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Jüdische Zeitung · 1919-06-20 · 25 (20.6.1919) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
25 (20.6.1919)
Date
1919-06-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 Nr. 28 JÜDISCHE ZEITUNG Gehen wir zu den. dPrfyäegien“ über! -Bekanntlich -verlangen die. Zionisten freie Bnwanderunit*--nationale- Autonomie, (Me Möglichkeit, herrenlose imd-nicht genügend bebaute Flächen f oloitisieren zudürfen usw. Verwerfen (öe PoaJe Zion diese - Folgerungen? Im Gegenteil! Ia. 'Punkt 111/4 wird genau dasselbe ver’angt Man darf also fragen; gegen - welche Privilegien“ sich Äer Kan-.pi der Poale Zion richtet? . V\ ie unscharf, die ganze Frage des Aufbaues Palästinas im Programm der Poale Zion gefaßt wird,' geht außerdem auch noch aus einer anderen, ganz merkwürdigen Stelle hervor. Während -sonst davon die Rede ist, daß nur der „Aufbau eitler jüdischen sozialistischen Gesellschaft ln Palästina“ das Heil bringen kann, daß die notwendigen Institutionen von den jüdischen Arbeiterräten geschaffen werden sollen, und dte 3. Internationale daran mithelfen soll heißt es in Punkt Hl 4: Per jüdische Sozialismus“ — Sozialismus und nicht Kommunismus — „verlangt Garantien für seine Mitarbeit an der Kolonisation. Wie bescheiden klingt diese Forderung im Munde von erzrevolutionären Kommunisten! Mitwirkung — ja, mit wem? Am Ende gar mit den von den Paole Zion bis aufs Messer zu bekämpfenden „imperialistischen Bourgeoisie- Zionisten?“ Glauben die Paole Zion wirklich,, daß solche „Bourgeois“ so naiv sein werden, einen fortwährenden-Strom von Kapital nach Palästina zu leiten, damit er dort in die Hände der revolutionären Kommunisten fällt? Es gibt nur zwei Dinge: Entweder Palästina wird nach dem gemeinsamen Plan aller Zionisten aufgebaut oder einseitig nach; dem Rezept' der Bolscbewikl wie es die russischen Paole Zion verlangen. In letzterem Falle haben sie elbst die Verantwortung, zu tragen, die Mittel herbeizusebaffen und die Arbeit zu tun, Sind sie dies nicht imstande, woran kaum ein Zweifel ist, dann verhindern sie durch ihre dogmatischen und unlogischen Forderungen den Aufbau überhaupt. In dem Programm ist aber -darüber keine Klarheit Einerseits wird „Mitwirkung“ verlangt. — und kein sozialistischer Zionist kann bei dem demokratischen Bau der zionistischen Organisation an dieser Mitwirkung verhindert werden — andererseits wird — namentlich hi den grundlegenden Programmsätzen — die Bolschewisierung Palästinas und der Welt verlangt. Daß auf diese Weise ein jüdisches Palästina nicht zustande kommen könnte, vor allem deshalb nicht weil schon von vornherein die ^zionistische Bewegung gesprengt werden wurde, ist klar. Dahin, auf diese Sprengung, zielt ja dis Politik der Paole Zion. Habe ich noch im letzten .Artikel gefragt, wie sich der Weitverband, der -Poale Zion noch aufrechtexha'ten läßt, wtenm ein Teil der. Partei kommunistisch wirdt der ändere Ln diie .Komitees der zionistischen . „Bour- :ggois“,,,eintritt,..so. .beantwortet .jdas vorliegende Programm, diese Frage ganz eindeutig: Die russischen Poale Zion treten ganz konsequenferweise aus dem gegenwätlgen Weltyerband der Paole Zkm aus. (Schluß folgt) Die erste provisorische Landeskonferenz' des „Hapoel Hazair“ in Deutschland •Spezialbericht der „Jüdischen Zeitung“. "In Berlin tagte im Saale der „Agudäth ' Achim“, Rosenthalstraße 56. vom 23. bis 25. Mai 3919 die erste Landeskonferenz der in Deutschland neugeschaffenen „zionistischen, volkssozialistischen Organisation „Hapoel Hazair“. Es beteiligten sich an. ihr zirka 50 Delegierte von Berlin und den übrigen Städten Deutschlands. Es nahmen an dieser Konferenz - sowohl Ostals auch Westjuden teil. Es soll gleich bemerkt werden,, daß es eine der erfreulichsten Erscheinungen war, zuzusehen, wie wenig von früher, gewiß bestehenden, später Jedoch künstlich großgezogenem Gegensatz zwischen den Ost- und Westiuden zu spüren war. Es bestanden oft unbedeutende Gegensätze zwischen