Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 25 (20.6.1919)
- Date
- 1919-06-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2438141-2438727-2438752--6313-2446379- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite & Nr. 25 . ^Nachdemdie Begrüßungstelegramme verlese» wordenwaTeo (Dr. Hantke. Dr. Warburg [Berlin], Le wim.:J acobsohn [London] und andere), wite. auoh* ein Begrüßungsschreiben des Regierungsrates .der Stadt Basel, wurde che Sitzung vertagt . Bei Beginn der Doimerstagsitzimg begrüßt Herr Bloch- (Basel) die Tagung namens der Basler israelitischen Gemeinde. . . i . Fine Rede Andr6 Splres. . Im Laufe der nun folgenden Generaldebatte ergreift der als Gast anwesende Andre S p ire aus Paris, der bekanntlich einer der zionistischen Vertreter vor dem „Zehnerrat“ in Paris war. das Wort Es sei eine Legende, daß Frankreich dem Zionismus unsympathisch gegenübersiteheu Der Hauptgrund -dieser Legende liege in der Stellung, die die Herren Reinach und Prof. Lew an der Friedenskonferenz emnahmen. Infolge der FfeääieSten. die die Juden in Frankreich genossen und der . Stellungen, die -sie dort bekleideten, kam der Glaube auf. daß die Lösung der Judenfrage in der Assimilation bestehe. Die damals gegründete Alliance stellte ach -die Aufgabe; bereits m den Schulendie Juden für die Assimilation vorzubereiiten.. Die französischen Juden glaubten ihre Lösung, der Judenfrage auch auf dSe Juden des Ostens», auwenden zu können.. Die Alliance begann die .Entjudaisierung des Judentums. Sie hat jedoch übersehen, daß man mit Millionen Juden nicht das machen könne, was man mit den französischen Juden getan hat Die Alliance verbreitete die französische Sprache im Osten lui'd gewanndadurch an Einfluß bei der französischen Regierung. Als Berater der französichen Regierung erklärte auch die Alliance beim Aufkommen des Zionismus in Frankreich diesen für schädlich. Seit Kriegsausbruchlernten jedoch die französischen -Diplomaten im Ausland den Zionismus besser kennen. Frankreich hat nun erkannt, daß die Judenfrage nicht auf .der Grundlage der französischen Revolution zu lösen sei Frankreich erkannte, daß -die' Judenfrage im Westen zwar eine individuelle sei. es sich jedoch im Osten unreine nationale Frage, handelt. Frankreich hat dSe Verteidigung. der Juden übernommen, sowie es auch alle .anderen unterdrückten Völker schützt. Am 4. Juni 1917 überreichte Cambon. Generalsekretär des Auswärtigen Amtes. Sokolow eine Erklärung, in der er die Bestrebungen des Zionismus anerkannte. Als im Jtili 1918 eine amerikanische jüdische Aerztemissiqn auf der Durchreise nach Palästina ln Paris .weilte, versicherte Tardieü sie des Wohlwollens seiner Regierung dem Zionismus gegenüber und sagte, wenn es eine Nation gebe, die das ideale Verlangen des jüdischen Volkes verstehe, so sei es die französische; Ich-habe, führt Redner weiter aus,' vor zwei' Tagen einen Brief erhalten, laut welchem . . die Realisierung der zionistischen Bestrebungen gesichert erscheine. Statt der Redner .bedürfen wir jetzt der Arbeiter. Große Aufgaben stehen unserer Jugend bevor und wir wissen, daß wir auf ihren Alut und ihre Tapferkeit zählen können. Sie wird den Beweis erbringen, daß Israel in der ‘Lageist. nicht hur Träumen nachzuiagen. sondern auch zu arbeiten, Nach Erörterung mehrerer, organisatorischer Fragen wird dem alte« Vororte Decharge erteilt. Es wird beschlossen, ein Zentralkomitee zu bilden. . als dessen Sitz Basel für ein Jahr bestimmt wird, ln das Zentralkomitee werden gewählt: Dr. Bruns.chwig. A, Stern. Fürsprech Goetschel. J. Hack und Dr. W. Bloch. Als