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Jüdische Zeitung · 1919-10-08 · 41 (8.10.1919) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
41 (8.10.1919)
Date
1919-10-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 JÜDISCHE ZEITUNG Sette 5 Im letzten Heft der Berliner Zeitschrift ..Die Aktion“ widmet Robert Wolfgans: Wallach folgendes Gedicht „Stadelheim“ (dein Ort der Ermordung Gustav Landauers): Und wenn Ihr mich mit tausend Feuern brenntet, Verlor ich meine Liebe nicht, , Schlüg Euer Hassen mir zu immer neuem Glauben An dies verschüttet Menschentum in Euch. Wie diese weiße Blume Die sich zu mir fand. Und jener eine Stern •Den nachts ich durch die Luke seh‘, Glaube und weiß ich um die Güte dieser Erde. Glaube und weiß ich, daß ein gQldner Blick 'Einmal auch brechen wird aus Euren abenden Augen, ■Daß einmal Euch auch heilend brennen wird ■Ein helles Leuchten Ueber -dem ‘leeren' Tasten Eures roten Herzens. R. W. Der englisch-französische Konflikt In ihrem, „Die Regelung im Osten“ flherschriebejnen Leitartikel, der die englisch-französischen Verhandlungen wegen Syrien und Arabien behandelt, schreibt die englische Zeitschrift „Palestine“ u. a.: ..In der französisch-britischen Syrienfrage ist, wie wir ausgeführt haben, das jüdische Palästina nur durch .eine Meinungsverschiedenheit bezüglich seiner Grenzen beteiligt, eine Meinungsverschiedenheit, die leicht ausgeglichen ■werden kann, .Wir nehmen an. daß Frankreich, wenn es sich bezüglich der Nordgrenze von Palästina 'hartnäckig zeigt; eine solche Haltung nur infolge seines durchaus berechtigten Wunsches einnimmt, daß die ganze Palästinafrage zusammen und nicht stückweise geordnet werde. Wenn Frankreichs Widerstand eine solche zusammenfassende Lösung 'beschleunigt, so sind die Zionisten und das 'jüdische Volk ihm dafür dankbar. Es muß allerdings vorausgesetzt werden, daß im Laufe irgendwelcher Verhandlungen zwischen ■Großbritannien und Frankreich die Rechte des jüdischen Palästinas, und nicht nur seine terri- . tonalen, sondern auch seine sozialen und politischen Rechte erörtert und geschützt werden. Die natürliche Folge der Beilegung des strittigen Punktes zwischen England und Frankreich sollte auch eine endgültige Entscheidung bezüglich der Grenzen des jüdischen Palästina und bezüglich des ganzen Apparates, durch den das jüdische •Palästina verwirklicht werden muß, mit sich bringen. In diesem Sinne sind die Besprechungen,, die jetzt in Deanville und Paris stattfinden, schicksals- ■ voll auch für das jüdische Palästina.“ Der Artikel betont die großeVerantwortung, die in der gegenwärtigen Stunde bei diesen Verhandlungen in Paris, a^f Lloyd George ruht, und fährt fort: „Das jüdische Volk erwartet von ihm jetzt in dieser kritischen Stunde, daß er vollende, was er begannen und bisher vollbracht hat Es blickt zu ihm mit dem festen Vertrauen, daß er, was er als notwendig erkannt hat mit Energie and staatsmännischer Kunst auch durchsetzen werde. Glücklicher weise ist es vollständig klar, was bezüglich des jüdischen Palästinas notwendig, isf. Zunächst ist ein integrales Palästina notwendig, das heißt, ein Palästina, das alle diejenigen ökonomischen Elemente umfaßt, die von vitalem Interesse für sein ökonomisches Leben sind. Auf diese Weise sind die Grenzen Palast in a s leicht bestimmt: Im Norden bis zu den Quellen der Flösse, .durch die das neue Palästina leben muß; im Osten ist die natürliche Grenze Palästinas — die historische Grenze, die Grenze -der jüdischen Siedelnng, die Wüste, wobei die nötigen Arrangements getroffen werden müssen, um aie Rechte des Verkehrs entlang der Hedschasbahn zu .sichern. Die Südgrenze muß soweit ausgedehnt werde^.daß sie die Grenzgebiete des anbaufähigen'Bodens umfaßt und Palästina einen Ausgang zum Roten Meere gibt, was seinen Handel nach . Ost