Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1919-01-10 · 2 (10.1.1919) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
2 (10.1.1919)
Date
1919-01-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2438141-2438727-2438729--6096-2446139
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. ä Sette 5 Italien * Eine hochherzige Spende. Das Misrachi-B. Zürich meldet: Eine Schenkung von 66.000 Lire seitens der vor kurzem verstorbenen Frau Giustina Artom und ihres Bruders Cav. Benaja Artom hat die Gründung eines jüdischen Zenfralfonds für Italien ermöglicht Zweck dieses Fonds ist die Unterstützung jener Werke, die sich auf . folgende Grundsätze stützen: a) Israel bildet eine zusammengehörige Einheit; b) die Thora soll immer Israel leiten; c) die hebräische Sprache soll das Eiuigungsmittel für das jüdische Volk sein; d) Palästina soll wieder Israels Land werden. — Die Verwalter dieses Fonds sollen unter denjenigen Juden gesucht werden, die diese Leitsätze anerkennen, der zionistischen Organisation angehören, die hebräische Sprache beherrschen und den Sabbat halten. Die ersten Verwalter sind: Rabbiner Elia Samuele Artom (Turin), Rabbiner Dante Lattes (Rom), Adv. Alfonso Pacitici (Genua). England * Die Liga der britischen Juden. Major Lionel de Rothschild! hat dter Regierung ein Commumique vorgenlegt, das die Ansichten der Liga über die englische Regierungserklärung und die Palästinafrage fm 'allgemeinen im Gegensatz zur zionistischen Bewegung behandelt * Die lto für Palästina. Die jüdisch-territoriaiistische Organisation (lto) hat, wie die Nachrichten des deutschen Orient-Institutes mitteiien, nach dem Vortrage des Senators Margoiin beschlossen, ihr Vorgehen mit demjenigen der zionistischen Organisation bezüglich der praktischen Arbeit in Palästina in Einklang zu bringen. Die bet der lto bestehende jüdische Auswanderungsgesellschaft soll die Aufgabe übernehmen, die Auswanderung sowohl nach Palästina als auch nach Amerika und anderen Ländern zu regeln. Die Araber für den Zionismus, Lord Rothschild arrangierte zu Ehren Feisuls, des Sohnes des Königs von Hedschas und seines diplomatischen Gefolges ein Bankett, an dem u. a. Lord Milner, Lord Robert Cecil, Earl ot Crewe, Sir Herbert Samuel u. a. zionistische Führer teilnahmen. Es wurden dabei warme •Trinksprüche für den Zionismus gewechselt. Holland Die Aktion des Senators H. van KoL ■Das .Tüdäsdbe Korrespondenz Btirdam im Haag meldet: Seit dier ersten Nadhricht über die Pogrome in Polen und/ Galizien entwickelt dler holländische Senator H. van Kol eine rührige ununterbrochene Tätigkeit zugunsten idler Juden. Der Senator tat steh nfcfht1 bloß mit dler Interpellation im (holländiisahen Semfe begnügt, die bekannterweise au einer scharfem Resolution dieser Körperschaften, welche die bedeutendsten und führenden Kräfte des holländischen Volkes in sSdh verefinigen, geführt hat. Senator van Kol hat die führenden Sozialisten aller Länder telegraphisch 'aufgefondlert, einen Druck auf ihre Regierungen zugunsten einer Intervention für 'dOe gatizischen jiuiden äuszumützen. Auch idlas intematsanale sozialistisdhe Bureau veranlagte er zu einer KundimacWung gegen die Pogrome. Seiner Interventton ist es zu danken, daß das Tschecho-Slowakösche Komitee im Haag einen telegraphischen Appell um «Üe Regierung to Prag richtete, .die ^Ausweisung der gal! «zischen Juden nicht ■vorzunebmen. Bekamntlidh hat auch diese . Intervention vollen.. Erfolg getobt . Van Kol hat soeben ©ilme Broschüre über die Juden und‘dlüe Friedenskonferenz, in welcher er in enthusiastischer Weise die Forderung eines jüdischen Palästinas unterstützt und eine Anklage gegen das polnische Volk erhebt beendet- Die Brosdhure idSeses greisen und edlen Freiheitskämpfers wird in Bälidie erscheinen und durch ihren Inhalt siahenüdh allgemeÖne