Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 45 (8.11.1918)
- Date
- 1918-11-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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i'Sr. 45 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 fresse nichts wissen wollen und daß wir alle guten ■Elemente dieses Staates in ihrem Kampfe gegen ■diese Presse unterstützen werden. Wir erhalten vo:i einem unserer Leser die Abschrift eines Briefes, den er an die ..Neue Freie Presse“ gesandt hat. Der Einsender ersucht uns. die jüdische Oeffentlichkeit aufzufordern, daß alle Juden, die ein Reinlichkeitsgefühl besitzen, in ähnlicher Weise verfahren sollen. Wir geben den Brief im folgenden wieder: Mauthausen, am 31. Okt. 1918. An die ..Neue Freie Presse“ in Wien. Mit Rücksicht auf die Stellung Ihrer Zeitung gegenüber der jüdisch-nationalen Frage und iin Hinblick auf die Ausführungen des in Nr. 42 der ..Jüdischen Zeitung“ unter der Ueberschrift ..Geschichtsfälschung“ erschienenen Artikels bestelle Ich hiermit Ihre Zeitung ab. Ich bitte, nach Ablauf meines Abonnements die weitere Zusendung zu unterlassen. Z. Bretschneider. Gymnasialsuoplent. dzt. E.-F. Feldwebel in Mauthausen. oBoaoaoaoaoaoaoaoaoao RUNDSCHAU Inland * Prof. Massaryk für den Zionismus. Nach «mein Telegramm des Jüdischen Pressebüros iin Stockholm vom 2. November hat der Präsident ■des tschecho - slowakischen Nationalrates im Auslande, Prof. Massaryk, der zionistischen Organisation Amerikas die .Erklärung abgegeben, daß die Juden im tschecho-slowakischen Staate vollkommen gleiche Rechte erhalten werden. Er drückte seine lebhafte Sympathie für den Zionismus aus; er sei überzeugt, daß der' Zionismus nicht chauvinistischen Charakter hat, sondern die iHerbeifiihrung der Regeneration der Juden zum Ziele hat. * Die „Reichspost“ veröffentlicht den Bericht'einer Korrespondenz über die Gründung des Jüdischen Nationalstes und knüpft daran Bemerkungen bezüglich der „bewaffneten jüdischen .Selbstwehr“, von welcher in der Korrespondenz die Rede ist. Wenn es die „Reichspost“ bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen kann, die „bolschewistischen Elemente“ mit der „Jüdischen Selbstwehr“ in Verbindung zu bringen, so reiht sie sich damit dem Ton in der „Arbeiter-Zeitung“ an. Gerade von der „Reichspost“ waren wir in der letzten Zeit ein objektiveres Verhalten gewöhnt. Tatsächlich konstatiert auch die „Reichspost“ in ihrem letzten Bericht über die Verhältniisse in Wien folgendes: „ln der Leopoldstadt und besonders auf dem Nordbahnhof trat heute auch die „bewaffnete jüdische Selbstwehr“ an die Seite der Polizei. Sie oblag auf dem Bahnhofe der Aufrechterhaltung der Ordnung und übernahm den .Schutz der Juden in der Leopoldstadt, die allerdings gar nicht bedroht wurden. Im übrigen v ers.ajhen die zionistischen Wehrleute, die dem Staatsrate unterstellt sind, in einwandfreier Weise ihren D i e n s t.“ — Bei der jetzt herrschenden Begriffsverwirrung in militärischen Angelegenheiten ist es* schwer, der Oeffentlichkeit klar zu machen, daß es sich bei der „jüdischen Selbstwehr“ ledig- .lich um eine jüdische Gruppe der a 11 gern ed n e n. Wiener „S t a d t s c h u t z w a c h e“ handelt. ' * Die Israelitische Gemeinde in Nikolsburg hat an den Deutsch-südmährischen Vertretertag in Znadm, der den Anschluß an Niederösterreich forderte,‘ein Telegramm folgenden Wortlautes geschickt: Letzten Moment verhindert geben wir die 'Versicherung, daß, alles Trennende beiseite lassend,: Gemeindevertretung Stadtgemeinde II .an dessen Bewohner ohne Unterschied der Koniession unentwegt treu ihr Deutschtum wahren gewillt, den zu fassenden Entschlüssen zustimmt, in Erwartung, daß alles zum Heil des schwergeprüften deutschen Volkes sich wendet, den Herrn Abgeordneten ohne Unterschied, Parteistellung, diesen wackeren Kämpfern für Deutschtum und Freiheit, entbietet mit treudeutschem ■Gruß für die israelitische Gemeinde Nikolsburg Franz Deutsch, Bürgermeister.