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Jüdische Zeitung · 1919-10-03 · 40 (3.10.1919) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
40 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 40 Seite 5 jüdische zErruwo Zollschans ist es. ihn nicht zu sehen. Er spricht £;B. von (lern Westjuden, der religionslos ist, in 'Unkenntnis' der jüdischen .Geschichtswerte, und in Entfremdung von jüdischer Wesensart lebt; er weiß nicht, daß die ' breitesten Schichtender Westjuden heute fieberhaft danach streben, die jüdischen Geschichtswerte, das jüdische Wesen usw. zu. erkennen und sich zu eigen zu machen. Ihm fehlt jeder Blick für das Dynamische an der jüdischnationalen Bewegung, er operiert mit starren Begriffen und wenn er auch den reinen Intellektualismus in seine Schranken weist, so hat er doch kein Organ für das Geheimnis der vollkommenen Umwandlung, die ln der Judenheit vor sich geht. Dennoch sollten ihn gewisse nicht imehr mißzuverstehende Anzeichen darüber belehren, wie weite Kreise die Selbstbesinnung unter den Westjuden zieht. Ein Georg Hermann z. B., der sich selbst als radikalen Assimilanten bezeichnet, empfindet heute plötzlich sein Anderssein, sein Judesehl, und bekennt es.*) Was sollen all die Unkenrufe' Zollschans; der jüdische Nationalismus werde den Juden zum Verderben werden, wie den Deutschen der Imperialismus, die elementare Gewalt der nationaljüdischen Bewegung kann durch Beschwörungen und Berufungen auf Opportunität usw. nicht aufgehalten werden. Zollschan appelliert an die Führer und warnt sie vorden falschen Wegen. Wollten die Führer aber ihm gehorchen, statt ihrer inneren Stimme, sie . wären bald keine „Führer“ mehr. Es wird interessant sein, sich gelegentlich mit dem gehaltvollen theoretischen Teil von Zollschans Buch auseinanderzusetzen, hier soil _ nur auf das Wesentliche, das Politische,. einge- ^-gangen Werden. Zollschan ist darin leider von vollkommen assimilatorischer Haltung: Leisetreten, behutsam sein, sich auf die Einsicht des „Staates" verlassen usw. Er hat keinen Blick für das grundlegende Element der jüdiscbnationalen Politik: daß die kardinale Auseinandersetzung zwischen Juden und Nichtjuden in vollem Umfang unbedingt vorgenommen werden muß, daß wir ihr nimmermehr entgehen, wenn wir uns schön ruhig und sittsam als Staatsbürger mit jüdischem Habitus („ethnischem Charakter“) deklarieren. Zollschan meint, die jüdische Nationalpolitik rufe den Boykott hervor, sagt dann aber selbst, daß dieser gar keine rechtliche Unterlage braucht, und auch ohne solche in schärfster Weise ' gehandhabt wird!-Es ist schwer, mit ihm ruhig zu debattieren, ob die Juden eine Nation sind, indes rings um uns gegen die Judenheit ein Ver- lilchtungsfeldzug geführt wird. Nach Zollschan maß man glauben, daß dieser in der nationalen Haltung der Juden seinen Grund hat Wie weit gefehlt dieser Schluß ist zeigt z. B. Ungarn -Dprt haben die Juden wahrhaftig keine nationale, sondern extrem assimilatorische Politik gemacht sie waren überall die Vorkämpfer der Magyari- -sierung, und die Anteilnahme von Juden an der -Rätediktatur ist gewiß eine solche an der allgemeinen Staatspolitik gewesen. Was sind die Folgen? In den von Ungarn losgelösten Gebieten werden die Juden verfolgt, weil sie die Träger der Magyarisierangspolitik waren, iin Rest- Ungarn wird ihnen das aber nicht gelohnt, dort nimmt man einfach einen anderen Vorwand für die