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Jüdische Zeitung · 1919-05-30 · 22 (30.5.1919) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
22 (30.5.1919)
Date
1919-05-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 22 scheint es, «Haß der Einfluß des Hedschaskönigs and seines Soüines bei den Arabern nicht ganz geüestögt äst Bekanntlich ist Emir Feysul selbst nach Arabien zurückfrekehrt. was wohl1 mit den letzten Aufständen du Aegypten Zusammenhängen dürfte. Jetzt soll auch Weitzmann wieder nach Palästina sehen und es, wird seine wichtigste Sorge sein, die Beziehungen zu den Arabern «zu Mären und alle falschen und entstellenden Gerüchte, welche däe Kluft zwischen den beiden .Völkern aufreiien und! Eifersucht erzeugen sollen, aus der Welt zm schaffen. Die zionistische Politik wind «n diesem Punkte besonders vorsichtig und (taktvoll seto müssen, dhimt jeder Anschein vermieden wird, der (unseren Gegnern Anlaß zu tcndentiösen Mißdeutungen und zu antizionistischer Agitation bieten könnte. Weitemamns Erklärungen in London sind völEg beruhigend für jeden, der iden Dingen ins 'Auge sieht und sich dies Ernstes der realen Verhältnisse bewußt ist iKleimütjg sind nur diejenigen. die sßch nicäit der Tatsache bewußt sälnd, daß uns der Jiudenstaat durch kein Geschenk und durch kein Wunder in den Schoß fällen kann, sondern durch unsere eigene Arbeit verwirklicht werden muß. Heute ist es der ganzen Welt völlig klar geworden, daß unsere Bestrebungen keine leere Utopie^ sind, Die historische Bedeutung der englischen Erklärung kann durch nichts, was ihr noch folgen-könnte, verkleinert werden. Damals gfing ein Taumel (der Begeisterung durch die Judengassen der ganzen Welt, dessen befreiende und erhebende Wirkung für unser Volk unauslöschlich ist Der Zionismus muß verwärkücht werden, weil er eine historische Notwendigkeit ist Wer von dieser Ueberzeugung Surchdnmgen ist der kann (durch keinerlei Ereignisse des Tages wankend werden. Ein Ewigkeifcston klingt aus den stolzen Worten, die Weitzmann bei der englischen Zionistenkonfereuz sprach, der unerschütterliche Glaube unseres durch die Jahrhunderte von Leiden zu Leiden geschleifte» Volkes: Palästina ist unser. Das Palästinaamt in London Das Palästina-Amt der Zionistischen 'Organisation in London verbreitetfolgende Mitteilung: ■‘■«pff; *a He* ZivifSs ti Scheu'' L‘ähd es v ßr-' bände! Mit unserem Rundschreiben vom 18. April haben wir Ihnen bereits mitgeteilt, daß ein Zentralbureau der Zionistischen Organisation in London eingerichtet worden ist daß alle Palästina- Angelegenheiten bezüglich der Vorbereitung und Kolonisationsarbeit behandeln und als eine zentrale Körperschaft für die Regelung der Auswanderung nach Palästina fungieren wird. Dieses Zentralbureau, das den Namen „Palästina-Amt der Zionistischen Organisation“ führen wind, ist in folgende Abteilungen gegliedert worden: . a) Immigration; b) Finanzen; c) Landwirtschaftliche Kolonisation; ä d) Handel, Industrie; e) Oeffentliche Arbeiten; f) Arbeiterfragen; g) Legislative Maßnahmen und Reformen. Es ist beabsichtigt daß das Palästina-Amt sowie seine verschiedenen Abteilungen in engem Kontakt mit allen Landesverbänden und allen zionistischen Körperschaften in Palästina und der Diaspora arbeiten sollen. Besondere Mitteilungen dieses Bureaus werden über die sofort zu unternehmenden Arbeiten Aufschluß geben. Alle Korrespondenzen sollen künftig Registriernummern tragen und an das Departement, in dessen Aufgabenbereich sie fallen, gerichtet sein. Einzelne Gegenstände sollen in besonderen Briefen behandelt werden. (gez.) Julius Simon. Kanada und Italien bei der Pariser jüdischen Nationalratskonferenz