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Jüdische Zeitung · 1918-12-20 · 51 (20.12.1918) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
51 (20.12.1918)
Date
1918-12-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 51 Und. die Einberufung einer großen EiteravertdjftijiiBtren soJtte:. ~ fav Ausführungdieser Beschlüssefegte aut" Samstag; und. Sonntag:, den 30: November an* J. Dezember dt J;, iw Sitzungssaal: der iüdtschen- Kultusgemeinde* einezahlreichbesuchte Eltemversammlung aus: allen- Kreisender jüdischen- Be» völkerung; Lembergs, die- Asstanlanten* inbegriffen. Zuitr Vorsitzenden wurde» De Tobias-Aschkenase gewählt: . Das Referat: erstattete' ein jüdischer Mittelschidurofessor. Da. es gleich zu Beginn der* Debatte*, zueinem Zusamenenstoße* zwischen dem Sprecher: der organisierten Mtttelschul- undakademischen Jtigend kam», wobei der Vorsitzende in ganz “ungerechtfertigter Weise dem Redner mit deiir Ausschlüsse von der Versammlung' drohte» und ’ der- Vfeekoiranflssär der jüdischen- Kultusgemetnde, Dr. Wasser, ganz unparlamentarische Schmähungen und Beschimpfungen der Jugend gegenüber sich erlaubte, wobei die Sprengungder1 Versammlung drohte; legte Da Aschkenase den Vorsitz nieder und entfernte sich aus dem Saale. Hierauf wurde der Vorsitz dem Dr. Severin Paneth übergeben, welcher während dies ganzen Vertäutes der Tagung sehr objektiv die zweitägigen Beratungen leitetet- Am der Debatte beteiligtensieh-viele Redner aller jüdischen nationalem und* nichtnationalen» Parteien. Hier tratdie Tatsache zutage* daß;- sogar: mancheganz verstockte Assiimlamten» welche» durchdie traurägen Ereignisse bekehrt wurden, sichfür die- Bildungeines» jüdisclinationalen Schulwesens aussprachen. Die: verschiedensten Ansichten-- wiundengeäußert, diedivergierendsten Anträge gestellt» unddie mannigfachsten Pläne erwogen: Aber die überwiegendste* Zahl der Redner war darin einig, daß es . absolut nicht* soweitergehen könne» daßabsoiub nicht die* Erziehung der jüdischen Kinder in die Hände von Mord- und Brandstiftern gelegt werdenkönne. - Natürlich fehlten leider auch nicht solche Stämmen; die* Etetrachit im Zusammenleben mit unsbren Peinigern predigten Dies* Stimmen waren aber sehr wenige. Auch einige- Professoren— sogar solche; dSe-bismm im Fahrwasser der Assimilation ruderten» ergriffen das» Wort, um gegen ein Fortfoltem und Quälen der? Kinder-und-Lehretin den durch und durch „antisemitischen Schulen ihrer Stimme zu erheben- und: für die Gründling einer national-jüdischen Schule zu plajdiereir. Hauptsächlich aber drehte sich-die ganze Diskussion, um die Frage, einen Uebergangsmodus* von der bisherigen ■ zur jüdisch- ■nationalen Sdhute, eiiin Prowäsorium zu schiafien, welches «die Schüler vor dem eventuellen Verlust eines Studienjahres schützen könnte: Zum-Schlüsse wurde ein Schulkomitee, bestehend aus Vertretein aller Parteien und Richtungen gewählt, welchem sämtliche Anträge' und Anregungen zur hingehenden Beratung übergeben wurden. Dileses Scbulkomiitee hielt einige Sitzimgensab; welche den vorläufigen Beschluß zeitigten, eine1 gemischte Deputation zum polnischen Schulrate* zu entsenden, zwecks Darstellung der Situation und Forderungvon Schutzmaßregeto Iirr-djeienigen jüdischen* Schüler und Schülerinnen, welche die polnische Schule einstweilen und in Zukunft besuchen wollen. In Ausführung dieses Beschlusses begab sich eine Deputation unter Führung des Dr. Tobias- Aschkenase und Herrn Dr. Leon Reich zum polnischen Schulrat Diesernahm die Mitteilungen und Forderungen der- Deputation ad notam» erteilte jedoch gaT keine positive Antwort. Unter anderm verlangte die Deputation die Bestimmung einiger Volksschulen* und GymmalsÜasten für den ausschließliche n Besuch der' jüdischen Jugend» zumal: es solche Volksschulen schon vor dem Kriege gegeben habe» in denen* nur jüdische - Lehrkräfte - unterrichten Sund Direktoren eingesetzt-werden sollen. Unabhängigvon dieser gemeinsamen Schulaktion leitete die zionistische Parteiexekutive durch* ein* spezielles -Komitee eine» eigene Aktion ein,- welche» die Gründung-eines jüdischnäfionalen Schulwesens zur* Aufgabe-hat. Die zioutstsche- Partei in - Lemberg wurde» vor die Tatsache ge» stellt» daß* die* jüdischnationale;: insbesondere die zionistische* Schuljugend die polnischen Schulennicht besuchen känn- und will. Die zionistische-Parteäexekufive befaßtesich in der Sitzung. voin-9. Dezember unten Vorsitz des. Gg. Dr, Leon Reich'-sehr eingehend mStf-düeser Frage und setzte nach durchgeführter längerer, ernster und sachlicher Debatte, wobei auch Vertreter der zionistischen Jugend zum-Worte kamen,, ein Schulkqnritee unter Führung des bewährten und energischen Gg» Dr. Gerson-Zipper und Gg., Direktor Julius. Eisler, ein, weiches-die Aufgabe übernälujj, sofort jüdisch-nationale Mittelschulen zu gründen.. Durch, den Umstand, daß: die genannten energischen.) und tüchtigen* Gesinnungsgenossen an die Spitze der Schulaktioh. gesteili wurden, hegt man allenthalben die zuversichtliche Hoffnung, daß diese Aktion vom besten Erfolge begleitet sein wird. Erwähnenswert sei noch, daß fast die gesamten jüdischen Lehrer, sogar solche, die bisher assimäfatoriseh waren, ihre Meinung dahin äußerten, daß die jüdischnationale Schule eine unumwundene Notwendigkeit sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer sei und: sich fast einmütig in den Dienst der jüdischnationalen Schnlaktion stellten. Lemberg, am 11. Dezember 191S. Ben Mordechaj. / Judenpogrome in Ungarn Aus ganz Ungarn, insbesondere aus den Landgemeinden, kommen aufregende Nachrichten. Die Judengemeinden sind der Zielpunkt der mord- und raubsüchtigen Horden. Die im Krieg imermeßi: JÜDISCHE ZEITUNG lieh reich gewordenen. Bauern gehen mit dem Beispiel voran, unterstützt von verschiedenen Judeffhetzern» deren Identität bisher nicht festgesteSt" werden' konnte: Wertevia: vielen hundert Millionen'Kronen wurden'geraubt. Mord- und Gewalttaten wurden verübt. Sehr viele „Menschen wurden ermordet: ' Pogromnachrichten kommen aus-' der Um. gebung von Szabadka, aus Galszees, aus dem Komitate Gömör, aus dem von. Wallachen bewohnten Komitate Bihar, aus Hermannstadt, aus Paszto, aus'den slowakischen Komitaten Neutra und Preßburg. Schrecklich wütete die Raubbegierde der Bauern und Soldaten in den ungarischen. Ortschaften des Komitates S o p r o n und ddh Ortschaften in den der ungarischeri Hauptstadt nateehtegenrien Komiitaten. Aus Nagytapolcsäny, Verbo,-Galgoz und aus unzähligen anderen Ortschaften kommen ebenso traurige Nachrichten. Die durch die ungarischen Zionisten gegründete Selbstwehr ist wohl bestrebt, mit Waffengewalt und Aufklärung dem Plündern Einhalt zu gebieten, ist jedoch nicht in der Lage, überallhin bewaiinete Truppen zu schicken. Bisher wurde in zirka 40 Ortschaften die Ruhe durch unsere Garde hergestellt SechzigiTote in Kaposvdr. Wie „Pesti Näplo“ aus Kaposvär erfährt haben sich dort kürzlich nachts große Plünderungen und judenfeindliche Ausschreitungen ereignet in deren Vrlaul 60 Personen getötet wurden. An den Plünderungen haben sich auch Soldaten des gewesenen Kaposvärer Hausregimentes beteiligt. Briefaus* Przemysl U eberfall aui den „Zion“ - V e r e i n in PrzemysL (Originalbericht der „Jück Ztg.