Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 31 (1.8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2438141-2438727-2438758--6367-2446439- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 5 Nr. 51 maß .also sein, diese ethischen Instinkte freizumacHen“. hätte' er meine begriffstheoretische Darstellung wederlegenmüssen, auch wenn er ..wenig: Lust dazu hat“. Ich frage: warum halten weder Sie, Robert Weltsch, noch Benifeld. jemals dieser theoretischen Diskussion stand? Warum. «(eichen Sie ihr aus und warum antworten Sie stets nur ,_mit Reden und Aufsätzen, die durch, ihr ethisches Pathos warme Sympathie erwecken, von der Klärung der Begriffe stets aber wieder ablenken? 3. Folge solchen Ausweichens ist es. wenn das Wort „Kultur“ gleich darauf wieder in.einem Sinne gebraucht wird, dessen Verwirrtheit ich gerade aufzuhellen bemüht war. Weltsch spricht von dem Trichter, mit dessen Hilfe ich Kultur' erzeugen wolle und fährt fort: „Kultur" entsteht nicht auf diesem Wege. Sie muß organisch wachysen.“ Also Bestreitung der Behauptung, sie könne auch anders als organisch, könne durch Eintrichtern entstehen. Dann heißt es: „Nur solche Kultur ist ein Gewinn.“ Wie also, sie' läßt sich d de h anders erzeugen, nur ist sie dann kein Gewinn? Jener Vordersatz war also keine Feststellung der Erkenntnis, sondern besagte nur: Jene Kultur, die ich für. einen Gewinn halte, entsteht nicht auf diesem Wege. Weltsch aber sagt: Kultur schlechthin. Seine Erkenntnis 1 e u g.n e t. w a s s e i n W i 11 e n i c h t w ü n sc h t. Schulbeispiel der von mir bekämpften Begriffs- Verwirrung. " ' 4. In Wirklichkeit entsteht natürlich nationale Kultur auch auf diesem Wege. Auch auf dem Wege des „deutschen Schulvereines“ und selbst seiner Zündhölzer, (die sicher nicht mehr stinken "als Judäa-Zigarettenhülsen oder Briefmarken mit dem Bild des hebäischen Gymnasiums in Jaffa). Aber natürlich Kultur nicht als "W er tu r teil, sondern äls; soziologische Tatsache."" als -"Ausdruck.dafür, daß es z. B. gelungen ist. tschechische Kinder tschechisch, -nicht deutsch zu er ziehen. Wo, lieber Freund, ist zwischen diesen Prellböcken Raum, das Menschliche oder Ethische hinejnzupressen und eine W ähl zu-erzwingen? Es heißt: deutsch. nicht jüdisch oder ^menschlich: es heißt jüdisch oder deutsch, nicht jüdisch oder menschlich.- Nie könnte ich etwas gegen.' das Menschliche sagen — £}ber wo es sich einmengt mii dem Anspruch, diese hier deutlich -gezogenen Grenzen zu verwässern und vom kulturpolitischen Kampf gegen die Assimilation abzulenken. dort muß es zürückgfedrängt > werden. Das ethische Moment, das derwestjüdischen . Jugend innewohnte, wollte ja auch keine „Rückkehr zum Menschentum“ — das hatte man lange "und gründlich genug in allen Literatencafes gefressen 7— sondern eine Rückkehr zum Judentum“, deutlich geformt als Gegensatz zum ^lU'Lleutschtuihi.PoIeirtum usw.., Ethische Triebkraft sehe ich-nur in der'Kraft.“"mit welcher märt Tsicli' in den Dienst dieser Aufgabe stellen kann. '..Oberstes Ziel zionistischer Erziehungnspolitik“- "würde miralso erscheinen, jenei „ethischen Instinkte freizumachen“, welche in Aufbäumung gegen die Kultur eines Volkes (nicht als Wertbegriff. sondern als soziologische Tatsache) die Kultur eines anderen Volkes lebendig machen will; . " Isidor Blass. - Es .handelt sich, wenn eine stärkere Betonung des Palästinagedankehs gefordert wird, . nicht um eine Rückschraubung, einer organisch •vollzogenen Entwicklung auf eine überholte frühere Stufe. Daß der Zionismus, der früher nur ein Teilproblem (Palästina) des jüdischen Problems und nur einen Teü des jüdischen Volkes •umfaßte, sich zur allumfassenden nationalen Bewegung-erweitert hat, kann nicht freudig genug begrüßt werden. Aber es sei sich jeder darüber klar, daß Galuth und Palästina gleich- •ge wertete Aufgabengebiete des jüdischen •Nationalismus darstellen, und daß jede einseitige Hypertrophie, sei es Palestinas, sei es des Galuth, .