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Jüdische Zeitung · 1919-06-13 · 24 (13.6.1919) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
24 (13.6.1919)
Date
1919-06-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr.24 RUNDSCHAU * Universitätsvorlesungen über Palästina. .Die Universität von Liverpool hat für die Monate Mai und Juni einen 7 Vorlesungen umfassenden Kursus über Palästina vorgesehen. Prof. R. H. Roxby wird über „Die physikalische Geographie und Raum-Verhältnisse in Palästina“ sowie über „Die ökonomischen Aussichten Palästinas“ lesen. Der Bischof von Warrington wird „Die ursprüngliche jüdische Besiedlung und die Entwicklung Palästinas“ behandeln. Prof. R. C. Bosanquet liest über „Der Kontakt Palästinas mit dem Westen“ und Herr H. K. S e 1 i m über „Der Islam in Palästina“. Herr Bertram B. B e n a s hält Vorlesungen über „Der Wiederaufbau Palästinas durch die Juden“ und „Die politischen Aussichten Palästinas“. Zionistische Bewegung Zionistisches Landeshomitee für Deutschösterreich Sitzung vom 5. Juni 1919. Vorsitzender: Dr. Emil Stein. Anwesend: Böhm, Bato, Dr. Bernfeld, Margulies, Frau S l r k e s, W e i n e r. 1. Sekretariat Der Vorsitzende teilt -nach Verlesung: des Einlaufes mit, daß Herr Doktor Tisch krankheitshalber nicht mehr als Sekretär in das Landeskomitee zurückkehren wird. Herr Jakob Weiner hat das Sekretariat übernommen. 2. Finanzen. Böhm regt bei Besprechung der Finanzlage des Landeskomitees an, •die für Zentralfonds und Mischmar bisher nach- Berlin gezahlten Gelder nunmehr hier für den deutschösterreichischen Landesverband einzuziehen. Das Berliner Bureau wird hievon verständigt und die Gg. werden aufgefordert werden, ihre Beiträge dem Landeskomitee zu überweisen. 3. Organisation. Dr. Stein teilt mit, daß in den Bezirken I, III, IV/V, VI/VII/VIII, IX, X, XVI/XVII, XVIII, XIX, XX die auf Grund des Parteitagsbeschlusses zu bildenden zionistischen Sektionen bereits gegründet sind. Im II. Bezirk wird die Gründung demnächst erfolgen; ebenso im XII. und XIII. Bezirk. 4. Palästina - Transportgesellschaft Auf Anfrage Margulies' über die Beteiligung des Landeskomitees an der m Gründung begriffenen Paläs tina-Transportgesell- Schaft teilt Dr. Stein folgendes mit: Die Palästina-Transportgesellschaft ist von' außerordentlicher Bedeutung, weshalb man sie privaten Unternehmern nicht ohne weiteres überlassen kann. Mehrere Gesinnungsgenossen haben sich zu einer vorbereitenden Besprechung züsarnmengefunden; über die Form des Beitrittes und. der Beteiligung des Landeskomitees bzw. des ihm unterstellten Palästina-Amtes sind die Ver- . handiungen im Zuge. Beim Vertragsabschluß wird darauf gesehen werden, dem Palästina-Amt nachhaltigen Einfluß auf die Geschäftsführung, auf die Bestellung der Leitung, auf eventuelle Abänderung des Gesellschaftsvertrages und neue Stammeinlagen usw. zu sichern. Bezüglich der Gewinnverteilung wird dafür gesorgt werden, daß ein eventueller Uebergewinn nicht privaten, sondern den gemeinnützigen Institutionen und durch diese den Auswanderern zukommt Die Gegenverpflichtung des Palästina-Amtes wir darin bestehen, die neugegründete Unternehmung in allen ihren Geschäftskreis betreffenden Fragen zu fördern. Ueber' die Personenfrage wird das Palästina-Amt dem Landeskomitee Vorschläge erstatten. 