den Delegierten. aber sie waren bloß im Temperamente, der Anschauungsweise der einzelnen begründet, und nicht iim Ostöder Weltiudentum. Die Tatsache* ’ Maß sich die Repräsentanten beider Judentümer so gut verstanden — es kam auch dies sprachlich zum Ausdrucke, denn die meisten. Oestier •sprachen jüdisch und sie wurden trotzdem klaglos von den Westlern verstanden, — gibt mit Gewähr. daß das gewaltige Werk? der Realisierung des zionistischen Ideals möglich ist, und daß die vom Zionismus erwartete Verschmelzung aller Gruppen von Juden zu einem einheitlichen jüdischen"Volke sich zusehends zu verwirklichen beginnt. Es wird dies in noch viel höherem Maße der Fall-sein, wenn die Einheitssprache des jüdischen Volkes, das Hebräische, zur herrschenden werden und. alle Schichten des jüdischen .Volkes Vom alten hebräischen Kulturschatze beeinflußt Werden wird. Im Zentrum der Beratung stand die Frage des Programms. Es war dies keine leicht zu bewältigende Aufgabe und es zeugt vom hohen Verantwortungssinne der Teilnehmer,'daß mit überwältigender Majorität beschlossen wurde* diesmal bloß einen Programmentwurf fertigzustellen, der erst nach reiflicher Durchberatung' in den Ortsgruppen und erschöpfender Diskussion Sn der Parteipresse auf dem nächsten Parteitage das Substrat für ein definitives Programm abgeben soll. - Es lebte in den Teilnehmern die Ueberzeugung, daß das Programm nicht für den Moment geschaffen wird und es daher ausreichen müsse. Unsere Zeit ist eine Zeit der Gärung und leider auch der Schlagworte und es fällt schwer, unbeeinflußt von den Strömungen, des Tages ein für die Dauer bestimmtes Programm zu schaffen. Auf e»ne Schwierigkeit, soll hier. hingewiesen werden: Die neue Organisation nennt rieh. „Hapoel Hazair“ •— im Gegensätze zu den Bruderparteien in ' Rußland und Polen, die „Zireü Zion“ heißen — und. bringt dadurch zum Ausdruck, daß sie eine Organisation im Geiste des palästinenstcheir '„Hapoel Hazair?* sein -will. Diese Tendenz verpflichtet von allem dazu; in erster Linie palästinensisch und eminent national zu sein. Das will sagen, daß die sozialistischen Elemente nie die nationale Einheit sprengen dürfen, wie es ja leider bei anderen sozialistisch jüdischen Parteien der Fall ist Aber andererseits soll die neue Organisation eine ta Golus wirkende sein, siemuß sich daher ein Arbeitsprogramm für den .Golus schaffen, das mir dem für Palästina eine organische Einheit bildet Der Ausgleich zwischen diesen beiden Teilen des Programms ist nun rieh erlich nicht leicht und", bedarf zu seiner Herausarbeitung gewiß Zeit und ehrlicher Gedankenarbeit Es ist daher nur der diesbezügliche- Beschluß zu begrüßen. Der Einfluß der Tagesströmungen war natürlich auch zu bemerken. Der Umstand, daß die Partei Im Interesse einer gesunden, alle unnützen Kämpfe aufs erdenklich geringste Maß herabsetzenden Entwicklung, es zu ihrem Ziele gemacht, womöglichst eine sozial gerechte Gemeinschaft in Palästina-zu schaffen und daher den Sozialismus als Bestandteil ihres Programms erklärt hat. brachte es mrt sich, daß so manche Chawerim nach links schielten und peinlich bemüht waren, tu puncto Sozialismus nicht hinter den-anderen sozialistischen Parteien zu stehen. Daher kam es. daß oft vom Geiste des „Hapoel Hazair“ in Palästina nichts zu spüren war, dafür aber der Eindruck, als ob man es mit edner poalej-zionistischen Tagung zu tun hätte, erweckt wurde. Es ist nun gewiß nicht die Anfgabe des „Hapoel Ilazair“ den anders gearteten jüdischen Sozialismus parteimäßig zu bekämpfen. Seine positive Aufgabe liegt vor allem rn der Verbreitung der Ideen des palästinensischen „Hapoei Hazair“ darin, mit seinem Geiste den allgemeinen „Zionismus“ zu erfüllen, d. h. ihn für das Verständnis des Wertes der jüdischen Arbeit und der Produktivierung des. jüdischen Lebens empfänglich zu machen und auch andererseits durch geistigen Kampf die Poalei Zion im Sinne der Hebraisierung und Abrückung vom historischen Materialismus sowie auch im Sinne eines selbstbewußten —: wenn auch nicht chauvinistischen — jüdischen Nationalismus zu beeinflussen. Der „Hapoel Hazair“ darf daher nicht eine Partei im landläufigen Sinne werden, er kann und soll gegenüber den anderen Parteien voll und ganz gerecht sein, ohne sich etwas zu vergeben: er-dari-nichf.