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Jüdische Zeitung · 1919-04-18 · 16 (18.4.1919) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
16 (18.4.1919)
Date
1919-04-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seife 3 Nr. 16' wie in Palästina möglich sehr wird, an'das palästinensische Judentnm:. prägnant ausgedrückt. läßt sich mit gesetzmäßiger Sicherheit, der Satz ahfstelleii. daß die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Palästinaauch-die vollständige Nationalisierung der Juden in der Diaspora zur Folge haben wird. Wenn nämlich die Juden te'der Diaspora wesentliche Merkmale eines . normalen Volkslebens. Land und Spräche, auch weiter noch werden entehren müssen, so wird in anderer Beziehung zweifellos eine Aenderung in-ihrer Situation durch die Normalisierung-.und'damit.die Stabilisierung ihrer Beziehungen zu den Nichtiuden eintreten. Die Nichtiuden sahen nach Heine im Judentum' bisher weder eine Religion, noch eine Nation, sondern ein Gespenst Das Dasein dieses über die. ganze Welt zerstreuten und doch Innerlich zusammenhängenden und sich am‘Leben erhaltenden Volkes, batte auch, tatsächlich : etwas Gespenstisches, 'Mit der. Errichtung, eines politischen und nationalen Zentrums für das jüdische Volk in Palästina hat dieses gespensterhafte Dasein sein Ende gefunden. Kein Mensch mit gesunden Sinnen wirl in einigen Jahren daran zweifeln, daß die Juden nicht bloß Bekenner der mosaischen Religion, sondern Angehörige .eines Volkes sind Nicht nur die nationale.Massenhafte und geistige Grundlage des jüdischen Volkes, sondern auch seine territoriale wird offenkundig und als nicht mehr anzweifeibar dem Bewußtsein aller Völker eingeprägl sein. Die Konsequenzen davon liegen auf der Hand. Niemand wird es mehr ernst nehmen, wenn ein Jude sich beispielsweise als Deutscher oder als Pole bezeichnen wird. Er mag wollen oder nicht.'er wird seinen wahren. Charakter nicht mehr verleugnen können, auch um den Preis der Lächerlichkeit nicht mehr. Der moralische Druck, der ihn' zwingen wird, die Maske, hinter der er sich tisber versteckte, abzuwerfen. wird stark genug sein, ihn entweder zur vollkommenen Absplitterung unter Preisgabe der letzten dünnen Fäden, die ihn an das Judentum noch knüpfen, und zum bedingungslosen Verschwinden unter der Masse der anderen zu bringen oder zum nationalen Bekenntnis. Das haben die Assimilanten. die den Zionismus bekämpften, trotzdem sie seinen philanthropischen Cliarakter gelten ließen, genau vorausgesehen. Darum auch jetzt noch derverzweifelte Sturmlauf der verschiedenen jüdischen Notabein in den meisten Ländern gegen die. Errichtung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina. Hätten sie die UcberzeugUng. daß der Judenstaat, an dessen Notwendigkeit für die Juden des Ostens nur die wenigsten ■ zweifeln, sie in ihrem persönlichen Schicksal so wenig tangieren würde, wie etwa die Errichtung eines unabhängigen Armenien, dann wäre ihre Opposition, die kalten Herzens Millionen jüdischer Existenzen im Osten bewußterinaßen preisgibt und.dem persönlichen Vorteil unterordnet, unverständlich. Sie wissen aber sehr •wohl'.die Folgeu-iür die Judeh'in der Diaspora einznschätzen und fürchten mit diesen auch., deren Ursache. /■. . . . ' ‘ . Auch die Befürchtungen .unserer Gegner bestätigen den kommenden Nationaiisierungsprozeß. 