Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 51 (20.12.1918)
- Date
- 1918-12-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZCITUNO und vo* dort über Odessa nach Wie« zurückrekehrt ' % Unser Gewährsmann bat seine Kenntnis teils aus-eieener Wahmebnfung. teils aus den Berichten. welche durch die einander so viele Monat« knapp nördlich Jaffa und Jerusalem gegenüberliegenden feindlichen Linien gedrungen sind. Uebraall. wohin die Ententetrußpen. vornehmlich englische Kontingente, einzogen. benscht Rahe und Ordnnng. Ueberaus rege ist der Verkehr mit Aegypten, welches nun schon seit law- «ean mittels einer doppelgleisigen Bahn, die-in wenigen Stunden von Kairo nach Jerusalem führt und den Suezkanal anf einer Drehbrücke übersetzt. mit Palästina verbunden ist. Von hier aus. wie auf dem Seewege, wird Palästina ausreichend mit Lebensmitteln versorgt. Auch in kultureller Hinsicht habet! die Engländer Großes geieistet so z. B. in Jerusalem Wasserleitung. . elektrisches Licht und Kanalisation eingeführt Ihre zahlreichen und wohleingericliieten Etappenbauteil. welche vor dem letzten Durchbruch von ihnen auf den engen Raum zwischen Jaffa—Jerusalem und Aegypten zusammengedrängten. schätzungsweise 300.000 Mann benutzt wurdeu. sind erhalten geblieben. Ebenso zufolge des überstürzten Rückzuges der Zentralmachttriippen die meisten Etappenbauten derselben. insbesondere bei Tulln Kerim. Nablus und Nazareth, dem Hauptquartier des bekannten Heerführers Liman Sanders. Hoffentlich läßt di« Benützung dieser Etappenbauten. welche schon heute, insbesondere zufolge des Vordringens der Enfentetruppen längs der ganzen anatolischei Bahn bis Konstantinopel. zum großen Teil freigeworden sind, für Jüdische Einwanderer erwirken. Mit dem Siege der Ententetruppen hat auch der schwere politische Druck, welchen vordem der türkische Oberbefehlshaber Admiral D i e - mal Pascha durch sein gefürchtetes Willkürregknent. besonders über Araber und Juden ausgeübt hat. sofort aufgehört Mit ihren. Truppen sind ans Palästina alle türkischen Beamten, fast die einzigen Vertreter .des osmanischen Elementes, dortselbst sowie auch die deutschen Kolonisten, welche seit Jahrzehnten die Scholle des auch ihnen, heiligen Landes so fleißig bebaut hatten, abgezogen. letztere, nachdem sie ihre blühenden Kolonien Sarona und Wilhelma. sowie ihre städtische Siedlung bei Haifa am Fuße des Kaimels an ihre jüdischen Nachbarn verkauft haben. Bemerkenswert ist daß das amerikanische Prinzip, die Juden als solche, losgelöst von ihrer ententefeindlichen Staatsbürgerschaft zu behandeln, im Orient auch von den Engländern befolgt wird, da gefangene jüdisci.e' Soldaten der Zeutraimachttruppen alsbald wieder freigelassen wurden. Zwischen Engländern und Franozsen bestanden offenbar über die Abgrenzung ihrer Machtsphären längst Abmachungen, denn die Franzosen haben und halten Syrien bis südlich Beyruth und. Damaskus besetzt und brachten gleich ihre Ziviib Samten mit Das Regiment über die im Kriege noch reicher gewordene Hafenstadt Beyruth haben sie einein. Dreier-Kollegium anvertraut dem je ein christlicher und ein mohamedanischer 'Araber und ein Jude angehört Das französische Machtbereich erstreckt sich auf den Libanon, dessen teils maronitische. teils drusische Bevölkerung durch das Anshungerungssystem der Türken arg dezimiert unter begeisterter Zustimmung angenommen. Daris wird „anläßlich des ersteg Jahrestages der britischen Regierungserklärung, welche feierlichst die jüdische Nation anerkannte und" versprach, bei der Wiedererrichtung Palästinas als der nationalen Heimstätte behilflich zu sein, „die tiefe Dankbarkeit gegenüber dem britischen Reiche und den Alliierten ausgesprochen. Mit besonderem Stolze grüßt die Resolution das jüdische Regiment.“ .Wir geben unserer festen Ueberzeugung Ausdruck, daß das von freien Völkern gegebene Versprechen in tiefster und weitester Bedeutung erfüllt werden wird und daß das jüdische Volk bald wieder ln voller Gleichberechtigung mit ihnen Zusammenwirken wird für die Erlangung der ewigen Ideale, deren Gefmrtsstätte der Boden Palästinas ist.