Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 34 (22.8.1919)
- Date
- 1919-08-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 34 größerer Spielplätze, wo sich die Kinder nach der S'!.'Sch'ulzelt,t vrjn’ 4.?brs -8 Uhr aüfhalten sollen. *;-Bei EKsddechtem* Wetter sollen sie-in speziell. dazu er- richteten Bä r äck en* spielen. Dem' Verein wird ‘‘ von der'jüdischen Bevölkerung.große Sympathie - entgegengebrächt;" er* erhielt zahlreiche Spenden.; Lebensmltteipreise in Jerusalem. Die Lebensmitteipreise sind in Jerusalem in der letzten ZsLt gestiegen. Das Kilo "Mehl ist von 2 Frs. auf Frs. 3.25, das Kilo Zucker ' 7 Von Frs. 3.50 au! Frs.6.— (auf Zuckermärken) ge- ’’ .stiegen. Ohne Zuckerkarten kostet das Kilo Zucker 5 Frs. 7.50.Dagegen ist der Preis für.Petrol eiim sehr gesunken, da die* Regierung große Pe- , trolejunmengen zur Verfügung gestellt hat ln Jerusalem erscheint eine neue hebrä- ...ische Tageszeitung unter7,dem Namen „Doar Hayom“. # : Kleine Nachrichten * Die Banken fast aller an der Levante ' interessierten Länder, rächten jetzt ihr Augenmerk v auf Palästina. Neben den bisher; schon bestehen-- den Banken arbeiten gegenwärtig noch die Anglo- , Egyptian und die Banca.di Roma mit Filialen in i: Jaffa und Haifa. Es verlautet, daß zum Credit Lyonnais, der schon seit langem in Palästina bei „steht, noch eine andere französische Bank hinzu- - kommen-werde.. Auch , eine griechische Bank . schreitet zur Errichtung einer Filiale in Jerusalem, n Die Firma Boulton &- Co. eröffnet ein Kontor in . Haifa. , 7 < : Die Häfenvon Palästina werden r Jetzt regelmäßig angelaufen werden; von einer , englischen, Schiffahrtslinie, von den jetzt Italien , gehörenden Schiffen des früheren österreichischen .--Lloyd, den Schiffen der national griechischen und; der ägyptischen Linie. Binnen.kurzem sollen auch ’ -r die „Messageries maritimes“ einen Schiffahrts- dienst mit Anlauf palästinensischer und syrischer .. .Häfen eröffnen. > . . Die Realschule von Haifa macht ständige Fortschritte Sie hat ‘gegenwärtig, bei- :; nahe 300 Schüler, Die Schule ist jedoch derzeit noch in schlechten Lokalitäten untergebracht, da; das hiezu bestimmte. Gebäude noch für andere , Z\yeeke|benützt wird, ' " Eine neue hebräische Tageszeitung beginnt demnächst in Jerusalem unter dem Namen ,,Duar -' Hajom“ (Tagespost) zu erscheinen, für die bereits durch große Maueranschläge Reklame gemacht :' wird. ' ■- Amerika oder' England als Mandatar Palästinas. / . Der „Times“ wird telegraphiert, daß man in 7 P ä r i s die amerikanische Kommission erwartet,-’ 7 . die7 in Syrien und Palästina Untersuchungen über die Wünsche der dortigen Bevölkerung anstellen sollte, Erst nach Berichterstattung dieser Kom- . 7 mission.wird man sich mit der Fr äg.e der Ver- . t e i 1 ün g' d e r, M a ii d a t e , Lm. 0 r. i e nt. beschäftigen. Im ällgemeänen hängt die. Lösung , stark davon ab, ob . A rn e r i k a sich entschließen wird, ein Mandat üb er. Armenien und Kon- , stantinopel änzunehmen. Es wird behauptet, 7 -daß der Bericht der amerikanischen Kommission dahingehend lauten werde, daß die.Bevölkerung von.Syrien und Palästina, Ame- . rika als Mandatar wünscht, und falls , Amerika ablehnen sollte, England zu wählen. Die 7 französisch© Presse tritt mit der Beschuldigung 7 hervor, daß diese Stellungnahme der syrischen und palästinensischen Bevölkerung das Resultat , der von englischen Agenten geführten Propaganda SOl 7, i . Der „Times,,-Korrespondent in Kairo meldet: Ans Syrien angekommene Personen berichten über das Resultat der Nachforschungen der amerikanischen Kommission: Eine große Majori tätder Einwohner der syrischen > Dörfer verlangt absolute Selbständig- . JÜDISCHE ZETTUNO keit Falls dies unmöglich sei, verlangen sie ein amerikanisches} Mandat oder . wenigstens' ein englisches}.weigerp sich jedoch unter die Kontrolle irgend einer ändeün Macht'zukommen. Beirut, Libanon und ein' Teil der Bewohnen, der Meeresufer erklärten. sich mehrheitlich für ein französisches