Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 44 (7.11.1919)
- Date
- 1919-11-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 für diese Reise braucht. Der Eisenbahndienst ist in den letzten Wochen ebenfalls stark europäisiert worden. Zwischen Kairo-Alexandrien und Jerusalem-Jaffa-Haifa verkehrt ein täglicher Expreßzug: mit. Schlaf-, Salon- und Speisewaffen und einer Geschwindigkeit von über 60 km die Stunde. Die Personen- und Frachttarife für Züge und Automobäverkehr sind, in Anbetracht der starken Konkurrenz durch den Kamelverkehr. bedeutend ermäßigt. Auch die Küstenschiffahrt ist bedeutend erweitert und beschleunigt worden. Es gibt bereits vier europäische Linien, die Palästina berühren und weitere sind im Ausbau begriffen. Der Zustrom von Reisenden ist groß. Der amerikanische Handel und Palästina. Nach einer Meldung der ..Schweizer Export- Revue“ haben sich 15 amerikanische Handelsgesellschaften unter dem Namen .American Foreign Trade Corporation“ mit einem Grundkapital von 20 Millionen Dollar zwecks Ausdehnung des Handels nach dem nahen Osten zusammengeschlossen. Die Zentrale dieser Gesellschaft wird in Konstantinopel sein. Filialen werden in Smyrna. Syrien und Palästina eingerichtet Die Einfuhr von Waren nach Palästina. Die Zionistische . Palästina-Kommission hat von der Wirtschaftlichen Abteilung der Britischen Militärverwaltung in Palästina die Mitteilung erkalten. daß alle Waren, die von Europa nach Palästina via Aegypten gesandt werden, den Vermerk ..In Transit Palestine“ tragen müssen, da sie sonst vom Kriegshandelsdepartement in Aegypten aufgehalten werden. Neue Publikation. Das Erziehungsdenartement beim Zionistischen Zentralbureau berichtet über folgende Neuerscheinungen in Palästina: Englisch- Hebräisches Lexikon von Dr. A. S. Walstien; . Hebräisches Lehrbuch für Algebra und Geometrie von Dr A. B. R o s e n s t e i n. Lehrer am hebräischen Gymnasium in Jaffa; eine Broschüre „Die Aufforstung Palästinas“ von H. W. Ismusik. Die „Organisation der gesetzestreuen Ju- . gend“ in Palästina gibt eine Zeitung ..H ade vir" (Der Tempel) heraus, von der bisher zwei Nummern erschienen sind. Die „Vereinigung der Kindergartenlehrer in Jerusalem“ hat die erste Nummer einer Sammlung von Essays, betitelt ..Ganenu“ heratisgege-• ben, zu der Dr. T u r o f f. Dr. Epstein und andere Beiträge geliefert haben. Der Waad Hachinuch hat den dritten Teil eines Textbuches für hebräische Schulen, betitelt ..Sifrenu“ herausgegeben, das vou den Herren Adler. Jechieli. Auerbach und Krischewski verfaßt und von Dr. Turoff redigiert ist. Außerdem ist die erste Nummer der Monats- „ schritt. ...M a a b a r o : h:\ uhccr. .der .Redaktion von Jakob Eichmann erschienen; die Beiträge von Fichmann. Benjamin. Aronowitz. Steinbei g, Poznanski und anderen enthält. Arabische Zeitungsgründungen. In der letzten Zeit sind an die englische Behörde von arabischer Seite zahlreiche Gesuche um Genehmigung zurHerausgabevon meucn Preß Organen gerichtet worden. Zurzeit erscheinen folgende arabische Zeitungen: 1. ..En-Nafis el Assaria“ (die Bedeutung der Zeit). Wochenblatt unter der Redaktion von Halil Badas. einem christlichen Araber. 2. ..Elsuria Eldiaunbia“ (Der Süden Syriens), unter der Redaktion von Muhamed Buden, einem Mohamedaner. Einer der Hauptredakteure dieser Zeitung ist Araf Effendi, der hebräisch versteht und der die Abteilung .Aus der hebräischen Presse" leitet In Betlehern erscheint eine arabische Alonatsschrift unter dem Namen „Betlehem“. Soeben ist die Genehmigung anr Herausgabe eines neuen arabischen Wochenblattes unter dem Namen ..Miriath Aschrak“ (Das Aussehen des Orients) erteilt worden. Außerdem wird die Erlaubnis zur Herausgabe einer Reihe weiterer arabischer Tageszeitungen. Wochen- und Monatsschriften, erwartet Zionistische Bewegung Zionistisches Landeskomitee f ür Deutschösterreich Sitzung vom 13. Oktober 1919. > Vorsitz Dr. Stein. Anwesend: Bato, Böhm, Frau Margulies» Heinrich Margulies, Dr. Mandl, Dr. Schallt Ing. Stricker, Dr. Tartakower, Weiner. 