Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 13 (28.3.1919)
- Date
- 1919-03-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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öeue zgmj&a Kt. 13 Wir stehen nach in den aller erstfeh Anfängen. Da ääs Bedürfnis überall vofhanden ist ist beute die Örele Aufgabe* Konkretes zu scbffien^ Ift di^errl Sfcbß ist nach jneiaer , Ansicht das Progtefinn des Referenten zu allgemein gehalten. DaS bestehende Unterricbisamti müßte ach für aas nächste Jahr zwei oder drei konkrete Aufgaben steSfen. und zwar Mittelschulen und Volksschulen mit aliseineiner Unterrichtssprache, und hebräischer Sprache für die iudaästischen Facher; wenn Siß enst einmal zwei oder drti solcher Schüfen habett, dann ward altes kommen. Das wirkliche Leben hat uns Recht gegeben. Unsere Lage den polfiiscäfcn Behörden gegenüber ist heute anders als früher; Wenn der Inspektor kommt, muß er sagEfl, das Söid güte Schulen, und es darf nicht vorkömmfen, daß er Gelegenheit hätte, zu sagen, daß der Unterricht schlecht sei. Obwohl wir in unseren Schulen' zuerst die russische Sprache als Untehriditsbprache hatten, und erst seit drei Jahren in polnischer Sprache unterrichten, stehen •die Bdhüüen auf einet anerkannten Höhe, so daß ins auf die Matura Zuerkaimt, sondern auch wrf Subvention zugebilligt Werden wird. Kindergärtäh k&fiäieü sicherlich nein hebräisch errichtet Werden, doch machen Sie hiervon Ja nicht die Gründung der Volksschulen anhängig. Es ist praktisch möglich, und hat sich tatsächlich erwiesen, daß bei Röstem, die keine Ahnung von Hebräisch haben, der Unterricht hebräisch begonnen werden kann, ln der ersten VolkssehuildaSse leimen die Kinder durch Gespräche die Ahfangsgrfinde der hebräischen Sprache, dann kann man _m der zweiten Klasse schön ihä Auszügen aiis der Bibel beginnen. In der zweiten Gynrnasäalklasse sprachen unsere Schüler schon ganz gut hebräisch. Bezüglich der vom Referenten ferWähnteft Reform des Religiöäsdnteitrichtes bemerke ich, daß Sie da hach meiner Meinung einefi Felder begehen wurdön. wenn Sie sich auf irgendwelche Reformen des Bestfehendea einlassen. In den österreichischen Schüfen hat1 mäh jetzt zwei StimdEn wöchentlich Religionsunterricht; Sie können es drehen und Wehden wie Sie wollen, Säe werdeh ans diesen zwei Stunden nichts machen können. Für dis Schulen in Polen sind als Alimmüm für den Jüdischen Unterricht sechs Stunden festgesetzt wir haben allen Behörden er Wärt, diaß wir unter sechs Stunden keinen Finger rühren. Und auch Sie müssen unbedingt auf diesem Standpunkt verharren und erklären, daß Sie sonst Leber die ganze Geschichte sein lassen, da ja sechs Stunden eigentlich auch noch unmöglich sind. Nach fünf bis acht Jahren werden Sie ein lebendiges Beispiel geschaffen haben, wie eine jüdische Schule auszusehen hat, dann wird das Leben Ihnen machhinken und nicht Sie dem Leben.' Ich bin auch' ein Gegner der Chederrefann, denn ichbin der Ansicht, daß daraus nichts zu machen ist mwt man von vorne umfangen muß. Schaffen wir wirklich gute Schulen, dann werden die Kinder zu uns kommen. Die Neuwahl der Pester israelitischen Kultusgemeinde Die Regierung fordert Demokratisierung des Wahlrechtes. Das „Jüdische Preßbureau Budapest“ teilt mit: Die Wahlen der Pester israelitischen Kultusgemeinde sind nunmehr beendet Ehe Wahlen^ erfolgton noch auf Grund des alten, reaktionären Wahlstatuts. Vom Kultusministerium ist eine Verordnung erfassen worden; daß die Kultusgemeinde innerhalb sechs Monate Wahlstatuten, einzureichen hast, welche jedem Gemeindeange-. hörigen das Wahlrecht gewährt und den Aufbau der Kultusgemeinde auf streng demokratischen Grundlagen gewährleistet Zum