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Jüdische Zeitung · 1919-11-14 · 45 (14.11.1919) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
45 (14.11.1919)
Date
1919-11-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 9 © Sprachegeiehrt wird, ebenso die Errichtung von Volkshochschulen. Lesehallen und Bibliotheken. soiiiedte Unterstützung jüdisch-wissenschaftlicher Bestrebungen. Dann folgen,eine Reihe von Forderungen s.ozialer Art. Dieser Teil des Programms lautet: ..1. Erfüllung aller der öffentlichen Wohlfahrt dienenden Gcmemdeemrichtubgen mit wahrhaft jüdisch-sozialer Gesinnüg. 2. Sozial-politische Maßnahmen für jüdische Arbeiter. Angestellten. Handwerker. Kleingewerbetreibende: Errichtung eines Wohlfahrtsamts zur entralisation der vorhandenen Einrichtungen: Gründung, jüdischer Kassen. Spareinrichtungen. Genossenschaften. Arbeitsnachweisen, yolksspeisehallen. Herbergen.und ähnlicher. Einrichtungen: Wohnungspflege. Pflegschaftswesen in der Afmenmürsorge. planmäßige Verteilung der Stiftungsmittel nach.volkserhaltenden Grundsätzen. 3. Umfassende Fürsorge für Durchünd Auswanderer unter besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse der aus dem Osten kommenden Juden: Anteilnahme an der Regelung der Emigration. 4.SchaffungeinesVoIks-und.Vereinsh aus e s; 5.. Errichtung eines Jugendamts, das alle erforderlichen Maßnahmen > zur Ertüchtigung der Jugend dürchzuiühren vermag (Jugend- und Landheime, Turn- und Gartenbauunterricht Berufsberatung usw.) 6. Bevölkerungspolitische Maßnahmen. wie Mütter- und Säuglingsschutz. Frühehekassen usw. 7. Unabhängigkeit für sämtliche Gern eindebe amte durch lebenslängliche Anstellung nach angemessener Probezeit und Gewährung einer auskömmlichen Besoldung. Schaffung eines Beamtendisziplinarrechts. Mitwirkung der Beamten in allen ihr Interesse betreffenden Fragen.“ Zum Schluß folgen zwei politische Forderungen, und zwar einmal die Beseiti- ' gung des Judengesetzes von 1847 und die Einflußnahme auf die gesetzliche Neuregelung, anderseits die Anteilnahme an allen die jüdischen Gesamtheit betreffenden Fragen, vor allem am Aufbau von Erez Israel. Auf des neuen Ministerialerlasses haben zwischen dem Vorstand der Gemeinde und den , verschiedenen in der Gemeinde vorhandenen Gruppen Besprechungen statigefunden. in welchem die Forderung nach Verschiebung der Wahlen erhoben wurde, um die Liste entsprechend dem durch die ministerielle Verfügung entstandenen Rechtszustand zu revidieren. * Diese Verschiebung ist inzwischen vom Vorstand angeordnet worden Der 'neue Wahltermin Wird noch fcekanntgegeben. Palästina Die Delegiertenkonferenz in Palästina verschoben Das Kipntawer Ztontattacfcor Baeee wird.aas. Palästinagedrahtet: Infolge des Konfliktes ln der Frage des F.raaenstimmrechtes hat das „Provisorische Exekutivkomitee der palästinensischen Jaden“ (Waad Hasmanl) beschlossen, die an! den 18. November angesetzte Delegiertenversammlung aal anbestimmte Zeit zn verschieben. Palästina. Ein Aktionsprogramm des Verbandes .Jlaooei Hazalr.“ Dem Kopenhagener Zionistischen Burean wird aus Palästina berichtet: Anläßlich der bevorstehenden Einberufung der Delegiertenkonferenz, die die Aufgabe zu lösen hat. für das palästinensische Judentum eine nationale Verfassung zu schaffen, hat die jüdische Arbeiterorganisation-„Hapoel Hazair“ eine De-*- Ic 1 a r a t i on erlassen, in der sie ihre Forderun- Soeben erst^iienen: Tj I8 Das zionistische Jahrbuch f JÜDISCHER l I NATIONALKALENDER 1 I Maunaeh anf das Jahr 5680 ■ m 5. Jahrgang. fl) i ■i i Heranszegeben van Otto Abeies Ludwig Bata and ' Inhalt: l|| Ludwig Bato: Das Jahr 5679. — Heb»- ||| rieh Margnlies: Politik und Sendung. — Leon Reich: Die Jüdische Delegation te m