6 Uhr abends, im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbe- Vereines, I„ Eschenbachgasse 11. stattfindet, wird Dr. Nossig eine Parallele zwischen den beiden mächtigsten Bewegungen ziehen nnd auf folgendes hinweisen: 1. Scheinbare Gegensätze zwischen Sozialismus und Mosaismus; 2. Das Wesen des Sozialismus; 3. Das Wesen des Mosaismus. Kartenvorverkauf: Konzertdirektion Gutmami, Kärntnerring 3; Jüdischer Hochschulausschnß. IX., Alserstraße 28; Vereinigung Jüdischer Handelshochschüler (Exportakademiker), Taborstraße 1—3. Jüdische Volksbibliothek „Zion" (II.. Glockengasse 30). Sonntag, der. 23. November d. J. findet in den' großen Sälen des Restaurants „Zum schwarzen Bären“, II., Prater Hauptallee 1t (nach dem Ersten Kaffeehaus) eine Akademie mit reichhaltigem unterhaltendem Programm zugunsten der Bibliothek statt. Preis 5 K. an der Kasse 7 K. Karten im Vorverkauf zu haben: Veremslokal. II., Glockengasse 30; Buchhandlung Löwit, I„ Rotenturmstiaße 22; Kartenbureau Aida. II., Taborstraße 5, und bei den Vereinsmitgliedern. „Lese- und Redeballe jüdischer Hochschüler“ (IX., Türkenstraße 9). Samstag, den 22. d. um halb 6 Uhr nachmittags spricht Dr. Ernst Müller über das Thema „Was heißt nationale Psychologie und Ethik?“ Gäste willkommen._ Cafe Mapienbpücie BERNH FRANKL Wien II., Obere Donaustraße 99. Treffpunkt aller Zionisten. MM 19 ALT-NEULAND 99! I ist das einzige jüdische Monatsjournal in Europa, welches sich mit sämtlichen Palästinafragen auf politischen, Ökonomischen und kulturellen Gebiete eingehend befaßt. „ALT-NEULAND” zählt zu seinen Mitarbeitern die hervorragendsten jüdischen und nichtjüdischen Schriftsteller, sowie die bekanntesten Fachkenner Palästinas. Bisnun sind 3 Hefte erschienen mit Beiträgen von: Auhagen, Aronson, Chajes Eberlin. Entin, Gutinann, Kilermann. Lehr, Huppin, Sokoiow.Trywaks.Tritsch, Weizmann Wilbuschewitsch, Wilkanski, Warszawski, Zangwil und v.a- „ALT-NEULAND” bringt außerdem eine Enquete über die Sprachenfrage in Palästina mit interessanten Äußerungen der promentesten Persönlichkeiten und Führer des Judentums wie: S. L, Gordon, Dineson, Zerubabel. Mereminski, Dr. Poznanski. Podlischewski, Frisch mann, Schwalbe, Ben-Awigdor, J. L. Zlotnik, Prilucki. Gutmann, Heftmann, Ziatapolski, Juris und Zeitlin. 2„ ALT-NEULAND’ ist auch reich illustriert. Abonnent entspreis: Halbjährlich Mark 18.—, vierteljährlich Mark 9.—, Einzelheft Mark 3.—. Die halbjährlichen Abonnenten bekommen gratis 2Prämien: I.) Eine Sammlung von Erzählungen aus dem palästinensischen Leben .Die Mutter Erde“. 2.) Ein jüdisch-arabisches Wörterbuch. „ALT-NEULAND” darf in keinen einzigen;jüdischen Hause fehlen. Zuschriften und Abonnementaufträge sind ausschließlich zu richten an: Dr. Israel Hammer, Wien IL, Schüttelstraße Nr. 91/5. Wer sich über das Wesen der jüdischnationalen Bewegung informieren will, lese die Broschüre Oer jüdische Rationalismus von Bbg. Ratort Stricker Preis K 2.50. — Zu beziehen durch die Administration der „Wiener Morgenzeitung“, Wien II., Taborstraße 1 bis 5 Nur garen Voreinsendung des Betrages« gegen Nachnahme wird nichts versendet. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAaaaaaaaa MOSES RATH’S Lehrbücher der hebr. Sprache 'äs? rar Derzeit vergriffen! Neue Auflage erscheint am 15. November Preis K 25— AMAkM Moses Rath, Wien I., Postg. 11 991 W»ra*5i*k*r Atacaiter (ä*Ä*r. vwastwArWalMr Redakteur David NefeemaM — Dr»«k v*a IgutE Spitz &. SÜm, Wi«n. IL. Raierttasa« 2. \

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