Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 32 (8.8.1919)
- Date
- 1919-08-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 JÜDISCHE ZEITUNG .Seite & J. U. C- Kurt Skutezky, derdie heutige-Bewegung der jüdischen Wiedergeburt mit den Zeiten der Makkabäer, verglich, trug der Bläser? ■ 'Chor'der Wiener Hofoper ein stimmungsvolles Tonstück vor. Frau Anitta Müller rle die Versammlung , auf, sich in; den Dienst der Sache zu stellen, welcher Theodor Herzl sein Leben geweiht hatte und bezeichnete jeden Juden, der fürderhin abseits stehen wolle, als Hochverräter. Hierauf hielt Dr. Chaim Tartakower - vom Häpoel Häzair eine hebräische Ansprache, in der er das Aufleben unserer heiligen Sprache Altneuland schilderte. Sodann warf der Sekretär des Palästina-Amtes, Dr..Egon Zweig, einen historischen Rückblick auf das Leben Herzls, und legte dar, daß, seine Meinung von Ziel und Mitteln der zionistischen Bewegung ihre Verwirklichung gefunden haben, und daß auch die Beschlüsse der Partei über den Aufbau Palästinas als.eines von sozialer Gerechtigkeit erfüllten Gemeinwesens den Idealen des Me.isters entsprechen. Dr. Emil S t e i n, als der Leiter des Palästina- . Amtes, ergänzte diese Ausführungen dahin, daß, unbeschadet der günstigen Gestaltung der Palästina-Sache im Rate, der Völker das Schicksal unseres Volkes in erster Reihe an. die eigene rastlose Arbeit geknüpft sei. : Die bisherigen, politischen Ausführungen, wurden min durch künstlerische Darbietungen abgelöst. 'FrL, Mirjam Schnabel rezitierte eine Reihe von Dichtungen, von denen besonders eine Stelle aus den Propheten, welche die Schaffung des Völkerbundes unter ItfFative, der Juden vorherkündöte, eine packende Wirkung ausübte Auch die Vorlesung Eugen Hoefiichs aus .seinem Skizzen-Zyklus „Der Weg in das Land“ weckte lauten Beifall. ' Hierauf ergriff .Benno Straucher das Wort., Er verwies auf seine durch Jahre fortgesetzten Bemühungen in den parlamentarischen “Vertretungskörpern Oesterreichs, um das Wohl der verfolgten Juden, die gerade, jetzt in der polnischen Hölle ärger als je schmachten, und verwies auf Palästina als das Land der Rettung. Den Abschluß der mächtigen Palästina- Kundgebung b:ldete die Rede Dr. Israel Waldmanns, .welcher ausführte, wie Herzl die Juden aus ihrer seelischen Zerrissenheit herausführte, «nd sie durch die Verpflanzung nach Palästina.zu ganzen, aufrechten Menschen gemacht hat. Der Hochschulausschuß hat sich durch diese Veranstaltung, welche durch die Massenhaffigkeit ihres Besuches und die begeisterte Stimmung des Publ'kums ihresgleichen suchen muß, um die zionistische Sache ein hohes Verdienst erworben. Eins zionistische Bibliographie.; Zionistische Akademiker undAkade- . -.mii-k er innen! Unser Volk durchlebt . jetzt; eine Periode seiner Geschichte, die spätere Historiker als den Beginn einer neuen Zeit-rim vieltausehdjährigen Sein unseres Volkes bezeichnen werden. Es ist eine Zeit der größten Aktivität, des Tuns und ■ nicht des rückblickenden Erfassens und Ergründens der Geschehnisse. Gleichwohl können Wir nicht achtlos an der Tatsache vorübergehen, daß das Material, das der Politiker, der Historiker und der Philosoph jn der Gegenwart schon, mehr aber noch; in der Zukunft brauchen werden, unwiderbringlich verloren geht, wenn es nicht gesammelt w’rd, oder daß es zumindest unverwertet, also fruchtlos bleibt, wenn es nicht in einigermaßen leicht zugänglicher Form bereitgestellt wird. , Diesem Mangel, der ein Uebel werden kann, abzuhelfen, haben sich die Unterzeichneten vorgesetzt und rufen die zionistischen Studenten und Studentinnen zu werktätiger Mitarbeit auf. Wir wollen unsere Arbeit damit beginnen, daß wir, wenn sich die nötige Zahl von Mitarbeitern zur Verfügung