Paris. — Emil Stein: Palästina. —- Robart 8“ Weitsch: Die Revolution und die jüdischen ||| Nationalräte. — IL P. Chajes: Das Amt — •* Max Brod: Vom Wesen der Demokratie. — jjj Ernst Miller: Zur Charakteristik des irehgi- I 2 Ösen Judentums. — Hermann Kadisch: Die II! I Geiahr einer neuen Assimilation. — Abra- “ | ham Schwadron: Von den zwei Polen der I 5 Judenfeindschaft — Arnold Zweig: Aus I «einem Ostjudenbuch. — Otto Abeies: Die J“ Erscheinung (Gedicht). — Ludwig Bato: An beiden Ufern. — Schxlom Asch: Das Ge- 111 ■* hehnnis des Knaben. — Enges Hoeilich: _ ■ Zwei Gedichte. — David Pfnski: Das Mädffl chen an der Thoralade. — Ch. N. Bialik: An 8 die Stillen (Gedicht). — Otto Abeies: Ans i besseren Tagen. — Urlel Birnbaum: Vier Sonette — Bernhard Tag:. Quellen, die ewig sprudeln. — Marek Scherlag: Wage des Wunsches (Gedicht. — Aus der jüdisches Iw Sagenwelt: Der Tod Moses, Im Geheimnis der Mitternacht (Sohar). Der Todesengel (Gottlieb v. Leon). Jenrsalemitanische Legenden (L. A. Frankl). Zwei böhmische 2 Judenmärchen (L Kompert). — Artur ■ Freud: Von Büchern des Jahres. — Jüdi- 1 scher Kalender für das Jahr 5680. Kern Worte zur Jndenlrage v. Theodor Behr. Hugo Bergmann, Theodor Herzl, Gustav Landauer. Heinrich Loewe, Max Nordau. Felix Salten. Adolf 'Stand, Robert w Stricker. Jechiel Tschlenow. fl Umschlagszeichntmg und Buchschmuck ■ von Jakob Uhr, Illustrationen von Josef Bndko. Elchanan Frank. Jakob L8w. Morfae £ Oppenheimer und Wilhelm Wachtel, Preis einschließlich Buchhändlerzuschlag K 11.—. Zu beziehen durch den V er- Liag Jüdische Zeitung. Wietv 2. Be- * zirk, Taboratraße L .. ' m » I gen aufsteilr. Diese Forderungen umfassen folgende Punkte: I. Die Organisierung .der palästinensischen Judenheit. 1. Die Hauptaufgabe der Delegiertenkonferenz ist die Bildung der öffentlichen Nationalen Organisation der Juden Palästinas und die Schaffung einer nach innen und nach außen demokratischen Repräsentanz. 2. Die Zugehörigkeit jedes jüdischen Einwohners in Palästina zu dieser Organisation ist obligatorisch. 3. Die Delegiertenkonferenz wählt für einen bestimmten Zeitraum eine zentrale Körperschaft; die sämtliche öffentlichen Angelegenheiten der palästinensischen Judenheit vertritt Diese bildet die höchste Instanz für alle Gemeindekomitees in den Kolonien und in den Städten und für alle gesellschaftlichen und öffentlichen Hilfsinstitutionen im Lande. 4. Die Grundlagen der Ocffentlicben Nationalen Organisation sind w-eltliehe. Diese Organisation bildet aber kein Hindernis für ehe Organisierung einzelner Gruppen in Form von Gemeinden oder Kehilloth gemäß ihren speziellen religiösen und gesellschaftlichen Bedürfnissen. 5. Sowohl die Oeffentliche Nationale Organisation und ihre zentralen Institutionen als auch sämtliche Verwaltungsanstalten der Städte und der Kolonien organisieren sich auf der Grundlage des allgemeinen. Proportion eilen, gleichen. direkten und geheimen Wahlrechts, welches jedem Juden ohne Unterschied des Geschlechts zusteht. 6. Die Ken n t nis der hebräischen Sprache in Wort und Schrift ist für jeden zur Bekleidung einer öiientlichen Stellung’ im Lande Gewählten o b I i s a t o r i s c h. 7. Die Oeffentliche Nationale Organisation anerkennt die Hegemonie der Zionistischen Weltorganisation in allen nationalen Angelegenheiten, die das ganze Volk betreffen. sowohl hinsichtlich derienigen Juden, die im Lande leben, wie auch jener, die noch nicht in das Land gekommen sind. Unter den „gemeinsamen nationalen Angelegenheiten" wird die Arbeit verstanden, di« darauf hinausgeht, in Palästina eine jüdische Majorität in koionisaloriscliem und politischem Sinne zu schaffen. 