Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 38-39 (24.9.1919)
- Date
- 1919-09-24
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38—39 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 9 Standes für den bevorstehenden jüdischem Kongreß in Litauen auszuaibeiten hat Bis zur Einberufung des Kongresses ist einzig und allein die auf demokratischen Grundlagen gewählte Jüdische Gemeinde berechtigt, jüdische Schulen auf Kosten des Staates zu errichten^_ * Die Judenfrage m Rumänien. Die Frage der Minoritätsrechte im Vertrag der alliierten Mächte mit Rumänien, die entsprechend dem Vertrage mit Polen geordnet werden sollte, ist noch nicht gelbst. Die rumänischen Politiker mit Brat i a n u an der Spitze widersetzen sich der Unterzeichnung des Vertrages auf das energischeste und geben die Paragraphen über den Schutz der Minoritäten als Grund für ihre Weigerung an. indem sie erklären, daß diese Paragraphen, in die Hoheitsrechte des rumänischen Staates umgreifen. Von rumänischer Seite wird vorgeschlagen, die Frage des Schutzes der nationalen Minderheiten dem Völkerbund zu unterbreiten. Dieser Vorschlag zielt darauf ab. das Inkrafttreten der betreffenden Forderungen auf Jahre hinaus zu verschieben oder sich ganz über sie hinwegzusetzen. Das geht aus der Praxis der rumänischen Regierung mit großer Deutlichkeit hervor. Das neue Wahlgesetzt für Transsylvanien enthält trotz früherer Versprechen der rumänischen Regierung keine Erwähnung des Schutzes der Minoritäten. Für die rumänische Judenheit würde die Annahme •des rumänischen Vorschlages die größte Enttäuschung und eine schwere Gefahr für ihre Zukunft' rm Lande bedeuten. * Jakob Dlnesohn. Der bekannte jüdische Schriftsteller Jakob Dinesohn ist in Warschau nach kurzer Krankheit gestorben. Der Tod Dmesohns wird in weiten Kreisen des jüdischen Volkes tiefe Teilnahme hervorrufen. Der Verstorbene gehörte zu den populärsten Schriftstellern der jüdischen Literatur. Sein bekannter Roman Jweii Negef“ (Der Stein des Anstoßes), der vor etwa zwei Jahrzehnten erschienen ist. verschaffte ihm sofort eine große Volkstümlichkeit unter den Juden des Ostens und Amerikas. Während des Krieges nahm der Verstorbene hervorragenden Anteil an der Organisierung der Hilfsaktion für die Juden in Polen und hat sich ganz besonders auf dem Gebiete des Schulwesens hervorgetan. Die von ihm gegründeten Schulen, die sogenannten „Dinesohn-Schulen". versorgten Tausende von notleidenden jüdischen Kindern mit Unterricht. Kleidung und Lebensmitteln. Das Begräbnis Dinesohns gestaltete sich zu einer imposanten Massenkundgebung der Warschauer Judenschaft. ^Dit; Zahl der Teilnehmer wird auf 40.000 geschätzt. Parteien und größere Vereine waren vertreten. * Redakteur Hans Goslar ist wegen seiner Verdienste um das Zustandekommen der neuen Steuergesetze zum geheimen Regierungsrat und Vortragenden Rat im Reichsfinanzministerium ernannt worden. Goslar, der während des Krieges in Litauen mit der Reformierung des Zeitungswesens beauftragt war und später die Redaktion des volkswirtschaftlichen Teiles der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ übernahm, steht im 30. Lebensjahr und entstammt einer angesehenen jüdischen Familie in Berlin. * Jafia ohne Zeitungen. In Jaffa hat der Militärkommandant den Druckereien verboten, bis zum Erlaß einer neuen Vterordnung Zeitungen und Broschüren zu drucken und zu verbreiten. Aus diesem Grunde konnten während der letzten zwei Wochen in Jaffa keine Zeitungen erscheinen. Diejenigen Zeitungen, die eine spezielle Erlaubnis der Regierungen erhielten, haben wieder zu erscheinen begonnen. * Vom Joint Distribution Committee. Am 10. August hat in New-York eine Bundesversammlung des „Joint Distribution Committee“ stattgefunden zwecks Berichterstattung der . aus Europa zurückgekehrten Kommissionsmitglieder und Schaffung neuer Mittel für das Hilfswerk. Die Frage der Gründung einer Darlehensbank für die jüdischen Kriegsopfer ist ständig auf der Tagesordnung. Oe Zahl der hilfsbedürftigen Kriegsnotleidenden soll nach dem Berichte der Kommission mindestens 4 Millionen betragen und