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Jüdische Zeitung · 1919-10-08 · 41 (8.10.1919) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
41 (8.10.1919)
Date
1919-10-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG ' Nr. 41 den Eindruck gewonnen hätten, daß das Land nur eine englische Provinz sei. Sie beklagen sich über unfreundliche Behandlung seitens der jüdischen Kolonisten und daß nichtjüdische Soldaten größere Annehmlichkeiten genießen als die Jüdischen. (Jewish Chronicle.);ü* * Chicago als ImmigratlonszieL Im jüdischen „Wecker“ in Chicago wird in einem Leitartikel darauf hingewiesen, daß Chicago noch größere Möglichkeiten für Einwanderung von Juden bietet. Chicago zählt derzeit zirka K Million Juden und könnte noch ungefähr 150.000 Juden aufnehmen. In dem Artikel wird auch ein genauer Plan entwickelt, wie man die Konzentrierung der Immigration organisieren könne. * Aufhebung des Verbotes des Ziomsmus in Sowjet-Rußland. Eine vor drei Wochen aus Moskau zurückgekommene Person teilt folgende Einzelheiten über die Schließung dör jüdischen Gemeinden durch die bolschewistische Regierung mit. Die Initiative hierzu ging von dem Kommissar für jüdische Angelegenheiten Dimendstein aus, der sich zu diesem Zwecke an Stalin mit einer Denkschrift wendete, in der. er auf den bourgeoisen Charakter der jüdischen Gemeinden hinwies. Zu- . nächst wollte Stalin auf diese Maßnahme nicht .;ie5ngehen. aber das zweite Mitglied1 des jüdischen Kommissariats Agunskä bewog . ihn dazu. Zu gleicher Zeit sollte auch ein Dekret über das Verbot des hebräischen Unterrichtes herausgegeben werden. Die .Nachricht hiervon verbreitete sich in Moskau sehr schnell. Trotz der polizeilichen Schwierigkeiten veranstaltete die hebräische Külturorganisation Tarbuth ein großes Protestmeeting. Auf dem Meeting waren auch Vertreter der bolschewistischen Regierung zugegen, um die . jüdischen Forderungen zu hören. Rabbiner Dr. Mase protestierte in einer glänzenden Rede gegen die geplante Maßnahme.. Am nächsten-Tage besuchte Fürst Dolgorukow. der trotz seiner Abstammung vom ältesten russischen Adel sich der bolschewistischen Regierung zur Verfügung gestellt hat. den Rabbiner Dr. Mase und teilte demselben mit. daß seine Rede auf den bolschewistischen Unterrichtsminister Lonatscharski einen' großen Eindrack gemacht habe und daß ihn der Minister zu sich einlade, um sich über die hebräische Frage zu informieren. Als Resultat dieser Unterredung ist das Dekret über das Verbot des hebräischen Unterrichts aufgehoben worden. Ebenfalls ist durch die Intervention von angesehenen Zionisten das Verbot der zionistischen Tätigkeit vorläufig aufgehoben. Zionistisdte Bewegung Ussischkin’s Vollmachten .. Der Pariser Korrespondent des Warschauer ^Jüdischen Volkes“ hatte mit U ssis c h ki n, der bekanntlich als Vizepräsident der Palästiiia- Kommission nach Palästina abgereist ist, vor seiner Abreise eine Unterredung. Da Weizmann, der Präsident der Kommission, sofort wieder nach > Europa zurückgekehrt, wo er für die politische Arbeit unentbehrlich ist, wird Ussischkin tatsächlich der Leiter der Palästinaarbeit sein. Es ist nun äußerst interessant, daß er mit beinahe diktatorischer Gewalt ausgestattet zu sein scheint Ueber den Umfang seiner Vollmachten äußerte sich Ussischkin dem genannten Journalisten gegenüber folgendermaßen: „Ich habe dem Aktionskomitee die Bedingunsrgestellt, daß ich von London nicht abhängig bin: man war einverstanden. Ich habe es auch den Führern d e r, p a 1 ä s t i n e nsischen Arbeiterschaft erklärt und auch sie waren einverstanden. Ich werde alle Ratschläge anhören und werde nach meinem Gewissen handeln, ich will über Parteipolitik und über Klassenpolitik stehen, ich will nur den Interessen des Volkes dienen.