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Jüdische Zeitung · 1919-08-08 · 32 (8.8.1919) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
32 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Die zionisitsche Organisation in der Bukowina zögerte .anfangs. hier einzugreifen. Aber als sich Gruppen auf eigene Faust zusammen taten. Aufrfe erließen und sie in jüdischen Geschäften und in. Bethäusem plakatierten, war es zu befürchten. daß die zionistische Sache durch ein wildes. unorganisiertes Handeln unverantwortlicher Gruppen schwer geschädigt werden könnte. litd ieser Erkenntnis . beschlossen Zionisten und Poale-Zionisten. die Palästina-Bewegung gemeinschaftlich in geregelte Bahnen zu lenken! Es wurde daher im Jänner 1919 ein Pa- I ä s t i n a - K o m i t e e eingesetzt, das aus drei Mitgliedern der zionistischen Landeskommission sowie der poäle-ziohistisehen Landesorganisation und kooptierten Migtlredem anderer Organisationen. welche au Palästina-Kolonisation . interessiert -'wären, bestehen sollte.' Dieses „Bukowinäer Palästina-Komitee“ errichtete ein Pa - Ustina-Bnre au. das die Weisung erhielt sich ohne Ausübung irgend welcher Propaganda einen Ueberblick über deu Umfang der Bewegung und Art des für sie Interessierten Menschenmaterials zu vrschaffen Zu diesem Zwecke wurde ein ausführlicher Fragebogen in deutscher und Jüdischer Sprache gedrack: und in vorsichtiger Fassung in den Tagesblätte^n eine Notiz veröffentlicht daß Auskünfte über Palästina im Palästiiiabureaü erteilt werden könnten. Von den sich Meldenden (vorerst durchschnittlich etwa 10 Personen täglich) wurden die\Personalien aufgenommen und denselben litfcnnationen erteilt soweit sie dem Bureau selbst'guy Verfügung standen Personen aus der Provinz wurden Fragebogen für auswärts übergeben: sogar aus Bcssaräbien stellten sich Klienten ein ' Nach kurzer Tätigkeit schon konnte man den Eindruck gewinnen, daß sicherlich ohne j e d e Propaganda ca 6b Prozent der 120.000 Juden der Bukowina, ihre Bereitschaft erklären würden, nach Palästina auszuwandern und daß etwa die Hälfte davon.' d. i. ca. 40.000 Personen, die feste Absicht zur Auswanderung auch tatsächlich haben. Dabei hat die Bewegung Kreise ergriffen, welche früher dem Zionismus durchaus abseits gestanden /waren und auch jetzt nichteigentlich von zionistischer .Ideologie getrieben sind. So hat-unter anderem das Verlangen der rumänischen. Regierung an die cfefntlichen Bediensteten (Beamte. Unterbeamte. Diener. Arbeiter). die rumänische Staatsbürgerschaft zu erwerben, zur Folge gehabt daß eine große Anzahl von jüdischen Eisenbahn- und auch Postbediensteten spontan den Wunsch geäußert hat nach Palästina auszuwaijderq. Aber auch die übrigen jüdischen Eisenbahner würden «hne weiteres nach Palästina gehen, wenn sie unter entsprechenden Bedingungen als solche dort Verv'endung fänden. Es wäre z. B. mit dem Bukowinaer Eisenbahnpersonal .möglich, eine Strecke von einigen hundert Kilometern zu betreiben. Um über die Art des für die Auswanderung interessierten- Menschenmaterials orientiert zu sein, wurden nach erfolgter Anmeldung von 100 Familien (etwa 500 Personen) das Fragebogenmaterial statistisch geordnet und zwar wurden folgende Auswanderungskategorien aufgestellt: L Landarbeiter.' d. L 16—35 Jahre alte, gesunde, kräftige Personen, welche ohne Familie auswandern wollen und zu jeder Arbeit bereit iSind. II. Bauhandwerker (Zimmerleute. Maurer. Schlosser usw.) und Iandwirtscliaftliche Maschinisten „ III. Kleinbäuerliche Siedler, d. 's. Familien mit weniger als 30.000 K eigenem Vermögen, die sich landwiitschaftlich ansiedeln wollen. IV. Achusoth — ebensolche mit mehr als 30 000 K. V. Sonstige Handwerker (Schneider. Schuster usw.) VI. Intellektuelle Berufe (Ingenieure. Aerzte. Apotheker. Lehrer). Von jeder Kategorie wurde festgestellt: . 