“ Abschriften dieser Resolution wurden an Mr. Lloyd George und -Mr, Balfour gesandt Ganz Tel Awiw prangte am 2. November im Festesschmuck, die Schulkinder veranstalteten unter der Führung der Lehrer Umzüge durch die Stadt Am Nacinnittag fand eine Massenversammlung im Rothschild-Garten statt. Waisenhäuser in Palästina Eine Anregung. Wir .erhallen folgende Zuschrift: Trostlos ist die Situation unserer jüdischen Waisenkinder. Die vorhandenen Waisenanstalten sind nicht ’ in der Lage, alle Gesuche r berücksichtigen .zu können, und so .müssen viele Gesuche wegen Platzmangels abgewäesen wende m So gehtso manches jüdische Waisenkind für uns verloren. Hilfe ist dringend nötig l -Ich erlaube mir deshalb durch Ihre geschätzte Zeitung eine Anregung zu geben, die dem üebel mit einem Mal abhelfen und anderseits dem Zwecke der Kolonisation Palästinas guten, jüdisch erzogenen Nachwuchs erbringen könnte. Man errichte sofort in Palästina einige große Waisenhäuser, wohin jene Waisenkinder gebracht werden sollen, die sich für den landwirtschaftlichen Betrieb eignen. Hauptsächlich -wären es die Kinder vom Lande. Wenn man bedenkt, daß diese Kinder ün Alter von 6—14 Jahren (auch solche nach dem. 14. Lebensjahre kämen in Betracht) dann vollständig, im Geiste ihrer Nationalität und in ihrem zukünftigen Beruf erzogen werden möchten, so hätten wir im Laufe von 10—20 Jahren bereits einen guten bodenständigen, mit der neuen Heimat eng verwachsenen Stamm. . Hoffend, daß meine Anregung von maßgebender Seite gewürdigt werden, wird, zeichne Hochachtungsvoll O sk ar. Göl dscjimi ed, Vorstandsmitglied der .-.Zukunft“, Verein zur Förderung schulentwachsener, verlassener jüdischer Kinder, Wien, VIII., Bennoplatz 1. Warum fürchten sie sich? Von Gustav Seidemann, Prijedor. WUIUC . . Unser Gewährsmann traf in Konstantinopel von bekannten Zionisten: Dr. R u p p i n. Dr. Z1 ocisti und Dr.—Galeb an. welche seither — Mitte November — vielleicht schon nach Palästina zurückgekehrt sind. Palästinanachrichten; Jerusalem. 18. Oktober 1918. Allmählich werden, die hebräischen Schulen eröffnet die üm Aufträge der fürlaschen Regierung und wegen der schwierigen Verhältnisse ihren Unterricht einsteilten. Es werden auch wiedereröffnet die' im Aufträge der türkischen Regierung und wegen der schwierigen Verhältnisse ihren Unterricht einstellten. Es werden auch wiedereröffnet werden das hebräische Gymnasium, die Musikschule usw. Die amerikanische medizinische Expedition der „Hadassa“ eröffnet eine Schule Tür Krankenpflegerinnen. — In den letzten Tagen ist der Gedanke der Gründung eines jüdischen Soldatenheimes in Jerusalem aufgetaucht wo die jüdischen Soldaten nicht nur Unterkunft und Verpflegung. sondern auch die Befriedigung _ ihrer geistigen Bedürfnisse finden sollen. Die Palästinakommission und Major Rothschild haben für diesen Zweck bereit^ Zuwendungen gemacht Ein Komitee wurde eingestzt.; Die Feier des 2. November in Palästina. Am 2. und 3. November wurde in ganz Palästina die erste Wiederkehr des Tages der britischen Regierungserklärung gefeiert In allen Synagogen von Jerusalem fanden Dankgottesdienste statt Das Rothschild-Hospital wurde offiziell am 3. November eröffnet und unter die Leitung der medizinischen Expedition der amerikanischen Zio- % nisten gestellt Die Eröffnungszeremonie erfolgte in Gegenwart des Generals Money und seines Stabes, des Militärgouverneurs und seines Stabes, des Groß-Mufti, der Vertreter des französischen, italienischen, griechischen, armenischen und amerikanischen Roten Kreuzes und des Herrn Lewin-Epstein. Das Hospital ist yon 30 anf 90 Betten vergrößert worden und 'soll Kranken jeder "Rasse und Religion Aufnahme . gewähren. Am. Nachmittag wohnten Tausende ehier Feier im Beth Am bei. Vom Emir Feisal aus Damaskus traf ein Begrüßungsschreiben