“ Als wichtigste' Aufgaben bezeichnet Ussischkin die Erwerbung des Bodens, wobei man nicht warten dürfe, bis die für die Nationalisierung erforderlichen Milliarden bereit stehen, sondern auch das Privatkanital heranziehen müsse, ferner die Nationalisierung der Arbeit und die Arbeitsvermittlung, die ein zu .schaffendes Arbeitsamt besorgen soll. Als . .eine seiner liebsten Ideen erwähnt Ussischkin den Ausbau Jerusalems als jüdischer Hauptstadt. .Völlig kompromißlos will er sich für die .hebräische S p r a c h e einsetzeh. . „Ich weiß“ — sc schloß Ussischkin — „daß ich viele Gegner haben werde: die Kolonisten werden mich anfeinden, weil ich unbeugsam Mir die jüdische Arbeit einsiehe, die Arbeiter werden unzufrieden sein, weil ich nicht unbedingt für d>'e Nationalisierung des Bodens arbeite .... Wenn sie alle mich ablehnen werden, so werde ich demissionieren: solange ich aber auf meinem Posten stehe, werde ich die Arbeit.so tun. wie ich sie «erstehe.“ . Die Entsendung Ussisc.bkins leitet zweifellos eine neue Foöche der palästinensischen Entwickbineein. Wer die beherrschende Stellung kennt, die Ussischkin schön vor dem Krieg als Präsident des Odessae« Komitees in Palästina, gebäht bot. der wird zu beurteilen vermögen, was die Tätigkeit dieses Warmes m;t der ..eisernen Faust“ für Palästina bedeutet. - Herbert Samuel berät mit dem E. A. C. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet aus London : ’ f. Der frühere, englische Staatssekretär , des Imysrn, Herbert .Samuel, Vorsitzender 'des „Komitees für die' ökonomische' EntwicHüng ‘ Palästinas“ besuchte am 17. September das Zionistische Zentraibureau in London, wo er mit Volksgenossen! Nicht auf Grund kapitalistischer Berechnungen, sondern nur im Vertrauen auf Eure Unterstützung haben wir vor acht Monaten die „Wiener Morgenzeitung“ ins Leben gerufen. Unser Vertrauen hat uns nicht getäuscht. Trotz aller Schwierigkeiten, die oft genug unüberwindlich schienen, ist die Zeitung zu einem Sprachrohr geworden, das alle Eure Leiden und Wünsche vor das Ohr der ganzen Welt, vor die Regierungen der Völker trägt und diesen Wünschen Anerkennung erringt. Wertvolles ist auf diesem Wege bisher erreicht worden, Größeres steht uns noch bevor.' Aber' die „Wiener Morgenzeitung“ soll nicht nur Euer Organ, sie soll auch Euer Eigentum sein. Jeder von Euch soll wissen, daß es sein Blatt ist und daß er daran Anteil hat Vielen von Euch ist sie in dieser Zeit, yo.Ihr oft in Eurer Not keine,n anderen Schutz besaßet als diese Zeitung, ans Herz gewachsen. Aber Ihr mußtet ihr bisher fremd und unbeteiligt gegenüberstehen. Der Gesellschaftsvertrag mußte den Betrag für den stimmberechtigten Anteil auf K 5000.— festsetzen. Dadurch wurde den meisten von Euch eine Beteiligung unmöglich gemacht. Das Blatt, das im moralischen Sinne nie etwas anderes war als das Eigentum des jüdischen Volkes, dem allein es dienen will, gehört im juristischen Sinne einer beschränkten Anzahl von Aktionären. Aber es gibt eine Möglichkeit, Euch den gebührenden Anteil zu sichern: , Tretet dem „Verein jüdische Presse“ bei! Dieser Verein gibt Bausteine in Höhe von K 100.— aus, deren Erlös restlos in Anteilen der „Wiener Morgenzeitung“ angelegt wird. So wird jedes Mitglied für seinen eingezahlten Beitrag Miteigentümer der Zeitung. Und wenn Ihr Euch an der Aktionärversammlung beteiligen wollti-so werden die von Euch gewählten Vertrauensmänner dort Eure Wünsche vertreten. Volksgenossen! Das jüdische Tagblatt dem jüdischen Volk! Jeder trete dem Verein bei! Unsere Presse ist unser einziger Schutz! Für den Verein jüdische Presse Abg. Robert Stricker. (Anmeldungen mit Angabe, wie viele Bausteine übernommen werden, sind an die Adresse des Vereines. Wien, II., Taborstraße -1/3, zu richten._. w'fiivirvwwwviwvv'tvvwvv'rirrF allen Mitgliedern des engeren Aktionskomitees, die zurzeit in London weilten, über die Entwicklung Palästinas konferierte. Herbert Samuel nahm bei dieser Gelegenheit auch die Berichte der kürzlich in London eingetroffenen Delegierten