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Jüdische Zeitung · 1919-11-07 · 44 (7.11.1919) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
44 (7.11.1919)
Date
1919-11-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG ' ttr. 44 derr.den in weitestem Umfange zuf aktiven-'-Mitarbeit heranzuziehen. Den Einwanderaden, welche einen eigenen Gebeträtus mitbringen. muß die Möglichkeit freer Religionsübung nach ihrem Brauch gewähi leistet werden.“ Ein Antrag Rosenheim forderte die Bildung von Kommissionen, die untersuchen sollen a) wie die materielle, geistige, religiöse Wohlfahrt der ansässigen sowie der neueingew änderten ostjüdischen Bevölkerung und ihres Nachwuchses günstig beeinflußt» b) wie die Beziehungen zwischen Ost- und Westjuden inniger gestaltet, c) wie die Ostjuden für die Agudas Jisroel gewönnen werden können. Außerdem wurde die Errichtung einer Palästina-, zentrale sowie die Herausgabe einer Literatur über alle Palästinafragen in deutscher, möglichst auch in jüdischer Sprache beschlossen. Als Vorort des Gruppenvenbandes wurde wieder Halberstadt gewählt. * Umwandlung des Verbandes der deutschen Inden. Der Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden am 30. November, die voraussichtlich im Plenarsaal im Preußischen Ministerium für Volkswohlfahrt in Berlin. Leipzigerstraße 3 tagen wird, soll eine den Forderungen und Aufgaben der Gegenwart entsprechende Aenderung der Organisation des Verbandes zur Beschlußfassung vorgelegt werden. * Eine jüdische Volksschule in München. In einer am 28. September abgehaltenen Mitgliederversammlung der orthodoxen ReligionsgeseUschaft wurde beschlossen, an die zuständigen Stellen wegen Errichtung einer jüdischen Schule in München heranzutreten. * üstjüdische Konferenz In Berlin. Der „Verein der Ostjuden m Deutschland“ hat den Beschluß gefaßt zu Weihnachten eine ostjüdlscbe Konferenz nach Berlin eänzuberulen. Die Konferenz soll ans gewählten Delegierten von dem Verband angeschlossenen, oder sich noch anschließenden ostjüdäschen Ortsgruppen und Vereinen aus ganz Deutschland zusammengesetzt sein. Auf der Konferenz sollen die aktuellen fragen, die sich aus der gegenwärtigen Lage der Ostjuden ergebet im Anschluß an Spezialreferate eingehend behandelt wenden. Dazu gehört vor allem die Fürsorge für die ostjüdisehen Flüchtlinge. . düe soziale und recOiththe Lage der Ostindien in Deutschland, idie Stellung der Ostjuden in den jüdischen Gemeinden und anderen Organisationen, die kulturellen Aufgaben der Ostjudenhait der organisatorische Zusammenschluß des ostjü-discben VerbanIdtes. * Die amerikanische Hilie für die Juden der Bukowina. Die Vertreter des Nationalrates der Bukowina und des Nationalverbandes von, Transsylvanien. Dr. Max Diamant und Dr. Markus Krämer, hatten in Paris anläßlich der Anwesenheit Felix Warburgs. des Präsidenten des Joint Distribution Committee, eine Konferenz, wobei sie ihn ersuchten, den Dank ihrer Heimat an Amerika für das geleistete Kilfswerk zu übermitteil der Versammlung nicht befriedigte. Man warf dem Komitee vor. daß es sich nicht genügend warm und energisch der östlichen Juden angenommen habe. Als Baron Anthony de Rothschild, der Vizepräsident des Board, in seiner Rede ausführte. daß ihm die Verfolgung der Fremden zwar mißfallen und er sich ihrer als Engländer schäme, jedoch fraglich sei. ob der Board ' als solcher sich der Fremden armehmen müsse, da er doch ein Baord of Deputies of british Jews sei. also nur wie Briten vorzugehen habe, entstand großer Tumult. Der Antrag, eine besondere Deputation zu den einzelnen Abgeordneten zu entsenden. blieb mit 21 gegen 36 Stimmen in der Minorität, dagegen wurde beschlossen. daß: das ParLmentary and law committee sich neuerlich mit den einzelnen Deputierten in Verbindung setzen möge, damit diese im Parlament Amendements einbringen. um Erleichterungen in dieser die