-den anderen Parteien den Rasig ablaufen wollen und rasch auf große Erfolge hinweisen wollen, denn „die Mühlen des Geistes mahlen langsam aber sicher“. Es ist nun andererseits nur zu natürlich, daß wir, das sensibelste Volk vielleicht heute auf Erden, so. rasch Stimmungen und Einflüssen unterliegen und daher auch auf der Tagung jene ungeduldigen Elemente in hohem Maße zu Worte kamen. Der Beschluß in puncto des Programmes aber beweist, daß die Konferenz fühlt und weiß, daß. der „Hapoel Hazair“ nicht für den Moment geschaffen sei. Besondere Erwähnung verdient das Referat des Dr.-Max Strauß über die Forderungen des ..Hapoel Hazair" an die Palästinatagung. Der Referent, ein sehr besonnener,-in seinen Anschauungen gereifter, sich der Verantwortung bewußter Mann, entwickelte ein detailliertes Programm derjenigen Forderungen, die vom sozialistischen Gesichtspunkte aus bei der bald ersetzenden Palästinaarbeit aufgestellt werden sollen. Er verlor sich nicht In Unmöglichkeiten, sondern zeigte Mittel und Wege, wie gemäß dem Stande der heutigen sozialen Erfahrungen diese beim Aufbau Palästinas berücksichtigt werden könnten .und sollten. Es beweist den realen, klugen Sinn des Referenten, daß er mit seinen Forderungen als Referent für „Kapital und Arbeit“ auf der Päiästinatagung fast einen vollen Erfolg erziehe. Dr. Chalm Tartakower. 2. Der «Jiecbaiuz“ strebt produktive Arbeit an und will seine Tendenzen h» den jüdischen Massen verbreiten. : 3. Der „Hechaluz“ strebt di« Organisation des produktiven Elementes für Palästina, die Vorbereitung. den Transport, und die Ansiedlung 5» Palästina an. Der „Hechaluz“ will einen kulturellen Landarbeiter schaffen. . Er will in Fühlung treten mit allen ander an Organisationen, die als Arbeitsziel Palästina habe», besonders mit dem „Hapoel Hazair“. Der Hechaluz gründet Farmen. Ackert»*- schulen. Fachschulen, hebräische Kurse und Kurse über Palästinakunde. k Eine Konferenz der Chaltizum In Warschau fand eine Konferenz der Chahizzfm statt. Der Programmreferent Heftmann führte aus, daß der Hechaluz eine A rhertefarmee für Palästina gründen solL Es wurden' folgende Beschlüsse angenommen: ' Von dem Standpunkt ausgehend. V. daß der Hechaluz eine Weltorganisation. die alle, welche nach Palästina auswandem. um es durch Arbeit zu bebauen, umfaßt, daß die Organisation in Polen und Litauen ein Teil dieser Organisation ist v 2. "daß dfe höchste Instanz der Weltorganisation die dem Zionist enkoirereß unterstellte Weltkonferenz der Hechaluz ist. ' '3. daß die diversen Pälästinaämter nach Meinung der Hechaluz eine Exrositur der zionistischen Weltorganisation sind* 4. daß der nächste Zionistenkongreß ein Amt für Palästinaangelegenheiten schafft-welches die Vertreter aller Fraktionen. Föderationen und Parteien, welche die Palästinaarbeit anerkennen, umfaßt ■ Die Vorkonferenz der Hechaluz in Polen hat folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Der „Hechaluz“ Ist-ein Verein, der die tatsächlichen Aufgaben des Zionismus — den Aufbau Palästinas für das jüdische Volk durch i&Ssche Arbeit — bewirken will. Haupt die Optimisten! (Aus einem nicht abgesandtea Briefe an Dr. Weizmaun.) Nicht also mache ich eueb, den zionistischen Unter banalem, Diplomaten, irgeua einen Vorwuri. üir vernanueit als Vertreter eines Volkes, das maentarm ist, wie kein zweites., und in den» große.- tum presugegetesugte Kreise nicht nus seine nationalen lueaie ignorieren, sondern auch ouen und un geheimen desavouieren, ue&ampien. Wir haben, macntpoutiscb gesprochen, nichts, womit. wir unseren Wünschen una Jdeaürinisseo Nachdruck verleihen konnten. Wenn wir so sprechen, wie andere Vöiiter. die vor der Frie» deuskomerenz erscheinen, wenn wir sagen: „Wie foruern“, so durien wir doch nicht auch für einen Moment vergessen, daß uns der Kraifr- Resonanzboüea fehlt, der selbstverständlich-unausgesprochen stützend und drohend hinter den Worten der anderen vorhanden ist. Ich bestaune, offen gesagt, euch alle, die ihr eben die Wendung gebrauchet: „Wir fordern!