stellt, zunächst einen Katalog (Zettelkatalog) aller zionistischen Themata anlegen, die irgendwann in uns erreichbaren zionistischen (jüdischen) Zeitschriften. Zeitungen, Büchern, Broschüren usw. behandelt wurden. Dieser Zettelkatalog wird dann die unersetzliche _ Grundlage für eine umfassende Geschichte unserer Bewegung sein können, ebenso, wie er für jede zionistische Monographie ein unentbehrliches Hilfsmittel darstellen wird. Schließlich wird er unter günstigen' Verhältnissen zu einer .Enzyklopädie des Zionismus ausgestaltet werden können. . Im Anschluß: daran wird , allmählich die Anlage eines zionistischen Archivs in. Wien angestrebt werden müssen. _ Es erübrigt sieb, Akademikern . die Bedeutung und den Wert, sowie die.driugende Notwendigkeit dieser Arbeit klarzuiegen. Aber sie kann in absehbarer Zeit nur dann verwirklicht» werden, wenn mindestens 30 bis 40 zionistische Akademiker, sich, freiwillig in den Dienst .der Sache stellen. Als Arbeitsraum ist vom lüdischen Hochschuläusschuß der große Sitzungssaal zur Verfügung gestellt worden, die Arbeitszeit (zwischen 8 Uhr vormittags und 8 Uhr abends) bleibt den Mitarbeitern je nach ihren Möglichkeiten freigestellt. Die Arbeit wird, wie wir hinzufügea wollen, nicht nur der Sache nützlich. sondern, auch dem einzelnen Mitarbeiter interessant und dienlich und dabei leicht und nicht anstrengend sein. Wir rechnen auf die Opferfreudigkeit unserer 'Kommilitonen und erbitten Anmeldungen (mündlich oder schriftlich) an das Sekretariates Zionistischen Landeskomitees, für Deutschösterreich. ,3I.,r Zirkusgässe'33.'""' JakobWeiner.;; Dr. Rehj# WMt*c*. Eine Zionisten-Steuer ln Deutschland. Die.Zionistische Vereinisu.ng für Deutschland. deren Etat: für das Jahr 1919 auf Mk. 250.000 festgesetzt worden ist, hat beschlossen, diesen Betrag, sowie Mk. 350.000, die als Beitrag der deutschen Zionisten zum Palästina- Aufbaufonds vorgesehen sind, im Wege einer allgemeinen Besteuerung aller deutschen Zionisten aufzubringen. Die Steuer wird in fünf Stufen zu Mk. 60, 120, 250, 500 und 1000 und mehr erhoben. Die Pflicht zur Zahlung beginnt für das dritte Quartal 1919. . ' Jeder deutsche Zionist ist also in Zukunft verpflichtet, eine Zionistensteuer in Höhe von mindestens Mk. 60 pro Jahr zu entrichten, wobei vorausgesetzt wird, daß jeder, der dazu imstande ist, einen den höheren Stufen entsprechenden größeren Beitrag leistet Die Steuer soll vierteljährlich erhoben werden. Alle anderen Sammlungen (Zentraifonds, Schulwerk. Propagandaionds usw.) fallen fort Besteheu bleibt rieben der Zionistensteuer lediglich der Landesbeitrag und der Beitrag an die Ortsgruppe. Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. richtet an sämtliche Ortsgruppen und Vertrauensmänner die dringende Aufforderung, sich mit ganzer Kraft der Einziehung der Zionistensteuer "zu widinen und damit sofort zu. beginnen. Künstlerische Ausbildung von Gewerbetreibenden für Palästina. Zur Gründung solcher Kurse fand Mittwoch, den 30, Juli, über Einladung des Wiener Palästina-Amtes unter dem Vorsitz von Dr. Emil Stein eine Besprechung statt an der die Herren Akad. Maler . David K o b n, Lazar K r e s t i n. Arch. Dr. Karplus, und von der Gswerbe- Förderüngs-Sektion Ingenieur Arje und Doktor Bauer und der Initiator der Idee, Kunstgewerbler Jeruschalmi teilriahmen. Nach Feststellung der Notwendigkeit solcher Kurse, wurde deren: Ausführung der Technischen Studiengruppe des Wiener Palästina-Amtes übertragen. D!e Wahlen zum Jüdischen Nationalrat Die bisherige Arbeit des provisorischen Jüdischen Nationalrates. In. den unvergeßlichen' Novembertagen 1918, als die Luft von dem. Rufe nach Befreiung und Seibstbestimmung der. Völker. widerhallte. ist der Jüdische Nationalrat