Juden so tief berührenden Frage zu erwirken. Interessant ist. daß im Laufe der Debatte von Mr. Laski die Aeußerung fiel, daß er sich der jüdischen Abgeordneten schäme und froh wäre, wenn Nichtjuden an ihrer Stelle säßen. — Bei der Parlaments-Debatte kam es zu diversen antisemitischen Reden einzelner Abgeordneten. Besonders w arm nahmen sich der Juden die Abgeordneten. K i 1 e y. Abg. von Whitechapel und Orm.sby Gor.c an. Baron Lionel de Rothschild verlangte, gemäßt dem vom Board of Deputies angenommenen Amendement, daß Ausländer, denen die Einreise von den Immigrations-Beamten nicht gestattet wird, das Recht haben sollen, a.i ein Immigrations-Tribunal zu appellieren, wie auch das ohne Gerichtsprozeß, wo die Fremden sich verteidigen können, keiner ausgewiesen werden dürfe. Der Minister des Innern erklärte, daß er zwar dein beistimme. daß eine Appellation vor der Ausweisung aus dem Lande möglich sein sollte, es sei jedoch sehr schwer, ein solches Tribunal, das große Kosten verursachen würde, zu schaffen. Falls man ihm einen gangbaren Weg zeigen werde.!wie ein solches Tribunal geschaffen werden könne, so werde er diesen Vorschlag in das Gesetz-Projekt, sobald es anderswo (d. h. im Oberhause) verhandelt werden wird, einfügen. Das Amendement Lionel de Rothschilds wurde abgelehnt. * Dr. Henry Keller. Mitglied der amerik. zion. medizinischen Vereinigung, ist nach einem einjährigen Aufenthalt in Palästina, in London eingetroffeu. * Cbaluzlm-Landesorganlsation in Holland. Am 12. bis 13. Oktober hat in Deventer bei Twello eine Konferenz der nicht organisierten ..Chaluzim“ Vereine Hollands stattgefunden, um dieselben zu einer Landesorganisation zu vereinigen. Die Statuten des Hechaluz verlangen, von jedem Mitglied, daß es sich in dem . landwirtschaftlichen oder irgend einem anderen produktiven Fach ausbildet. Die Mitglieder haben nicht das Recht, Holland zu verlassen um nach Palästina zu gehen, bevor sie sich in einem Spezialfach ausgebildet und die Erlaubnis des Vorstandes erhalten haben. Die Vereinigung der Chaluzim aller Länder zu einer Cha- Palästina teln. Sie schilderten ihm eingehend die Bedürfl'uzim Weit-Organisation herbeizuführen, dies ist sissie der Judenheit der Bukowina^jmdurch eine Chäluzim Welt-Konferenz nnd Transsylvaniens. Warbürg versprach, die Darlegung der Delegierten an geeigneter Stelle zu vertreten. * Die Fremdenbill in England. Der Londoner Korrespondent der „Jüdischen Preßzentrale Zürich“ berichtet. Nach längerer Pause hat der Board öf Deputies seine Arbeiten wieder begonnen. Bekanntlich wirbelt jetzt in England die Frage der Aliens bill großen Staub auf und auch in der ersten Sitzung des Board of Deputies kam es wegen dieser Frage zu aufgeregten Debatten. Das Parlamentary and law committee legte einen Bericht vor, über die von ihm zugunsten der Fremden unternommenen Schritte, der einen Großmöglich. Deshalb wird die älteste Chaluzim-Organisation voa Polen aufgefordert, die Initiative zur Einberufung einer solchen Konferenz bei erster Gelegenheit zu ergreifen und die Arbeiter-Organisationen von Palästina „Haooel Hazair“ und „Achduth Haawodah“ aufzufordern, nach Palästina einen „Arbeits-Kongreß“ aller palästinensischen und Galuth Organisationen, die auf dem Boden der Schaffung produktiver Arbeit in Palästina stehen, einzuberufen. Die Konferenz beschließt die Schaffung eines Chaluzim-Dorfes in Holland, um die Chaluzim in Gärtnerei und Landwirtschaft auszubilden. Die Britische •Verwaltung. .1 Das Köpenhagener Zionistische Bureau berichtet: Die Britische Militärverwaltung in Palästina (0. E. T. A. d. i. Öccupied Eraetny Territories Administration) verwaltet Palästina, nicht nach dem alten türkischen System der „Sanjaks“. sondern hat das Land in Distrikte zerlegt von denen viele den alten „Kazas“ entsprechen. Alle Distrikte unterstehen direkt dem Hauptquartier in Jerusalem. Es sind zehn Distrikte eingerichtet worden, und zwar Berseba, Gaza (Subdistrifct Mejdel), Hebron .