Beachtung finden. - Schweiz Verbandskonferenz der Poale Zion in Lausanne. Das Stockholmer Verbandsbureau der jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion lud die Landesorgauisationen zu einer Beratung während der internationalen sozialistischen Tagung nach Lausanne ein. Die Hauptpunkte der Tagesordnung bilden die Formulierung der jüdischen Forderungen an die sozialistische Friedenskonferenz. die Stellungnahme zu allgemeinen ■politischen Fragen und die Einberufung eines Weltkongresses der jüdischen Arbeiter und der gesamten Judenheit: Die internationale Sozialistenkonferenz in Lausanne. Der allweltliche jüdischsozialistische Arbeiterverband „Poale-Zion“ erhielt von Camill Huysmans eine Einladung zur Teilnahme an der internatinoalen Sozialistenkonferenz in Lausanne. Amerika * Der lüdische Farmerkongreß In Nordamerika. In Newyork fand die 10. Jahreskonferenz jüdischer Farmer statt Die Berichte konstatieren einen großen Fortschritt des Genossenschaftswesens. Die Konferenz beschloß die Errichtung einer Marktzentrale in Newyork, die Abschütt- •lung jeden Einflusses durch die Jewish-Colonisation Association, der jüdischen, aus dem'Vermögen des Baron Hirsch bestehenden Kolonisations-Gesellschaft ferner die Ermöglichung der Niederlassung von jüdischen Emigranten auf den jüdischen Farmen Nordamerikas und die Herausgabe einer eigenen Zeitung. ■ * ■ Eine 3 MIIlionen-Dollar-Sammlung der .amerikanischen Zionisten. Die ‘Zionistische Or- . .xan&atiott tn Amerika bat eäns Aktion zun Samm- JÜDISCHE ZEKÜJN0 tung von 3 Mälüoneu Pfund zum Zwecke des Wiederaufbaues und der Wiedereinsetzung der jüdischen Kolonien und Institutionen, in Palästina eingieleiiteit Man hofft den Betrag von 3 Millionen Pfund innerhalb zweier Monate, beginnend am I. Dezember, aufbringen zu können. Die ganze Summen mit Ausnahme von ungefähr 350.000 Pid., die für die amerikanische Wirksamkeit innerhalb N der Bewegung bestimmt sind, sollen völlig der eigentlichen zionistischen Arbeit zuiließen. Eine Million Dollar ist für Anleihen der Anglo Palestine Co. bestimmt und! zwar für kommunale, genossenschaftliche und andere Unternehmungen, die einen direkten Einfluß auf die ökonomische Entwicklung des Landes haben, 500.000 Pfund für die Palestine Administrative Commission; 400.000 Pfund für die medizinische Expedition der amerikanischen Zionisten; 200.000 Pfund für Anleihen der Anglo Palestine Bank, und zwar für private Handelsuntemehmungen; 100.000 Pfund für die Jüdische Legion und ihre Angehörigen; 125.000 Pfund für das Budget der Palästinaschulen und 25.000 Pfund für den Unterhalt besonderer Institutionen wie Bezalel etc. Von der für Amerika ■ bestimmten Summe sollen 12.UÖ0 Pfund dem Studium des Hebräischen zufließen; 21.000 Pfund dem Misrachi; 60.000 Pfund der Erziehungsarbeit; 20.000, Piund der Publikationsarbeit; 40.000 Pfund der Organisationsarbeit; 15.000 Pfund der Frauenarbeit und der Rest literarischer und mündlicher Propaganda arbeit * Fünf Millionen Dollar für die jüdischen Kriegsopfer. Die jüdischen Hilfskomitees in Amerika haben beschlossen, in einigen Wochen fünf Millionen Dollar für die jüdischen Kriegsopfer in Osteuropa und Palästina aufzubringen. Die Sammelaktion ist in vollem Gange. Alle jüdischen Organisationen beteiligen sich daran mit großer Energie. * 40.000 Dollar für den NF. in der Chanukah- Woche gesammelt. Wie aus London telegraphiert wird, ergab che Chanukahsammlung in Amerika für den jüdischen Nationalfonds die Summe von 40.000 Dollar. Die amerikanische jüdische Delegation zum Friedenskongreß. Von der Exekutive des jüdischen Kongresses in Newyork erhielt das Jüdische Preßbureau in Stockholm folgendes Kabeltelegramm: Der jüdische Kongreß wurde Dienstag, den 17. Dezember 1918, vertagt. (Wie es scheint, ist eine zweite Tagung des Kongresses beabsichtigt.) Der