Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 48 (29.11.1918)
- Date
- 1918-11-29
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. -iS JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 deatscriösterreichische S-aat i;;u alten Anlaß, auf seine Würde unds ein Ansehen bedacht zu sein. Er wird nicht polnische Politik machen dürfen, deren verhängnisvolle Fölsen sich bald an Poleu zeigm werden. Ewige Schande bedeutet es vor der stanzen Welt, daß die neue Zeit durch solche Untaten befleckt werden konnte. Wehe dem Lande, das sich damit schuldig macht Deutscharische Stadentenversammlung. Am 26. d. M. fand an der Wiener technischen Hochschule eine Versammlung der deirt-sch-arischen Studentenschaft und im Anschlüsse daran am 27. d. AL eine zweite Versammlung-statt an der sich deutschnationale, deutsch - freiheitliche und deutsch-katholische Studenten beteiligten. Als Ergebnis wurde dem Rektorate eine Resolution überreicht, die den sofortigen Ausschluß der ■fremdsprachigen Elemente von den Hochschulen und die Einflußnahme der deutschen Studenten-' schalt auf die Besetzung der Lehrkanzeln forderte. Diese Resolution wurde vom Rektor der technischen Hochschule mit der Zusage der Befürwortung beim Staatssekretär für Unterricht ■entgegengenommen. Nach Schluß der Versammlung begaben sich die Teilnehmer in geordneten Reihen von der technischen Hochschule zur Universität um denselben Beschluß an der Universität zu erwirken. , Der Lügengeuosse. In dem unerhört frechen Spiel, das die nohüschen Agenturen und Zeitungskorrespöitdenten' mit ihrer Lügenfabrikation treiben. ist ihnen ein ehrenwerter Bundesgenosse erstanden. . Die ..Reichspost“ bringt am 27r”"d. AL. also an dem Tage, wo sogar die „Neue Freie Presse“ mehrspaltenlange grauenhafte Schilderungen von Augenzeugen aus Lemberg veröffentlicht. eine Notiz über. „Angebliche Judenpogrome“. In diesem Artikel werden unter Berufung auf den Bericht eines „Offiziers aus Galizien“ die Ereignisse als recht harmlos hingestellt und sogar die alten Märchen auigewärmt. daß die Juden auf die Polen geschossen haben. Das ist christlichsoziale Wahrheitsliebe und christliche Menschlichkeit! Die Flfichtlingsausweisuag. Sie müssen bis zum IS. Dezember den tschechischen Staat verlassen. Dg. Straueher. hatte sich in Vertretung des Jüdischen Nationalrates an das deütschösterreichische Staatsamt für Inneres wegen Befassung der gaiizlschen' Flüchtlinge in Deutschösterreich und Auszahlung der Unterstxitzimgsgekier gewendet Dieses Ansuchen wurde vom Staatsrat für Inneres Dr. Mataja günstig erledigt. ln der gleichen Sache wendete sich Dr. Straueher wiederholt an die tschechische Regierung in Prag. Vor kurzem erhielt er von Dr. Kramarz ein Telegramm, worin derselbe rmtteüt, es herrsche infolge des Rücktransportes der Soldaten und der tschechischen Beamten nicht mir. in Prag, sondern auch auf dem Lande -eine so große Wohnungsnot daß die Wohnungen der Flüchtlinge geräumt werden müssen. -Die Regierung gewähre eine Frist bis 15. Dezember. Bis dahin werden auch die Unterstützung s~ gekier weitergezahlt. Dr. Straueher erwiderte, daß die Flüchtlinge infolge der Pogrome iitoWestgalizien ‘ und der Zerstörung ihrer Heinfnatten nicht nach Galizien zuruckkehren können. ' Es handle sich um nur 17.000 Flüchtlinge in ganz Böhmen, Mähren und Schlesien, eine Zahl, die bei -einer Bevölkerung von 10 Millionen doch ganz verschwindend sei. Kuitusgemeinde und Nationalrat in Pilsen. In Filsen fand Sonntag, den 24. d M. eine große Versammlung statt, welche außerordentlich stark besucht war. insbesondere auch von Nichtiuden. Es sprach der Präsident des Jüdischen Nationalrates im