8. Das Zentralorgan, der Körperschaft, welches durch die Delegiertenkonferenz gewäldt wird, beteiligt sich an den zionistischen Venwaitungsinstitutionen Palästinas durch eine entsprechende und ausreichende Vertretung. II. Die kolonisatorische Arbeit Die zentrale Körperschaft der Organisation hat bei ihrer Beteiligung au den zionistischen Verwaltungsinstitutionen die Aufgabe, dahin zu wirken, daß der jüdische Jjschub in Palästina durch allgemeine, selbständige Arbeit auf Grundlage der Na tionali&ieruug des Bode n s. seiner natürlichen Schätze und der Transportmittel aufgebaut wird. 111. Arbeit und Arbeiter. 1. Die Oeiienthche Nationale Organisation hat die Aufgabe, gemeinsam mit der Zionistischem Organisation dafür zu sorgen, daß jedem Individuum in Palästina die Existenz durch Arbeit gesichert wird. 2. Gleichzeitig haben die Organisation und ihre ausführenden Organe folgende gesetzlichen Bestimmungen zu schallen: a) Festsetzung eines Minimaliohnes für den Arbeiter; b) Verbot der Beschäftigung von Kindern ün Schulalter gegen Entlohnung; c) Gründung von Aufsichtsanstalten für Kinder. deren Eltern tagsüber beschäftigt sind: d) Beaufsichtigung der allgemeinen Arbeitsbedingungen. insbesondere der sanitären Einrichtungen und des Gesundheitszustandes der Arbeiter. FV Erziehung und Bildung. 1. Die Oeffentliche Nationale Organisation und ihre ansführenden Organe führen die Elementarbildung für alle Kinder im Schulalter ein: 2. bei der Gründung von Erziebungs- und Bildungsanstalten wird die ganze Oeffentlichkeit verpflichtet, die Herrschaft der hebräischen Sprache durchzuiühren: 3. die Erziehung muß anf einer Grundlage erfolgen, die den Zögling nach Absolvierung der Schule für eine produktive Betätigung befähigt; 4. die Organisation muß dahin wirken, daß das Erziehungs- und Bildungwesen in allen Stufen unentgeltlich ist: 5. die Organisation muß bestrebt sein, die allgemeine Schulpflicht der Kinder dadurch zu erleichtern. daß den Kindern (denen^keine anderen Mittel zur Verfügung stehen) in der Schul« Nahrung und Kleidung gewährt wird: 6. An der Leitung des Bildungswesens in Palästina beteiligen sich mit gleich starker Vertretung: Die Zionistische Organisation, die der Geschäftswelt der Alten, sucht Gott. . . Aber . sich selbst hat sie noch nicht gefunden. : Auch Stefan Grossmanns „Die Partei"*) Ist ein Judenroman. Er schildert das Wiener Parteileben zur Zeit der Wahireform. er zeigt die Mängel, .die Unzulänglichkeit des Parteibetriebs, der entmenschend und mechanisierend wirkt, zeigt wie neben der politischen Existenz die menschliche Existenz der Parteimenschen um ihre' Erfüllung ringt. Die sozialdemokratischen Führer sind beinahe alle Juden, ste sind zum Teil weltfremde Idealisten, hingebungsvolle Arbeiter für die Idee, zum Teil starre Doktrinaristen. zum Teil Streber und- Geschäftspölitiker. Der Wahlkampf in der Leopoldstädt bei dem der jüdische Intellektuelle gegen den christlichsozialen Praterwirt durchfällt, gibt Gelegenheit, eine Menge jüdischer Typen einzuführen. Versammlungen in der Glockengasse, die Agitation unter den Juden, sind lebenswahr dargestellt. Das Judenproblem wird überall gestreift nirgends tiefer erfaßt. Das Buch gehört überhaupt mehr zur oberflächlichen Unterhaltungsliteratur als zu ernster, das Wesen der Dinge ' sehender und gestaltender Kunst. In den einzelnen -Figuren wird man unschwer die Bilder bekannter Wiener Politiker erkennen. So ist die Lektüre für den Wiener vqn besonderem Reiz und wenn man für die jüdische Sache daraus eine Lehre ziehen will, so kann dies» nur ganz eindeutig eine von Stefan Grossmarm unbeabsichtigte sein: das jüdische Volk muß aus dieser entwürdigenden Situation. Spielball und Werkzeug in der Hand der Parteien zu sein, die es nicht verstehen,' befreit werden, die jüdischen