Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 45 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sqite a Nr. 45 Eine Rechtfertigung der Als Antwort auf verschiedene Kritiken' der palästinensischen Presse veröffentlicht das Preßbüro der Zionistischen Palästina-Kommission eine Erklärung, durch die die Tätigkeit der Kommission verteidigt werden soll. Die Erklärung scheint uns allerdings die Angriffe keineswegs ausreichend zu widerlegen. Man hat der Kommission vorgeworieji -daß ihre Mitglieder die Verhältnisse des Landes nicht kennen und auch den angesichts dieses Umstandes unerläßlichen Kontakt mit der einheimischen. Bevölkerung nicht suchen. Daher hat <% Kommission nicht nur in Einzelheiten Fehler gemacht, sondern auch ein falsches System der Arbeit zugrunde gelegt. Die wichtigste Aufgabe, die Schaifung von Arbeitsgelegenheiten, wurde von der Kommission nicht gefördert, dagegen hat sieihre. „Hilfsaktion“ auf Aüsgabe Von Unterstützungen aufsrcliäat. die besonders bei der Arbeiterschaft Aergemis erregte und als Chalukka und Phiianthrophbe' bezeichnet wurde. Die Unzufriedenheit mit der Kommission -war so allgemein, daß sich auch das Aktionskomitee den Argumenten der „Kritiker“ nicht verschließen konnte und eine Reorganisation durchsfeführt hat Mit Rücksicht daraufdaß die neue Palästina-Kommission unter U s si s c h k i ns Leitung bereits ihre Tätigkeit in Palästina aufgeriommen hat, erübrigt es sich, auf die Rechtfertigung der alten Kommission näher einzugehen. WiT geben den Wortlaut der Erklärung nach dem Bulletin des Kopenhagener zionistischen Büros nachstehend wieder: ■ An unsere Kritiker! Einige strenge Kritiker haben die Zionistische Kommission fortdauernd scharf kritisiert, unter besevtderem Hinweis auf deren Hilistätigkeit. als ob diese unsere ganze nationale Arbeit in Palatina zerstöre. Nach diesen Kritikerr könnte es scheinen, als ob alles was in Palästina geschah, bevor die Zionistische Kommission dorthin kam, vollkommen war, während die Arbeit der Kommission wertlos ist. Wir beabsichtigen hiier nicht, auf jedes Wort unserer Kritiker zu antworten, sondern begnügen uns mit der Feststellung einiger weniger Tatsachen, um dtirzulegen. wie segensreich die Hilfstätigkeit der Zionistischen Kommission gewesen ist 1. A nie i h en.. ln der lokalen Presse sind bereits einige Zahlenangaben der Kuppath Mil weh (Anleihefond) erschienen, aus denen ersichtlich fsit, daß die Kommission durch Gewährung dieser Anleihen nicht reine HiJfsgelder gegeben bat Bs ist hier nicht der Ort um die bisher gewährten Beträge im Detail attfzuführen, aber es mag festgestellt werden, daß im Monat August in Jerusalem-.allein Anleihen in, .der, Röhe von 1438 ägyptischen Pfund gegen gute-Sicherheit für kommerzielle Zwecke von der Zionistischen Kommission gewährt wurden. Viele von diesen Anleihen sind Männern des neuen Jischub, z. B. Lehrern etc. gegeben worden. Man kann der Kommission nicht den Vorwurf machen, Demoralisation 'dadurch hervorgentferi zu haben, daß sie Anleiher, für* Handelszwecke gab und Männern dazu verhalt unabhängig zu leben. Das segensreiche Wirken der Kuppath Mil weh, die jetzt einen dauernden Faktor bilden und sich im Interesse des Jischub entwickeln wird, kann nicht bezweifelt werden. ,' , 2. Medizinische Hilfe. Keine nationale Arbeit ist für die physische Wohlfahrt des Jischub wichtiger als die ärztliche Hilfe. Die Zionistische Kommission gewährt in Jerusalem dem Augenhos-pital eine monatliche Subvention von 100 Lst., dem Hospital „Schaare-Zedek“ eine monatliche Anleihe von 300 Lst-; in Jaffa dem „Schaare- Zjon" Hospital 150 Lst, dem Kinderhospital 100 Lst, für Augetnbehandlung in den Kindergarten 25 Lst Sie. bat ferner für Petach-Tikwah IQ Lst.. für das Hospital in Safied 250 I.st.. für den Fond für kranke Arbeiter in Judäa 240 Lst, in Galiläa 50 Lst. und für die Jemeniten 14 Lst zur Verfügung gestellt Dazu kommt noch die Anleihe von 300 