Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 48 (29.11.1918)
- Date
- 1918-11-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 JÜDISCHE ZE1TUNQ Nr. 48 Neue jüOisdie ßüdiervon denen man spricht Pinkus, Vor der Gründung des Judenslaates. ln der Schweiz erschienen, lange verboten gewesen! Enthält die englisch-amerikanische Politik für Palästina. brosch. K 6.60 Endres, Zionismus und Weltpolitik. Das beste' Buch zur Information Uber den Zionismus brosdi K 5.50 Moaus Zur, Ein Chanukkabuch Kart. K 11.— Das schönste Chanukkageschenk! Soeben eingetroffen! Illustriert Graetz, Geschichte der luden. 3 Bände geb. 38.50 Die letzten Exemplare! Zuckermann, Gedichte geb. K 4.40 Abeies, Jüdische Flüchtlinge brosch. K 4.40 geb. K 6.— Nationaljüdische Buchhandlung R. Löwit, Wien, I., Rotenturmstr. 22 Appell der-deutschen Zionisten an die Zionisten der Entente wegen Hilfeleistung für das deutsche Volk Aus. Kopenhagen wird uns telegraphisch berichtet: . Ini Auftrag der zionistischen Vereinigung für Deutschland hat das Kopenhagener Büro der zionistischen Organisation nachstehende telegraphische Kundgebung an die zionistischen Föderationen in England, Frankreich 'und A m e r i k a gerichtet: ,, Wir begrüßen Euch, teure Gesinnungsgenossen im Moment, da das blutige Ringen der Völker aufgehört und in Deutschland ein neuer Geist der Freiheit gesiegt hat. Es ist von unvergleichlicher Wichtigkeit, daß diese Entwicklung sich ungestört vollzieht Wenn im jetzigen Augenblick des Ueberganges Hungersnot und Unterbindung des Verkehres entstehen, so droht die glücklich begonnene Entwicklung in Anarchie zu zerfallen. Wir begrüßen, daß Amerika und die Länder der Entente beschlossen haben, durch rasches Eingreifen tatkräftige Hilfe zu leisten und bitten Euch, auch Eurerseits alles dazu beizutragen, daß die ungeheuren Leiden des deutschen Yolkes-gehndexf werden,--damit es nicht an Hun- , ger zu Grunde gehe und in Anarchie sich äuflöse. Getragen vom menschlichen Mitgefühl für die Millionen unschuldiger .deutscher Kinder und Trauen, denen der Hungerstod droht wissen wir, daß sofortige Hilfeleistung zugleich im dringendsten Lebensinteresse der großen jüdischen Mas- ' sen, sowohl innerhalb Deutschlands, als in den Nachbarländern liegt Nur durch schnelle Uebermittlung der wichtigsten Nahrungsmittel und durch gleichzeitige Gewährung von Erleichterungen in den Transportbedingungen ist eine Katastrophezu vermeiden, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Möget Ihr, eingedenk der großem jüdischen Traditionen, Euer Wort einlegen für eines der schönsten Werke menschlicher Liebe und der menschlichen Zivilisation, die selbst bedroht ist wenn die drohende Katastrophe her einbricht. ’’ Der Kampf um den jüdischen Nationalismus in Ungarn. Die . Forderung nach Anerkennung der jüdischen Nationalität, die durch .die Revolution aufgeworfen wurde, wird von den ungarischen Zionisten mit dem größten Nachdruck erhoben. Im vormaligen oligarchischen Ungarn, das stets eine - national^ Einheit zu sein vorgab. galt jeder als Hochverräter, der sich nicht zur herrschenden Nation bekannte. Dem angewandten schärfsten Terror gegenüber waren . die Zionisten einfach ohnmächtig, und. mußten sich, lediglich auf. die Palästina-Propaganda und die Kulturarbeit beschränken. selbstverständlich mit sehr wenig Erfolg. da das Hauptfeld ihrer Tätigkeit, die Nationalisierung der Massen, brachlag. reinslowakischen oder reinrumämsclieu Gegenden -wohnen, das Bekenntnis zur magyarischen Nation geradezu den Ruin bedeute. Wenndaher die Judenheit mit den Völkern des Landes in Frieden beisammen leben wolle, müsse sie sich zur jüdischen Nation bekennen. . Am 10. November