Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 49 (6.12.1918)
- Date
- 1918-12-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Kaplan (Zelrc-Zian), A'.einkowski (Achduth) j und Latzky (VolkspaTtei) als Vizepräsidenten. Zu Besinn der Tagung gaben die Parteien Deklarationen ab^ Aus Raummangel müssen wir den genaueren Bericht iür eine der nächsten Nummern zurückstellen. * Taufschein — Bedingung. Nach einem Kommunkiud der Bahndirektion in Krakau gelangen jetzt zirka 50 Beamtenposten bei der Eisenbahn zur Besetzung. Eine der Bedingungen für die Erlangung eines solchen Postens ist. dem ..Nowy Dziemuk" zufolge, die Beibringung eines .— Taufscheins. So sieht die tatsächliche jüdische Gleichberechtigung in polnischer Beleuchtung aus! Antisemitisches von der Prager deutschen Universität. Die „Selbstwehr“ schreibt: In der Aula der deutschen Universität in Prag war zwei Tage lang der in Karlsbad verbreitete deutschradikale Aufruf angeschlagen, der zu Feindseligkeiten gegen Juden und andere „Fremdlinge“ auffordert. Sein Inhalt entspricht dem Tatbestand des § 302, Strafgesetz. Erst nach zwei Tagen wurde däs antisemitische Pamphlet beseitigt.' — Wir erfahren. daß der akademische Senat jüdischen Studenten die Erlaubnis verweigert hat, am schwarzen Brett eine Einladung zu einer Studentenversanimlung anzuschlagen. Diese zwei Tatsachen können zusammen am besten so charakterisiert - werden: zeitgemäß und s eLxdemokratisch. * v Judenreine Wohltätigkeit. Das Ministerium für Volksgesundheit, gesellschaftlichen Schutz.und Arbeiterversicherung hat im Laufe der Monate August und September S68.81Ö Mark an Unterstützungen für Rückwanderer und 80.000 Mark als Hilfsgelder für gesellschaftliche Institutionen verteilt. Die Gelder für die Rückwanderer sind durch verschiedene Hilfs- und Rückwanderungskomitees, hauptsächlich durch Vermittlung des Hauptäüfsichtsrates verteilt worden. Unter allen Gesellschaften, die Regierungsunterstützuugen für Rückwanderer erhalten, und auch unter den«-'Hilfsorganisationen ist nic-h.t eine jüdische vorhanden. Wandel in der Berliner jüdischen Gemeindeverwaltung? Die „Jüdische Rundschau“ berichtet: Am 19. November standen die Wahlen in die Repräsentanz der Berliner, i ü dis c h e n G tm ein de in Aussicht. Diese. Wahlen hätten noch hach dem alten, seit Jahren von den Zionisten scharf befehdeten Wahlrecht stattfinden müssen. Mit Rücksicht auf die Neuordnung der Dinge in Deutschland hat nunmehr eine Konferenz stattgefunden. die vom Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde einberafeu war und von Vertretern der an'den Wahlen sich beteiligenden Organisationen beschicktwurde Die Verhandlung leitete - der Vorsitzende des Berliner' Gemeindevorstandes. Herr Geheimrat Stern, weiter war mit anderen Herren auch der Syndikus der Gemeinde. Herr Justizrat Lilien thai anwesend. Vor, zionistischer Seite nahmen an dieser Konferenz das Mitglied des Zentralkomitees Herr tSDr. Klee und Herr Dr. Wi t k o w s ki teil. Vertreten war weiter die liberale Vereinigung, der konservative Zentralverein für die Interessen der Berliner Jüdischen Gemeinde, der „Verein zur Erhaltungdes überlieferten Judentums“ und der Verband der Synagogenvereine . von Groß-Berlin. Es wurde eine Vereinbarung mit dem Vorstand der Gemeinde dahin getroffen, daß die Wahlen fortfallen, daß sofort die Statuten der Gemeinde dahin geändert werden, daß in Zukunft auf Grund des all ge-, meinen, gleichen, direkten,. geJi.eimen Proportionalwahlrechts, aller über 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Juden Berlins gewählt werde.. Von den Gemeindevorstehern wurde zugesagt, die Statutenänderung ' zu beschleunigen, daß die Wahlen schon in einigen Wochen stattfinden können. Von z i o n i s tf s c li e r S e i t e würde ferner das Verlangen-ausgesprochen, daß die zurzeit hoch in der Repräsentanz verbleibenden und nicht zur Wahl stehenden liberalen Mitglieder des Kollegiums freiwillig ihre Aemter niederlegen, damit