Mandat, was auch die Majorität der Katholiken wünscht, während diei Anhänger der orthodoxen Kirche teils für Frankreich, teils für E n g l an d sind. Außer der jüdischen Minorität ist in Palästina niemand für denZfonismus. Palästina wünscht im allgemeinen Amerika oder England als Mandatar, die Mohammedaner ziehen England, die Christen Amerika vor. Falls Palästina unter das Mandat einer der zwei anglo- .sächaschen Staaten kommen sollte, wird dieses ein starkes Argument dafür bilden, daß dieselbe Macht auch das Mandat über den übrigen Teil von Syrien, außer Beirut und Llbanau. erhalten solL Die amerikanische Kommission in Palästina ' Dem Kopenhagener Zionistischen Bureau wird aus Palästina berichtet: Der Besuch der amerikanischen Sektion der interalliierten Kommission, worüber bereits berichtet wurde, hät in das gesamte politische Leben des Landes einen neuen Schwung gebracht Die amerikanischen Herren haben mit den verschiedenen Kreisen und Parteien der gesamten Bevölkerung engste Fühlung genommen. Sie besuchten verschiedene Institutionen und empfingen zahlreiche Deputationen in Judäa und, Galiläa. Zur Zeit halten sie sich in Damaskus auf. Anfangs wären wir ein wenig im Zweifel, ob die Haltung gewisser jüdischer Kreise in Jerusalem den jüdisch-nationalen Wünschen entsprechen werde. Es hieß nämlich, daß orthodoxe Elemente die Absicht geäußert hatten, bei ihrer Besprechung mit der amerikani- * sehen Sektion Sonderwünsche der Orthodoxie vorzntragen, von denen man befürchten konnte, ■ daß sie eine Schwächung der Forderungen der gesamten Judenheit zur Folge haben werden. Erfreulicherweise haben sich diese Gerüchte als unbegründet herausgestellt. Die Vertreter der sefardicshen wie der aschkenasischen Juden trugen der Kommission ihre Wünsche mit größter Würde und nationalem Stolz vor. An der Spitze der sefardlschen wie der aschkenasischen Juden trugen der von Saloniki, Rabbi Jacob Meir, der die Kommission mit einem Segensspruchbegrüßte und die Forderungen der historischen Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina in hebräischer Sprache vortrug. Seine Rede wurde ins Englische übersetzt Die meisten Fragen, die der Vorsitzende der Kommission an die Deputation richtete, bezogen sich auf die kommende jüdische Immigration und auf die gegenseitigen Beizehungen zwischen den Juden.imd den anderen Bevölkerungsteilen. Nach der sefardlschen Deputation fvufde die aschkenasische. mit Rabbiner Chaiin Sonnenfeldan der Spitze von der Kommission empfangen. In einer Sitzung der Provisorischen Exeku t i ve berichtete Dr. Eder über die Empfänge der Kommission in Galiläa. Die griechisch-orthodoxe Deputation erklärte, daß die Juden dem Lande großen Nutzen gebracht haben und eine Masseneinwanderung von Juden erwünscht sei. Auch die arabisch-mohamedanis.che Deputation in Nazareth bekundete vor der Kommission eine günstige Stellung gegenüber den Juden, und mehrere Vertreter der Dorfgemeinden des Kreises Haifa sprachen sich •gleichfalls.zugunsten einer jüdischen Immigration, aus. In Jndää haben rieh die arabischen Deputationen teils günstig teils neutral znr Judenfrage verhalten. Herr Braunstein berichtete bef einer Versammlung in Saphed über die Empfänge der Vertreter ans dem oberen und unteren Galiläa dnreh Seite 3 -■ —-1 - - ■ ...^— die amerikanische Kommission in Nazareth. Ans dem Bericht ging , hervor, daft eine große Anzahl nichtjüdischer Vertreter die großen, Verdienste der jüdischen Immigranten für die ökonomische und kulturelle Entwicklung des Landes betont haben. Viele von ihnen baten die Kommission, für eine große jüdische Ansiedlung einzutreten und betonten, daß sich, die arabische Masse den Juden gegenüber freundlich verhält Hinsichtlich der Memoranden arabischer Einwohner, die sich gegen die Juden richteten, erklärten sie, daß es sich um Aktionen unberufener Einzelpersonen handelt die im Gegensatz zu den Interessen des Landes eine antijüdische Propaganda entwickeln. in sämtlichen Kolonien ist die Kommission feierlich