Der jüdische Kongreß, der vor kurzem in Kanada staltiand, hatte beschlossen, Delegierte zu der jüdischnationalen Konferenz in Paris zu entsenden. Da diese Delegierten aber nicht rechtzeitig eiuirerfen konnten, übertrug der Kongreß dem in Paris weilenden Richter Mack ein besonderes Mandat. Dieser bat alle bisherigen Beschlüsse des Kongresses dem in Paris weilenden kanadischen Premierminister Borden vorgelegt Der Delegierte des italienischen nationalen judentums Professor Colombo erstattete bei seiner Rückkehr nach Rom Bericht über die Pariser Verhandlungen vor den Vertretern der Gemeindeverwaltung lind anderer. Organisationen. Diese beschlossen, bedingungslos Weidmanns und Sokolows Palästina-Politik zu unterstützen und den durch das jüdisch-nationale Komitee in Paris formulierten Forderungen, .der nationalen Rechte zuzustimmen. Jahreskonferenz der englischen Zionisten-Förderation Weizmanns Anklage gegen Aus London wird gemeldet: Sonntag, den 11. Mai, morgens,, wurde in Queenshall die Jahreskonferenz derenglischen Ziünisten-Föderation eröffnet. Anwesend waren 250 Delegierte von London und den Provinz- Organisationen. Niemals zuvor hat eine so große Anzahl von Delegierten an einer Konferenz der englischen Zionisten teilgenommen. Außerdem waren mehrere hundert Besucher anwesend. Dr. Weizmann führte den Vorsitz. Weizmanns Eröffnungsrede. In seiner Eröffnungsrede verwies er darauf, daß zurzeit Unruhe und Zweifel über den endlichen) Erfolg der zionistischen Bestrebungen herrschen. Dem gegenüber kann festgestellt weiden, daß sich in der Lage nichts verändert hat Die zionistischen Führer sind genauso zuversichtlich wie zuvor bezüglich des Wertes der englischen Regierungserklärung und ihrer' Unterstützung durch die alliierten Mächte, und dieses Vertrauen, kann durch die unautorisierten Angaben der Gegner des Zionismus, gleichviel ob jüdischen oder nichtjüdischen, nicht erschüttert werden. In der Tat sei dieEntscheidung hinausgeschoben worden, doch seien solche Verzögerungen unvermeidlich bei der Behandlung einer so schwierigen Frage. Er wandte sich gegen die wachsende Opposition bei' Juden und Nichtjuden und verwies besonders auf die Agitation, die von den Gegnern des Zionismus unter den Arabern in Palästina getrieben wird. In den zionistischen Beziehungen zu den Arabern ist keinerlei Aenderung eingetretem. Die Politik, die aus den der Friedenskonferenz vorgelegten Forderungen und aus den Reden der zionistischen Führer in Palästina und anderwärts klar hervorgeht, ist den Arabern klar auseinandergesetzt worden. Der Brief des Emir Feisul an Prof. Frankfurter bezeugt; daß die zionistischen Ansprüche mit den arabischen Interessen nicht in Konflikt stehen, sondern zur Entwicklung Palästinas und.zur Förderung des Wohlergehens des arabischen Volkes beitragen Im .weiteren Verlauf seiner Rede sprach Dr. Weizmann von den Nöten, in denen sich das Judentum in Osteuropa befindet und. welche die Rückkehr der Juden nach Palästina notwendiger machen als je zuvor. Wir alle haben die Wiedergeburt des polnischen Staates begrüßt, aber feierlich dagegen protestiert, daß die Polen ihre Freiheit dazu benützen, unschuldige jüdische Mitbürger umznbiingen.. Protest gegen die Pogrome. - Auf Veranlassung des Herrn Herbert Bentwich wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher der erneute Ausbruch von Pogrom enin Polen scharf gegeißelt und die englische Regierung aufgefordert wird, die Wiederholung solcher Ereignisse zu verhindern. Paläslinaarbeit. Auf Veranlassung von Dr. Schmarja Lev in wurde einstimmig ein Beschluß angenommen, der die Konferenz verpflichtet, ihr Aeußerstes zur Sammlung von Mitteln für