ins Leben gerufen worden. . Er sollte die Repräsentanz des alt-jungen jüdischen Volksstärames werden, die nationalbewußten Elemente im Judentum um sich scharen und sich selbst und somit., auch dem jüdischen Volke Deutschösterreichs eine innere Verfassung geben, welche der Gesetzgebung Deutschösterreichs angepaßt, ihr besonderes Augenmerk der Organisierung des Schul- und Jugenderziehungswesens und der sozialen Hiife zuzuwenden hatte. Das Novemberprovisorium hatte bald einem definitiven, aus einem dm weitesten Sinne des Wortes demokratischen Wahlrecht hervorgegangenen Nationalrate Platz zu machen, welcher vom Vertrauen der jüdischen Masse getragen, an die Erfüllung seiner schwierigen Aufgaben herantreten sollte. Doch die voraussichtlich längere Dauer der Wahlvorbereitungen ließ die sofortige Inangriffnahme so mancher Arbeiten geboten erscheinen, die keinen Aufschub erleiden durften. Die zu. diesem Zwecke gebildeten einzelnen Abteilungen des Jüdischen Nationalrates blicken auch schon auf erkleckliche Leistungen zurück. Die Beam t ens ek tion bietet den jüdischen Staatsbeamten hilfreich ihre Hand und interveniert, wo dies tunlich ist, zu deren Gunsten. Das Be ruf samt-studiert die Verhältnisse in den einzelnen Berufen und berät die schulentlassene Jugend bei 'der folgenschweren Berufswahl. , Die Gewerbesekti’on vermittelt jüdischen Arbeitslosen Beschäftigung und fördert nach Möglichkeit die produktive Arbeit im jüdischen Volke. Das Organisätlonsamt für soziale Fürsorge befaßt sich mit der Erforschung des sozialen Elends unter der Jüdischen Masse und praktischer Abhilfe durch Errichtung von Ausspeisungen. Kinder- und Säuglingsheimen, Tagesheimstätten usw.' Das Unterrichtsamt organisiert'unter bewährter Leitung die erste jüdische Mittelschule, ein Realgymnasium, an dessen Eröffnung ihit Beginn des neuen Schuljahres geschritten werden soll. In dieser Anstalt werden fach- und gesinnungstüchtige Lehrer das heranwachsende Geschlecht zu guten Staatsbürgern, volkstreuen Juden und ganzen, tüchtigen Menschen erziehen. - Die Vorbereitung der Wahlen zum Jüdische» Natlonalrat Zu gleicher Zeit wird emsig an der Fertigstellung des Wahlkatasters für die bevorstehenden Nationalratswahlen gearbeitet. Die breite demokratische Basis des Wahlrechtes erfordert die Erfassung aller sich zum jüdischen Volke bekennenden Männer und--Frauen Deutschösterreichs — eine ebenso große als schwierige Aufgabe, an der Hunderte von Freiwilligen eifrig und unverdrossen mitwirken. Zehntausende von Anmeldungen fsond eingelaufen, doch viele Tausender stehetr noch aus, nnd wo es die oberste repräsentative Institution .unseres Volkes' gilt, darf keine einzige volksbewußte Stimme fehlen. Die Eint rag!» ag in jije W Ahle r ti s t e ge sc h i e h t durch Ahg.gbe einer einfachen scfcciftlictiffi ftder.' mündlichen Erklärung mit dem Wunsche, in die Wählerliste aufgenommen zu werden. Wer Ist wahlberechtigt? Das Wahlrecht können alle Juden und Jüdinnen, die Im Jahre 1899 öder früher geboren sind; und ach im Zeitpunkt der WahläusschreL bung in Deutschösterreich aufhalten, erwerben. Wählbar sind alle Juden und Jüdinnen, die wahlberechtigt sind und das 25. Lebensjahr überschritten haben. Wahlrecht und Wählbarkeit sind von der Staatsbürgerschaft unabhängig. Entscheidend für beides ist der Aufenthalt oder Wohnsitz in Deutschösterreich im Zeitpunkte der Wahlausschreibung. In den nächsten Wochen schon wird zur Wahlausschreibung geschritten. Kein jüdischer Name darf bis dahin im Wafilkataster fehlen. Tue daher jeder seine Pflicht und ermahne die säumigen Nachbarn. Mit d.r Mitteln des aufrichtigen Bekenntnisses und der begründeten Forderung haben wir bisher gekämpft und wir wollen es auch lürdernin so halten. Wer solche Waffen führt, dem ist der Sieg gewiß! Wo erfolgt die. Eintragung ha die Wählerlisten? 