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Jüdische Zeitung · 1919-05-23 · 21 (23.5.1919) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
21 (23.5.1919)
Date
1919-05-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21 JÜDISCHE ZEITUNG ^eite ä sierung des Planes verbundenen Kosten ruhig auf steh nelimen. Was den Ort betrifft, so neigte Wolffsohn der Ansicht zu, daß ein derartiges Museum nach Jerusalem gehöre, und zwar war hiefür eines der dem JNF. gehörenden Bezalel-Häuser in Betracht gezogen. Mir persönlich sagte der letzte Punkt nicht ganz zu. Es war mir jedoch vorerst sehr erwünscht, daß Wolffsohn der Plan im großen und ganzen gefiel und daß er ihn moralisch und materiell zu fördern geneigt war. Leider haben seine wiederholten schweren Erkrankungen es bis zu seinem Ableben im September 1914 unmöglich gemacht, die Sache weiter zu verfolgen. Das Nationalfonds-Direktorium hat sich Anfang 1914 mit dem Plane m einer Sitzung befaßt und die Vorarbeiten des Hauptbureaus gutgeheißen. Als die Arbeit jedoch im größeren Stile in Angriff genommen werden sollte, brach der Weltkrieg aus. Während desselben hat die NF.- Verwaltung wiederholt den Versuch gemacht, die Arbeit wieder aufzunehmen und zunächst die Vereinigung der Herzl- und Wolffsohn-Archive amzubaiinen. Die Kuratoren des Wolffsohn-Nachlasses begegneten dem Plan mit Sympathie und sagten ihre Unterstützung zu. Auf ihre Veranlassung hatte Dr. Robinsohn als gewesener Sekretär Wolffsohns bereits nach dessen Ableben die Sichtung und Ordnung sowohl, des Wolffsohnwie auch des Herzl-Archivs übernommen. Soviel ich weiß, hat er sich dieser Tätigkeit mit aller Hingabe bis kurz vor seinem Tode im Frühjahr 1918 gewidmet und hauptsächlich die ihm zugänglichen Archiv-Bestandteile in Köln, Berlin, Wien, Haag und Budapest auf das sorgfältigste in sachkundiger Weise katalogisiert und geordnet. Es stellten sich aber der praktischen Ausführung des gesamten Planes, solange der Krieg dauerte, unüberwindliche Hindernisse in den Weg. Nunmehr aber erscheint es mir an der Zeit, unseren Gesinnungsgenossen über die Sache zu berichten und ihre Aufmerksamkeit auf sie zu lenken, vor allem um so rasch als möglich von der Korrespondenz Herzls das zu retten, was noch zu retten ist. Solange die Verkehrsstörungen bestehen, sollte zunächst dahin gewirkt werden, daß alle Herzl. betreffenden im Privatbesitz befindlichen Schriftstücke dien Sammelstellen des Jüdischen Nationalfonds zur Verfügung gestellt und von diesen dem Hauptbureau zu gegebener Zeit übermittelt werden. Sodann halte ich es bei diesem erst im Werden begriffenen Werk für wünschenswert, daß sich unsere Freunde zu den Einzelheiten äußern. Dem Schreiber dieser Zeilen liegt die Frage des Ortes für das geplante Herzl-Museum besonders am Herzen, weil er damit noch eine Anregpng verbinden möchte. Während manche — gleich Wolffsohn— Jerusalem als der Metropole den Vorzug geben möchten, sprach sich unlängst Friedensrichter Jacob Moser, Bradford, der der ,Angelegenheit lebhaftes Interesse entgegenbringt, dafür, aus, das Herzl-Museum dem Hebräischen Gymnasium „Herzliah“ anzuschließen. Ich bin der Meinung, daß ein . Herzl-Museum mitten hi den Herzl-Wald! gehört Ich stelle mir vor, daß die Jugend in den-Sommerferien einst mit Freeuden aus ganz Palästina zum Herzl-Museum in Benschemen ziehen würde, um dem Genius des großen Führers zu huldigen. In der Nähe des Herzl-Museums sollte auch ein Mausoleum zur Aufnahme von Herzls irdischen Ueberresten vom Döblinger Friedhof errichtet werden. Gleich Herzl haben bekanntlich Wolffsohn und Tschlenow in ihrem letzten Willen kundgegeben, daß ihre Gebeine nach Erez Israel gebracht werden. Es wäre vielleicht angezeigt, einen Ehrenfriedhof unweit des Herzl- Museums zu errichten, auf dem diese und_künftige Führer des jüdischen Volkes eine würdige Stätte fänden. Manchem wird dieser Gedanke etwas fremdartig