tschechoslowakischen Staal. Dr. Ludwig Singer aus Prag, sodann m der Debatte die Herren Stelzer (Realist). Dr. Jindrich Kohn (tschechischer Asshnilant). der die Verdienste der Zionisten um die jüdische Jugend anerkannte und sich iür jüdische Arbeit zur Verfügung stellte, ferner der Sekretär des jüdischen Nationalrates Doktor GSldstem u. v. a. — In Pilsen wurde ein lokaler Nationalrat eingesetzt Der Pilsner Kultusvorstand und Präsident Dr. Schanz er ist zurückgetreten Eine vom jüdischen Nationalrat und den deutschen und tschechischen Juden zusammengesetzte Kommission unter Vorsitz des Zionisten Prof. VI. Kraus hat die Leitung übernommen. Die KultuskamPague. In Brünn hat die Kultusgemeinderepräsentanz die Vorschläge des Volksrates angenommen. Die Demokratisierung des Wahlrechtes wurde durchgeführt und die Neuwahlen ausgeschrieben. Das deutsche Judentum für die nationalen ' Forderungen. Aus Berlin wird uns gedrahtet: In mehreren gleichzeitig veranstalteten Massenversammlungen. an welchen mehr als 6000 Juden teilnahmen. wurde mit überwältigender. Mehrheit der Beitritt zu den nationalen Forderungen des Kooenhagener Zionistischen Bureaus proklamiert. Im Anschluß daran wurde die sofortige restlose Aufhebung der Grenzsperre und aller sonstigen Ausnahmebestimmungen gegen ausländische Juden sowie die Umwandlung der jüdischen Kultusgemeiisten in Volksgemeinden und ihre Zusammenfassung zu einem Reichsverband als Repräsentanz der jüdischen Volksgemeinschaft gefordert. * Die Jadenfrage in Deutschland. Professor Sobeanhetm, Mitglied des „Komitees iür den Osten“, wurde zur Bearbeitung der jüdischen Fragen ins Reichsamt des Aeußern berufen. Die gelehrige .polnische Schuljugend. ln einer Versammlung der Lubliner polnischen Schuljugend am 16. November I. J. wurde folgende Resolution einstimmig beschlossen: „Wir. die männliche polnische Mittelschuljhgend, beschließen einstimmig, die gesamte Jugend mosaischer Konfession von sämtlichen Lubliner Miitelschulen zu entfernen und begründen dies: ‘ * ... 1. Mit ihrer feihdücheri undr provozierenden Haltung zu deu Pden. 2. Mit ihrem demoralisierenden Einfluß auf die Schuljugend. Wir verleihen diesem Beschlüsse Nachdruck durch die Proklamierung eines eintägigen Schülerstreiks. Die „Ziemia Lubeleska“ bemerkt hiezu, daß auch die weibliche polnische Schuljugend einen ähnlichen Beschluß gefaßt habe. - - Ausschreitungen in Lundenburg. Am Freitag und Samstag fanden in Lundenburg nach polnischem Muster Pogrome gegen die jüdischen Geschäftsleute statt Einzelne Läden wurden erstürmt und völlig geplündert, ihre Besitzer wurden bedroht und konnten sich nur mit vieler Mühe retten. * Jüdische Eisenbahner entlassen. Die Warschauer antisemitische „Gazeta Poranna“ meldet: Vor dem Einschreiten der Deutschen gab es beim Bahnhofdienst keine Juden. Während der deutschen Okkupation fanden zirka 3000 Juden Anstellung bei den Bahnen in Polen. Diese, größtenteils nun entlassenen jüdischen Eisenbahner riefen unlängst nach Warschau eine Versammlung ein und^beschlossen, eine Abordnung zu wählen und eine Protestkundgebung zu veröffentlichen. Ein jüdischer Katheder. An der historisch-philologischen Fakultät in Kamcnec-Pödolski wurde ein Katheder für jüdische Geschichte und Literatur errichtet. Baron Edmund Rothschild an die jüdischen Kolonien. Zu Rosch haschana entbot der Förderer der jüdischen Kolonisation in Judäa, Baron Edmund Rothschild, den Kolonien Rischon, Petach Tikwah und Ekron folgenden Wunsch: „Hocherfreut übermittle ich Ihnen meine Segenswünsche und den Ausdruck meiner Sympathie anläßlich des Neuen Jahres, in dem das Judentum einer glänzenden Zukunft entgegengeht. Ich ermächtige meinen Sohn