Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 47 (22.11.1918)
- Date
- 1918-11-22
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 8 =£%/*€!«: ZCFFÜNO t. 47 Sie verwahren sich dagegen, dal die iWiederverwendung der aus dem Felde zurückkehrenden Assistenz- und Sekundarärzte von dem Bekenntnis zur deutschen Nationalität abhängig gemacht wird, und verlangen, daß alle, die berechtigt und gewillt sind, die dentschösterreichische Staatsbürgerschaft zu erwerben, ohne jedes Hindernis wieder aufgenonunen werden. . Für die zu entlassenden Aerzte verlangen sie eine Abfertigung in der Höhe ihrer dreimonatlichen Gage und geben schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß es in kürzester Zeit gelingen werde, eine Organisation der jüdischen Aerzteschaft zur Wahrung ihrer Interessen zu schaffen.“ Nunmehr ergriff, von allgemeinem Beifall begrüßt; der Präsident des Jüdischen Nationalrates, Staatsbalmrat Ingenieur Robert Stricker, das Wort Er berichtete über die bisher unternommenen Schritte bei den derzeitigen Regierungsstellen und appellierte an die Versammelten, ohne Rücksicht auf ihr politisches Bekenntnis Schutz beim Jüdischen Nationalrate zu suchen. Auch ersuchte er die Anwesenden, den Jüdischen Nationalrat von jedem das Interesse der jüdischen Beamtenschaft tangierenden Vorkommnisse zu unterrichten. Ferner referierte für die Mittelschullehrer Hrr Prof. Dr. Wilhelm Stein. Nach einer kurzen; geordneten Debatte, während welcher sich auch Herr Oberkommissär Jokel als Sozialdemokrat zum Worte meldete, schloß der Vorätzende mit einem nochmaligen Appell an die Anwesenden, die Höfe des Jüdischen Nationalrates in Anspruch zu nehmen, die würdig verlaufene Versammlm®. Zionfetisdte Bewegung Zionistisches Laudeskomite« für Deutschösterreich. In seiner Sitzung vom I8L d. hat das bisherige Innerösterreichische Dist'riktskomitee infolge der neuen politischen Lage sich als Zionistisches Lanjdieskomitee für Deatschösterreich proklamiert Die „Studiengruppe für jüdische Erziehung“ sowie die „Palästinaabteilung“ des bisherigen Zion. Zentralkomitees für Westösterreich wurde vom Landeskomitee übernommen. Das Landeskomitee beschloß, sofort Schritte zur Vereinheitbchnng der zionistischen Organisation In Wien und ihrer Vereinigung mit dem Jüd. Natkmalverein unternehmen. . Ferner wurden die Mitglieder M. Rath und Roreth mit der Schaffung eines Arbeitskreises ihr hebräische Sprache betraut. Mährisch-schlesisches zionistisches Distiiktskomitee. Das mähr.-schlesische zionistische Distriktskoinitee hat in Ausführung des Beschlusses des Distriktstages vom 3. November 1918, mit der Bildung der. Arbeitskreise nachstehende Herren betraut: Dr. Wilhelm Wagner, Bezirksrichter in Bielitz ffir-Ostschlesien, Julius Schüller, Repräsentant des Giselavereines, Brünn, Huttergasse 11, für den Landesgerichtssprengel Brünn, Ing. Paul Brammer. Revident der . Staatsbahn. in- Olmütz, für den Kreisgerichtssprengel Olmütz mit Ausnahme der Gerichtsbezirke Proßnitz und ■ Kremsier, Herrn Dr. Gustav Zweig, Advokat in Proßnitz für die Gerichtsbezirke Proßnitz und Kremsier, Staatseisenbahnrat Glas in Iglau für die Kreisgerichtssprengel Znaim und Iglau, Dr. Leopold Leschiier, Advokat in Troppan für Westschlesien, Herrn Professor Dr. Otto Lieben in Ung.-Hrädiscb für den Kreisgerichtssprenge! Ung.-Hradisch. Für den Kreigerichtssprengd Neutifschein beäugte das Distriktskomitee die. Vorarbeiten für die Organisation des Arbeitskreises. Sämtliche im mähr.