fand bereits eine imposante Kundgebung der südungarischen Juden in T e m e s v rl r statt. Die dortigen Zionisten veranstalteten eine jüdische Volksversammlung mit der Tagesordnung: „Die Juden und die -Nationalitätenfrage“. ' Nach den Eröffnungsworten des Direktors Ernst Vermes sprach ausführlich Advokat Dr. Julius Dohän.v über die Judenfrage und ihre jüngste Entwicklung. „Da die jetzige, ungarische Regierung — führte er unter anderem aus — sich offiziell zii den Wilsonschen Thesen bekannt hat-und das neue Ungarn sich auf Grundlage der ' nationalen Autonomie aufbauen wird, muß auch die ungarische Judenheit im nationalem Sinne Stellung nehmen, damit sie in Hinkunft nicht die Rolfe des Prügelknaben “ unter den autonomen Völkern des Landes spiele!“ Zum Schlüsse beantragte er die Annahme einer Resolution, der wir •folgendes entnehmen: ■ - 1. Die südüngarische Judenheit begrüßt die ungarische Regierung, die die Freiheit der Völker —proklamiert hat und sich dem Völkerbund, dessen führende Staaten in Palästina eine jüdische Heimstätte errichten werden, anschließt- . - 2. Die südüngarische Judenheit erblickt in diesem Programmpunkt ..-die Gewähr dafür, daß die Juden Ungarns als gleichberechtigte Nation unter den freien Völkern des Landes ihren Platz einnehmen werden und fordert daher die Zuerkennung autonomer, politischer und kultureller Rechte! ' . , 3. Die ‘südüngarische Judenheit protestiert gegen den Fortbestand der neologen und ortho-; doxen Lamdeskanzlejen, mit denen auch das aus- . ländische Judentum nichts zu tun haben will.; Nach einstimmiger Annahme dieser Resolution wurde beschlossen, einen Ausschuß zur nationalen Vertretung der ‘Juden Südungarns zu entsenden, der die übrigen Teile der ungarischen Juden auffordern soll, sich auf nationaler Grund- ' -läge zu organisieren r In Budapest hat sich - ein „politisches Komitee der ungarischen Zionisten“ gebildet, das 1 die Schaffung eines Jüdischen Nationalrates vorbereitet •■! Die^. Führer der Assimilation wollen sich natürlich nicht kampflos ergeben und.haben einen heftigen Kampf gegen die, Jüdischnatiönalen eingeleitet. Die jüdische Garde wird verleumdet, das Beispiel der Wiener Knltusgemeiiide. die von den Zionisten zugrundegerichtet werde. als warnendes Beispiel hingestellt: und ohne ■ Rücksicht auf den Minister Buza. der in einer offiziellen Ansprache die „Jüdische Nation“ ausdrücklich anerkannt hat, der Begriff der jüdischen Nation mit dem ungari-' sehen Staate in Gegensatz-gebracht Die alten abgewirtschafteten Führer-gelien nun daran, einen „Zentralverbandungarischer Juden“ zu gründen, der ihren Zwecken dienen soll, und der seine Tätigkeit mit der Erklärung begonnen hat. daß die gegenwärtigen Ausschreitungen in Ungarn keinen j udenf eindlichen Charakter .tragen. , . Die zionistische Presse protestiert auf das entschiedenste gegen diesen aus Hof- und» königlichen Räten bestehenden engen Kreis, der sich als Vertreter der ungarischen Juden auiwerfen will. * '* s»- - Im Kreise der breiten Volksmassen gewinnt die Palästinaidee immer mehr Boden. So hat die Agudath Zion in Nagymärton (Mattersdori) einen Aufruf zur Gründung einer Siedlung auf traditioneller Grundlage erlassen Sie gedenkt einen Betrag von,zwei Millionen Kronen aufzubringen. Unter dem Namen „Jischuw Erez JisracI“ hat sich in Marmarossziget ebenfalls ein Verein ■gesetzestreuer Zionisten gegründet.!. Am 24 November fand in Budapest die Gründungsversammlung der „freien Organisation der ungarländischen jüdischen Sozialdemokraten“ statt. ' —; Alles in allem: Frisches Leben pulsiert in dem Lande, dessen Judenheit sich bisher passiv verhalten hat. L. B Jüisdche Volksversammlung in Troppau. (Originalbericht der- „Jüd Ztg.