falls es dieser auf Grund des neuen Aufrufens gelingen würde, selbst 50 Millionen Dollars aufzubringen, so würde es noch immer nur \2% Dollar pro Kopf ausmachen. * Die Tätigkeit der Alliance. In der Alliance Schule in Damaskus, in der mehr als 200 jüdische Mädchen erzogen werden, hat die Leiterin ein Verbot erlassen, hebräisch zu sprechen, wie auch die hebräischen Abendkurse zu besuchen. Jede Uebertretung dieses Verbotes wird bestraft werden. (Chadshoth Haaretz.) * Palästinareisende. Mittwoch und Donnerstag abends ist eine größere Anzahl ausländischer Passagiere von hier nach Triest abgereist, von wo sie Sonntag, den 21. cL mit Dampfer „Gastein“ nach Jaffa abreisen. Die technische Durchführung ihrer Reise erfolgte durch die Jüdische Palästinareise- und Transport-Ges. m. b. H., 2. Bezirk, Praterstraße 9. Palästina-Bibliographie. Herr Prof. Dr. P, Thomsen, Dresden-A. 19, Kügelgenstraße Nr. 11, ersucht alle Verfasser von Heften. Büchern und Zeitschriften. Aufsätzen über Palästina, sie mögen, die von ihnen verfaßten Artikel und Werke in Belegexemplaren ihm für seine Palästinabiographie zur. Verfügung stellen, Bücher des R. LOW IT VERLAG Wien I., Fleisebmarkt 1. 5679/5680 Das Neue Land Eugen Hoeflich: Der Weg in das Land. Palästinensische Aufzeichnungen. Brosch. K 4.80 Geb. „ 6.60 Alfred Nossig: Zur Lösung des Palästina-Problems. Brosch. K 1.80 Max Rosenfeld: Soziale Steintafeln. Vorwort von Leo Hermann. Brosch. K —.72 S. Zemach: Jüdische Bauern. Geschichten aus dem neuen Palästina. Aus dem Hebräischen von D. Cemach. Brosch. K 7.20 Geb. „ 9.60 Kultur und Politik M. J. bin Gorion: Vom östlichen Judentum. Religiöses, Literarisches, Politisches. Geb. K 6-— Der Jude: Eine Monatsschrift Herausgegeben von Martin Buber. Jahrgang 1—3 komplett Geb. ä K 48.— Laufender 4 Jahrgang, viertelj. „10.30 Heinrich Margulies: Kritik des Zionismus. 1. Teil. Volk und Gemeinschaft. Brosch. K 1440 Geb. „ 19.20 Sigmund Mayer: Die Wiener Joden. Kommerz, Kultur, Politik (1700—1900). 2. verin. Auflage. Brosch. K 19.20 Geb. ., 24.— Rafael Seligmann: Probleme des Judentums. Brosch. K 14.40 Geb. „ 19.20 Ignaz Zöllschen: Revision des Jüdischen Nationalismus. Brosch. K 1440 Geb. „ 19.20 Literarisches Jakob Fingermann: Die Flucht aus Jerusalem. Brosch. K 4.80 M. J. bin Gorion: Vor dem Sturm. Geb. K 6.— J. L. Perez: Chassidische Geschichten. Brosch. K 1440 Geb. „ 19.20 Aus dieser und jener Welt Brosch. K 1440 Geb. „ 19.20 Unserer Jugend Martin Buber: Cheruth. Eine Rede über Jugend und Religion. Brosch. K 3.— Dr. Siegfried Bernfeld: Das jüdische Volk und seine Jugend. 2. Aufl. Brosch. K 8.40 Geb. „ 10.80 Jerubbaai: Eine Zeitschrift der jüdischen Jugend. Herausgeber Dr. Siegfried Bernfeld. 1. Jahrgang. Komplett Geb. K 30.— Irma Singer: Das verschlossene Buch. Jüdische Märchen. Geb. K 8.40 l In Vorbereitung Otto Ab el es: Dfe Genesung. Gedichte. Salo Baron: Die Judenfrage auf dem Wiener Kongreß. Urtel Birnbaum: Gläubige Kunst Gottes Krieg. Sonnette. Max B r o d: Sozialismus im Zionismus. Im Kampf um das Judentum. Heinrich Graetz: Geschichte der Juden. 3. Band. J. L. Perez: Drei Dramen. Meir Wiener: Messias. Drei Dichtungen. Palästina „Wir stehen ratlos . . .“ Die hebräische Tageszeitung „Chadaschotk Haarez“ beschäftigt sich mit der politischen Situation im Lande. Das Blatt schreibt u. a.: „Seit Monaten stehen wir ratlos and wissen nicht, welche Schritte wir unternehmen können, um unsere Aufgabe zu lösen. Unsere Blicke sind nach London und Paris gerichtet Wir vernehmen jeden Laut von Nah und Fern mit Unrafie und Besorgnis. Von auswärts erhalten wir andauernd ermutigende und hoffnungsvolle Mitteilungen, während die Tatsachen in unserer Umgebung in uns Gefühle tiefer Besorgnis und Verzweiflung hervorrufen. Dieser Zustand bedrückt uns und legt unseren Willen lahm. Wir müssen aus dieser Enge heraus, damit wir unsere Position aufklären und an die Arbeit gehen können.