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Jüdische Zeitung · 1919-04-25 · 17 (25.4.1919) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
17 (25.4.1919)
Date
1919-04-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seife 3 Nr. 17 «oiu als ihre von den Nrchtjuden doch immer wieder tiiißverstaindenen Idleere. das V o r'b i'l'di wir- Se« wird, das wir in Palästina geben werden. In diesem lichte gesehen, enthüllt sich uns d£e große Verantwortung, die wir nicht nur den Juden, sondfeiai der ganzen Welt gegenüber mit dem Aufbau Palästinas übernehmen. Wie könnten wir ihr und «tot Stimme unseres Inneren gerecht werden, wenn,’ wft sicht alles daran setzten würden, in Palästina «ne wahre Gemeinschaft aufzubaueuil Die Forderung, nach „Sozialismus“ ist heute ran' Gemeingut der. Welt geworden. Was aber faiiner vergessen wird, .ist, daß es nicht bloß von den. Einrichtungen, sondern vom Geiste der Menschon, und vor allem von diesem abhängt, ob er verwirklicht werden kann oder ob all diese neuen lisnchtumgen doch nicht.imstande sein werden, Bigennutz, Herrschaftsgelüst, Klassengeist usw. «tu« den Seelen der Menschen zu ■ tilgen. ln Palästina werden wir zu erweisen haben, •b die jüdische Geistigkeit imstande sein wird, ' «sie vorbildliche Gemeinschaft zu schaffen, aber mi in Palästina wäre uns Juden dies möglich; Deshalb werden diejenigen, die dies klar erkennen, also wir Zionisten, den Juden, die aus reinem Idealismus die nichtjüAsche Welt verbessern wollen, zwar unsere Bewunderung nicht versagen, war werden sie als Pioniere menschlichen; Fort- , scüirrtts Verehrern aber ihr Beginnen doch als - ein aussfchtloses erkennen, solange nicht durch ein Vorbild, das wir,Juden nur ,in Palästina schaffen können, der Welt gezeigt werden wird,- wie che Verwirklichung ihrer Ideale aussiebt. Bis dahin werden 'die jüdischen Pioniere des Sozialismus ewig mißverstanden werden und das Facit wird nicht die Umwandlung der Welt, sondern eine verschärfte Spannung zwischen Juden und Nichtjsden sein. Eine historische Sitzung Dem .Prager Jüdischen Preßbureau wird aus Paris geschrieben: Im Israelitischen Konsistorium 1» Paris, , in der rue de la Victoire 44, hängt das Bild jenes Synhedrions, welches 1807 ausgesprochen hat, daß die Juden keine Nation, sondern «ine Religion sind. In diesem Saale, angesichts dieses Bildes, versammelten sich am 5. und 6. April jüdische Vertreter aus allen Ländern, um das' Verdammungsurteil' über die unwahre Deklaration des Synhedrions auszusprechen Es war «me historische Sitzung: auf der. einen Seite waren die gewählten .Vertreter des jüdischen Volkes da, die Delegierten der jüdischen Nailonalkongresse aus den Staaten des alten Oesterreich-Ungarn. aus Rußland, aus Rumänien, die Delegation des großen amerikanisch-Iüdischen Kongresses, die Delegierten des jüdischen Gemeindebundes Italiens und des Ordens Bnei- Brjth — sie alle traten dafürein, daß den Juden nationale Rechte gegeben werden, wo sie es verlangen; aber auf der anderen Seite waren auch Ae Vertreter der Alliance Israelite universelle und des englischen Joint Committee da. In der Trat, ein seltener Anblick: Sokolow neben Seyes, neben Lucien Wo 1 ff. Ussischki.n mit Claude Montefiore, mit Mr. Samuel, Mr. Präge, Cyrus Adler, Salomon R e i n a c h, Bi gart, Großrabbrner Lewy zu sehen. ■ Ein kleines, aber rühriges Komitee in Paris ansässiger russischer Juden war auch da — Haffkine, Tsehlenow, Baron Ginzbnrg —, das um Ae Einigung große Verdienste hat. Die Einigung ist noch nicht erfolgt, aber sie scheint auf dem Wege zu sein. Vorläufig sei nur von der Sitzung berichtet, die in der Tat der Ausdruck dessen, was sich in der jüdischen Welt vollzogen hat, als Resultante der historischen Kräfte dreier Jahrzehnte, eine geschichtliche Bedeutung-hat, auch für denjenigen, der die faktische Macht der großen assimilatorisch-jüdischen Organisationen nicht allzu hoch