'der von Palästina aus alle Juden ergreifen wird. Man kann in der Aufstellung soziologischer Gesetze nicht vorsichtig genug sein. Denn solche Gesetze sind meist nichts anderes, als mehr öder weniger willkürliche Prophezeiungen; und haben mit der ehernen Notwendigkeit der großen Naturgesetze sehr wenig zu tun. In diesem. Fall aber dürfen wir wohl unter der heute kaum mehr zweifelhaften Voraussetzung der Errichtung einer nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina das eherne Gesetz der Nationalisierung der Juden anfstellen. In dem Nationaßsierungsprozeß. der von der Errichhaig eines jüdischen Staates angefangen. die jüdische Diaspora ergreifen wird, wird ach in den nächsten Jahren die Wiedergeburt des jüdischen Volkes .vollenden. Diesem Gesetz der Nationalisierung der DiasDora- Judenheit wird sich niemand entwinden können. Und mit einem Gefühl ruhiger Ueberlegenheit und besserer Voraussicht für die kommende Zeit dürfen wir die letzten Anstrengungen aller derienigen leicht nehmen, die glauben, sich dieser geschichtlichen Notwendigkeit entgegenstellen zu können, ohne zu bedenken, daß sie über kurz oder lang von ihr zu Boden geworfen sein werden und der Strom des neuen Zeit brausend über säe hinweggehen wird. ’ Prag. Albrecht Hellmann. Das jüdische Volk an einem Wendepunkte. v Von Dr. Hermann KadJscb. Die Menschheit und mit ihr das jüdische Volk stehen an einem historischen Wendepunkte. Das aeationale. religiöse und soziale Problem sind in ihrem ganzen Umfange aufgerollt Von der Art ihrer Lösung hängt auch die Zukunft des jüdischen Volkes ab; denn es besteht ein organischer Zusammenhang zwischen dem jüdischen Probleme mit den nationalen, religiösen und ökonomischen Zeitfragen der/Kultunnenschheit Wer diese Zusammenhänge nicht! genau erfaßt wird nie zu einer auch nur theoretisch richtigen Lösung der Judenfrage gelangen. Die Anerkennung der Juden als gleichberechtigte Nation und die Erlangung einer palästinensischen Heimstätte, als Kultur- sowie Endgrationszenörum ist nur ein Mittel zu deren Lösung. Sie ist noch nicht die Losung des gesamten nationalen, religiösen und ökonomischen Komplexes der Judenfrage, die heute mehr als je (Me ^Geister beschäftigen sollte. / Frei von allen dogmatischen Schlagworten der ersten Epoche des Zionistnus und der jüdischnationalen Bewegung muß die jüdische Moderne daran gehen, auf Grund der Erfajinmgen der letzten Jahrzehnte, ihre Weltanschauung und ihr Programm weiter zu entwickeln sowie zu revidieren.. Nur die Erhaltung und Erneuerung des jüdischen Volkes in national-kultureller, ethischer, sozialer-wie ökononrischer Hinsicht kann als Endziel des Zionismus betrachtet werden. Alles übrige kann man nur als Mittel hierzu ansehen. Die Stellungnahme zur Art dieser Erneuerung, sei es in Palästina, sei es in der Diaspora, resultiert aus der Weltanschauung jedes einzelnen Individuums. Ist‘man der Meinung; daß die Hauptaufgabe der Moderne überhaupt, also auch der jüdischen Moderne, in. der physischengeistigen, ethischen, kulturellen und wirtschaftlichen höheren Entwicklung des Individuums vom Tiermenschen zum Kulturmenschen liegt und daß nicht irgendein Parteiprogramm, eine Theorie, eine bestimmte Staatsform oder Wirtschaftsordnung Selbstzweck, sondern nur Mittel zu diesem Zwecke sein kann, daß ferner die Evolution die freie Entwicklung des Einzelnen wie eines jeden Volkes, gleichzeitig aber die Assoziation der freien Individuen und die Föderation der Völker