aindJWest sichern wird. .In,eine Erörterung der Details der inner en Organisation in Palästina, die für die Entwicklung des jüdischen Palästina notwendig ist, brauchen plr Jm Augenblick nicht einzugehen. Diese Dinge .sind schon wiederholt in den Spalten . unserer Zeitung behandelt worden. Der Grundsatz gilt auch Wer wie anderswo: daß, wer das 'Ende will, auch die Mittel wollen muß. Diese 'Mittel, die,für ,<He Entwicklung des jüdischen Palästina .unerläßlich sind, sind vorhanden und! sie 'enthalten keine Ungerechtigkeit gegenüber den .nichtiüdischen Elementen im Lande.“ Die „mäßigen Forderungen“ der Zionisten Ein Lob der „Times“. Die „Times“ veröffentlicht einen langen Artikel ihres Jerusalemer Korrespondenten über die ziomstischen Palästinaforderungen. Der. Artikel betont, daß die zionistischen Forderungen durchaus m ä ß i g gehalten sind. Es wird nicht die Forderung auf Einsetzung eines jüdischen Oberkommissärs unter Englands Mandat erhoben, noch wird ein unbilliges Uebergewicht von jüdischen Beamten in der Landesverwalt pp g_beai\sprucht. Was die.Zionisten erwarte«, ist daß man'die technischen Stellen, wie z. B. die Posten bei den Öffentlichen Arbeiten mit .dazu qualifizierten .Juden besetzen werde. Der iÖberkommissär .werde vermutlich einen aus den leitenden. Häuptern der verschiedenen Regierungs- "depafteinerits'.jZusammengesetzten Rat (Council) bilden, und die Zionisten verlangen natürlich einen jüdischjehbfeamten. Fjd diesem Council für die Frage »der jüdischen Erziehung. Die Zionisten verlangen Zu den jüdischen Feiertagen erscheint der Jüdische Nationalkalender 5680 5. Jahrgang & Herausgegeben von Otto Abeies und Ludwig Batö. Umschlag and Buchschmuck von Jakob Löw Dieses Zionistische Jahrbuch wird unter anderen Beiträge enthalten .von: Schalem Ascb, Ch- N. Bialik, Uriel Birnbaum, Max Beod, Z. F.Chajes.L. A. Frankl, Artur Freud, Eugen Hoeflich, Hermann Kadisch, Leopold Kompert, Gottlieb von Leon, Anitta Müller, Ernst Müller, J. L. Perez, 'Marek Scherlag, Abraham "Schwadron, Emil Stein. Robert Stricker. Robert Weltsch und Arnold Zweig , Kernworte. — Reicher BQderschmnck. Preis bei Vorausbestellnng K 10.— Bestellungen sind zn richten an den Verlag Jü&isdie Zeitung Wien m Taborstrasse Nr. 1 __:_' ■■■■■nHmnnanmBB die offizielle Anerkennung ^es Hebräischen . — gleichberechtigt mit tjem Arabischen — Im Gebrauch der Regierung. Zurzeit ist diese Forderung bewilligt, aber das ist kostspielig und erfordert eine große Zahl von jüdischen Beamten und liebersetzem in den Regierungsbureaus. Sonst gibt es keinen Einwand dagegen, und der zionistische Council wird vermutlich zugestehen, daß diese Mehrkosten nicht ausschließlich aus den allgemeinen Steuern gedeckt werden sollten. Die zionistische Forderung auf lokale Autonomie für die Kolonien und für kleinere rein jüdische Bezirke bildet keine unüberwindliche Schwierigkeit. Angesichts des Verlangens von Hunderttausenden von unterdrückten Juden, nach Palästina zu kptnmen, hebt der Korrespondent die Notwendigkeit hervor, Vorsichtsmaßregeln beider Auswahl zu treffen. Eini „Jüdischer nationaler Rat“ sollte ermächtigt werden, Land und insbesondere unkultiviertes Land, sowie den . Besitz der türkischen Regierung in Palästina zum Verkauf zu erwerben. Das Land könnte durch die Ausführung öffentlicher Arbeiten derartig verbessert werden, daß es imstande wäre, eine viermal so große Bevölkerung als die gegenwärtige bei einem höheren Standard of iife zu erhalten. Bei stufenweise fortschreitender Entwicklung kann Palästina die nationale Heimstätte für die Juden werden. Der Korrespondent der „Times“ ermahnt die Zionisten, Mäßigung. Ln ihren Forderungen zu bekunden, und die christlichen und mohammedanischen Fanatiker, zu hören und zu verstehen. Dies sei der einzige Weg zum Heil. RUNDSCHAU * Der• Kampf gegen das indische