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Jüdische Zeitung · 1919-06-06 · 23 (6.6.1919) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
23 (6.6.1919)
Date
1919-06-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 aber auch die Idee /des Zionismus so völlig überwuchert hat. daß ein Leo Rosenbenr das schreiben darf, das, lieber Bruder Chaluz. der du den Mut hast, dich so zu nennen, das ist nur dann möglich, wenn man Hechaluz als den Sohn des Idealismus und der Not. als der Name für jegliche Uebersiedluntr notleidender Juden nach Palästina zuläßt Aber auch ein drittes sollt ihr hören: jmd aus einem Schwall schöner Worte brauten wir uns etwas zusammen, was wir unsere Gesinnung nannten. — Nun hörten wir die Kunde von den Chaluziim. Junge Juden redeten und schwatzten nicht mehr, sondern nahmen Hacke und Schaufel. — Die-Zeit des Geschwätzes, der schönen’Redeu. Programme wird bald vorbei sein. — Brüder und Schwestern. :—. Es kommt die Stunde,, wo sich Wortmensch und Tdtmensch scheiden wird. — Ihr habt die Wahl. Also wählet.“ Hat dies einer geschrieben, dessen Gesinnung nun laicht mehr der Schwall schöner Worte ist. sondern die Arbeit? Einer, der nicht mehr redet und schwätzt, sondern Hacke und Schaufel zur Hand nahm? Noch ist es nicht zu lange, da hieß es noch, die Zeit der schönen Reden ist vorbei, die Hitze mindert sich Und es heißt letzt schon, sie wird bald vorbei sein. In der Ausgabe dieser Worte, wie sie nächstes Mal ausgerufen werden sollen, wird es wohl schon heißen, die Zeit der schönen Reden, Programme wird bald vorbei sein, bis am Ende der Entwicklung steht: Hechaluz ist Idealismus einerseits. Notzucht andererseits. Nun. Brüder und Schwestern, der Vogel, der so schön von der Wahl singt, er ist ist noch immer dem Wort, und ich kann es bei Gott nicht einmal schön finden, ergeben und legt noch immer die Entscheidung für sich in die Zukunft. Ich habe aus der Nr. 5 vom 1. Mai 1919 der „Jüdischeil Jugendblätter“ aus dem Aufsatz von Robert Weiss „Jugendbewegung" zitiert, um ihm. der die O'effentlichkeit des Wortes so vielfach sucht, auch öffentlich, ihm und anderen zu Nutz und Frommen, zu sagen, daß die Verbiegung der Begriffe; wie ich sie bei Herrn Jacques Omstein und Leo Rosenberg an Glanzlichtern gezeigt habe, von hohler Schönrednerei ausgeht und sich sogar aus Tagebuchblättern von sich Hechaluz benamsenden' Menschen entspringen kann. Jedenfalls aber wäre es besser. Sie. Robert Weiss. sagten ihren „Brüdern und Schwestern“, daß sie sich zu dem einen nicht entschließen wollen, weil Sie die Entdeckung gemacht haben, man könne auch so und auch anders und könne das Ideal auch mit der Zweckmäßigkeit verbinden, denn Ideal sei eine sehr gefügige Masse — ganz-im Gegensatz zur Idee. ■ Zionistische Bewegung Jakob de Haas über die politischen Aussichten des Zionismus . - Das Pittsburgher Programm akzeptiert. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: Jacob de Haas, der am 7. April aus Europa nach Amerika zurückgekehrt ist. hat seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Friedenskonferenz die historischen Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina anerkennen und der zionistischen Bewegung die Erfüllung ihrer Aufgaben für die Errichtung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina ermöglichen wird. Herr de Haas äußerte sich folgendermaßen: Bis das endgültige Dokument versiegelt, unterzeichnet und abgeliefert ist. kann man zwar nichts Entgültiges sagen, doch darf man wohl annehmen. daß die Friedenskonferenz (he historischen Ansprüche des jüdischen Volkes auf Palästina anerkennen und die zionistische Bewegung in Stand setzen wird, eine Reihe von Schritten zu unternehmen, die schließlich zu der Erreichung des jüdischen Gemeinwesens führen werden. Diese Verwirklichung eines zwei Jahrtausende alten Traumes ist durch das