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Jüdische Zeitung · 1919-10-03 · 40 (3.10.1919) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
40 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 40 fassen, sowie die in Betracht kommende* Personen und.dann einem jeden sein.jReferat zjiteüen undrso die Arbeitsteilung vornehmen. Mer ancb die zur Verfügung stehende Zeit söll eingeteüt werden. Es ist -eine alte Erfahrung, daß es finden Hauptteil der öffentlichen Arbeiten bei uns so etwas wie «ine Saison gäbt Die Arbeitszeit erstreckt sich beiläufig auf S Monate,. während in den übrigen vier Monaten (Sommer) zusammen kaum so viel wie in einem Wintennonale geleistet werden kann. Um in die Arbeit Methode bringen zu können, sollte der Arbeitsplan in vier zweimonatige Zeitabschnitte zerlegt werden, von denen jeder einer einzigen der Hauptaufgaben gewidmet sein müßte. Schekel und sonstige Organisations abgab en nehmen den ersten Abschnitt ein, da die Aufbringung derselbe® gleichsam die Betriebskraft für das ganze Werk bastelten beißt Der zweite Abschnitt (Dezember-Jänner) gilt dem NF. und Palästmasammltmgen. Der dritte (Februar-März) Schulen. Bibliotheken und sonstigen Kulturzwecken. Viertens kommen soziale und Fürsorgeaktionen. In den Sommermonaten körnten kleinere Getegehheitearbdtec besorgt werden. Wird die gesamte Arbeit nach solchem von •vornherein festzuiegenden Plane gemacht dann wird es sich zeigen, wieviel mehr auf jedem Gebiete geleistet werden wird. Hiebei wird sich auch eine fortschreitende Spezialisierung und Ertüchtigung der Mitarbeiter vollziehen, wie wir sie bei den jetzigen chaotischen Zuätänden nie erzielen können. Also: Arbeitsteilung und Arbeitseinteilung! Schaje Horowitz. Literatur Ein SammeUrach für die nationalen Rechte. Das »Komitee der Jüdischen Delegation bei der Friedenskonferenz“ veröffentlicht unter dem Titel „Die nationalen Rechte der Juden ln. Osteuropa“ ja französischer Sprache eine Sammlung von Studien, die sich sowohl vom theoretischen wie vom -praktischen Gesichtspunkt aus mit der Frage der jüdisch-nationalen Rechte in der . Diaspora befasse^*) Auf ein Vorwort von Leon Reich folgt ein kleiner Beitrag, betitelt ..Die Bewegung der Geschichte“ von M. Ussischkin, Präsident der Jüdischen Nationalversammlung der Ukraine, in dem darauf hingewiesen wird, daß die nationale Bewegung, die während des letzten Jahrhunderts Griechenland. Belgien, Italien und Deutschland geeint und Ungarn, Serbien, Rumänien* Bulgarien, Finnland imd Arabien befreit bat, nun in der Wiedergeburt Polens und TschechoslowaMens und in der bevorstehenden Renaissance von Armenien und Erez Israel ihre Fortsetzung findet 3etzt gÜt es -ein-neues Prinzip zu verwirklichen, das Prinzip „des Rechtes der nationalen Minderheiten aiti vollständige Autonomie in inneren Angelegenheiten“. Dies Priszip ist neu und noch nicht *überall anerkannt, Mer seine Verwirklichung „ist historisch ebenso unaufhaltsam wie die Verwirklichung der Freiheit des Individuums und der Freäheii des . Staates.“ Es folgt ein Aufsatz „Die nationalen Forderungen der Juden“ von Leo Motzkin, Generalsekretär des'Kpmitees der Jüdischen Delegation. Dieser Aufsatz ^bildete die Grundlage der Beratungen der Programm-Kommission des „Komitees der Jüdischen Delegation“ über das der ■ Friedenskonferenz za unterbreitende Memorandum* Von aßgemeinen Gesichtspunkten ausgehend behandelt der' Verfasser die wichtigsten' Lebensfragen der jüdischen Bevölkerung in den einzelnen Ländern des .Ostens und legt dar, daß ihre Existenz 'und Weiterentwicklung nur durch die Gewährung -der nationalen Rechte gewährleistet werden kahn. In einem Resümö wird eine Aufstellung der Jüdischen Forderungen gegeben. Richter Julian W. Mack Präsident des „Amerikanisch-jüdischen