1. Neugegründete Ortsgruppen (Bezirkssektionen). Weiner teilt mit daß in Gmünd eine zionistische Ortsgruppe und in Favoriten und in Floridsdorf die zionistischen Bezirkssektionen 'gegründet sind- 2. Sammlungen, Veranstaltungen ■etc. etc. Mit Rücksicht auf vorhandene Mißstände unterbreitet das Präsidium dem Landeskomitee eine Kundmachung, welche zum Beschluß erhoben und publiziert werden soll. Sie lautet folgendermaßen: 1. Geldsammlungen von Gesinnungsgenossen und Vereinen (Sektionen, Ortsgruppen), die über den Rahmen der gewöhnlichen Vereinstätigkeit hinausgehen; bedürfen in jedem Falle der vorherigen Genehmigung des Zionistischen Landeskomitees. 2. Desgleichen ist die Veranstaltung großer Versammlungen, Feste etc., die nicht zum normalen Wirkungskreise des veranstaltenden Vereines gehören, oder auch mir seinen örtlichen Wirkungskreis überschreiten, nur mit Bewilligung des Zionistischen Landeskomitees zulässig, welches sich auch auf das Programm der Veranstaltung, aui die zu verwendenden Drücksorten etc. zu erstrecken hat. 3. Alle anderen Veranstaltungen sind dem Zionistischen Landeskomitee rechtzeitig anzuzeigen, damit es Gelegenheit hat, durch einen Vertreter an denselben teilzunehmen. 4. Unterhandlungen, Vereinbarungen etcmit anderen Gruppen (Vereinen und Verbänden oder Einzelpersonen) bedürfen in jedem Falle der vorherigen Genehmigung des Zionistischen Landeskomitees. 3. Mobilisierungsplan des E. A C. Nach kurzer Debatte zum Mobilisierungsplan des E. A. C. beantragt Stricker, die diesbezügliche Stellungnahme des Landeskomitees in zwei Teile zu teilen, und zwar in einen politischen, der vom Landeskomitee, und im einen-technischen; der vom Palästinaamt zu verfassen ist Für die Diskussion in den zionistischen Bezirksektionen etc. wird das Landeskomitee bzw. das Palästinaamt Referenten zur Verfügung stellen, welche durch die ihnen zugekommenen Informationen der Ziellosigkeit dieser Debatten werden verbeugen können. 4. Delegiertennominierung zum Zentralkomitee. Weiner teilt mit daß das Kopenhagener Büro die Bekanntgabe der Mitglieder unseres Landesverbandes zum Zentralkomitee verlangt hat Da auf dem letzten Parteitag die diesbezüglichen Wahlen nicht stattgefunden haben« muß die Nominierung im Sinne des § 40, Absatz 2, Organisationsstatut von der Leitung des Landesverbandes vorgenommen werden. Stricker beantragt die Nominierung der Herren Dr. Schalit, Böhm und Dr. Stein. (Angenommen.) 5. Jugendorganisation. Margulies beantragt dort, wo ein Bedürfnis vorhanden ist, innerhalb der Bezirkssektionen als Teil derselben Jngendgrnppen einzurrchten. Ihre Leitung, soll in den Händen des betreffenden Referenten der Sektion liegen, der mit dem Jugenderzieliungsreferenter. des Landeskomitees ständigen Kontakt zu wahren hat Dieser Antrag wird mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß die genannten Jugendgruppcn keine organisatorischen Einheiten sind, angenommen. Sitzung >om 27. Oktober 1919- Vorsitz: Dr. Emil Stein. .Anwesend: Bato, Dr Mandl, Heinrich Margulies, Dr. Schalir, Taubes; Dr. Tartakower; Weiner. 