Präsidenten wurde Franz Szekeiy gewählt ans dessen Prögrammrede wir die Aeußerimg hervorhebeh, daß das ungarische Judentum mit «fern Kult des MagVarentums vielleicht zu weit gegangen ist und es nunmehr an der Zeit ist •der «lege Jüdischer Kulturwerte mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Zionist Df. Ostern hielt einen Rückblick auf die aufgelaufene Wahlkampagne und brandmarkte das unmoralische Vorgehen, welches den Zunüstnus mit Vaterlandsverrat identifizierte. Er .konstatiert daß die Triebfeder von derlei Pennnzierungen egoistische Interessen sind. Er weist auf die dein Wahlakt vorangehenden Forderungen der sozialdemokratischen Mitglieder hin, welche Trennung von Kirche und Staat fordern, ferner gegen das kühne imd gefährliche Unternehmen, hi das Präsidium und die Leitung der Kultusgemeinde, die Bankokratäe irnd die exponiertesten Führer der Bezirksclique zu entsenden, protestierten, ferner für sämtliche ■steuerZahlende Mitglieder das allgemeine, gleiche nird geheime Wahlrecht und statt der die Klassenherrschaft des Großkapitals sichernden Statuten die Konstituierung der Volksreldsi onsge mei n de forderten. Falls der Präsident sein Programm im jüdischen Geiste Verwirklichen wäll, wird er die zionistischen Mitgliederder Repräsentanz als unterstützungsbereite Mitarbeiter, bei einer gegenteiligen Richtung als kampfbereite und pflichtbewußte Opposition anfcreffen. ©r.,Ignaz Friedmann dankte den Zionisten, die sich an der Wahlkampagne beteiligten, dafür, daß sie Vorbilder lieferten, wie man die Angelegenheiten des Judentums mit Verve und wahrhaft jüdischer Selbstlosigkeit vertreten muß. RUNDSCHAU Audienz des jüdischen . Nätionalrätes in Prag bei, -Masaryk. Prag, 25 März. Am 23. März wurde eine Abordnung des jüdischen Nationalrates, bestehend aus Professor Dr. Engel, Dr. Max Br öd und Emil Waldstein vom Präsidenten Masaryk in mehr als dreiviertelstündiger Audienz empfangen. Das Gespräch wurde In denkbar freundschaftlichster Form geführt Präsident Masaryk wurde auf alle B e-‘ schwerdepunkte. und Mißstände, über welche die Juden M der Republik Klage führen, aufmerksam gemacht Masaryk versprach in allen angeführten.Punkten, so in der Ftagfc der an t.iseinitischen Agitation, der wirtschaf tlich en BoykottbeWegüiig« und in der Flüchtlingsfrage seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß Rehieduf geschaffen werde. Insbesondere sprach Präsident Masaryk seinen 'lebhaften Unwillen über die Hetzpresse aus. Die Deputation . empfing den Eindruck, daß der Präsident vöh dem besten Willen beseelt sei, die gerechten Förderungen der Juden im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Befugnisse zii erfüllen. Nationallüdische Tagungen. Am 23. und 24. d. M. fand1 hl Bf Mut eilte Tagung der jüdischen VolkSräte und der jüdischnationalen Organisationen Mährens statt An der Tagung beteiligten sich das Präsidium und Bureati des Jüdischen Nationalrates füt den tschechoslowakischen Staat in Präg, “ .... Am 25. d. M, fand in Pistyan ein vom Agitafionskomitee für die Organisierung der Juden der ‘Slowakei! elnberufener Pelegiertentag der Juden der Slowakei statt, der über die rechtlichen und. wirtschaftlichen Interessen der slowakischen Juden beraten hat Wir werden über beide Tagungen' noch ausführlich berichten. * Eine große jüdische Volksversammlung in St Gallen. In Sfc Gallen fand am 11. März eine große,‘voll Herrn Kadischewitz präsidierte Versammlung statt, in der Frau Dr. Weldler- Steinberg über „Die jüdischen Kulturaüfgabeh“ und Herr Dr. Markus Kränier, jüdischer Nationalrat der Bukowina, über „Das Problem der Juden in Osteuropa“ sprachen. Das etwa 500 Personen zählende Auditorium, das den Vorträgen