Kongresses“ und des ^Komitees der Jüdischen Delegation“, schreibt einen kurzen Aufsatz über den Amerikanischjüdischen Kongreß und seine Arbeit Dr. Osias Thon, Präsident des Jüdischen Nationalrats von Polen, liefert einen Beitrag, betitelt „Vom Individuum durch die .Humanität zur Nationalität“, der von den Beziehungen dieser hei Begriffe zu einander in dem besonderen Fall des jüdischen Volkes handelt Es folgt ein Aufsatz von Nahum Slousch „Das Rassengefühl und die großen jüdischen Massen“, ein Beitrag von L Tchemoff über „Die Vertretung der ’ Minderheiten“, ein Aufsatz von Beinard C. Richards, Sekretär der Delegation des ■•AmerikaniRnh-jfidjgr.hem Kongresses, betitelt JBie Forderung der jüdischen Rechte“. lieber „Die Lage der Juden in Polen und ihre Forderungen“ schreibt Dr. Leon Reich, Vorsitzender des Jüdischen Nationalrats für Ostgalizien, über „Die jüdische Frage in Litauen“ Rechtsanwalt S. Rosenbaum, Staatssekretär in Litauen, über „Oie Juden in der Republik Tschechoslowakei* Dr. Hugo Bergmann, Mitglied des Jüdischen Nationalrats für Tschechoslowakei!, über „Die letzte Phase der rumänisch-jüdischen Frage“ E. F. Braunstein, Mitglied des Komitees der Jüdischen Delegationen, und über „Die Rechte der jüdischen Minoritäten im alten Königreich Polen“ Dr. Ringel, Mitglied des Jüdischen Nationalrats für Ostgalizien. *) Les droits nationaux des Juifs en Europe Orientale. Opinious et etudes, reoeuillies et publiöes par Dr. Leon Reich. Paris, 1919. Zutlen jüdtechenFeiertagen srecbeint jfor Jüdische Nationalkalender 5680 5?: Jahrgang . Herausgegeben von Otto Abeies und Ludwig Batö.Umschlag nnd Buchschmuck von Jakob Löw Dieses Zionistische Jahrbuch wird unter anderen Beiträge enthalten von: Sckalom Asch, £h' N. Bialik, Uriel Birnbaum, Max Beod, Z. P.Chäies, L. A. Frankl, Artur Freud, Eugen Hoeflich, Hermann Kadiscb, Leopolp Kompert, Qöttlieb von Leon, Anitta Miller, Ernst Müller, J, L- Perez, Marek Scherlag, , Abraham Schwadron, Emil Stein, Robert Stricker, Robert Weltscb und Arnold Zweig Kernworte. — Reicher Bilderschinuck. Preis bei Voransbestellung K 10.— Bestellungen sind zu richten an den Verlag Jüdische Zeitung Wien II, Taborstrasse Nr. 1 Zur Geschichte des .Zionismus. Die historische Erforschung des Zionismus steckt noch ganz in den Anfängen. Eine halbwegs zulängliche Bearbeitung der Geschichte des Zionismus gibt es überhaupt nicht, aber anch än Einzelarbeiten fehlt es und der Weg zu den Quellen ist auch nur mit großer:Mühe gangbar. So kommt es ,daß die heutige Generation fast gar keinen Kontakt mit den -Genesis und. Entwicklung der jüdischen Bewegung hat, die ihr als ein Fertiges auf hoher Stufe entgegentritt, die aber doch nur aus ihren Wurzeln heraus verstanden werden kann. Unter diesen. Umständen ist jede Publikation. willkommen, die als Vorarbeit für die. Geschichte des Zionismus gelten kann- Es war daher ein sehr verdienstliches Werk''von Dr. N. M. Gelber, daß er jüngst die Protokolle der Kattowitzer Konferenz (1884) in deutscher Sprache herausgegeben hat*) Man rechnet die Kattowitzer Konferenz gewöhnlich zur Periode des „Praezionismüs“, die man mit wenigen Worten als Vorspiel der Herzl-Zeit aufzufassen sich gewöhnt hat Aber es ist ehr schwerer Fehler, wenn man die' große historische Bedeutung der ersten tastenden Anfänge zionistischer Bewegung im Osten unterschätzt; denn erstens hat dieser Charuve-Zionismus den Grundstein für das heutige Kolonisationswerk gelegt zweitens aber hat er die Herzen der jüdischen Massen vorbereitet und allmählich zu politischer Reife übergeleitet Die Geistergescldchte /der russischen Judenheit im 19. Jahrhundert gehört zu den interessantesten Kapiteln der jüdischen. Geschichte, weil sie eine Zeit der Kämpfe, der Krisen und der beginnenden Entscheidung ist Gelber