Nationalfondskomsifissär -wund Herr Marx bestmuht. Zionistisches Lanijeskomitee für Deutschesten eich Sitzung vom 11. Juni 1919. Vorsitz Dr. Emil Stein. Anwesend: Ing. Stricker, Dr. Schabt, Dr. Stein, Dr. Tisch, Dr. Bernfeld, Bato, Margulies, Böhm, Weiner, Frau Dr. Sirkes. - . " 1. J u g eh d f r a g e. Der Vorsitzende, begrüßt die zu diesem Punkt der Tagesordnung besonders eingeladenen' Gäste und erteilt nach Verlesung des Einlaufes und des Protokolls der letzten Sitzung Herrn Margulies das Wort zu seinem Referat. Margulies stellt in zirka, eineinhalbstündiger Rede die Prinzipien dar, nach denen er die Jugend geleitet wissen will. In ausführlicher Weise bespricht er einleitend auch alle entfernteren .Voraussetzungen, auf Grund deren er zu seinen Thesen gelangt ist Der Kern seiner Ausführungen liegt, in der Stellungnahme zur Assimilation, die er als ein oberstes sozialogisches Gesetz bezeichnet und zu deren wenigstens teilweiser Ueberwindung im .Galuth er die Wege weist. Er betont, daß ihn in der Wertschätzung der allgemeinen Kulturpolitik nichts von Bernfeld trennt, der Unterschied in den beiderseitigen Anschauungen und den daraus gezogenen Konsequenzen liege aber darin, daß Bernfeld die Nationalisierung der jüdischen Jugend für fast vollendet und daher gesichert hält während er die beständige Assimilationsgefahr noch lange nicht als abgeweüdet ansehen kann und daher die Bemfeldsche Erziehungsmethode vom nationalen Gesichtspunkt aus für äußerst gefährlich halten muß. Unsere Kulturpolitik muß daher in erster Linie' eine Nationalkulturpolitik sein. Die Fortsetzung der Debatte wird auf die nächste Sitzung . vertagt. 2. Budget Bato bittet, auf die Tagesordnung^ einer der nächsten Sitzungen das von JÜDISCHE ZEITUNG ihm zu erstattende ßudget-und Kassareferat zu setzen. < . ’ .3. Jüdische Zeitung. Zur Klärung des Verhältnisses der Jüdischen Zeitung zur Parteileitung wird Dr, Weltsch als Experte , einvernommen. und macht folgende Mitteilung: Die Zeitung ist Privateigentum, kaiön faktisch'aber als Parteiorgan angesehen werden und hat sich der Partei auch zur Verfügung gestellt Die Redaktion ist lediglich dem Landeskomitee Rechenschaft schuldig, das seinen Einfluß durch ein von den . Eigentümern konzediertes Redaktionskollegium ausübt. Das . Redaktionskollegium wurde auch seinerzeit vom niederösterreiohischen Zentralkomitee eingesetzt und besteht aus den Herren Stricker, Bato, Böhm und Geller. Diese Erklärung wird zur Kenntnis genommen und eine, eventuelle weitere Regelung der Organisationsdebatte Vorbehalten. Nach einem Bericht Böhms über den Stand des Vereinshausprojektes wird die Sitzung geschlossen. Die Polenherrschaft in Ostgalizien •Die Wiener Dele-gatfon'des ostgalizischen Nationalrates hat nach Anhörung .der Referate über die jetzige Lage in Ostgalizien folgende Resolution angenommen: I. Die jüdische Neutralität. Anknüpfend an die feierliche Entschließung des ersten jüdischen Nationalrattages für Ostgaluzen vom 18. bis 20. Dezember 1918 „5m nationalen Streit zwischen beiden das Land bewohnenden slawischen Völkern nach wie vor volle Neutralität zu wahren“, erhebt das jüdische Volk gegenüber beiden kämpfenden Völkern den Anspruch auf Respektierung seiner nationalen Sonderheit und verlangt die. Weiterbelassung der von ihm nach dem Zusammenbruch der Monarchie geschaffenen nationalen Vertretungen und Institutionen. II. Protest gegen die polnischen Rechtsbrüche. Die Delegation des Jüdischen Nationalrates für Gstgalizien protestiert: a) gegen die von den polnischen Behörden angeordnete Auflösung der aus breitester demokratischester