Lst., die der Amerikanischen zionistischen Aerzteexpedition in Jerusalem gewährt ^worden ist Können derartige Bewilligungen als den Interessen unserer nationalen Arbeit zuwiderlaufend angesehen werden, und sind sie etwa nicht gerade. für die jüngere Generation von Wert? 3. Hilfeleistung. Die von der Kommission an Hunderte von Männern, Frauen und Kindern, die sonst verhungern würden, verteilten Hilfsgelder, haben sicherlich nationale Bedeutung. Die Kommission, ist verpflichtet, den Witwen und Waisen derer zu helfen, die in den Kämpfen gefaben -sind. Viele dieser Waisenkinder waren ohne jede Hilfe gewesen, weint die Zionistische Komm&siön ihnen nicht die Möglichkeit gegeben hätte, ihre Studien fortzusetzen und ein Gewerbe zu erlernen. Werden die Leiter des neuen Jischub es der'Zionistischen Kommission wirklich nicht verzeihen, daß Sie sich weigerte, hilflose Menschen vor Hunger sterben zu lassen, oder daß sie alten L&iteri geholfen hat, die vor dem Kriege Unterstützung von ihren Verwandten erhielten? 7 Niemand’wird b.ezwcrftiii. daß die Arbeit der Zionistischen Kommission für die Waisenkinder in Palästina vom größten Wert gewesen ist Unsere härtesten Kritiker werden zugeiben müssen, daß es sehr er,wünscht.war. diese mehr als'3000 WäisenkhüJbr, die ‘hilflos zurückgeblieben waren, zu unfferstützen,; da sie einen wichtigen Teil ,06$ neuen Jischub bilden. Wer an'die-Zukunft dieser Waisenkinder denkt, wird nicht umhin können, anzuer-, kennen,; öäß’ die Zionistische Kommission es’ nicht zulässen koririte,’:"äaß säe sich" atif: dein Straßen benimtnejä>eh und ihr.Rieben, durch' Bettelei fristen. HXMCtSE 2BFFUNG Zionistischen Kommission - 1 4-, Religiöse Institutionen. Wünschen unsere Kritiker, daß die Zionistische Kommissiön sich um die Talmude Thora, die Jeschf- ".-.iti*. (öc Tait'utJe Hadtachamirit; die Dafanim und Rabbonfm nicht kümmere? Es ist unnötig zu betonen, daß die Zinonistische Kommission allen diesen Institutionen die Gelder aushändfgt, die vom Joint Distribution Committee in Amerika für sie überwiesen werden. . Die Kommission führt ‘die Wünsche der Spender aus und hat keih Recht anders zu Jiaoydeln...... .; . q " Derzfonfstischen Kommission gelang'es, tfie, aschkehasischen und sephardichen Rabbiner in einer Institution, dem „Misrad Harabbanuth“, zu vereinigen Sie iührte Reformen und hygienische Verbesserungen ir. den Talmude Thora ein. Man hat der Kommission vorgeworfen, daß säe, keinen extremen Standpunkt bei der Behandlung der religiösen Institutionen eingenommen hat Es spricht aber im Gegenteil nur für tfie Kommission, daß sie nicht, entgegen den Wünschen der Spender dieser Gelder, eine Seite vor der anderen bevorzugt hat 5. Werkstätten und kommunale Arbeiten. WäJtrend die Zionistische Kommission auf diese Weise die reJigösen Institrationen unterstützt hat, vernachlässigte sie keineswegs die Arbeiter, die Werkstätten und die Arbeitsschulen. In ganz Erez Israel stellte sie große Beträge für kommunale Unternehmungen bereit. Sie beschaffte nicht nur Arbeitsmöglichkeit für Arbeitslose, z. B bei den sanitären Arbeiten, sondern finanzierte auch besondere Arbeitern, wie die Reparatur von Häusern, was ungelernten Arbeitern die Möglichkeit gab, Handwerker zu werden. Für Arbeiter dieser Art werden dieses Jahr in Dagania, Kinereth und Batania 5000 Pfund zur Verfügung gestellt werden. Durch Einrichtung von Werkstätten für Mädchen hat die Kommission viele Mädchen vor Müßiggang und Hunger und vor Abwegen bewahrt, ln Saffed. Tiberias. Jaffa. Hebron. Jerusalem und Haifa unterhält die Kommission dferartige Werkstätten. 