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Jüdische Zeitung · 1919-01-24 · 4 (24.1.1919) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
4 (24.1.1919)
Date
1919-01-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG »Nr. 4 willen bezeugt und gegen die „wilden“, d. h. nicht registrierten Einwanderer als Störenfriede eines geordneten wirtschaftlichen Lebens in Palästina Stellung nimmt RUNDSCHAU Wilson und Weizmann Stockholm, 18. Jänner. (Tel. d. Jüd. Ztg.) Das Jüd. Preßbureau erfährt aus London. Weizmann hatte am 14. Jänner eine stundenlange Unterredung mit Wilson. Wilson hörte Weizmanns Vortrag sehr aufmerksam an und äußerte großes Wohlwollen für die Idee der Schaffung eines wahrhaft jüdischen Gemeinwesens in Palästina. Die Zionisteniührer erblicken in Wilsons Zusage eine Gewähr des Erfolges bei der Friedenskonferenz. London, 17. Jänner. Der Pariser Korrespondent der Times drahtet: In den letzten Tagen ist ein gewaltiger Fortschritt nicht nur in der Polenfrage, sondern auch hinsichtlich der zionistischen Frage zu verzeichnen. Weizmann hatte lange Unterredungen mit Wilson und Balfour. * Die Tschechen in Neutra. Das Jüdische fteßbumeau Budapest' schreibt: Wir besitzen verläßliche Informationen, daß das Verhalten der Tschechen in Neutra sowohl der jüdischen wie der übrigen Bevölkerung gegenüber das unanfechtbarste ist Geiseln ließ man in ihre Heimat zurückkehren. Dr. Milan Hodza schlug — dem Vernehmen nach — der Neutnaer Judenschaft di© Bildung des „Narodmä Vybor“, welcher die Interessen der Juden in der Slowakei in würdiger Weise vertreten könnte, vor. (Diese Meldung Ist von besonderem Interesse angesichts der von den 'magyarischen Assimäanten gegen die tschechischen Okkupanten getriebenen Hetze. Die Red.) * Ein Organ des französischen Zionismus. Wie das „Jüdische Korrespondenzbureau Bern- Zürich“ mitteilt wird die Wochenschrift „Le Peuple Julf“, Paris, 80 rue de Rivoli, im Jänner das Organ. der zionistischen Organisation in Frankreich. Die Zeitschrift gewinnt an Wichtigkeit wenn man bedenkt daß in Paris der Friedenskongreß stattfinden wird, daß dort soeben das politische Bureau der zionistischer* Organisation zu arbeiten begonnen hat und daß vielleicht auch die nächste zionistische Konferenz dort staitfinden wird. * Die französische Regierung für die nationale Heimstätte in Palästina. Einer kleinen Broschüre. die die „Ligue des Amis du Sionisme“ in Paris dieser Tage herausgab. „Une Renaissance Juive en Judee“ von dem Professor am College t de France. Silvain Ldvi. ist eine Ansprache vorangestelit -die M. F. Georges-Picot . Haut-Commissaire de la Republiqiie in Palästina und Syrien vor kurzem vor dem „Comite d‘Etudes sionistes“ hielt Georges-Picot hat als Mitglied der französischen Gesandtschaft in London die Verhandlungen mit den englischen Zionisten geleitet die zu der Erklärung Cambons vom 20. April 1917. ein halbes Jahr vor der Balfourschen Erklärung führten, daß die französische Regierung die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Pa- lästina begünstige. Noch stärker drückt sie durch Herrn Georges-Picot ihr Einverständnis aus. „Ich freue mich, im Namen der französischen Regierung ausscrechen zu können, daß sie sich mit ganzem Herzen den Bemühungen, endgültig und auf praktische Weise die Schaffung einer Heimstäite in Palästina zu sichern, zugesellt und Sie (die Vertreter der französischen Judenheit) auffordert sich diesen Bestrebungen wirksam anzuschließen.