Wahlordnung hervorgegangenen jüdischen Nationalräte, sowie auch gegen die Wieder herufungder alten, vom jüdischen Volke einmütig abgelehnten israelitischen Ku 1 tusgemerndever tr et um gen; b) gegen die Verfolgung der gewählten Vorstände der jüdischen Nationalräte, von denen unter anderen Dr. R offenst reich, Präsident des Jüdischen Nationalrates in Sambor, unrechtmäßig Verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt wurde; c) gegen die Verletzung der von Juden proklamierten und von beiden Parteien anerkannten Neutralität im polnisch-ukrainischen Kampfe durch die rechtswidrige Heranziehung der ostgalizischen Juden zum Dienst im polnischen Heere; d) gegen die rechtswidrige Entlassung jüdischer Staatsbeamten vom Dienste, weil. sie gemäß der der Haafeer Konvention auf ihrem Posten ausharrten, ihre Neutralität bewahrten und sich keines anderen „Vergehens“ schuldig machten, als daß sie sich zur jüdischen Nationalität bekennen; e) gegen den Ausschluß jüdischer Mttel- und Hochschüler in Ostgalizien aus öffentlichen Unterrichtsanstalten. III. Protest gegen die rumänische Invasion. Die Delegation des Jüdischen Nationalrates für Ostgalizien erhebt ferner Protest gegen die Besetzung ostgalizischer Gebiete durch die Rumänen, die den Juden im eigenen Lande die primitivsten menschlichen und bürgerlichen Rechte stets verweigerten und auch nach Galizien, auf welches sie weder einen ethnographischen noch den geringsten Schein eines historischen Rechtes beanspruchen können, das rumänische System der Judenknechtung und der Judenverfolgung, die bereits in Kolonien in blutigen Ausschreitungen gegen Juden seinen Ausdruck fanden, hmemtragen. IV. Gegen den materiellen Ruin der Juden. Die Delegation des Jüdischen Nationalrates für Ostgalizien fordert die jetzigen Machthaber in OstgaHzien auf, gemäß den ihnen nach der Haager Konvention obliegenden Verpflichtungen die Valutafrage auf die Weise zu ordnen, daß die iiirticche Bevölkerung m Ostgalizien von einer materiellen Katastrophe bewahrt werde, indem die von der ukrainischen Regierung zwangsweise angeführte eigene Valuta in ihrem vollen Nominalwert erhalten werde. Der jüdischnationale Wahlsieg fn der Tschechoslowakei ..In Prag wurden für ctie Liste der bewußten Juden 3945 — 3 Mandate, für die Liste der Poale-Zionisten 1326 Stimmen — 1 Mandat, abgegeben. In Karolinenthal wurden für die Liste der bewußten Juden 855 Stimmen abgegeben — 3 Mandate. Königliche Weinberge —< 2 Mandate. Smichow 341 Stimmen für de Oste der bewußten Juden .— kein Mandat, Bubentsch 149 Stimmen für die Liste der Poale- Zionlsten — kehr Mandat In Delwi’c und Zizkow wurde die Aufstellung jüdischer Osten verabsäumt Die Gesamtzahl' der in Groß- Prag für c£e jüdäschnatiooale liste abgegebenen Stimmen beträgt 8046, das sind 60 Prozent der wahlberechtigten Joden. Weiters sind den Jüdischen Nationalrat in Prag bisher folgende WaMresultafe ans den Provinz bekannt: Böhmen: Pilsen 1161 Stimmen — 1 Mandat; Lei tmeritz 246 Stimmen bei 257 Wahlberechtigten — 1 Mandat; Komotau 283 Stimmen bei 330 Wahlberechtigten — l Mandat;- D ob ris 1 Mandat; Wottitz — 1 Mandat; Klattau — 1 Mandat; 'Mies — 1 Mandat; Marieinbad — 3 Mandate; B r ü x 335 Stimmen bei 437\Wafatberechtigten — 1 Mandat; Nachod — 1 Mandat; Teplitz 1001 Stimmen bei 1600 Wahlberechtigten — 3 Mandate; Kasejowitz — 1 Mandat; Posteiberg — 1 Mandat!. In» Beneschau und Horazdowitz worden Je 2, in Goltsch-Jenikau 3 tschechische Juden gewählt. Mähren: Brünn — 2 Mandate (1 jikhsehtiationaler Bürgerlicher und 1 Poale-Zilonrst); Olmütz — 2 Mandate; Leipnik — 4 Mandate; Holleschau — 3 Mandate; Prerau — 1 Mandat; Proßnitz — 1 Mandat; Kremsier 225 Stimmen von 241 Wahlberechtigten — 1 Mandat; Ungarisch-Hradisch 242 Stimmen von 245 Wahlberechtigten — 3 Mandate; Ungarisch-Ostra —. 