Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 34 (22.8.1919)
- Date
- 1919-08-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 JÜDISCHE ZErTUNQ Nr. 54 'vsefeen Volkes verfangen sie. - unabhängig davon, wo sie leben,-d*e -Selbständigkeit Palästinas und für -dicJudeufeeit Syriens die Garantie Ihrer natio- aalen Reckte. - - Wie bereits gesagt, beschäftigt sich die arabische Presse in Syrien sehr lebhaft mit dem Besuch der amerikanischen Kommission. Der erwähnte Redakteur Achmed Kurd AU schreibt in seinem Blatte „Mtdctabas“: Syrien und Palästina bilden eine Einheit und können nicht -getrennt werden. Beide Länder haben eine gemeinsame Vergangenheit und müssen auch eine gemeinsame Zukunft haben. Beide Länder sind absolut arabisch, und wenn hie und da einige ihrer Söhne hebräisch sprechen, so ist. das nur eine künstliche, unnatürliche Erscheinung, genau so wie -einige von uns Französisch, Englisch, Deutsch, Persisch und Kurdisch erlernt haben. Neu. einge- - führte Religionen oder Sprachen dürfen nicht über ■das politische Schicksal von Syrien und Palästina entscheiden. Wir haben in Palästina Menschen, die hebräisch beten, genau so wie andere Menschen, die ihre Gebete in syrischer oder lateini- - 'scher Sprache sagen. Es ist unmöglich, auf Grund dieser toten Sprachen, deren man sich nur in den seltensten Fällen bedient, die nationale Politik der Gebiete festlegen Zu wollen. Man kann nicht mit 100.000 öder 200.000 Menschen rechnen, sondern die-Meinung und der Willen von 3 bis 4 Millionen Menschen muß entscheiden. Die alUierten Regief tihgen müssen sSdh nach der Meinung der Mehrheit richten, und diese große Mehrheit verlangt ”■ -von ihnen absolute Freiheit, um auf einer solchen Grundlage eine bürgerliche demokratische und Zentrale Regierung bilden zu können.“ 'Der ehr ist 11 che. Araber Chabib Keeholä, Redäkt'eiir des „Suria-Alglädida“ spricht die Erwartung aus, daß die amerikanische Kommission 'nicht zu dem Schlüsse kommen Wird, daß ■die Syrer' zu einer absolut selbständigen Verwaltung des Lahdes nicht fähig seien. Er bezweifelt, daß die Tatsache,, daß die Kommission ausschließlich von Amerikanern gebildet ist, in Syrien angenehm erapiünden werden wird. In einem anderen Artikel erklärt, die Zeitung, daß es drei Fragen sind, die die wichtigste Rolle in Syrien spielen: Die Frage des Zionismus in Palästina, die Frage . des Libanon und die Frage der nationalen MiriorijtiUen, Die Stellungnahme der Zeitung zum Ziomsüs ist leider wegen der zahlreichen weie h Z e n s ü r s t e 11 e n nicht zu ersehen. -Auch der Emir Feisa 1 nahm öffentlich Steilung zum amerikanischen Besuch. Anfang Juni kam er nach Aleppo, wo er mit königlichen Ehren empfangen wurde. Auch hier, wie früher in Damaskus, hielt er vor den Vorstehern aller Gemeinden und Notabein eine Rede, in der er das Volk zum Frieden und zur Eintracht auffoderte. Er sprach diesmal wie ein Lehrer und Berater: ■„Das Schicksal des Landes liegt in der Hand des Volkes. Das. Volk muß der amerikanischen Kommission den Beweis, erbringen, daß es fähig ist, seine Geschäfte selbst zu führen. Wird die Entscheidung eine ungünstige sein, so wird sich das Volk dies nur selbst zuzuschreiben haben. Es muß jetzt Einigkeit herrschen. Es dar! keine Frage geben über Mehrheit oder Minderheit (gemeint sind die ,christlichen und mohamedanischen Araber). Wir waren Araber noch vor Jesus und Mohamed und vor Abraham und Moses. Die Sprache ist unser EihheitssymboL Die Regierung, die sich, mit Hilfe einer der Großmächte bilden wird, wird die Hechte der Minderheit zu schützen wissen. Besonderen Schaden fügen dem Lande diejenigen Elemente zu, die die Ansicht vertreten, die Svrer .seien für eine Autonomie unfähig.“ Der Emir .schloß seine Rede,mitider Bemerkung, daß das Erste, was die syrische Bevölkerung nach der Abreise der interalliierten Kommission zu tun haben werde, sei: Alle bestehenden Vereine und Klubs für.Wissenschaft und Literatur zu interessieren, damit sie von der Politik ablassen. ■ =-■.