ein. Eine Resolution wurde von Herrn Mordechai Kahan verlesen und Warum fürchten ^,sie sich? Diese Frage müssen wir an die Assimilanten richten, an die Assimilanten, die die gefährlichsten, stärksten und hartnäckigsten Gegner des Zionismus sind oder waren. Während wir immer und jederzeit uns treu zu unserem Volke bekannten, trugen die Assimilanten die Maske fremden Volkstums. Während wir uns natürlich geben konnten, mußten sie den Anschein zuerwecken suchen, daß ihre Maske keine Maske sei. Sie mußten infolgedessen übertreiben, ihr Bekenntnis zum fremden Volkstum förmlich unterstreichen. Sie mußten nicht nur untreu ihrem Volke werden; so viel als möglich vermeiden, als Judeerkannt odler behandeltzu werden, Deswegen mieden sie krampfhaft den Umgang mit Juden, sie hielten sieh jüdischen Veranstaltungen ferm waren direkt bele'digt, wenn man von ihnen für jüdische Zwecke Geld oder ihre Mithilfe verlangte. Jüdische Vereine waren ihnen ein Greuel, in denmeisten, Fällen war nur ihr Sterben ein Zurückfkehren ‘ zum jüdischen — Friedhof. Außerhalb jeden jüdischen Milieus waren sie gesellschafts- und vereinssüchtig. Es'gab keinen Verein, dem sie nicht angehörten oder angehören wollten. Je nationaler umso besser, am liebsten solche, dje sich durch besonderen. Haß gegen Juden auszechneten. Sie gaben für Kifchenbauten, für Klöster, für nationale, für Sport und alle möglichen Zwecke. Sie waren glücklich, wenn sie glaubten, daß ihre Maske für echt gehalten wurde, wenn man glaubte, sie seien keine Juden, sondern Deutsche, Magyaren oder Polen. Nun würde man glauben, daß diese Leute, die sich so teuer und um den Preis der größten Selbsterniedrigung die nationale Zugehörigkeit zum deutschen, magyarischen oder polnischen Volke erkauften, heute, wo die Freiheit aller Völker, jeder Nation proklamiert wurde; dieses erreichte Ziel freudvoll und in größter Seelenruhe feiern könnten. . . . Sie fürchten sich aber, und mit Recht. Denn die ersten Steil«, die in jüdische Fenster irgendwo flogen, flogen in ihre Fenster, ihre Geschäfte waren die ersten, die heimgesucht, wurden, sie bekamen die ersten Prügel. Die Maske, die teure, hat ihn en nichts genützt. Sie waren doch nur Juden und in den Augen der anderen di e, s c h 1 e c h t es t e n. . „Warum gaben sie unseren Veranstaltungen so viel Geld? Weil sie uns bestohlen hatten, weil sie uns beschwichtigen wollten für alles Unrecht, das sie gewiß uns angetan, haben. Warum leugneten sie es, Juden zu sein? Weil sie sich Nr 51 Schämten Juden an seö& und w«dl si«, sl* äBaüi gewiß wissen, daß ste' Ursache haben,' «Wh. au' schämen.” So mag der 'Gedankengang der Fifei* "sein» die sich jetzt haßerfüllt gegen sie steiles. . Einigen maßgebenden serbischen Pctsßs- Grihiceaten «Her Stadt, in' der ffcii wohne; sägte JA': . Ich lebe seit 25 Jahren in Eurer Mitte. Ick bah« mich'niemals als'Deutscher oder Magyar« attsgegeben. Ich habe mich immer als Jude bekajgjt, habe hier immer ehrlich meine Pflicht als SBbürger*-' erfüllt; habe mich nie ausgeschlossen, wenn Ihr mich zu einer gemeinnützigen Yera»- staltuug zur Mitarbeit ludet ich habe bei Üblichen Gelegenheiten die blau-weiße Fahrn gehißt. Heute, da Ihr; das Fest der Befreinaß, 4»* nationalen Vereinigung feiert, kann' ich, de* m n i e Euer Gegner wair, ruhig Eure Freiheit niitbegrüßen. Ich habe me eine Maske "getragen ich werde auch heute nicht sagen, daß ich «jh ' Kroate; ein Serbe bin. Auch beute hisse ich ab Jude und loyaler Mensch die jüdische Fähs«. Ich fand nur offene Zustimmung. Einem Assimflamten, der “voller Furcht 4a Tage verbrachte, sagte ich: „Mein Lieber, beab müssen Sie nun woM selbst gestehen, daß jrfti schließlich doch zusammengehören. Sie habe« zu fürchten, weil Säe' auch nur ein Jude stiri. Vielleicht haben a* exponierten Orten alb J«d»* zu fürchten. Wir Zionisten haben aber den Vorteil voraus: das ruhige Gewissen, immerehrlbhi und treu zu unserem Volke gestanden zu habt»-: Wir liaben das Bewußtsein; unsere Pflicht erfSÄt zu haben, es fehlt uns das bittere, nieder-, drückende Gefühl, welches Sie empfinden muss««: den Leuten, die Sie hassen, sich an den Hais geworfen, sie gefüttert und großgezogen zu kobea, Ihren wirklichen'--Brüdern aber fremd geblbb«*- zu sein!