erheischt, dann gelangt man zu Schlüssen, die außerhalb der alten Auf- Schwiegervaters. ln der Synagoge erhält er neben ihm seinen Betplatz. Er begleitet ihn oft bei verschiedenen, vornehmlich gesellschaftücboffiziellen Ausgängen und mitunter sogar auch auf Reisen. Ist der Schwiegervater ein Chassid, dann fährt der Schwiegersohn mit ihm ✓ zu ' seinem Zaddik. Oft sieht es . aber ci^r Vater des Schwiegersohnes sehr ungern, wenn sein Kind zum Zaddik seines Schwiegervaters fährt, insofern er selber Anhänger eines anderen Zaddik ist, wodurch es sogar mitunter zu kleinen Verstimmungen zwischen den beiden Vätern kommt, in der Regel bekommt aber der Schwiegersohn diesbezüglich im Laufe der Zeit freie Wahl und fährt dann, wenn sein Vater es wünscht, wieder zu seinem früheren Zaddik. Damit die Mitgift des jungen Paares vorläufig nicht ohne Nutzen bleibe, wird sie oft unter Zustimmung beider Eltern des Ehepaaresvom Vater, der das Paar auf „Kest“ bei sich behält, behoben und durch ihn in der Veerse verwaltet. daß er bei Abschluß eigener leicht liquidierbarer Geschäfte den Schwiegersohn zu deren stillem Teilnehmer macht Der auf den Schwiegersohn entfallende Nutzanteil wird ihm gutgeschrieben.., Ein etwaiger- Verlust hingegen wird in der Regel ihm nicht zur Last gelegt, da der Schwiegervater stillschweigend ein etwaiges Verlustrisiko ausschließlich auf sich zu nehmen sich moralisch gehalten fühlt zumal der Schwiegersohn in den meisten Fällen dem Wesen und dem Lauf dieser Geschäfte persönlich sehr fern steht und er, der-Schwiegervater, sie auf eigene Verantwortung abschlreßt. Andererseits gehören aber Fälle, wo bei derlei Geschäften namhafte Verluste herauskommen/ zu den großen Seltenheiten, da kein Schwiegervater die Mitgift seiner Kinder zn Unternehmungen heranziehen würde, von denen er nicht iin vorhinein überzeuge is.t, daß sie von zufälligen Konjunkturen unabhängig und ebenso sicher wie nutzbringend sind, was allerdings von den allermeisten kommerziellen Transaktionen der Juden im Osten nicht gesagt werden kann. In der ersten Zeit des Kestessens steht der junge Ehemann dem geschäftlichen Getriebe wie überhaupt dem realen Leben der Gasse ganz fern. Besonders im ersten Jahr bleibt er ausnahmslos „frei für sein Haus and freue sich seines Weibes, das er genommen“ (Deuteronomium 24. 5). Allmählich beginnt er sich für das Geschäftsgebaren, von dem er im. Hause hört, zu interessieren. Etwa ein oder zwei Jahre, bevor die für das „Kestessen“ bestimmte Zeit zu Ende geht, sucht der Schwiegervater den bis dahin bloß seiner Familie und vorzüglich dem -.Lernen“ lebenden Schwiegersohn allmählich in seine Unternehmungen einzuführen, um ihn schließlich selbständig handeln zu lassen, wobei er ihm aber stets auch künftighin als fachmännischer Berater und materielle Stütze, vornehmlich bei Erlangung von Krediten usw., zur Seite steht Wenn sich der Eidam nun, oft sogar sehr intensiv, geschäftlich zu betätigen beginnt so wird doch von seiten der Eltern stets darauf geachtet daß er sein -Xernen“ nicht vernachlässige und seine Arbeit darauf entrichte,.daß ihm täglich einige Stunden übrig bleiben, die dem Worte Gottes gewidmet sind. Diese Gewohnheit bleibt ihm dann fürs ganze Leben. Ein frommer, mehr oder weniger gelehrter, Ostjude macht sich stets täglich, selbst bei sehr vielen Geschäften, morgens oder am Abend für einige Ständen frei, die er sei bei einem Blatt „Gemure“ (Gemarah Talmud) oder bei sonstiger gelehrt-frommer Lektüre ztb bringt »fei SS Nach Beendigung der Kestzeit verläßt der Schwiegersohn mitsamt seiner Familie, insofern« die Schwiegereltern diese nicht weiter behalten wollen oder er selber bei ihnen nicht länger zu bleiben wünscht mitunter auch um einem neuen Schwiegersohn Platz zu machen, das Haus des Schwiegervaters, um in sein eigenes zu ziehen und dessen Lasten selbständig zu tragest. Es kommt aber auch vor, daß ein Schwiegersohn selbst noch vor Beendigung der Kestzeit. sei es infolge verschiedenartiger Verstimmungen im Verhältnis zwischen Schwiegersohn und Schwiegereltern oder des beschaulich untätigen und abhängigen Lebens müde, freiwillig sich dazu entschließt, mit seiner Familie das Haus zu verlassen und ein eigenes Heim begründet; vorausgesetzt daß seine Mittet oder Geschäfte ihm dies gestatten. In diesem Falle vergütet der Schwiegervater dem Schwiegersohn einen gewissen Betrag als 'Entschädigung für die noch nicht ausgeniitzte Kestzeit Die aus dem Verlag R. Löwit, Wien. Palästina. Eugen Höflich. Der Weg In das Land. Palästinensische Aufzeichnungen. Broschiert K 4.40, gebunden .K 5.50 Alfred Nossig. Zur Lösung des Palästinaprobtems. Broschiert . . . „ 1.65 Max Roseofeld. Die Zukunft Palästinas. Soziale ste>ntaitln Mit Vorwort von Leo Herrmann. Broschiert.. —.66 S. Zemach. Jüdische Bauern. Geschichten aus demneuen Palästina. Broschiert K 6.60, gebunden .„ 8.80 Geschichte. Moses Heß. Rom and Jerusalem. (Jüö.. Handbücher. Band III.) Broschiert . , . . . . K 5.94 Sigmund Mayer. Die Wiener Juden. Kommerz. Kultur. Politik, 1700 bis 1900. 2. verm. Auflage Broschiert K 15.40, gebunden ...» 19.80 Jugendbewegung und Jugendliteratur. Siegfried Bernfeld. Das jüdische Volk und seine Jagend. Broschiert K 7.70, gebündelt. . . . K 9.90 JerubbaaL Eine Zeitschrift der jüdischen Jugend. Herausgegeben von Siegfried Bernfeld. Pro Jahrgang K 21.20, pro Vierteljahr K 5.30, Einzelheite ä.. 5.— Joma Singer. Das verschlossene Buch. Jüdische Märchen. Mit Zeichnungen von Agathe Löwe und Nachwort von Max Brod. Gebunden .. 7.70 Schöne Literatur. Otto Abeies. Jüdische Flüchtlinge. Szenen and Gestalten. Broschiert K 440. gebunden.K 5.50 Chaim Nachman Bialik. Nach dem Pogrom. Aus dem Hebräischen von Abraham Schwadron. Broschiert. 1.98 Mendele Moiher Sforim. Fischke der Krumme. Jüdischer Roman; übertragen vom Alexander Eli asb erg. Broschiert K 8.80, gebunden ... u.— Jizchok Leib Perez. CliassidiscI» Geschichten, übertragen von Alexander Eliasberg 3. bis 6- Tausend. ' Broschiert K U—. gebunden. 15.40 Theodor Reik. Das Werk Richard Beer-Hofmaims. Broschiert K 3.30, gebunden. 5.50 -:-V— - Luxusausgaben._ Jüdische LiebfaaberbibHothek ln je 300 numerierten Exemplaren. Baud I. Perez. Die Nacht auf dem alten Markt Uebertragen von Hugo Zuckermann. In Seide gebunden .66.— Band H. Proverb ia Judaeornm. erotica et turpia. Ia Künstlerpappband . 38.50 Band 111. Gottlieb von Leon. Rabhmische Legenden. In Künstlerpappbandi. 38.50 bi Vorbereitung: Martin Bober. Cherut Eine Rede über Jugend und Religion. Heinrich Margnlies. Kritik des Zionismus. Jichzok Leib Perez. Aus dieser und jener. Weit. Jlchzog Leib Perez. Drei Dramen. Raphael Seligmaua. Probleme des Judentums. H. H. Van Kooi Die Zukunft des jüdischen Volkes. Igaaz Zollscban. Revision des Nationalismus. eng, neu 1. <

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