Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 31 (1.8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Außenministeriums mit den. jüdischen: politischen Parteien im Verkehr stehen. In einer offiziellen Begrüßung versucht die Poln. Tel. Ae. die Kommission den Polen mundgerecht zu machen, indem sie auf die Wohltaten verweist, die Amerika den Polen erwiesen hat und auch fernerhin erweisen wird. Die Notwendigkeit Polen zu stärken, daß es im Stande-sein sott, den bolschewistischen Einflüssen Widerstand zu leisten und anderseits die Intrigen gewisser oreussischen Elemente zu bekämpfen, ist so klar, daß die Kommission sicher sein kann, daß alle Klassen in Polen ihre früheren und jetzigen Streitigkeiten vergessen werden, um patriotisch mitzuwirken, an der Verwirklichung ihres Hauptzieles — eines dauerhaften, vereinigten und unabhängigen Polen als ernstes Mitglied der Volker-Liga. > - Vor der Abreifee, der Kommission aus Paris stattete P ade re-wski dem Botschafter Morgenthau einen Besuch ab. Paderewski blieb zum Souper und verließ Morgenthau erst um die Mitiernachtsstunda. Niemojewskis „Begrüßung“ der Morgenthau-Kom- . r mission. Der altbekannte Judenfresser Andrzej Niemoiewski, der Begründer der Hauptvertreter des — sit venia verbo — wissenschaftlichen Antisemitismus in Polen, speit in seiner ausschließlich für die Intelligenz berechneten „Mysl Niepodiesrla“ Feuer und Flamme, über die nach Polen kommende Morgentauische Untersuchungskommission. ohne Rücksicht, darauf, daß Wilson diese Kommission nur auf besonderen Wunsch Paderewskis entsandt hat Niemoiewski scheut sich dabei nicht in einem Artikel „Die Provokations- Kommission“. Präsident Wilson, dem man erst vor kurzem seines"..idealen Herzens“ .wegen so sehr in Polen gelobt hat anzufallen und. mit Beleidigungen zu überschütten; Er ist der Ansicht daß Wilsons. Worte über Ideale. Rechtlichkeit Gleichberechtigung usw. bloße Deklamationen sind und ■daß man die Völkerliga, die durch Wilson proklamiert werde, perhorreszieren müsse. „Wie kann man denn Zutrauen zu einem Menschen haben, der n a c b P o 1 e n eine „provokatorische Kommission“ entsendet; mit.eitlem. Juden.an d.er Spitze. Wir hätten das Recht schreibt Niemoiewski u, a. wörtlich, diese Kommission überhaupt nicht ins Land zu lassen, weil-sie aus Leuten besteht die zu ienem‘Volke gehören. mit dem wir uns im Kriegszustände b efinden. Juden sind Spione der deutschen Armee. Die Deutschen führen mit uns Krieg und Herr Wilson schickt uns Juden, welche-überall ihre krummen Nasen Jiineinsteckea werden, die sich an die Front begeben und denen das Recht zustehen wird, unkontrollierte Telegramme abzusendeh“. Niemoiewski verschmäht auch nicht die -Verleumdung, daß Wilson durch jüdische, Milliardäre gekauft worden, sei Wenn die jüdischen Milliarden an der Schwelle des weißen Hauses zu klÄigen beginnen, so vergißt der. amerikanische Idealist seine Prinzipien von Ehre . Korrektheit und einfachster Rechtlichkeit Wir befinden uns. wie wir schon häufig erwähnt, haben, am -Vorabende eines. Innern Krieges mit den Juden. Mit der Absendung einer solchen ..Provokätions-Ktmunissicm“ nach Polen, wirft Präsident Wilson eine brennende Lunte ins volle Pulverfaß., Der „Kuryer Poranny“ widmet der Kommission einen Leitartikel unter der üeberschrift „Der Friede mit Polen“, worin es u. a. heißt: Die Ankunft des jüdischen amerikanischen Senators Morgenthau. macht-auf uns den Eindruck, daß wir bereits in strafrechtlicher Untersuchung stehen. Der einzige Vertrag, den man uns bisher unterschreiben hieß, betrifft nicht die Garantie der polnischen Interessen, noch deren Wohl und Unverletzlichkeit sondern die Interessen jtiDB&ffiZEffÜNO derjenigen, die sich -offen wid. mit Starrsinn als fanatische Feinde alles Polnischen proklamieren Auch der Lodzer „R o z w o i‘r h'etzt in einem Artikel: „Und du glaubst ihm. armes Amerika“ gegen die Kommission, worin es u. a. heißt: Die Delegierung-einer