1. Anzahl. 2. hievon verheiratet. 3. mit erwerbsunfähigen Familienmitgliedern belastet und Anzahl derselben. 4 mit eigenem Vermögen und Höhe desselben. Das' Zahletrverhältnis der einzelnen Kategorien stellt sich dermaßen, daß die Kategorien I und ill überwiegen, daß aber auch eine genügende Anzahl der Kategorie II voehanden ist. Jedoch fällt ungünstig ins Gewicht daß von den Familien der Kategorie III tiur wenige zu einer Ansiedlung wirklich geeignet sind, es sei-denn mit Aufbringung großer Mittel, da sie sehr viele arbeitsunfähige Familienmitglieder besitzen (Kinder und alte Eltern), wenig eigenes Vermögen und selten landwirtschaftliche Vorkenninisse. Unter den Personen der Kategorie I befand sich eine, große Zahl Arbeitsloser. Um ihnen Arbeitsgelegenheit zu verschaffen und sie zugleich landwirtschaftlich vorzubilden, leitete das Palästina-Komitee eine Aktion jüdischer Gutsbesitzer zur Beschäftigung jüdischer Landarbeiter ein. Zionistische Bewegung Eine Sachverständigenexpedition für Palästina. Günstige Berichte' Sokölows und Welzmanns. Kopenhagen, 4. August (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“). Das Kopenhägener Zionistische Bureau meldet aus Paris: Auf zwei Massenversammlungen, bei welchen über 2000 Personen anwesend waren, gab Sokolow eine deuilhertc Oei-ersicht nt er die Entwicklung ccr gegenwärtigen Lage des Zionismus. Er teilte mit, daß eine E xpe d i t i o n v ö n her vo rr.tNu e nden Sachverständigen demnächst uutet zionistischer Leitung nach Palästina abgehe. Die Geldmittel hierfür wurden bereits aus privaten Quellen der zionistischen Organisation zur Verfügung gestellt. Die Einwanderung nachdem beschlossenen System wird beginnen; sobald die Untersuchungen beendigt und die zionistischen Vorschläge sanktioniert sein werden. Sokolows Rede rief beim Publikum optimistische Stimmung und große Begeisterung hervor. Ebenfalls optimistische Ausblicke gestatteten die Ausführungen Weizmanns bei der am 23. Juli stattgefundenen letzten Sitzung der in Paris anwesenden Mitglieder des Aktionskomitees, bei welcher Weizmann detailliert berichtete und erklärte, daß die politische Lage des Zionismus vollständig zufriedenstellend sei. Besonderes bezüglich der Araber frage erklärte er die Situation für . günstig. Zionistisches Landeskömitee für Deutschösterreich. Außerordentliche Sitzung vom 14. Juli 1919. .. 4 v ‘ ■ :; \ Vorsitzender .Ing. Stricker. Anwesend: Dr. Stein, Prof. Dr. Marmorek, Dr. Tartakower, Böhm,.Dr. Bernfeld, \V ein er. Ing. Stricker erstattet eingehenden Be- . rieht über die Vorgeschichte der Neugründung der jüdisch-sozialistischen Partei, sowie über die Verhandlungen mit dem Delegierten derselben. Nach ihm sprechen noch Böhm, Dr. Stein, Prof. Dr. Marmorek und Dr. Beruf cid, worauf das Landeskomitee, seine Stellungnahme in. dieser Frage, dahin präzisiert, daß es in der Gründung der jüdisfch-sozialistischenPartei, die außerhalb des Rahmens der zionistischen Organisation steht, eine schwere . Schädigung der zionistispheu Partei Deutschösterreichs erblickt, daß es' dem Wunsche des Exekutivkomitees der neugegründeten Partei nach Verzicht auf die Leitung der Landespolitik nicht nachkommen könne, da cs an die Beschlüsse des letzten Parteitages gebunden sei. Das Landeskomitee ist aber gern .bereit, der Bildung eines sozialistischen Flügels Literatur Protokoll des XV. Delegiertentages der zionistischen Vereinigung für Deutschland. Preis Mark 2.50. Jüdischer Verlag, Berlin 1919. Das jüdische Leben wird zurzeit von zwei. Fragen beherrscht: -der Errichtung einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und der Organisierung der Gesamtjudenheit auf nationaler Grundlage. Zur Lösung beider Fragen ist es der Zionistischen Organisation gelungen, große Teile des jüdischen Volkes heranzuziehen und