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Jüdische Zeitung · 1919-01-17 · 3 (17.1.1919) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
3 (17.1.1919)
Date
1919-01-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 seiner Tätigkeit in der Flüchtlingsfürsarge gerichtet wurden. — Red.„JÜd. Zig.“} ' Thesen für das Schulprögranttn des jüdischen Nätißnarats Schulkommission des J. N. R. t. Die jüdische Schule steht auf nationaler und demokratischer Grundlage. - 2. Eine Schule' wird errichtet, sobald von den Eltern oder deren Stellvertretern . mindestens 40 Kinder angemeldet sind. 3. -Jedte nach Absatz 2 -errichtete Schule ist öffentlich und wird ans öffentlichen Mittete erhalten werden. . ' . V. . 4. Die Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen in . den tschechischen und gemischtsprachigen Gebieten ikt die tschechische. Im 3. Schuljahr wird deutsch als Unterrichtsgegenstand eingefiUirt. Vom 4., eventuell 5. Schuhahr augefaulen werden mit Rücksicht auf die örtlichen Vcriiültnissc und über Wunsch des Elternausschusses' einzelne Gegenstände tschechisch und deutsch unterrichtet 5. Der besondere Charakter der jüdischen Schulen wird gewahrt: a) durch den Unterricht der hebräischen Sprache und Literatur, b) durch dfen jüdischen Geschichtsunterricht, c) den besonderen Unterrichtsstoff und d) durch die besondere Unterrichtsmethode. 6. Behufs Umwandlung und Ausgestaltung der bestehenden jüdischen Schulen und zur Ausbildung der geeigneten-' jüdischen Lehrer werden besondere Uebergangsbestimmungen herausgegeben - werden. - Die Kongreßbewegung in Deutschland Am 28. Dezember fand in Berlin «Se erste öffentliche Propagandaversammlung für den jüdischen Kongreß staÜt, die vom vorläufigen Kangreßausschuß; zur Vorbereitung des Jüdischen Kongresses in_ Deutschland leinberufen war. Nabum Goldmann betonte, daß die in diesem Kriege erfolgte Einigung des jüdischen Volkes auf dem Boden dies nationalen Gedankens organisatorisch durch eine Repräsentanz des gesamten Judentums, durch einen Weltkongreß zum Ausdruck kommen müsse. Als ein Teil dieser Kongreßbewegung sei der. jüdische Kongreß ln Deutschland nötig, durch den sich das deutsche Juden tu-m dem Gesamtjudentum ehnügen werde. Dr; Klee ging von den inneren Notwendigkeiten und Aufgaben «das jüdischen Lebens in Deutschland aus und zeigte die Fülle der Aufgaben, die jetzt zu lösen sei Er forderte die Demokratisierung der jüdischen Gemeinden, die Erweiterung ihrer Aufgaben und Tätigkeit-und die Schaffung der jüdischen Schule. Er wandte, sich, gegen das preußische. Ministerium, ', das - jüngst erklärt hat, daß die Dänokrätisierung aller^Neuwahlen nicht für die jüdische Gemeinde gültig sei Der jüdische Kongreß in Deutschland seinötig,, um das gesamte jüdische Leben in Deutschland neu zu., ordnen und zu gestellten. Unter begeisterten Kundgebungen der Versammlung, die von mehr als 1800 Teilnehmern besucht war, wurde schließlich gegen etwa 30 Stimmen eine Resolution, angenommen* die Einberufung des Kongresses „aller Juden* die im Bewußtsein ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Volke an der Entwicklung eines lebendigen Judentums mitarbeiten wollen“. .Viele. hunderte^ von schriftlichen Erklärungen, in denen die BereSfechaft zur Teilnahme an den KongreßwaWen knadgegeben ward wurden abgegeben. Aus der Pienarsitzur.g des Kultusvorstandes Als Fortsetzung der Sitzung vom 5. d. M» fand Sonntag, den 12. Jänner, eine Plenarversammlung des Kuttusvorstandes statt. Herr Drffetnrich Schreiber beantragte eingangs, daß die Vorstandssitzungen rechtzeitig etoberufen werden sollen, damit es möglich sei, das Programm in den jüdischen Zeitungen zu veröffentlichen; hiedurch werde das Interesse weiterer Kreise