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Jüdische Zeitung · 1919-07-25 · 30 (25.7.1919) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
30 (25.7.1919)
Date
1919-07-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 30 'ist, mit der Leitung betraut wurde. Der Lesesaal Ist» wegen Raummangel geschlossen worden. Die Bibliothek ist das einzige einigermaßen Erfreuliche ini Jugendheim. Die „Jüdischen Jugendblätter“ .wurden wegen ihres hohen Defizits eingestellt, in den Jugendkursen wurde Hebräisch, jüdische Geschichte. Gegenwartskunde und Einführung inydie Geisteswissenschaften - vorge tragen. Was speziell die Kurse über jüdische Geschichte betrifft, muß sehr bedauert werden, daß dieselben nicht dem Zwecke dienten, Kenntnisse zu vermitteln. sondern gewisse Einstellungen zu bewirken und Stimmungen zu erwecken. Es kann nicht gebilligt werden, daß in einem wöchentlich ' einstündigen'Kurs über jüdische Geschichte Vorträge über Nietzsche u. dgL gehalten werden. Aehnlich war es mit den anderen Kursen bestellt. Im ganzen muß gesagt werden, daß die Partei eine auf dem Ueberschwangder Pubertät aufgebaute und auf ein kraftgenialisches Jugendübermenschentum hinzielende Jugendbewegung nicht fördern könne und daß auch die Jugend dafür* nichts übrig habe. Der bessere Teil der Jugend bedauere, daß im Jugendheim viel zu viel Theorie getrieben und nichts praktisches geleistet wird, und ist unzufrieden darüber, daß beispielsweise weder die Palästinafrage,’ noch die Ideologie des Hechäluz auch nur gestreift würde. Dr. Tisch bespricht sodann die sehr traurigen finanziellen Verhältnisse der 'Zentralstelle und1 stellt folgende Anträge: Die Zentralstelle wird vom Landeskomitee übernommen und neu aufgebaut. In der Debatte über dieses Referat erklärt Margulies, er freue sich feststellen zu können, daß ln dem Kommissionsbericht auch nicht ein Satz enthalten ist, den er hätte anders formulieren können. Dr. Bernfeld gibt seinem Erstaunen über das Referat des Dr. Tisch Ausdruck und klärt im folgenden die Mißstände auf, die er hauptsächlich auf den Mangel an Geld zurückführt. Er gibt zu, daß Fräulein Schiff keine besonderen zionistischen, dafür aber reiche sozialistische Kenntnisse habe. Die Jugendkurse seien tatsächlich große Mißgriffe gewesen. In den Sprechsälen wurdedoch auch im Anschluß an ändere Themen immer irgendwie vom Judentum gesprochen. Dr. Bentfeld nimmt dagegen Stellung, daß man von oben her versuche, einen Einfluß auf die Jugend auszuüben. den sich die Jugend nicht gefallen lassen will, und verlangt, daß das Lamdeskomitee lediglich den Fördererverband in die Hand nehme, Aufrufe in der „Jüdischen Zeitung“ und in der „Morgenzeitung“ veröffentliche und die Parteiangehörigen verpflichte, für das Jugendheim zu spenden. ■Dr. Tartakower schließt sich den Ausführungen Dr. Bentfelds an und ist nach den Erklärungen, die. Dr. Bentfeld abgegeben hat, überzeugt,:, daß er_.es mit dem Judentum sehr ernst meine. So län^ kein besserer Leiter “als Doktor' Bernfeld vorhanden ist, soll dieser bleiben. Weiner nimmt dagegen Stellung, daß immer nur von einer neuen Jugend gesprochen wird, ohne daß zu sehen sei, wo diese Jugend ist. Die Jugendlichen, von denen Dr. Bernfeld spricht, sind 50 an der Zahl. Sache-der Partei . aber kann es nur sein, der großen Menge der Jugend ihr Augenmerk zuzuwenden.” Es sei daher verfehlt, zu verlangen, daß die Partei Institutionen unterstütze, in denen 14- bis 16jährige» Gymnasiasten mit Nietzsche beschäftigt werden. Es sei bedauerlich, daß Dr. Bentfeld offen erklärt habe, daß aus Mangel an Rednern über Zionismus über - andere Dinge Vorträge gehalten wurden. Wir haben Unternehmungen zu fördern, in denen der Zionismus besprochen und propagiert wird Die an den Namen Wynneken anschließende