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Jüdische Zeitung · 1918-12-20 · 51 (20.12.1918) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
51 (20.12.1918)
Date
1918-12-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. M JCPtSCHE ZBTOret - T^wdöfl können auf Grund der biblische* Lehr*; wikte lösen oder wenigstens zu lösen versuche* wirtschaftliche und industrielle Probleme. Trage* der Beziehung zwischen Kapital und Arbeit und selbst der Beziehung zwischen Kirche und Staat sowie andere. Fragen, welche ietzt nach dem - Kriege ais Probleme angesehen werden. ■ Die-Juden'werden dort gnrjs auf einer nnabhniigigen Plattform, stehen, nicht gefesselt durch festbegründete Interessen oder die alte feudal* Traditionen. Sie werden gicicbsam auf eine rein Tafel der Welt die neue Botschaft aufschreibe*; Zu gleicher Zeit wird Palästina die einzig mögliche Verbindung, zwischen dem Westen und. dem Osten werden. Denn wem die westlichen Mächte sich einbilden, dal sie westliche Zivilisation in As:en einführen könne», so arbeiten sie unter einem schweren und großen Mißverständnis. Wo auch immer diese Zivilisation eingeführt wurde, hat sie sich als Lösungsmittel erwiesen: sie hat das Alte zerstört md nichts Neues beschaffen.. Das Beste, was sich in der westlichen Zivilisation vorfindet, kann nur durch ein halböstliches Volk nach dem Osten gebracht werden, welches die Intellektualität des .Westens mit der geistigen Beschaffenheit des Ostens verbinden. Es möge sich keine europäische Macht einbilden. daß sie imstande sein wird, für immer über östliehe Völker zu herrschen. Alle europäischen Ansiedler aus dem Westen, ausgenommen die Juden. geraten in physischen Verfall. Eine ernste Gefahr kann entstehen, wenn der Geist des Ostens sieb zu einem l ohen Grade des Fanatismus erhebt, wenn nicht Mittel ergriffen werden, die Zukunft so zu gestalten, daß ein allmähliches Erwachen zu den höchsten und edelsten Idealen der Menschheit vorbereitet wird. Ur.d das können allein die Juden bewirken, durch ihre Kenntnis des Westens und ihre Sympathie mit dem Osten. Das Ist die Lösung, welche, wieder von den Hügeln Judäas und dem Berge 7ion kommen soll.“ (Uebersetzt aus .Observer".-London, vom 29. IX.. 1918). Was soll ich? Ein Arbeitsprogramm für die jüdische Frau. Das Arbeitsprogramm der jüdischen Frau läßt sicli in wenigen Sätzen besprechen, doch will ich vorher einiges Wichtige vorausschicken. ln Zeiten, wie wi^ sie jetzt erleben, in diesen Tagen der Wirren und der durch diese hervorgerufenen. sich überstürzenden wehen Ereignisse ist innere Klarheit vor Allem nötig, und diese kann nur durch bewußtes Hinarbeiten auf ein bestimmtes Ziel gewonnen und erhalten werden. Audi 'wir.'iüdi.sdie Frauen müssen, um nicht ..von der Parteienzctrüebe“ beeinflußt zu werden, unentwegt ' die uns zukorrrmende Arbeit leisten, und nun drängt sich uns die momentan brennende Frage auf: „Was soll ich?“ Diese Frage ist es. die unzählige jüdische Mädchen und junge jüdische Mütter bewegt Was soll ich und was kann ich tun. um den vom jüdischen Volke an mich gestellten Anforde-. rungen gerecht zu werden? Wer sich mit dem Erziehungswesen im All-' gemeinen und dem erziehenden Unterricht unserer heramvachsenden weiblichen Jugend im Besonderen, intensiver beschäftigt hat. der wird sich sagen müssen, daß unsere diversen Volks¬ und Mittelschulen bisher zu einem bewußt jüdischen Empfinden unserer Jugend begreiflicherweise nicht bci.geira.gen haben. Sie haben aber auch in gar keiner Weise dem eigentlichen Berufe der Frau Rechnung getragen. - " Vieles wird gelehrt, das Wesentlichste jedoch. das bei. der Erziehungsarbeit vor allem in Betracht kommt, fehit fast ganz. Das teuerste Gut des Volkes, die jüdische Jugend, wird^ivi unsere Hand gegeben, auf daß wir sie warten und pflegen und auf daß wir ihr die Wege weisen za hohem Menschentum und ihrem .Volke. Sindwir