“ Zionistisdie Bewegung Zionistischer Parteitag in Deutschösterreich. Di» für den 2. Februar anberaumte Delerlertenversamtnlung des zionistischen Landesverbandes in Deutschösterreich ist bis Anfang März verschoben worden. (Siehe Beglicht der Sitzung des Landeskomitees.) Sitzung des zionistischen Landeskomitees In der Sitzung dies Landeskomitees vom 2üJ Jänner wurde vom Vorsitzenden Vizepräsidenten Bato üher den Stand1 der Arbeiten dies Organisationsausschusses berichtet und ia. Berücksichtigung der noch im Zuge befindlichen Verhandlungen mit dem Jüdischen NatSonalveneiin beschlossen, die Delegiertenversanunlung, zu deren Tagesordnung noch einige Vorschläge erstattet wurden, bis März zu verschieben. Im Anschluß an den Bericht über die Vertrauensmännersammlung vom 18. Jänner wurde die Frage der Wahlen für die dleutschösterreichische Nationalversammlung vom 18. Jänner wurde die Frage der vom Jüdischen Natiiomalverein eingesetzte Verständigungskomitee die Gesinnungsgenossen Bato, Taussäg und Dr. W. Stein delegiert. Der Vorsitzende wurde ermächtigt zwecks Vereidigung der zionistischen Bureaus mit den Interr essenten schleunigst Verhandlungen eänzuleäten. Der neue Sekretär dies Landeskomitees, Dr. Elias Tisch, wurde in das Landeskomitee mit Sitz und Stimme kooptiert. Die zionistische Partei und die bevorstehendes Wahlen. Das Referat über dieses Thema erstattete Samstag, den 1. d. M. in einer vom Zionistäschen Landeskomitee für Deutschösterreich eünberufenen sehr stark besuchten Vertrauensmännervärsammkmg unser Gg. Staatsbahnrat Stricker. In der mehrstündigen Debatte kam allgemein der Wunsch zum Ausdruck, eigene Kandidaten nur im Wahlkreise Nord-Ost (2., 20. und 21. Bezirk) aufzustellen, in den übrigen Wahlkreisen für diejenigen Listen — mit Ausnahme der antisemitischen — zu stimmen, deren Kandidaten unsere nationalen Fordeinungen >m der deutschösterreichischen National Versammlung zu unterstützen versprechen. Schließlich wurde däe Parteileitung auf gefordert, ehestens Vorkehrungen zu treffen und alle Schritte einzuleiten, welche geeignet scheinen, zum Zwecke' der eftnheätlichen Führung der Partei eine Vereinigung des Jüdischen Nationalvereines mit dem Landeskomitee als Repräsentanten der »mystischen Partei herbeizuführen. Palästina-Komitee Poale Zion in Wien. Es wird hiemit bekanntgegeben, daß das Palästina-Komitee Poale Zion mit dem Sitze in Wien, IL, Glockengasse 6, gebildet wurdet Das Palatina-Komitee-Poale Zion hat folgende Aufgaben: ■' L Förderung des Palästina-Arbeiterfomds. 2. Aufklärungen über Palästina durch Herausgabe und Verbreitung von Broschüren, Flugschriften, Abhaltung von Versammlungen, Vorträgen, Kursen usw. usw. 3. Errichtung eines Infortnationsbureaus zur Erteilung von Auskünften an einzelne . Interessenten. 4. Ermittlung und Vermittlung von Arbeitsmöglichkeiten in Palästina und weitestgehende Publizierung derselben. Das Palästina-Komitee Poale Zion hat die zur Durchführung der oben angeführten Aufgaben notwendigen Verbindungen mit dem Auslände und Palästina angfeknüpft bzw. die nötigen Schritte unternommen. Auskünfte: Wien, II., Glockengasse 6. ' VI. Plenarsitzung des provisorischen jüdischen Nationalrates 16. Jänner, 4 Uhr nachmittags, r Präsident Adolf Böhm eröffnet in Anwesenheit von 65 Nationalratsmitgliedern um 4 Uhr nachmittags die Sitzung. Er macht zunächst die Mitteilung, daß ein Mitglied des Nationalrates, Dr. Otto Wertheimer, Schriftführer der politischen Kommission, gestorben ist. Der Verstorbene, der noch in jugendlichem Alter stand, war ein verdienstvolles Mitglied der jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion. Die Versammlung hört den Nachruf stehend an. Präsident Böhm teilt ferner mit, daß Herr Ing. Stricker infolge momentaner Verhinderung für vier Wochen von den Geschäften des Präsidiums beurlaubt wurde. Der erste Punkt der Tagesordnung ist der Bericht des Referates für soziale Fürsorge. Reierentin Frau Anita Müller: Bevor wir Sie bitten, den vorgelegten Grundriß eines Organisationsplanes für das von uns vorgeschlagene Jüdische Orgiamiisationsalmt für soziale Fürsorge, das als Ressort des