■■■ - — 1 - '■■■ — ■ ■* — Merk's Bahr! Man schaut dir auf die Finger! Nicht an den Juden rühren, wo es um den Geist geht! Sie sind‘s. weiß Gott: nicht wert. Oder — sie sind Bahrs Wertung werk — dann umso ärger! Siegfried Schmitz. •* ' Dr. August Langmesser, Mose und Elia. Vert Iagsbuchhandlung Bethel, Wandsbeck, geb. 3 Mk. — .Die Erwartung, mit der man dieses Büchlein zur Hand nimmt, wird einigermaßen enttäuscht Bei dem Mangel an Monographien und für Bildungszwecke brauchbaren Darstellungen des Lebens und .Wirkens unserer großen Männer sind wir geneigt, auch bei" der christlichen Theologie Anleihen zu machen, die doch um einen Schritt voraus ist und deren Literatur mit entsprechender . Modifikation oft für unsere Zwecke verwendbar Ist Dr. Langmessers Buch ist aber ganz und gar nur für.christliche Lehrzwecke berechnet; es ist zudem in der Diktion recht nüchtern, zuweilen banausisch, voll bizarrer Stilblüten, der Größe des Stoffes nicht gerecht werdend. Wenn trotzdem insbesondere unseren lehrenden, selbständig urteilenden jüdischen .Menschen empfohlen wird, auch dieses Buch anzuschauen, so geschieht dies deshalb, weil in der Anlage, im Aufbau und Methode etwas Gelungenes steckt, das für uns, die besonders im Methodischen des Unterrichts in den ersten Anfängen stehen, von Wert ist Die fortwährenden Anspielungen auf das Christentum und die enge Verknüpfung mit christlichen Tendenzen müssen wir natürlich ausschalten; darum ist das Buch nur für Erwachsene und Lehrer geeignet, der Jugend kann man es nicht in die Hand geben. Auf gute Jugendschriften diesec Art müssen wir weiter warten. Vom Komitee äcr jüdisch«!! Deieeratlonett ln Paris Das Komitee ta Permanenz. ln vier Plenarsitzungen des „Komitees der jüdischen Delegationen“, die vom 35. J>is 28. Juli stattfanden, wurden die Vorschläge de? jüdischen Delegationen aus Rußland und der Ukraine bezüglich der zukünftigen Gestaltung und Tätigkeit des Komitees im einzelnen besprochen. Es wurde beschlossen, nach Sehluß_der Friedenskonferenz ein permanentes Komitee zu organisieren, das auf . einer breiteren Grundlage vor der Liga der Nationen und überall folgende vom Komitee formulier teZi ele vertret en soll: ‘ Zweck des Komitees ist Verteidigung der bürgerlichen, politischen un*d nationalen Rechte der Judender verschiedenen Länder lind ihre Weiterentwicklung; Verteidigung der jüdischen Bevölkerung gegen Pogrome, Ausschreitungen und U eher griffe; Mitarbeit bei der Organisierung der jüdischen Auswanderung; Zusammenarbeit mit . den jüdischen Hilfsorganisationen, insbesondere zwecks'. Wiederaufbaues des durch die Katastrophen des KriegesVerstörten ökonomischen Leböhs. Ergänzend wird dem Köpenhägfener Zionistischen Bureau noch berichtet; In seihen vier Plenarsitzungen von 25. bis 23. Juli beschieß das „Komitee der jüdischen Delegationen“} seine Tätigkeit trotz der Abreise einiger Mitglieder fortZüsetzen. Zur Zeit sind noch 18 Vertreter von Polen, Ukraine, Litauen, Rußland, Gstgalizien und anderen Balkanltaäten in Paris versammelt. In den letzten Tagen kam ein neuer Vertreter der - rumänischen Judenheit an; weitere neue Vertreter der Judenheit in Tschecho- Slowakien, Bukowina ritid Polen werden in den nächsten Tagen erwartet . lu seiner letzten Sitzung arbeitete das Komitee folgendes Programm für seine zukünftige Tätigkeit aus: 1. Beendigung der politischen Arbeit in bezug auf die für Verschiedene Länder noch ausstehenden Verträge mit. den alUierten und assortierten Mächten; 2. Verhütung, weiterer Pogromkatastrophen durch politische Schritte und Pressepropagandä; 3. Aktion für die Einberufung einer allgemeinen jüdischen Hilfskonferenz; 4. Vorbereitung des zukünftigen permanenten Komitees, das nach dem Schluß der Friedenskonferenz eingesetzt werden soll. Dieses permanente Komitee Soll die gleichen Aufgaben wie das. gegenwärtige Komitee erfüllen und die jüdischen Bestrebungen vor der Liga der Nationen und im aU- , gemeinen vertreten. Das - .Komitee, der» jüdischen Delegationen“ steht in dauerndem .schriftlichen . und telegraphischem Verkehr mit den abgereisteii amerikanischen Vertretern und den jüdisch-nationalen Organisationen aller Länder. Dr.