jüdische Frauen, sei es nun der kleinere Teil der Lehrerinnen oder aber die weitaus größere Zahl junger Jüdischer Mütter, sind wir dieser hehrsten aller Auf- Stäben gewachsen? Nein! Wir wollen heute nicht nachforschen. wer Schuld an' dieser Vernachlässigung trägt, wir wollen das Vergangene vergangen sein lassen und wollen uns zusammentun zu schöner Gegenwartsarbeit, auf daß'uns dann und unserem Volke eine noch schönere Zukunft , erblühe. Erst wenn wir wahre Töchter unseres Volkes, geworden sein werden, jüdische Frauen in unserem Fühlen, unserem Denken und unserem Tun, erst dann wird dem jüdischen Volke eine wahrhafte und glückliche Jugend erstehen, eine Jugend, der es erspart bleiben wird, sich erst zum Judentum zurückfinden zu müssen. ' . Das jüdische Weib schafft das jüdische Hans ,^'und das jüdische Haus birgt die jüdische Zukunft! wichtig ist für die jüdische Tran «ß* voUstäMitic* Beherr schaag der hebräische* Sprach* uad df» der jüdischen Geschichte. Vor dass werde*dies* zum Gemeingut des Volkes, wenn si* im jüdische* Hause eine Stätte der Pflege, der Liebe und d*s Verständnisses gefunden haben. Uad mm zum I. ehr plan: la Betracht kommen: 1. hebräische Sprache, jüdisch* Geschickt*. Nationalökonomie. Gezerawartstrad PaKistfoakunde. 3. sodann Pädagogik. Psychologie. Ethik. Physiologie. Hygiene und Turnen. Wichtig sind außerdem Fatkkurs* ‘ für die mannigfachen .manuellen Berufe, ie nach dem Lokalbedarf, dann Kurse zur Heranbildung von Rednerinnen (zu Propagandazwecken). für Kindergärtnerinnen und endlich für diejenige*. iU* als Landarbeiterinnen nach. Palästina zu gehen gedenken. Es sei auch derjenigen Kurse noch Erwähnung getan, die nötig wären, um der für Palästina in Aussicht genommenen Kleinindustrie in die Hand zu arbeiten. Die Absolventen dieser Kurse kämen dann als Lehrer für die in den dortigen Kolonien beschäftigten Landarbeiter ln Betracht und so wäre der ländlichen Bevölkerung Palästinas für die arbeitsamere Zeit des Jahres Beschäftigung und eine . weitere Verdienstmöglichkeit gegeben. Die Fachkursc wären mehr als Fürsorgeaktion des jüdischen Fraueuverbandes für unser* hilfsbedürftigen Schwestern anzusehen. Zur Frequenz der erstgenannten eigentlichen Lehrkurse jedoch müßten alle jüngeren Mitglieder (auch die jungen Mütter) des jüdischen Fraueuverbandes (und aller jüdischen Frauenvereine) verhalten werden. Nur so können wir zur Verwirklichung des Arbeitsprogrammes, beitragen. Daß sich die Dozierenden den geistigen Oualitäten ihrer jeweiligen Hörerinnen anpassen müssen, ist wohJ selbstverständlich. Und nun zur Finanzierung dieses Planes. Die materiellen Schwierigkeiten wären durch Festsetzen einer allgemeinen Erziehungssteucr leicht zu beheben. Jeder Familie muß es zur Pflicht gemacht werden, einen jährlichen Beitrag zur Erhaltungdieser für die Erziehung unserer Jugend notwendigen Schule zu leisten, und sind wir so weit, dann wird die Ernte, schön! Dies'der Weg za unserem'Volke. Mathilde Weidenfeld. (Wie wir erfahren, sollen die vorstehenden Anregungen bereits in die Tat .umgesetzt werden. Interessentinnen. mögen sich an den Arbeitskreis für jüdische Erziehung, il.. Praterstraße 43. oder an den Jüdischnationilen Frauereverband. II.. Praterstraße 17. wenden.) RUNDSCHAU Deutsch-Oesterreich * Die Taulseuche. In der heutigen Nummer unseres Blattes nehmen wir, einem vielfach geäußerten Wunsch entsprehend, die Veröffentlichung der Listen der aus dem Judentum Ausgetretenen wiederauf. Immer waren es Zeiten der Gefahr, in denen sich Untreue und Verrat am besten bewährt haben. Die heutige kritische Situation des Judentums bringt es mit sich, daß wieder -ganze Scharen unbemerkt sich aus seinen Reihen schleichen wollen. Heute, wo alle besser füliienden und denkenden Juden dem Tag der Befreiung mit Sehnsucht entgegensehen, müssen wir trotzdem auch für die Falmenflüchtlinge ein Auge haben. Es