1. Einladung zur Teilnahme an der Sitzung des Berliner Zentralkomitees. Weiner teilt m:t, daß vom Berliner -Zentralkomitee eine Einladung zu der am 2., 3. und 4. November stattfindenden Sitzung desselben, bei der auch Jacobson, Ruppm. Hantke und Wärburg anwesend sein werden, vorliegt Gleichzeitig mit dieser Einladung ist uns aus London die Verständigung zugegangen; daß Dr-Jacobson in den nächsten Wochen nach Wien kommen wird. Da aber an der Berliner Sitzung außer ihm noch zwei Mitglieder des E. A. C. und Ruppin teilnehmen werden, sei die Entsendung von Delegierten zwecks Information doch wertvoll Aut Vorschlag Dr. Steins wird Margulies als Vertreter des Landeskomitees nnd Skutetzky als Vertreter des Palästinaamtes delegiert, wobei ausdrücklich betont wird, daß die beiden Delegierten lediglich zur Information an der Sitzung teilzunehmen haben und keineswegs zur Abgabe von Erklärungen oder zu irgend einer Teilnahme an der meritortschen Debatte ermächtigt sind. 2. Jüdisches Pädagogium. Weiner verliest einen Brief des Herrn Böhm der namens des jüdischen Pädagogiums mitteüt; daß dasselbe durch die ausreichende Subventionierung seitens des E. A. C. nunmehr direkt und unmittelbar dem Landeskomitee unterstellt ist und er infolgedessen das Kuratorium desselben aufgelöst hat Zur Führung der Geschäfte wurde ein provisorisches Komitee eingesetzt Da diese Regelung vom Landeskomitee bereits seit längerem erstrebt wird, wird beantragt den von Herrn Böhm getroffenen Maßnahmen die Genehmigung des Landeskomitees zu erteilen und ihn zu ersuchen, ein Statut für das Pädagogium auszttarbeiten, in welchem die Bestimmung enthalten ist daß das Kuratorium vom L. K. eingesetzt wird und daß sich in demselben immer ein Mitglied des L. K. zur Herstellung des Kontaktes befinden wird. Damit erscheint auch die Studiengruppe, die ihre Tätigkeit ohnehin bereits eingestellt hat aufgelöst 3. Dr. Stein beantragt; zur Entlastung unserer Mandatare, vor allem des Abgeordneten Stricker, sowie zum Studium und zur Vorbereitung größerer politischer Fragen, zur Herstellung des Einflusses, des L. K. auf den Klub der Mandatare und zur Registrierung der von den Mandataren geleisteten Arbeit ein politisches Sekretariat einzurichten. Nach kurzer Debatte wird beschlossen; diesen Punkt auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen- Mischmar-Beiträge. Dr. Leo Goldhammer K 200.—, Alexander Marmorstein, Josef Kutscher, Heinrich Lederer, Dr Leopold Meiseis ie K 10O.—, M. Ostermann, Adi Turosam, Dr. Arnold Friedmann, Simon Advokat Dr. Arnold Brod, Dr. Alfred Löwy, Selma Frankfurter ie K 50.—, H. Weiß, P. Rappaport, Dr- S. Böhm, Josef Dawid, Len Brod je K30.—, Dr Max Ostermann, Siegfried Balitzer, Dawid Thaler je K 25.—, M. Moser, Ella Neumann, Ingroph Deutsch Bernhardt Veter, Marcus Melon, Brüder Appel, Moritz Weintraub, Jakob das jüdische Theater und um die Volkserziehung. Dieses Verdienst besteht, ungeachtet der Kritik, die von künstlerischen Gesichtspunkten aus an seinen Werken geübt werden kann. Wien, ihn Oktober 1919. Dr. Heinrich Frost. Literatur Fine misrachistische Monatsschrift Ende Oktober erschienen in Zürich die neuen Monatshefte „MJsracht“, herausgegeben von der Misrachi Lande sorganisätion in dier Schweiz. Aus dtem Inhalte der ersten Nummer sei erwähnt: A. I„ Rom: Unser Ziel, Spetartior: Politische Umschau? Dr. S. D. Steinlberg: David unter den Mägden, lngemeur Ginsburg: Zionismus und' Emigration. Dr. David Strauss: Der Weg zum Glück (Novelle), Prof. Da Famo: Judentum und! Naturwissenschaft Jugendbeilage, Parteinachrichiten, Mitteilungen aus alter Welt usw. Wir machen ttisere Gesinnungsgenossen auf diese Monatsschrift aufmerksam. Aboimementspreis: 9 Franken pro Jahr. Einzelheft 75 Centimes. Monatsschrift „Moriah“. Die vor Kriegsausbruch durch zwölf Jahre in Lemberg und wählend) des Krieges in Wien erschienene Monatsschrift für die jüdische Jugend1 „Moriah“ (in jnlnfcr-Jwy- Sprache) erscheint letzt wieder. Adresse der Redaktion und Administration: ,JMoi«ah**; Krakau, Stradom 15- — Die nächste Num- Mer (vom November) erscheint anfangs d. M. Zu den Mitarbeitern gehören — wie einst — d!e festen - Kterarischen und! ipublizistäsohen Kräfte. Die „Möraah“ wird wie bäsnun durch aEseitige Bedeuohtang aller jüdischen Probleme, besonders des polnischen Judentum, der Wwaderauflebung der iüdl Nation gewidmet sein. — Quartatetoomrement: K 12.