Kommission unter Leitung des Herrn Morgenthau betrachten, wir als einen gegen die Ehre des polnischen Volkes gerichteten Schlag. Von Morgenthau. einen) Mann, der den Juden gut'gesinnt ist. können wir kehre ehrliche und unparteiische Untersuchung der von den Jugen begangenen Verbrechen erwarten.Da1 eine gereche Feststellung für uns von großer Bedeutung ist. bitten wir Jieißestens die polnische 'Regierung.' bei der Pariser Konferenz die nötigen Schritte zu unternehmen, damit an die Spitze dieser Kommission ein vollständig unparteiischer Mann gestellt werde.. Die „Prawdä Robotnicza“ veröffentlicht ein Feuilleton über „Wilsons jüdischen Bedienten“ Morgenthau. in welchem es u. a. heißt: „Est stehe schlimm um das polnische Volk, wenn es erst solchen Leuten gefallen müsse, um nicht in Europa als Barbarenvolk bezeichnet zu werden.“ Wie verlautet, wurde diese Nummer der „P’.awda Robotnicza“ konfisziert. .. , J . / :. Das neue Einbürgerungsgesetz und die Juden in Rumänien Die Bukarester Tageszeitung „Mutuirea“ veröffentlicht den Text der neuen Bestimmungen, die B r a t i a n ü über die Einbürgerung der rumänischen J,uden erlassen hat Der wichtigste Paragraph in diesen Bestimmungen ist § 1. der wie folgt lautet: ' , „Jüdische Einwohner des alten Königreiches, die. im Lande geboren sind oder die zufällig im Auslande geboren wurden von Eltern, die im Lande .wohnen,' die nicht Angehörige eines fremden Staates sind, sind rumänische Staatsangehörige und werden alle Rechte der Staatsangehörigkeit genießen, wenn sie diesen Wunsch zum Ausdruck bringen mit der Erklärung, daß sie in Rumänien geboren'- sind und keinem fremden Schutz unterstehen.. Alle diejenigen; die die Bestimmungen des Rekrutierungsgesetzes erfüllt haben, diejenigen, die in einem der Feldzüge seit 1913 bis zum heutigen Tage mobilisiert waren,' auch wenn sie jetzt minderjährig sind, sowie Witwen und legitimen minderjährigen Kinder von Soldaten, welche in den Feldzügen von 1913 bi zui?i heutigen Tage gefallen and. brauchen keine Beweise dafür zti erbringen, daß sieim Lande geboren und keine Untertanen eines fremden Staates sjnd.1 Die einfache Erklärung; daß sie‘ rumänische Staatsbürger zu werden-'wünsfcftfeU genügt.' Die Frauenbund, die legitimen minderjährigen Kinder solcher, die eine « solche Erklärung abgegeben haben, sollen alle Rechte rumänischer. Staatsbürgerschaft genießen. . . . Alle Rechte rumänischer Staatsbürgerschaft sollen auch gewährt werden allen Witwen, Frauen und legitimen Kindern solcher Personen, welche nur für -ihre eigene Person naturalisiert waren, bevor dieses. Gesetz -in Kraft trat; falls solche Kinder zur Zeit der Naturalisation minderjährig waren. - Die Erklärung von Witwen mit minderjährigen Kindern soll gleichzeitig für ihre Kinder genügen. Für minderjährige Waisenkinder soll die Erklärung durch ihre Lehrer abgegeben werden. Sollte eine Witwe, deren Kinder minderjährig sind, oder.ym Lehrer die notwendige Erklärung nicht abgeben, so müssen diese Kinder das in dem Jahr nachholen, in dem sie.ihre Volljährigkeit erlangen. . Nr. 31 Eure , andere .Bestimmung <5) -setzt fest: .Juden, deren Ansuchen um definitive Naturäifr sation durch Dekret 3,902, vom Dezember 1918, erfüllt worden ist, sind und bleiben Bürger ohno jede Formalität. Juden, deren Ansuchen auf Grund von Dekret 3,902 abgelehnt, worden ist, ist es nicht gestattet,, die oben vorgesehene Erklärung abzugeben, aber .ihre minderjährigen Kinder können es tun. Wenn sie volljährig' geworden sind. . i In Rumänien erheben sich jüdische Stimmen, welche die Verfügung als . u n z u r e i c he n d erklären. Eines läßt sich nicht verkennen, daß die Verordnung für die Emanzipation * der rumänischen Juden einen starken. Schritt nach vorne bedeutet. Aber man muß sich vor Augen halten, daß zwischen Verordnung . und deren Durchführung in Rumänien Möglichkeiten liegen. Und selbst für den Fall, als die völlige bürgerliche Gleichberechtigung , für die. rumänischen