einschätzt Sie mögen heute noch etwas sein, ob sie morgen-irgendwelche Bedeutung haben werden, ist mehr als zweifelhaft Immerhin — es war für heute ein großer Fortschritt, daß Sir Samuel für das Joint Committee erklärte, er verstehe zwar nicht warum nationale Rechte verlangt werden, aber wenn es die jüdischen Nationalräte tun, dann wolle das Joint Committee dafür eintreten und ihnen helfen. Der Amerikaner Barondeß konnte darauf mit Recht sagen, es geschehen noch Wunder in Israel und wenn es wahr sei, daß das Heiligtum .zerstört worden sei durch „Sinath ctenom“, durch unbegründeten Haß, so werde bei dieser Versammlung wahr, was wir beten: Er bringe Frieden uns und dem ganzen Volke Israel .. . Dieser Friede »wird, wenn er kommen wird, ein erkämpfter sein. Oft! genug platzten die Gegensätze aneinander. Ussischkm erklärte hi einer stolzen hebräischen Redie — die Versammlung wurde französisch, englisch und hebräisch geführt —, er verlange von den Westinden keine Hilfe, die russischen Juden seien heute die freiesten Menschen, er wolle vielmehr den Westjuden die Befreiung von Ihrer inneren Knechtschaft bringen. Diese Versammlung sei nichts anderes *ais ein Vorspiel, eine Miniatur des großen jüdischen Weltkongresses, der kommen muß. Nicht minder hart setzte der Poalezionist Syrk'im den Vertretern der GegeganseLte zu: So wie das Gesetz: „Cuius regio, iilius religio“ (wem ein Land gehört, der bestimmt die Religion} von der französischen Revolution überwunden worden sei, so werde auch das Gesetz „Cuius regio, iilius natio“: (Wem ein Land gehört, der bestimmt die Nationalität) überwunden werden, wer also dafür eintritt, daß die Juden 'ihre Nationalität zugunsten der Herrschenden aufgeben. der kämpfe für ein reaktionäres Prinzip. Das Synhedrion von 1807 hatte das Glück, daß es damals keine organisierte, jüdische, öffentliche Meinung sab. Nur so konnte es geschehen, daß sein Beschluß unwidersprochen blieb. Heute aber existiert die organisierte, jüdische, öffentliche Meinung der Welt und ihr müssen sich die jüdischen Organisationen beugen- Tiefen Eindruck machte die Rede des Vorsitzenden der amerikanischen Delegation, Mr- Mack, der den ■ Westjuden sagt, sie hätten kein Recht den jüdischen Massen ihren Willen aufzudrängen und Vormunde zu sein ... So wurden Alliance und Joint Committee ganz in düe Defensive gedrängt - Es steht zu hoffen, daß die Sitzung, m der wohl zum erstehmale die gewählten Vertreter des jüdischen Volkes zu den jüdischen Notabeta sprachen, den Weg zu einer gemeinsamen Arbeit aller jüdischen Korporationen zur Erlangung nationaler Rechte für die jüdischen Massen rn der Gainth freigemacht hat. Die Verhandlungen werden im Weinen Kreise fortgeführt. b. Jüdische Protestler in Posen Wie wir bereits wiederholt berichteten, hat sich in Posen ein jüdischer Nationalrat kon- ’ stitniert, der von den breiten Schichten der jüdischen Bevölkerung, insbesondere auch von den Orthodoxen, als einzige politische Vertretung der Juden anerkannt wurde und auch bereits äußerst wertvolle politische Arbeit geleistet hat, insbesondere sich um eine Verständigung. zwischen Juden und Polen bemühte. Der jüdische Nationalrat ist auch von der Ententekommission empfangen worden und bei den Stadtratswahten winde der nationaljüdiscbe Führer Dr. Kollenscher gewählt!. Das Zentralorgam der deutschen Assimilanten, die Berliner „Allgemeine Zeitung des Judentums“, bringt nun folgenden charakteristischen Bericht über die Intriguen der entjudeten jüdischkonfessionellen Notjabebischicbt: Posen, 4. April. In der Sitzung der Repräsentanteu-Versammlung der Synagogengemeinde wurde ua. die Frage der Errichtung einer jüdischen Volksschule in Posen behandelt Nachdem auf Anregung des Jüdischen Volksrates in öffentlicher Versammlung diese Angelegenheit besprochen und hier von einem Vertreter des Jüdischen Volksrates erklärt war, daß Ae jüdische Schule zw Ostern dieses