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Jüdische Zeitung · 1918-12-13 · 50 (13.12.1918) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
50 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr 50 worden» er mißbillige die Pogrome und habe bereits Schritte unternommen. Van Kot schlug eine Resolution im Sinne seiner Interpellation vor. Die Abstimmung erfolgt nächste Woche. Die Empörung im Senat über die Pogrome war allgemein. Niemand fand ein verteidigendes Wort für Polen. Der Eindruck in der Oeffentlichkeit ist stark. “Alle holländischen Blätter nehmen Stellung gegen die polnischen Dementis. Londoner Brief Das Stockholmer Preßbureau telegraphiert uns: In einer Demonstrationsversammlüng für den Völkerbund in Alberthall, London, welche von rund zehntausend Mann besucht war und unter dem Vorsitz von George Lansbury stattfand, sprach dieser seinen schärfsten Protest gegen die Judenpogrome in Polen und Galizien aus und erklärte, das polnische Volk könne seine Unabhängigkeit nicht erhalten, wenn es den Juden nicht alle Rechte gewähren würde. Bei der am Sonntag stattgefundenen Sitzung der Anglo Jewish Association verlas Lu eien Wolf die Telegramme über die Judenpogrome und erklärte, er habe alle Schritte unternommen, um die britische Regierung zu informieren und von ihr Hilfe zu erhalten. Er hoffe auf Erfolg. ' . Der jüdischnationale Arbeitewat. in London veranstaltete ein Protest-Massenmeeting, an dem die ganze Judengemeinde teilnalim. Die „Times“ drücken in einem „Die Pogrome in Galizien“ überschriebenen Leitartikel ihre Genugtuung aus, daß endlich aus Budapest alliierte Offiziere nach Lemberg zur Untersuchung der Judenexzesse entsandt wurden (?), da ein solcher Schritt höchst notwendig war. Sollten die Informationen auch übertrieben sein, so stehe doch jedenfalls außer Zweifel, daß systematische Pogrome .stattgefunden haben. Eine freie Untersuchung wird die Wahrheit beweisen und sicherlich dem Volk der Polen in den Augen der gesamten zivilisierten Welt großen Schaden tun. Auf die Massakres sei nur ein Wort anwendbar: Abscheulichkeit Namentlich wenn sie von einer Rasse veranstaltet werden, die die Hilfe der Alliierten erwartet'Die alliierten Staatsmänner müssen für die Bestrafung der Schuldigen sorgen und die ^Judenfrage zur Lösung bringen. Der Artikel drückt seine Sympathie mit den Verfolgten aus und nennt die Juden Galiziens und Polens die Unglücklichsten und Aermsten in der Judenheit. Die Verwirklichung des zionistischen Gedankens wird die Lage der Juden nur teilweise erleichtern. Die wichtigste Aufgabe des Zionismus sei. den Judenmassen heue Hoffnungen einzuflößen und sie zu . lehren, daß sic offen sich zu ihrer Rasse bekennen und zur -religiösen Entwick- - Jung und zur Zivilisation der Menschheit beizutragen. Auch müßte man energisch den Führern der Juden Widerstand leisten, deren Tendenzen den Namen des jüdischen Volkes diskreditieren. Um dieses Ideal zu verwirklichen, muß den Juden ' Gerechtigkeit gegeben werden, die überall auf Ordnung und einer guten Regierung basiere. Die alliierten Staatsmänner müssen ehrliche Anstrengungen zur Lösung der Judenfrage machen. Außer der Erfüllung des zionistischen Programms muß den Juden überall vollste Gleichberechtigung garantiert werden. Auf dem Chanukafest das die Zionisten von Eastcnd veranstalteten, hielt Weizmann eine eindrucksvolle Rede, in der er mitteilte, er habe soeben die großen britischen Staatsmänner besucht und sie hätten versprochen, ■ alle Schritte .zur Einstellung der Pogrome zu unternehmen. Er fügte hinzu, daß die Bemühungen der Juden auf dem Friedenskongreß im Gegensatz zu denen der Polen von größ'er Wirkung sein werden. Die Judenfrage wird nicht nach dem Rezent der Polen gelöst werden. Es werde keinen Weltfrieden ohne Lösung der Jnöerifraee geben und die. nationalen Rechte würden wirksamst gesichert werden. Bezüglich 'des Zif'"'—m:s sagte Weizmann: alles sei zur Sichern« r'a!