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Jüdische Zeitung · 1918-11-22 · 47 (22.11.1918) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
47 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 47 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 Ein Jüdischer Nationalausschuß für Deutschland. Das Zentralkomitee dei zionistischen Vereinigung für Deutschland beschloß unter Zuziehung der Vertreter der national-jüdischen und zionistischen Gruppen einen jüdischen Nationalausschuß iür Deutschland zu schaffen, der einen Kongreß der Juden in Deutschland auf demokratischer Grundlage vorzubereiten hat. Die Forderungen desselben hätten zu sein: Palästina als nationale Heimstätte für das jüdische Volk: tatsächliche Durchführung der vollen Gleichberechtigung der Juden, Beseitigung aller Ausnahmsbestimmungen gegen ausländische Juden, insbesondere sofortige Aufhebung der gegen sie gerichteten Grenzsperre; Umwandlung der jüdischen Kultusgemeinden und Sicherung der Rechte von Minderheiten und Schaffung eines Reichsverbandes der jüdischen .Volksgemeinschaft in Deutschland mit dem Recht der autonomen Regelung aller jüdischen Angelegenheiten. Ein Jüdischer Volksrat In Posen. In Posen wurde ein jüdischer Volsrat „zur Wahrung der nationalen und persönlichen Rechte der Juden in Stadt und Land Posen“ gebildet und wendet sich in einem Aufruf an die .üdischen Bürger und Soldaten, für deren Rechte. Freiheiten und Sicherheiten er einzustehn verspricht. Die sozialistische Internationale für die Forderungen der Juden. Unter dem Titel „Stockholm“ ist soeben ln „Tidens Fölag“ eine von der internationalen Sozialistenkonferenz in Stockholm herausgegebene Dokumentensammlung erschienen. Daraus geht hervor, daß die British Labour Party, die sozialistische Partei Frankreichs, die Konferenz der Sozialisten der alliierten Länder im Februar 1918, die ukrainische Sozialdemokratie Oesterreichs, die armenische Delegation, _die sozialistische Partei Kroatiens und Slawoniens und Bosniens und Herzegowina, die Delegationen der neutralen Länder im Oktober 1917 und die sozialdemokratischen Arbeiterparteien Schwedens und Dänemarks den Ansprüchen des zionistischen Arbeiterverbandes „Poale-Zion“ auf. Palästina und auf nationale Autonomie in der Diaspora zustimmen. * Mitarbeit der oberen Schichten des englischen Judentums am PaMstinawerk. Die am 20~ Oktober in L<*idon stattgehabte gemeinsame Versammlung der Angio Jcwish Association und des Board of Dcnuties faßte eine Resolution, die Welzman den Dank für seine Tätigkeit als Führer der Palästinakommission zum Ausdruck brachte. Die Versammlung wählte ein Komitee mit der Aufgabe. am zukünftigen Palästlnawcrk mitzuarbeiten. * Die Lage ln Nordpalästina. (Londoner Telegramm.) Die Mitg’Ieder der Palästinakommissioir Dr. Eder und B'anchini besuchten die Städte Haifa. Safed. Tiberias und mehrere jüdische Kolonien. Sie konstatierten, daß der Zustand im allgemeinen weniger besorgniserregend ist als man erwartet hatte. In Tiberias sind jedoch Fälle von Cholera konstatiert worden, so daß über die Stadt die Quarantäne verhängt werden mußte. Großes Elend herrscht unter den Juden von Safed. Viele Juden, die von den Türken aus ihren Wohnorten evaku’eit worden sind, sehen nunmehr ihrer Heimschaffuog mit Ungeduld entgegen. 