darf keinen anständigen Juden geben, der den Verkehr mit Getauften aufrecht erhält. Wer sich von uns lossagt, soll nicht mehr in unserem Hause sitzen dürfen. In diesem Punkte dürfen wir kerne Konzessionen und keine Kontvenz kennen Die Schuld an diesem Massenabfali trifft die, weiche nicht verstanden haben, die äufwaebsende jüdische Generation mit positivem Judentum zu erraffen und ihnen Liebe zum icbend.gen Judentum einzuilößen. Der Abfall vom Judentum ist die konsequente Folge der assimilatorischen Politik des sogenannten Konfessionsjudentums. * Deutschnationales Technikerhelm. Wir werden aufmerksam gemacht, daß. die Unterstützung der gesamten Oeffentlichkeit für ein Techm'kerheim in Anspruch genommen wird, das nach den ausgesprochenen Intentionen lediglich für deutschnationale Studenten bestimmt ist Bei der Gründungsversammlung wurden die sozialistischen Redner, die die Wohltat’ des Heimes an kein Parteibekeniitms binden lassen wollten, einfach näedergeschrien. Dem Staatsrat wurde eine Denkschrift überreicht Wir sind neugierig, wie er sich verhalten wird. Programm: Im Namen vieler, wo nicht im Namen aller, fordere ich mit Rücksicht darauf, daß an eine völlige Umgestaltung des Schulwesens nicht sobald gedacht werden kann, die Schaffung allgemein . zugänglicher und -unentgeltlicher Nachmittags- und Abendkurse. Unentgeltlich deshalb, um vornehmlich den Arbeiterinnen und Handwerkerinnen sowie allen denen, die irgendwelche Beiträge nicht zu leisten imstande sind, die Möglichkeit zu geben, alle, für die Erziehungsarbeit in Betracht kommenden Wissenszweige in sich aufzunebmen.' Die' junge Mutter muß mehr, weit mehr vom Kinde wissen als es bis nun der Fall war. Sei es nun die Kenntnis der Physiologie, •oder die der Hygiene und Pädagogik. Ebenso * Christliche und jüdische Mittelschüler. Die „Reichspost“ wendet sich am 18. gegen die Vorherrschaft der „Judenjünglinge“ in den Mittelschulen, welche imnechtmäßigerweise die. Vertretung an sich reißen. Die „Reichspost“ fordert reinliche Scheidung zwischen jüdischer und christlicher Schuljugend, schon weil der Neid der hungernden Christenkinder durch. den Anblick der vollen Backen der Juden, denen es auch im Krieg an nichts gebrach, erregt wurde. — Es ist beinahe erniedrigend, auf so niedrige Anwürfe zu entgegnen. Dennoch drängt sich die Frage auf, wer wohl gesündere Wangen hat, der christ- Kchsoziale Bauernknabe, der bei Milch, und Butter, und dem von seinem Vater durch Hinterziehung und Schleichhandel auf gestapelten immensen Reichtum aufwächst; oder, das jüdische Seite & Fttcitti«*sld*d4 das Kak sä* mui, u*|at Ulf los» Ottate* mit des» sackte* Lehm fi fn**» komme* ztt seär, weil für das ’ ö~rtrrrrk kihnf* Vaterland, das ebrästliehsazlafer PatrfoffbMt&t beim warmen Herd hochpreis*, sei» Etterafcü» zu einem Schutthaufen wurde . . im IMS** scheint steh wieder der Geäst jenes SchratM an regen, den (Be echtrussische» Lorbeer*» d*r Schnibeschräskusge» seinerzeit sicht oeUain* fielen. — Wenn die ^Reächspost“ an LattKrtMt derselbe* Nummer ernste Töne amchläsi «®* cd* vernünftiges Verständnis der Judenhsqf* arratea lasse», so möge sie bedenken, dal si* 4M*b derart frivole Schimpferei jede enMfe Ahb- •ÖKmdersetzuns vereitelt. * Abwehr me* de* Aatfecaritinuis. DJ*»w Tage erscheint im Verlas der „Jüdische* eine Flugschrift. „Die Abwehr gexe* da* Antisemit]arans“ von Ing. Robert Stricker. Tschecho-Slowakische Republik 4 Kramarz über PegroM nd Judeafang*, h» einer Rede i* Prag am 12. d. M. sagt* Mktint** Präsident Dr. Kramarz — dem Beliebt» de» „Prager Tagblatt* zufolge: „Die Pogromen <E» an* der Slowakei, aus Holleschan uad anders* Orten gemeldet wurden; seien auch* dam angetan, das Ansehen der Republik z* bebe*. Kramarz selbst stehe auf dem Standpunkt da* es gute und schlechte Juden, ebenso wie g*t» uad schlechte Tschechen gebe.' Er erkläre offen dal zurzeit der Konfiskation seines Vermögt*» «kt Jude dessen Verwalter war und daft er *s verwaltet habe, wie es keiner besser getan baba* könnte.