Judenpogrome. Wahrlich, es haben Smolensky 1871, Pinsker 1882, Herzl 1896, viel klarer in die *) Neue Jüd. Monatshefte, Nr. 19/20. Zukunit gesehen, als sie von der Unausrottbarkeit des Judenhasses sprachen, als Zollschan 1919, der seine, Politik auf ein mögliches „Abflauen“ des Antisemitismus einstellen wilL Wir haben jetzt so sehr wir auch die Bedeutung theoretischer Klarheit schätzen, wahrlich etwas anderes zn tun, als darüber zu debattieren, ob die Juden eine Nation oder nur eine „ethnische Einheit“ darstellen. Sie sind zweifellos Juden und als solche, als Juden pur et simple werden sie aufs grausamste verfolgt Der Prozeß steht heute, wenn wir die Länder der Massensiedlung betrachten, unweigerlich so. wie ihn Pinsker und Herzl gesehen und wie ihn die Nationalpolitiker führen: Auf der einen Seite die Juden über alle Staatsgrenzen hinweg, auf der anderen Seite die nichtiüdischen Nationen. Alle jüdische Politik kann nur dann Sinn und Zweck haben, wenn sie den Prozeß für die jüdische Gesamtheit führt indem sie die Jndenfrage als eine einheitliche ansieht, in welcher Grundeinstellung Zionismus und Nationalpolitik völlig identisch sind. Zollschan‘s Blick aber macht Halt an den Staatsgrenzen, er betrachtet nur die Lage der Juden im Staate, den er als ein „Ding an sich“ ohne Berücksichtigung der ihn tatsächlich formenden und beherrschenden Mächte ansieht Hat das Bekenntnis zur jüdischen Nation für den „Staat“ einen Sinn — so fraßt der Zionist Zollschan. Er erwartet vom „Staat“, daß er den Juden eine jüdische Erziehung gewährleisten wird, im eigenen Interesse, auch ohne nationale Konstituierung der Juden. Er wird dazu ..bereit“ sein! Ist das nicht wirklich eine politische Naivität ersten Ranges? Wer ist denn dieser „Staat“ der bereit sein „wird“? Anscheinend eine liebenswürdige, wohlwollende Persönlichkeit, ein guter alter Herr mitlangem weißen Bart der seinen Kindern gerne den Willen tut! Leider aber leben wir nicht im Märchen, sondern in einer Welt in der die Staaten sich — siehe z. B. die Haltung Polens und Rumäniens — aufs heftigste sträuben, selbst dem stärksten Druck, der auf sie zugunsten der jüdischen Schule usw. ausgeübt wird, zu weichen. Wenn Zollschan mit dem Wort Staat operiert, so entgeht er freilich der Hauptschwierigkeit die darin liegt daß die „Nationalstaaten“ gar keine solchen sind, sondern lauter kleine Oesterreichs. Die Frage ist daher die, sollen sich die Juden im gemischten Staat in politischer Beziehung wieder so selbstmörderisch assimilatorisch verhalten, wie etwa im ehemaligen Ungarn? Zollschan lebt aber in einer Welt der Zuknnftshoffnungen. Er wendet sich gegen den „Fetisch“ der nationalen Souveränität, gegen den er die „Rechtsidee von Staat und Gesellschaft“ setzt womit er jener Schwierigkeit die in der brutalen Wirklichkeit des Bestehens von Herrschaftsnationen . in gemischtnatior.s Staaten liegt entgeht er spricht ferner von einem zukünftigen Nationalismus, der in seinem Machtanspruch durch den Völkerbund beschränkt werden wird nsw. Bekannte Topp!'Sirenenklänge der Assimilation! Das Hoffen auf. bessere Zelten, wo Recht und Gerechtigkeit herrschen wird, war es, das die Juden immer davon abgehalten hat ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Mit solcher Fata Morgana kann der politische Führer von heute nicht arbeiten. Was Zollschan schließlich den Juden rät, das formuliert er, getreu seiner behutsam abwägenden