30.000 Pfd. Ster!, sind sofort für die dringendsten Aufgaben des Hilfswerkes erforderlich. Die Ingenieure Oettinger und W 'kansky sind von der zionistischen Kommission beauftragt worden, eine Reise durch Galiläa zu machen und die dort herrschenden Zustände zu untersuchen In Jaffa wird gegenwärtig eine jüdische Volksbank organisiert. * Der Glückwunsch der Manchester Universität zur Grundsteinlegung der hebräischen Universität In Jerusalem. Dem Jüdischen Preühüro in Stockholm wird aus London telegraphiert: Bei seiner Rückkehr aus Palästina erhielt Herr Professor Weizman ein Telegramm des Senatsmitgitedes der Manchester Universität, in dem sie ifim ihre aufrichtigen Gratulationen zur Grundsteinlegung der hebräischen Universität in Palästina und ihre wärmsten Wünsche für die zukünftige Entwicklung dieser Universität als geistigen jüdischen Zentrums und als Oueüe der Inspiration einer höheren Zivilisation im Orient zum Ausdruck bringen. * Unmittelbare jüdische Einwanderung nach Palästina? Das Jüdische Preßbiiro in Stockholm meidet; Die jüdische Gemeinde ia Charbin wandte sich an die zionistische Organisation in Amerika mit der Bitte, von den britischen Behörden die Erlaubnis für eine unmittelbare Einwanderung von Juden nach Palästina zu crw.Tkern. * Eisenbahnen in Palästina. Die Drehbrücke über den Suezkanal ist vollendet und die Züge können unmittelbar von Kairo nach Jerusalem fahren. Als der Krieg ausbrach, trennte eine 322 km breite Wüstenstrecke den Suezkanal von der Jaffa —Jerusalem—Bahn. Es wurde dann die Bahnlinie Zagazig— Ismailia bis gegenüber EI Cantara vorgetrieben; später folgte die Eisenbahn den englischen Truppen auch in die Sinai Halbinsel und wurde bei Gaza nach dessen Eroberung mit der Linie Jaffa—Jerusalem verbunden. Solange die Kanalbrücke nicht fertiggesteilt war, wurde eine Fähre benutzt, wodurch ein Umladen der Wagen erforderlich war. Die Eröffnung der Brücke wird auch für den wirtschaftlichen Ausbau Palästinas von größter Bedeutung sein. (Zeitung des Vereines Deutscher Eisenbahnverwaltungen, 26. Oktober 1918.) * Jüdische Schüler hinausgeworfen. Das „Lubliner Tagblatt“ meldet aus Lublin: Die Schüler der höheren Klassen des Staatsgymnaslums und der Handelsschule haben beschlossen, die jüdischen Schüler dieser Klassen hinauszudrängen. Gestern wurden die jüdischen Schüler gewaltsam aus diesen Klassen hinausgeworfen und nach Hause geschickt. * Jüdische Frauenbewegung. In Warschau beschloß eine große jüdische Frauenversammlung, vom jüdischen Frauenverband einberufen, unteo anderem die Entstehung eines freien, unabhängigen und vereinigten Polens zu begrüßen, gegen die Schließung der zionistscher, Vereine in den österreichischen Besetzungsgebieten schärfsten Einspruch zu erheben. Zur Erreichung der vollen Gleichberechtigung der Frauen in Polen sei ein Zusammenschluß mit den polnischen Frauenvercinen erforderlich, außerdem die Gründung einer jüdischen Repräsentanz. Ferner wurde des Jahrestages der englische» Palästinadeklaration gedacht und dagegen protestiert, daß die polnische Regierung die jüdische Gesellschaft immer noch ignoriere. Es wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß im künftigen freien Palästina kein Unterschied des Geschlechtes und der sozialen Schicht gemacht werde. * Judenreine Universitäten. Die Universität in I.ublin soll nach einer Bestimmung ihrer Stifter keinen Juden aufnehmen. Dagegen führt jetzt die polnische jüdische Presse eine heftige Polemik. * Die Judenbetze ln Warschau. An den Anschlagsäulen erschienen Plakte in Form von Todesanzeigen mit breiten schwarzen Trauerrändern, worin Personen namentlich bezeichnet werden, die Grundstücke an Juden verkauften. Auch die Namen der Käufer wurden angegeben. Die Zettel erregen ungeheures Aufsehen, da Namen aus der besten Gesellschaft genannt werden. Der jüdische Warschauer Kaufmannsverein richtete eine Denkschrift an die jüdische Gemeindeverwaltung, die ausführlich die antisemitische Hetze schildert und die Gemeindeverwaltung auffordert; bei der Regierung Schritte zu unternehmen. Auf Vorstellungen der jüdischen Gemeinde sagte der Ministerpräsident energisches Einschreiten der Regierung zu. Die Zionisten alle Länder für die jüdischen Forderungen in Osst*r reich. Das „Kopenhagener Zionistische Bureau“ richtet folgenden