“) PrzemysL (den* 11, Dezember 1918. Am 9. Dezember abends* überfiel eine polnische Militärpatrouille in der Stärke-von* 10 Mämr unter Führung von zwei Offizieren das Lokal des hiesigen Vereines „Zion“. Im*’Sale war bloß dler Vereinsdi'ener David Taub anwesend. Er wurde von einem Oiiizier * mit dem* Revolver ins Gesicht geschlagen, dann zu Boden geworfen und so lange mit Kolbenschlägen traktiert, bis er das Bewußtsein verlor. Der „heldenmütige“ Offizier war Leutnant Kosla. Hierauf begann eine Plünderung1 der Vereinseinrichtung. Die Schränke Wurden er- . brochere, Bilder zertrümmert, Zeitungen und* Bücher vernichtet. Die Patrouille durchsuchte dann nach bekannter Methode die benachbarten Privatwohnungen und verhaftete dort sieben jüdische Einwohner» Siewurden aufs Gendarmeriekommando geschleppt, geschlagen und von demselben Offizier zu », je fünf NasjukascbJägen verurteilt Natürlich ohne jedes Gerichtsverfahren. Der Uhrmachersohn Argaud bat mit Tränen in den Augen,- diese Strafe an StefFe seines Vaters empfangen zu dürfen, was'ihm endlich gewährt wurde. Er mußte sich ausziehen und erhielt sieben Nagajkaprügel, unter denen er zusammenbrach. Dasselbe geschah mit dem sechzehnjährigen Lehrburschen Rosenblüth. * In unserer Stadt herrschen schreckliche Zustände. Ueberfälle auf jüdische Passanten, auf Geschäftsiäden-sowie grundlose Arretierungen ereignen* sichjeden. Tag Die Juden' sind einfach vogelfrei. Trotz vieler Anzeigen an die politischen'Behörden ist bisher kein „Bandit“ bestraft worden. Aus der Umgebung; aus den Städtchen Cbyrow, MJosciska und Grodek kommen haarsträubende- Nachrichten über Judenpogrome; die in diesen Orten seit Wochen tagtäglich wiederholt' werden. * Für die Lemberger Pogromopfer wurden zwei große Trauerandachten, veranstaltet und über 10.000“ Kronen gesammelt Der Jüdische Volksrat kann seine vielfachen Aufgaben kaunr bewältigen. Vor allem ist er mit der Linderung der Massennot beschäftigt Der neu gegründete jüdische Konsum arbeitet sehr verdienstvoll; Der Volksrat zerfällt m Exekutive, Kultus-, Finanz-, Unterrichts- und Palästina-Ausschuß. Den letzteren erwartet ein weites Tätigkeitsfeld mit Rücksicht auf »das Ln aßen Kreisen erwachte praktische Palästina-Interesse. Man hört nur den einen Seufzer: Wenn man jetzt auswandem könnte! Arfeh. Die* Wahlen zum polnischen Landtag* und die'Juden Gemäß den soeben veröffentlichten’ Betimmungen zur Wahlordnung für den ,, polnischen ..Sejm“ sind wahlberechtigt 1. Personen, die auf politischem-Territorium. darunter sind alte drei Teile zu verstehen, geboren wurden uni in Polen wolinen und 2. Personen polnischer Nationalität, ohne Rücksicht auf ihren Geburtsort. Nach diesen Bestimmungen werden also sämtliche russischen und litauischen Juden, und mögen sie auch Jahrzehnte in Polen wchnen, vom Wahlrecht schlankweg ausgeschlossen. Diese- Beschränkung hat naturgemäß auf die jüdisch-politischen Kreise in Polen einen sehr deprimierenden Eindruck gemacht Es finden in dieser Frage unausgesetzt Beratungen der Vorsteher verschiedener jüdischer Parteien statt Viele prominente Parteiführer neigen der Anschauung'zu. bei Aufrechterhaltung der Wahlordnung in dieser Frage für die Juden Wahlenthaltung zu proklamieren. Seite 3 Der Leidensweg der jüdischen Flüchtlinge. Aus Linzwird“ uns: geschrieben: AIS tm' Sommer“ des Jahres 1916 die Russen zum zweitenmal in Ostgalizien ednbrachen, wurde ein" Teil der geflüchteten Juden — ungefähr 10.000 — in verschiedenen Gemeinden Oberösterreichs untergebrächt Im allgemeinen kann die Haltung: der Behörden den FIüchtsKrvgen gegenüber, deren Interessen das Landeshilfskontitee unter Leitung des Herrn Benedikt Schwager, Kultusgemeindevorstehers von Linz, stets tatkräftig und erfolg» reich wahrnahm, eine rücksichtsvolle und wohlwollende genannt werden.