mit Ihnen in meinem Namen zu reden. In meinen alten Tagen bin ich glücklich, einen würdigen Sohn zu besitzen, der meine Stelle vertritt und die schwere Arbeit fortsetzt, welcher er wie ich mit dem ganzen Herzen ergeben ist“ Ankündigungen Vortrag über die Erlebnisse ln Lemberg. Montag am halb 7 Uhr abends findet im Saale des Hotel Post (J„ Fleischmarkt) ein Vortrag des Kriegsberichterstatters Herrn Moses Waldmann aus Lemberg über seine Erlebnisse während desPosromsinLembergund seiner Flucht statt . Ingenieure Iür Palästina. > Dienstag,, den 3. d. M„ um 6 Uhr abends. -Bildet Im Zion- Bureau (Palästina-Abteilung) eine- Versammlung zionistischer Ingenieure und Chemiker statt, welche nach Palästina zu gehen gewillt sind. Interessenten herzlich willkommen. Jüdische Abendkurse. Die Studiengruppe für jüdische Erziehung veranstaltet allgemein zugängliche jüdische Abendkurse. Kursbeginn 1. Dezember 1918. und zwar Montag. Dienstag. Mittwoch. Donnerstag und Samstag von 7—9 Uhr abends und Sonntag von 9—1 -Uhr vormittags. Die Kurse finden im Lokale der „Iwriah“, IX.. Glasergasse 4 a. statt. Es werden vortragen: Professor Dr. Aptowitzer. Dozent Dr. Torczvner. Oberrabbiner Dr. Chaies'. Univ.-Prcf. Dr Geiger. Prof Dr. Rosenfeld. Dr. Stein. Vortragsgegenstände werden sein: Bibel. Talmud, Hebräisch für Anfänger und Fortgeschrittene. Hauptepochen der jüdischen Geschichte. Palästrnakunde. Hebräische Literaturgeschichte und Religionsgeschichte. Jeder Kurs kann einzeln frequentiert werden. Pro Einzelkurs und Monat ist ein Beitrag von K 1.— zu entrichten. Schriftliche und mündliche Anmeldungen nimmt das Sekretariat der StudiengrupDe. 1L. Praterstrasse 43, 2. Stiege. 1. Stock. Tür li. entgegen. Chanukkaabende mit reichen musikalischen, hebräischen und Jüdischen Programmen. Unter Mitwirkung der erstklassiger Oberkantoren Wiens, wie Morgenstern, Basser u. a. und bei Aufführung hebräischer Theaterstücke durch Schulkinder, veranstaltet der Verein „Zion“. Wien; II.. Glockengasse 30. 7 Uhr abends, und zwar: 1. Donnerstag, den 28. November, im „Bayerischen Hof“. II.. Obere Augartenstraße 39. 2. Samstag, den 30. November in den ..Reichshallen“. I„ Dorotheergasse Nr. 6, und 3. Donnerstag, den 5. Dezember im „Bayerischen Hof“. II.. Obere Augartenstraße 39. Karten von 2 bis 10 Kronen sind im Vereinsloka! zu haben. Vereinigung jüdischer sozialistischer Akademiker „Cheruth“ Der Verein. der es sich zur Aufgabe gesetzt hat. die jüdischen sozialistischen Akademiker (auch absolvierte) zu organisieren, hat sich neu konstituiert. Beitrittserklärungen sind zu richten an die Administration des „Jüdischen Arbeiter“. Wien. II.. Glockengasse 6. Die jüdisch-akademische Verbindung -Zephirah“. Wien, hat sich am 11. d. M mit einer Aktivenzahl von 16 Mitgliedern reaktiviert. Außerdem haben sämtliche in Wien anwesende i. a. Burschen und a. H. ihre Dienste unserer nationalen Sache zur Verfügung gestellt Die Chargenwahl brachte folgendes Ergebnis: Doktor Willi Weidmaim x phil. Richard Ornstein xx. techn. Paul Ungar xxx. Der Konvent hat beschlossen, jeden Montag abends im Cafe City. 1X„ Porzellangasse 1. zu tagen. Zuschriften an die Verbindung sind an das Cafe City. IX. Porzellangasse 1. zu richten. Für sorgest eile des Exekutiv-Ausschusses der' Jüf£ Soldatenscbait,!L Ennsgasse 13. Vor einer Woche wurde obige Fürsorgestelle für die hehnkehrendeny unterkumtslose« Soldaten (Offiziere und Mannschaft) begründet Sie verpflegt und bequartiert vorderhand täglich durchschnittlich 400 Mann und ist diese Zahl täglich im Steigen begriffen. Weiters ist eine Stellenvermittlung allgegliedert ' und werdendie Herten Chefs auf den heutigen Aufruf aufmerksam