Jugend- . bewegung kann und darf von der Partei‘nicht . unterstützt werden. Wenn Dr. Bentfeld behauptet. daß man der Jugend keine Leitung aufoktröyieren . dürfe, so ist das wieder nur die Meinung seiner 50, für die er als für die neue Jugend! spricht. Andere sehen darin kein Oktroy, wenn die Parteileitung; mit bestem Wissen und Gewissen einen Mann mit der Leitung der Jugendbewegung betraut. Ob die propagierte ~ireue Art der Jugenderziehung einen besseren Nachwuchs bringen wird, steht noch dahin. Es ist eine der traurigsten Folgen des Krieges, diaß speziell in der Jugendbewegung, während die alten Gesinnungsgenossen im Felde standen, neue Männer, die ganz anderen Richtungen angehörten, die Leitung übernommen haben. . - Ing. Stricker konstatiert, daß hier nicht der Platz ist, um über die Prinzipien der. Jugenderziehung an sich zu sprechen, noch dazu mit einer gewissen Geringschätzung von jener Erziehung. die zur Partei führe. Eine Institution, die mit der zionistischen Organisaton nchts zu tim hat, ist ans Landeskomitee herangetreten, rjeil sie vor dem Bankerott steht. Da wir nicht die Kraft haben, die Zentralstelle lebensfähig zu machen, ist der Antrag Tisch unannehmbar, zumal eine Partei nicht Institutionen mit Menschen übernehmen kann, die,nicht in der Partei stehen, sondern erst zur Partei erzogen werden müssen. Darmt ist . aber nicht gesagt, daß sich die Partei #um solche Institutionen nicht kümmern soll. Die Zentralstelle als solche ist viel zu kompliziert, und hat deshalb ihre Pläne nicht durchführen können. Das Landeskomitee Jcann lediglich zur Vermeidung des Bankerotts die Fördereraktion der Zentralstelle unterstützen, wobei aber dafür gesorgt werden muß, daß die.einlaufenden-Gelder lediglich zur Deckung der Schulden verwendet werden. Eine sonstige Bindung oder Verpflichtung wird durch diese Notstandsaktion nicht übernommen. Das Landeskomitee tritt diesem Antrag bei. worauf die Sitzung geschlossen wird. * JÜDISCHE ZEITUNG Seite ft R. LOWIT-VERLAG WIEN-LEIPZIG. CHERUTH Eine Rede über Jugend und Religion von Martin Buben .Gottes Schrift eingegraben auf den Tafeln. Lies nicht ebaruth: eingegraben, - Sondern cherutht Freiheit.“ Sprüche der Vüter. Die jüdische Jugend, der dfe europäische Intellektualisierung die Gefahr grenzenloser Vereinsamung bringt, wird hier zu neuem Aufbau ihres inneren Lebens dufgerufea. Die Freiheit in Gott als Rettung aus dem ' Verhängnis des Zeitalters ist der Sinn dieser Rede, deren erkenntnisreiche Sprache stärksten Widerhall iri jedem jungen Herzen finden muß. Preis ln fleschmaokvqHer Ausstattung K 3_. Gesinnungsgenossen! Die vergangene Woche, in die der 20. Tamus, Theodor Herzls 15. Todestag, fiel, hat uns einen Augenblick lang Wi unserer Arbeit, die der Gegenwart und der Zukunft dient, innehalten lassen. Wir haben diese Tage dem Andenken Herzls geweiht haben rückschauend sein Werk betrachtet und haben mit stolzer Freude wahrgenommen. wie herrlich die Saat, die er gestreut hat aüfgegangen ist. Wie mächtig unseres toten Führers Lebens- \gerk gewachsen ist konnte jeder von uns allerorten mit eigenen Augen sehen: im ganzen Bereich unseres Landesverbandes wurde der HerzI-, tag gefeiert wie nie zuvor. Wo Zionisten wohnen, haben sie sich zu Herzlfeiem zusammengefunden. die bald schlichte, einfache Stunden des» Gedenkens, bald machtvoll imposante Manifestationen waren. Die neugegründeten Bezirkssektionen haben sich in unerwartet glänzender Weise bewährt: besonders an dem schönsten Tag dieser Woche, am Sonntag, da 20.000 Zionisten Wiens zum Herzlgrab auf den Döblinger Friedhof zogen. Das-war eine Heerschau, wie es noch keine in so glänzender Art gegeben hat. Es drängt uns. Dank und Anerkennung auszusprechen vor allem unseren braven Türnern, die in aufopfernder Weise Ordnung