6. Flüchtlinge. Man kann der Zionistischen Palästina-Kommission keinen Vorwurf daraus machen, daß sie den Flüchtlingen geholfen hat, die während des Krieges aus Palästina vertrieben worden waren. Die Kommission beschaffte ihnen die Möglichkeit, zui ückzukehren und sich im Lände wieder anzusiedeln, gewährte ihnen Anleihen für den Ankauf von Werkzeugen oder für die Eröffnung van Läden, unterstützte sie während der fersten Wochen nach ihrer Rückkehr, stellte aber die Hilfe ein, sobald sie Arbeit gefunden hatten. Solche Tätigkeit kann nicht als reine Philanthropie bezeichnet werden, sondern sie ist nationale Aufbauarbeit; Die Kommission mag zuerst mehr verteilt haben, als absolut notwendig war, weil sie dies für besser hielt, als Hilfsbedürftige überhaupt ohne Mittel zu las*'.:», aber se'.t d'e ' onmiission Ordnung in die Geschäfte'der Institutionen gebracht hak die Unterstützungen erhalten, ist eine wesentliche Aenderung in dieser Hinsicht eingetreten. Die Rechnungen dieser Institutionen, sowie tEe Listen der Empfänger von Unterstützungen werden regelmäßig von sachverständigen Personen geprüft Mit der Kommission tri Verbindung steht ein Komitee, das täglich alle Viertel der Stadt besucht; auf diese Weise erhält niemand Unterstützung, dessen Fall von diesem Komitee nicht eenririt worden «st. Irren ist menschlich, und das Hilfskomitee der Zionistischen Kommission mag hn Einzelnen Felder begangen habet! Auch seine Mitglieder sind Menschen und keine Engel. Einige Kritiker, die über die Wertlosigkeit der Hilfe reden, leben nicht in der Gegenwart und betrachten das Werk des Hilfskomitees ausschließlich als Philanthropie oder Chalukka. Wenn sie aber auch nur ein wenig die neuesten Methoden der Hilfe studiert hätten, wenn sie mich nur im geringsten die Idee der sozialen Fürsorge der Zionistischen Kömmission verstanden hätten, so hätten sie sich nicht zü kritisieren erlaubt. Diese Kritiker haben viiü über die ni< derner Methoden der Hilfe zu lernen und noch mehr über den Wert der ArH.-'i. dV tt der Tat von der Zionistischen Kommission in Hilisangelegenheiten und im nationalen Dienst, im vollen Sinne ctieses Wortes, geleistet worden ist Sie kennen nicht einmal die einfache Tatsache, daß eine der Bedingungen, tfie die' Regierung für die Arbeit der Zionistischen Kommission gestellt hat als sie zuerst nach Palästina kam, die Organisierung des HSfcwerkes war. sodäß die Kommission diese Arbeit nicht hätte änfgcbeii können, auch wenn sie es gewollt hätte. Die Zionistische Kommission denkt aber gar nicht daran, ihre Hilfstätigkeft einzusteßen. da sie davon überzeugt ist, «laß säe in Wirklichkeit konstruktive Arbeit mit einbegreift. Zionistische Bewegung ‘ Das „Pijttsburger Programm“ . Das Aktionsprogramm, das die amerikanischen Zicmisten auf ihrer Jahreskonferenz in Pittsburg im Jahre 1917 auf gestellt haben, ist unter dem Namen „Pittsburger Programm“ zu großer Bedeutung im Zionismus gelang^. Es war das erste Mal, daß eine große Lamdesörganisation das Prinzip der Nationalisierung des Bodens offiziell angenommen hat Da in «ier zionistischen Diskussion unserer Tage vielfach auf das „Pittsburger Programm“ Bezug genommen wird und auch die letzte „Convention“ in Chicago das Festhalten an der dort eingeschlageraen Politik proklamierte, halten wir es für angezeigt unseren Gg. den Wortlaut dieses Programmes ins Gedächtnis zurückzuruien, Die Resolution lautet: <!j . „Im Jahre 1897 bezeicltnete der' erste zib-1 mstische’Kongreß in Basel als das Ziel des Zionismus „Die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“. Die kürzlichen Erklärungen von Großbritannien, Frankreich, Italien 'und anderen alliierten demokratischen Staaten haben diese öffentliche Anerkennung der jüdisch-nationalen tfpupstätt'e zur internationalen Tathache erhoben. “" 'Deswegen wünschen’wir von neuem die Prinzipien zu bestätigen, die die Zio^ rusti.sc.ie Organisation seit ihrem Bestand geleitet haben, die die Grundlagen waren, die von unseren Gesetzgebern und Propheten für den aLten jüdischen Staat niedergelegt wurden und.die die Inspiration des lebenden jüdischen. Gesetzes geworden sind, in dem die Traditionen, des zweftauseudjährigen Exils leben.. 1. Politische und bürgerliche Gleichheit ohne Rüc ksi-c h taut Rasx-e. Geschlecht oder Glauben aller. Einwohner des Landes. 