(Subdistrikt Dein Ab an). Jaffa (Subdistrikt Ramleh). Jerusalem (Subdistrikte Bethlehem, Ramallah, Jericho), T Ulkerain, Nablus, Jenira, Galiläa (Subdistrikte Nazareth, Tiberias, Saffed. Beisan), Haifa (Subdistrikt Acre). Beim Hauptquartier in Jerusalem sind folgende Departements eingerichtet worden: Departements P. (Personalia und Politik), Q (allgemeine Verwaltung), F (Finanzen). L (Justiz). M (Sanitätswesen), W (öffentliche Arbeiten), C (Waren-Niederlagen), R (Steuern), Ag (Agrikultur), La (Bodenregistrierung). Fp (Polizei). Eo (Wirtschaftsdepartement), P. Ed. (Erziehungswesen), Vet (Veterinärwesen), Ac (Rechnungswesen). Von den hebräischen Schulen. Am 8. September fand dm Hebräische« Gymnasium in Jaffa zum ersten Male seit Kriegsausbruch wieder eine Preisverteilung statt. Das Jerusalemer Seminar zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen ist nach Jaffa verlegt und mit dem dortigen unter Leitung von Doktor Israel Epstein stehenden Lehrerirmenseminar vereinigt worden. Der Studiengang bleibt unverändert. Die Ausbildungszeit für Schuliehrer- Lnnen beträgt fünf Jahre, für Kindengärtneriime« drei Jahre. Der Waad Hachinuch in Jaffa richtet an alle Personen, die an der hebräischen Erziehung in Palästina interessiert sind, die Bitte, ihm bei der Beschaffung von Schulrequisiten behilflich zu sein. Es gibt jetzt 50 Elementar- und Mittelschulen in Palästina, die dringend Bibliotheken, zoologische Sammlunrgen, physikalische Karten von Europa. Asien und Afrika, allgemeine Karten von Amerika und! Australien, sowie Instrumente für den Unterricht in Physik. Chemie und Naturwissenschafte« benötigen. Alle Personen, diebereit sind, derartige Materialien für die hebräischen Schulen zur Verfügung " tm stellen, oder die bei deren Beschaffung behilflich sein können, werde» gebeten, sich mit dem Erziehungsdepartement beim Zionistische» Zentralbureau in London in Verbindung zu setzen. Adresse: Edücatiom Department Zionist Central Office. 77 Great Russell Street London W. C. 1. Verkehr in Palästina. Nach einem Bericht der „Neuen Züricher Zeitung“ sind die bis zum 1. September in Kraft gewesenen Verkehrsbeschränkungen in den vom den Alliierten besetzten Gebieten nunmehr gänzlich aufgehoben. Von diesem Datum an ist das Reise« innerhalb Palästinas ohne besondere Erlaubnis gestattet. Zwischen Jerusalem und Jaffa. Sichern. Hebron und Jericho verkehrt ein täglich zweimal zur Ausfahrt gelangender Automobilomnibus. Vom 6. September ab wurde ein einmaliger Dienst zwischen Jaffa und Beirut errichtet der diese Strecko in acht Stunden bewältigt, während man vor den» Kriege per Schiff 15 und per Wagen 48 Stunden des Menschen ist, gestaltend darzutun; wo also gewissermaßen der transzendente Kommentair wegfallen kann, weil in der Fülle des Lebens selbst das Spiel der eingreifenden geistigen Mächte offenbar ist, weil durch Intuition wunderbar zugänglich wird, was wie eine kleine metaphysische Indiskretion schmeckt, wenn es expressis verbis gesagt ist. Dies soll nicht gerade ein kritscher Vorwurf gegen Zweig sein: denn wir haben auch das Publikum nicht das dieser Aufgabe künstlerischer und menschlicher Empfängnis gewachsen wäre. Ein ernsterer Vorwurf ist aber der. daß wir Stücke, wie dieses auch nicht für den Weg halten, unser indisches Publikum zu dieser Aufgabe zu erziehen: vom volkserzieherischen Standpunkte ist einzuw enden. daß dieses-Stück viel zu sehr den Instinkten des Volkes schmeichelt: daß es eine unerfreuliche nationale Eitelkeit die im Grunde oberflächlich und von tiefer nationaler Verantwortung weit entfernt ist in ihren Sentiments bestärkt. Der Dichter, der auch Politiker ist hat das Gegenteil beabsichtigt: darum ist es unerläßlich, mit aller Offenheit auch diesen Punkt anzurühren, der schon jenseits des