schufen, unseren iungen Bezirkssektionen, die sich ihr den wenigen Wochen ihres Bestandes so hoffnungsvoll entwickelt haben, dann'unseren Studenten und Soldaten. , den Chaluzim. Schonirim und den -Blauweißen und all den vielen Tausenden, die gekommen sind. Die vergangenen Herzltage werden uns ein Ansporn sein, im Geiste unseres Führers, weiter zu schaffen für unser Volk und unser Land. Zionistisches Landeskomitee für Deutschösterreich. Weiner. Ing. Stricker. An alle organisierten Zionisten \ Der außerordentliche Parteitag vom 30. März d. J. hat die ortsgruppenweise Umgestaltung des zionistischen Landesverbandes für Deutschösterreich beschlossen. In Gemäßheit dieses Beschlusses wurden in den vergangenen Monaten, die Mehrzahl der zionistischen Bezirkssektionen in Wien ins Leben gerufen und werden die noch fehlenden in der allernächsten Zeit gegründet werden. Damit hören die dreigroßen Verbände, und zwar „Zionistischer Zentralverein“. „Jüdischer Nationalverein“ und Verein Zion“, zu bestehen auf und es wird hiemit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die Mitglieder dieser drei Verbände. insoweit sie in Bezirken wohnen, in denen bereits Bezifkssektionen bestehen, automatisch in die Evidenz dieser übergehen und nunmehr als Mitglieder der Bezirkssektionen anzusehen , sind. ■ ... Wir fordern die betreffenden Verbandei. respektive die einzelnen Gesinnungsgenossen auf. sich das Vorangeführte zur Richtschnur zu nehmen, um so mitzühelfen. daß die Neuorganisation des Landesverbandes ehestens vollendet ist. Zionistisches Landeskomitee für Deutschösterreich. Weiner m. p. Ing. Stricker m. p. Das Zionistische Landeskomitee für Deutschosterreich an Dr. Max Nordau Das Landeskomitee hat an Dr. Max Nordau anläßlich seines 70. Geburtstages feigende Adresse gerichtet:. Großer und verehrter Meister! Diu Wiener und deutschösterreichischen Zionisten. in deren Namen zu sprechen wir berufen sind, sind glücklich. Ihnen ihre freudigen Wünsche zum beginnenden Dezennium Ihres Lebens zu senden. _ Hier in der Stadt Herzls. von der in den ersten Tagen der Zionismus seinen Flug weit in die Welt des Judentums genommen hat. lebt Ihre Gestalt, Ihr Wirken und Ihre Größe lebendiger als irgendwo fort Wir Zionisten von Wien vergessen nie und wollen späteren Geschlechtern stets von neuem davon berichten, welchen glorreichen. Anteil Sie an der Wiedererweckung des Judentums hatten und was Ihr Beispiel Ihr Wort und Ihre Schriften dem Volke und der aufhorchenden Welt bedeuteten. Sie waren. Meister, des großen Herzls großer Mitarbeiter: Sie haben den Ruhmestitel, von der ersten Stunde es gewesen zu sein, seitdem die Parole für die nationalen Reetze, für die nationalen Forderungen und für das nationale Ziel des erwachenden jüdischen Volkes von Herzl ansgegebenen wurde. Wir ehren in Ihnen den Mann, der mit einigen wenigen gleichgesinnten Mitarbeitern unser Streben in die monumentale, fortbestehende Formel des Baseler Programms gegossen hat Wir wissen, daß Sie immer Ihre Seele und ihren Geist in den Dienst Ihres Volkes zu stellen froh bereit waren, welches, wie es auch zerstreut ist in Ihnen den überragenden Mitschöpfer seines neuen Lebens sieht. Sie sind uns teuer. Meister, als Bannerträger und Führer. Wir kennen die ganze Größe unserer Dankesschuld fü Sie und wollen sie nie aus unserem Herzen tilgen. Wenn das erweckte alte Volk der ruhmreichen Epoche denken wird, in der. mitten in seienen seelischen und körperlichen Leiden, sich Helden fanden, um es aufzurichten, um ihm einen Weg zu zeigen und ihm die Kraft einzuflößen, .diesen Weg bis ans Ziel zu gehen, so wird unter diesen Helden, deren Namen bis in die fernsten Zeiten seines Seins leuchten werden, der Ihre zu den glanzvollsten gehören. Sie haben sich. Meister, sowohl Im alten Lande