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Jüdische Zeitung · 1919-06-13 · 24 (13.6.1919) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
24 (13.6.1919)
Date
1919-06-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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\ Seite 2 f.ter (üdisctve Natiopalfonds Nr. 24 fehle«, die sie allein legitimieren, und auch dann bleibt sie unnütze Spielerei. Es ist möglich, daß die Inhaber der errungenen' Mandate und ebenso die außerparlamentarische Parteiführung es völlig unterlassen, die wirtschaftlichen und kulturellen Positionen ihrer Gruppe zu befestigen. Sie können sich auf rhetorische oder agitatorische Tätigkeit beschränken, sie können Redepolitik treiben, die nur der Demonstration und der Apologie dient — das mag für die Gruppe von gewissem propagandistischem Werte sein, rechtfertigt aber keineswegs die aufgeopferte Arbeit, da die innere Position der Gruppe nicht gestärkt wird und somit zerfällt Mandatspolitik ist also eingelagert zwischen zwei Schichten von Wirtschafte- und Kulturpolitik. Sie setzt diese voraus und muß sie ihrerseits ausgestalten. Prüfen wir nun'ehrlich die Situation. in welcher wir selbst uns befinden, so müssen wir erkennen, daß wir alle Ursache haben, uns davor in acht zu nehmen, daß unsere Mandatspolitik nicht ihren realen Boden verliert Wir können es aussprechen, ohne daß wir dabei uns oder einzelnen unter uns Vorwürfe zu machen brauchten, Dank jener Ideologie vom reinen Palästinazionismus, der jahrelang jegliche Verknüpfung mit Galuthinteressen bekämpft hat haben wir die Galutharbeit derart vernachlässigt daß war ziemlich unvorbereitet waren, als die früher geschilderte politische Konstellation uns zum Intensivieren der Landespolitik (Nationalrat Aufstellung von Kandidaten usw.) veranlaßte. Die Erfolge, welche wir errangen, waren nur zum Teil eine Frucht unserer Arbeit zum Teil erzielten wir sie überraschend, trotz unserer mangelhaften Vorbereitung, aus Gründen glücklicher und zufälliger Konstellation usw. Das ist gewiß kein Unglück — aber es kann uns zum Unglück gereichen, wenn wir uns über die Situation hinwegtäuschen wollten. Es kommt jetzt alles darauf an, daß wir unsere realen Positionen verstärken, vertiefen, ausbauen und daß wir uns nachträglich alle jene Dinge schaffen, die uns eine stärkere Gewähr für den Bestand unserer Bewegung geben, als die Augen- _blickskonstellatk)iuen mit ihren Tageserfolgen. Wir sind nahe der. Gefahr, daß wir von dam ganzen großen Komplex der Politik, welcher in seiner Ganzheit unser Galuthproblem darstellt nur. die reine Mandatspolitik herausgreifen und alles andere außer acht lassen. Wir müssen uns gegen ''diese Gefahr mit allen Kräften verbarrikadieren. Wir können dies nur,indem wir umsereGalutharbeit nach reiflich durchdachtem Plan ernst und verantwortungsvoll in Angriff nehmen und Ihren beiden Hauptkomponenten, der Wirtschaftspolitik und der Kulturpolitik, mit allen Instrumenten der Wissenschaft auf den Leib rücken. Als zweite Erkenntnis und Forderung ergibt sich dem nach:'das Landeskomitee hat auf der Grundlage der bisher erfolgten Landespolitik ein Programm der Wirtschafts- und Kulturpolitik aufzustellen und seine Verwirklichung intensiv zu betreiben. Nun ist das theoretisch leicht so zu formulieren, die Frage ist aber, ob oder inwieweit das Landeskomitee praktisch etwas daraus zu machen in der Lage ist „ . Wir werden also die Grundlagen der für uns möglichen Kultur- und Wirtschaftspolitik zu prüfen haben, um alsdann jene Folgerungen ableiten zu können, welche sich für die Mandatspolitik daraus ergeben. (Wird fortgesetzt.) Erez Israel, Heft III (Mitteilungen des Ha.uptburea.us das Jüdischen , Natäonaifonds. Den Haag.