deren politische Führung zu übernehmen. Der sichtbare Ausdruck dieser innerjüdischen politischen Neukonstellation ist die Kongreßbewegung, die , — in jgdem Lande verschieden — so ziemlich die ganze Jüdenheit der Welt ergriffen hat. innerhalb der zionistischen Bestrebungen gilt natürlich Palästina noch "ein viel intensiveres Wollen. Seit den historischen Erklärungen der ■englischen Regierung; und der Friedenskonferenz Ist * die Verwirklichung der 20jährigen Bestrebungen in greifbare Nähe gerückt « Palästina und Kongreßbewegüng waren auch; diejenigen Fragen, um die sich die Verhandlungen der letzten großen Tagung " der deüischenr-Z5önisten 'drehten. Die Referate'sowohl als'die''Verhandlungen,'die auf hohejß Niveau «Bonden, gäben ein getreues Bild von all den politischen und , geistigen Bestrebungen; die den Zionismüs'zn dem machen, was er heute ist Reierüte wie die vön lll ch t he i » und B l um enf e Id . werden.. bleibenden Wert behalten, nicht minder die jÖebatten'lber.'Palästfna, Kongreß und Xultunsbfltik, die verschiedenen programmatischen Erklärungen des Misrachl, des Hapoel Hazair, di« neuen Organisationsformen, die hier geschaffen wurden und nicht zuletzt der von tiefem Ernst erfüllte Beschluß, einen besonderen Delegiertentag zur Erörterung ,der Palästinafrägen einzuberufen, der inzwischen ja auch schon stattgefunden hat ' ”• " Das Protokoll des XV. Delegiertentags ist ein Dokument des Zionismus in einem" bedeutsamen Augenblick seiner. Geschichte und wird einen hervorragenden Platz in der Parteiliterätür clnnebmea. Büchereinlauf . Dolaunente. der Menschlichkeit Dreiländerveriag München-Wien-Zürich 1919. Bd. 1:. J. G. . Fichte, Die Republik der Deutschen. — Bd. 3: Jonathan Swift Attacken."— Bd. 5: J. J. Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag (Auswahl). — .BcL 7: Kant, Zum Ewigen Frieden (Auswahl). — Bd. 9: Wilh. v. Humbo.ldt, Die Grenzendes Staates, — Bd. 10: Louis ß Ianc, Organisation der Arbeit (Eine Auswahl).Preis des Bandes Mk.;L50.; . Martin ßuber, Worte an die.Zelt. Heft 1: Grundsätze. Heft 2: Gemeinschaft. — ßreiländerverlag. München-Wieu-Zürich; , Martin! Buber, Cheruth. Ein? Rede . über Jugend und Religion. Ri Löwit,. Verlag -Wien. -.. Theodor Herzt Philosophische: Erzählungen. B. Harz, Verlag, Berlin-Wien 1919, , Karl Liebknecht Da* Zuchthaus Vf*«.. Prozeßakten,: UrteileOmd. Eingaben.. Verlag- „Die Ak- . tion?:i(Pranz,Pfemljert);.Bwliji-Wll®MA‘lprf -Wl?. — S Mk.'-"-" ‘ ’ ■; .;• Nr. 52 innerhalb der Partei...zuzu^ünmeti und .diese« ■ eine’ Vertretung im Landeskömitee provisorisch bis zum nächsten. Parteitag züZubllligen. Es würde alles tun, um den Vertretern des sozialistische« Gedankens die Geltendmachung ihres Standpunktes im Rahmen der Partei zu ermöglichen. Da» Landeskomitee erklärt es als unzulässig, daß organisierte Zionisten der neugegründeten jüdischsozialistischen Partei angehören und wird sich mit Aufwand aller Kraft bemühen, Gesinnungsgenossen von Schritten abzuhalten, die letzte« Endes auf eine Erschütterung der Autorität des Parteitages, sowie der Leitung hinäüslaufen und den-Zusammenhang der Partei auilockern. Darauf wird die Sitzung geschlossen... > Sitzung vom .4. August 1919.- Vorsitzender Ing. Stricker. Anwesend: Dr. Stein, Prof. Dr. Marmorek, Dr. Tartakower, Dr. Ehrlich, Weiner. 1. Sitzung des großen A. C. Im Einlauf wird mitgeteilt, daß die Londoner Leitung dae große Aktionskomitee zu einer. Sitzung auf den 25., 26. und 27. August einberufen hat.. Der Ort der Tagung wird noch telegraphisch bekanntgegeben werden. 2? Ergänzung des Landesko.rattees. Auf Vorschlag des Präsidiums wird B&- zirksrat Norbert Rappap.ort und Dr. Fellr M a n dl mit Sitz und Stimme ln. das Landeskomitee berufen. 