gemacht. „Jüdischer Export akademikerverein“. Bei der am 23! d. M. stattgefundenen Generalversammlung des jüdischen Exportakademikervereines wurde folgender Ausschuß gewählt: Charmaz, Steinig. Beck. Apter, Gaschke, Rosenbaum. Schärf, Taub, Drexler, Frl. Wistrelch, Weiß Robert, Zukkerberg. Jüdische Akademische Verbindung Jvrla“. Ivrianer treffen sich jeden Montag und Donnerstag um halb 8 Uhr im Couleurcafe; jeden Samstag finden im Restaurant Pucher, I. Kohlmarkt-Wallnerstraße, gesellige Zusammenkünfte der Aktivitas mit den Alten Herren und ihren Damen statt, wozu auch alle Freunde der „Ivria“ geladen sind. Diesen Samstag, 30. d. M., Eröffnungskneipe des Wintersemesters. Dr. Koch. „Makkabäer-Feier“ zugunsten notleidender jüdischer Kriegsbeschädigter. Der humanitäre Unterstützungs-Verein der Kolomeaer in Wien veranstaltet Donnerstag, den 5. Dezember um 7 Uhr abends im Großen Konzerthaussaale eine große „Makkabäer-Feier“ und ein Sinfonie- Konzert zugunsten notleidender jüdischer Kriegsbeschädigter. Dirigent S. Braslawsky.. Festrede von Herrn Adolf Stand. Mitwirkend unter anderen: Herr Oberkantor Josef Morgenstern. Herr Hofburgschauspieler Franz Höbling. Karten zum Preise von K 10.— bis K 1.20 sind im Vorverkäufe in der Komitee-Kanzlei II Taborstraße 20 a, Telephon 49.621. erhältlich. Jüdische Geschäftsinhaber, jüdische Fabrikanten! Unterstützet die heimkehrenden jüdischen; stellenlosen Soldaten, indem ihr alle freie» Stellen der Fürsorgestelie der Jüd. Soldatenschaft (Dienstvermittlung). II.. Ennsgasse 13, TeL 45.291, anmeidet. Kostenlose Vermittlung für sämtliche Berufe. Exekutiv-Ausschuß der jüdischen Sotdatensc&aft Amtliche Verlautbarung erfolgte, daß die Ziehung 1. Klasse 11. Klassenlotterie plangemäß am 11. und 12 Dezember stattfindet und wolle man daher die Bestellungen per Postkarte soofrt an die bekannte Geschäftsstelle Josef Stein, Wien I., Wippfingerstraße 21 (Glückstelle), einsenden, welche bereits IC Millionen an Gewinnen ausbezahlt hat. Dr. Markus Reiner teilt Freunden und Bekannten mit, daß seine äst. Adresse lautet: per Dr. Nagler, Wien, XV1IL, Eckpergasse 43)7. Oterealgpaasiast VIII. Klasse erteilt gewissenhaft Unterricht. C. J., Wien, XX., Brfglttenauer-Lände Nr. 8|lt. 288 JÜDISCHES JUGENDHEIM Mittwoch den 4. Dezember 1918 7 Uhr abends im Großen Konzerlhaussaale ChanufebasR&enö der jüdischen lugend Wiens Ansprache-. Dr. Siegfried Bernfeld Lichtanzünden: Oberkantor Don. Fuchs mit großem Chor Mitwirkend: Max Rostal (Violine) Hetene Lampl-Eibenschilz (Klavier) Prof. Storch Orgel Rudolf Bandler (Gesang) Sonderriege desl. Wiener jüdischen Turnverreins. Karten von K 1 —25 bei R. Löwit Wien, I., Rotenturmstr. 22 - und an der Konzerthauskasse. m jüdische Abendkurse Die Studiengruppe für jüdische Erziehung veranstaltet allgemein zugängliche jüdische Abendkurse. Kursbeginn I. Dezamber 1918 und zwar Montag» Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag von 7—9 Uhr abends und Sonntag von 9-1 Uhr vormittags. Die Kurse finden im Lokale der „Jwriah*, IX.. Glasergasae 4 a, statt. Es wemhuivortragen: Professor Dr. Aptowitzer.^DozeiH'-Xii. Torezyner,Obberrabbiner Dr. Cliajes, Dniv.-Prof- Dr. Geiger, Prof. Dr. Rosenfeld, Dr. Stein, Vorfragsgegenstände werden ssln: Bibel, Talmud, Hebräisch filr Anfänger nnd Fortgeschrittene, Hauptepochen der jüdischen Geschichte, Palästrnakunde, Hebräische Literaturgeschichte und Religionsgeschichte. Jeder Kurs kann einzeln frequentiert werden. Pro Einzelknrs und- Monat ist ein Betrag von K 1.— zu cutrichten. Schrill iche und mündliehe Anmeldungen nimmt dasSekrätariat der Studiengruppe, II., Praterstraße 43, 2. Stiege, 1. Stoek, Tür II, entgegen.