Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 27 (4.7.1919)
- Date
- 1919-07-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNQ RUNDSCHAU * Die gallzischen Flüchtlinge in der Tschechoslowakei. Der letzten Sitzung der Prager Nationalversammlung lag die Antwort des Ministers des Innern auf die Anfragedes Abgeordneten Nobel und Gen. bezüglich der Ausweisung der gzlizischen Flüchtlinge vor. Der Minister hebt darin hervor, daß die Verkehrsschwierigkeiten bisher andauem, so daß nicht einmal die Flüchtlinge aus der Ukraine, die in einem Lager in Mähren untergebracht sind; abtransportiert werden konnten, obwohl sie selbst den Transport in die Heimat verlangen. Hierzu kommen gegenwärtig noch die durch (Ge Abstempelung und Ausfuhr der Banknoten, der Effekten und die Pafivorschriften entstandenen Schwierigkeiten. Nichtsdestoweniger kehren einzelne jüdische Flüchtlinge in ihre Heimat zurück; so sind im Laufe der Monate März und April einige Hundert Flüchtlinge aus Mähren abgegangen. Ueberdies sind Transporte ans Budweis, Braunau und Eger vorbereitet; die ehestens abgehen werden. Im Jänner wird den politischen Landesverwaltungen aufgetragen werden, alle Flüchtlinge, die arbeitsscheu oder arbeitslos sind, die keine Einkünfte haben oder der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen, schließlich jene Flüchtlinge, die sich eines Verbrechens schuldig gemacht haben oder aus irgend welchen Gründen verdächtig sind, unverzüglich aus dem Gebiete des tschechoskwakj'schen Staates auszuweisen. Die Regierung widme der Repartierung der galizischen Flüchtlinge stete Aufmerksamkeit und werde es mehl unterlassen, sofort altes zu veranlassen, was zu ihrer Absendüng in die Heimat notwendig ist; sobald die Verhältnisse es gestatten. * Das polnische Regiment In Posen. Von Zuverlässiger Seite wird dem „Vorwärts'Vmitgeteilt: In der Provinz Posen haben die polnischen Behörden sämtliche jüdischen Rechtsanwälte als Geiseln verhaftet ^n der Stadt Posen seihst auch andere angesehene Juden. Man fürchtet daß dies der Anfang einer allgemeinen Judenhetze, wie sie ehemals in Russisch-Polen, namentlich in Wilna, gewütet hat ist * Die Konvention über die Minderheitsrechte unterzeichnet. „Petit Journal“ meldet: Gleichzeitig mit dem Friedensvertrag soll eine Konvention zwischen den Großmächten und Polen unterzeichnet werden, die in zwei Kapiteln und 16 Artikeln die Rechte der nationalen und religiösen Minoritäten in Polen festlegt Der Wortlaut soll erst in einigen Tagen veröffentlicht werden. * Polnische Bestialitäten, Das „Lemberger Tasblatt” vom 27 Juni meidet: Seit drei Tagen wüten in Lemberg neue heftige Exzesse gegen die Juden. Geschäfte werden ausgeranbt jüdische Passanten werden überfallen und ihnen die Bärte aus gerissen oder abgeschnitten. Besonders am Bahnhof werden die Juden beschimpft und geprügelt Einem Juden wurde am Bahnhof beim Uariabschneiden ein Stück Fleisch Ii c r a n s c eschni11 en, worauf der Täter noch 2» Kronen ..zur Belohnung für die „Mühe“ verlangte. Die Behörden stehen dem . Treiben ganz passiv gegenüber und ergreifen keine Maßnahmen' zum Schulz ctr Juden. * Frankreich gegen die Pogrome. Donnerstag, den 26. v. M. veranstaltete die .Liga für Men-, schenrechte“ im großen Saal „Trocadero“ in Paris ein massenhaft besuchtes Meeting gegen (Ge Judenpogrome. Es sprachen der ehemalige Minister Painievd, Anatole France und mehrere andere Politiker und Literaten. * Zionistische Konferenz in Saloniki. Die Delegierten von 13 zionistischen Vereinigungen aus verschiedenen griechischen Provinzen .beschlossen auf der hier abgeh<enen Konferenz eine Federation, aller Zionisten in Griechenland zu bilden und eine Monatsschrift in griechischer Sprache herauszugeben. Zionistische Bewegung Das Erziehungsamt der Zionistischen Organisation Das Eziehungsamt (Education Department) der Zionistischen Organisation