lebhafte und wanne Interesse herbeigeführt worden, das Präsident W i 1,'s'o n und alle Mitglieder der amerikanischen Friedensdelegation an unseren Zielen nehmen. Außerdem verdanken wir sie der tatkräftigen Unterstützung. die uns durch die englischeReg i e r u n g gewährt wurde. Es war für uns alle, die wir in Paris arbeiteten, außerordentlich interessant zubeobachten, daß Amerikas und Englands Sympathie für die Wiederherstellung Palästinas sich in jeder Abteilung bei jedem Beamten geltend machte, mit dem wir in Berührung kamen. Wir haben einer ganzen Reihe von Männern, die täglich mit sehr verwickelten Problemen beschäftigt waren, viel zu verdanken. Die zionistischen Forderungen mußten vier Mal umredigiert werden, was außerordentlich viel Arbeit machte. Obgleich die französischen Mitglieder der Friedenskonferenz die Sache von einem anderen Gesichtspunkte aus ansehen, standen sie uns. ebenso wie die Italiener sympathisch gegenüber. In den Vorzimmern war die Stimmung weniger zuversichtlich als in den Gemächern der Legislative selbst; Palästina wird an die Liga der Nationen fallen und England wird das Mandat darüber erhalten. Das wird sowohl die Zionisten wie die arabischen Führer befriedigen, die nicht so sehr von selbst gegen uns gestimmt waren als vielmehr von anderen antizionistischen Faktoren gegen uns gestimmt würde«. Bis die Grenzkommissionen ihren Bericht erstattet, ist es unmöglich, die Grenzen zu bestimmen, aber ich bin sicher! daß die Friedensktfnferenz ein ökonomisch selbsta,n-diges Palästina iestsetzen wird, das groß genug für-alle die ist. welche sich dort ansiedeln wollen, und daßsie Palästina za dem machen wird), was wir immer glaubten, daß es sein würde, nämlich ein Verbindungsglied zwischen Ost und West Die meisten amerikanischen Zio» / JÜDISCHE ZEITUNG Seite S nisten gehören zu der Partei eines „Greater Palestine“, und ich glaube, wir werden sowohl mit der Ausdehnung, wie mit den unmittelbar bevorstehenden Adnünistrationsrefcrmen in Palästina zufrieden sein. A . Unser PlttsbHrgftr Programm mit seiner Forderung nach sozialer Gerechtigkeit gleichen Möglichkeiten für alle. Genossenschaftswesen und nationalem Besitz aller natürlichen Hilfsquellen und öffentlichen Einrichtungen. sowie mit den Bestimmungen zur Verhinderung der'Bodenspekulation Ist ln den endgültigen Entwurf unserer Vorschläge an die Mächte anfgenommen worden. Die größte Aufgabe des amerikanischen Zionismus wird es nun sein, die Menschen und die Mittel zu beschaffen, mit denen diese Pläne ausgeführt werden können. Die Zionisten aller Länder haben diesen Plänen zugestinunt und sind für die Verwendung amerikanischen Geistes und amerikanischer Erfahrung und Systematik in Palästina. Damit die amerikanische zionistische Organisation möglichst schnell auf die Erfüllung dieser Aufgaben hinarbeiten kann, sind wir nach Amerika zurückgekehrt und haben unseren Kollegen in Paris die Erfüllung der politischen Seite der Arbeit überlassen. — Bekanntmachungen der zionistischen Leitung. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: Dr. Chaim Welz mann wird sich zusammen mit den Herren J. A. Ros off und David J ellin dieser Tage nach Palästina begeben. Die zur Zeit in London befindlichen Delegationen der jüdischen Nation alräte von Rußland und der Ukraine sind zur Teilnahme an den Arbeiten des „Komitees der jüdischen Delegationen“ nach-Paris abgereist. Immigrations-Departement Das Pal'ästina-Amt der Zionistischen Organisation in London sendet folgende Bekanntmachung an alle zionistischen , Landesverbände. Die Gründung des Palästina-Amtes ist Ihnen bereits angezeigt worden, und! wir möchten Sie jetzt mit der Arbeit bekanntmachen, die vom Immigrations-Departement dieses Amtes in Ausführung der BescMüsse der Londoner Zionistenkonferenz in Angriff genommen wird. 1. Gründung eines Zweig.bureaus in Kopenhagen zur Organisierung und Regulierung der Auswanderung aus Osteuropa. 