mit außerordentlichem Interesse folgte, nahm ■ einstimmig Resolutionen an, mit denen der schweizerischen Biöjdesbehörde Und der englischen Regierung für das Wohlwollen,, das sie dem Zionismus entgegenbringen, gedankt wurde. S o k o 1 o W und W« 1 z m a nn -Mutrden telegraphisch Glückwünsche zu itoemte&folgreicheri Wirken ‘‘über-* nrittdt " . * Schweizer Aktion für die notleidenden jüdischen Kinder in Wien. Auf Initiative des Jüdischen Nationalratesjfür Deutschösterfeich und des Herrn Dr. H. P. Chajes; Oberrabbiners von Wien, bildete sich dm Züricli ein Komitee, das die Uebersommerüng einer möglichst großen Anzahl Wiener jüdischen Kinder, die durch die Hungersnot in ihrer körperlichen Entwicklung gefährdet sind; in Schweizer jüdischen Familien anstrebt Dem Komitee gehören die Vorsitzenden der hiesigen jüdischen Frauenvereine, die Rabbiner Dr. littmaim und Dr. Levenstein an. * Pogrome in der Ukraine. Wie das Jüdische Preßbureau in Stockholm mitteilt, bringt die „Sewomaja Kommuna“ vom. 20. Februar folgende Meldung der offiziellen .russischen Telegraphenagentur „Rasta“ vom 12. Februar: „Während des Aufenthaltes der Truppen des ukrainischen Direktoriums in Owruze fanden dort dreimal Judenpogrome statt“ Zionistische Bewegung Die zionistische Konferenz Thesen zur Immlgrationsfrage. Von der Londoner zionistischen Konferenz berichtet das J. P; B. Stockholm noch nachstehende Details: Den Bericht der (Palästina-) Immigratioaskommission erstattete Herr H. Farbstein (Warschau). Im Laufe der Diskussion berichtete Farbstein, daß gemäß einer neuh'ch eingetroffenen Mifteilüng des Herrn Doris Goldberg Tausende von Familien-in Rußland mit Ungeduld die Zeit erwarten, wo sie in Palästina werden einwandern können. Herr Ha-rondess (New-York) teilte mit daß 5000 Familien in Amerika gleichfalls zur . Reise nach Palästina bereit sind. Die von der Konferenz angenommenen Hauptresolutionen über die Immigration lauten wie folgt: 1. Es wird der zionistischen Organisation empfohlen, dafür Anstalten zu treffen, , daß Vertreter verschiedener Länder sich nach Palästina zu dem Zwecke begeben, dort die Verhältnisse zu studieren, um die Einwanderung in das Land zu erleichtern und zu regeln. ...... t 2. Es wird der zionistischen Organisation empfohlen, in allen Ländern, aus denen eine große Emigration erwartet wird. Auswanderungsämte-r zu etablieren, die unter der Leitung einer alle zionistischen Parteien des betreffenden Landes vertretenen Körperschaften stehen sollen. . 3. Informationen in. bezug auf alle die Immigration betreffenden Fragen sollen von zwei Aemtern. in London und einem neutralen Lande, gesammelt werden. 4. bamit Palästina mehl vöä Anstedtera übersehwenjirtJ telfd. dife1 flicht'JA nütillfchtir Weise beschäftigt wetdeh köiuteri. Wird beschlossen, daß diejenigen, difc.ftäch Palästina wandern wolle».stZW&iiii Wfcrdeh sölitet Üfe Reibe zü ühlfemehmeh. H sfei dftiöi Ift U eb etfeinstitiimülig mit der zionistischen Organisation Und auf litt Anraten. .5. Itt die Befugnisse, mit denen der „Jüdische Rät“. Von däm Ift dem Vofschiägen zur Friedenskonferenz die Rede ist. ausgestattet werden soll, sollen ailCh Besthnnluiigefl über die- Regelung der jüdischen Bte-, wanderirhg aufgenömmen werden. ' Hebräische Erriohung. . In. bezug auf die Erziehungsfrage, über ©e David Yellih im Aufträge der ,Eräiehtrtigökommission referierte, wurde die Bereitstelliina großer Mittel für den Unterirch) des Hebräischen sowohl in Palästina als auch in der Diaspora beschlossen. Der hebräische TJnterricht in der Diaspora hat nach denselben^ Methode*! Wie der Unterricht in Palästina zu erfolgen. j . Die DiasporalorderungeB j der Londoner Zionistenkonferenz lauten wie ftttgt: 1; Die Konstitution aller neu gebildete», erweiterten und reorganisierten Staaten, soll einen Artikel enthalten, der den Juden die vollständige bürgerliche Gleichberechtigung gewährleistet. 