wesentlich angeregt werden.'Der Antrag wurde von Dr. Plaschkes mit dem Hinweise darauf unterstützt!, -daß auch das Pflichtgefühl der Vorstandsmitglieder auf diese Weise nur günstig beeinflußt werden körnte. Sohte kam dag Antrag nicht zur Abstimmung, sondern wurde vom Vorsitzenden glatt unter den Tisch fallen gelassen. Bei der nun folgenden Frage der Ernennung von Inspektionsorganen für den Religionsunterricht entrollte sich wieder das schöne Bild der gewohnten Kultustaktik: erst Verschleppen und dann Durchpeitschen. Wegen des angeblich ungenauen Referates und mangelnden Motivenberichtes verlangte ein Offizieller die Rückverweisung an das VertreterkoUegmm und nachlierige. neuerliche Vorlage an das Plenum. Ihm gegenüber stellte Herr Hofrat Löwner fest, dlaß man wohl nur vergessen habe, wie viele Anträge zu diesem Thema Vorgelegen sind, weil seither schon viel Zeit verstrichen sei.. Man tröstete sich also damit, daß die Sache ohnehin ein Provisorium bleiben werde, im Hinblick .auf die gezählten Tage des gesamten Vorstandes. Des weiteren lag eine Eingabe des Jüdischen Nationalfonds vor: Der Paläsünagedanfce habe durch die Stellungnahme der- Entente und durchdie Judenverfolgungen in Polen an Ausdehnung ungemein gewonnen. Da es aberderzeit ■nicht möglich sei und auch später, nicht err wünschtsein werde, zu viel ungelernte Arbeiter nach Palästina . zu überführen, erwachse den Juden, der Diaspora, die Verpflichtung, für die landwirtschaftliche und gewerbliche Schulung der JÜDISCHE ZEITUNG Emigranten hierzala-ttde vorzusorgert- Da« Palästina amt des Jüdischen NatfonaMonds woBe zu Propaganda- und Sammeizwecken eine Pate, söna woche veranstalten^ welche am Chamischooser be Schwatbeginnen sötte. Der Vorstand werde gebeten, am Vorabend dieses Festes in den Gemeindetempeln Gottesdienste „ zu veranstalten, bei denen die Rabbiner in ihrer Predigt die Bedeutung der Palästinakolonisation besprechen. HSezu führte Herr Dr. Markus Spitzer folgendes aus: Der Chamische-oser be Schwat sei nur ein „Los“- oder ,JCalender“-Fest Er wolle aber nicht, daß die Zahl der hohen Feste vermehrt werde und sei somitgegen dSe angefordierte BewilBgimg. Zweitens: der Chamischo-oser be Schwat sei ein symbolisches Fest Es zeigt wie In der Natur zu «Besex Zeit noch alles starr und tot daztiföegen scheint aber schon beginnt unter der Rinde der Bäume frischer Lebenssaft zu kreisen; deshalb stimme er gegen die Bewilligung. Ueberhaupt sei er selbst infolge seiner gründlichen Kenntnisse des jüdischen Schrifttums weh! mehr Zionist als «Irgend jemand. Somit sei er also dagegen — Dr. Auerbach und Dr. Plaschkes legten nfrt wannen Worten dar, warum der Vorstand dem Ansuchen des Nationalfonds, so wie es gestellt se^.willfahren solle. Ihre Reden hatten auch den unerhörten Erfolg, daß die Herren Hofrat Löwner, Professor Neumann und Dr. Schreiber gemeinsam mit den Herren: Dr.. Auerbach, Ehrlich, Plaschkes und PoBak stimmten. Immerhin blieben noch zwanzig Unbewegliche übrig, die den Vertreterbeschluß retteten, wonach die Feier nicht am Chaimscho-oser be Schwat sondern erst Freitag abends statifinden sott. , Ebenso wurde ein von Dr. Auerbach-Dr. Schreiber gestettter Antrag abgelehnt, die für einen erkrankten Gemeindefunktionär bewilligte Subvention zu erhöhen. Dann ging man mit gesteigertem Appetit zum. Mittagessen. Zur jüdischen Beamtenfrage Die Beamtensektion des Jüdischen Nationalrate» für Deutschösterreicb - teilt uns mit: . Die. bisherige Tätigkeit der Beamtensektion des Jüdischen Nationalrates bezog sich vornehmlich. darauf, durah Fitefungnahme mät der Regierung und aiufldärende Interventionen bei Aesntem und Behörden zu verhindern, daß Juden wegen ihres Bekenntnisses zur jüdischen Nationalität beurlaubt