erscheinen. Es sei indes daran erinnert, daß er durchaus in Ueberemstimmung mit der Tradition eines Volkes wäre, das durch Jahrtausende zu den Gräbern seiner Urahnen wie der Mearath Hamachpelah und dem Kewer Rachel wallfahrt. Wenn dereinst diese Stätten nationaler Pietätvon hohen Oelbäumen und Zypressen 'umrauscht sind, durch die ein blauer Palästina-Himmel schimmert, werden diese „Heiligen Orte“ wohl einen mächtigen. Anziehungspunkt mehr für die Söhne Israels in der ganzen Welt bilden. RUNDSCHAU Das Memorandum des Pariser jüdischen Nationalkomitees. Laut der „Jewish Times“ hat das Zentralbüro der Jüdischen .Organisation in London aus Paris die telegraphische Mitteilung erhalten, daß dei Arbeit des Komitees der Jüdischen Organisation sehr gute Fortschritte macht. Besonders energisch haben die Politische und die Memorandum Kommission gearbeitet Nach dreiwöchentlicher unermüdlicher Arbeit der Memorandum Kommission nahm das Komitee auf einer Plenarsitzung die Forderungen an. die der Friedenskonferenz. vorgelegt, werden sollen. Dieselbe Kommission hat auch eine Reihe von Memoranden ausgearbeitet die Bezug haben auf alle Länder. in denen die Juden bürgerliche und nationale Rechte fordern. Auch diese Memoranden werden in Bälde der Friedenskonferenz vorgelegt werden. Gleichzeitig führen die Mitglieder der Politischen Kommission Unterhandlungen mit den Delegationen der verschiedenen Länder betreffs deren besonderen Forderungen. Auf der Plenarsitzung vom 28. April hat das Komitee prinzipiell eine Resolution angenommen, daß das Sekretariat des Komitees ein permanentes Organ werden soll, das sich am Sitze der Liga der Nationen oder in .einem anderen politischen Zentrum befinden solL Die endgültige Resolution darüber wird nach einer Beratung mit den nationalen Komitees der anderen nationalen Organisationen, die Delegationen nach Paris entsendet haben, gefaßt werde®. Auf der letzten Sitzung der Präsidien-Kommission und auf der Plenarsitzung vom 2. Mai wurde ausführlich diskutiert über die Frage der Einberufung eines allweltlichen jüdischen Kongresses. Die jüdischnationale Versammlung in der Ukraine und der amerikanische jüdische Kongress haben wegen dieser Frage bereits Beschlüsse gefaßt. Deshalb beschloß das Komitee mit anderen jüdischen Organisationen. die an dieser Frage interessiert sind, in Verbindung zu treten. Abgewendete Judenaustreibung aus Spanien. Die Juden in Spanien, meistens Kriegsflüchtize aus Rußland, standen vor kurzem vor der Gefahr einer restlosen Ausweisung aus dem Lande, die innerhalb 24 Stunden vollzogen werden sollte. Die Ursache dieses drakonischen Erlasses war eine generelle Verleumdung der Juden seitens des ehemaligen russischen Generalkonsuls in Spanien, der alle Juden des Bolschewismus beschuldigte. Die spanische Regierung hatte ohne weitere Untersuchung zum alten Mittel der Judenaustreibung gegriffen und ließ bereits ein Schiff bestellen, das die russischen Juden, besonders jene, die sich während des Krieges in Barcelona niederließen, nach Odessa bringen sollte. Im letzten Augenblick gelang es jedoch, diesen Ausweisungsbefehl rückgängig zu machen. Dank den Bemühungen des englischen Botschafters Härtling und des bekannten jüdischen Professors an der Madrider Universität, Dr. Yabuda. wurde eine Untersuchung eingeleiteti die die gänzliche Grundlosigkeit der gegen die Juden erhobenen Beschuldigung ergab. Infolge dieses Ereignisses, sowie der besonderen persönlichen Garantie des Prof. Yahuda, der sich für eine loyale Haltung der russischen Juden in Spanien verbürgte,, erhielten die letzteren die Erlaubnis, weiter im Lande zu verbleiben. * Pogromstünmung In Argentinien. Eine Delegation argentinischer Juden hat, wie die Agenzia Americana meldet, den Präsidenten der Republik um Schutz ersucht gegen allfällige Pogrome, die in' gewissen Kreisen geplant würden. Die argentinischen Juden stunden vollständig außerhalb