*) Die Frage der Nationalisierung des Grund and Bodens steht im Brennpunkt der Diskussion. Der Jüdische NatSonaifondis, als der zu diesem Zwecke auf Initiative Theodor Herzls vom Zionistenkongneß 1901 geschaffene LaimSicmds. erfreut sädh, wohl dank diesem seinem Prinzip, seit langem großer Popularität bei der Masse der Zionisten und weit über diese hinaus. Dafür legt die NF.-Chronnk in dem ebenerwäfluu ten Hefte in eäner Reihe von Kundgebungen fast aller eionistisdhen Tagungen der_ letzten Jahre beredtes Zeugnis ab. Iudeß soll nicht übersehen wienden. daß selbst innerhalb des Zionismus noch Gegner des Prinzips des gemeinschaftlichen Eigentums an Boden »nid dessen Vergebung in Erbpacht vorhanden sind. Sie gehen in der Halupfcsarihe von folgenden Erwägungen aus: 1. Der Nationalfonds' wolle die Bodenspekulation und deren schädliche Folgen hintanhalten, diese ließen sich aber auch durch andere Maßnahmen, wie Wertzuwachs-Besteuerung (Single Tax) usw. verhindern. 2. Die Psychologie der meisten Juden bedinge die Anfredhterhaltiung dies «privaten Boüieneigentums und dessen Wertzuwachs für die Besitzer, die sonst ihr Kapital statt Sn Palästina anderswo investieren würden. 3. Der Natümaifonds werde allein dicht Imstande sein, die erforderlichen großen Kapitalien zum Ankauf des in Privatbesitz befindlichen. Bodens in absehbarer Zeit aufzubringen. Diese Argumente werden von Praktikern und Theoretikern in einer Reihe von Aufsätzen und Berichten in ..Erez Israel“ wirksam widerlegt Vor allem ergäbt sich, daß der Nationalfonds in erster Linie den minder- und unbemittelten, aber selbst arbeitenden Juden — wohl die erdrückende Majorität der Ansiedlerkandidaten — *) Zu beziehen durch den Jüdischen Vertag, Berlin, und Vertag R. Löwit, Wien, Preis Mk. 4— and K 3.—. Die Palästinatagung der deutschen Zionisten Der außerordentliche Delegierte ntlag der zionistischen Vereinigung für. Deutschland!, über dessen Eröffnung wir bereits berichtet haben, hat vier volle Venhandlungstage in Anspruch genommen. In der ersten Sitzung erstattete Dr. Hautke das Politische Referat. Er wies darauf büat, daß dem jüdischen Volk die Möglichkeit gegeben werden wird, .seinen Rechtsanspruch auf Palästina' durch ein großzügiges nationales Stedlungswerk in die Tat unfzusetzen. Die Grenzen des Landles werden denen des historischen Palästina entsprechen. „Der Weg nach Palästina wird also geöffnet sein, vom jüdischen Voike wird es abhämgen, in welchem Maße es von ihm Gebrauch machen wird.“ Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen wffies Dr. Hantke dann auf den Etat von 4004)00 Pfund Mn, dessen Aufbringung unter dem Namen „Palästina^ Aufbaufonds“ von der zionistischen Zentrale gefordert wird und dessen größter Teil für palästi-. nensische Zwecke, insbesondere für die Vorbereitung der Kolonisation verwandt werden wird. Dann deutete Dr. Hantke die Aufgaben an, die dem Palästina-Delegiertentag bevorständbn und schloß mit der Hoffnung, daß Beratungen und Beschlüsse dieser Tagung vom unwiderstehlichen Willen, am Wiederaufbau Palästinas mitzuwirken, getragen sein muß. Aus der anschließenden politischen Debatte ist besonders auf die Ausführungen von Dr. Elias Auerbach; Haifa, hinzuweisen, der auf den engen Zusammenhang hindeutet, der zwischen der Forderung der nationalen Rechte für die Juden des Ostens und der Palästinafordlerung besteht - . Hierauf erstattete Davis Trietsch. das Referat über Ansiedlungsmögüchkeiten. Er polemisiert zunächst heftig gegen die von den Parteiinstanzen anerkannten Fachautoritäten, besonders gegen Oettinger, und! «entwickelt dann seine den Lesern unseres Blattes bereits bekannten Anschauungen über die Fassungskraft des Landes und die sich daraus ergebenden Kolonisationsaufgaben. Dem ausführlichen Referat folgte eine sehr eingehende Aussprache, an der sich besonders neben dem Referenten die Herren