Wissenschaftlichkeit die ganz fern bleibt der Wirklichkeit der Politik und nichts weiß von dem Sturm, der um das iüdische Leben und durch die jüdischen Seelen braust, in einer Weise, die man mft dem Spruch „Wasch* mir den Pelz und mach* mich nicht naß“ bezeichnen kann. Die iüdische „Gemeinschaft“ soll sich eine Repräsentation nach Art — der Aerztekammem schaffen. Da sie als solche keine Vertretung im Parlament hätte (das ist wohl als Uebel zu vermeiden?), so soll — der folgende- Satz sei als charakteristisch für die behutsame Leisetreterei des Autors in politischen Dingen wörtlich zitiert — ,4m Falle der weiteren Anerkennung der Gemeinden, als einer öffentlichrechtlichen Korporation als Ergebnis der zu fordernden Rechte und Kompetenzen, nicht die auf dem Wege der Autonomie zu schaffende nationale Wahlkurie unser Programm darstellen, sondern wir haben . . . . zu postulieren, daß diese Rechte und Kompetenzen in verfassungsrechtlich bindender und in ihrer Dauerhaftigkeit garantierter Form dem Statut der zn schaffenden Zentralinstanz and damit auch in entsprechender Fassung, dem der einzelnen jüdischen Volksgemeinden inkorporiert werden.“ Soweit dieser gedehnte und dunkle Satz, in dem. Zollschan als Quintessenz seines Buches, sein politisches Programm dem der jüdischen Nationalräte. entgegenstellt, verständlich ist. handelt es sich um Folgendes: Die Juden werden in eine Art Kammer zusammengefaßt. die jüdische „Zentralinstanz“. Dieser werden die auf Juden bezüglichen Gesetze, wie Zollschan später sagt, „eventuell“ unterbreitet. Ob sie aber auf deren Fassung eine entscheidenden Einfluß hätte, dairüber schweigt er. Das jedoch ist das Wichtigste, denn sonst hat sie doch für die Juden keinen Wert In ihr Statut werden die Rechte usw. der jüdischen Gemeinden „inkorporiert“. Was soll das bedeuten? Welches ist das Verhältnis zwischen Zentralinstanz und Gemeinden? Sind letztere öffentlich-rechtliche Körperschaften, die aus Urwahl hervorgehen, so sind doch sie allein schon, respektive ist ihr Verband die Vertretung der Juden und der Träger ihrer Selbstverwaltung. Oder liegt hier eine Verfassung mit zwei Kammern vor, von denen die eine (die Zentralinstanz) durch Urwahl, die zweite indirekt, durch die Vorstände der Gemeinden beschickt wird? Jedenfalls erscheint auf den ersten Blick diese ganze Konstruktion eine juristische Finte, um im Wesen dasselbe zu erlangen, was die jüdischen Nationalräte wollen, ohne die Anerkennung der Juden als Nation und die Sicherung ihrer Vertretung im Parlament zu fordern. Es scheint also die reine Angst vor dem Wort Nation der Grand für diese Formulierung zn sein. Glaubt Zollschan aber wirklich, die Nichtjuden werden sich, in ihrem Verhalten gegen die Juden davon beeinflussen lassen, daß deren Gesamtverband sich nicht „Jüdischer Nationalrat** sondern „Zentralinstanz“ nennt? Welche Vogelstraußpolitik nach Art derjenigen aller Assimilanten! Die Sache hat aber in Wirklichkeit einen ganz anderen Sinn. Da die Nationaljuden im Westen vielleicht rein zahlenmäßig — natürlich nicht in dem Gewicht, das ihnen für eine wirkliche Vertretung der Juden zukommt — noch nicht die Oberhand haben; so wäre durch Zollschan's Konstruktion: Eine Kammer aller Juden und einen Gemeindeverband, in dem die Vorstände sitzen, erreicht; daß die Assimilanten die Position eit der jüdischen Selbstverwaltung beherrschten. So erscheint Zollschan‘s Vorschlag auch (ffesbezüglich