Natiomalratas gedacht ist, zu genehmigen, will ich über die von der provisorischen Ressortleitung bisher geleistete Arbeit kurz berichten. Die ersten Arbeiten haben sich infolge der Notwendigkeit rein technischer Vorbereitungen etwas verzögert Bevor wir das große Problem in seinem ganzen Umfang in Angriff nehmen, müssen wir einzelne Teilgebiete herausgreifen, die unsere Auferksamkeit vor allem in Anspruch nehmen und GrundmotiVe des sozialen Elends sind. Diese Vorarbeiten werden es uns erst ermöglichen, einen richtigen Eindruck zu gewinnen und dann die richtigen Vorschläge für soziale Aktionen zu erstatten. Als erstes Spezialgebiet haben wir das Wohnungselend in Behandlung genommen. Die Referentin gibt sodann ein ausführliches Expose über die geplanten. Arbeiten zur Erfassung der Wohnungs- und Quartierverhältnisse der Wiener Juden, namentlich ihrer unteren Schichten. Der Plan, lückenlose Erhebungen zu veranstalten, stößt auf große Schwierigkeiten, weil auch die Kultusgemeinde kein brauchbares Material besitzt In den letzten Jahren wurden die Wohnungsänderungen nicht vorgemerkt Auch hat die Kultusgemeinde nur das Material, soweit es sich auf Steuerzahler bezieht; die erwerbslosen Juden kennt sie nicht Eine definitive Arbeit muß daher bis. zuin Jahre 1920 ' verschoben werden, weil sie nur im Zusammenhang mit der Volkszählung vorgenommen werden kann. Eine andere Arbeit ist die. Erforschung des Kostkinderelends. Dies geschieht in der Weise, daß externe Mitarbeiter Recherchen machen, die dann vom Bureani verarbeitet wer- . dem,.Ein, weiteres Bureau beschäftigt sich mit den Petenten. Schön Bei den ersten Erhebungen sind wir auf große Not und Eelend gestoßen. Wir sehen die Aufgabe des Amtes nicht nur darin, die Tatsachen zu ermitteln, sondern wir können nicht umhin, in den furchtbaren Fällen, auf die wir stoßen, sofort Hilfe zu bringen. Wir haben 80 Kinder bereits von Frau Dr. Bloch ärztlich untersuchen lassen. Die Arbeit muß geteilt werden nach Säuglingen, schulpflichtigen Kindern und Jugendlichem Die Erfahrungen bei den Kostkindem haben die bösesten Erwartungen übertroffen. Der Gesundheitszustand der Kinder ist unbeschreiblich schlecht und sie haben absolut keine Pflege. Wir haben Fälle gesehen, wo die Kinder unbedingt in Spitalsbehandlung gehören, und niemand kümmert ach um sic, auch die Kuitusgemeinde nicht. Ein weiterer Fehler ist es, daß die Kinder in entsetzlichen Häusern untergebracht werden, die für Diebe und Verbrecher die Weiterbildung der Rennerischen Theorie durch den ostiüdischen Nationalismus, gegen dessen Konzeption einer rein national-kulturellen Autonomie Renner selbst polemisiert Das nationale Problem löst sich immer mehr vom Territorialproblem los, als Folge des modernen Verkehrs, der •internationalen Arbeitsbedingungen etc. Hiebei gebt aber Margulies meiner Meinung nach auch wieder zu weit, wenn er von einem „Einzug des Galuthpiüblenis in die allfflameäne Nationalitätentheorie“ spricht Die nationale Minoritätenfrage und selbst die Diaspora ist noch nicht Gal uth. Wir halten es nicht für der Erkenntnis förderlich, wenn das Exzeptionelle in der Stellung des Jüdischen Volkes verwischt wird. Völlig ins Wasser zu schlageu scheint mir Margulies dort wo er sich mit der „I»übersehen Richtung“ auseinandersetzt (S. 52). Soweit mir bekannt ist hat weder Euber noch jemand seiner „Richtung“ jemals eine politische Autonomie verlangt bei der der Nätionalbegriff durch Forderungen einer „geistigen Einstellung“ eingeschränkt wind.. Vielmehr fordern Bhbers Freunde in ihrer politischen Betätigung eine den Verhältnisse entsprechende, möglßchsi ' weltgeheniie Autonomie, die alle Juden umfassen so.i; sie stauben nur. daß mit der" Erreichung dieses Zieles ihre Aufgabe nicht erledigt ist, sondern beginnt, weil eben die Autonome