-schlea Distrikte bestehenden Organisationen (Zion-Verein, - Studentenverbindungen, Wanderbund Blau-wdB, Frauen- und Mädchenvereine, Handlungsgehilfenvereinigungen, Jugendvereine usw.) werden aufgefordert, unverzüglich sowohl bei dem für ihren Arbeitskreis bestellten obgenannteri Vertrauensmann, als auch bei dem Dntriktskomitee die Namen ihrer Funktionäre, an welche Zuschriften zu richten sind; bekannt zu geben. In allen-Städten, in welchen mehr als 10 jüdische Familien wohnen, eine zionistische Vereinigung aber noch nicht besteht, sollen Vertrauensmänner bestellt werden. Die Gezeichneten, welche sich zur Ueberaahme der Stelle eines Vertrauensmannes bereit erklären, wollen sich gleichfalls, sowohlTjehn Vertrauensmann des Arbeitskreises, als auch beim Distriktskomitee in Mähr.-Ostrau unverzüglich melden. Die Befolgung dieser Aufforderung Ist unbedingt nötig, damit das Distriktskomitee in die Lage kommt, in diesem wichtigen Zeitpunkte alle erforderliches Schritte für die Organisation der Arbeit za unternehmen. Arbeitskreis ffir jüdische Erciekmg. Nach Beendigung des furchtbaren Krieges stehen wir letzt vor nicht minder heftigen Kämpfen unter den Völkern. Jede Nation strebt danach, ihre Eigenart zu bewehren, über ihre Zukunftselbst zu bestimmen, ihre Sprache zu pflegen und ihr« Jugend — die Zukuft des Volkes — in ihrem Geistu au erziehen. Wir Juden -dürfen in diesem Ringe« udersn Völkern nicht nachstehen. Wif dürfen dies um so weniger, als wir |a hoffen, daß dis jung« Generation, dir es zu erziehen gilt, einem leichter«« and freieren Lebe« im Lande unserer- Väter satgsgeasieht Eii~ einheitliche« lidlscheb - Xratekaagsui J*£e»dfttoorgew«*e« eoU geschaffen werde», an dem jeder mitarbeite» muß- Es muß jeder sein Bestes geben, jeder aa diesem großen Werke mitarbeiten, denn nur auf diese Weise werden wir dem jüdischen Volke eine Jugend erziehen, wie wir sic haben wollen, wie wir sie haben müssen. Wir laden nun alle Freunde und Förderer des jüdischen Volkes und jüdischen Wissend zu der am 1. Dezember I. J., halb 11 Uhr vormittags, im Jüdischen Jugendheim, Wien, IL, Obere Donaustraße 91, stattfindenden konstituierenden Sitzung des A r b e i s k r e i s e s für jüdische Erziehung ein. Das Einleitungsreferat wird von Herrn Dr. Siegfried Bernf.eld gehalten. Studiengruppe für jüdische Erziehung. Mitteilung der Palästina-Abteilung. Mündliche Informationen in Palästina-Angelegenheiten werden im Büro der Palästina-Abteiluroi. 2. Bezirk. Zirknsgasse 33. ieden Sonntag vormittags von 10 bis 12 Uhr sowie Mittwoch nachmittags von 4 bis 6 Uhr erteilt. Sämtliche Korrespondenzen sind an obige Adresse zu richten. Vorbereitende Leitung der jüdischen Landarbeiter- Schaft. Sonntag, den 24. November 1918, findet hn Saale des Niederösterr. Gewerbevereines, Wien, 1., Eschenbachgasse 11, um 7 Uhr abends eine Zusammnkunft statt, in der die Gesichtspunkte zur Gründung einer allweitlich-jüdischen Landarbeiterschaft, die das hauptsächliche landwirtschaftliche Kolonisationsünstnunent werden soll, besprochen werden und der Wiener Kreis dieser LandaTbeiterschaft zur Konstituierung für Sonntag, den 1. Dezember, aufgefordert werden soll ln der nächsten Nummer wollen wir über die Ziele und Arbeiten dieser neugeschaffenen „Landarbeiterschaft" ausführlicher berichten. Heute soll dies zur Information dienen: Geplant ist die Organisierung all«- derjenigen, <Ee durch Okkupation»- und lanidwürtscbäftiiclie Arbeit in g-emeinwirtschaftlicher Form NationaSfondboden für sich selbst und die ihnen nachfolgenden Wirtschaftskreise erarbeiten wollen.. Nach der Art und dem Grade der Bereitschaft sollen die der Landarbeiterschaft Angeschlossenen in drei Bereitschaften zerfallen, die dementsprechend verschieden abgestufte Aufgaben haben werden. Sobald der nötige Okkupation®- und Kolonisationskredit gewährleistet