begrüßt worden. Besonders feierlich gestaltete sich der Empfang in Ri sc hon-le- Zion, an dem sich Vertreter der indäischen Kolonien, -führende Persönlichkeiten aus Jaffa und Jerusalem und die Vertreter der Zionistischen Palästina-Kommission beteiligten Nach dem Empfang fand ein Frühstück im Palmengarten statt Die Amerikaner betonten, daß sie einen guten Eindruck von den jüdischen Bauern gewonnen hätten. In Sichton jakob unterhielten sich die Amerikaner besonders eingehend mit dem Leutnant Aaronsohn (Bruder des verstorbenen Agronomen), der in englischer Sprache einen erschöpfenden Bericht über die Leistungen der jüdischen Kolonisation gab. Der Besuch der Kommission in D amash as hat die dortige Bevölkerung in starke Erregung versetzt In Syrien machen sich mehrere politische Tendenzen geltend, namentlich in Bezug auf die Protektoratsirage. Die einen wollen ein autonomes Sy r len, unabhängig vom Hedschas, haben. Andere erklären,* Syrien könne ohne das Protektorat einer Großmacht unmöglich existieren Und wieder andere verlangen die Vereinigung Syriens und des Hedschas. Der Redakteur der arabischen Zeitung in Damaskus „Muktabas“, der christliche Araber Achmed Kurd Ali, wurde in einer Versammlung verprügelt weil er einen Artikel mit der Ueberscfirift „Syrien unter dem Protektorat einer Großmacht“ veröffentlicht hatte. Ein eifriger Gegner jeden Protektorates ist Ibrahim Hilmi, der Redakteur des „Lischan-el-arab“. der wegen eines Artikels bereits zu einer Geldstrafe von 100 Pfund verurteilt wurde und. jetzt wegen seiner aufreizenden Tätigkeit vor ein Kriegsgericht gestellt werden solL Gleich nach Eintreffen der Kommission in Damaskus erschienen Plakate auf den Straßen in arabischer und englischer Sprache mit den Aufschriften: „Wir, verlangen eine absolute Autonomiel“ Am nächsten Tage forderten berittene arabische Polizisten die Entfernung dieser Plakate^ Der Sekretär der amerikanischen Kommis- . sion stattete sofort nach deren Eintreffen in Damaskus dem Chacham Baschi einen Besuch ab, um mit ihm gemeinsam die Reihenfolge der Deputations-Empfänge festznsetzen. Am Frettag, den 29; Sivan wnrde die Deputation der Jüdischen Gemeinde in Damaskus von der amerikanischen Kommission empfangen. Die Ausführungen des Advokaten Josef A b a di (Mitglied des Stadtrates) und des Chacham Baschi machten einen günstigen Eindruck auf die Mitglieder der Kommission. Die Unterhaltung drehte sich ln der Hauptsache um das Verhältnis zwischen Syrien und Palästina, Der Vorsitzende der amerikanischen Kommission bemerkte, daß die Jaden die einzigen seien, die die Trennung Palästinas von Syrien fordern. Die jüdischen Vertreter erklärten, daß sie als Bewohner Syriens, für die Wünsche ihrer' Landsleute volles Verständnis haben, aber als Juden die Trennung Syriens von Palästina verlangen. Herr Abadi führte aus, daß Palästina niemals mit Syrien vereinigt war. Selbst unter dem türkischen Regime bildete Palästina einen besonderen Administrationsbezirk. Ais treue Söhne des iüdl- Literatur Hermann Bahr: Die Rotte Korahs. Roman. 1919. S. Fischer. Verlag Berlin-Wien. Wieder einmal ein schon zur jährlichen Erscheinung gewordener ..österreichischer. Roman“ Hermann Bahrs. Nach dem vergeblichen Kulturgetue über österreichische Schauspielerei, Malerei, österreichischen Katholizismus, österreichische Zukunft (wer lacht?) in den früheren Romanen ..Die Rahl“, „Drut“. .,0 Mensch“. „Himmelfahrt“ e tutti , quanti nunmehr ein Buch, in welchem über alles, •. was gut und teuer ist. mit der verfetteten Grazie ,■ dieses alten Neuösterreichers geredet wird. Unendlich geredet Die Angelegenheit wäre nicht - einer Widerrede wert.: hätte Bahr nicht mit bewunderungswürdigem Konstruktionssprung ein Spezialgewürzkörnchen Rassengerede hineingetan, auf den sich der papierene Fünfhundertseiten- . gedankenbau „grundgedanklich“ türmt. . ,... Also — da ist ein jüdischer Kriegsschieber katexochen, früher Theaterdirektor (in der „Gelben Nachtigall“, die ein gewisser Hermann r Balir