Aufruf an die zionistischen Landesverbände: ln Oesterreich vollziehen die Vö'ker eine Neuregelung ihrer politischen Lage. Das Ideal des Selbstbestimmungsrechtes jeder Nation soll hier in seiner vollen Tragweite zur Verwirklichung getarnten. Auch die Millionen von Juden, die in jenen Gebieten wohnen, streben nach Sicherung ihrer nationalen Rechte. Die allgemeine Neuordnung muß sie zu dem ersehnten Ziele führen. Aber der Kampf hierfür ist hart und schwer. ln Galizien wie auchin derff neuen Pottaschen Reich versuchen die Polen mit brutaler Gewalt, jeden Ansatz zu einer nationalen Organisation der Juden zu ersticken; sie verhindern die Wahlen zu den nationalen jüdischen Körperschaften, lösen die jüdischen Versammlungen auf und verbieten die Konstituierung des Nationalrates. Gegen diese Vergewaltigung erhebt die zionistische Organisation — eingedenk ihrer nationalen Grundsätze und ihrer Forderung der Gleichstellung aller Nationen — den entschiedensten Protest Es darf nicht geduldet werden. ' daß Nationen, die gestern noch selber Minoritäten in einem größeren Staatsgebilde waren, heute, da sie auf Qrund ihrer nationalen Rechte an die Abgrenzung neuer Staaten herantreten, einem anderen Miflionenvoike auf demselben Territorium das gleiche nationale Recht verweigern. Von denen, die bei der Schaffung der neuen Weltordnung das entscheidende Wort sprechen, verlangt das jüdische Volk in allen Gebieten Oesterreich-Ungarns dieselbe Gerechtigkeit welche die anderen Nationen für sich beanspruchen. Als Nation anerkannt müssen die Juden das Recht erhalten, unverzüglich ihre nationale Vertretung zu organisieren, bei der Neugestaltung der Staaten als ein besonderes nationales Element mitbestimmend aufzutreten und ihre nationale Autonomie zu begründen. Wir ersuchen die zionistische Landes- und Sonderverbände, für die Sicherung der Rechte des jüdischen Volkes in den neuentstehendeu Staatswesen mit aller Entschiedenheit einzutreten. Die Zionistische Organisation, Kopenhagener Bureau: Dr. V. Jacobson. Auch die schlesischen Kultusgemeinden für die nationalen Forderungen. (Landesverband der Israelitischen Kultusgeraeinden für Schlesien.) Am 10. November 1 J fand im Sitzungssaals der israelitischen Kultusgemeinde Mähr.-Ostrau unter den hiezu neugewählten Delegierten eine Vollversammlung des Landesverbandes der israelitischen Kultusgemeinden Schlesiens statt. Mähr.-Ostrau wurde als Versammlungsort mit Rücksicht auf die günstige Lage und die Zugsverbindtmgen gewählt Die Israelitische Kultusgemeinde Mähr.-Ostrau wurde -als Gastgeberin zu der Verbandsversammhmg selbst zu Gast geladen. Es waren bei der Verbandsversammlung die Kultusgemeinden Troppau, Teschen, Bielitz, Oderberg, Jägerndorf, Wagstadt. Freiwaldau, Skotschau, Friedeck-Mistek, Freistadt und Mähr.- Ostrau vertreten und es waren die Rabbiner Sec Ehrwürden Herr Dr. Friedmann aus Troppau. Se. Ehrwürden Herr Dr Steiner aus Bielitz und Se Ehrwürden Herr Obstler aus Freistadt anwesend. Im ganzen nahmen 30 Personen an der Beratung teil. Von der Verbandsversammlung wurde ein* Entschließung einstimmig angenommen, die w ö r tlich mit der vom mährischen Landesverband aui dessen Verbandsversammlung vom 30 Oktober 1918 angenominellen Entschließung übereiltst i m m L (S. „Jüd. Ztg. vom 8. d. M.) Trotz der gegenwärtig ungeklärten Verhältnisse, nach denen es nicht leststeht, ob Schlesien ungeteilt bleibt oder welchen Staaten dessen einzelne Teile zufallen sollen, beschloß der Verband seine gegenwärtige Form aufrecht zu erhalten und es wurde nachstehende Verbandsleitung gewählt: Zum Präsidenten Herr Dr.Sonnenschei» (Troppau), zu dessen Stellvertreter Herr Salomo* P o 11 a k (Bielitz), zum Schriftführer Herr Dr. Wolf (Troppau), zu Beiräten die Herren! Dr. Silberstein (Teschen).Alois Reik, (Friedek), Leo VV