denPalästina- Restauration-Fund zu tun. Von den auf der Konferenz anwesenden Gesellschaften und Einzelpersonen wurden bereits über 40.000 Lst. .gezeichnet. In der Sitzung von Sonntag nachmittags erstattete Israel Sieff den Finanzbericht für die Zionistische Kommission in Palästina. Er berichtete über die durch den Hilfs- und Preparation-Fund erfüllten Aufgaben. Es wurde einstimmig beschlossen, Herrn Sieffs Bericht gutzuheißen und der Verwaltung des Preparation-Fund das volle Vertrauen der Versammlung auszudrücken. Weizmann gegen die. Pessimisten Als Antwort auf verschiedene Kritiken) erklärte Dr. Weizmann, daß die Zionisten in. Palästina noch immer unter militärischer Gewalt arbeiten, was die zurzeit noch bestehenden Schwierigkeiten in der Ausführung industrieller und landwirtschaftlicher Projekte erklärt Die Lehrgehälter sind mehr als doppelt so hoch als früher, um den Lehrern die Existenz zu ermöglichen. Es ist beabsichtigt, alle jüdischen Schulen unter die Aufsicht des „Waad Hachinuch“ zu stellen. Wiederholt wies Dr. Weizmann die Befürchtungen über eine Verringerung der zionistischen Aussichten zurück; er sagte* „ihr fragt weshalb die Ind'ustrie in Palästina nicht genügend gefördert wird; ihr fragt, weshalb die Universität noch nicht gebaut wird, weshalb diese oder jene Sache noch nicht gemacht worden ist?- Ihr vergeßt jedoch, daß Palästina unter militari sc her Okkupation steht und solange die Friedenskonferenz den Sachwalter für Palästina nicht bestimmt hat, kann nichts unternommen werden. Die militärische Macht muß das okkupierte Land in demselben Zustande übergeben, in dem sie es vorgefunden hat. Es ist schwer, jetzt mit neuen Dingen dort zu kommen. Falls wir Konzessionen verlangen, so wird - dasselbe ■ auch von den ägyptischen Spekulanten, wie auch von den Arabern und vielen anderen gefordert werden und wenn-wir eine kleine Fabrik aufbauen, so werden uns andere mit ihren Großunternehmungen weit,hinter sich lassen. Wie gering sind die Mittel des Nationalfonds gegen das Kapital eines die jüdischen Denunzianten einzigen reichen Spekulanten,' der in Aegypten auf die Möglichkeit harrt,. Palästina aiisbeüteii zu können! Wir haben schon viel damit erf eicht, wenn die militärische Macht uns freundlich gegenübersteht und uns gestattet, vieles zu tun, was eigentlich gegen die militärische Disziplin verschlägt. Selbst wenn Balfour in eigener Person in Palästina wäre, könnte auch er dort,, nichts vollbringen, solange die Palästina-Frage nicht gelöst ist Dies möge als Antwort dienen auf die Frage, weshalb die Universität noch nicht gebaut wird. Es stehen auch keine Schilfe für das Ueberführen der Baumaterialien zur Verfügung, da man den Schiffsraum für die Millionen demobilisierter Soldaten benötigt. Bis vor einigen Monaten befand sich auch auf dem Platze, auf. dem die Universität errichtet werden soll, eine englische Signalstation. Ein Freund hat mir vorgeworfen, es sei mir nicht bekannt, was in Whitechapel vorgehe und was die jüdischen Massen fordern. Ich kann ihm nur antworten, daß es in der. nichtjüdischen Gasse viel schlimmer ist, und ich wäre froh, wenn ich in der jüdischen Gasse sein könnte und Ihr mit den Nichtjuden zu tun hättet. Ihr hättet dann einen Begriff, welch schwere Arbeit wir zu leisten haben. Wir sind von Feinden umringt, überhaupt von jüdischen Feinden. Jeder Schritt, den wir tun, wird überwacht und gedeutelt, nur um uns zu schädigen. Wir mußten erwirken, daß man auf Palästina ein Embargo lege, damit unsere Feinde uns nicht zuvorkommen und während wir tausend Dunam Boden einkaufen, die Spekulanten nicht hundertmal so viel erwerben. Es sind genug Reflektanten auf Palästina vorhanden