1. Bezirk. Cafe „Franz Iosefkai*. 1. Bezirk; Franz losefskai 45. ganztägig. 2. Bezirk: Jüdischer Nationalrat. 2. Bezirk, Taborstraße 20 a. von 8 Uhr irüb bis 6 Uhr abends. (Samstag und Sonntag geschlossen.) Zionistisches Lanoeskomitee, 2. Bezirk, Zirkusgasse* Nr. 33, von 9 ots 12 Uhr vormittags und von 3 bis 6 Uhr nachmittags. (Samstag und Sonntag geschlossen.) Verein Zion. 2. Bezirk, Glockengasse Nr. 30, von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 3 bi» 6 Uhr nachmittags. (Samstag und Sonntag geschlossen.) * 3. Bezirk: Zionistische Sektion Landstraße» IIL. Untere Viaduktstraße 13, von 8 bis 12 Uhr vormittags und von 2 bis 5 Uhr nachmittags (Samstag und Sonntag geschlossen}. 4. Bezirk: Cafö Technik. IV., Margaretenstraße 32, ganztägig. 5. Bezirk: Möbelmederlage Rud. Kraus, .V-» Pilgramgasse 22, von 8 bis 12 Uhr vormittags und von 2 bis fr Uhr nachmittags (Sonntag geschlossen}. 6. Bezirk: Zionistische Sektion für die* westlichen Bezirke. VI., Amerlinggasse 9. im Hofe, von 9 bös 12 Uhr vormittags und von 2 bis 5 Uhr nachmittags (Samstag und Sonntag geschlossen). 9. Bezirk: Zionistische Sektion Alsergrund, IX.. Liechtensteinstraße 11/13, von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 5 bis 7 Uhr abends (Samstag und Sonntag geschlossen); Gesamtverband der Jüdischen Hochschüler „Judäa“. IX.. Alserstraße Nr. 28, von 11 bis 1 Uhr mittags (Samstag mul Sonntag geschlossen). 10. Bezirk: Viktor Knie, X., Laxenburgexstraße- 27/6. ganztägig. 16. Bezirk: Cafö Jangmann, XVI., Ottakringerstraße 37. ganztägig. 17. Bezirk: Turnverein „Makkabi“, XVII» Rötzergasse 9, von 7 bis 9 Uhr abends (Freitag und Sonntag geschlossen). 18. Bezirk: Dr. Arnold Friedmann, XV1IL, Edmund Weiß-Gasse 7, von 1 bis 3 Uhr nachmittags. 19. Bezirk: Israelitischer Tempelverein. XIX., Dollingergasse 3. von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 3 bis 5 Uhr nachmittags. (Samstag und Sonntag geschlossen.) 20. Bezirk: Zionistische Sektion „Brigittenau“, XX., Karl Meißl-Straße 5/1, von 3 bis 7 Uhr nachmittags. (Samstag und Sonntag geschlossen ) ■ Die Anmeldung kann auch brieflich erfolgen und hat zu enthalten: Vor- und Zuname. Beruf, Wohnungsadresse. Geburtsdaten, Unterschrift. Die Briefe sind zu adressieren: Jüdischer Nationalrat für Deutschösterreich (Vorbereitende Wahlkommission). Wien II., Taborstraße 20a, wo auch alle Auskünfte in Angelegenheit der Nationalratswahlen erteilt werden. Statistische Angaben über dsa Handwerk In Palästina Das Schneiderhandwerk in Jerusalem. Zahl: Juden 75 (30 Sefardim, 21 Askenasim und 24 andere orientalische Juden). Christen 12 (hierunter 5 Araber). Mohammedanische Schneider gibt es In Jerusalem nicht Das Schneiderhandwerk zerfällt Iu zwei Gebiete: a) europäische Arbeit, b) orientalische Arbeit Von den Juden beschäftigen sich 64 Schneider mit europäischer und 11 mit orientalischer Arbeit, viele von ihnen auch mit den Reparaturen der aus Aegypten importierten fertigen Kleidung. Die jüdischen Schneider besorgen sowohl das Nähen als das Zuschneiden selbst. Die christlichen Schneider sind zum größten Teil mit der Anfertigung von kirchlichen Gewändern beschäftigt Sämtliche 75 jüdischen Schneider besitzen Werkstätten und beschäftigm Arbeiter: Die Zahl der jüdischen Schneidergesellen betragt 107 (darunter 3 Frauen), der christlichen 20 und der mohammedanischen 1. Hierzu kommt noch eine Anzahl jüdischer und nichtiüdischer Frauen, die orientalische Kleidung anteiligen. Unter den christlichen Scfineidergesellen gibt es eine Anzahl die aus Armenien vertrieben wurden und her der ersten Möglichkeit nach.- ihrer Heima* zurflckkchrcB woBen