“) anerkannt und als solche alTe ieno Rechte gewährleistet erhalten, welche die übrigen Nationen als Erfolg des Wel-tkrieges für sich in Anspruch nehmen... .' - ' . - -. Ihr zahlreiches Erscheinen gibt mir. Zeugnis dafür, daß Sie an diesem Streben mitarb eiten wollen. Wir werden, ich halte mich Ihrer Zu^ Stimmung sicher, in diesem für unsere Zukunft-so schwerwiegenden Momente alles hintansetzen, was uns trennen könnte’ und nur In Erwähnung ziehen, was uns einigen kann: wir sind nicht Weher gekommen. um zu debattieren, dies soll dem 'Volksrate Vorbehalten bleiben, zu dessen Wahl, wir Sie am Schlüsse der Versammlung einladen werden und in welchem jeder, ob Manji! ob Frau.' seine Beschwerden und Einwürfe wird geltend machen können; wir sind hierher gekommen, um Zeugnis abzulegen. daß wir einig sind in dem, Bestreben. die neue Zeit, die angebrochen ist. zu einer stolzen und glücklichen für das Judentum zu gegestaiten“ . . . Nach der Wahl des Bureaus erstattete Herr Kuitusvorsteherstellvertreter Dr. Wolf ein Referat/ in welchem er die durch die politischen Umwälzungen geschaffene Notwendigkeit zur Stellungnahme der Juden auseinandersetzte. Nach -ausführlicher wissenschaftlicher Begründung, weshalb die Juden als Volk zu betrachten sind., begrüßte er die ven Wilson und den andere» Mächten gemachte Zusage auf Errichtung einer nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina, auf deren baldigste Verwirklichung alle Juden ohne Unterschied der Parteirichtung .honen. Palästina sei aber nur für einen geringen Teil des 14-Millionen-Volkes aufnahmsfähig, während der größere Teil in den anderen Ländern bl.eib.en werde. In -diesen' aber haben die Juden ein volles Anrecht auf.,Gleichberechtigung. Auf schlesischem Boden z. ,B. seien schon lange vor den anderen Völkern, die ihn jetzt bewohnen,. Juden gewesen, dermit ihrem Schweiße und Blute gedüngt sei’, die Juden hätten daher auf den Boden nicht weniger Anrecht, als alle anderen Völker, die ihn bewohnen. Der Sieg der Demokratie verbürge alle» Völkern, wo immer sie wohnen mögen, volle politische Gleichberechtigung. Um diese jedoch zu sichern, sei es notwendig, die .Anerkennung des jüdischen Volkes zu erringen, dessen Rechte gel-. -tend zu machen und sic unter den Schutz des' Völkerrechtes zu stellen. . - Der Referent schlägt-die Annahme einer Entschließung vor. welche vom Verbände der schlesischen . und dem der mährischen Kultusgemeinden bereits einhellig akzeptiert wurde (siehe „Jüd. Ztg.“ Nr. 46) und teilt schließlich die beabsichtigte Bildung eines jüdischen Volksrates für Troppau mit. welchem die Wahrnehmung aller iüdischen Interessen 'obiiegen wird.' ‘ Hierauf-sprach'Herr: Dr. Le sehn er,',, der! alle Juden aufforderte., sich einmütig zum jüdischen Volke zu bekennen. Durch die Anbiederung an die anderen Völker, die den Juden die Aufnahme verweigerten, habe der Charakter gelitten und-damit die Achtung vor den Juden. Diese Erkenntnis habe zu dem festen Willen der überwiegenden Mehrheit der Juden geführt; :wieder zum jüdischen Volke zurückzukehren. Nur so können -die Juden wieder aufrechte und freie Menschen werden, nur so die. Achtung Ihrer Mitbürger erringen: die Organisation sei aber auch der einzige Weg, sich -die politische Gleichberechtigung zu sichern. Nach der erfolgten einstimmigen Annahme .der. beantragten Entschließung verkündete der Vorsitzende -Herr Dr. Sonnenschein die' Schaffung der Voraussetzung für den Vebergaug von. der Ku 11usgemeinde zur jüdischen Volkssiemeinde. Schließlich wurde ein fünfundzwanzig- Eli.edrä ger "Volk sr.at einhellig gewählt, in welchem alle Schichten, der jüdischen Bevölkerung, Männer