der Agitation, die gegenwärtig das Land, beimruhigen. — Anläßlich der Streike fanden bekanntlich vor nicht allzulanger Zeit, unter der Beschuldigung die Juden wären Bolschewisten, in Argentinien heftige Judenpogrome statt * Von der hebräischen Universität. Der hebräischen Universität in Je.usalem wird der große Handkatalog der amerikanischen N a t i on a l-BtM-i-eth ek zur Verfügung gestellt Dadurch wird den Studierenden in Palästina die Benützung einer der reichsten Büchersammlungen von über einer Million Bände ermöglicht. In einem warm gehaltenen Briefe an Herrn Jacob de Haas teilt der Bibliothekar des Kongresses der Vereinigten Staaten von Nord- Amerika, Herr Herbert Putnam, diesen von einem warmen Interesse zeugenden Beschluß mit und spricht die Hoffnung aus, daß die Verleger- und Buchhändlerkreise der ganzen Welt dazu beitragen werden, die Universität mit einer würdigen Bibliothek auszustatten. * Für das hebräische Theater in Palästina. Baron James Rothschild. Major in der jüdischen Legion, versprach während der nächsten drei Jahre 2000 Lst. jährlich für eine Organisation von Amateuren zu spenden, die die Aufgabe übernommen hat. das hebräische Theater in Palästina zu entwickeln. Die Organisation ..Habimah Haibrith“ bemüht sich um einen professionellen Bühnendirektor und tüchtige Schauspieler. Sie hat diesbezüglich viele Zionisten um Beihilfe ersucht. * Internationaler Frauenkongreß für dauernden Frieden. Das politische" Komitee des internationalen Frauenkongresses in Zürich, an dem über 170 Delegierte aus 14 Ländern teilnebmen, hat dem Präsidium unter dem Vorsitze von Miss Jane Addams (Chicago) nachfolgende Resolution betreffs der Judenfrage zur Annahme durch den Kongreß unterbreitet: .Der internationale Frauenkongreß erkennt den internationalen Charakter der Judenfrage an. Er fordert. daß in Ueberemstimmung mit dem Selbstbestimmungsrecht die Stellung der Juden auf folgenden Grundlagen international geregelt wird: Vollständige Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern. Gleichberechtigung beim Wiederaufbau der durch den Krieg heimgesuchten Gebiete, internationaler Schutz der Juden und aller andern nationalen Minderheiten gegen physische Verfolgung und wirtschaftliche Unterdrückung, Gleichberechtigung der Juden bezüglich der Ein- und Auswanderungsfreiheit nach und aus allen Ländern, nationale Selbstverwaltung auf der Grundlage des Nationalitätenprinzips und der nationalen Gleichberechtigung in den Provinzen und Gemeinden aller Länder, wohin die Juden ziehen. Erklärung des Rechts des jüdischen Volkes in Palästina eine eigene Heimat zu schaffen, unter dem Schutz und der Kontrolle des Völkerbundes, der auch die Interessen der übrigen Bevölkerung des Landes gewährleisten muß. Vertretung der Juden im Völkerbund“. * Polnische Pogromdrohung wegen — Danzig. Auf die Zeätangsmeklimgen hin. daß die Danziger Frage niaht ganz so, wie es sich die Polen gedacht haben, gelöst werden soll, und daß .der „Manchester Guardian“ die Stelhmgnatane von Lloyd George unterstütze, treten (die polnischen Zeitungen mit sehr schäften Artikeln gegen die Juden auf, indem sie sie auch für diese Niederlage (?) Polens veramtwortUcb machen. So schreibt der „Glos NaTodu“ u. a.: Falls Danzig nicht den Polen gegeben werden wird, so werden •wir das ganze Land mit einer Sintflut von Dokumenten überschwemmen, die beweisen werden, daß das Judentum darauf hingearbeitet hat, uns diese Katastrophe zu bereiten. Wir werden nicht ruhen, bis der letzte polnische Analphabet es verstehen wird, daß er dies nur den Juden zu verdanken hat. Miit gesperrten Lettern schließt der Artikel: „Für Danzig werdet ihr mit den Grundlagen euerer Existenz bezahlen. Besinnet euch, oh euch dies rächt zu teuer zu stehen kommt.