schildert in seiner Einleitung mir ganz kurz und andeutungsweise die Vorgeschichte der Konferenz, das Auftreten Pinskers, der, gänzlich von aufklärerischen Gesichtspunkten ausgehend, anfangs von Zion gar nichts wissen , will und erst später von der Notwendigkeit des Zionsgedankens überzeugt wird. Das Protokoll selbst ist ein kleines hebräisches Heftchen, das heute so gut wie unzugänglich ist und das Dr. Gelber seiner Arbeit zugrunde gefegt-hat Die interessantesten Stellen sind zweifellos die Reden Pinskers, die ungefähr demselben Gedankengang folgen. wie seine ,;Autoemanzipa- ,tion“. Aus der Eröffnungsrede spricht die tiefe Einsicht in das Sozialökonomische Wesen der Judenfrage; die Umschichtung der Juden aus. den parasitären Berufen des Galuth zur produktiven Erdarbeit in Erez Israel ist der zentrale Gedanke dieses Zionismus. Er wird von Pinsker mit einer eindringlichen Klarheit formuliert, die noch heute gütig ist Der Monteflore-Verband, der aus der Konferenz heryorging, ist allerdings ein reiner Unterstützungsverein, es fehlt ihm noch die grundelgende Erkenntnis, daß der Zionismus eine politische Angelegenheit ist Dieser Erkenntnis war Pinsker sehr.nahe, aber in die Realität überführt wurde sie erst durch Herzl. Haben wir hier ein Stück praktischer Vorgeschichte des Zionismus, so repräsentiert ein anderes, soeben erschienenes Büchlein ein,Stück ideologischer Vorgeschichte: als Nr. 3—5 der „Jüdischen Handbücher" gibt der Verlag R. Löwit eine Neuauflage von Moses Hess* „Rom und Jerusalem“ heraus Vorgeschichte? Wenn man in diesen wohlbekannten Briefen, die 1862. zum erstenmal erschienen, blättert, ist man frappiert von der Aktualität von der Schärfe des gedanklichen Erfassens der Probleme und ■ von dem leidenschaftlichen Temperament der nationalen Bejahung. Die Auffassung des Judentums, die Bewertung seines geistigen, religiösen, sozialen Gehaltes erfolgt hier mit einem Tiefblick, an dem gemessen viele Dokumente und Reden des späteren Zionismus bis auf unsere Tage oberflächliches Zeug sind. Hugo Ber gmann weist in seiner Einleitung darauf hin, daß ein Gedanke, den Heß in.den Geisteskampf des Judentums einführt, von besonderer Fruchtbarkeit ist: Die enge Verbindung des Judentums mit der Zeit und dem Werden. Der Blick des Juden geht auf die Welt, die noch nicht vollendet ist, nicht auf die abgeschlossene, ruhende Daher beherrscht ihn die Agitation für das was sein soll, und in der Geschichte offenbart sich ihm das Gesetz Gottes, das seinem Endziel, dem „Geschichtssabbat“ der messianischen Zeit, zustrebt Aus .der, Bejahung des: geistigen Urgrundes jüdischen Volkstums zieht Hess, der Sozialist, die Kraft, die ihm das Judentum in seiner' nationalen Wesenheit so lebendig macht. Solche Kraft und Sicherheit, die uns bitter not tut, 'können , wir * aus „Rom und' Jerusalem“ schöpfen. Darum ist diese Neuausgabe besonders zu begrüßen. w. Esra, Zeitschrift des jüdischen Akademikers. In den letzten Tagen erschien das Septemberheft der neuen jüdischen Monatsschrift Esra, die vom jüdischen Hochschulausschuß Wien (Verlag Esra, Wien, IX., Alserstraße 28) herausgegebeh und von Eugen Hoeflich redigiert wird. Als erster kommt der bekannte Züricher Schriftsteller Dr. Charlot Straßer, ein Nichtjude, Zum Wort, der in außerordentlich tiefschürfender Weise die Grundlagen des Antisemitismus beleuchtet Es ist interessant den Untersuchungen gerade eines Nichtjuden, eines nicht-voreingenommenen Forschers also, zu folgen, wenn sie von tiefster Ethik getragen sind, wie diese. Von Eugen Hoeflich stammen eine Anzahl von Aphoris men zur'jüdischen Jugendbewegung ,in denen sich der Autor in scharfer Weise zu manchen von anderer Seite geäußerten Ansichten in Widerspruch stellt Arno Nadel, der vorzügliche jüdische Dichter und