«ine Gefahr bedeutet. Der. frühere Zionismus -ignorierte die Realität des alltäglichen jüdischen -Lebens im Galuth und wäre daher fast volks- und wirklichkeitsfremd geworden; aber ebenso wie es not tat, ihn auf das Galuthproblem hinzu- •zw. in ge n, so tut es heute not, davor - zu -warnen, daß man nicht über den Tagesinteressen, -die sich aus dem alltäglichen Leben der Juden in der Galuth ergeben, über dem - Gegenwartsinteresse der einzelnen Gruppe das Zukunftsinteresse de§ ganzen Volkes vergesse. . Es klingt wie ein ungewohnt unfreundlicher Ton, werter Gesinnungsgenosse, wenn Sie -sprechen von „Drahtziehern, welche der großen »Menge unbekannt sind“. Diese Drahtzieher, deren größter der unlängst von 20.000. Juden.allein in Wien gefeierte Theodor Herzl war und deren Aktionskomitee heute in aufreibend schwerem Kampfe, um die Verwirklichung einer rechtlichen Basis aller auf das: Nationale gerichteten Be- .strebungen steht* haben die Bewegung inauguriert* wenngleich-es ihnen nie eingefallen ist, jene, -die. auf .solche .Weise aus dem Zustand des Be- -harrens in, den der Bewegung gerieten, „zu Mariometten herabzusetzen“. „Ich gehöre nicht zu den -Eingeweihten.d.et zionistischen Partei“. sagt Blaß, -der auf der jüdischnationalen Kandidatenliste für die .Konstituante .stand, aber es bedarf wohl kaum •einer besonders tiefgründigen. Einweihung., um -sich mit den Grundgedanken der zionistischen Ent- ,Wicklung vertraut zu .machen. Gewiß -ist es -Wichtig, wenn die „erst im und nach, dem Kriege“ -der.;jüdischnationalen Partei Zugeströmten die -altzionistische Gruppe, auf diejenigen Dinge aufmerksam machen, hinsichtlich welcher Sie eine -anders ..geartete Einstellung mitbringen.. Aber umgekehrt, dürfte es nicht minder wichtig seih.: den '«'Neuzionisten, wenn ^sie .sich als solche,, ausdrücklich .bezeichnen, .in .Erinnerung zu...bringen, ,:was JÜDISCHE ZEITUNO der unveränderliche Ausgangspunkt und die" rnt- ■ verrückbare Grundlage der Bewegung gewesen ist und bleiben muß. Achad Haams grundlegender Gedanke bestand in dem Hinweis darauf, daß das Galuthjudentum unweigerlich sich in die verschiedenen Judentümer der einzelnen Länder würde auflösen müssen, wenn es nicht möglich wäre, ein geistiges Zentrum zu schaffen, um welches herum sich diese Judentümer automatisch als Peripherie, auf einen einheitlichen Mittelpunkt bezogen, anordnen könnten. Ein solcher Zerfall, das läßt sich schon heute übersehen, wäre auch dann nicht äufzuhalten, "wenn die jüdischen Gruppen in den einzelnen Ländern selbst national bleiben wollten. Ohne Zentrum bilden sie nur eine' unzusammenhängende Vielheit von Gruppen, die sich durch den unabänderlichen Differenzierungsprozeß der Assimilation in immer gegensätzlichere Faktoren spalten müssen. Darum kann auch der jüdische Nationalismus in der Galuth dieses „geistigen Zentrums“ nicht entbehren und er. wird seine Aufgabe nur dann erfüllen, wenn er sich dessen bewußt bleibt, daß ün Mittelpunkt all seiner Bestrebungen immer der Zionsgedanke stehen muß. Die 25 Nationalräte in 25 Ländern werden jeglichen Zusammenhang untereinander (und damit das, was allem ihre Stärke ausmacht: die Einheit) verlieren, wenn sie sich nicht um das zentrale Aktionskomitee gruppieren. Die Handels-und Industrieabteilutig bei dem zionistischen Palästina- Departement in London Die Abteilung für Handel und Industrie bei dem zionistischen Palästina-Departement in Lgndon versendet folgendes Rundschreiben:' In dem allgemeinen Arbeitskomplex, der in allernächster Zeit zur Wiedererweckung und raschen Entwicklung des. wirtschaftlichen Lebens in Palästina, in Angriff genommen werden muß, wird - natürlich ein beträchtlicher Teil auf die private Initiative entfallen, und unsere nächstliegende Pflicht ist es, jetzt, diesem Zweige der jüdischen Arbeit für und in