Jahres bestimmt errichtet würde. daß auch die Genehmigung der maßgebenden Instanzen bereits erteilt sei, ist dter Vorstand der Jüdischen Gemeinde beim Obersten Polnischen Volksrat in dieser Angelegenheit! vorstellig geworden; Er hat in einer mündlichen Unterredung den Bescheid erhalten, daß die maßgebenden Steilen bisher keine Beschlüsse hierüber gefaßt und zu der Frage überhaupt noch nicht Steilung genommen haben. Der Oberste Polnische Volksrat sei durch die Nachricht von der angeblich bevorstehenden Errichtung einer jüdischen Schule In Posen ebenso überrascht worden wie der Vorstand der Synagogengemetnde. In der Aussprache wurde mitgeteilt, daß die städtische Schuldeputation zu dieses Frage in ablehnendem Sänne Stellung genonanen habe. Es wurde folgender; Beschluß gefaßt: „Dia Repräsentamten-Versammlimg tritt dem Beschlüsse des Vorstandes dahin bei, daß dem' Obersten Polnischen Volksrat nwtgeteilt werde, er möge in allen jüdischen Angelegenheiten betreffenden Fragen, insbesondere in der Frage der jüdischen Schule; der Vorstand der Synagogen gemeinde Posen als die gesetzliche und berufene Vertretung der jüdischen Einwohner Posens gehört werden. Die Repräsentanten- Versammhtng billigt den Beschluß des Vorstandes, der für die Erhaltung der Simultanscbule und gegen die derzeitige Errichtung einer jüdischen Schule Stellung nimmt.“ — Die Repräseutianten-Versammlung beschloß die Einsetzung eines aus zwei Vorstandsmitgliedern und drei Repräsentanten bestehenden Ausschusses, dem die Aufgabe zufallen soll, in jüdischen, insbesondere auch in jüdisch-politischen Angelegenheiten für, die Gemelndekörrarscbaften mit! den zuständigen Behörden Jzu verhandeln. Der Ausschuß hat das Recht, sich durch Zuwahl von Gemeindemitgliedem zu ergänzen. Der Vorstand der „Synagogengemetnde“ ist also bei der polnischen (!) Behörde „vorstellig geworden“, weil Ae Gefahr drohte, «laß eine jüdische Schule errichtet werden könnte. Die cieutsch-assimiliierfen Juden werden auch im polnischen Staat treue Assimifanten wenden. Die Couleur ist ia gleichgiltig: der Horror vor dem .ludentum vereinigt alle. Die Assimüanten aller Couleur spielen aber schon zu lange mit dem Feuer. Das jüdische Volk könnte in dieser nervösen Zeit auch einmal Ae Geduld verlieren. Spendet füp den Wahlfond! YYWYYYYYYYYYtrWtWWWftYYffWfYYWWT Die Arbeit (Heft 5-6.)*) Das vorliegende Doppelheft des Organs <Jer räaistisch-volkssozialistiscben Partei „Hapoel Hazair“ ist nicht bloß eine Fortsetzung in der Richtung des ehrlichen Woilens und ernsten Strebens, Ae sich diese sympathische Zeitschrift zum Ziel gemacht hat. Sie weist auch Zeichen einer erfreulichen Entwicklung auf, Ae besonders begrüßenswert ist: ihr rein akademischer Charakter wandelt sich durch den anregenden Inhalt immer »ehr ins Lebendige. Mit einem Aufsatz „Unsere erste Konfe-, renz" wird das Heft eingeleitet. Darin werden die Aufgäben der im Anschluß an den Palästinadelegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Bentschland abzuhaltenden ersten Landeskonferenz des „Hapoel Hazair“ in Deutschland besprochen. Als deren wichtigste Aufgabe wird Ae Formulierung der programmatischen Grundlagen und Forderungen dieser Partei bezeichnet. Israel Reichert schreibt über Ae „Hapoel Hazair-Konferenz in Palästina“, Ae vom 25. Kislew bis zum 1. Teweth in Jaffa getagt hat, und würAgt eingehend ihre Beschlüsse. Mit besonderem Nachdruck weist er auf Ae von dieser Konferenz angeregte Arbeitsgemein-v schait der Jüdischen Arbeiterschaft Palästinas durch Ae föderative Vereinigung der dortigen Arbeiterparteien hin. ein Plan, der bedauerlicher Weise durch das Vorgeben der Poale-Zion dnrcbtir-euzf wurde. Denn daß der ..Hapoel Hazair1*. der aridem.®öden des das ganze Volk umfassenden idealen Sozialismus steht und die gewaltsame Ausschaltung anderer iüAscher Volksteile . beim:Aufbau Palästinas ablehnt, der Fordetm® jdßS -Emtrittes jn .die sozialistische Inter- ’ nationale und-. -einer Einstellung auf den JOas- . searitampf auch im jüAschen Leben nicht zu¬ *) Bezugspreis Vierteljährig Mk. 4.