versendet folgendes Zirkular in hebräischer Sprache an die Zionistischen Landesverbände: „Die Allgemeine zionistische Konferenz, die vom 24 Februar bis 12. März dieses Jahres in London getagt hat. hat den Beschluß gefaßt, die Zentralieitung der Zionistischen Welt-Organisation nach London zu verlegen, wo sie in den Händen "von r Mitgliedern des Engeren Aktions-Komitees und einigen Mitgliedern des Großen Aktions-Komitees. die für diesen Zweck nach London gekom- men sind, liegen soll. Von hier aus wird die zionistische Arbeit durch Spezialabteilungen, die jedem Gebiete zugewiesen werden, geleitet werden. An der Spitze einer jeden Abteilung steht ein Mitglied des Aktions-Komitees, das die Hauptverantwortung für die seiner Leitung unterstellten Arbeiten trägt Unter anderen Bureaus hat die Gesamt-Organisation auch ein Spezialbureau für sämtliche Angelegenheiten der Erziehung und Kultur gegründet ein Gebiet das einen sehr hedeutenden Platz im Programm unserer Arbeit einhimmt An die Spitze dieser Abteilung ist das Mitglied de§ Engeren Aktions-Komitees. Herr Dr. Schmarja Levin. gestellt; worden. Als deren Sekretäre funeieren: die Herren l)r. Hugo Bergmann, Salomon Ginzberg und Pessach G i n s b u r g. % Die Abteilung für Erziehung und Kultur hat sich zur Aufgabe gestellt zunächst sämtliche arbeitenden Kräfte für kulturelle und erzieherische Anstalten sowohl in Palästina als in der Diaspora zu organisieren. damit wir eine klare Uebersicht bekommen über die Summe der Kräfte; die unser Volk der hebräischen Erziehung und der hebräischen K.ultur widmet und damit'wir unserseits soweit al? möglich ein bestimmtes System, einheitlich in seinen Prinzipien, in -die Arbeit bringen können. " Das Erziehungs- und Kulturamt wird ferner bestrebt sein, das ganze wissenschaftliche und statistische Material zu sammeln, welches uns bei der Durchführung der von uns längst beschlossenen. Errichtung von Hochschulen in Palästina als Unterlage dienen wird. Zu diesem Zweck werden wir uns mit unseren wissenschaftlichen Kräften in Verbindung setzen, mit den bekanntesten Spezialisten und Fachleuten, um von vornherein darüber, unterrichtet zu sein, an wen wir uns zu wenden haben und duf wen "wir rech- „ nen können, wenn der Zeitpunkt gekommen sein wird, die Auswahl der Personen zu treffen, die unsere neuen Institutionen leiten sollen. Damit haben wir nur einen Teil des Programms unseres Amtes berührt. Demnächst werden wir Ihnen ein ausführlicheres Programm über die verschiedenen von unserem Amt übernommenen Arbeiten unterbreiten. Wir wären Ihnen, sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen, sehr dankbar. wenn Sie uns sowohl durch Zustellung von Material, welches auf die ■ erzieherische und kul- - turelle Arbeit in Ihrem Lande Bezug hat als auch mit Vorschlägen und Anregungen Ihrerseits, die . vom Bestreben ausgehen, den kulturellen Stand . unseres Volkes zu verbessern. behilfUch sein wollten. . - ' Mit Zionsgruß gez.: Dr. Schmarja Levin. . Zionistisches Landeskomitee für Deutschösterreich Sitzung vom 23. Juni 1919. Vorsitzender: Abg. Ing. Stricker. Anwesend: Dr. Stein, Prof. Marmorek. Dr. Tisch, Dr. Bermfeld; Ludwig Bato, Heinrich Margulies, Frau Sirkes, Dr. Ehrlich. Dr. Tartakower. Jakob Weiner. ‘ 1. Nachruf f ür Dr. Karl Meis eis. Zu Beginn der Sitzung hält Ing. Stricker dem verstorbenen Nationalfondssekretär Dr. M e isels einen tief empfundeneiT'Nachruf in dem er ausführt: Ich brauche vor diesem Forum über die Persönlichkeit unseres dahingegangenen treuen Frteundes Dr. Meiseis nicht zu sprechen; Wir ehren sein Andenken, wenn wir feierlich erklären, daß er zu amsereen Besten gehört hat, daß seine Arbeit für unsere Sache leider dazu b Cigetracen hat; sehi Ende zu beschleunigen. Er ist in einer V/eise für den Nationalfonds tätig gewesen, wie er es mit Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit nicht hätte tun dürfen. Wir haben ihn wiederholt gebeten, seine Gesundheit mehr zu schonen; aber es ist uns nicht gelungen, da er von seiner Tätigkeit für unsereen Nationalfonds auch nicht einen Augenblick lassen wollte. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. (Der Nachruf wurde von den Mitgliedern des Landeskomitees stehend angehört.) 2. Finanzreferat . Bato schließt sein Finanzreferat und stellt konkrete Anträge zur Einhebung einer besonderen außerordentlichen Parteisteuer unter dem Namen „M i s c h m a r“. Der Antrag wird angenommen und die weitere. Durchführung dem Präsidium im-Einvernebmen mit dem Finanzreferenten überlassen. , 3 Herzlgrah. Auf Anregung des Dr. Stein wird Ing. Stricker bei/ der Kultusgemeinde wegen» dauernder Fürsorge für die würdige Erhaltung desl Herzlgrabes intervenieren, da dies Amt längst keine Parteisache mehr ist ' 4,Palästinareferat Dr. Stein bespricht zunächst Gründung und Ausbau des Palästina-Amtes. Beteiligung des Nationalrates arf* den Arbeiten des Palästina-Amtes, die ünanzielle Fundierung, die Organisation der Arbeit, die Registrierung, die Chaluzimorganisaüon (die Landwirtschaft, gewerbliche Schulung. Bekleidung) die Gewerbesektion, das technische Referat das Handelsreferat, die Aerztegruppe. die Fürsorge für die zu erwartende Emigration im engeren Sinne, den Kontakt mit der Zentrale, die Mitarbeit anderer Gruppen, die» Achusabgesellschaft die Aufklärungsarbeiten, die vorhandenen und noch ans Tageslicht zu bringenden Stiftungen, das Versicherungswesen, die Lage der palästinensischen Flüchtlinge' und die Frage der Landarbeiterschaft. (Das gesamte Referat wird als Separatbericht veröffentlicht werden.) Ing. S t r i c.k e r dankt Dr. Stein für sein ausführliches Referat und schlägt vor. die Diskussion so einzuleiten, daß bei jeder Sitzung ein oder zwei Punkte besprochen werden. - Prof. M a r m o r e k nimmt das Palästinareferat noch einmal zum Anlaß um seinem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß die Londoner Leitung uns in wichtigen Dingen nicht hinlänglich informiert 1 Ing. Stricker gibt seiner Hoffnung Ausdruck, daß wir in längstens 3 bis 4 Wochen Antwort aus London haben werden 5. Las Sekretariat. Ueber die Stellung des Sekretärs, die, durch. die neue Geschäftsordnung aktuell geworden ist. wird .in eingehender Debatte gesprochen; Die. Diskussion. au der sich sämtliche Mitglieder des Landes-Komütees beteiligen,, führt zu einer vollkommenen Einigung in den diesbezüglichen An--} schäiuungen des gesamten Landes-Komrtees. , Nr. 27 6. Juger.c! frage. Dr. Tisch bittet den Romissionsbericht. der in wesentlichen Punkten noch ergänzt werden" wird, auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu verschieben.- . Hierauf wird die Sitzung geschlossen. Eine Zionisten-Steuer in Deutschland. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland, deren Etat für das Jahr 1919 auf Mk. 250.000 festgesetzt worden ist. hat beschlossen, diesen Betrag, sowie Mk. 350.000, die als Beitrag der deutschen Zionisten zum Palästina-Aufbaufonds vorgesehen sind, im Wege einer allgemeinen-Besteuerung aller deutschen Zionisten aufzubringen. Die Steuer wird in fünf Stufen zu Mk. 60. 120. 250, 500 find 1000 und mehr erhoben. Die Pflicht -zur Zahlung beginnt für das dritte Ouartal 1919 Jeder deutsche Zionist ist also in Zukunft verpflichtet, eine Zionistensteuer in Höhe voff mindestens Mk. 60 pro Jahr zu entrichten, wobei vorausgesetzt wird, daß jeder, der dazu imstande ist. einen den höheren Stufen entsprechenden größeren Beitrag leistet. Die Steuer soll 'vierteljährlich erhoben werden. Alle anderen Sammlungen (Zentralfonds. Schulwerk. Propagandafonds usw) fallen fort. Bestehen bleibt neben der Zionistensteuer lediglich' der Landesbeitrag und der Beitrag an die Ortsgruppe. Das Zentralkomitee der Zionistischen. Vereinigung für Deutschland