2. Desgleichen in New-York für Nord- und Südamerika. 3. Desgleichen in London für Großbritannien, Südafrika und die britischen Kolonien. 5. Eröffnung von Informationsbureaus für Auswanderer in allen Landesverbänden, die von der Auswanderung berührt werden. / 6. Schaffung von Vorzugsbedfngunge n für solche Auswanderer, welche sich den Bestimmungen betreffs Regulierung der Auswanderung unterwerfen. 7. Vorbereitung von Verträgen mit Schiffahrtsgesellschaften. Wir hoffen, bald in der Lage zu sein, Ihnen durch die Zweigbureaus Formulare, die zur R egistrierung der Auswanderer bestimmt sind, übersenden zu können. Die Formulare können gewisse Veränderungen je nach den lokalen Bedingungen erfahren. Gleichzeitig werden wir Ihnen allgemeine Instruktionen als Richtschnur für die Eröffnung und Führung von Informationsbureaus zugehen - . lassen. RUNDSCHAU Riesendemonstration in New-York gegen die Pogrome s Das Kopenhagener Zionistische Bureau teilt mit: Die am 21. Mai in New-York stattgefundenen Protestveranstaltungen bedeuteten die gewaltigste Demonstration in der Geschichte der amerikanischen Judenheit. Zum Zeichen des Protestes verließen mittags 300.000 jüdische Arbeiter ihre Werkstätten. Läden und Theater blieben - nachmittags geschlossen und Soldaten und Veteranen früherer amerikanischer Kriege durchzogen mit Trauerbändern am Arm die Straßen! Zu dem Massenmeeting im Madison-Sqnare Garden versuchte« nach Schätzung der„New-York World“ und des „Herald“ 200.000 Menschen Einlaß zu bekommen. Bei dem Meeting waren 1500 Delegierte jüdischer Organisationen anwesend und es sprachen Nathan Strauß. Abraham Elkus. der Präsidentschaftskandidat "der letzten Wahlen. Charles Hughes. Stephen Wise. Jakob Schiff sowie der New-Yorker Bürgermeister Hylan. Letzterer drückte seinen Kummer über die Ausschreitungen sowie über die Erwartung aus, daß Amerika den Massakern sofort ein Ende machen werde. Hughes bezeichnete die Pogrome als Verrat an der Sache, für welche Amerika kämpfe. Bügermelster Hyl an protestierte namens der Christenheit gegen diese Schlächtereien. Wilsons Schwiegersohn. Senator C a 1 d e r. Gouverneur Smith und viele andere sandten "Telegramme, welche den Unwillen über die Progrome ausdrücken. Es wurde eine Resolution angenommen, weiche sofortige Intervention der amerikanischen Reele- . rung zwecks Verhinderung weiterer Ausschreitungen und Bestrafung der Schuldigen verlangt Präsident Wilson soll ferner bei der Friedenskonferenz Schritte unternehmen, damit der jüdischen Bevölkerung Polens. Rumäniens und der anderes osteuropäischen Länder unbedingt wirksame „Garantien für volle bürgerliche, religiöse und politische Gleichberechtigung sowie che gleichen Minoritätenrechte, wie sie die anderen in diesen Ländern wohnenden nationalenGrupp en besitzen, gewährt werden. Alle großen New- Yorker Zeitungen brachten ausführliche Berichte und Leitartikel und unterstützten den Protest mit wärmster Sympathie. Die polnischen Pogrome ha engSscheir Parlament Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet:. Am Montag, kfen 19. Mas, richtete in de* Sitzung des Unterhauses der Abgeordnete von Whitechapel, James Kiley. au den Staatssekretär des Aeußeren die Frage1, ob ec davon Kenntnis habe, daß seit Polen seine Unabhängigkeit wiedergewonnen habe, aatiijüdisd** Pogrome in über 140 Städten und Dörfern voa , Polen und Gabzien statteefumdlen haben, die beträchtliche Verluste an Menschenleben und Eigentum verursacht haben, und daß erst vor kurzem wieder Judenmassakers in Pinsle. Licia und Wilna stattgeiunden haben. Der Abgeordnete fragte, ob die englische Regierung bereit sei. eine Aktion zu unternehmen, um die Fortdauer der Judenverfolgungen in Polen eu verhindern. Cecil Harmswortff, Uhfcerataaitssekretär des Aeußeren. antwortete: „Die