“ — wir, die wir nicht; wie die anderen, weiter irgendwie iortiahren köunen: „sonst . . sondern uns bewußt sein müssen, unseren Forderungen kein Gewicht im gebräuchlichen Sinne geben zu können, außer einem entrüsteten Zeitungsartikel und einem feierlichen Versammlungsprotest Wir, die wir bei Verhandlungen auch nicht das Mindeste davon, was eigentlich das Substrat jeder Verhandlung ist nämlich von Kompensation, zu leisten -imstande sind. Wir, die wir auf unsere Wagschale nichts zu legen haben, als die Gerechtigkeit und die moralischen Prinzipien — und wer von uns ist naiv genug, um nicht zu wissen, wie wenig gewichtig und wuchtig heute derlei luftige Idealismen sind! Ihr habt also mit treuer Hingabe, mit ebenso» kluger wie geschickter Ausnützung aller gegebenen Möglichkeiten und mit. Unterstützung derjenigen Macht oder Mächte. deren Interessen mit den unseren parallel laufen, zu erreichen versucht, was in der Jämmerlichkeit unserer Machtarmut von Regierungen und Staats* männern zu erreichen war. denen trotz aller blümeranten Reden und Proklamationen — bei manchen-wohl auch trotz einer tiefer liegenden privaten besseren Einsicht —- Macht und Staatsegoismus offensichtlich das einzige politische Kriterium für Wert und Berücksichtigungswürdigkeit sind. Was durch euch nicht erlangt werden wird,. konnte eben, wie die Verhältnisse liegen, jetzt nicht erlangt werden. Was dieienigen Machthaber — von den innerjüdische® Feinden und Denunzianten abgesehen —, deren Interessen den unseren zuwiderlaufen, davon, was sonst jetzt zu erlangen gewesen wäre, weggerissen haben, das hätte, in allgemeinen Zügen gesehen, keine Geschicklichkeit uns gewonnen. Wie sollten denn Argumente, und seien es auch die klügsten, gerechtesten, dem auf Gewalt etagestellten Beutegierigen seinen Raub entwinden? Ihr habt uns allenfalls ein ganz Großes. Unverlierbares gesichert: durch eure Verhandlungen (die. allerdings nur durch vorangegangene Entwicklungen und mehr oder weniger intensive Arbeit einer Generation ermöglicht waren) und deren Folgedie Einladung der zionistischen Vertreter zur Darlegung ihrer Wünsche vor der Friedenskonferenz, habt ihr sicherlich einen der schreckhaftesten, wenn vielleicht schon nicht den größten Stein von unserem politischen Wege nach Zion, nämlich die abschreckende Fratze des absolut Utopischen, weggeräumt. Wer beobachtet, wie fange es dauern muß., und welche Gegenwirkungen zu überwinden stad, bis eine Idee, schon als richtig erkannt in den Köpfen der trägen Weit widerstandslos festgewurzelt sitzt, der wird zugehen, daß Hfese. wenn a«cb nur formelle und vielleicht bloß papierene Anerkennung unserer Prinzipien dnreh die Mächte. Mächtigsten der Erde und die propagandistischen Auswirkungen dieser Anerkennung ein Weihender, viel bedeutender. Gewinn ist — er wird d>es mit Genugtuung zugeben, auch wenn er die«e Mächte und Machtart zu tiefst haßt «nd ihre Herrschaft für wackelig und ephemer hält. Das also habt ihr. <i!»#Leitun?. gehracht Was aber wir, die Geleiteten, die Organisierten. was haben, wir indessen geleistet? Hat jeder von uns im Laufe dieser letzten Jahre in den Leistungen, die den Geführten eigen sind, auf eine gleichstarke Anstrengung hinzuweisen. auf eta opferreiches Tun. das in entsprechender Umrechnung, wenn man so sagen kann, jenen Erfolgen der Führer gleichwertig wäre? Nim. jetzt saßen wir. saß nämlich der Teil von uns Geführten, der in England organisiert ist saß in der Gestalt und Funktion der Delegierten zur Jahreskonferenz der englischen Zionisten- Föderation — da saßen wir bei dieser Konferenz und unsere hauptsächlichste Leistung

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