ästinns als eines' Judenlandes getan. Der \V.-- nach Palästina werde bald offenstebeu. Die Gefahr der Ocnosition von einer gewisse« katholischen Seite bestehe nicht. Ein Pogrom in Holleschau in Mähren Am 7. Dezember erschien eine Deputation des Jüdischen Nationalrates für den tschechoslowakischen Staat, bestehend aus dem Präsidenten Dr. Ludwig Singer und dem Sekretär Dr. Angelo Goldstein, beim Ministerpräsidenten der tescbecboslowakischen Republik Dr» Kramarz in Prag, um die tschechoslowakische Regierung auf die Judenexzesse in Holleschau und die den Juden in den umliegenden Städten drohende Gefahr -aufmerksam zu machen. Die Deputation legte ein Memorandum vor. in dem die Ereignisse geschildert und Anträge gestelltwerden auf die Feststellung des Tatbestandes, die Ergreifung von Vorbeugungsmaßregeln für die Zukunft und die Bestrafung der Schuldigen. Dr. Kramarz sprach sein Bedauern über die Vorfälle aus. die er entschieden verurteile und bemerkfe. daß die tschechoslowakische .Regierung sofort eingeschritter. sei. als sie Kenntnis von den Vorfällen erhalten habe, und daß sie mit aller Energie'dafür sorgen werde, .daß die Szenen sich nicht mehr wiederholen. sagen von Mitgliedern des Nationalrates als Augenzeugen und protokollarischen Einvernahme» tatsächlich unzweifelhafte Provokationen, die unmittelbare Veranlassung zu Ausschreitungen wahren. Andererseits konnte in durch protokoUariche Aufnahmen festgestellten Fällen, in denen jüdische Offiziere verprügelt wurden, einwandfrei erwiesen werden» daß die Betreffenden durch keinerlei provozierendes Verhalten Grund zu diesen Ausschreitungen gegeben haben. Verbürgten Nachrichten zufolge ist auch eine Anzalü jüdischer Zivilpersonen überfallen und mißhandelt—sowie ausgeplündert worden. ' Die Regierung des tschechoslovakischen Staates ist den Ausschreitungen von allem Anfang an entgegengetreten und es gelang ihr, eine Ausbreitung zu verhindern. Ebenso haben die tschechischen Blätter zur Ruhe gemalmt. Allerdings haben in der letzten Zeit tschechische Blätter durch antisemitische Artikel zur Erregung einer feindlichen Stimmung gegen die Juden beigetragen, jedoch trägt auch die Haltung eines größtenteils von israelitischen Denk Die Ausschreitungen in Prag Prag, 4. Dezember. Der Jüdische Nationalrat in Prag hat folgendes Communiquc ausgegeben: „Uirrfalschen Gerüchten über die Ereignisse in Prag entgegenzuwirken, teilen wir Ihnen den felgenden Sachverhalt mit: Sonntag und Montag fanden in den. Hauptverkehrsstraßen in Prag Ausschreitungen statt, deren Opfer zum großen Teil Juden waren. Der Jüdische Nationalrat stellt fest, daß nach«Ausschen g,eleiteten und geschriebenen Blattes Schuld an dieser Erregung. Der Nationalrat sieht sich daher in diesem ernsten Moment veranlaßt, vor aller Oefientlichkeit fesfczustellen, daß die füdische Nation für das Verhalten aller derjenigen, die in andersnationalcn Lagern eine der jüdischen fremde Politik treiben, keine Verantwortung treffen.kann und dari: Im Gegensatz hiezu legt aber die tschechische Presse die Handlungsweise dieser Personen dem jüdischen Volke, zu dem sie .sich selbst nicht bekennen, aur Last.“ Von den Protestjuden Wien Olmütz. 5. Dezember. Die Stadt Holleschan war in der letzten Naclrl der PA-mnlatz vor, Ausschreitungen gegen die Jude 'T'"',’cchoslowa.kische Soldaten, die sich in < " tshaus versammelt hätten, drangen i: .