“ * Tschechisch* Boykottagitation gm** di» Juden. Der „Klub der tschecho-slowakiscke* Geschäftsleute, Agenten und Kommissonäre“ i* Pia» erläßt in der „Narodni List;" einen Boykottantruf an den tschechischen Handel nnd das Gewerbe, in dem es heißt: Deutsche Juden an* Böhmen und Mähren siedeln nach Prag über, um als Angehörige des tschecho-slowakischen Staate* die Welt zu betrügen und uns weiter auszobente*. Wir fordern deshalb die Handels- und Gewerbekorporationen und -Gesellschaften auf, sich z* einer einheitlichen und nachdrückliche* Aktie* zur Verteidigung der nationalen und wirtschaftlichen Interessen zu vereinigen. Jugoslavien Die Flüchtlinge im Cillier Gebiet dürfe* bleiben. Da der. Flüchtlingen i:n Lager Prekop bei Cilli die Ausweisung drohte, wandte sich der J üdische Nationalrat für I.'entschösterreich telegraphisch an die slowenische Nätionalreziernnz in Laibach um Abhilfe. Das Antworttelegramnv der Laibacher Nationalregienmg a:> den Jüdische* Nationalraf sagt die sofortige E.nste'lung der Ausweisung zu Deutschland * Der Vollzugs rat gegen die Jndenhetze. Berlin. 13. Dezember. (W. T; B.) Bekanntmachung. Amtlich, ln der letzten Zeit! sind i» großen Mengen anonyme Flugblätter verbreitet worden, die in unverhülltester Form zur Jude»- hetze aufforderten. Die Flugblätter sind nicht ohne Wirkung geblieben. Wie der „Vorwärts“ vom 11. Dezember meldet, sind verschiedentlich Juden und Christen, die durch ihr Aussehen nicht genügend gegen den Verdacht geschützt waren, Juden zu sein, körperlich angegriffen worden. Wenn diese schamlose Flugblatthetz» fortdauert, muß nüt der Möglichkeit gerechnet werden, dalt wir auch in Deutschland die Schmach der Judenpogrome erleben. Der Voüzugsrat des Arbeiteruud Soldatenrates sieht sich daher genötigt, sich aufs schärfste gegen das reaktionäre antisemitische Treiben zu wenden, das er hiermit öffentlich und vor aller Welt brandmarkt. Der Vollzugsrat appelliert an dien gesunden Sinn des deutschen Volkes und ist überzeuge daß es in seiner überwiegenden Mehrheit der antisemitisch-reaktionären Hetze entgegentreten und keinerlei J udenverfolgungen dulden wird. Der Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenrates. Richard Müller. Molkenbuhr. * Die antisemitische Hetze wirkt. Der „Vorwärts“ schreibt: Das moralische Zerstörunzswerk der massenhaft verbreiteten anonymen Flugblätter, die im Dienste der Gegenrevolution Judenhetze treiben, beginnt in Berlin zu wirken. Heute werden zum erstenmal eine Anzahl von Fällen gemeldet, in denen auf öffentlichen Plätzen Berlins, auf der Straßenbahn usw. Juden und Christen, die durch ihr Aussehen nicht genügend gegen den „Verdacht“ geschützt waren, Juden zu sein, körperlich angegrifien wurden. Die Reaktion hat ja augenblicklich in Deutschland nicht viel zu verlieren; aber wenn sie keine anderen Mittel hat wieder hochzukommen. tut sie uns leid. * Der Jude Ballin und Wilhelm IL Die „Züricher Presse“ beschäftigt sich fortgesetzt mit dem Tode des Direktors der Hamburg-Amerika- Linie Ball in und stellt fest, daß er durch Selbstmord geendet habe. Ballin sei zu (fiesem. Entschluß durch den Ausgang einer stürmischen Aussprache getrieben worden, die er im Oktober im Großen Hauptquartier mit dem deutschen Kaiser gehabt habe. Der Kaiser hat BaJQn aufgefordert, sich der Auffassung Ludendorffs über die Wiederaufrichtung des wirtschaftlichen Lebens m Deutschland zu unterwerfen, oder sich vom politischen Leben zurückzuziehen. Baltin habe den Kaiser beschworen, cBe Wiederaufnahme der Beziehungen Deutschlands zu England recht! unmöglich zu machen. Er habe die Revolution vorhergesagt Der Kaiser habe mit den Achseln ge- . zuckt und sich abfäBrg über die jüdischen

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