als in einem stolzeren, freieren und darum glücklicheren Galuth ln den Herzen aller zukwiftssicheren Juden ein Monument aufgerichtet das dauernder sein wird, als Erz. Daß wir. daß alle Juden an‘ eine Zeit glauben dürfen, in welcher unser Volk aus seinen alten Pflichten und aui seinen neuen Rechten die schönste und menschlichste Mischung zu schmelzen wissen wird, eine Mischung gleich nützlich und ehrenvoll für sich- und für die ganze Menschheit, ist. teurer Meister, zum großen Teile Ihr Werk. Wir bringen Ihnen bewegten Herzens und mit freudigen Augen den innigsten Dank, die ehrfurchtvollsten Grüße und die herzlichsten Wünsche von Tausenden dar. Zionistisches Landeskomitee für Deutschösterreich. Jakob Weiner m. p. Ing. Robert Stricker m. d. Zionistische Konferenz in Estland Dem Kopenhagener Zionistischen Bureau wird aus Reval berichtet: Seit dam Ausbruch der russischen Revolution im März 1917 begann der große Aufschwung des Zionismus auch in den Ostseeprovinzen. Die Schaffung einer zionistischen Organisation konnte indes nicht verwirklicht werden, da die deutsche Okkup^tion ein politisches Auftreten der zionistischen Bewegung unmöglich machte. _ Erst mit dem Beginn der deutschen Revolution ist für den -Zionismus in den Ostsee- Provinzen, die Möglichkeit eröffnet worden, groß* zügige Arbeiten in die Wege zu leiten. Der Grundstein zur Gründung der Zionistischen Organisation ist auf der ZionistenkonfeTenz im Dezember 1918 in Juriew (Dorpat) gelegt worden. Am 18. Mai 1919 ist die zweite Zionisten-Konf er enz in Reval eröffnet worden. Die Mitglieder des Zentralkomitees berichten, daß es ihnen gelungen ist mH den zionistischen Instanzen im Auslande in Verbindung zu kommen. Die zionistische Organisation erhielt bereits von diesen ausländischen Instanzen (Kopenhagen, London) eine Reihe von wertvollen Materiahen. Die Konferenz bat das Zentralkomitee, alles zu tim, m diese Beziehungen fortzusetzen und zu pflegen und über alle wichtigen Vorgänge in der zionistischen Welt die Ptovinzgruppen zu informieren. Ferner beschloß die Konferenz die Bildung einer speziellen Palästina-Delegation. Die Mitglieder dieser Delegation sollen bei der ersten Gelegenheit nach Palästina gehen, um über die Bedingungen für die Niederlassung in Palästina; wofür in zahlreichen jüdischen Kreisen in Estland das lebhafteteste Interesse besteht, Auskünfte za »teilen, sowie sich an einer Reihe von ökonomischen Unternehmungen in Palästina zu beteiligen. Das jüdische Palästina Die Achusa-Kolonlsatlon.*) (Zwi Cohen.) In der Erkenntnis, daß die-Rückkehr zur Landwirtschaft die einzige Möglichkeit der Gesundung des jüdischen Volksotganismus in jsich birgt, ist jede Arbeit, jeder Beitrag auf cfiesemTGebiete von nicht hoch genug emzuschätzendem Werte: es handelt sich um unsere Zukunft Eine beachtenswerte Anregung bietet — durch die Fülle des zusammengetragenen Materials — die obbenannte Broschüre von Zwi Cohen. Nach einem geschichtlichen Ueberblick über die jüdische Kolonisation entwirft der Verfasser den Plan einer landwirtschaftlichen Kolonie in Erez Israel auf den Grundprinzipien des Achusagedankens. Er fordert einen Komplex von 12.000 Dnnam lehmigen Sandbodens in Südpalästina und denkt jedem der 100 Mitglieder nach dem vollständigen Ausbau der Siedlung in Eigentum zu übergeben; 48 Dunam Mandelpflanzungen, 8 Dunam Weinstock- 8 Dunam Oliven-, 8 Dunam Eukalyptuspflanzungen, 8 Dnnam Gerr',".-Jegarten und Bauplatz, 32 Dunam Getreideland, in Summa 112 Dunam. Bis zum endgiltigen Aufbau der Kolonie wird Uebergangswirt- ') Hiemit trägt das Wiener Palästina-Amt dl* im Artikel des Dr. Egon Zweig in. Nr. 18 vom 2. Mai 1919 angekündigte fachmännische Beapreniiung der Cohen'schep Achu^abroscLüre nach.

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