im Interesse der Assimilanten gelegen. Sei es drum! Uns Nationaljuden ist nicht bange darum, daß wir diese in aller Kürze ans ihren Positionen verjagen werden. Eine Gesamtvereinfgimg aller Juden und die öffentlich-rechtliche Anerkennung druck hat in der Slicha des Mordechai b. Schabtei: ..O Herr, siehe am Abend des Tages, beim Grauen der Nacht, wie dein Volk seine Augen erhebt und betet vor dir. wie . . . Isaak einst betete auf dem Felde zur Abendzeit . . . O heile die Wunden, besprenge es beim Sonnenuntergang mit Reinigungswasser. wasche es und reinige es am Abend. Am Abend sei wie Tau für Israel, daß es wie eine Rose blühe.“ „Siehe auf sein Fasten und die Kasteiung seiner Seele, siegele es ein in das Buch des Lebens! Denn schon wendet sich der Tag. und es neigen sich die Schatten des Abends! . .. Du Heiliger, der über Lobgesänge thront, siehe, das ganze Volk steht vor dir vom Morgen bis Abend. Abends, morgens und mittags flehe ich vor dir ... O tue bald ein Zeichen, . . . daß jener Tag komme, der nur dir allein bekannt ist. der Tag. der nicht Tag und nicht Nacht ist zur Ze!t des Abends!“ Der Messiastag 's. Secharia XTV, 7 und 14.) ' Mit diesen Gedanken ist nun-alles vorbereitet für die letzte größte Gipfelung des Tages, für das Gebet zwischen Tag und Nacht die Neiia. Diese Neila, die als ein besonderes Schlußgebet nur finden Versöhmmgstag besteht enthält zunächst von allen' Gebetsstücken die stärkste VereiufacBung. Konzentrierung und Kürzung. Das peinliche und besonders mühselige Al-Chet-Bekenntnis. in dem jeder Buchstabe des Alphabets den Anfangsbuchstaben zweier Sünden bildet, fällt weg, während es im Schacharit; Mussat und Mincha der Hauptteil des großen Widui war. Die Kednscha. die Heiligkreisung'Gottes. ist ganz knapp gehalten. Alles drängt sich , nur noch in die eine Bitte, das eine Flehen um Erhöhung. Befreiung, Erlösung zum Leben. Erlösung zu Gott: „0 Herr, gedenke unser zum Leben? König, der da will, daß wir leben, siegele uns ein in das Buch des Lebens, um deinetwillen, lebendiger Gott.“ Es handelt sich nicht mehr um die Einschrift in das Lebensbuch, wie in den früheren Gebeten, sondern um das Siegel des Buches. Alles wird brennend und zum Aeußersten gespannt. Fast alle Stücke werden doppelt gesprochen. Durch das lange Fasten und das anhaltende Gebet ergriffen, spricht der Vorbeter die Worte langsam und deutlich nach. Alle Engel drängen sich vor Gottes Thron. Sie sollen sprechen, „wenn auch kein Engel rein ist vor dir.“ Alles Flehen soll nur noch heißeste Inbrunst sein. „Der Tag hat sich gewandt. die Schatten werden länger, o öffne uns das Tor zur Zeit des Torschließens. Denn die Sonne neigt sich und geht, so kommen wir vor deine Tore.“ O Herr vergib, und nun folgen immer gehäufte Rufe. . . . o sühue. verzeihe, schone, erbarme dich unser, verhärte dich nicht o bändige die Schuld vor dir und die schreiende Sünde. ..Denn nicht im Vertrauen auf unsere Gerechtigkeit werfen wir unsere Bitte nieder vor dir. sondern im Vertrauen auf deine große Barmherzigkeit. Herr. höre. Herr, vergib. Herr, merke auf. willfahre und zögere nicht um deinetwillen, mein Gott Denn dein Name wird ja genannt über deiner Stadt und deinem /olke “ „Siehe, wie der Lehm in der Hand des Töpfers, so sind wir in deiner Hand. Nach seinem Willen weitet er ihn. nach seinem Willen engt er ihn . ■.“ „0 schaue auf den Bund und ... nicht auf den Trieb.“ ..Du Hirte Israels.