Menscheh. müssen aus dieser grotesken Verzerrung.; wie sie die Charaktere der jüdischen "Sozialdemokraten bei allem ehrlichen c) Verlag Ullstein fr. Co„ Berlin-Wien. 1919. K 131*0. Streben illustrieren, zu sich selbst zu lebendigem und natürlichem Handeln zurückgeführt werden. Zu dieser Konsequenz leitet schließlich die ganze Judenliteratur unserer Tage, die gute wie die schlechte Jeder Ausschnitt aus dem jüdischen Leben gibt ein Bild des paradoxen Widersinns. der — in Wirklichkeit — der Heilung harrt L. Audnai führt uns in seinem Roman „Der Holzweg“* I. 2 3 4) in das jüdische Milieu von Berlin W. dis entartete Gesellschaft der jüdischen Oberschicht. Dieses Milieu, ein beliebter und dankbarer Hintergrund moderner Sittenramane. ist nicht ohne Geschick geschildert Die Judenfrage steht im Mittelpunkt der Handlung, alles dreht sich um Antisemitismus. Taufe, krankhafte Assimilationssucht: moral insanity. Das Verhältnis von jüdischen Parvenüs und verkrachten Aristokraten ist mit den üblichen Farben, ohne besondere Originalität gemalt: die Kinder verübeln den Eltern, daß sie sie nicht durch die Tarne von dem lästigen Judentum befreit die Eltern verstehen diese Welt nicht mehr, das Geld ist das Universaleintrittsbillet in die europäische „Kultur“. Dem charakterlosen Sohn eines „Purgin'-Fabrikanten. der sich taufen läßt und eir.e reizlose Aristokratin heiratet steht der schleswigische Gelehrte gegenüber, der an seinem Judentum festhält und maßlos unter dem Antisemitismus, dieser Schande seines geliebten deutschen Vaterlandes, leidet Nur die Frau, die er liebt, ist eine stolze Jüdin: sie haßt Deutschland, das von beschränkten Vorurteilen beherrscht wird und sucht für sich und ihren Sohn den Weg ins Freie durch Ae Reise Ins Ausland, nachdem sie den Geliebten wegen seines verständnislosen Festhaltens auu seiner Vaterlandsliebe zurückgestößen hat Sem Plan, ein neues Geschlecht von Juden in Deutschland zu begrün- ’) Berlin 1918. Erich Reiss' Verlag. den. scheint ihr aussichtslos — und ist es wohi auch. Dieser Roman von zweifelhaftem Wert in dem viele zum Teil gelungen charakterisierte Typen durcheinanüer.wirbeln. steht auf der Linie zwischen Jakobowskis „Werther“ und Heinrich Manns „Schlaraffenland“. Er vermag keine Lösungen zu geben und ist keine Bereicherung unserer Literatur, aber er zeigt im Spiegel der Karrikatur das maßlose Elend der entartetsten Generation, die das jüdische Volk seit seiner Geburt hervorgebracht hat. die Frucht unserer großen Zeit. Georg Hirschield schildert in einer Novelle „Michael Lewinoffs deutsche Liebe“*) das Verhältnis eines jüdischen Dichters ans Rußland zu einer deutschen Zirkusartistin, die durch einen Fall vom Trapez invalid geworden ist Dr. Lewinoff wußte in seiner Weltfremdheit nicht was Liebe ist. bevor ihn das Schicksal mit dieser Tochter seiner Hauswirtin zusammenführte und er durch die erste Berührung mit einem Menschen und durch eine sentimentale Stimmung im Grunewald „fühlend“ wird. Natürlich ist dieses Verhältnis nur eine Episode, und trotz seinen Treuschwüren entdeckt er bei einer Reise nach Rußland. daß ihn enge Beziehungen nur mit einer Tochter seines Volkes, die ihn versteht, verbinden, können, ln dieser Handlung tummeln sich die üblichen Nebengestalten. Die anspruchslose Geschichte mutet wie eine Erinnerung aus den. Zeiten der Gartenlaube an. ist für uns aber durch den jüdischen Konflikt interessant, der allerdings nicht in seiner Tiefe gefaßt wird. Zum Schluß sei nur noch kurz auf ein Werk verwiesen, das weit bewußter als die erwähnten das jüdische Problem im Zentrum hat. auf Max Brods neuen Roma« „Das große *) Leipiz 1919. Verlag Paul Eberhardt.

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