3. Die Kunstgemeinschaft „Arche“: Nach einem Bericht Jes' Präsidiums über die Vorläufigen Besprechungen mit dem Leiter der Kunstgeme’hschaft Arche, die darauf abzielen, . dem Landeskomitee den nötigen Einfluß in politischer, und wirtschaftlicher Beziehung zu sichern, wird Herr Bato mit der Führung der diesnezüglichea Verhandlungen betraut 4. Organisation der Studenten. Zur Regelung dieser , bisher offen gebliebene« Frage erstattet das Präsidium folgenden Vorschlag, der angenommen wird: „Das Zionistische -Landeskömitee' für Deutschösterreich .beschließt den Wünschen der zionistischen Studentenschaft Rechnung tragend, betreffend . die organisatöri- ’ sehe Zusammenfassung der Studenten: Die in akademischen Vereinigungen organisierten ziorii? > stischen Studenten werden, in den Bezrkssektionen ihres Wohnsitzes lediglich registriert und evident geführt, .sind aber-aus inneren Gründen zu einer Arbeit Innerhalb der'lsektion nicht herähzuziehen. (Fallweise. M tarbeit Einzelner bleibt diesen freigestellt.) - Vielmehr erfolgt die Ausbildung der Jüngeren, sowie d.e Arbeit der Aeltereu in ihren studentischen; Organisationen (d. s. Vereine, Verbindungen und zionistische Sektionen der Fachvereine), woselbst auch durch die Nationalfondskommissäre Schekel und Parteistcuer der. Studenten eingehoben werden. Die organisatorische Zusammenfassung der zionistischen Studenten erfolgt dürch -den Referenten für Jugendbewegung und den , studentischen Vertretern im Landeskomitee, welche fallweise (tunlichst eijtmal monatlich) die studentischen Delegierten zum Parteitag aus den einzelnen Korporationen z« Besprechungen einberufen. Bezüglich der Wahle« zum Parteitag, Kongreß usw. wird eine Erledigung im provisorischen Statut vor dem. nächsten Parteitag durch das Landeskomitee erfolgen. Diese Regelung ist als ein Uebergangsstadium gedacht“. 5: Joint Distribution Comitees. Das Präsidium teilt mit, daß es ihm nach vielwöchigen Bemühungen gelungen ist, eine Vertretung im Joint Distribution Comitee zu erhalten. Ing. Stricker wird, als Vertreter des Landeskornitfegs nominiert Wilson an Sok-Iow Das Kopenhägener Zionistische Bureau berichtet: * Nahum Sokolow erhielt am 22. Juli folgendes vom Generalsekretär der amerikanischen Delegation bef der Friedenskonferenz in .Paris Unterzeichnete Schreiben: 1 „Ich habe das Vergnügen, Ihnen die folgende Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten in Antwort auf das gemeinsame Telegramm, das sie im Namen Ihres Volkes an ihn an Bord des „George Washington“ anläßlich des\ amerikanischen Unabhängigkeitstages gerichtet ) haben, zu übermitteln: An die Herren E. K. Venizelos, N. P. Paschitsch, Edward Benes, Boghos,-Nubar Pascha und Nahurii Sokolo w : Es bewegt mich aitrs tiefste, daß Sie so vollständig die herzliche Sympafnie würdigen, die ich für die Sache der Gerechtigkeit, insbesondere für die Nationen 'fühle, die, weil sie weniger stark sind als die stärksten, bishcmit wenig Hoffnung für die Verwirklichung ihrer höchsten Und durchaus». berechtigten Be- Strebungen gekämp't haben. Es gibt mir neuen Mut und neue Freude an dem Werke, das Ich zu leisten versuchte, daß Sie mich mit einem solchen Gruß erfreut, haben“. Große Palästina-Kundgebung ln Wien. Bekanntlich "haben sich die Manifestationen der Wiener Zionisten anläßlich der 15 Wiederkehr von . Theodor Herzls Todestag, imposanter und 1 eindrucksvoller gestaltet als1 Je zuvor. . Als Abschluß stellte sielt die vom jüdischen Hochschulausschuß „Judäa“, Sonntag, den 27. Juli, rfm großen Konzerthaussääle veranstaltete Palästina^ K ü n d g e bun gdar.DerPfachtsäal:war in allen ‘seinen Tejlfcn von einem festlich gestimmtehvPübliküm erfüllt:; Unter den Anwesen- ‘ den würde der Gesandte der westtdcrainisäiea' ReSi pubÜjc.bH^erkti^ r ' fätrlgipnlEirileltunSÄWorten des Ver- * trelj^äldes.yijah.sl^lteii^eitlvHöcbscdulausschussea,

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