auch über diese Posten in der Neuwahl entschieden werde. Eine durchgreifende Aenderung der gesamten Statuten der Gemeinde soll der auf Gründydes neuen Wahlrechts-gewählten Gemeindevertretung Vorbehalten bleiben. Die zionistischen Vertreter wiesen darauf hin, daß sie ein umfangreiches politisches, wirtschaftliches und' soziales _ Programm durchgeführt wünschen. * Der Akadem. Verein jüdischer Mediziner hat an die Professoren Ehr mahn, Kn öpf eint ach er, Königstein, Marburg, Pick, SchnitzlerC Zappert und Zuckerkand; eine Zuschrift gerichtet, in welcher namens der erdrückenden Majorität der jüdischen Mediziner gegen die Unterzeichnung des Aufrufes der „Union“ seitens der genannten Professoren Stellung genommen wird. Der .amerikanische jüdische Kongreß. Das Zentralkomitee der Poale Zion in Amerika erließ ein Manifest, in dem die sofortige Einberufung des bisher stets verschobenen jüdischen Kongresses hi Amerika gefordert wird. Der Kongreß soll zur Verbreitung eines .. jüdischen. Weltkongresses dienen. ' t Das Zionistische Büro beim Friedenskongreß. Stockholm (Tel. d. „Jüd. Ztg.“): . Nahum Sok o I o w ist mit den Sekretären Tolkowski und Marx nach Paris abgereist, zwecks Errichtung eines Büros für Information und politische Arbeit über die Forderungen der Juden bezüglich Palästinas und nationaler Rechte in den Diasooraiändern. Der. russische Zionist R o s o w. der nach Palästina unterwegs war. wurde vom seiner Reis« nach Paris zurückgerufen.- * General Ailenby lernt hebräisch. Das palästinensische Organ „Chadaschöth mehaarez“ meldet: General Ailenby begrüßte die nach der Befreiung Palästinas in den Straßen Jerusalems , manifestierenden Juden in hebräischer Sprache. Der General lernt hebräisch und beginnt auch schon sich dieser Sprache zu bedienen. Intervention der ukrainischen Regierung zu-, gunsten der jüdischen Flüchtlinge. Der Generalbevollmächtigte der westukrainischen Volksrepublik Wassilko hat bei der tschecho-slowakischen. deuischösterreichische’n und ungarischen Regierung interveniert, um eine Ausweisung der gaiizisch-bukowinischen Flüchtlinge mit Rücksicht auf die gegenwärtigen-Lanclesverhäitinsse zu verhüten. » Verband galizisciier Juden in New-York. Stockholm (Tel. ö. ..Jüd. Ztg.“). Am 10. November fand in New-York eine Konferenz des Verbandes galizischcr Juden in Amerika statt. Die Konferenz appellierte Sn den Präsidenten Wilson, er möge dazu helfen, daß'bei der Neuordnung Galiziens und der Bukowina die nationalen und bürgerlichen Rechte der Juden'sicliergestellt werden. Die Konferenz forderte ferner die sofortige Einberufung des jüdischen Kongresses und die Demokratisierung des Joined distribution Committees. Der Verband fordert alle galizischen Juden auf. sicii der zionistischen. Organisation anzuschließeri. Der Lemberger Gemeinderat hat Zeit. Im Lemberger Gemeinderat stellte Dr. Tobias Asclik e n-a s e. der bekannte Präsident der Lemberger Advokatenkammer, der einer dei hervorragendsten Führer der Assimilanten war und unter dein Eindruck der letzteii Ereignisse sich rückhaltslos zum jüdischen Nationalismus-bekannt hat. den Antrag, es solle der Entrüstung über die Lemberger Greuel Ausdruck gegeben sowie eine bühne und Hilfsaktion aus diesem Anlaß eingeleitet werden. Der Gemeindera: überwies diesen Antrag einem Ausschüsse nöt der Aufforderung, hierüber Innerhalb der nächsten Woche Bericht zu erstatten., * Eine Ente. In letzter Zelt brächten mehrere Blätter eine angebliche Meldung aus Könstantinopel (?) über die Einsetzung der ersten zionistischen Regi'erung .in Palästina. Es werden, darin die Namen der .einzelnen Minister angeführt, als Ministerpräsident wird Brandeis genannt. Wir werden von offizieller zionistischer Seite ersucht, festzustellen, daß diese Nachricht glatt erfunden ist und in das Bereich der Phantasie gehört. \ " Eiu antisemitisches Flugblatt der Obersten Heeresleitung. Bad Ems, 3. Dezemffer. (TeL- Komp.). Während der Beratungen der Soldateuräte. des