Juden damit Tatsache wurde, so ist die rumänische Judenfrage von einer Lösung noch weit entfernt Der Zuerkennüng der Bürgerrechte müssen volle nationale . M i n d e r h:e i t s r e c H t.e folgen und Herr Bratianu darf sich der unter, der Kontro’le des Völkerbundes zu stellenden Verpflichtung nicht entziehen, wenn er nicht den Eindruck erwecken will, durch Aufstellung verklausulierter Emanzipationspäragraphen der Lösund des jüdischen Problems ausweichen zu wollen, Und während der Minister für Siebenbürgen Maniu im Pariser „Temps“ ein Interwiev veröffentlicht, welches die .Franzosen von dem (gewaltigen Liberalismus Rumäniens überzeugen sott, drückt er gleichzeitig seiiie Bewunderung für Bratianus Pariser- Haltung aus und billigt, daß dieser den Friedensvertrag nicht unterzeichnen will, der die Minoritätsrechte dem Schutz des Völkerbundes unterstellt. Und Trotz des neuen Dekretes bleiben die Juden vorläufig weiter „Fremde“ und sind im gegenwärtigen Augenblick, da man durch unvorbereitete Wahlen diel innere politische Konsolidierung zu erlangen hofft, noch immer ihrer politischen Rechte beraubt Entgegnungen Von-Heinrich Margulies. . Robert Weltsch. 1. Ich teile ' nicht „die Gebiete mit einer beneidenswerten rationalistischen Naivität“, sondern ich bemühe mich nur. die Begriffe.'die heillas durcheinandergemengt sind. auseinander zu blättern. Daß das „Leben“ die „Abstraktionen“, mit 'denen' ich operiere, nicht kennt, dürfte nur für zweierlei Leben gelten: für jenes, das Abstraktionen überhaupt nicht' kennt . und ihre Formulie- ■;rung; den' Geistigen .überläßt; '■ undr;fürJeiiesÜ das infolge ungeklärter.' irrig vermengter - Abstraktionen selbst heillos’verwirrt ist. Daß das Leben Jahrhunderte hindurch nur Konfessionsjuden kannte und nicht jene Abstraktion, mit der plötzlich die Nationalisten operierten. besagt wohl — als Beispiel — nichts gegen die Pflicht, solche Abstraktionen zu finden und ■ die Begriffe zu klären. ' , 2, Daß Robert Weltsch sich zür Wehr setzt, weii er um das Primat der ethischen Forderung fürchtet, kann auch nur mit dem Hinweis beantwortet werden, daß es theoretischer Begriffsbildung völlig gleichgültig ist. ob z. B. „zumal bei der westindischen Jugend .rein ethische Momente die Wurzeln des Zionismus bilden“ oder nicht: In der Erkenntnis selbst gibt es keinerlei Primat als das der Logik. Bevor also Robert Weltsch diese Behauptung von den ethischen Wurzeln'aufstellte und aus ihr die Forderung ableitete: „Oberstes Ziel zionistischer Erziehüngnspölitik Klassisch ist Mendele vor allem als Sprachkünstler-, ja -Schöpfer. Bialik vergleicht in dieser Hinsicht Mendeles Schatten mit dem eines Bildhauers, der nicht nur seine Gestalten modelliert, sondern auch deren Material aus dem rohen Fels erst heraushauen muß. Aus drei Grundelementen, dem Biblischen, welches den Quell aller weiteren jüdischen Sprachentwicklung bildet, dem, Talmudisch-Aramäischen, welches das traditionellreligiöse Studium durchsetzt, und einer originellen Hebraisierüng der jüdischen Volkssprache hat Mendele eine neue hebräische Spracheinheit gebildet, welche namentlich in Ihrem Wortmaterial schon ihrer Zusammensetzung nach höchst reichhaltig Ist und welche von den Späteren im Einzelnen zwar überholt; .doch für sie Ausgangspunkt und Vorbild bezeichnet Und wie er hiedurch das Hebräische selbst zu einer Art literarischer Volkssprache gemacht hat so hat er wiederum die jüdische Volkssprache durch die klassische Form seiner Werke selbst veredelt und geformt Denn immer bildet gleichsam ihre eigene 'ruhige, schlichte, manchmal etwas breite, aber immer klare und malerische Form das Erste und der sprachliche Ausdruck', den sich Mendele Immer wieder selbst bilden müßte, das aus ihr gleichsam bervorwachsende Sekundäre.v Und so wurde für uns Mendele. als was Ihn Hugo Bergmann bezeichnet: 'der Schöpfer zweier Literaturen!’