Leben. Nach Requirierung des iüdischen .Kaminski-Theaters, wurde jetzt auch der jüdische Klub für Ethik und Wissenschaft verständigt, daß sein Klubtokai baldigst für Regicrungszw ecke requiriert werden dürfte. Wie es heißt, soll auch eine Reihe weiterer jüdischer Institutionen requiriert werden, sodaß die Gefahr besteht, daß das ganze jüdische gesellschaftliche Leben lahmgelegt wird. * Vexatipn jüdischer Schriftsteller. Die bekannten Warschauer Literaten David Frischraann, P. Lachower und Dr. Kähan waren von Stybel aufgefordert worden, nach Kopenhagen zu kommen und ihn eventuell nach Amerika zu begleiten. Nach Beschaffung der notwendigen Papiere traten sie die Reise an, würden jedoch von den Grenzbeamten, die das erteilte Visum stfichen, zurückgewiesen, ln Warschau erklärte man ihnen, daß es sich um ein Mißverständnis der Grenzbehörde handle, stellte ihnen ein neues Visum aus utjd gab ihnen die Versicherung, daß sic jetzt ungehindert reisen könnten. Aber auch dieses Mal wurde an der Grenze ihre Durchreise verhindert. Sie erhielten nunmehr in Warschau zum dritten Mal das Visum und wollen dieser Tage wiederum versuchen, ins Ausland zu gelangen. Der Erfolg bleibt abzuwarten. * Pogrome der Petljura-Truppen. Das Organ der polnischen Bolschewiken in Rußland „Glos Komunisty“, berichtet über folgende Pogrome der P e 11 j u r a - Truppen: Gelegentlich Operationen in der Umgebung von Zmerinka veranstalteten .die Petljura-Banden eine Reihe grausamer Pogrome. In Zmerinka. das sic total vernichteten, töteten sie 11 Juden, in Bradilow 23, in Szpikow 60, in Brazlaw zirka 40, in Peczar zirka 200 und in Bar zirka 30. Durch besondere Grausamkeit zeichnete sich der Pogrom in Peczar aus. wo weder Frauen noch Kinder und Greise geschont wurden. In einer zweiten Notiz derselben Zeitung heißt es: Die Zentraihilfssektion für Pogromopfer erhielt folgende statistische Angaben über die Zahl der Pogromopter in dem Gouvernement Podolien. Es wurden getötet in Brazlaw 388 Personen, Lutin 212, Tulzcyn 519, in Peczar die gesamte jüdische Bevölkerung ätgeschlachtet, Janow 300, Kaczanowka 3, Stfyzowka 8. Traszczanice 500, Obodöwka 150. Brzerzada 800, Wapniarka 60, Bor 20, Jaltuszkow 20, Zmerinka 35, Kitajgorod 85, Kamienic 100. Pikow 68 Personen. In Winnica weilen gegenwärtig zirka 4000 Pogromilüchtlinge. * Verhaftung von Zeire-Zionisten. In Kiew iand unlängst eine Konferenz der ukrainischen „Zeire Zion“ statt. Die Bolschewisten verhafteten alle Teilnehmer dieser Konferenz und befreiten sie erst nach einer längeren Zeit unter der Bedingung, daß die Organisation sich weiterhin nicht mehr mit der Gegenwartsarbeit beschäftigen werde * Der jüdische Religionsunterricht in der Slowakei. Nach einem Erlaß des Schulministeriums darf der^ Religionsunterricht für jüdische Schüler in der Slowakei nur noch in diesem Schuljahre in deutscher Sprache erfolgen. Im nächsten Jahre müssen sich die iüdischen Religionslehrer vor einer Prüfungskommission über die Erlernung der slowakischen Sprache ausweisen. * Kleine Palästinanachrichten. Rabbiner K u k wurde zum' Oberrabbiner der Aschkenasim in Jerusalem gewählt und traf bereits dort ein. — Die Prö-Palästina-GeseHschaft in Aegypten hat die Entsendung einer Kommission nach Palästina unter dem Vorsitz von Baron Monasch zum Studium der ’Wohlfahrts- und Erziehungseinrichtungen beschlossen. — Das Volkshaus (Beth- Haani) in J affa ist wieder eröffnet worden.— Seit Januar sind 1844 jüdische Einwander er (zum weitaus überwiegenden Teil Rückwanderer) in Palästina eirigetrofren. * Qreueltaten in polnischen Eisenbahnen. Das Jüdische Preßbureäu Tn Stockholm teilt mit: Am 19. August wandte sich eine Reihe jüdischer Passagiere an die jüdischen Konstituanteabgeordoeten und berichteten über entsetzliche Exzesse, die sich am 18. in.den Passagierzügen zwischen Bialystock utrd Warschau abgespielt haben. 