“ •. - r Der große Sturm, der heute die Weit durahbraust, ist kein Vernichter. Er fegt hinweg; wa# unnatürlich und reif zum Falle war. Er macht Platz für die Freiheit aller Völker, für die Freiheit aller Menschen. Wir Zionisten erlebten1 de* Tag, den wir ersehnt haben, für den wir gearbeitet haben. Wir,„ die verlachten, gehöhntem Bekenner des starken, ewigen jüdischen. Volke« finden in der ganzen Welt Achtung und Anerkennung, während die Assimilanten gedemütigt von ihren bisherigen Freunden den Weg zu üm suchen und finden müssen. Wir begrüssen sB* Heimkehr der verlorenen Söhne herzlichst! Die Zukunft des heiligen Landes Interview mit Dr G a s t e r. , , Am Schlüsse der Siegeswoche im Osten besprach einer der bedeutendsten Führer der zionistischen Bewegung. Dr G a s t e r. Großrabbiner der sephardischeu Gemeinden in England, in einem Interview mit einem Vertreter des...Observer" die Zukunft Palästinas. Ais vornehmste Autorität in bezug auf das heilige Land erklärte er. daß Palästina jüdisch werden müsse und zeigte, wie es das einzig mögliche Band zwischen dem Westen und deni Osten werden wird, und wodurch es eine neue Erlösung für die Welt sein kann. ..Ich spreche in meinem eigenen Namen.“ begann er. obgleich ich fühle, daß das. was ich sage, von der Mehrheit der Zionisten und der ungeheuren Majorität, welche unentschlossen sind, weicher Partei sie sich anschließen sollen, gebilligt „wird. Ich möchte die Frage vom bloßen jüdischen Standpunkte aus,behandeln. Palästina ist das Land der Juden: es muß jüdisch werden. Das Ziel ist nicht, wie die Phrase lautet, eine nationale Heimstätte in Palästina zu schaffen, sondern Palästina, zur nationalen Heimstätte der Juden zu machen. Das macht den ganzen-Unterschied. Gerade wie ein Engländer England -als'sein Land betrachtet.1 so wünschen wir. daß Palästina das Land der Juden werde, unabhängig von der politischen Oberherrschaft. Palästina soll nicht ein Pufferstaat werden. Intrigen und Unterdrückung von Nord und Süd ausgesetzt, geteilt in seiner Lehnspflicht und in seiner .intellektuellen und 'wirtschaftlichen Ruhe - gestört, welche für seine Entwicklung so wesentlich ist. Wir wünschen keine Wiederholungder Nebenbuhlerschaft zwischen Babylon und Aegypten oder der Seleuciden und der Ptolomiden. — Die Beziehungen zwischen den Juden und der Macht, diedie Oberherrschaft bekommen wird. — Großbritannien verinuüicJi in ©rter RjeSHe — würden so sein, daß wir jene Macht bestimmen*5 würden. Palästina eine Zeitlang fjir die Juden zu verwalten, so lange als sie noch eine Minderheit unter den Einwohnern bilden. Ich stehe auf dem Anspruch der Bibel, jenem historischen, p/ophetischen und gerechten Anspruch, welchen keine Macht der Erde uns ableugnen oder verweigern kann. Wir erwarten von jener Macht, welche Pa- . lästina verwaltet, daß sie den Juden die Chance . gibt sich in Massen im Lande anzusiedeln in Ueberemstimmuaig mit den, geographischen, isozihlen, ökonomischen und anderen'Bedingungen: und wenn die Juden, wie wjr erwarten, darauf in solcher Weise eingehen. daß sie das Land füllen, dann wird natürlich die Regierung au? sie übergehen, indem sie gleichzeitig die-Rechte jedes anderen Einwohners sicherstellt. Die Bibei macht keinen Unterschied zwischen Juden. Fremden oder vorübergehend dort Weilenden. Dieses Gesetz bleibt unabänderlich. Aber abgesehen von dem für die Juden in politischer Beziehung bedeutungsvollen Zentrum soll Palästina auch.das große Zentrum der . Zivilisation.werden, nicht nur. um die großen Ideale auffechtzüerhalten und zu fördern, die von Propheten und Sehern kt Israel verkündet wurden, sondern auch dasjenige, wo alle modernen sozialen Reformen leicht eingeführt