ist, wird aus der ersten Bereitschaft das Arbeiterpionierbataillon gebildet, das unter -fachmännischer Leitung, verstärkt durch palästinensische Partieffibrer und Vorarbeiter, in straffster Disziplinierung die Okkupationsarbeiten ’ih Angriff nimmt Sobald Wirtschaftskreise dieses Pionierbataiflous schon ertragfähig gemachten - Boden zu bewirtschaften beginnen, rücken' entsprechend die weiteren Bereitschaften ein, die •■nunsowohl im Arbeiterpionierbataillon als im Dienst der noch jungen Wirtschaften angelernt und erzogen werden sollen. bis sie ihrerseits gruppenweise wirtschaJtsfähig sind. Das Wesentlichste an diesem Plan ist die Möglichkeit Arbeit und-Lernen in Palästina zu vereinen und zweitens die soziale Struktur .der so entstehenden Gemeinden, Zur Durchführung dieses Planes sind verschiedene Fonds, wie: Propagandafond, Orgamisationsfond, Schul- und Arbeitsfond, Sparfond; Reisefond, Krankenkasse, Unfallversicherung etc." notwendig, die ihre Tätigkeit bereits gemeinsam unter dem Sammelnamen „Vereinigte Fonds der jüdischen Landarbeiterschaft“ begonnen haben, wenn auch zunächst in einem noch sehr bescheidenen Maße. Wir glauben schon an dieser Stelle auf diese Fonds aufmerksam machen zi sollen. Für die vorbereitende Leitung der jüdi sehen Landarbeiterschaft: Eliahu Rappeport -rri ■ cn N adiriditen Die P. L. K. an die Jude«. Die Polnische Liguidierungskommissio« veröffentlichte eine von den. Präsidenten SkarbekL Tertil und MoraczewskI gezeichnete Kundgebung an die jüdische Bevölkerung, worin neben dem' Appell zur Teilnahme an dem Aufbaue des unabhängigen polnischen Staates auch zur jüdischen Frage Stellung genommen wird. Die P. L. K. er- ' klärt, daß sie auf dem Boden der vollständigen gesetzlichen und tatsächlichen Gleichberechtigung der Juden, sowie der Gewissensfreiheit für jede Religion und jede ehrliche politische Ueberzeugung ohne Jeglichen Zwang stehe. Sie verspricht anch, alle Maßnahmen zum Schutze der Juden zu ergreifen. Diese, aus dem üblichen Rahmen deT bisherigen offiziellen wie unoffiziellen polnischen Zugeständnisse an die Juden hinausgehende Erklärung, hat In jüdischen Kreisen naturgemäß eine gewisse Befriedigung hervorgerufen. Es wird darin der-erste Schritt.polnischerseits auf dem Wege zur Verständigung mit den Juden erblickt. Die Juden sind dessen sicher, daß die tatsächliche Durchführung der versprochenen Gewissensfreiheit in bezug auf jede ehrliche politische Ueberzeugung die lollsfändige politische und nationale Anerkennung der Juden nach sich ziehen maß. Es haben daher die Juden fast allerorts de« seitens der P. L. K. an sie gerichteten Appell mit der Erklärung. Ihr erBer eit Willigkeit zur Mitarbeit, beantwortet. -- - Leider wird den Juden, nacS de* letzten -Vorfällen1 ln Gülizie* die Mitarbeit t*r; ein n*abhängigea Pole* lickt leicht falle», Diese VorfiHe beweisen allzu deutlich die große Kluit zwis-cke» den Versprechungen und den wirklichen. Kalklungen -der P. L. K., die alles eher sind afe Vertrauenerweckend. Protestkundgebung gegen die polnischen Pe-. grome. Gestern nachmittags, den 20. Noveinbej, versammelten sich die jüdischen Hochschffler Wiens in der Aula der Universität, um <8» neutralen Gesandtschaften gemeinsam eine Pretestresolution zu überbringen. Ein Zug von etwa 400 Hochschülern, darunter viele Offiziere tthü Soldaten,-bewegte sich geschlossen über den Ring und über den Schwarzenbergplatz zum Schweizer Gesandten, der um ein Memorandum ersucht«, das er an die zuständigen Regierungen weiterleiten werde. Der Krakauer „Nowy Dzieimik“ rüekiev Der Präsident des polnischen Landesschulrate Dr. Zoll erklärte einer Deputation des Jüdiscfe* Natäonalrates