“ Nachdem das Blatt die Bedeutung der landwirtschaftlichen Arbeit hervorgehoben und eine intensive Betätigung anf «fiesem Gebiete gefordert hat, beißt es dann weiter: „Mögen unsere Kolonisationsbedingungen und unsere Rechte wie immer geartet sein — unsere kolonisatorische Arbeit durfte keinen Augenblick unterbrochen werden. Es war eine sch w ere Sünde gegen die Kolonisation, daß wir seit der Okkupation des Landes auf (fiesem Gebiete nicht einen Schritt vorwärts gegangen sind. Wenn wir auch unseren Bodenbesitz nicht vergrößern konnten, so standen uns doch größere bereits erworbene unbearbeitete Landstrecken in der Kolonie Chedera zur Verfügung. Wir besaßen in der Umgebung von Jerusalem viel Land, viele Gebäude und Pflanzungen, die wir unbenützt gelassen haben. Hier muß eine gründliche Aendernng eintreten. Land- und Bauernwirtschaft müssen das Zentrum unserer künftigen Politik sein.. Erfüllen wir «fiese Bedingungen, so wird alles andere den Weg der Entwicklung nehmen. Das Zionistische Aktions-Komitee hat die Pflicht, die notwendigen Institutionen zu schaffen. Für den Erfolg dieser Arbeit ist es notwendig, daß die Leitung ihren Sitz in unserem Lande nimmt. Man kann die palästinensischen Angelegenheiten nicht durch eine Verwaltung leiten, dieinLondon sitzt. Das Aktions- Komitee unserer Organisation wird unsere politischen Geschäfte führen. Es wird mit den Regierungen und Organisationen in allen Ländern in Verbindung stehen, es wird die Immigration organisieren, das Judentum nationalisieren, und es wird die Arbeit in Palästina kontrollieren und Bevollmächtigte in das Land senden. Aber die gesamte Arbeit des Jischub muß einem Institut anv er traut werden, das im Lande selbst seinen Hauptsitz hat Die Arbeit leidet und wird darunter schwer zu leiden haben, wenn jedesmal eine Genehmigung von London aus erforderlich sein wird. Trotz aller ausführlichen Berichte und Gutachten, die die verschiedenen Kommissionen nach London senden werden, wird man in London die Bedingungen nicht hinreichend kennen, um den richtigen Entschluß zu fassen. In London sollten nur die Grundlagen der Arbeit festgelegt und die Budgets bestätigt werden. Das leitende Institut aber muß in Palästina sein. Diese Leitung muß das Recht und die Möglichkeit haben, alle Interessen des Jischub vor der Regierung zu ver treten und im Namen sowohl der Zionistischen Organisation wie des Jischub aufzutreten. Diese Leitung muß aber auch eine einheitliche sein. Ans allen Kreisen im Lander kommt der Rul: Fort mit den Doppelverwaltungen! Im Lande ist kein Platz für eise besondere Paläsina-Komtnisr sion und ein besonderes Palästina-Amt. Wir brauchen eine Leitung und ein Amt. Die Hochschulfrage Dem Kopenhagener Zionistischen Bureau wird aus Palästina berichtet: Das kulturelle Leben in unserem Lande hat in letzter Zeit einen großen Aufschwung genommen. Zahlreiche Schalen hielten jetzt ihre Abschlußprüfungen ab. und nur im hebräischen Gymnasium in Jaffa haben die Prüflingen noch nicht stattgefunden. Die Frage der Abiturienten beschäftigt zur Zeit die leitenden Kreise des jüdischen Palästina im hohen Maße. Wir haben jetzt etwa 200 Abiturienten, die keine Möglichkeit haben, ihre Ausbildung fortzusetzen. Bei den gegenwärtigen Verkehrs- und Grenzschwierigfeeiten ist es so gut wie ausgeschlossen, den jungen Menschen Öen Aufenthalt in europäischen Universitätszentren zu ermöglichen. Nur etwa 20 jungen Leuten dürfte es gelingen, ins Ausland! zu kommen. Es ist daher bei uns das Projekt aufgetaucht. Hoch sehn Ikurse zu errichten, um den zahlreichen Abiturienten vorderhand die Möglichkeit zu geben, sich weiter fortzubilden. Die hiefür speziell gebildete Kommission, bestehend aus den Herren Dr. Eder, Dr. Lurie. Jellin und Dr. Rosenstem, hat bereits das Statut der Hochschulkurse ausgearbeitet. Die Kommission hat an die zionistische Zentrale in London den Antrag gestellt, bereite z» Beginn des nächsten Jahres. <L h. in etwa dra Monaten, Hochschullcurse in Palästina zu eröffnen und für diesen Zweck eine Reihe von Professoren und Dozenten nach Palästina zu entsenden. In die Verwirklichung dieses Projektes setzen di* Abiturienten große Hoffnungen. Viel gesprochen wird bei uns in letzter Zeit van der Universität Schon längst hat es in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Be-