1 Mandat} Boskowrftfz 'Christengemeinde — 1 Mandat; Boskowitz Judengemeinde — 8 Mandate; Gödlng — 2 Mandate; Gaya — 8 Mandate; Bisenz Christengemeinde — 2 Mandate; Biseoz Judengemeinde — 5 Mandate; Wischaui — 3 Mandate; Trebitsch — 3 Mandate; Auspitz 2 Mandate. Juden und Jüdinnen! Die jüdische Arbeitslosigkeit ist zu einem Grade angestiegen, der die höchsten Gefahren für den Fortbestand des jüdischen Wirtschaftslebens, für die Volksgesundheit und für die Entwicklung der jüdischen Jugend in sich birgt Es ist notwendig, daß alle Bestrebungen, die sich die Linderung dieser Arbeitslosigkeit zum Ziele setzen u. zw. nicht in Form von Almosen. sondern durch positive Hilfe; d h. durch Schaffung von Arbeitsgelegenheiten, von der jüdischen O effentlichkeit tatkräftig unterstützt werden. Die jüdischen Heimkehrer, die aus ihrem bisherigen Erwerb verdrängt und brotlos geworden sind, die Angestellten und Arbeiter der Kriegsindustrie. die jüdischen Jugendlichen, die müde der unfruchtbaren intelektuellen Berufe v sich einer produktiven Beschäftigung zuwenderr wollen, suchen Arbeit An euch allen liegt es. sie ihnen zu kebeaf Jüdische Unternehmer, stellt jütische Arbeiter anl Jüdische Gewerbetreibende, nehmt jüdische Lehrlinge und Hilfsarbeiter auf! Jüdische Frauen, sorget dafür, daß euer Haushalt und die Pflege und! Wartung eurer Kinder von jüdischen Kräften besorgt werde! Jüdische Organisationen und Vereine, verbreitet die Forderung der jüdischen» Arbeit! Wendet euch alle, die ihr irgendwelche Arbeit zu vergeben habt aber auch alle, die ihr irgendwelche Arbeit sucht, an den Arbeitsnachweis des jüdischen Nationalrates! Unterstützet dSe Aktionen, die vom jüdischen Natkmalrat unternommen werden, wie die Schaffung von Arbeiterheimen, die Errichtung von Produktivwerkstätten usw. durch tätige Mithilfe! Alle Zuschriften und Spenden sind zu richten an cfie Adresse II., Praterstraße 17, 4. Stiege. 1. Stock. Die Sprechstunden für Arbeitsuchende sind täglich mit Ausnahme von Freitag und Samstag von 2 bis 5 Uhr nachmittags in der Jüdischen Berufsberatungsstelle. IL, Obere Donaustraße 91. Dem Arbeitsnachweis des Jüdischen Nationalrates, wurden die Agenden der Abteilungen für Arbeitsnachweis, der Jüdischen Berufsberatungsstelle, des Palästinaamtes und der Gewerbesektion übertragen. Wiener Ortskreis der jüdischen Landarbeiterschah Schluß der Besprechung des Statuts von Dr. Eliahu Rappapor t. VI. Entscheidungsgericht. In Fällftn. da strittige allgemein wichtige oder persönliche Fragen entschieden werden sollen, oder im Falle von Beleidigung. Unkameradschaftlichkeit Einzelner, entscheidet ein BntscheBdungsgericht, dem sich jeder unbedingt za unterwerfen hat Dieses Entscheidungsgericht soll den Keim zu einer neuen Gerichtsbarkeit in rieh tragen, die nicht bloße Anwendung geschriebener Gesetze, sondern lebendige Rechtspflege darstellt Bei einiger Lebendigkeit der Organisation, muß sich dieses Entscheidungsgericht zu der lebendigsten Körperschaft aifcgestalten. die ein Zusammenleben allein erst ermöglicht und in Gestalt bringt VII. Finanzamt. Ueber dieses sehr traurige Kapitel will Ich rosülange schweigen, solange sich unsere Finanzen darauf beschränken, daß wir unsere geringen Schulden nicht zu zahlen Imstande sind. VIII. Vollversammlung. Das eigentliche Parlament (wenn man sen abscheulich gewordenen Begriff hier den darf) ist die Vollversammlung; die