* Auch die einheimische* Bevölkerung hatte sich — von Ausnahmsfällen abgesehen — ruhig und nicht offensichtlich feindßch' gegen die Flüchtlinge verhalten, trotzdem diese, wie man auch von jüdischer Seite leider feststellen muß, oit Anlaß zu Aergenris und Mißstimmung gaben. Nachdem im Laufe des verflossenen Jahres dergrößte Teil der in Oberösterreich untergebrachten Flüchtlinge in ihre alten Wohnorte zuriickgesphickt worden war, betrug die Anzahl derselben zur Zeit der Novemberumwälzamg nur mehr gegen 2000, deren Heimatsorte in Galizien unri tBer Bukowina zur Rückkehr noch iticiht freigegeben worden waren. Gegen 'diese geringe Menge richtete sich nun plötzlich eine systematische Hetze, deren Sprachführer die untergeordneten Organe der Bezirkshauptmatmscbaften und der*Gemeürden waren, und deren Quellen in gewissen Kreisen sein dürften, die auf diese Weis© ihre sinkende politische Macht wieder flott mar cheft wollen. Die Öberösterreichische Landesregierung erklärte, diesem Treiben machtlos gegenüberzustehen. Trotzdem von seiten des Landeshilfskorrritees in Linz und von Seiten des Jüdischen Nationalrates in Wien energisch bei den zuständigen Behörden eingeschritten und von diesen* Zusagen e/zielt wurden, daß den jüdischen Flüchtlingen der Aufenthalt so lange gewährt würde, bis deren Abreise unter günstigeren Verhältnissen erfolgen könne, haben einzelne Gemeindien ihre Flüchtlinge eigenmächtig abgeschoben, wozu merkwürdigerweise stets Eisenbahnwaggons ohne weiteres beigestellt werden konnten» Die letzten Taget* brachten eine Verschärfung der Lage. In verschiedenen Orten drohte die Bevölkerung, daß sie* die Häuser, in denen Juden untergebracht waren, angreifen würde, wenn dieselben nicht bis zu einem gewissen Termin geräumt würden» Die Landesregierung erklärte, keinen Schutz gewähren zn können, und schob am 10. Dezember die Flüchtlinge kurzerhand ab. Während sich die Einwaggonierung in einzelnen Bezirken glatt und ohne Zwischenfälle gestaltete, kam es jedoch in einigen Orten zu groben Ausschreitungen gegen die Abreisenden. Unter dem Vorwände der Konfiskation unrechtmäßig erworbener Waren würden die Flüchtlinge ihrer Reisevorräte beraubt. In Prambachkirchen, wo man diese Durchsuchung au! offener Straße veranstaltete, wozu dl© Schulkinder sogar einen schulfreien Tag erhielten, kam cs zu regelrechten Plünderungen. Die Flüchtling© wurden sogar ihres Bargeldes beraubt, persönficb mißhandelt, wobei die staatlichen „Sicherheitsorgane“ zusahen. Dieses schandbare Verhalten, das geeignet ist, ganz Deutschösterreich in Mißkredit zu bringen, muß die maßgebenden Stellen zn energischem Einschreiten gegen die Schuldtragenden veranlassen. k. Sch. Die Flfichtüngsfrage Im tschechoslovakischen Staat. In der Gesandtenkonferepz am 10. d. M. wurde vereinbart, daß die Flüchtlinge bis zur Ermöglichung der Rückbeförderung bleiben dürfen. Der Vertreter des tschecho-slowakischen Staates erklärte, daß seine Regierung mit Rücksicht auf die Verhältnisse dqir Verbleiben der Flüchtlinge über den Termin am 15. Dezember zustimme. Nur müssen' dieselben wegen der Wohnungsnot eventuell aus Prag und den Städten an andere Orte, die man timen zuweisen wird, übersiedeln. Der deutschösterreichische Vertreter erklärte, daß eine zwangsweise Abschaffung der Flüchtlinge aus Deutschösterreich nicht beabsichtigt sei. In Prag hat Aba Reizes und der Vertreter des dortigen Jüdischen Nationalrates, Professor Engel, mit Erfolg beim Mimsterrat interveniert. * Nettes aus dem Lande Istael Mitteilungen eines ehemaL österr. Offiziers voit der Palästinafront; Bei dem brennendem Interesse, welches' jetzt unter fast allen Juden für Palästina herrscht uni bei dem Umstande, daß der Schiifahrts- und Eisenbahn- sowie der direkte Postverkehr dorthin noch nicht offen ist. wird^s zweifellos willkommen sein, wenn wir einige Nachrichten Wiedersehen, die ein zuverlässiger Gewährsmann dem Palästinaamt Wien kürzlich mitgetetit hat Er siand als österreichischer Soldat südlich Beyruth und hat nach dem Durchbruch der englischen Armee bei Tüll Kerim den Rückzug der Zentraltruppen, so weit sie nicht gefangen wurden. nach Norden mitgemacht. -Und zwar ist er mit der Eisenbahn, welche nach Ausbau der Tunnels im Taurus durch deutsche Ingenieure, ohne Unterbrechung zu benutzen ist. über Aleppo nach Haidar Pascha gegenüber Konstantinopel

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