Kongreß wählte auf seiner letzten Sitzung eine Friedensdelegation aus folgenden Persönlichkeiten: Richter Julien Mack, (Präsident der zionistischen Organisation Amerikas), Stephan Wise (Vizepräsident derselben Organisation), Harry Cutler (Zionist), Jacob De Haas (Zionist), Joseph Barondess (Zionist), Loflis Marshall (Vorsitzender des American Jewish Committee), Rabbi Löwenihal (Vertreter der Orthodoxie), Dr. Nachum Syrkin (Poalezionist), Morris Wintschewsky (Vertreter des antizionistischen Flügels der .jüdischen Arbeiterschaft); Sekretär der Delegation ist Berrtard Richards (Zionist, Sekretär des Exekutivkomitees des Kongresses). Palästina * Rückkehr der Evakuierten nach Palästina. Das Jüdiiahe Karnespanrfenzbuneau Bern-Zürich . berichtet: Nasch dar „Monning Post“ vom 20. Dezember sind eine große Anzahl paläst&nensisoher Juden, die von den Türken während deren überstürzten Rückzuges nach Damaskus verschleppt wurden, nun wiedbr auf der Heimreise nach Palästina, wobei ihnen von den britischen Behörden jeder mir mögliche Beistand geleistet wird Die nationale Bewegung Zur Volkszählung in Brünn Am 6. Jänner 1919 findet m Brünn eine Volkszählung statt, bei der zum erstenmaie das Bekenntnis zur Nationalität zur Grundlage genommen wird und nicht wie bisher üblich war. die Um- . gangssprache. Es steht jedem Juden frei, sich als Angehöriger der jüdischen Nation zu bekennen und es hat der Jüdische Volksrat in Brünn eine umfangreiche Agitation in dieser Hinsicht entfaltet, um die Juden zu bestimmensich frei und offen zur jüdischen Nation zu bekennen und sich nicht iu den nationalen Streit ei itzumengen. Am 30. Dezember 1918 fand eine glänzend besuchte Versammlung statt, in der Prof. Dr. Engel aus Prag die Forderungen der Jüdiscfihationalen rm Tschecho-slowakischen Staate darlegte, worauf Gg. Schüller in einer ausführlichen Rede die Notwendigkeit bewies. d*aß sich alle Juden zur jüdischen Nation bekennen müssen. Nachdem zwei Redner im gegnerischen Sinne gesprochen hatten, deren Ansichten von der Versammlung nahezu einstimmig a’ogelehnt wurden, sprach der der tschechisch-soziademokratischen Partei angehörige Dr. Schlesinger, der erklärte, daß die tschechischen Sozialdemokraten die Poalezionistische Arbeiterpartei als gleichberechtigte Natfon anerkennen und versicherte, daß auch aus dem Lager der tschechisch-assimilatorischen-Juden den Jüdischnationalen neue Mitglieder Zuströmen werden: Um den gegnerischen Ausstreuungen, daß .durch das Bekenntnis' zur jüdischen Nationalität besonders den jüdischen Staatsbeamten aus diesem Bekenntnis Schaden erwachsen könnte, entgegenzutreten. wurden aufklärende Flugschriften verteilt, in welchen auf die Stellung Masaryks den Zionisten und Jüdischnationalen gegenüber hingewiesen wird. Die Lage der Juden in Kolomea Am 1. November v. J. haben die Ukrainer in Kolomea die Verwaltung der Stadt übernommen und die Militär-Diktatur eingeführt Es herrscht dort seither Belagerungszustand Bald hat sich auch der Jüdische Nationalrat. zusammengesetzt aus Zionisten,- Poale-Zionisten und der Z. P. S., mit Herrn Dr. Marek Lachs als Präsidenten konstituiert An Stelle des demissionierten Kultusvorstandes hat der Jüdische Nahenalrat einen aus 20 Personen bestehenden Kultusrat eingesetzt der ihm untersteht Die Ukrainer haben sofort die jüdische Nationalität anerkannt Sämtliche behördlichen Schritte, sowohl betreffs der Ernährungsfrage als auch der Aufrechterhaltung der Ordnung erfolgen vom Staatssekretariat üm Einvernehmen mit dem Jüdischen Nationalrat Die von der Behörde ausgehenden Verfügungen und Kundgebungen sind m jüdischer und ukrainischer Sprache abgeiaßt Die Korrespondenz des ukrainischen Staatssekretärs mit dem Jüdischen. Nationalrat wird in jidischer Sprache geführt. Es soll demnächst auch eine öffentliche jüdische Schule