e s t r e i c h, (J ägerndorf), Dr. Albert M e y e r, (Freistadt), zu Ersatzmitgliedem die Herren Zänker, (Oderberg) und Markus; (Wagstadt), zu Verinki-.toren die Herren Emil Spitzer (Skotschau) und Wasserberg (Freiwaidau). Es wurde eine Geschäftsordnung des Verbandes und der Verbandsleitung und ein Jahresbeitrag von 2 K per Steuerzahler jeder Kultusgemeinde beschlossen. Ueber einen gestellten Antrag auf Demokratisierung der Kultusgemeinden wurde auf di« demokratische Form der gegenwärtigen Wahlordnungen in den einzelnen Statuten der schlesischen Kultusgemeinden hingewiesen, im übrige* aber den Kultusgemeinden, so weit dies nicht der Fall wäre, die Einführung eines allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechtes empfohlen. Die Beschlüsse wurden mit völliger Einstimmigkeit und Einmütigkeit gefaßt und wir begrüße* es warm, daß die Not der Zeit alle kleinlichen Gegensätze zum Ausgleiche gebracht hat und würden wünschen, daß der- Landesverband im Schlesien, der bisher schon pace-maker war, in seiner seltenen Einmütigkeit auch anderwärts Vorbild werden und Nachahmung linden möge! Versammlung jüdischer Beamten. Der Jüdische- Nationalrait hat für den 14 November 1918 in den Saal des „Hotel Post“ eine Versammlung jüdischer Beamter und Bediensteter aller Kategorien des öffentlichen Dienstes etaberufen. Vor dichtbesetztem Saale und gefüllter Galerie begrüßte Herr Oberstaatsbahnrat Dr. Werner im Namen des Jüdischen Nationalrates die Erschienenen und setzte den Zweck der Versammlung auseinander. Ueber Antrag Dr. Qlücklichs wurde Oberstaatsbahnrat Dr. Werner zum Vorsitzenden, Oberarzt Dr. Emil Stein zum Beisitzer, ingenleur Fedor Ackermann zum Schriftführer gewählt Nunmehr führte in einem glänzenden Referate Dr. Otto Abeies die Lage der jüdischen Beamten und Bediensteten sowie die dringendsten Maßnahmen zum Schutze dieser Kategorien aus. Schließlich legte er der Versammlung nachstehend* Resolution vor, welche einstimmig angenommen wurde: „Die am 14. November 1918 im Saale des „Hotel Post“ versammelten jüdischen Beamten und Bediensteten aller Kategorien des öffentlichen Dienstes begrüßen die Gründung des ireie* deutschösterreichischen Staates und geloben feierlich, ihm tn treuer Pflichterfüllung zu dienen. Sie geben der Ueberzeugttng Ausdruck, daß statsbürgerliche Gleichberechtigung nicht mehr, wie es bisher war, bloß auf dem Papier stehen, sondern bei der Neuordnung der Ding» tatsächlich und völlig durchgeführt werden wird. Ein freier Staat freier Bürger darf nicht dulden, daß Stellen öffentlichen Dienstes anders als nach Eignung der Bewerber vergeben werden. Ein Ausschluß der Juden, wie er bisher via fakti bei vielen solcher Stellen praktiziert wurde; widerspräche dem Grundsätze der Gleichberechtigung sowie einer gerechten und zweckmäßigen Verwaltung und würde das Gemeinwohl Schädigern Das Bekenntnis zum Judentum, sei es in nationaler oder konfessioneller Richtung, darf den Angestellten des öffentlichen Dienstes iu keiner Weise zum Nachteile gereichen. Angesichts der unter dem Deckmantel radikalnationaler Gesinnung noch immer wirksame* reaktionären Strömung begrüßt es die Versammlung, daß der iüdische Nationalrat für Deutschösterreich eine Beratungs- und Rechtsschutzstella für. alle jüdischen Angestellten des öffentlichen Dienstes ohne Unterschied des nationalen Bekenntnisses eingerichtet hat.“ Hierauf referierte Dr. -Zölnig vom Standpunkte der Sekundär- und Assistenzärzte und unterbreitete der Vrsammlung nachstehende Resolution, welche gleichfalls einstimmig angenommen wurde: * „Die am 14 November im Saale des „Hotel Post“ versammelten jüdischen Hilfsärzte der Wiener Krankenanstalteu schließen sich vollinhaltlich der Resolution der Iüdische* Staatsbeamten an

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