'Bewaffnete Patrouillen stürzten in, die Waggöns, schlügen die jüdischen Passagiere, schnitten ihnen die Bärte ab und beraubten sie ihrer Barschaft. Auf den Bahnhöfen der Hauptstationen würden jüdische Durchreisende brutal mißhandelt und geschlagen. Dies alles geschah in der Anwesenheit der Bahnbeamten und der Offiziere, die teilnahmslos den Entsetzlichkeiten zuschauten. * Eine Gemeindekonferenz in Süd-Litauen. In Bialystock wurde eine Konferenz der Vertreter der demokratisch gewählten jüdischen Gemeinden Süd-Litauens eröffnet. Nach ihren politischen Parteien sind die Delegierten folgendermaßen gegliedert: 10 Zionisten, 10 Zeire-Zion, 10 Bundisten. 8 Orthodoxe, 6 Poales-Zion, 5 Chassidim, 4 S. S und 1 Volkspartei. Zum Vorsitzenden wurde der Zeire-Zionist Muuczik gewählt. * Lebensmittel-Preise in Palästina. Das Kopenhagener Zionistische Bureau veröffentlicht folgende Liste der Lebensmittelpreise in Palästina während des Monats Juli dieses Jahres. 1. Lebensmittel: Reis pro Kilogramm Frs. 1.10. Eier (10 Stück) 1.35. Rindfleisch pro Kilogramm 4.15, Käse 4.15, Fische 5.20, Heringe 3.—, Oliven 1.15. Milch pro Liter 1.15. Butter (jüdische) pro Kilogramm 13.05, Butter (arabische) 4.25. Buttermilch pro Liter 0.60, Tomaten pro Kilogramm 0.10. Kartoffel 0.85, Zwiebel 0.40, Salz 0.45, Zucker 2.50, Linsen 1.Q5, Mehl 0.80 bis 1.10, Olivenöl 3.75, Sesamöl 4.50, Tee 7.—, Trauhen 0.60. — 2. Bedarfsartikel: Streichhölzer pro Schachtel 0:06, Nähgarn ,(200 Yard) 0.50, Petroleum pro Kilogramm 0.60, Spiritus li.50, Kerzen Z—, Toiletfenseite 2 75. Holz 0.17. Kohle 0.37. * Die hebräische Sprachbewegung ia Amerika. Die Organisation für Verbreitung der hebräischen Sprache in Amerika hat beschlossen, einen Fonds von einer Vierteimiilion Dollars zu gründen, um folgende Institutionen zn schaffen: Zeitungen, ein Lehrerseminar, ein Erzi ehungsbur eau, einen Kadimah-Verlag und ein Agitationsbureau für Verbreitung der hebräischen Sprache. Der jiddische Büchermarkt in der Ukraine. Im Mai und Juni verkaufte die Vereinigung iür jüdische Kultur in der Ukraine 18.000 Schulbücher, 55.000 Jugendschriften und 6000 andere Bücher, alle in Jiddisch verfaßt * Aufruf des algerischen Komitees iür soziale Wissenschaften. Das energische Eingreifen des jüdischen Studienkomitces in Algerien bei den führenden Männern und bei der Zentralregierung m Paris in der Affäre der Studentenvereinigung von Algier, welche 30 jüdischen Studenten den Beitritt in ihren Verein verweigert hatte, obwohl die meisten dieser jüdischen Studenten das Kriegskreuz an der Front erworben hat, war von Erfolg begleitet Nunmehr beschloß das Komitee, seine Tätigkeit auf alle Rechtsverweigerungen, die dem Gesetz entgegen den Juden gegenüber in Algerien praktiziert werden, auszudehnen und richtet zu diesem Zweck einen schwungvollen Aufruf an das französische Volk. * Verhaftete „Judeaas“ in Palästina. Zu Beginn des vorigen Monats sind 55 „Jüdeans“, die aus Kanada und den Vereinigten Staaten nach Palästina kamen, verhaftet worden. Als Grund ihrer Verhaftung wird ihre Äeußerung angegeben, zukünftig den Befehlen nicht gehorchen zu wollen und daß sie sich nicht mehr als Soldaten betrachteten, da man sie 6 Monate nach Waffenstillstand zu demobolisieren versprochen habe, während jetzt die militärischen Autoritäten erklärten. daß sie erst 6 Monate nach Unterzeichnung des Friedens aus dem Heer entlassen würden. Sie glauben, daß dieser Entschluß von den Lokalbehörden auf Einfluß der zionistischen Kommission gefaßt worden sei. Die Männer behaupten weiter, daß sie tief .^täuscht worden sind von der gegenwärtigen unbefriedigenden Lage Palästinas. Man Rütte sie glauben .gemacht. Palästina solle ein jüdischer Staat worden, während sie mir

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