„n 10 Uhr abends in die Judeneasse und plünderten dort alle Läden - und Magazine vollständig aus. Die Wachmannschaft wurde nach einem kurzen Handgemenge entwaffnet. Ein indischer Kaufmann namens G r ü n b a u m. der vor kurzem als Invalide aus dem Feldzuge zurückgekehrt war. wurde durch zwei Bajonettstiche und einen Bauchschuß getötet. Der Likörerzenger Hug> Graetzer wurde erschossen. Die Ausschreitungen hielten die ganze Nacht über an und griffen morgens auf andere Straßen über. In der Frühe traf eine militärische Assistenz aus Knjetein ein. doch heißt es. daß der Kommandant dieser Tranpe die Mannsclraft selbst au.fforderte, sich an den Plünderungen z u beteiligen. Der Schaden beläuft, sich auf viele Millionen Krr—’en. Die Kleiderfabrik Bär ist vollständig verwüstet. Fast die g e s am t c jüdische Bevölke- '-runs iat ihrer Habseligkeitcn beraubt. Hollcschaii verlassen. " . ' ■ Die Gesellschaft der Wiener Protestiuden ist nach langem Schlafe zu neuem Leben erwacht, besser gesagt, ihr . FddmarschalL, Herr Siegfried Fleischer, wohlbestallter Sekretär der israelitischen Union, hat' es für gut befunden, eine antinationale Kampagne emzuleiten. Herr Fleischer weiß, daß der Unionschwindel nicht lange mehr aufrechtzuerhalten sein wird. Die mährischen, böhmischen und schlesischen Juden sind ins iüdischnationale Lager üb er gegangen und Herr Fleischer ist des größtcn'Teiles seiner zahlenden Mitglieder beraubt Er war zwar noch vor wenigen Tagen so unverfroren, im -Namen der Union, welche de factonicht mehr besteht antinationale Aktionen1 zu unternehmen.,aber als kluger Mensch hat er eingeseheii. daß'man doch eine neue Form schaffen muß. Er hat ein ..Aktionskomitee deutschösterreichischer Juden“ gegründet. Wie , hoch die Mitgliedsbeitläge sind, ist derzeit 'noch nicht bekannt.’ t Man wird sich mit diesesneuen Schöpfung noch näher befassen müssen. Vorläufig sollen nur einige Heldentaten der Protestler festgehalten sein. Sie sammeln Unterschriften gegen den Wiener Oberrabbiner Dr. Chajes. Dabei gehen die Leute in der ordinärsten Weise vor. In einer Versammlung der freiheitlichen Parteien am 3. d. M.. in der auch Christen anwesend waren, ist der. Advokat- Dr. Gustav St ra nsky von Tisch zu Tisch gegangen und hat zur Unterschrift eines Wisches, der Angriffe gegen den Oberrabbiner enthielt, aufgefordert. Der feine Doktor mußte sich von Christen über sein taktloses Benehmen belehren lassen. Dann wurden Korrespondenzkarten fiir Herny Fleischer gesammelt, in welchen dieser berufene und selbstlose jüdische Führer ermächtigt wird, im Namen der deutschösterreichischeai Juden zu sprechen. An sich ist dieses kindische Reklame-manöver bedeutungslos. Es haben sich aber Fälle ereignet, daß Chefs und Bankdirektoren ihre Angestellten gezwungen haben, diese Karten zu unterzeichnen. Zum Schwinde! gesellen die Herren also auch die Gewalt. Da werden sie aber bald darauf kommän. daß sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. Gegen Gewalt können die Jüdischnationalen auch mit Gewalt aufwarten. Die gemeldeten Fälle werden sorgsam geprüft und in radikalster Weise ausgetragen -werden. Die Nation der Judenschaf.t ist nicht gewillt, dem Treiben des Herrn Fleischer und seiner Marionetten länger ruhig zuzhsehen. Sie ehrt jede Ueberzeueung. aber dem Schwindel und der Brutalität v'ird sie entschieden entgegentreten. Sie wird es nicht dulden, daß Leute, die sieb erwiesenermaßen nie um i'"^!sche Interessen gekümmert und alle Arbeit fürs Judentum den Nationalen überlassen haben, jetzt ..jüdische Vertretung., spielen und sich dabei noch unlauterer Mittel bedienen. Str. Zeitralverejn deutscher Staatsbürger jüdischen , Glaubens. ' Geheimer Justizraf Dr. Eugen Fuchs. - . Die „Jüd Rundschau“, fragt dazu, - ob der Verband