- S a 1 k I n d, Mitglied der jüdischen Delegation aus der Ukraine, ist am 28. Juli nach Pa- 1 ä~St i n a äbgereisl. Dr. Salkind beabsichtigt, einige Wochen in Palästina zu bleiben RUNDSCHAU Der jüdische Kongreß Das „Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz in Paris“ besprach in seiner letzten Plenarsitzung eingehend die Frage des allgemeinen jüdischen Kongresses, Motzkin schlug eine Resolution vor, wonach das Komitee, der jüdischen Delegationen oder das an seiner .Stelle nach Schluß der Friedenskonferenz zu wählende Komitee einen allgemeinen jüdischen Kongreß einberuien soll, sobald die technische Möglichkeit zu dessen Veranstaltung vurkegt. Der Kongreß soll e:ne jüdische Vertretung mit demselben Programm wie das zu schaffende Komitee wählen, Motzkin berief sich auf analoge Resolutionen der jüdischen Nationalversammlung de.- Urkaine and des amerikanisch-jüdischen Kongresses Die Herren Rechtsanwalt Rosenbaum, Dr. S y r k i n, Dr. Salkind und Kaplan unterstützten den Vorschlag Motzkins, während mehrere andere Mitglieder des Komitees, darunter So ko low, Alein.ikoff und Pasmanik den Vorschlag zwar sympathisch begrüßten, aber Vorbehalte machten; Dr. Reich und andsge forderten eine genauere Präzisierung des Programms. Nach sehr lebhafter Debatte, in der die Frage des Kongresses von den verschiedensten Gesichtspunkten aus-behandelt wurde, wählte das Komitee eine Kommission, bestehend aus den Herren S o k o 1 o w, M o t z k i n, R e i c h . und Rosen bäum, zur Formulierung der Resolution des Komitees bezüglich der Einberufung des allgemeinen jüdischen Kongresses. Die Tragödie der polnischen Juden. Unter diesem Titel veröffentlicht der bekannte Publizist Dr. A. Charasch, der eine Autorität in osteuropäischen Fragen ist. in der „Neuen Züricher Zeitung“ vom 5. und 6. August (Nr. 1170 und 1174) einen Artikel, der zweifelsohne auch Ln führenden polnischen Kreisen weitgehendste Beachtung finden wird, zumal der Verfasser wäh- - rend des Krieges wiederholt mit Unzweideutigkeit und Schärfe für die polnische Unabhängigkeit eingetreten ist. Von den markantesten Stellen einige gekürzt wiedergegeben: Landesgrehzen Polens sehen einem Gefühl, tiefer Wehmut und Bangigkeit, dem Kommenden entgegen. Das Reich, kaum anf -die Bebte gestellt, legt eine gefährliche Ländergier an den Tag! .Auf der ändern Seite sollen die auf den Ruinen der einstigen Staatlichkeit neu errichteten Mauern mit jüdischem Blut gekittet werden— wie.zu Zeiteir des ägyptischen Pharaos! . . Der polnische Pögr orb-Orkan, der ohne ein Ende nehmen zu wollen, wütet und eine jüdische Änsledluhg nach der. anderen verschlingt, übersteigt auch die höchsten Rekordleistungen der berühmt gewordenen russischen Pogromhorden, die das europäische Gewissen aufs, tiefste verletzt und lange Jahre irii Banne gehalten haben. Die Taten der polnischen schwärzen Helden zeichnen sich aus durch ihre Brutalität, gepaart mit jenem polnischen Raffinement, das in der Welt sprichwörtlich geworden ist . , . Ein weiterer Zug, den die unaufhaltsame polnische Pogromwelle aufweist, ist daß ihre Antreiber polnische Legionäre. Soldaten und Offiziere sind. Und was dieses düstere Bild bedenklich einrährht, ist, daß alledem die Führer der polnischen Nation im besten Falle ganz teilnahmslos gegenüberstebeh, gar oft aber sich ihre repräsentativen Geister zu Mitverschworenen derschweren Verbrechen an der Humanität und der Entweihung der Glorie Polens machen. Es ist züih verzweifeln und bildet die flammendste Anklage, wie-Männer, deren Wort auch irrt Getöse von heute noch etwas wiegt; sich in Schweigen hallen . . . Um die Anklagen zu entkräften, schicken die Polen zunächst .ihre Dementiergeschütze Ins Treffen; indes, diese