und Frauen, vertreten stad. Der Volksrat wird ein Exekutivkomitee aus seiner Mitte wählen. _ . RUNDSCHAU * Pogromhetze in Wien. Gewissenlose Menschen wagen es. auch/in Wien das Pogrom^ gespenst heraufzubeschwören. Eine „deutsch- . österreichische Volkspartei“ hat_ für . Mittwoch abends eine Versammlung ins „Auge Gottes“ einberufen. zu der in einem blutrünstigen Aufruf, ein- -'geladen wird. Wir hoffen, daß didse Erscheinung vereinzelt bleiben und von den besonnenen Elementen des Staates verurteilt, wird. Der jnngo Nun atmet die zionistische Bewegung in Ungarn, der Fesseln befreit frei auf und verlangt mit allem Nachdruck von der jungen Volksrepublik die Anerkennung' der iüdischen Nation in Ungarn. In der iüdischen Oeffentlichkelt wird die Propaganda in der Hauptsache mit zwei Argumenten betrieben. Vor aileän — heißt es — wird die Republik die Trennung der Kirche vom Staate aussprechen. was zur Folge haben wird, daß die Knltusgemeinden und ihre Vertretungen zu privaten'konfessionellen Vereinen degradiert werden. „Diese konfessioneller; Gesellschaften — schreibt unser Budapester Bruderblatt „Zsidö Szemie“ — werden als solche spezielle konfessionelle Rechte nicht genießen können. Dagegen steht heute, im Zeitalter der Befreiung der Nationalitäten, das Recht auf selbständige eigene Kultur jedem Volke zn. Nicht konfessionelle, nur nationale Rechte werden all denen gewährt werden, die sich als eigenes Volk, als eine Nation mit selbständigen geistigen. und physischen Ansprüchen erklären. Wenn sich die ungarische Judenheit als eigene Nation deklariert wird sie die zur Pflege und Entwicklung der jüdischen Kultur erforderliche Autonomie ebenfalls erlangen.“ . Ais zweites Argument wird ins Treffen geführt daß es fmvdie Juden, die nicht in rein magyarischen, sondern in gemischtsprachigen. Am 14 November d J. fand im Tempel zu Troppau eine vom Kultüsvorstahde einherufene sehr zahlreich besuchte jüdische Volksversammlung statt. Der Kultusvorsteher Herr Doktor Sonnenscheineröffnete die Versammlungmit einer Ansprache, in der er unter anderem allsführte: >' Wir stellen am Ende einer Katastrophe, wie sie das Judentum bisher niemals' zu bestehen hatte. Die zahlreichen Schlachtfelder, welche sich über drei Weltteile erstrecken, sind sämtlich mit jüdischem Blute -getränkt und nun, da .der Weltkrieg vorläufig zu Ende zu-gehen scheint.' ist es an uns. wieder unser Haus zu bestellen. uns iene Stellung unter den Nationen zu erringen. ■ auf welche wir Anspruch erheben müssen, soll nicht das Blut unserer Brüder vergebens geflossen sein. - Durch mehr als 50 Jahre-haben wir unter der Lüge gelitten, daß uns siaatsgrandgesetzlich vollkommene Gleichberechtigung gewährleistet ist während sie uns von unseren .Mitbürgern wie von der Regierungverweigert wurde. Wir müssen nunmehr mit dieser Lüge aufräumen und unser Haus so entrichten, daß diese Rechte auch in die Tat -umgesetzt und die - Voraussetzungen für ein reibungsloses Zusammenleben mit unseren-Mitbürgern geschaffen werden und das - ist nur -auf der-Grundlage möglich, daß wir als Nation Cöanuftfeali-Gestalte Das schönste, billigste, willkommenste Chanukkah-Gescltenk ist ein gutes Jüdisches Buch W Jiskor,' Ein Buch des Gedenkens Herausgeg. von Marlin Buber geb. K 14.30 . Agnon, Und das Krumme wird gerade. Ein / Roman. Aus dem Hebr. geb! K 9.90 Eiiiot, Daniel Deronda, Roman geb. K 19.— Moaus Zur, Ein Chanukkabuch Kart. K 11 — Perez, Chassidische Geschichten Geschenkband K 15— Müller, jüdische Geschichte in,Charakterbildern geb. K 9,75 Herzl, Feuilletons^ Bände K 17.60 Madelung, Die Gezeichneten geb. K 16.50 Nationaljfidische Buchhandlung R. Löwit, Wien, 1., Rotenturmstr. 22