betzw. entlassen werden. Wandten sich Juden, welche sich nicht zur jüdischen Nationalität bekennen, an den jüdischen Nationalrat um Intervention, weil man sie unrechtmäßigerweäse den Polen, Czeahen oder. Kuthenen.zuzäMt, so schritt die.Beamtensektion ebenfalls, ein.. 1. Bezüglich dies Bekenntnisses zur jtkfisdhen Rationalität; hatfc. der St^Ssta^folgenide durchaus, loyale Stellung eingenonimeh: dSe Verondfaung, daß nur Angehörige der deutschen Nation in Deutrschösterreäch beamtet sein dürfen, saß denjenigen Juden gegenüber, welche sich zur jüdischen Nationalität bekennen, nicht amgewetudet werden. Das Bekenntnis zur jüdischen Nation bildet grundsätzlich kein Hindernis, Beamter der Republik Dentschösterreich zu sein. Die Ausschließung von Nicbtdeutschen soll nämlich nur jenen Nationen gegenüber zur Anwendung kommen, welche im ehemaligen Gebiete Oesterreich-Ungarns ein eigenes Territorium hatten. Dfe von den „Protestlern“ verbreitete Mär, daß ein National jade in Deutschösterreich nicht Beamter sein könne, sei mät dieser Feststellung endgültig ans der Welt geschafft Zahlreiche Nationaljuden haben bereits ihren Beamteineids geleistet «nid! sich bei der EIdeale is-tung ausdrücklich zur jüdischen Nation bekannt. 2. Da dße von mehr als 500 Beamten alter Kategorien besuchte Versammlung vom 14. November 1918 einstimmig dem Wunsche Ausdruck gab, der JfidSsdife Nationalrat (Beahitensektion) möge allen Juden ohne Unterschied Ihrer Gesinnung zur Seite stehen, wandten sich sehr zahlreiche jüdische Beamte, Unterbeamte und Diener, die sich als Deutsche erklären aber von ihrer Vorgesetzten Behörde beurlaubt würden, weil man sie am den kompetenten Stellen als Polec erklärt, um Rechtsbeistand an den Jüdischen* Nationalrat. Bei allen denjenigen, die rieh nicht ausdrücklich in einem früheren Stadium dhrch Gestanungsändenntg, politische Haltung als Polen deklariert hätten, ist es gelungen, ihre Beurlaubung und düe daraus folgenden Konsequenzen rückgängig zu machen. Es Bst bezeichnend, daß in manchen Aemtem Juden, die seit mehr als 20 Jahren in Wien ansässig sind, tferen Dokumente durchaus 6n deutscher Sprache ausgestellt wurdfen und die die polnische Sprache überhaupt nicht verstehen, nur deshalb beurlaubt wurden, weil sie in einem 'gahztsdhen Städtchen gehören säend. Es war unseren Vertretern möglich, zu erwirken, daß alle diejenigen Juden, welche in ihrem galizischen Vaiterhanse jiddisch sprachen, und deren Kinder jüdische Namen führen, von dfen „Proskriptionslisten“ gestrichen wurden. Pflichtgemäß sei auf Grund der bisnun gesammelten sehr reichen Erfahrungen; festgestellt, daß die Oberbehörden durchaus eSnsicbtSg, gerecht und wohlwollend zu Werke gehen. Uebeigriüe — oft recht unsinnige und bösartige — kommen nur bei dien Unterbehörden vor. Es wurde bereits ta diesen Blättern mitgeteilt. daß einige* Nordbahribeante — natürlich deutsdbnationaie assimilatorische Juden — gegen den Jüdischen Nationalrat protestierten. Weite Seite 8- Wiener Morgenzeituns Jüdisch politisches Tagblatt in deutscher Sprache erachalnt ab 19. Jänner täglich um 6 Uhr früh Montag um 3 Uhr uadimittags. Redaktion und Administration Wien, 11., Taborstraße Nr. 1 :• t 1 Schichten der Beamtenschaft beginnen bereits zti erkennen daß diese Protestkundgebung ebenso schädlich wie lächerlich, war. Dee Bearotensektion des Jüdischen Nationalrates wird natürlich fürderhin vom allen denjenigen Juden, welche keine Zionisten und Nationaljuden stad, und die unsere Rechtshilfe in Anspruch nehmen, die ehrenwörtilfidhe Erklärung fordern müssen, daß sie mit jener famosen Protestkundgebung nichts gemein haben. Telegramme Wilson and Lloyd Georges Aber den Zionismus. Wie das Jüdische Preßbureau Wien aus New York über Haag