2. In allen neuen Staaten sollen die Juden als nationale Gemeinschaft anerkannt werden. 3. In allen neuen .Staaten sollen die Juden nationale Rechte in bezug auf. So rache. Schule und Vertretung in den politischen . und Verwaltimgskörperschaften gewährleistet werden, und zwar in dem von dem jüdische» Nationalrate des betreffenden Landes ge-\ forderten. Ausmaße, ) 4. Eine Vertretungskörperschaft; soll Von det jüdischen Bevölkerung jeden Landes gewählt weiden. - , - 5. Die Friedenskonferenz soll die jüdische Nation alseinMitglieddesVölkerbundes anerkennen und in dessen Leitung Vertreter zulassen, die vom jüdischen Weltkongreß zu ernennen sind. ■ 6. Die Friedenskonferenz soll das Recht der Juden auf folgenden Schadenersatz anerkennen: a) Ersatz — unter internationaler Kontrolle —- der Kriegsschäden im Verhältnis zu den allgemein erlittenen Kriegsschäden. b) Ersatz iür ih Pogromen) erlittene Schäden, die,von denjenigen Staaten gedeckt werden sollen, in denen Pogrome stattgefunden haben. —• - ...; Ueber die anderen Beschlüsse' haben'Wir“ bereits berichtet Zionistischer Parteitag Der für den 30. März einberufene außerordentliche Parteitag findet in Wien in den Lokalitäten des Ersten Wiener jüdischen Turnvereines, IX„ Liechtensteinstraße 30, statt. Besinn präzise 9 Uhr vormittags. Tagesordnung: 1. Eröffnung: Adolf Böhm; 2. Organisaiionsreferat: Ludwig B a t o; 3. Politisches Referat: Abgeordneter Robert Stricker; 4. Budgetreferat: Dr. M. Präger; 5. Debatte. 6. Neuwahlen. Jugend-„Erziehunga? Van Heinrich Margulies. Der Orgamsations-Statutenentwurf, welcher dem Deäegiertentag vorgelegt .werden soll, zählt eine Anzahl von Referaten auf, welche innerhalb des Ländeskömitees systemisiert Werden sollen und deren Inhaber der Delegiertentag einzdth zu bestimmen bat Zu diesem Referat gehört unter anderem die „Jugenderziehung“ und ich möchte hier nur kurz darauf hinweisen, daß mir, diese Bezeichnung als unzulänglich und irreführend erscheint. Sie bringt nur den Teil der Jugendbewegung zum Ausdruck, welcher dem rein Pädagogischen Gesichtspunkt unterzuoränen ist Sie führt notgedrungen .dazu, daß man mit diesem neu zu schaffenden Referat die. Vorstellung verbindet', daß es sich bei ihm hm eine schulmeisterliche Angelegenheit handle. Dies ist aber durchaus zu verhüten. Was wir in der leitenden Instar» unserer politischen Organisation benötigen, i« nicht so sehr das pädagogische, wie das politische der Jugendbewegung, und es Scheint mir, daß letzteres der -umfassendere Begriff ist Pädagogik, Jugenderziehung im engeren Sinne, ist nur ein Teil der. allgemeinen Jugendbewegung in den» für die Part« allein wertvollen Sinöe. Efie Partei braucht einen Nachwuchs, sie muß dafür Sorg* tragen, — etwas, was sie bisher völlig vernachlässigt hat, — daß die Jugend sich zur Partei hin entwickelt und daß zwischen dieser und den zahlreichen bunten Jugendorganisationen eia enger Kontakt hergestellt wird. Es handelt sich also darum, in der Leitung eine Person zu bestimmen, welcher die besondere Aufgabe oblieg^ mit der Jugend in enge Fühlung zu treten und jenen' Ausgleich zwischen den parteipolitische» und den Sonderinferessen der einzelnen Jugendgruppen herbeizuführen, der von Tag zu Tag mehr verloren geht. Es hänfen sich Anzeiche» dafür, daß der Zionismus seines jugendliche» Nachwuchses durchaus nicht mehr sicher ist la - den Kreisen der Jugend keimt eine Unzufriedenheit; dfe sich vorläufig hur, auf bestimmte Erscheinungsformen innerhalb unserer Bewegaöft