5. Vereinshaus. Böhm berichtet hierauf über die Möglichkeit der Miete eines Vereinshauses, welches dem Landeskomitee, Palästina- Amt, Nationalfonds, Nationalrat Jugendamt, Pädagogium, Morgenzeitung usw. genügend Raum bieten würde. Für das Landeskomitee wird Böhm mit der Führung der diesbezüglichen Verj handiungen betraut 6. J ugendfrage. Hierauf wird die Debatte über die „Prinzipien der Organisation“ begönnen und als erster Punkt die J u g e n d f r a g e behandelt Dr. Bernfeid erstattet sein Referat in dem er die Prinzipien darlegt, denen er bei der Führung seines Erziehungsreferates im Landeskomitee zu folgen gedenkt Margulies erwidert darauf und betont vor allem die Notwendigkeit der unterirdisch wirkenden, schleichenden Assimilation mit aller Energie entgegenzutreten. Hauptsächlich von diesem Gesichtspunkte aus bekämpft er die Meinung Dr. Bemfelds, daß es wünschenswert sei, die Jugend von jeder politischen Bewegung fernzuhalten, damit sie sieb ausschließlich ihrer Fachausbildung widmen kann. Gerade in den entscheidenden Jahren der Entwicklung „würde dann der Einfluß der nichtjüdischen Umgebung viel zu stark sein, als daß man hoffen könnte, daß die Betreffenden nach Vollendung ihrer Fachausbildung zuverlässig den Weg zu ihrem Volke finden. Dr. Stein resümmiert kurz die Ausführungen von Bernfeld und Margulies. Hierauf wird die Debatte abgebrochen nnd beschlossen,, zur nächsten Sitzung eine Reihe von Herren und Damen, die für ‘Fragen der Jugendbewegung kompetent sind, einzuladen. Heimarbeit und Handarbeit in Palästina Es gibt eine Anzahl von Berufen, fürdie bei den Juden besondere Eignung besteht oder erzielt werden kann. Diese können, wenn sie in Palästina, dem Land der großen Entwicklung»-f möglichkeiten mit Erfolg eingeführt werden, auch zu Hause, als Heimarbeit und von Frau und Kin- JÜDISCHE ZEITUNG iiCtlC 5 dem in der Zeit ausgeübt werden, die Ihnen drei Landwirtschaft oder ihr sonstiger Beruf dazu läßt: Korbflechterei, Erzeugung von Uhren, onti sehen Gegenständen. Goldarbeiterwaren. Schild-., krotwaren, Perlmutterwaren, Rauchwaren, Bürsten,“], Puppen. Spielwaren. Drechslerwaren. Litzenun Posamentierwaren und andere Handarbeiten. ps Die Entwicklung dieser Handarbeit zu einem”]; einträglichen Erwerbszweig wie wir dies in der,;; Schweiz, in Vorarlberg und andernorts finden, ist nur eine frage der Erschließung großer Absatz-;' quellen, wenn wir solche Arbeiter finden, die sau- ■ bere. sorgfältige und genaue Arbeit leisten. Dies / ist aber im Hinblick auf die Mentalität des Juden bei unseren palästinischen Arbeitern gewiß zu erwarten. wie wir dies .auch bei. den von der Kunstgewerbeschule ..Bezalel“ emgeführteen kunstgewerblichen Arbeiten gesehen haben, die palästinensischer Arbeit in Fachkreisen einen guten Namen gemacht haben. Natürlich wird die Heimarbeit bei uns niemals lene krassen Formen unsozialer Arbeitsweise annehmen dürfen, die allen hygienischen Anforderungen zuwiderläuft und in New-York und Nordböhmen besonders traurige Auswüchse gezeitigt hat. ln gesunden. luftigen Räumen aber, stets in Verbindung mit Landwirtschaft oder Gartenkultur wird eine Betätigung im Hause möglich sein, in der es der Arbeitende nach und nach zu großer Fertigkeit bringen könnte. Alle diese Berufe sind solche, bei denen Geschicklichkeit und Ausdauer die Konkurrenzfähigkeit bestimmen, da diese Artikel maschinell nicht in derselben Qualität hergestellt werden können wie manuell. Bei entsprechender Geschicklichkeit des Arbeiters eröffnen sich hier auch für ihn reiche Verdienstmöglichkeiten. Diejenigen, welche selbst in den oben- Unabhängige Orden Brith Sholom mit 54.360 Mitgliedern, die Bne Israel (5000 Mitglieder), Independent Western Star Order (17.920 Mitglieder), Jjüdisch-nationale Arbeitervereinigung (5200 Mitglieder), Knights of Joseph (16.000), Progressive '-Order of the West (20.000) und die Vereinigten Kleiderarbeiter mit 240.000 Mitgliedern. So haben jwir insgesamt 608.000 Juden in Amerika, welche die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina begünstigen. In dieser Summe sind noch nicht eine Anzahi kleinerer Organisationen enthalten. die mit uns gehen. Aber es gibt noch einen anderen Ausdruck für den Gesamtwillen des jüdischen Volkes. Der Amerikanisch-Jüdische Kongreß, welcher im Dezember vorigen Jahres in Philadelphia abgehalten wurde und auf weichem von allen vierhundert (mit Ausnahme von zwei) Delegierten ein Beschluß gefaßt wurde, die