erfährt, veröffentlichte de® Herausgeber des „Jewish Daily Forwards New York Abo Cahan“, welcher sieb gegenwärtig du Paris auf hält, ein Interview mit Lloyd George, in welchem timt dieser mitteil t*e, daß Wilson, mät ihm das Zionistische Problem in befriedigender Weise (satisfactorfty) besprochen habe. Die Verwirklichung der von der amerikanischen und der englischen , Regfejrtmg gleichermaßen gegebene Zusicherungen hinsichtlich der Schaffung eine® jüdischen Heimstätte in Palästina sei demnach gesichert Die zionistische Konferenz in London, Dem Jüdischen Preßbureau Wien wird aus Stockholm telegraphiert: Die alliierten Regierungen haben ihre Einwilligung dfezu erteilt daß an dem vom 11. bis 13. Februar 1919 in London stattfindenden Zionistenkongresse neben den zionistischen Organisationen der alliierten und neutralen Länder auch die im ehemaligen österreichisch-ungarischen Gebiete befindlichen zionistischen Organisationen teilnehmen. Die englischen Delegierten zum Frieden»* kongresser Nacji einer Meldung des „Matin“ ts* die Nonwttenung°<fer englischen Vertreter für die Friedenskonferenz bereits erfolgt. Die auf <£e Türkei bezüglichen Angelegenheiten wird Sir Louis Mailet der frühere britische Botschafter in Konstantinopel vertreten. — Bekanntlich Ist auch Lord R eading (Sir Rufus Isaacs) Mitglied der englischen Delegation Der syrische Kongreß ln Marseille. Das Jüdische Preßbüro Wien meldet: Der von der Handelskammer in Marseille veranstaltete syrische Kongreß gestaltete sich zu einer Imposanten Kundgebung für die Bestrebungen, zwischen Frankreich und Syrien ein besonders enges Verhältnis herzustellen. Für die verschiedenen Interessengebiete (Handel, Industrie, Schule) waren besondere Referate vorgesehen. Aus dem Referate über Schulwesen war unter anderem zä entnehmen, daß in den französischen Schulen Syriens 40.000 Schüler erzogen wurden. (In diese Zahl hat der Referent anscheinend die SchiUer der Allian:e Universelle Israelite mit einbezogen. Die japanische Regierung für den Zionismus. Haag, 15. Jänner. (Tel. d. „Jüd. Zig.“) Wie dem Jüdischen Büro telegraphisch berichtet wirdL veröffentlichte der japanische Gesandte in London namens seiner Regierung folgende Erklärung: „Die Japanische Regierung nimmt mit Befriedigung Kenntnis von den Bestrebungen des jüdischen Volkes aui Erlangung eines nationalen Heimes in Palästina und sieht der Verwirklichung dieser Wünsche entsprechend den projektierten Vorschlägen mit wohlwollendem Interesse ent. gegen.“ Eine gleiche Erklärung ließ die japanische Regierung der zionistischen Organisation m Shanghai zugehen. Der Handelsverkehr mit Palästina. Wie dem Jüdischen Preßbüro Wien telegraphisch mitgeieilt wird, erließ die englische Regierung eine Verfügung, nach welcher im Handelsverkehr mit Syrien und Palästina alle Au»- fuhrbeschränkungen aufgehoben werden. Palästinas Vertreter am Friedenskongreß. Stockholm. (Tel d „Jüd. Ztg.“) Bei der am 20. Dezember 1918 in Jaffa abgehaltenen Konferenz der palästinensischen Juden wurden die Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees Prof. Chaim Weizmann und Nabum Sokolow als Vertreter der palästinensischen Judenheit aui der Friedenskonferenz nominier 1 Weizmann und Sokolow befinden sich bereits in Paris. Jüdische Milltärpollzet ln Palästina. NacB einer Meldung des Pariser „New York Harald?* vom 2. Jänner werden die jüdischen Soldaten den amerikanischen Armee in Frankreich nach Palästina gesendet, um dort Polizeidienste zu verrichten. Das britische Kriegsministerium fordert ebenfalls jüdische Soldaten auf, sich für diesen Dienst freiwillig zu melden. Die jüdische Militärpolizei in Palästina zählt bereits mehr als 10.000 Mann.

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