schrieb, als er auf dem Markt der literarischen Eitelkeiten noch jugendlichere Reize, daher . weniger aufdringliche Schminke geben konnte. war‘Jason eine ergötzliche Type). Selbiger Jude - Jason hat sein Blut in altösterreichischen Beamten- adel verpflanzt (linksherum natürlich) und der Sproß dieser Verbindung wird durch Erziehung Sohn eines Barons Drzic (Typus „Feschak“). Eben dieser Ferdinand von Drzic erfährt durch ein Millionentestament Jasons, daß er Jude von Geburt ist Tadelloser Seelenkonflikt Der Mann ' zwischen den Rassen. Darüber perorieren Tagebücher — umständ- <: lieh und im Wiener Dialekt bahrischester Prägung: ein Streberantisemit: ein Chirurg, der seine Bauernabstaimnung hochhält und nebenbei in Großadeiskreise Kuckuckseier legt, wofür diese Kreise ihn mit Sprößlingen beglücken (es scheppert furchtbar. Bahr, es scheppert greulich!): ein großväterlich abgeklärter Beamter, der einmal den armen alten Grillparzer mit seinem Besuche behelligt hat (merkst de was? Oesterreichische Knlturkontinuität!); ferner der Rassenmischling selbst und in dunkeliüdelndem Gegenakkord ein zionistischer Arzt. Dieser legt den alten, wieder einmal gut gefundenen Satz hin (Bahrs Geistigkeit ist stets von irgendeiner Altkrambodenkiste bezogen): „Bis ein Jud in Ihre (d h. die christliche) Gesellschaft kommt, ist er längst keiner mehr!“ Sie (die Nichtjuden) kennen nur die Rotte Korahs. ..Das ist das einzige, was sich heute in Europa von den Juden sagen läßt.“ Diesen und ähnlichen Menschen und ihren Reden soli'das geistige Phänomen: Oesterreich aufgezeigt werden. Habeat sibL .Die Sache geht gut aus. wie Bahr stets ein unberufen „glücklich Oesterreich“ beredet. (Die Historie hat, Gott sei Dank, mehr Geist gehabt) Ferdinand von Drzic nimmt sein Erbe, das an Geld und das an Blut, hochzeitet und geht in die Stille. Nach Oberösterreich oder sonstwo hin in die liebe Provinz. Denn über Rasse und Erziehung steht ein alles verbindender Geist. Der österreichische Geist. So weit ganz schön, meinetwegen. Leider ist dieser Geist, von dem Bahr schwärmt so gar nicht faßbar und iühlbar. Die rassenverbindende Geistigkeit Wiens ist eine Art Tiara des Saitaphernes, Antiquitäteniälschung, mit der sich angesichts der spezifischen Geistigkeit des Wieners, die sich seit ie üngeistisr geäußert hat nicht viel Staat raachep läßt Und die geistige Kulturkontinuität in einer Sphäre beschränktester Dummheit zu erweisen, dürfte etwas schwer fallen. Was jedoch den ..geistigen Judenpunki“ betrifft, so krankt die Sache daran, daß. sind die Juden in Europa wirklich die .JRotte Korahs“. ihr „Salz“ nur dann hier unentbehrlich ist. wenn Europa selbst den Geist der Rotte Korahs. den der Ueberheblichkeft und der Gleichmacherei, der Skepsis und der Eigenbewur.derung. nötig hätte. Dann freilich schade uni Europa. Es ist jedoch anzunehinen, daß Europa diesen Geist so hochgezüchtet hat. daß die Juden es nichts lehren können. Nur sie selbst könnten Schaden nehmen durch eine „verbindende“ Mission. Daher tut reinliche Scheidung not. gerade heute. Und zuallererst im Geiste. Nein, Hermann Bahr, in diesem Buche ist nicht einmal ein Flächenschnitt durch eine österreichische ..Mischkultur“ getan. Auch nichts Wienerisches gegeben (nicht einmal der Dialekt), weil zufälligen.Einzelerscheinungen dem. was sich vor zwei Generationen in Wien als Geist da i«id dort meist unbeachtet manifestierte, bleiben :.<t Wirkung zugeschrieben wird. Eine solche Wirkung kann nicht vorhanden sein in einer Stadt, welche Macht des Geistes zur Mache, ihre eigene Schönheit zum Verein für die Hebung des Fremdenverkehrs. sich selbst zur Großstadt, ihre Kunst zum Tratsch, ihre Meinung zur Presse und ihre Juden zu einem für die sogenannte Entwicklung notwendigen Uebel herabgewürdigt hat. Und wenn nun einer kommt und sagt, diese hier notwendigen Juden seien gar nicht di© wahren Juden —. dann ist das Spiel mit dem einzigen, was die Menschheit an Wert hat. mit dem Geiste» nicht mehr Spiel, sondern Frevel. I i