Errichtung einer jüdischen Heimstätte unter der Sachwalterschaft Großbritanniens im Aufträge der Liga der Nationen zu unterstützen, repräsentierte 3,360000 erwachsene Juden. Außer diesen Delegierten waren noch Delegierte der größten jüdischen Organisationen und Orden vertreten, auch solcher, deren Mitglieder nicht mit den einzelnen zionistischen Vorschlägen einverstanden sind. Also insgesamt 715.000 Juden unterstützen eine jüdische Heimstätte gegenüber den 150 Opponenten, die einen telegraphischen Protest an Präsident Wilson sandten. Jüdisch-nationales Leben in Sibirien Das Koperihagener Zionistische Bureau be- .genannten Berufen als Organisatoren oder Arbeiter in Palästina tätig sein'wollen, mögen nähere Angaben über ihre spezielle Eignung für diesen Beruf, ihre etwaigen Erfahrungen in demselben und ihre bisherige Tätigkeit dem Wiener Palästina- Amt (Handels- und Industrie-Referat) 11.. Zirkusgasse 33 bekanntgeben, um ihnen im gegebenen Momente Mitteilungen über die palästinensischen Rohstoff- und Produktionsverhältnisse ihrer Branche, sowie sonstige Ansiodlungsmöglichkeiten machen zu können. Zionistische .Sektion Brigittenau. Am 26. Mai fand im Brigittasaale de Gründungsversammlimg der zionistischen Sektion Brigittenau statt. Der Sekreär des Lamdeskomitees. Herr Dr. E. Jdsch, referierte über den heutigen Stand des Zionismus. Der zweite Referent. Herr Dr. Otto Abeies, betonte in seinem, mit starkem Beifall aufgenommenen Reierate. die Dringlichkeit und Notwendigkeit der bevorstehenden Wahlen in den jüdischen Nationalrat. Zum Schlüsse forderte er die Gesamtjudenschaft zum Beitritt in die zionistischen Bezirkssektionen auf. Bei den vorgenommenen Wahlen, wurden 30 Damen und/ Herren in den Aussohuß entsendet, welcher sich bei seiner am 31. Mal stattgeiumdenen Vollsitzung folgendermaßen konstruierte: Präsident: Emil Nimhäuser; I. Vizepräsidemi: Dr. N. Kürschner, gleichzeitig Referat über Palästina und Nationaliond; II. Vizepräsident: Ing. Rieh. Beck, gleichzeitig Referat über Finanzen; III. Vizepräsident Sch. Picker, gleichzeitig Refefat über Organisation; Sekretär: Max Hojda; Kassier: Israel Trompeter. Referat über Kultur und hebräische Sprache: Dr. Jakob Reiser und Dr. M. Weinreb; Referat über Jugenderziehung: Ing. Adolf Lack und Hermann Korczyn; Referat über Wirtschaft und Politik: Bezirksrat Sigm. Dickstem. Finanzkomitee: Israel Siegel und Norbert Sabarsky. — Das Sektionslokal befindet sich 20. Bezirk, Karl Meisseistraße 5,-Tür 1. woselbst täglich von 4 bis 6 Uhr nachmittags Beitrittserklärungen entgegengenommen und Auskünfte erteilt werden. Misrachl-Delegiertentag ln der Schweiz. Anfang April fand in Zürich ein Delegiertentag des Schweizer Misrachi statt, der (Me folgenden Beschlüsse annahm: 1. Der Misrachi steht auf dem Boden der Einheit des jüdischen Volkes und weist jeden Versuch der Zersplitterung der jüdischen Volkskräfte mit Entrüstung zurück. 2. Einig in den Forderungen der gesamten Judenheit nach Palästina als nationaler Heimstätte des jüdischen Volkes, erstrebt er deren Aufbau auf Grundlage der. Tradition und der sozialen Gerechtigkeit im Geiste der Thora. 3. Der Misrachi tritt ein für die Forderung der nationalen Autonomie auf religiösem, kulturellem, sozialem und politischem Gebiete für die jüdische Bevölkerung der Länder jüdischer Massensiedlung, sowie aller anderen Länder, falls deren jüdische Bevölkerung Anspruch auf sie erhebt. 4. Der Misrachi fordert die volle und tatsächliche Gleichberechtigung derjenigen Juden, die auch ferner im Galuth bleiben. Richter Mack über den Zionismus In Amerika. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: Richter Mack, der Präsident der Zionistischen Organisation von Amerika, hat die folgenden Darlegungen über die Stärke der zionistischen Hilfsmittel in den Vereinigten Staaten gegeben: „Außer den 150.00(1 eingeschriebenen zahlenden Mitgliedern der Zionistischen Organisation von Amerika gibt es noch eine Anzahl jüdischer Brudervereine und Arbeiterorganisationen, welche den Zionismus in ihr Programm aufgenommen haben.