Doktor -Ruppin, Dr. Auerbach, Dr. Chamizer, Agn. Dyik und Rotermamm beteiligten. Sämtliche Redner stimmten darin überein, daß die verzweifelten Verhältnisse im Osten und die starke Palästinasehnsucht der jüdischen Nation eine große Einwanderung nach Palästina erwarten lasse und dass seitens der Zentrale in London alles geschehen müsse, um die Vorbereitungen "zur Aufnahme möglichst großer Einwanderermassen zu treffen Wie groß die Zahl derjenigen sein wird; deren Aufnahme möglich sei, darüber gingen die Meinungen auseinander. Während dler Referent durch Ausnutzung industrieller Möglichkeiten sowie durch ein kleines Ausmaß des dem einzelnen Einwanderer zuzuteiilenden Bodens mehrere Hunderttausend von Einwanderern jährlich ansäedeln zu können glaubte, wurde von Dr. Ruppin, Dr. Auerbach und anderen der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Ansiedlung so großer Emwanderermengen nicht in Frage kommen könne. Ihren Abschluß fand die Debatte durch Ablehnung eines Antrages von Trietsch mit 37 gegen 61 Stimmen und durch Annahme eines Antrages von Dr. Elias Auerbach, für den sich eine Majorität von 80 gegen 50 Stimmen ergab. Der angenommene Antrag Auerbach- Iautfet: „Der Palästina-Delegiertentas der Zionitag deT deutschen Zionisten . erwar tet und fordert von der Leitung der zionistischen Bewegung die sofortige Inangriffnahme aller Vorbereitungen für eine-geordnete mit allen Kräften zu beschleunigende Einwanderung in Palästina «nach Maßgabe der Möglichkeiten des Landes.“ Ferner wird folgender Antrag Reich alsdann angenommen: „Der Palästina-Delegieretntag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland beschließt die Schaffung eines Palästina- Amtes und eines Palästina-Ausschusses. Dem Paläsfina-Amt liegt die Durchführung der auf Palästina bezüglichen Arbeiten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ob. Der Sekretär des Palästina-Amtes nimmt an den Beratungen des Geschäftsführenden Ausschusses teil. Der Palästina-Ausschuß ^virkt ehrenamtlich. als sachverständige Beratung des Zentralkomitees. Die Personalvorschläge für bei4e Instanzen macht das Präsidium des Palästina - Delegiertentages dem Geschäifeführenden Ausschuß, dler, soweit nicht zwingende Gründe dagegen sprechen, dementsprechend entscheidet“ Trietsch gründet eine Fraktion der Maximalisten. Trietsch gäbt folgende Erklärung iah: „Sie haben nach der Richtung dler kleineren Möglichkeiten entschieden. Meine Arbeit, die nie von offiziellen Aufträgen abhängig gewesen ist — sonst hätte sie nie ßegiimnen können — wird weitergehen wie bisher. Im Rahmen Ihrer neuen Palästina-Instanzen werde ich es allerdings «nicht können. Der Mlinimalismus hat Platz, innerhalb des Maximalismus, aber niemals umgekehrt Die Minderheit der Wagemutigeren, die in diesem Falle auch die besseren Rechner sind; wird nicht io der Mehrheit der Minden-mutigen verschwinden wollen. Wir werden Mittel und Wege finden, sei es in der Form einer politischen Föderation oder einer politischen Fraktion odler in einem sonstigem organisatorischen Rahmen, ein durch , minimalfstische Beschränkungen unbehindertes Arbeitsfeld uns zu schaffen.“ , Neben den Fragen der Aufnahmekapazität des Landes, die einen breiten Raum dler Verhandlungen in Anspruch nahmen, waren es besonders die Probleme des sozialen Aufbaues. die den Delegierfentag beschäftigten. Zu diesem Thema wurden zwei Referate gehalten: Dr. Fritz Sternberg sprach über die Nationalisierung des Bodens, Rechtsanwalt Max Strauß über Kapital und Arbeit Der erste Referent forderte, um Bodenspekulation und Großgrundbesitz zu vermeiden und um die Grundrente der Gesamtheit zuzuführen, daß aber jüdidurcli die Entlastung voni Bodenkauf die Kolonisierung ermöglichen wird. Die Bodenspekulation und deren schädliche Wirkungen würden dann von