der palästinensischen Arbeiterorganisationen entgegen. . •, Ein vertraulicher Bericht Weizmanns. „Jewish Times“ berichtet: Für den 22. September wurde auf telegraphischem Wege eine Konferenz der zionistischen Verteter Englands einberufen, wobei Dr. Weizmann vor seiner Abreise nach Palästina-einen Bericht über die Lage erstattete. Die Verhandlungen waren streng vertraulich. Es kann nur soviel gesagt werden, daß Dr. Weizmann die Erfolge der zionistischen Leitung erwähnte, iedoch auch auf die noch vorhandenen Schwierigkeiten hinwies, welche seiner Meinung nach . überwunden werden können. Benötigt werde vor allem enthusiastische Hingabe und entschlossene Arbeit aller Zionisten und des ganzen jüdischen Volkes. Weizmann zitierte einen Ausspruch eines berühmten Generals, „wenn ihr von den Reden auf das Gebiet der Taten übergehen werdet, wird jede Opposition verschwinden und eure Arbeit mit Erfolg gekrönt werden.“ — Weizmann unterstrich auch stark die Notwendigkeit, mit den Arabern Hand in Hand zu arbeiten. Im Laufe .der Debatte wurde eine Reihe von Fragen gestellt. die Dr. Weizmann beantwortete. Weizmanns Rede machte großen Eindruck und fand stürmischen Applaus! Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an. in welcher rlen zionistischen Führern Vertrauen und Einverständnis mit ihrer Po I i.t i k ausgesprochen wird und worin die Konferenz sich verpflichtet, unermüdlich für den ..Geulah Fond“ zu arbeiten. Am 28. begibt sich Weizmann nach Paris und von dort direkt nach Marseille, von wo er am 1. Oktober in Begleitung seiner Frau für längere Zeit nach. Palästina reist. Er will dort vor allem die Arbeiten der neuen zionistischen Kommission in die Wege leiten und auf die Beziehungen zwischen den luden und der englischen Administrationsbehörde Einfluß nehmen. Die Zionistische Konferenz in Chigago Die Leitung wiedergewäblt. Nach einem Kabeltelegramm wurde auf der Jahreskonferenz (Convention) der amerikanischen Zionisten in Chicago der bisherigen Leitung der amerikanischen zionistischen Federation nach heftigen Debatten von der Konferenz die Idemnität erteilt und die bisherige Leitung im Ganzep wiedergewählt."- :; : Aus New-York wird der ^Jüdischen Pressentrale Zürich“ .berichtet: Für den 14:-September ist nach Chicago die amerikanische zionistische Konferenz einberufen. Die Beschlüsse dieser Konferenz dürften von grundlegender Bedeutung für die Weiterentwicklung des Zionismus werden, weshalb auch in Amerika für diese Konferenz sich das regste Interesse kundgibt. Als Vorbereitung für die Konferenz fand in New-York am 1. und 2. September eine Kreiskonferenz der Zionisten von New-York ' und New- Jersey statt Auf der Tagesordnung standen folgende Punkte: Das Pittsburger Programm, Sitz der zionistischen Weltorganisation, Verhältnis der zionistischen Weltorganisation zu den verschiedenen . Fraktionen, die Palästina- Arbeit. die hebräische Erziehung in Amerika und Vorschläge. Herr Louis Lipsky teilte in seinem Bericht über die Tätigkeit der Organisation während des letzten Jahres folgendes mit: Die Organisation zählt jetzt 165.000 Mitglieder, die Poale Zion 8000 und der Misrachi 11.000. Für den „Zion. Commonwealth“ sind 1,200.000, für den Nationalfonds mehr, als 200.000 Dollar gesammelt worden. Aktien der Kolonien-Gesellschaft wurden .für fast. 300.000 Doljar, der,.Achiisath-Zion für 1.000.000 verkauft. In der gefaßten Resolution wird verlangt, die Konferenz in Chicago möge die Rechte der Fraktionen begrenzen und. in jedem Lande solle nur eine zionistische Organisation bestehen Bald nach Klärung der politischen Lage soll ein Kongreß einberufen' werden, womöglich in Jerusalem. Ueberhaunt soll Jerusalem ständiger ' Ort der zionistischen Kongresse sein. Auch die Administration, soll bei erster Gelegenheit nach Palästina -verlegt werden. Die Debatten in Chicago dürften sehr lebhaft werden, da sich auch in Amerika