Palästina die eingehendste Aufmerksamkeit zii widmen. Die Abteilung für Handel und Industrie übernimmt als ihre spezielle Aufgabe, denjenigen Zweig der Palästinaarbeit, der sich auf Handel und Industrie bezieht. Die Unternehmungen - und Pläne privater Gruppen und ■ einzelner Personen für. die Einführung von 'industriellen und Handelsunternehmungen in Palästina müssen, mit den Erfordernissen und Möglichkeiten des Landes in solcher Weise in Einklang .gebracht*, werden, daß sie aufs beste seinen sozialen Fortschritt Tihd Seihe wirt-' schaftliche Entwicklung fördern. Unsere Aufgabe wird es sein, der privaten Initiative und dem privaten Unternehmungsgeist durch genaue Information und praktische Ratschläge den richtigen Weg. zu weisen. Unsere Abteilung beabsichtigt deshalb, einen Auskunftsdienst einzurichten, der den Handels- und Industriebedingungen im Lande und den jeweilig geltenden Gesetzen und Bestimmungen über dieselben gewidmet LSt Diese Auskunftei wird zum Beispiel über folgende Punkte Information erteilen: a. Charakter. Qualität und Herkunftsort von Roh-Materialien und Waren, die bisher nach Palästina importiert wurden, sowie den gegenwärtigen Bedarf im Lande für solche Materialien und Wären. b. Zoll und Zollsätze und ihre Erhebung. c. Frachtkosten per Eisenbahn und Wasser. d. Schiffsverhältnisse usw. Sie wird sich ferner mit den Chancen für fndurstr-ielle Tätigkeit in Palästina beschäftigen, sowie mit der Produktivität des Landes zu jeglicher Zeit. Um zu verhüten, daß private Unternehmungen mit einander kollidieren, was infolge der Unkenntnis und Ungewißheit der gegenwärtigen Lage in Palästina notwendiger Weise, geschehen muß, wird ein Register aller privaten Unternehmungen und .Vorbereitungen für kommerzielle oder industrielle Tätigkeit angelegt werden. . . ' Die Abteilung für Handel und Industrie ersuchtdaher alle. Zionistischen Landesverbände, unverzüglich eingehende Informationen über die folgenden Punkte zur Verfügung zu stellen: a. Die Art der Unternehmungen, die für geschäftliche. Zwecke in Palästina gegründet worden sind (möglichst genaue Angaben über ihre spezielle Branche usw.). b. Die Formen ihrer Organisation (d. h. ob es das Unternehmen eines Einzelnen, eine cooperativo oder eine Aktiengesellschaft ist). c. Das investierte Kapital (falls; eine Aktiengesellschaft. wie viel gezeichnet und.wie viel eingezahlt). d. Wo ist das jetzt eingezahlte Geld?. e. Eingehende Details über persönliche und •berufliche Eigenschaften der Gründer oder der gegenwärtig leitenden Persönlichkeiten. f. Geschäftsstatuten. g. Arbeitspläne für die nächste Zukunft 1. Der Ort au dem das Geschäft errichtet - werden soll 2. Der Zeitpunkt (falls bekannt), an dem.es .eröffnet werden solL 3. Erfordert das neue Unternehmen besondere Voruntersuchungen oder andere Informationen ■■und werden solche Untersuchungen bereits aus- -geftthrt? , :4. liegen; seitens der Behörden Hindernisse für die erfolgreiche Durchführung der Pläne des Unternehmens vor. und welcher Art sind diese Hindernisse?:; 5. Bedarf das ■ Unternehmen irgendwelcher Erleichterungen? h. Hat die Initiative der Zionistischen Organisation Ihres Landes auf de Gründung des Unternehmens eingewirkt? Außer den erforderlichen Angaben über diein Ihrem Lande bereits fest geplanten Unternehmungen ersuchen wir Sie um Einholung folgender Auskünfte: 1. Ueber Personen, die Kapitalien in irgend einem Geschäftsunternehmen in Palästina anlegen möchten. Anzugeben ist a. Betrag des Kapitals. b. Eventuelle besondere Bedingungen der erwünschten Einlage. 