Feldheeresbemerkte der Sprecher der zehnten Armee:. „Ein^besonderes Vorkommnis gibt mir Veranlassung,vfür die Wahl, eines Zentralstes bei der Obersten Heeresleitung zu sein. Es: handelt sich tun das Flugblatt, das von der Obersten Heeresleitung . herausgegeben., wurde. Es ist unglaublich;''daß etwas Derartiges unter den Augen des Soldatenrates bei der Obersten Heeresleitung geschehen kor.nte. Dcr reaktionäre, ,a n t isemitisciie- In halt des Flugblattes spottet jeder Beschreibung. Etwas Derartiges darf nicht an die Truppen gelangen. Wenn die Juden gut genug waren, int Schützengraben zu stehen und das Vaterland mit ihrem Leben zu verteidigen, so müssen sie auch jetzt gut genug sein, uns bei dem neuen Aufbau zu helfen.“ „Demokratisch-jüdischer Verband“. Zur' Gründung eines solchen Verbandes hat in Wien ein Komitee eine vertrauliche Sitzung abgehalten. Als Ziel des Verbandes wird lediglich angegeben, „daß bei der Neukonstituierung der Kullusgemeindc nicht allein die stark organisierte zionistische Richtung zur Geltung komme, 'sondern auch die Gesinnung jener bewußt-jüdischen Bevölkerung Deutschösterreichs zum Ausdruck gelange, die seit jeher die jüdische Sache vertreten hat.“ Aus diesem'Satz ist allerdings leider überhaupt nichts über das."Programm des Verbandes zu entnehmen. Wiewohl wir jede Organisationsbestrebung von Juden als ein Zeichen sich regenden , Lebenswillens begrüßen, vermögen wir daher bisher kein Urteil über die neue Gründung abzugeben,' deren konkrete jüdische Ziele vorläufig hur in so verschwommener Formulierung vorliegen. * Die Tschechen legen den Juden Kontribur tion auf. Die Judenschatt der oberungarischen Stadt Trencseri wurde durch die tschechischen Truppen mit einer Kontribution von 400.000 Kronen belegt. Der. jüdische Nationalrat in Prag hat scharfen Protest gegen diesen Willkürakt eingelegt. Mißtrauensvotum gegen die - Grazer Kultusgemeinde. Der Grazer Kultusvorstand hat trotz der erhobenen Forderung nach Demokratisierung des Wahlrechtes die Funktionsdauer der abgelavtienen Mandate selbstherrlich verlängert. Der Jüdische National verein in Graz beriet eine massenhaft besuchte Protestversammlimg ein, die einstimmig nachstehende Resolution annalim: Die im Erzherzog Johann versammelten jüdischen Männer und Frauen protestieren gegen die gesetzwidrige Verlängerung der Funktionsdaucr'des -Kultusrates der israelitischen Kultusgemeinde Graz, sie protestieren insbesonderegegen die iii dieser Verlängerung zutage getretene Absicht der Verschleppung eines gleichen demokratischen Wahlrechtes für '• Männer und Eräuen, sprechen den derzeitigen Mitgliedern des Kultusrates das M i ß t r a ue ii aus,. fordern die drzeitigen Funktionäre zur -sofortigen Mändätsniederlegung auf. Ferner beauftragen die Versammelten den Ausschuß des J. N. V., diese Resolution der Landesregierung in der Form eines Memorandums mit der Bitte zu überreichen, diese unhaltbaren,«mit der demokratischen Verfassung Deutschösterreichs in Widerspruch stehenden Zuständen durch Auflösung des Kultusrates ein Ende zu machen und die sofortige Ausschreibung von . Neuwahlen auf Grund des allgemeinen, gleichen, proportioneilen Waliirecbies für Männer und Frauen anzuordnen. Die Forderungen des deutschen Judentums Am 13. November-fand in Berlin eine Versammlung der Berliner Zionisten in den Prachtsälen des Westens statt, die einen so starken Besuch hatte, daß der große Saal überfüllt war und die Zuhörer bis auf die Straße standen. Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden der Berliner Zionistischen Vereinigung, Herrn Dr. Egon Rosenberg, eröffnet. Hierauf sprachen die Herren Dr. Hantke, Dr. Klee, Kurt Blumenfeld, Nalmm ,,.iGoldmann, Kaufmann uml Leo Herr m am n. Alle Redner erklärten, daß das Nationaljudentum in Deutschland gegenwärtig in aller Deutlichkeit seine nationalen Forderungen erhebt, daß es alle deutschen -Juden zu ihrer Unterstützung aufrufe und überzeugt sei,- daß diese Forderungen angesichts der demokratischen Umwälzung in Deutschland Erfüllung finden werden. Zum Schiuß._der Versammlung wurde unter stürmischem Beifall nachstehende Resolution angenommen: „Die Versammlung der Berliner Zionisten vom-13.' November begrüßt den Beschluß des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der unter Zuziehung der Vertreter der liationaijüdisclieii und zionistischen Gruppen Berlins gefaßt worden ist, einen „Nationalausschuß der Juden Deutschlands“ zu schaffen, der einen auf demokratischer Grundlage gewählten Kongreß der Juden in Deutschland vorzubereiten hat, die auf dem Boden folgender Forderungen stehen: - a) Palästina als nationale Heimstätte Tür das jüdische Volk. b) Tatsächliche Durchführung der vollen Gleichberechtigung der Juden' in allen Ländern. c) -Nationale Autonomie für die jüdische Bevölkerung der Länder jüdischer Massensiedlung sowie aller anderen Länder der Weiyderen jüdische Bevölkerung Anspruch auf sie erhebt. d) Beseitigung aller. Ausnahmebestimmungen' gegen ausländische Juden, insbesondere sofortige Aufhebung der in Deutschland bestehenden Grenzsperre gegen die Juden. ...... ' Umwandlung-der jüdischen Kultus- (Synagogen- und ReligionsOgemeinden in Deutschland in jüdische' Volksgemeinden auf demokratischer Grundlage und unter Sicherung der Rechte der Minoritäten, sowie Schaffung eines Reichsverbandes der jüdischen Volksgemeinden als Vertretung der jüdischen Volksgemeinschaft in Deutschland mit dem Recht der,,autonomen Regelung aller jüdischen Angelegenheiten.' Die Versammlung begrüßt die Forderung, daß dieser Kongreß eine Vertretung der Juden in Deutschland zu schaffen hat und fordert den vorläufigen Nationalausschuß auf, bis zur Wahl einer Vertretung die erforderlichen politischen Maßnahmen zu treffen. - Die - ...Versammlung der Berliner Zionisten spricht der Leitung der Zionistischen Organisation ihren wärmsten Dank für die erfolgreiche Arbeit aus, die den Zionismus zur. Verwirklichung bringt. Die nationale Bewegung Ein jüdischer Nationalrat in Rzeszow. Am 7. d. M 'fand?m Saale der Kultusgemeinde eine zahlreich besuchte jüdische Versammlung statt, in der ein 5'Ogliedriger Nationalrat gewählt wurde, bestellend aus Vertretern aller auf dem Boden des iüdischnationalen Programms stehenden Parteien. Der Nationalrai konstituierte sich wie folgt: Rabbiner L e v i n. Präsident: Apfelbaum und Dr. Saizmaim. Stellvertreter: Dr. Lecker und Kurzmann. Sekretäre: Lipschütz. Kassier. Der Jüdische Nationalrat wählte aus seiner Mitte: einen Kultusrat. bestehend aus 21 Personen, mit der Verpflichtung, binnen kurzem die Kultuswalilen auf Grund einer weitgehendst demokratischen Wahlordnung durchzufiilireii. Dem Kultiisvorstande gelieren die Herren Dr S c h n e e. Dr. H o n f e n und Ed s c n b e r g an. Der Jüdische Nationalrat setzte ferner fünf Arbeitskofninissionen eiu. die ihre Arbeit bereits auf genommen haben. Das Programm des Nationalstes wurde durch öffentliche Anschläge bekanntgegeben.; '.sf:* Posen. Am 20. November fand hier eine mehr als lOOOköpfigc Versammlung statt, in der Rechtsanwalt Dr. K iee aas Berlin über die jüdischen Gegenwartsfragen und unsere Forderungen referierte. Nachdem der . Redner die Lage der Juden in allen Ländern besprochen und die letzteii Judenpogrome erörlert hatte, wies,er auf< das erfolgreiche Wirken der-jüdischen Nationalste hin, die sich in der Ukraine, in Galizien, in Deutschösterreiclr und im tschecho-slowakischen Staat gebildet harten. Dr Klee schloß, mit warmer Anerkennung des jüdischen Volksrates in Posen: An der Aussprache beteiligt en sich die Herren Dr. Leiower. Rechtmiwalt Nehr.b und Dr. Calvary. Letzterer erklärte auch, daß sich'die orthodoxe Judenheit Posens mit alien ihren Organisationen auf den Boden der jüdischen Nationalität stelle und. "sicii dem jüdischen Volksrat einordne. Sie . seien beneit, in geschlossener nationaler Organisation mit den .Zionisten; zusammenzuarbeiteii. Der Leiter der Versammlung' Rechteanwalt Dn