in Krakau gegenüber, daß das litt-' terrichtsministeTium in Warschau auf dem Stand- . Punkt des weitgehendsten Liberalismus gfego* alle Religionen und Nationen stehe. Auch de* jüdischen Schülern sei es gestattet, sich zii ihrer Nation zu bekenn *«. Aus Chrzanow wird dem „Nowy Dzragtnik“ telegraphiert: Der Bürgermeister Dr. Jaökkowski verständigte den Rabbiner, daß eine /jjbeiterdeputation bei ihm erschienen sei und dä» sofortige Ausfoigung von Kleidungsstücken tffid Schuhen für 5000 Arbeiter der benachbarte« Gruben sowie K 150.000 an Lösegeld verlangt habe, widrigenfalls sie noch in stärkerem Maße gegen die Ju den losschlagen würde®. Der Bürgermeister habe angesichts der obwaltendek Umstände jede Verantwortung abgelehnt. . •' In Oswiec.im konstituierte sich ein Jidischer NatSonairat, bestehend aus Vertretern der Zionisten, Orthodoxen und der jüdische* Sozialisten. ln Tarnow wurdet tße jüdischest Oißziere und Soldaten auf den neuen pohäscSefrt Staat beeddet und zwar als polnische Bfffger jüdischer Nationalität. * * Vom Jüdischen Nationalrat in Prag; .. Der J üdische Nationalrat Im tschecho-aSfwakischen Staat hat an den „Narodny Vytoor" Tat Prag ein Memorandum gerichtet welches in der „Selbstwehr“ vom 8. d. M.- veröffentlicht ist. Däk Memorandum fordert:- *1. Anerkennung derjüdischen Nationalitätund Freiheit des Bekenntnisses zu ihr. 2. Volle bürgerliche Gleichberechtigung d*r- Jnden. 3. Nationale Minderheitsrechte für dasjftdjsche Volk, Demokratisierung und Vereinigung d#r . jüdischen Gemeinden. * * - ' Der Jüdische Nationalrai hat ein Flugblatt a«! die Juden Böhmens und die tschechische Öeffeirtlichkeit herausgegeben, das in 100.000 Exemplare« - verbreitet wurde. Die „Zidovskd zprävog“ werde« als Wochenblatt erscheinen. Der Nationalrat hat eine Zuschrift au dm Ndrodny Vybor gerichtet, in dem auf (Be Folge» des Pogroms in Galizien und die Gefahr ein» Uebergreäfens aui Mähren bingewiesen und ei» energisches Einschreiten bei der polnischen Regierung gefordert wird. . * Dr. Franz Oppenheimer, ' der bekannt« Nationalökonom und Zionist, wurde, wie die „Vossisiche Zeitung" meldet, zum UnterstaafS-' sekretär der neuen Regierung ernannt. Brünn. Zur Vertretung der vom Kopenhagen«- Bureau amgestellten Forderungen und z*r Wahrung aller politischen, wirtschaftlichen und . kulturellen Interessen der Juden in BBrünn und Mähren hat sich der ,;J üdische Volks rat“, Brünn, konstituiert, der sein Bureau Krapfengass« Nr. 19 (Telephon 863) hat Der Volksrat steht ti Ffthlnng mit dem mährischen Närodny vybor. Z«r Bekämpfung antisemitischer Hetzartikel werde« alle mährisch-jüdischen Organisationen aufgefordert, allfällige Notizen in den Lokalblättern des«. Volksrate einzusenden. - , Vereinsnädiriditen Die Jüdisch-akademische Verbindung JTvrte**' hat sich für das Wintersemester 1918/19 für aktiv erklärt. Ivrianertreffen sich jeden Montag und Mittwoch um 8 Uhr abends im Coleurcafe. Cafö Astoria, IX. Wfihringerstraße 12, außerdem finde« jeden Samstag um halb 8 Uhr abends im Restaurant Pucher, I.. Kohfmarkt, gesellige Zusamme*- künfte der Alten Herren und ihrer Damen statt* wozu auch alle Freunde der „Ivria“ eingeladm werden. Die Ghargenwahlen für das laufende Semester hatten folgendes Ergebnis: x J. U C. Kari Steiner, xx M. U. C. Bernhard Klamer, xxx caud. ehern. Ernst Nassau. Zuschriften sind a« dte Coleurcaf6 .zu richten. Au dl« jüd.-eat Hocksehfiler Mährens und Schlesiens! Am 19. November tagte zwecks Stell tag— nähme zn den politischen Verhältnissen eine Versammlung mähr.-schles. Hochschüler jüd. Matf«- nalität.:5ie erkl5rte-sich als Vorversämmluig «dir. faßte iu" der Erkeontnt« des'- uotwendigeß %k~.'