und da wir mit ihnen nicht konkurrieren können, so haben wir erwirkt, daß wenigstens vorläufig niemand uns zuvorkommt. Denunzianten und Verleumder. Ihr fragt mich, weshalb ich pessimistisch bin? Ich bin es ja gar nicht und rede nur deshalb mit einer gewissen Zurückhaltung, weil ich mir der Verantwortung bewußt bin und weil ich weiß, wieviel jedes überflüssige Wort schaden kann. Wir sind -von . kleinen und großen A n.geb er n und Verleumdern umringt. Ihr kennt die lauten Juden, die unser ganzes Gebäude untergrüben. Ihr wißt aber nicht, daß jeder kleine jüdische Denunziant recht großen Einfluß gewonnen hat. Wenn z. B. der Pariser Rothschild sein Hospital dem amerikanischen Unit übergeben hat und mau den früheren Direktor wegen gewisser unschöner Dinge entließ, so denunziert dieser Direktor bei der französischen Regierung, daß diese alle fränr zösischen: Insti tutionen in Palästina-1 ohne - Ausnahme zerstören wollen. Diese Denünziation ist bei der französischen Regierung als Tatsache gebucht worden. Es ist schon so weit gekommen, daß die Zionistenfresser bei jeweiligen Unruhen in Aegypten 4ie Ursache darin erblicken, daß man . den Juden Palästina geben will. Wenn die afghanischen Stämme in Indien einfallen, sagt Lord Montagu, dies geschehe nur deshalb, weil England den Juden Palästina versprochen habe. Wir können nicht einmal so bauen, wie es einst bei uns geschah: in der einen Hand das Schwert, in der anderen die Kelle. Heute muß man in j eder Hand ein Schwert halten, man kann sich für keinen Augenblick vom Kampfplatz entfernen, um etwas aufzubauen. Ich wiederhole und betone nochmals: ich büi nicht pessimistisch, aber ich kann nicht zu Euch, kommen und. rufen: Freuet Euch, Juden, Ihr habt schon alles, was Ihr benötigt. Ich kann dies nicht sagen und darf dies nicht sagen. Ihr seid keine „Hurra- Zionisten“, die man mit einschmeichelnden Reden gewinnen muß. Ihr seid alte Zionisten, alte Kämpfer. Wenn ich an Eurem Zionismus zweifeln würde, dann müßte ich mich anderer Redewendungen bedienen. Aber ich kenne Euch und deshalb sage ich Euch dasselbe, was ich vor einigen Tagen einem englischen Regierungsvertreter gesagt habe: „Welche Beschlüsse Ihr immer fassen werdet, wir werden doch „..Palästina haben. Werden Eure Beschlüsse günstig sein, so wird uns die Arbeit leichter werden; werden die Beschlüsse ungünstigere sein, so werden wir. mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen haben; aber ohne Palästina werden wir nicht bleiben. (Stürmischer Beifall.) , ' ■ Ich bitte Euch, verlanget keine raschen Resultate. Balfours Deklaration kann bloß den Weg erleichtern, aber den schweren Weg müssen wir alleine gehen.“ Mit großer Begeisterung fährt Weizmann fort: „Was ist Euch denn geschehen, daß Ihr plötzlich den Glauben verloren habt? Wie lang ist cs denn her, daß ich Euch über die historischen Verhandlungen auf der Friedenskonferenz berichtet habe? Ihr wäret damals voll Begeisterung, voll des Glaubens, und wie kommt es, daß Ihr plötzlich in Verzweiflung geraten seid? Ich frage Euch nochmals, glaubt Ihr einem Dillon. der.noch Tausende anderer Sachen im Kopfe hat, oder glaubt Ihr mir? (Stürmische Ovationen für Dr. Weizmann, viele Delegierte weinen.) „Wir werden nicht zulassen “ sagt Weizmann weiter, „daß man uns Palästina wegnehme. Wir werden nicht erlauben, daß unsere Feinde triumphieren. Wir haben bereits bisher ihr Gift abgeschwächt und auch für später alle Maßregeln ergriffen gegen jede giftige Einwirkung ihrerseits ' auf unsere heilige Sache. Verlieret nicht die Hoffnung. Palästina ist unser. Dies unterliegt nicht dem geringsten Zweifel.“

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