-So z. B. der Unabhängige Orden Brith Abraham mit einer Mitgliederzahl von 200.000. der Düe politischen Ereignisse in Rußland während der letzten Phasen der Revolution haben das jüdische Volk nicht nur im eigentlichen Rußland, welches sich nun unter der Regierung der Bolschewik! befindet, sondern auch das Leben der sibirischen Juden stark beeinflußt. Sibirien und die Uralprovinzen sind heute von Rußland und vom jüdischen Leben abgetrennt und entwickeln sich ganz unabhängig und. in eigener Richtung. Die zionistische Bewegung hat immer eine große Unterstützimg von Seiten der alten jüdischen Gemeinden in Sibirien erfahren. Der Strom von Flüchtlingen, die durch den Krieg von den westlichen Gegenden des Reiches nach Zentral- und Ostrußland getrieben wurden, brachte viel neues Leben und neue Tätigkeit in diese Gemeinsten, die jetzt aui demokratischer Grundlage reorganisiert werden. Die einzig russisch-jüdische Wochenschrift erscheint in Irkutsk, der Hauptstadt Sibiriens: sie ist zionistisch und beweist durch ihre äußere Ausstattung die Popularität, welcher sich die Fetrograder „Evrejskaja Schisn". das Organ des russischen Zionistischen Zentral-Komitees, erfreut. Diese Neuerscheinung führt nämlich nicht nur den Namen des alten Organs, sondern sogar der Druck ist bis ins kleinste dem des Petrograder Organs naobgebildet. Die Entwicklung der zionistischen Bewegung und des kommunalen Lebens in Sibirien und in den Ural-Distrikten zwang die sibirischen Juden, an Stelle der zentralen jüdischen Institutionen, die sich sämtlich in Moskau und Petrograd befanden, provisorisch zentrale Distrikts- Organisationen zu schaffen, die ihre Autorität über das ganze Territorium ausüben, das heute unter der Herrschaft der allrussischen Provisorischen Regierung, welche gegenwärtig ihren Sitz m Sibirien hat. steht Es gibt zwei Organisationen: 1. Ein Zentral-Komitee für die Zionistischen Organisationen Sibiriens und des Urals und 2. Eine Zentral-Orgairäsation für alle jüdischen Gemeinden derselben Gebiete. Die erste Organisation wurde aui der Dritten sibirischen Konferenz geschaffen, die Anfang November 1918 in der Aula der Tomsker Universität wo die sibirische Duma (Parlament) gewöhnlich ihre Sitzungen bat, abgiebalten wurde. Die Konferenz wurde von Vertretern anderer Nationalitäten. dSe in Sibirien leben, warm begrüßt. Neben Beschlüssen organisatorischer Natur wurden Resolutionen bezüglich kommunaler, kultureller, politischer und Palästina-Fragen nach gründlicher Diskussion angenommen. Diese Resolutionen lauten wie folgt: Kommunale Arbeit. Die Zionistischen Organisationen und einzelnen Zionisten werden aufgefordert, die Initiative zu ergeüen und alles, was in ihrer Macht steht zu tun, um die Demokratisierung der Gemeinden. dSe Annahme eines Systems der SelbstSbesteuerung zur Beschaffung der Mittel für ihre Tätigkeit und die Einrichtung eines provisorischen Zentralorgans für alle Gemeüideh Sibiriens und des Urals durchzufübren. Kulturelle Arbeit Die Zionistischen Organisationen und einzelnen Zionisten werden aufgefordert die Mittel für ein großangelegtes Erziehangnssystem und für kulturelle Arbeiten zu bewilligen. Das ganze System der Volkserziehnng muß der Aufrichtung und Befestigung des geistigen Bandes zwischen der jüngeren Generation und der Masse des jüdischen Volkes dienen. Die Unterrichtssprache muß Hebäisch sein. Der einzige Gegenstand, der in der Landessprache unterrichtet wird, darf nur der Unterricht m dieser selbst sein. Politische Arbeit. Düe Konferenz billigt die Beteiligung zionistischer Vertreter an den repräsentativen Institutionen Sibiriens, unterstützt ihre Politik der Vereinigung mit

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