“ Literarische Anzeigen. Die erste Nummer eines zweiwöchentüchen Organs der englischen Poale Zion unter dem Namen ,.U n z e r W e g“ ist soeben in London erschienen. Die in Kairo in hebräischer Sprache erscheinende Wochenschrift „The Palestine News“1 (Chadaschoth Mehaarez) hat ihr Erscheinen bis auf weiteres eingestellt Der ,.E c 1 a i r“ vom 5. Mai veröffentlicht ehe Interview mit Dr. Leon Reich über die Forderungen der jüdischen Minoritätsrechtei. Zionistische Bewegung Ein Zentral-Palästinaamt Aufruf des E. A. C. an alle zionistischen Verbändet (Durch das Zionistische Zentralbüro in London.) In Uehereinstiimnimg mit einem durch die Londoner Zionisten-Komerenz gefaßten Beschlüsse ist in London unter der Aufsicht des Aktionskomitees em Zentral-Palästina-Amt geschaffen worden. .Diesem Palästina-Amt wird die Arbeit obliegen, zu bestimmen, welche ökonomische. administrative und andere Bedingungen für die zukünftige, große, stufenweise Besiedlung von Palästina nötig sind. Es wird auch als Zentralkörper für die Regulierung und Organisierung der jüdischen Einwanderung nach Palästina dienen, und in Zusammenarbeit mit anderen Körperschaften in Palästina und der Diaspora alle Anstrengungen machen, um einerseits die möglichst größte jüdische Einwanderung zu beschleunigen und anderseits dafür Sorge zu tragen, daß sie in einer Weise vor sich geht, die den Interessen des Landes und der Uebersiedler am besten dient. Die Zeit der Einwanderung Ist nicht da. Die Einwanderung kamt nicht anfangen. bis systematische Pläne der Kolonisierung in ökonomischer, finanzieller und anderer Hinsicht ausgearbeitet sind, ein Umstand, welcher zu einem großen Teil auf der Lösung der politischen Probleme betreffs Palästina beruht Bis dorthin sollte kein einziger Immigrant Palästina betreten. Wir finden es nötig, dies zu betonen und alle Gruppen und Individuen davor zu warnen, irgendwelche eilige Ein wände rungsschritte zu unternehmen. Niemand sollte sich beeilen, sein Geschäft aufzugeben und nach Palästina aufzubrechen. Vorzeitige, unorganisierte und überstürzte Einwanderung Ist mit der größten Gefahr verknüpft, sowohl für die Einwanderer selbst als auch für die ganze jüdische Zukunft in Palästina. Jeder Zionist und jeder Jude wird den Eindruck gewinnen, daß jeder vorzeitiger Immigrant nicht nur die eigene Zukunft sondern auch die der anderen Einwanderer gefährdet. Die Zionistische Organisation ist sich der schrecklichen Lage bewußt die gegenwärtig unter den Judenmassen in fast allen Ländern des östlichen Europas herrscht und ist in voller Ueberemstimmung mit den Wünschen aller Klassen des jüdischen Volkes, sich in Erez Israel so bald wie möglich niederzulassen. Die Organisation wird sich aufs äußerste bemühen, mit der Hilfe aller seiner Einrichtungen so bald als möglich eine weite und systematische Einwanderung nach Palästina in die Wege zu leiten. Aber wenn dies erericht werden soll, müssen wir Geduld und Ausdauer haben und auf die unaufhörliche Wachsamkeit der Organisation vertrauen. Selbstdisziplin, die die stärkste Unterstützung unserer Bewegung gewesen ist ist mehr als ie in diesen großen Tagen nötig. Jeder einzelne muß sich dessen bewußt sein, daß systematische Immigration und Kolonisation allein unser großes nationales Ideal, die Wiederherstellung Palästinas als nationales Heim des jüdischen Volkes vollenden wird _ Aktions-Komitee der Zionistischen Organisation: Nahum Sokolow. Dr. Ch. Weizmattn. Palästina-Amt der Zionistischen Organisation: Jnlius Simon. Die Londoner Palästinatagung Der Palästinadelegfertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland findet vom 26. bis 29. Mai 1919 im Kaisersaal des „Rheingold“. Berlin. Bellevuestraße, statt Die Tagesordnung ist folgendermaßen festgesetzt: Montag, den 26. Mai. vormittags: 1. „Die politische Form des Gemeinwesens in Palästina.“ Richard Lichtheini. 2. Diskussion. Nachmittags 4 Uhr: 1. Ansiedlungsmöglichkerten (allgemeine Landesverhältnisse Palästinas. Fragen der öffentlichen

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