2. Ueber Personen, die ihre Kenntnisse und berufliche Erfahrung für den Wiederaufbau Palästinas verwenden wollen. Die Abteilung für Handel und Industrie wird alle einlaufenden Auskünfte über das Wirtschaftsleben ln Palästina sammeln und dafür SoTge tragen; daß alle "klarformulierten Anfragen über das Wirtschaftsleben und die Möglichkeiten des Landes durch Gutachten von Spezialisten beantwortet werden. Wir erwarten, daß die Zionistischen Organisationen in allen Ländern mit größtmöglichster Beschleunigung die hier angegebenen Aufgaben, erfüllen werden und daß sich dies sowohl für die Wiedererweckung Palästinas, sowie für diejenigen, die ach dort niederlassen und geschäftlch betätigen wollen, als nützlich erweisen wird. Eine jüdische Deputation aus Jerusalem vor der internationalen Kommission Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: Am Montag, den 18. Siwan, stellte sich, eine Deputation der jüdischen Einwohner Jerusalems den Mitgliedern der „Amerikanischen Sektion der Internationalen Kommission „zur Erforschung.des nähen Ostens“ vor. Der Deputation gehörten außer dem Chacham Elischar die. Herren. .Eliesier Ben-Jehuda Itamar Ben-Avi. Bendov, Dr. Beham. Sch. Gordon. Rechtsanwalt •Valero,. David Yellin. Dr. Levi. Dr. Josef Lurie, Rabbi Simcha und Prof. Schatz an. Die Delegierten sprachen Hebräisch und Englisch. Herr Ben-Jehuda sprach über die nationalen Forderungen; er gab dem Wunsche Ausdruck, daß Großbritannien das Mandat über Palästina erha’te und die Alliierten ihr Versprechen, bei der Gründung der nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina. mitzuhelfen,,halten mögen. Er sei sicher, daß die. Wiedergeburt des jüdischen Volkes nicht nur im eigenen Interesse und dem seiner Nachbarn .sei, sondern zum Wohle der ganzen Menschheit. Die Mitglieder der Kommission interessierten sich hauptsächlich für die Beziehungen zwischen den palästinensischen Juden und ihren Nachbarn, sowie für die Imraigratioasfrage und ihre Regelung Die Beratung der Poale-Zion Das Schwedische Preßbureau ien Stockholm meldet: Montag, den 21. JuK hat in Stockholm eine Beratung des AlIweltMchen Jüdischen Sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zion begonnen* Von der Verbandsleitung sind anwesend: Chasanowitsch. Kaplansky, Locker und Rewutzky (frttnerer Minister für jüdische Angelegenheiten in der Ukraina). An der Konferenz beteiligen sich Delegierte aus Deutschland (S. Ritbaschow), aus Deutschösterreich (M. Kohn, Malko Schorr, Serpow und Rudel), aus Po;en (Jahrblum, der auch die Pariser Gruppe vertritt), und aus der Tchechoslowakei (Rudolf Kohn). Die, Delegierten Rafaikes — Warschau und Edelmann — Lodz sind unterwpgs. Auf der Tagesordnung steht »;nc Reha höchst aktueller Fragen wie: Dia jüdische Kolonisation in Palästina, die Sicherung der jüdischen nationalen Rechte ien den Ländern Ost- und Zentraleuropas. jüdischer Weltkongreß, jüdischer Arbeiter-Weltkongreß, die Reorganisation der Internationale usw. Die Konferenz befaßt sich natürlich auch mn Organisätior.sangelevenhoiMn des Poale-Zion-Verbandes. Es wird beabsichtigt, die Konferenz im August (nach der. internationalen sozialistischen Konferenz in Luzern) unter Beteiligung der erwarteten Delegierten aus Palästina, Amerika und Eengiand) fortzusetzen. Der „Bund“ für Palästina Endlich hat sich auch die iüdische sozialistische Arbeiterpartei „Der Bund“ der Forderung nach einem jüdischen Palästina angeschfossen und ist dadurch, wenn er auch diese Forderung auf eigene Art formuliert, zum Teil ins Poate- Zionistische Lager abgeschwenkt. In dem der Friedenskonferenz überreichten Memorandum fordert der „Bund“, daß Palästina unter Souveränität der Liga der Nationen als unabhängiger Staat erklärt werde, die auch dessen Autonomie. Unverletzbarkeit und Neutralität' garantieren soll. Falls die Lina der Nationen; beschließen sollte, einen Mandatar für Palästina zu bestimmen, so muß gefordert werden, daß die Bevölkerung Palästinas und die Jüdischen Organisationen bei der Auswahl dieses Mandatars ein Votum haben und dieses Mandat keinesfalls länger als SO Jahre dauere. Nachher soll. Palästina v o l 1ständlg unabhängig werden. Der .Boden und die natürlichen Reichtümer Palästinas, sollen