selbst kein Wert ist sondern nur die Möglichkeit seliafien soll innerhalb des jüdischen Vo'kes aus den jüdischen Menschen wahre Juden und aus der darin politisch organisierten Gemeinde eine v-ährhar: .indische, ge sterfüllte Gemeinschaft zu machen. Diese Einwendungen mußten gemacht werden, um anerkennen .zu können, wieviel wertvolle und anregende Gedankenarbeit in dem'Aufsatz von Margulies steckt Von den übrigen Be trägen des Jahrbuches ist an 'erster Stelle der Aufsatz über „Das Problem der Einwanderung nach Palästina“ von J akob Oettinger zu neunen. Oettinger skizziert darin zunächst unsere wichtigsten politischen Forderungen, die seitdem akut geworden und vielfach diskutiert worden sind, und geht dann auf die Fragen der Organisation der Einwanderung und der Durchführung der Kolonisation näher, ein. Dabei schlägt er einerseits die Schaffung eines zentralen Einwanderungsdepartements vor, dessen Aufgaben er in großen Zügen entwirft und erörtert andererseits die Kolonisation durch Achuzoth und Genossenschaften. Adolf Friedemann schreibt einen Nekrolog auf Tscnlenow, der. von Verehrung für den großen Mamn erfüllt .dessen zioniistiisch» Laufbahn schildert, und aus dem auch der informierte,manches Neue entnehmen kann. Der Aufsatz v.on Dr, Hermann Kadisch „Oesterreichische und -russische Ji.denpolitik“, der gegen die Schaffung von Nationalstaaten und für den Nationalitätenstaat cintritt, ist zwar durch die Ereignisse zi m Teil überholt, dennoch durch manche richtige Erkenntnis und durch den starken ethischen Akzent bemerkenswert Die Arbeit über „Freiheit dos nationalen Bekenntnisses“ von Dr. S a 1 omon Kassner war.als Beitrag zur Diskussion der Verfassungsreform (m Oesterreich gedacht trotzdem »st er angesichts der in manchen der neu entstandenen Staaten herrschenden Begriffsverwirrung noch immer aktuell. Aeußerst reizvoll sind die Reminiszenzen, die Adolf Stand aus dem reichen Schatz seiner persönlichen zionistischen Erfahrung mitteilt Der nachgeborene Leser empfängt daraus dankbar die Kunde von den ersten zionistischen Pionieren, welche Stand mit wenigen Strichenanschaulich und bezeichnend zu charakterisieren versteht Ludwig Bato, von dem die' an der Spitze des Buches stehende sorgfältig zuSammengestellte und alles Wichtige enthaltende Jabresrückschau stammt steuert auch eine interessante Besprechung der Palästinasehilderung Ludwig August Frankls bei Deir poetisch-Mterarische Teil des Buches enthält neben wertvollen' und fein empfundenen Gedichten von Otto A b e I e s, Eugen H o e f I i c h, Marek Scherlag und Hugo Zuckermann, willkommene Uebersetzungen einer Bauerngeschichte von Zemach und aus der Autobiographie von Mend eie, außerdem eine vom Autor selbst aus dem Hebräischen übersetzte schöne „Alte Baßlade“ von Viktor Arlosoroff. Eine Schilderung des Londoner Ghetto von G. F. Finkelstein, sowie eine Besprechung mehrerer jüdischer Bücher des Jahres von Doktor Augusta Weldler-S teinberg beschließen das Buch, in desen Text auch mehrere Kern worte jüdischer Denker, geschickt ausgewählt, eingestreut sind. Der vierte Band des Jüdischen Nationalkalenders wird eine wertvolle Bereicherung jeder jüdischen Bücherei sein. , Michael Waltiier. . Zeitschriftenschau „Moriah“. Monatsschrift der jüdischen Jugend (Wien). Inhalt: 1. Z Patisz: Auf dem Vulkan. 2. B. Zimmermann: Ansharren oder siegen. 3. Heinrich Margidiers: Synthetische Geschichtsauffassung. 4. Dr. Ignaz Schipper: Die jüdische Frage am Vorträge der Reformation im Westen und in Polen. ’5. Jechiel Halperri: Einige Bemerkungen über das jüdische, Theater. 6. Rundschau: Dr. Obadie Eisenberg: TancrecL Dr. Gisela Landau: „Die Hochzeit auf .dem Friedhof.“ 7, Neue Bücher. Als Beilage „Haschomer“ Heft 1 (poln. und hebr.).

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