Lied^rförscher, veröffentlicht eine prachtvolle Szene „Der Sündehfall“, die Ende des Jahres zur Aufführähg kommt Ein außerordentlich interessanter Aufsatz — Asien und Europa — stammt von Rabindranath Tag.ore, ein Aufsatz, der während des Krieges in ganz Europa konfisziert war und gerade uns Juden sehr viel zu denken geben muß. Siegfried Schmitz polemisiert ausführlich gegen Brunners Werk „Der Judenhaß und die Juden“. Den Abschluß des sehr schön ausgestatteten Heftes bildet ein Aufsatz von Heinrich M a r g u 1 i e s über Jakob Klatzkin, über sein Werk und über sein Verhältnis zu Achad Haam. Probleme des modernen Judentums. Bei dem Artikel von Adolf Böhm in der letzten Nummer der i.JüdL Ztg,“ ist versehentlich die Angabe weggeblieben, daß das Büch . .von Klazkin, „Probleme des modernen Judentums“, im „Jüdi- * sehen Verlag“ Berlin W 15 erschienen ist.' . Sprechsaal *) ..Die Kattowitzer Konferenz“, M. Hickl; Verlag Wien-Brünn. . „Ein Tempelbrand, vor 95 Jahren.“ Unter obigem Titel berichtet Herr Moritz Antsch er 1 in Dr..Blochs Wochenschrift Nr. 35, vom 5. September ä. c. pag 556, daß unter den vielen Spenden zum Wiederbau des. Tempels in T-riesch nach -dem Brand im Herbst des-Jahres 1824* die größte Summe, nämlich 8000 Kronen Wiener Währung, gespendet wurde. Diesem Bericht werden wahrscheinlich mündliche, aber ganz unrichtige üeberteeferungen zugrunde liegen, denn nach den Quellen, die . im Archiv der hiesigen Kultusgemeinde vorliegen, war die Summe nicht 4000 fl., sondern 1717 fl. und durften; auf ausdrücklichen Wunsch des hiesigen Vorstandes, nicht für den Tempelbau verwendet werden. ." Die Quellen, die uns vorliegen, sind die Kopierbücher, worin auch die Briefe, die.man dar maJs nach Triesch geschrieben hat, abkopiert sind* woraus folgendes zu entnehmen ist: ( Am 20. Dezember 1824 hat der Vorstand der Wiener Tolerierten die Herren Moritz Köirigswarter und Isak Figdor „aufgefordert“, für die abr gebrannten Israeliten in Triesch, die sich amtlich (durch die Statthalterei) an die Wiener Israeliten um Hilfe wandten, bei den hiesigen' Tolerierten Spenden zu sammeln. Der Vorstand gab ihnen anßer dem von der Statthalterei übersandten Triescher Gesuch, noch ein Begleitschreiben mit. (Kopierbuch vom 24* Dezember 1824, Nr. 490 und 491.) _ Erst nach einem halben Jahr, nämlich am 13. Juni 1825, konnten die Wiener Vertreter an die Vorsteher in Triesch Schreibern, daß die Herren Moritz Köriigswarter und Isak Figdor eine Sammlung für die abgebrannten Israeliten veranstalteten, wobei die Summe van 1717 (auch in Worten wiederholt) fl., Kouventionsmünzen, eingingen, welche wir mit dem Postwagen zu übersenden das Vergnüg«! haben. Die Verteilung soll nur den hilfsbedürftigsten Beschädigten etc. nach Ermessen des Vorstehers und mit Zustimmung des löblichen Oberamtes vor sich gehen etc. Jedoch einem Individuum, namens Bezalel, der hier sehr bekannt und früher in mancherlei Geschäftsverbindungen mit hiesigen Israeliten gestanden Ist, nach dem Wunsche und der Absicht vieler Beitragenden ein ausgezeichneter Anteil zugewendet werden soll (find vom Jahre 1825, Nr, 538). In einem Schreiben vom 22. Juli 1825 schlagen die Vorsteher von Triesch vor* einen Teil, dieser Spenden zur Herstellung der abgebrannten Synagoge verwenden zu dürfen. Hierauf anworteten die. Vertreter am 29. Juli folgendes: „Auf Ihre werte Zuschrift vom 22. d.- haben wir die Ehre, zu erwidern, daß wir i in der Bestimmung des Ihnen für Ihre abgebrannten Gemeindemitglieder übersandten Unterstützungsbeitrag per 1717 e. M. uns nur nach dem einstimmigen Willen der Beitragenden gerichtethaben. Da nun letztere ihre Gaben bloß den Dürftigsten Ihrer Gemeindegenossen widmeten, wodurch die von Ihnen vorgeschlagene teilweise-

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