haben keine Z-ugktäft mehr - . . Sodann stfÖVen die wirklich SÖhuldigen, ühd es ist bereits Schablone geworden, den Juden herbeizuziehen, der »bald die Lebenshaltung verteuert, bald. Polen ah die Deutschen (früher natürlich äh die Rüssen) verrät, bald Bolschewik ist, meistens aber alle drei unehrenhaften Eigenschaften und hoch andere mehr verkörpert . . . Was vollends die Bequeme Formel: Jude gleich Bolschewik aiilangt, So bedienen sich die Polen auch hier einer Zeitgemäßen Zielscheibe; über den Reinwäscbern wird es auch bei vollkommenster Taschenspielerkünst nicht gelingen. glauben zu machen, daß die hingeschlachteten Männer, Frauen, Greise und Kinder samt und sonders Lenins Jünger waren. Die Juden nehmen einen ansehnlichen Anteil an der bolschewistischen- Bewegung; freilich, von dieser Feststellung bis zur Identifizierung von Judentum und Bolschewismus ist eine weite Distanz! Aus den jüdischen Reihen -ist bereits mancher Kämpfer und Rächer wider den Bolschewismus erstanden. . . Die polnischen Führer sollten ihre vöii alt- .'ererbten Vörüf teilen belastete Taktik aufgeben und nicht verlangen, daß die Gleichberechtigung flet Juden An. die Voraussetzung ihrer nationalen Eütäußerung geknüpft werde. Nehmen doch selbst fernste Polen, die sog. „Pbfen jüdischen Bekenntnisses“. die Hefrert Nätänsön, Dickstein iind Konsorten nicht erbst die s. Z. zu Stolypin, dein Würger aller russischen Völker, nach Petersburg pilgferten. um ihn zu beschwören, den Juden Polens keine ÄutonomierecHte zii ‘ oktroyieren und die neulich auch 'einen Bittgang,..diesmal natürlich hftfci Päris unternähmen; wo def-SfervilisnuiS sich aber eine kräftige Schlappe zügezogen Hat ... Polnischer Weitblick sollte nun die jüdischen Narren eines Besseren belehren: die nationalen Rechte sind heute eine ElementafördnUng, die nichts verhindern kann., sich ‘ durchzusetzeti. Und aiff der anderen Seite Bilden sie keinesfalls die Geiähr eines Staates im Staate, vielmehr sind sie geeignet, dem nationalistischen Hader die Spitze abzubrechen und einen Ausgleich herbeizuführen, unter welchem Polen erst gedeihen und sein Stern erstrahlen wird; Die Progrome in der Ukraina. (n Odessa ist ein jüdisches Sammelbuch „Die Zeit“ erschienen, welches den Opfern der Pogrome in der Ukraina .gewidmet ist. Außer den schon bekannten Angaben über die Pogrom« in Berditschew, Jitomir. Proskurow, Feistin usw. sind in dieser Ausgabe vorgekommen sind. Die größten davon kamen in jenem Teile der Ukraina vor, der zum Schauplatz der Aufstände der gewesenen bolschewistischen Anhänger öregoriew und Ze’.eni gegen die Rätemacht wurde. Das erwähnte 'Sammelbuch beschreibt Szenen, die an das siebzehnte Jahrhundert erinnern. Es stehen große Dörfer auf. bewaffnen sich mit Hacken, Sensen und Heugabeln und werfen rieh auf die umliegenden Städtchen, die von Juden bewohnt sind, um deren Bevölkerung einfach abzuschlachten. Es ist leider zu verzeichnen, daß ein bedeutender Teil der ukrainischen Intelligenz sich an diesem Blutbade beteiligt. Unter schrecklichen-Martern werden die Opier . zu Tode gequält. Au! diese Weise sind in Jelissawetgrad 3000 Juden ermordet, in Tscherkassi zirka 2000, in Radomisl 1000, in Kriwoje-Osero 700, in Haissi* 500, in Litin über 400. In einer ganzen Reihe von Stätdten ist eine . Opferzahl von 20 bis 200 zu verzeichnen. In manchen Orten ist die ganze jüdische Bevölkerung ausgeschlachtet, z.‘ B. in Medschibosch, Kublisch, Alexandrowka, Jabokritsch. In anderen größeren Punkten ist es infolge Kommunikationsschwierigkeiten nicht gelungen, die Zahl der Opfer festzustellen, die aber dort sehr bedeutend sein so’L Darunter ist Uman, Krementschug, Balta, Wassilkow. Zwenigorodka.' Eine jüdische Kolonie Bobn ist so vollständig abgeschlachtet, daß von ihrer ganzen Bevölkerung nur eine mit 5 Kindern lebend geblieben sind. Die allgemeine Zahl der Opfer in der Ukraina bestimmt mit Zehntausenden anzuseien hier. Jenseits der ist seine Freunde mit nehme».