errichtet werden. Nichtsdestoweniger lebt hier das jüdische Volk einigermaßen in Unsicherheit da noch immer hie und da einzelne Exzesse und Raubüberfälle seitens Individuen der Soldateska zu verzeichnen sind, die aber von der Behörde aufs strengste verfolgt werden- Das Elend der jüdischen Massen in Kolomea ist infolge der horrenden Teuerung unbeschreiblich. Da der Verkehr unterbunden ist und sowohl die Fabriksbetriebe als auch die Geschäfte infolge Mangels an Waren und Rohmaterialien ruhen, ist jede Erwerbsmöglichkeit ausgeschlossen. Zionistische Bewegung Verschiebung des deutschösterreichlschen Parteitages. Der für den 19. Jänner anberaumte Parteitag wird auf den 2. Februar 1919 verschoben. Zion. Landeskomitee für Deatschösterrelch. Schekel und Parteisteuer Das zionistische Landeskomitee für Deutschösterreich als liquidierende Behörde des Zionistischen Zentralkomitees iür Westösterreich hat die Rücküberweisung des Inkassos von Schekel und Parteisteuer?.n die einzelnen Distrikts- resp. Landeskomitees beschlossen. Es sind daher von nun an beim Zionistischen Landeskomitee in Wien, II., Praterstraße 43, II. Stiege, 1. Stock, Tür 11, nur mehr Bestellungen aus dem deutschösterreichischen Staatsgebiete zu machen. Die zionistischen Stellen für die übrigen Länder sind: Für Böhmen: Zionistischer Distriktsverband, Prag, Tuchmachergasse 34. "Für Galizien: Zionistisches Lokaikomitee, Krakau. Stradom 13. Für die südslawischen Länder: Zionistisches Distriktskomitee iür Jugoslawen, Zagreb, Petriinska 23. Für die Bukowina: Zionistisches Landeskomitee, Czernowitz, Färbergasse 5. Für Mähren und Schlesien: Mährisch-schlesisches Distriktskomitee, Mähr.-Ostrau, Pittergasse 8. Zionistisches Landeskomitee für Deutschfisterreich Der Sitzung vom 7. Jänner 1919 lag ein Bericht des Organisationsausschusses über die im Zuge befindlichen Beratungen zur Schaffung eines neuen Organisatscmsstatutes vor, dessen Grundzüge genehmigt wurden. Durch den Verlauf dieser Beratungen erwies sich die Verschiebung des Parixütages auf d!en 2. Februar 1919 als notwendig. Herr Revisor Taussig erstattete den Bericht über die Tätigkeit des Armen-Ambulatomums, dias mit 31. Oktober 1918 seine Tätigkeit eingestellt Seine Ausführungen wurden mit lebhafter Befriedigung zur Kenntnis genommen. Namens der Parteileitung sprach der stellvertretende Vorsitzende Herr Bato Herrn Revisor Taussig den innigsten Dank für seine aufopferungsvolle Tätigkeit aus. Herr Horowitz machte die .Mitteilung, daß der Verein „Zion“ Herrn Revisor Tausäig zum Dank für sein Wirken im Armen-Ambulatontum in das Goldene Buch eintragen lasse. Die Sitzung befaßte sich schließlich noch mit/ den Angelegenheiten des Palästima-rttlfswerkes. Der Bericht des Hemm Revisor Taussig ' über düe Verteilung der Gelder wurde mit Dank zur Kenntnis genommen. Vom zionistischen Landesverband Süd slaviens Der zionistische Landesverband Südslawiens bildet eine selbständige Landesorganisation, welche Kroatien-Slawonien, Bosnien-Herzegowina, Serbien. Fiume, SüdsL Kärnten. Steiermark und Kraiin umfaßt. Es besteht die Absicht, auch die eventuell Südslawfen zufallenden südungartschen Gebiete in diese Landesorganisation einzubeziehen. Die Landesorganisation ist auf Ortsgruppen gegründet. Während des Krieges tagte keine Landeskonferenz. Die letzte wurde in Zagreb im Jänner 1914 abgehalten, die nächste findet am 5. und 6. Jänner" 1919 im Rathause der Hauptstadt Zagreb statt. Das Blatt „Zidov“ erscheint in einer Auflage von 200) Exemplaren als Halbmonatsschrift. Ab 1. Jänner wird es'dre.mal, eventuell wöc: entlieh etsefi einen. Pro 5678 wurden 2000 Schkolim abgeüihrt. Die Schekelarbeit rro 5679 ist im Zuge und man hofft, daß 90 Prozent - aller dortigen Juden sich unserer Organisation anschiießcn werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.