—. Zu beziehen ' dnröh 'Welt-Verlag G. to. b. Ii, Berlin NW. 7, DorotheenstraBe 35. stimmen konnte; ist klar. Und so mußte es auch zur Spaltung kommen, über Ae das seitens der Poale-Zion versuchte Hinausposaunen der „Vereinigung“ und das Ersetzen des Namens Poale- Zion durch ..Hitachduth Awodah“ kaum hinwegtäuscheo wird. Die Aufsätze .Politische Partei und intensive Erziehung“ von Viktor Ch. Arlosoroff und „Die Bedeutung der Kwuzah“ von Ludwig Strauß sind den Formen der inneren Arbeit und dem Problem der Durchbildung der Hapoel Hazair-Mitglieder gewidmet Beide treten gegen Ae Entmenschlichung der Partei auf. Treffend drückt sich darüber Strauß ans: „So stehen sich zwei Arten der Partei gegenüber: Ae eine; Ae mechanisch wächst durch stetes Hinzufügen neuer „Nummern“ zur Masse — Ae andere; Ae organisch wächst durch Verbindung immer neuer Personen mit dem Zellengewebe des Ganzen, durch das Aneinanderwachsen Einzelner zu ■ kleinen Gruppen (Kwnzoth), Aeser kleinen Gruppen zu Ortsgruppen, der Ortsgruppen zu Gruppenverbänden und Landsmannschaften und endlich all Aeser Glieder zum. ganzen Körper der Partei.“ Und Strauß empfiehlt daher die Kwuzah, Ae „unser Verteidigungsinstr.ument gegen den üblichen und üblen Par teigeist“ ist „Der Ausbau.’ unserer Organisation“ ist Gegenstand eines längeren Aufsatzes H. G u g i g s. Von den drei Möglichkeiten, -Ae hinsichtlich des Verhältnisses des Hapoel Hazair zu der Z. V. I D. bestehen, nämlich a) bedingungsloser Eintritt in Aeseibe, b) Eintritt als besondere Fraktion und c) Bestand neben der Z. V. f. D. als Föderation, empfiehlt er Ae Fraktionsfarm als Ae für Ae dortigen Verhältnisse entsprechendste. Was wir in Aesem Aufsätze vermissen, ist. Ae nähere Bezeichnung der empfohlenen Fraktionsform in Bezug auf den organisatorischen Rahmen derselben, zumal das allgemeine zionistische Organisationsstatut diese Form nicht vorsieht „Zum Aufbau der neuen Gemeinschaft in Palästina“ äußert Rudolf Samuel einige Gedanken. Wir teilen ganz seine Ansicht, daß wir in der Diaspora kein Recht haben, detaillierte Beschlüsse über Aesen Aufbau zu fassen. „Dieses Recht gebührt nur der Gründungsversamnihmg der neuen Gemeinschaft“ Wir m der Diaspora können und sollen Aese Gemeinschaft nur vorbereiten. Dieses Doppelheft bietet auch Uebersetzungen aus dem Sammelbuche „Baderech“ („Ziel und Wege unserer Kolonisation“ von J. Wilkansky), aus dem neuesten und vorletzten Heit •der hebräischen Zeitschrift „Hapoel Hazair“ („Ueber die Vereinigung der Arbeiterorganisationen“ und. ..Nach der Beireil!mr“). eine Würdigung des historischen Datums des 27. Februar, an dem die Friedenskonferenz über die jüdischen Forderungen beraten hat. einen „offenen Brief* Eugen Höf 1 ichs an den Ausschuß für jüdische Kulturarbeit, eine Notiz über den jüdischen Bolschewismus und einen interessanten Briefwechsel des jüAschen Kommissärs in der bolschewistischen Regierung, Sch. Diamantstein, der Aufschlüsse über das Verhältnis der Poale-Zion zum Bolschewismus gibt. Mit Berichten über' die Lage der ostjüAschen Arbeiter in Deutschland und einer reichhaltigen Rubrik „Ausder Bewegung“ und schließlich mit der Wiedergabe der letzten, anf die Vereinigung der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina beznghabeuden Telegramme des „Hapoel Hazair“ in Palästina schließt dieses Doppelheft. Wenn wir bä dieser Gelegenheit einen Wunsch äußern dürfen, so ist es der gleiche; den auch unsere palästinensischen Chawerim geäußert haben: In Kürze dieses Organ hebräisch zu sehen. Und wenn es bis zur vollständigen Hebraisierung desselben noch eine Weile wird dauern müssen, mit der Einführung eines hebräischen Teiles sollte man gleich beginnen M. Heaisch.

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