2. Um in der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina die Gleichheit der Lebensmöglichkeiten zu schaffen, begünstigen .wir...eine-Politik, die, mit der nötigen, Rücksicht. auf bestehende Rechte, versuchen soll, den Bes.ijz.unct die K o n t r o 1 le.. ü b e r.. d a s Land, u n d üb e_r alle natürlichen Duellen, und über alle öffentlichen Einrichtungen in die Hände des jüdischen Volkes zu legen.' 3. Alles Land, das im Besitz oder unter der Kontrolle des. ganzen, Volkes steht, sollte unter solchen Bedingungen abgegeben werden, die die größte Möglichkeit für die Entwicklung, und die Fortdauer des Besitzes geben. » 4 Das kooperative Prinzip sollte soweit wie möglich in der Organisation aller landwirtschaftlicher, industrieller. . kommerzieller und finanzieller Unternehmungen angewandt werden. 5. Die fiskalische Politik soll danach streben, das Volk von demUebel der Landspekulation nnd von jeder anderen Form finanziellen Betruges zu behüten; - 6. Das System freier, öffentlicher. Belehrung, welches durchgeführt werden soll, hat alle Grade und Zwecke der Erzieh ung zn umfassen. 7. Die öffentliche Unterricht.ssprache soll Hebräisch, dje nationale Sprache dt» jüdischen Volkes, sein.“ NOrdaus Botschaft, an die Chicagoer Convention. . m dem neuen offiziellen Zentralorgan - der zionistischen Weltorganisation „Hätoläm“ (Lori-' dörij nimmt fm Leitartikel der zweiten Nummer Ä.~Däwi’dsöhn Stellring za Nordans Botschaft an den amerikanischen Zfonlsteh&ongreß. Unter dem Titel„Forder ungen“'weist er" darauf hin daß Nordau, dessen beratende Stimme stets im Zionismus hochgeschätzt wurde (aktiv war er nfenials) und von dem man jetzt nach dem fünfjährigen Schweigen ein neues Wort; einen Wink zur Lösung erwartet hatte, die zionistische Oeffentlichkeit schwer enttäuscht hat. Ohne sich am «fie realen Verhältnisse'zu’kehren, zählt er einige Punkte auf, die ,;zu fordern sind“; aber „fordern“ können wir auch das Blaue vom Himmel Was Nordau tosdert, ist weniger als die zionistische Leitung 'von England gefordert hat; aber es kömmt nicht auf das Fordern an. sondern auf die Wege zur Erreichung und zur Verwirklichung, und darüber sagt Nordau gar nichts. Der Artikel zeigt dann im Einzelnen die gegenwärtigen politischen Schwierigkeiten, die die Ungeduld vieler Zionisten verursachen und denen durch Proklamation von Programmen nicht betzukommen ist. Soweit der Brief Nordans eine Kritik der Leitung implicite enthält, beruhe er auf Irrtümem und falschen Voraussetzungen. Elektrotechnische Kurse des Palästina-Amtes. Dienstag, den 28. Oktober, fand rin Fes&saaie der Staatsrealscbulev 2. Bezirk. Vereinsgasse 23, die feierliche Eröffnung der von der technischen Studiengruppe des Palästina- Amtes initiierten elektrotechnischen Kurse statt Unter den zahlreicherschienen Vertretern der jüdischen Organisationen war u. a. anwesend als Vertreter des Kuitusvorstandes Herr Architekt Ing. Jakob Gärtner. Im Namen der technischen Studiengruppe richtete Herr Baurat Dr. Ing. Siegmund Deirtes an die Teilnehmer eine kurze Ansprache, in welcher er darauf hinswies, daß es für den Aufbau Palästinas vor allem notwendig ist, über faertmänntsh geschalte Arbeitskräfte zn verfügen. Zu diesem Zweck sei als erster der in Gründung begriffenen fachmännischen Kurse der elektrotechnische Kurs zur Heranbildung von Elektromonteuren und Etektrohilisarbeitern eröffnet worden. Nunmehr sollen alsbald weitere folgen, wodurch die Grundlage für «fie später zu errichtende jüdische Haudwerkerschule geschaffen ist . Namens des Palästina-Amtes dankt dessen Leiter Dr. Enti! Stein der technischen Studiengruppe für ihre Bemühungen um «fie Errichtung des Kurses und wies auf die große Bedeutung hin. welche die Technik für die Palästinasiedtang und die so notwendige. Berufsumschichtung der Juden habe. Hierauf leitete Reg.-Rat Ing. Josef Löwy den Kurs mir einem Vortrage ü b er da s Wesen