Aufmerksamkeit Seiner Majestät Regierung ist auf die Berichte über antijücSsotoe Pogrome hi verschiedenen Teilen von Polen und Galizien sowie die Massakers in Pinsk, Lsda und Wilna gelenkt worden; und Anfragen darüber sind an den englischen Vertreter in Warschau gerichtet worden, mit der Instruktion, dringende Vorstellungen bei der polnischen Regierung zu erheben. falls die betreffenden Nachrichten sich als wahr erweisen. Am Dienstag, den 20. Miai, fragte Colonel Wedgwood den Uuterstaatssekrertär des Aeußeren, ob er Nachrichten über <Se Ermordung von 56 polnischen Juden in Pinsik, die am 5. April von Polnischen Soldaten ermordet wurden, erhalten hätte und ob Seiner Majestät Regierung Vorstelhmgnen bei der polnischen Regierung erhoben habe, daß die Pogrome aufhören müssen oder daß jede britische Hilfe für Polen ein Ende haben werde. Unterstaatssekretär UnnnswortSz anworbebe: Die Regierung hart Informationen über die Erschießung vom 34 Juden in Pinsk an dem erwähnten Datum erhaben. Nach Iniomationen von polnischen Behörden waren diese Personen in ein Komplott verwickelt das bezweckte, sich der kleinen polnischen Vorposten au der polnischen Ostfront zu bemächtigen und sie zu töten; Was den Pogrom in Wilna betreife, so habe der britische Vertreter in Warschau soeben berichtet daß er keine Informationen bezüglich dieses Vorfalls habe. Colonel Wedgwood fragte weiter: „Ist den» ' Unterstaatssekretär bekannt daß die betreffenden Juden in' Pinsk sich in einer Sitzung befanden, die sich mit Fragen der Roten Kreuz-Verwaltung beschäftigte, als sie von den Polen überfallen wurden uial! daß der kommandierende Major des polnischen Detachements, der den Mord ausführer» ließ, einen Verweis von den polnischen Behörden erhielt, und daß sonst nichts in dieser Sache errötete?“ Unter diesen Umständen beantrage er. daß Vonstell unguen bed tdler polnischen Regierung erhoben werden, daß England mit äußer\ stem Bedauern die gegenwärtige > Aktion der Polen zur Aufreizung zu Judenmorden betrachte. Shaw, der Abgeordnete für Kihnarnocfc, ' fragte, ob dem Unterstaatssekretär bekannt sei, daß alle schottischen Mitglieder des Parlaments ein Telegramm erhalten haben, wonach Tausende von jüdischen Männern. Frauen und Kindern von polnischen Soldaten unter dem Schutz der gegenwärtigen pohusdhen Regierung ermordet worden seien. Unterstaatssekretär Harmswortit •antwortete, diese Mitteilung sei für üin ganz neu, er würde gern die Einzelheiten erfahren. - tm jüdischer Vertreter In der Hoover- Kcmmlsslon in Prag. Als Vertreter der Interessen jüdischer hilfsbedürftiger Kinder ist Oberrabbiner Dr. H. Brody in <cbe Hoover-Kommission berufen worden. Die Berufung soll auf besonderen Wunsch des Präsidenten Masaryk erfolgt sein. * Massenversammlung in Berlin über die Amsterdamer Beschlüsse. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: Am 7. Mai fand in Berlin eine Massenversammlung anläßlich der Anerkennung der Forderungen des jüdischen Volkes durch che sozialistische Internationale In Amsterdam statt Die Versammlung war von der Berliner Gruppe der Poale-Zkm einberufen und viele Hunderte Juden aus allen sozialistischen und bürgerheben Kreisen nahmen an ihr teiL Ansprachen hielten die Poale-Ziouisten Sahnan Rubaschow und Chasanowitsch sowie der Exminister für jüdische Angelegenheiten in der Ukraine, Rewutzki. Außerdem sprachen die deutschen Sozialdemokraten Eduard Bernstein und Dr. Oskar Cohn. 4 Die „Freunde des heiligen Landes“. Da» Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: Unter dem Namen einer „Liga der Freunde des heiligen Landes“ hat sich in Paris eine Vereinigung zur Bekämpfung des Zionismus gebildet Den Vorsitz in (fieser Vereinigung führt Herr Josef Re in ach. Ein anderer Mitarbeiter, der es sich angelegen sein läßt in der französtr

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