selbst verschwinden. Dies wird nachdrücklich in dem von der Nationalfondsverwaltung veröffentlichten Manifest zum Ausdruck gebracht. In der Abhandlung „Das Kreditproblem bei der Erbpacht“ führt Julius Simon den Nachweis, daß der Erbpächter auf Nationalfondsboden ebenso würdig eines langfristigen Agrarkredites ist wie der Bodeneigentümer. Nehemia de Lieme behandelt dieselbe Frage in einem Artikel „K ö Ionisation skr edit“ vom technischen Standpunkt und gegen den in demselben Hefte veröffentlichten Aufsatz von Dr. Arthur Ruppin „Nationalisierung des Boden s“ polemisierend, gelangt er zu den gleichen Schlüssen wie Simon. Besonderes Interesse dürften in weiten Kreisen die Ergebnisse erwecken, zu denen eine vom englischen Landwirtschafts-Ministerium eingesetzte Kommission zum Studium der Ansiedlung und landwirtschaftlichen Beschäftigung ausgedienten Soldaten in England gelangt. In zehn Paragraphen, setzt die englische Parlamentskommission die Vorteile der Pacht gegenüber dran Eigentum an Boden auseinander. U. a. wind die charakteristische Tatsache hervorgehoben, daß die englischen Ansiedler, denen auf Grund des Small Holdings Gesetzes seit 1908 die Wahl freistand. Eigentümer oder Pächter des Bodens zu werden, sich in ihrer Mehrheit für die Bodenpacht entscMeden haben. Die Frage der Beschaffung der erforderlichen großen Mittel durch den Nationalfond in allen Ländern sind im einzelnen die Mittel angegeben. auf welche Weise die erforderlichen „Hunderte von Million««“ aufgebracht werden können. Der freiwilligen Besteuerung wird hierbei die Hauptrolle zugewiesen. Die Frage der „Kapitalbeschaffung für. Palästina“ untersucht ein Artikel von Ing. S. Kaplansky. in dem die Gebiete des Geschäftskapitals einerseits und des Spendenkanitals anderseits abgegrenzt werden. — Ing. Agr. O ettinger ist mit einem informativen Artikel über .Landpacht und Agrarkredit“ in den englischen Dominions vertreten, Zur Orientierung über die Fragen der Erbpacht, des Rentengutverfahrens und des Erbbaurechts in Deutschland trägt eine Abhandlung von Prof. H. Alb recht bei. Es seien jemer Buchbesprechungen von Dr, M. S SfirTö ssinger. Ing. S. Kaplansky und Dobtßr Nawratzki angeführt. Der propagandistische Teil enthält außer dem bereits erwähnten Manifest samt Thesen des Hauptbureaus und einer NF-Chronik Berichte über die Werbearbeit des JNF für das Jahr 1917- 1918 mit statistischen Tabellen seiner Einnahmen, zum Schlüsse einen Artikel „Auf dem Wege zu einem Herzl-Museum“ yon Nathan Groß. Dem Hefte sind auch eine Reihe von neuen schönen Bildern aus Palästina beigegeben. Ein jüdischer Dichter der Renaissance. Ueber einen, wohl vielen bis dahin unbekannt gewesenen Dichter. Immanuel RomL referierte unlängst Dr. Loewenstein in Zürich. Nach einem historischen Ueberblick über die Entwicklung der neuhebräischen Poesie behandelte der Referent eingehend Person und Schöpfungen des Dichters. Die in 28 Makamen eingeteilten sogenannten „Machberoth Imman u e 1“. das Hauptwerk des Dichters, bildeten den Gegenstand ausführlicher Besprechungen, und hier war es wieder die letzte Makame (Hölle und Paradies), die der Redner speziell hervorhob. Er zog interessante Parallelen zwischen dieser und Dantes „Divina Comedia“, die Immanuel in seinem Werke vorschwebt, wie er überhaupt vom italienischen Geist des vierzehnten Jahrhunderts und besonders von seinem Zeitgenossen und Freund Dante stark inspiriert ist Die verschiedenen Makamen. von denen der Referent Proben in Uebersetzüng gab, sind meist Satiren, doch fehlt es auch nicht an ernsten Betrachtungen. Für uns Juden liegt in den Dichtungen' Immanuels ein doppelter Wert da er .uns echt Jüdisches gibt und dabei in seiner Form ein Vertreter der italienischen Renaissance ist

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