richtet an sämtliche Ortsgruppen und Vertrauensmänner die dringende Aufforderung, sich mit ganzer Kraft der Einziehung der Zionistensteuer zu widmen und damit sofort zu beginnen. „Daily Telegraph“ über die Aussichten des Zionismus. Der Pariser Spezialkorrespondent des „Daily Telegraph“. Percival Landon. schreibt in der Nummer vom 17. Juni: „Es ist interessant festzustellen, daß die Zionisten mit ihren Plänen für die zukünftige Entwicklung Palästinas große Fortschritte gemacht haben. Das zukünftige Gedeihen des jüdischen Staates . wird zwar zum großen Teil von der Festsetzung seiner Nordgrenze abhängen. aber man ist schon jetzt mit den Flauen für die Wiederbevölkerung und Wiederaufrichtüng Palästinas eifrig beschäftigt. Zwar werden auch fernerhin vielt? wohlhabende Juden in anderen Ländern .bleiben unu ihr Arbeit dort /ortführen, doch sind sie alte dem Appell der zionistischen Vorkämpfer Weizmann und Felix Frankfurter schon letzt in höherem Maße nachgekommen. als für die im Augenblick zu leistende Arbeit notwendig ist. ■ An diesem Versuch eines. Wiederaufbaues ist die ganze Welt interessiert, und er hat den unvergleichlichen Vorteil, fast das einzige der . Friedenskonferenz vorgclegtc Projekt zu sein. - das vollkommen ausgeführt werden' kann, ohne daß dadurch das Wohl oder der Besitz.einer anderen Nation beeinträchtigt wird. Der vorliegende Plan beruht auf intensiver Kulturarbeit. Die erforderlichen Menschen und Gelder werden ohne Schwierigkeiten beschafft werden können. Von führenden Zionisten wird als erste Vorbedingung ihrer Arbeit angesehen, daß — im Hinblick aut die Vorzüge der britischen Verwaltung — Großbritannien das Mandat über Palästina erhält, ein Wunsch, dem sich die übrige Welt gern anschließen wird.“ Sport J. T. V. „Makkabl XV.“ Mittwoch, den 18. Juni 1919, fand die ordentliche Generalversammlung, des „Makkabl XV“ statt. Aus dem ausführlichen Tätigkeitsberichte der VereinsleitunK wäre die im letzten Jahre neben dem für alle Altersklassen regelmäßig betriebenen Turnen (Schauturnen am 26. Anril <L J.) bedeutende vom Vereine geleistete nationale Arbeit hervorzuheben. die in der Anlegung einer jüdischen Nationalbilbliothek. Schaffung eines Palästina-Reisefonds. Chanuka- und Pessachfeier. in diversen Vorträgen für sämtliche Vereinsmitglieder und Gäste, und Märchenvorlesungen für die Kinder ihren Ausdruck-findet. Der wichtigste Beschluß der Generalversammlung ist: die Annahme des Baseler Programmes in das Vereinsstatut. Die Neuwahlen für das kommende Vereinsjahr — Jubiläum des 20jährigen Bestandes — zeigte folgendes Ergebnis: I Obmann Moriz Schiller. II Obmann Otto Ruzek. III. Obmann»Komm. Rat Leopold Bass. I Schriftführer Gisela Tauber, II. Schriftführer Karl Hein. I. Kassler Grete Sabel. II. Kassier Arthur Mekker, I. Zeugwart Alexander Kollmann. II Zeugwart Ernst Ehriich. 1. Platzleiter Oskar Weikendörf. II. Platzleiter Ferdinand Periitz. Bibliothekar und Vertreter im Jugendheim Otto Engelhart. Beiräte: Dr. Alfred Spitzer. Heirich aHcker. Olkär Goldschmied. Julius Hehler. Hilde. Ruzek, Emanuel Trebitsch. Josef Kühn. VereiHsnadtri&ten Zentralstelle der Jüdischen Jugendgruppen. Am. 30. Juni fand im Jugendheim unter starker Beteiligung aller Jugendgruppen die Fortsetzung der Aussprache über die Zentralstelle statt Von - mehreren Rednern wird hervorgehoben, daß die Zentralstelle nicht so sehr eine bestimmte Richtung der Jugendorganisationen schaffen soll, als vielmehr alle Gruppen, .welcher Richtung sie auch angehören, gleichmäßig fördern und unterstützen-solL Es wurde dabei, hervorgehoben, daß angesichts der fragen Interesselosigkeit die weite jüdische Kreise gegenüber der Jugend zeigen, .die Zentralstelle das Menschenmöglichste getan hat,' um die Institutionen der Jugend zu erhalten. Fast; alle Redner erwähnen die Auseinandersetzung BemfekPMargulies, indem sie erklären, daß die