auch im Namen derjenigen Mitglieder spreche, welche in Elsaß-Lothringen, Posen etc. wohnen? , Die Fälschung des Prager sidenten Kultusprä- Prag, 30. November 1918. (Verpätet eingelangt) Die Vertreter .des ..Jüdischen Nationalrates für den tschechoslowakischen Staat“ Herr-Dr. Max B r o d, Vizepräsident desselben, und Herr Rudolf Kohn. letzterer -gleichzeitig Vorsitzender des jüdischen Sozialistehrates. begaben sich am 30. November 1. J. zum Finanzmj.nister Dr. Alois Gasin nud wiesen ihm das Zirkular vor. das der Präsident der Prager Kultusgemeinde Herr Dr. Alois Koserik an alle Prager Kultussteuerzahler sowie an die auswärtigen Kult1,isgemeinden verschickt hat. Hiebei machten sie besonders auf den Satz aufmerksam, den der Minister angeblich beim Empfang der Kultusgemeindevertreter gesagt haben soll. Deutschland In den deutschen Tagesblättern erschien folgender Protest: - Die Unterzeichneten Verbände» welche die überwiegende Mehrheit der Deutschen jüdischen Glaubens in sich vereinigen» erklären im Gegensatz zu dem Standpunkt der einen Bruchteil unserer Glaubensgenossen vertretenden Zionisten, daß wir unsals unablöslichen . Bestandteil des deutschen Volkes fühlen, daß wir eine. Glaubensgemeinschaft, nicht aber ein jüdisches Volk in Deutschland sind und jeder nationalen Absonderung widerstreben. Verband der Deutschen Juden. Geheimer Justizrat Cassel. Laut Zirkular hätte der Satz (in deutscher Uebersetzung) folgendermaßen gelautet: „Allerdings muß ich darauf aufmerksam machen, daß die Juden eine Vertretung als Nation nicht anstreben dürfen: sie können immer nur erwarten, irgend eine Würde auf Grund der dem Einzelnen zukommenden Eignung zu erlangen.“ Minister Dr Rasin drückte sein Befremden über diesen Satz aus. den e r w e d e r dem Wortlaut, noch dem Sinne nach ausgesprochen hat. Insbesondere hob der Minister hervor, daß das Wort „närod“ (Nation) während des ganzen Gespräches nicht gefallen sei, „wozu auch jede Veranlassung schon deshalb gefehlt hätte, weil er die Herren lediglich als Vertreter der jüdischen Religionsgemeinden (Kultusgemeinden) empfangen habe. Der Minister klärte sodann seine Intervention dahin auf. daß er die Führer der tschechisch-jüdischen Bewegung, die unter den Deputierten der Kultusgemeinden waren, darauf verweisen wollte, daß sie bisher in den tschechischen politischen Organisationen „eine Vertretung als Juden“ angestrebt hätten, wobei sie sich auf die Zahl ihrer Glaubensgenossen in diesen Organisationen gestützt hätten, — und daß er hingegen seit, ieher die Ansicht vertrete. eine derartige Vertretung stünde den tschechischen Juden nur „auf Grund der dem Einzelnen zukommenden Eignung'1, nicht der Zahl nach zu. Der Minister erklärte den Vertretern des Jüdischen Nationalrates ausdrücklich, daß sich sein- ^Ausspruch in keiner Hinsicht auf die jüdischnational bewußt-cn Juden bezogen habe und daß eiwie 'die andern Staatsmänner der Entente und der tschechoslowakischen Republik die iüdischnational en B e s tr eb u ngjen als gerecht anerkenne. Er ermächtigte die Vertreter zur Veröffentlichung des Kommuniquees, das wir bereits in voriger Nummer brachten. Der Jüdische Nationalrat ist an . die Prager isr. Kultusgemeinderepräsentanz mit der Aufforderung herangetreten,.Herrn Dr. Alois Koseräk sofort von seinem Amte, zu entiernen. Die Deputation beim Staatsret’ Deutsch-Israelitischer Gemeindebund. Professor Dr. K a 1-i s c h g r. Die anonyme Deputation, die. nach dem Bericht der Tagesblätter dem Staatsrat die Kundgebung . der deutschnational - deutschösterr eicliischen Juden überreicht hat, bestand äußer dem unvermeidlichen Fleischer ans den. Herren Gern.-

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