Künstlerischen liegt. Wir brauchen eine Einwirkung ganz anderer Art: die nicht nur die Heimsuchung, sondern auch die Schuld des Volkes zeigt (die Pfefferkorn-Episode ist ein zu schwacher Ansatz), die das Parkettpublikum nicht so befriedigten Herzens nnd gerührt über „unser“ schuldloses Leiden Weggehen läßt. Gerade der religiöse Gehalt des Werkes wird durch diese Wirkung aufs Spiel gesetzt Die Aufführung an der „Neuen Wiener Bühne“ läßt manches zu wünschen übrig. Die szenische Gestaltung kann angesichts der beschränkten Mittel der. Bühnen als sehr gelungen bezeichnet werden: die Regie Direktor Geyers hat vorzügliche bühnentechnische Arbeit geleistet. Von den Darstellern ist eigentlich nur Fräulein Bergncr uneingeschränkt zu loben, die den Moriz vor und nach der Wandlung sehr glaubhaft und mit der erschütternden Plastizität im besten Sinn realistischer Kunst erleben läßt. Von den andern Mitwirkenden sind manche guter .Durchschnitt einzelne Episodenfiguren wie Vater Scharf gelungen charakterisierte Gestalten. Unzulänglich sind vor allem die Träger der überirdischen Rollen, die auch als Sprecher versagen. Die Diskrepadz zwischen dem Auszudrückenden (z. B. Stimme Elohims) und der Ausführung kommt peinlich störend zum Bewußtsein. Die Buchausgabe des Stückes ist im Verlage Kurt Wolff. Leipzig (jetzt München) erschienen. f_Robert Welt sch. Jakob Gordin Die Seele des Volkes erzitterte, so oft der große Erzieher und Volksmann zu ihr gesprochen hat. Von der Bühne und in Vorträgen predigte der Dichter den Sinn der dramaffisonen Kunst, und popularisierte seine Werke. Es war sehr Hauptverdienst, daß er im Alltagsmenschen des Ghettos ein Interesse für Kunst zu erwecken vermochte und in ihm den Geist erwachen ließ. Ein Volksfest war es immer, wenn der Dichter se'.bs: im Theater vor der Rampe erschien und in schlichten Worten den Inhalt und die Tendenz seines Werkes erläuterte, wobei er eine Autokritik übte. Er erlaubte es sogar einem jeden, Fragen zu stellen, die er beantwortete. Auf diese Weise wurde dem jüdischen Emigranten in Amerika Kunst und Literatur zugänglich gemacht. Für Gordin war das Theater nur eine Volksschule. wo ‘die Dürftigen ihren Geist und Seel* bilden konnten. Es war das Verhältnis zwischa» Dichter und Volk. Von diesem Gesichtspunkte sind auc'i sämtliche Dramen von Gordin' zu erklären. Sein» Dramen schwanken zwar, wenn es um die dramar tische Technik und Handlung zu tun ist, aber die Bedeutung dieser Dramen gewinnt, wenn es sich um ihren Inhalt handelt. Gordin hat fremd* Literaturen bearbeitet, aber auf jüdische Art. „Gott, Mensch und, Teufel“ lerinnert zwar an Faust, aber Gordin zeichnet einen jüdischen Faust. Die Originalität Gordins besteht hauptsächlich darin, daß er jüdische Typen, die im Ausstefben begriffen sind, der Nachwelt erhalten wollte. Mit erschütternder Strenge, fast geniaL zeichnet der Dichter Gestalten, die im Ghetto leben, aber mit der Zeit allmählich verschwinden. Wir finde» unter anderen eine originelle, spezifisch jüdisch* Gestalt eines Thoraschreibers, oder wiederum eine streng jüdische Matrone, die als Vestain. des jüdischen Familienlebens, den Hort der jüdischen Tradition verkörpert. Ln „Miraly Efrys“ bilden die Eltern und ihre Kinder zwei einander widerstrebende Welten. Das Problem des Familienlebens wird tragisch gelöst. Mit großer Kraft wirkt der Dichter in den Dramen „Der wild* Mensch“ oder, in der „Jesojme“. Gordin wäll aus dem Ghetto hinaus. Br will, dem Beispiele Rousseaus folgend, das jüdische Volk zur Natur bringen. In dem Dram» „Auf den Bergen“ schaut der Dichter von der Perspektive des Berggeistes auf die Mensche». Er sucht das Volk vom Geschäfte, vom Tagedieben abzulenken und in die Regionen der götter zu führen. Dieses Ziel und nichts anderes wollte der Dichter erreichen. Groß ist s*ia Verdiemst -«*

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