-' ' v'. \:j f ■ ' ’ . ■ Fre?e jüdische Volksbühne „Uhii a Helm“ von Jakob Gordln. Der Verein- Jfrete 'jüdische Volksbühne" veranstaltete am 24.;JMi;äm Bfirgerthaater e&ne gartbesuchte Aufführung des Dramas „U.hn a Heim“.. (Heimatlos)« von r - Jak ob Go r di n. Das. «äeraktige Bühnenstück des fruchtbaren jfidlscb'änieräaamscben Reformators des jüdischen Theaters gefiört in die Reihe” der Milieudramen und weist eine ächtbare Beeinflussung durch den dramatischen Naturalismus «der europääsdhen Literatur auf. Das Werk, «das woihl nicht zu ‘Go-rdms Meistersehöpfuingen zählt wiiil-l denzersetzenden Einfluß-darstelien, den dlas neue amerikanische Milieu auf eine Familie von aus Rußland eingewanderten Juden ausübt. Alle; Typen und Altersstufen sind hier nach bewährten Mustern vertretenti-ider chassddäsch «verzückte- Großvater, «3er seine Lebensweise aus dem . russischen Ghetto hier jenseits ides großen Wassers fortsetzt, in frommem Studium und Gebet, seine Tage verbringt und, ohne der neuen Umgebung zu achten, aus' der zur kom&sah -ammuntemiden Manie gewordenen Uebung in mystsoher Zahlensynfbolik die baldige Ankunft des Messias errechnet; die scäiEchtgläub'fje, an der .Ueberliererumg hängende Hausfrau, welcher «der Gatte gegenüberstehit der sich bereits innerlich und äußerlich von ' allen Traditionen losgesagt hat und, an dbm Geist-seiner Häuslichkeit kein Genügen findend, außer Hause Ablenkung und Zerstreuung sucht und hiebei in Liebe zu einem alteimstahenden Mädchen entbrennt Schließlich der' einzige zwölfjährige- Junge, der, von guten Charakteranlagen!, 'in die: schlechte Gesellschaft des größeren Sohnes von Nachbarn gerät und, von diesem verlockt sieh gemeinsam mit ihm an fremdem. Gute -vergreift um «der Mutter das für eine OneräticM nötige Geld zu verschaffen. Der Verführer -selbst «ist der Sota eines treuherzig beschränkten, schwachen Vaters und einer Mutter, «die sich um ihn ifcht kümmert, da sie. Von mißverstandenen plötzlichen Kultureinflüssen Veranlaßt ihre' Zeit «über den Büchern verbringt und vnii Nora-Ideen erfüllt. Mami und; Haus vernadMäss'-gt-bis Sie ischDeßl&h den Mann: verläßt, um, so Ihre „Menschwerdung“ zu - vollenden. -. So wird das Tfoepiä .der inneren und äußeren Heimatslosigkeit in allen -Tonarten , moduliert und aus ■ dehi'iZusammenbruch der Familie erwächstauch die Katastrophe,' .indem die;, Frau über den Verlust, des Mannes und den sittliche Fall ihres Kindes wahnsinnig wird. Der. Verfasser erspart seinem Publikum nichts -und setzt eine zweite Wahnsinnsszene an den Schluß des Dramas« Die Frau ist im Irrenhaus für unheilbar erklärt worden und dem Manne versorgt , die „Andere“ sein Haus und die.Erziehung des Knaben. Die wider alles Erwarten geheilte Frau erscheint in diesem Kreise und als sie in der Verlegenheit des Mannes und dem Entsetzen ihres Kindes erkennt daß sie., «die gewissermaßen- Totgeglaubte hier überfliiss'g und störendgeworden ist, . fällt sie wieder in ihren Zustand zurück. Damit endet dieses düstere Stück, das trotz seiner Kraßheit eine': dünne Handlung biietet, die sich, unbeholfen in der Technik, recht mühsam abrollt. Deutlich merkt man auch an den einzelnen Figuren- «der Konstruktion, die sich in die Zwecke dieser dramatischen Geom-etrik einfügt Hier ist alles aufs Beweisen und auf die; Wirkung eingestellt - Im Ganzen keine bedeutende Dichtung, aber ein kulturgeschichtlich interessantes Stück jüdisches Theater, das außerdem den kundigen .Theatraliker, .verrät «der auf die Schaffung dankbarer Rollen bedacht , ist. Die Aufführung verdient alles Lob. Frau Siegler bot als unglückliche Frau und Mutter mit . Ihrem scäriicbten, natürlichen .Spiel eine ergreifende Leistung. Sehr natürlich, und wirkungsvoll '. He r r 'Sie g le r als Riwkin, trefflich Herr Streng in der Rolle (des .naiv-beschränkten, -gutmütigen Weiss und eine prächtige.Type Herr Reiß mann aisalter Großvater.,; Auch, alle; übrigen Mitwirkenden waren mit vielem Eifer’bei der Sache und boten durchwegs gute; Leistungen. A- F- Werbet Ätibiuieriten^für