— (Mk. 9.—). Preis der Einzelnummer: K 4.— (Mk. 3.—). Fischer, Wirtschaftsgeographie von Syrien. Jüdischer Verlag. Berlin 1919. Preis 6 Mark. — Der Name des bekannten Geographen ist allen Palästinainteressenten durch die Karte von Fischer und Guthe wohl vertraut. Das vorliegende Buch enthält eine systematische Verarbeitung alles literarischen Materials über die Wirtschaftsverhältnisse Syriens, von dem Palästina ökonomisch ja nur ein Bestandteil ist Mit Recht behandeln daher die meisten Oekonomisten und Geographen das Land als eine Einheit Dies ist im jetzigen Augenblick vielleicht umso bedeutsamer, als die künftige Entwicklung des Landes höchstwahrscheinlich Süd-Syrien — Palästina — einen gewaltigen Aufschwung wird nehmen lassen. Die Gliederung des Buches ist durch die wirtschaftlichen Verhältnisse von selbst gegeben: Landwirtschaft im allgemeinen und dann ihre verschiedenen Zweige. Handel Gewerbe. Bevölkerung, politische und staatliche Einwirkungen. Die neueste Literatur ist dem Verfasser gut bekannt So konnte er auch das bekannte Buch von Ruppin. „Syrien als Wirtschaftsgebiet“, dankbar benutzen, das inzwischen vergriffen ist und wofür Fischers Buch einen guten Ersatz bietet Das Buch ist zur Zeit das einzige seiner: Art und wäre auch, abgesehen von seinen wissenschaftlichen Vorzügen schon aus diesem Grund für jeden Palästinainteressenten unentbehrlich. Eine in dem Buche enthaltene gute Uebersichtskarte erhöht seine Brauchbarkeit FIchtes Briefe. Ausgewählt und etogeleltet von . Ernst Bergmann. Leipzig 1919, im Insel- Verlag, s Mk. — Diese Sammlung ist eine höchst willkommene Gabe für die Verehrer des großes deutschen Idealisten, der auf einen großen Teil der nationaljüdischen Jugend in ihrer Auffassung des Nationalismus entscheidend beeinflußt hat Stärker als viele schlechte Propagandaschriften für Verbreitung hebräischer Kultur vermag die geistige Wirkung dieses Mannes die jüdische Jugend zu ihrer eigenen, der jüdischen Kultur zurückzuführen; denn er lehrt sie über die Vergänglichkeit des Tages und des persönlich bedingten Lebens ihr Ich m der Ewigkeit im zeitlosen Zusammenhang der Nation, zu ergreifen, und er zeigt die Notwendigkeit, durch eine neue, charakterbildende Erziehung und durch Versenkung in das wahre geisiige Wesen des eigenen Volkstums neue Menschen für die nationale Wiedergeburt zu bereiten Auch aus den Briefen ist ein tiefer menschlicher Gewinn zu ziehen. Wir lernen hier den großen Mann in seinen persönlichen Beziehungen kennen, seinen Charakter und sein Ringen um die Wahrheit, seinen tiefen sittlcihea Ernst bewundern- Darum können Bücher wie dieses gerade unserem erwachenden Volk gar nicht genug empfohlen werden, trotzdem das deutsche Wesen gerade dieses Mannes uns so ganz fern steht. Aber was sich in seinem Leben überwältigend manifestiert, der sittliche Ernst, der tut uns not, wenn nicht Gie Galuth über de» Zionswillen in uns die Ocerband behalten soll Der Band enthält Familienbriefe; vor allem die herrlichen Briefe an die Braut, ferner Briefe aa Kant. Goethe. Scheiling etc., die Fichtes Verhältnis zu den großen Männern seiner Zeit anzeigen; -^Unwillkürlich drängt sich der Gedanke auf: (Steine Zeit war dies! Ob unser Jahrhund< „Fortschrittes“ diesem Vergleich staa kann —?