“ „c neige dein Ohr“ „aus der Höhe, antworte uns. fierr. antworte uns.** „Denn nur auf dich stützen wir uns.** „O laß uns dein Eigentum bleiben!“ Dann rollt zum achten Male, durch das innige ki anu eingeleitet, das Sündenbekenntnis. „Ja. wir sind deine Kinder, du der Vater, wir deine Knechte, du der Herr. . . . wir dein Weinberg, du unser Hüter*, dann mit dem innigsten, sinnlichen' Bild: „wir deine Geliebte, du der Geliebte“. „Unser Gott und Gott unser Väter, o laß vor dich kommen unser Gebet und entziehe Dich nicht unserm Flehn. Denn wir sind nicht so frechen Gesichsts und nicht so hartnäckig, zu sagen vor dir: o Herr unser Gott und Gott unserer Väter, wir sind gerecht und wir haben nicht gesündigt sondern nein: . . wir haben wahrlich gesündigt: Aschamnu: wir sind schuldig (Samson Raphael Hirsch. Tefilla. bemerkt hiezu richtig: eine solche Verschuldung, die eigentlich Verödung. FlCttC gänzlichen Glücksverlust verdient hätte), bagadnu: wir waren tückisch, gosalnu: wir haben geraubt .... wir haben gelogen, gehöhnt und uns empöhrt . . .. wir waren halsstarrig . . . „Du aber bist gerecht in allem, was uns gekommen ist. Denn du hast die Wahrheit getan, wir aber die Willkür.“ „Was sind wir? Was ist unser Leben, was unsere Güte? Was unsere Gerechtigkeit, was unsere Hilfe, was unsere Kraft? Was können wir sagen von dir? . . . Sind nicht alle Helden vor deiner Stirn wie ein Nichts und die Männer von Namen, als wären sie nicht gewesen, und die Weisen wie ohne Einsicht, und die Klugen wie ohne Verstand. Denn die Fülle ihrer Taten ist öde. und die Tage ihres Lebens sind ein Tand vor dir.“ . . ..Heute aber erhöhe uns . . .. mache uns stark . . ** Hiemit jedoch sind alle Bitten erschöpft, und eine höhere Steigerung ist nicht möglich. Nach dem letzten Abinu Malkenu tritt daher der sinnfälligste, heftigste Abbruch ein. der das geheimste Pathos des ganzen Tages enthüllt: die letzten Worte des langen Bitt- und Fasttages enthalten nämlich keine Bitte und kein^Gebet mehr- Sie stellen nur noch einmal, hart und stark, den Begriff des ..Ziels“, den Begriff der vollen Indealität. den Begriff des einigen Gottes über alles Menschliche und über alle Bitten hinaus, die längst unter ihm versunken und untergegangen siod. Alles bloße „Sinnen“, alles Bitten des Tages soll endlich überwunden, die Teschuba soll endlich verwirklicht werden. „Höre. Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig.“ so ruft der Vorbeter dreimai vor der geschlossenen Lade, und die Gemeinde antwortet dreimal dasselbe. Dann dreimal vom Vorbeter und der Gemeinde: „Gepriesen sei der Name seiner mächtigen Herrlichkeit in Ewigkeit“ Dann siebenmal der Karmel-Ruf. den dem Elia einst das Volk zurief: „Der Herr (allein), er ist der Gott.“ Dann wird noch ein Ton aus dem Schofar geblasen, und die Feier ist zu Ende. Damit aber, mit dieser erhöhten Rück- und Vollbesinnung auf den Begriff des Absoluten, ist auch der Prozeß, der in der Teschuba durchlebt wird, vollendet. Es ist dieselbe Tiefe der Bahn, wie sie merkwürdig gleich auch in der spinozistischen Ethik oder etwa in den Chabot-halbabot (Herzenspflichten) des Bachja i bn Pakuda durchkämpft wird: von der Erkenntnis der Macht und der Einzigkeit Gottes, gemessen an der Natur, durch alle Empirie hindurch zur Ahawat adonaj. zum amor dei intellectualis oder zum vollen Jicbud haschem des Jom-Kippur.

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