letztens verschiedene Strömungen und Parteigrunpierungen innerhalb des Zionismus bemerkbar machen. Gegen tausend „Delegierte sind nngemeldet und erwarten vor allem das politische Referat mit großer Spannung. Bei seiner Ankunft in Palästina hatte Braudeis den jüdischen Journalisten jedes Interview verweigert, mit der Begründung. er müßte erst in Chicago Bericht erstatten. Im letzten Aueenhlick erfahren wir iedoch. daß Brandeis nur an einem Volksmeeting sprechen werde, während an der Konferenz das politische Referat wahrscheinlich Prof. Frankfurter innehaben wird und über den „Waad Hazirim“ in ' Palästina Dr. Friedenwald und Robert Szold sprechen werden, die ebenso wie Brandeis erst unlängst aus Palästina zurückgekehrt sind. Die Absage von Brandeis hat große Enttäuschung bei den Delegierten hervorgerufen. Max Nordau hat aus Spanien ein Begrüßungsschreiben an die Konferenz gerichtet, in dem es u. a. heißt: Zu unserem Glücke hat sich in Amerika in den letzten 40 Jahren eine neue Judenheit, bestehend aus 3 Millionen Seelen, gebildet, deren Pflicht es ist. für die Zukunft, unseres Volkes .'zu sorgen. Betreffs' der Forderungen an die englische Regierung heißt es darin: Der geographische Begriff Palästina muß nach den traditionellen Grenzen festgesetzt werden und man darf auf keinen Fall zulassen, daß die Grenzen des Landes irgendwie geschmälert werden. Die Türen Palästinas müssen einer unbegrenzten Immigration offen stehen. Es ist eine Ironie und beleidigend für.uns, wenn man uns sagt: „Palästina gehört euch“ und gleichzeitig uns die Grenzen schließt. Aller Boden, der bisher der türkischen Regierung gehört hat, muß jüdisch-nationales. Eigentum werden. Privaterwerb darf nur nach den Grundsätzen unseres Gesetzgebers Moses erfolgen, wofür bereits Versuche in Argentinien vorliegen und worauf Henry George in Nordamerika ein theoretisches System aufgebaut hat. Die amerikanischen Juden müssen auch die Einberufung des jüdischen Weltkongresses auf sieh nehmen. Durch diesn wird eine neue Epoche in der politischen Selbsterhaltung des alten jüdischen Volkes beginnen. : . (Genauere Berichte über den Verlauf der Tagung sind bisher nicht eingelangt. Die, Red.) Miscbmar-Bciträge. Amsel Lazarus K 300—: Salomon J. Alkalay K,200.—: David Hofovitz. Simon und Else Picker. Franz Matzner, M. Frisch. . Julius Winkler je K 100.—. ti. s. K 500.—: Michael Schapira. Dr. Georg Weiner. 'M. Liauermann, Dr. Max Bernhard. Dr. B. Hahn. Rachel Grün. Frieda und Josef Misionschik je K 50.-J-, d. 's. K 350.—: I. Seidner K 30.—: Josef Schur K 25.—: Ing; Schon. Mina Hainern. Ch. Isaak Metzger, ’lsidor Kessler. H. Pöllatschek. Nathan Weiss. Dr. Ignatz Rosenfeld. Moritz 'Fleischmann. Jul. Goldfinger. Jul. Löwy, Aranka Lorenz, t Ernst Pisniger, Dr. Ebner. Ing.. Meier je K 20.—. d. 's. K 280.—: D. Kohn.' Eugen Lang, Georg und F!ly Kameles. Armin Eleischamnn. Arthur Kampf. Mila Reich. Jakob Reich. Adolf Brumm. J. Aron Gerstl. Dr. David Juris, B. Weinberg. Johann Reismann. Josef Dressier. David Tartakower. Isaak Kinz- ' lewsky je K TO.—.'. d-. s. K'150.—: S. Bandler K 15.—:'Helene Bruck K 14—: Chaim Kopfler K 5.—': Fanny Herzfeld. Isaak Goldschlag. Ernst Reismann, Gretl Fleischmann. I. Schumann, Abraham Jäkl. Heinrich Kiwe je K 5.—. d. s. K 35.—: Jakob Fränkl, F. Klein je K 4.—. d. s. K 8.—; Pinkas Fränkl. J. Hom je K 3.—..d. s. K 6—: Otto Bauer K 2.— : zusammen K 1921.—: bisher ausgewiesen K l 931.—: somit Gesamteingang K 3852.—. ___ Zionistische. Sektion für die westlichen Bezirke Wiens. Nach, langwierigen Bemühungen ist es gelungen, für die zionistische Tätigkeit in den westlichen Bezirken Wiens ein eigenes Heim. VT., AmerJjpgstraße.l9 -(Mariahilferstraße 75. Hofetiege, Mezzanin) zu erlangen. Das Sekretariat ist täg- . lieh (Samstag und Sonntag ausgenommen) von llrbis. 1- Uhr und von, 5 bis 8 Uhr geöffnet

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