“ Diese kuriose Loyalitätsbeteuerung verdient denn doch angenagelt zu werden. Der Herr Deutsch spricht zwar für die Stadtgemeinde II, der auch Nichtjuden angehören, er möge aber sich dessen bewußt sein, daß die Juden es nicht dulden werden, daß ein israelitischer Funktionär derartige Erklärungen .ahgibt. Die Zeiten der israelitischen Anbiederungs- Politik sind ein für ^allemal vorüber. Ungarn * Eine zionistische Garde in Budapest. Beim Präsidenten der ungarischen zionistischen Organisation meldeten sich mehr als 200 jüdische Offiziere, die von der Front zurückgekömmen sind und baten ihn, die Aufstellung einer zionistischen Garde zu vermitteln. Prof. Strauß setzte sich sofort mitdem Staatssekretär im Kriegsministerium Friedrich ins Einvernehmen, der auch die Konstituierung der Garde selbst in die Hand zu nehmen versprach und eine Kaserne für die zionistische Garde in Aussicht stellte. * Es hat nicht sollen sein ... Es wird uns geschrieben: Vor kurzem war in den ungarischjüdischen Zeitungen folgendes zu lesen: „Unter dem Vorsitz des gewesenen Justizministers Dr. V a s z o n y fand eine Konferenz von Persönlichkeiten aus neologen Kreisen statt, um die 'Einberufung einer jüdischen. Landesversammlung vorzubereiten, die zu dier politischen Neugestaltung autoritativ Stellung nehmen soll. — Das hat man gelesen — und gestaunt. „Zur Neugestaltung Stellung nehmen"?*’Wie? Als Juden an die prophetischen Ideale der Völkerverbrüderung erinnern und darum gegen die Unterdrückung der „Nationalitäten“ seitens der „Nation“ protestieren? Dann das Selbstbestimmungsrecht der jüdischen Nation verlangen? Am Ende gar einen jüdischen Nationalrat für Ungarn gründen? Später las man es: „Um im Namen des gesamten neologen Judentums für die Erhaltung eines imperialistischen — Großunsarn zu demonstrieren.“ Aber Gott wollte es anders. Es kamen Ende Oktober die bekannten Umwälzungen und die Folge war: eine neologe Landesversammlung gab's nicht und ein Großungarn — g a b ‘ s. A. Sch. Schweiz * Erklärung des schweizerischen Bundespräsidenten. Der schweizerische Bundespräsident Calonder hat am 16. Oktober 1918 den Präsidenten des Schweizerischen Zionistenverbandes, Dr. S. Brnnschwig, und die Herren J. Marx und Fürsprech E. Goetschel als Delegation des Schweizerischen Zionfetenverbandes in längerer Audienz empfangen. Er hat seiner warmen Sympathie für die zionistischen Bestrebungen Ausdruck gegeben und die Hoffnung ausgesprochen, daß das zionistische Ziel einer gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina in Bälde sich gänzlich realisieren möge. Die zionistischen Bestrebungen werden nach Auffassung des Bundespräsidenten durch die künftige neue internationale Rechtsordnung (Völkerbund), die auf der Gleichberechtigung und gegenseitigen Achtung der Völker beruhen und die freie Entwicklung ihrer nationalen Eigenart schützen soll, wirksam gefördert werden. — Das vorstehende Kommunique wurde vom Bundespräsidenten mit folgendem Brief genehmigt: Bern, den 17. Oktober 1918. An den Vorort des Schweizerischen Zionistenverbandes, , Basel! Sehr geehrte Herren! Anläßlich der Ihren Delegierten Herrn Dr. Brunschwig, Herrn Marx und Henrn Fürsprech Goetschel gestern gewährten Audienz habe ich meiner warmen Sympathie für die zionistischen Bestrebungen Ausdruck gegeben. Der Glaube der Juden an ihre Zukunft und an ihre Mission verdient die Unterstützung der Menschheit. Sie haben den Wunsch geäußert, von mir zur Veröffentlichung einer Mitteilung an die Presse über diese Unterredung ermächtigt zu werden. Indem ich diesem Wunsche entspreche, übersende ich Ihnen anbei den -Wortlaut dieser Zeitungsnotiz. Genehmigen Sie, sehr geehrte Herren, den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung. 1 Beilage. sag.: Calonder. Luxemburg , * Die Juden in Luxenburg. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag berichtet, daß die russischen und galizischen Juden in Luxenburg von dem deutschen Militärbehörden den Befehl erhielten, Luxenburg zu verlassen. Griechenland * Eine Saloniker Kolonie in Palästina. In dem in Saloniki erscheinenden jüdischen Blatt „Pro Israel“ wurde letzthin der Gedanke der Gründung einer Kolonie aus Saloniker Juden in Palästina geäußert. Es ist vorgeschlagen, daß zunächst zehn Familien aus Saloniki nach Palästina auswandem sollen, um dort eine landwirtschaftliche Siedlung zu gründen, der sich später eine größere Anzahl Juden aus Saloniki anschließen sollen. Der Ort der Kolonie ist nochnicht bestimmt, immerhin wird verlangt, daß dieselbe in der Nähe eines Eisenbahnknotenpunktes errichtet und mit Zufahrtsstraßen und guten Wegen versehen werden solL Die „Anglo Jewfeh Press Agency“ meldet, daß die griechische Regierung ihre Zustimmung zur Bildung einer Palästinalegion aus Saloniker Juden gab. Rußland * Die jüdische Legionsbewegung in Rußland. In Charhin haben sich 5000 jüdische Freiwillige versammelt, die sich über Wladiwostok nach Palästina begeben wollen, um sich dort den jüdischen Truppen anzuschließen. England * Sir Alfred Mond für den Nationalionds. Aus London wird telegraphiert: Das Parlamentsmitglied Sir Alfred Mond verpflichtete sich, durch 5 Jahre dem Jüdischen Nationalfonds jährlich 5000 Pfund zu spenden. * Havas über die Stärke der Jüdischen Legion. Ein Havasbericht meldet, daß die Truppen des Königs von Hedschas beim Beginn des neuen Feldzuges in Palästina 400 Mann zählten. Im Laufe der Operationen stieg die arabische Streitmacht auf 10.000 Mann._ Was die jüdischen Truppen in Palästina betrifft, liegen noch keine genauen Ziffern vor. E’och ist bekannt, wie das Jüdische Körrespondenzbureau im Haag meldet, daß sich in Palästina allein mehr als 1000 Juden dem jüdischen Regiment anschlossen. Die Zahl der jüdischen Truppen, die aus England. Kanada, den Vereinigten Staaten und Aegypten kamen, dürfte mindestens 10.000 betragen. Wiewohl die jüdische Legionsbewegung noch nicht zu voller Entwicklung kam und insbesondere den jüdischen Legionären in Rußland die Möglichkeit fehlte, nach Palästina zu gelangen, ist dennoch der jüdische Anteil an den Gefechtsoperationen in Palästina ein bedeutsamer. Ein Bericht aus Jaffa meldet, daß die jüdischen Truppen sich mit besonderer Bravour schlugen und die türkischen Stellungen in unwiderstehlichem Ansturm nahmen. Alle englischen Offiziere rühmen den Mut, die Unerschrockenheit und Tapferkeit der jüdischen Legion. * Die Palästina-Kommission. Dein „Kopenhagener Zionistischen Bureau" wird aus London telegraphiert: Die Zionistische Kommission ist im Begriff, sämtliche Kolonien in Samaria und Galiläa zu besuchen. Die Mitglieder der Kommission. Dr. Eder und KavalKere Bianchini, haben bereits Chedera und Sichron Jacob besucht und festgestellt. daß der Zustand dieser beiden Kolonien günstiger isi. als man nach den Ereignissen der letzten Wochen erwartete. Immerhin bedürfen die Kolonisten größerer Geldmittel, um das zerstörte Eigentum wiederherzustellen, ihre Farmen zu renovieren und das geraubte Vieh zu ersetzen. Ueberhaupt macht die jetzt erfolgte Ausdehnung' des Tätigkeitsgebietes der Zionistischen Kommission die Anschaffung größerer Hilfsmittel notwendig. Insbesondere werden Mittel benötigt, um die Evakuierten wieder in ihren Wohnstätten anzusiedeln. Die Zionistische Kommission erwartet, daß die jüdischen Hilfskomitees in allen Ländern bedeutende Beiträge zur Verfügung stellen werden. * Die Zionisten und der englische Sieg In Palästina. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag meldet: Nahum Sokolow richtete folgendes Telegramm an AHenby: „Die zionistische Organisation, die mit tiefster Anteilnahme den bewunderungswürdigen Erfolgen Ihrer ruhmvollen Armee in Palästina folgte, sendet Ihnen, Ihren Ofizieren und den Mannschaften, die unter Ihrem Kommando stehen, ihre herzlichsten Glückwünsche zu Ihrem letzten glänzenden Sieg.“ In seinem Glückwunschtelegramm an Lloyd George sagt Sokolow u. a.: „Das jüdische Volk begrüßt mit unbändiger Freude diesen Sieg, der eine Erweiterung der Sphäre der Freiheit und guten Regierung in seinem Heimatland bedeutet.“ — General Allenby richtete an Dr. Eder, der ihn namens der zionistischen Kommission zu seinem Siege beglückwünscht hatte, folgendes Telegramm: „Ich pnd die Armee, die unter meinem Kommando stehr. sind stolz, das Instrument! gewesen zu sein, das Ihr Land von der Unterdrückung befreiten.“ * Rückkehr Prof. Weizmanns. Ein Telegramm des Londoner Korrespondenten des Jüd. Korrespondenzbiiros im Haag meldet: Prof. Weäzmann ist aus Palästina nach London zurückgekehrt. Prof. Weizinann ist mit den Ergebnissen seiner Reise sehr zuirieden. Das Mitglied des Großen Aktionskomitees der zionistischen Organisation J. Simon hat sich aus dem Haag nach London begeben. - * General Allenby und die Juden. General ’ Allenby richtete folgendes Telegramm an die Redaktion des Londoner „Jewfeh Chronicle“: Empfangen sic meinen wärmsten Dank für Ihre Glückwünsche, die ich meinen tapferen jüdischen Mitkämpfern übermitteln werde. Ich’ bin stolz darauf, daß diese tapferen Juden unter meinem Kommando stehen. Holland * Das -Zionistische Reich“. Die führenden holländischen Blätter, insbesondere der „Nieuwe Rotterdamsehe Courant“ und das „Amsterdamer Allgemeene Haitdelsblad“ bezeichnen als eine wichtige Folge des mit der Türkei abgeschlos- ■senen Waffenstillstandes das Entstehen eines zionistischen Reiches in Palästina unter englischem Patronat. Spanien * Auszeichnung jüdischer Persönlichkeiten in Madrid. Der bekannte Schriftsteller und Zionistenführer Max Nordau, der seit Kriegsbeginn sich in Spanien aufhält, wurde zum Ehrenmitglied der medizinischen Akademie in Madrid ernannt. Die historische Akademie in Madrid ernannte den jüdischen Gelehrten Richard Gottheil in New-York und Herrn Tgnace Bauer in Madrid zu ihren Mitgliedern. Palästina * Bankgründung. Der „Banco di Roma“ errichtet in Jerusalem eine Filiale. * Das Klima Palästinas. Palästina bietet für die verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen vielseitiges Material, weil dieses kleine Mittelmeerland in klimatischer, meteorologischer und historischer Beziehung zu den merkwürdigsten Teilen der Erde gehört. Während der Hermon in ewigem Schnee den Beschauer grüßt, gehört das Jordantal zu den heißesten Erdgegenden überhaupt, wie neuerdings durch jahrelange Beobachtungen Prof. Blänkenhorn mit wissenschaftlicher Zuverlässigkeit ermittelt hat. Temperaturmessungen haben besonders am See Genezareth und in der Umgebung von Jericho stattgefunden. Eine dieser Stationen zwischen Jericho und dem Toten Meer liegt 300 Meter unter dem Spiegel des Mittelmeeres, auf dieser ungewöhnlichen Tatsache beruht zum großen Teil die außerordentliche Erhitzung des Bodens, die hier ein Jahresmittel von mehr als 28 Grad hervorbringt. Dieser übermäßigen Erwärmung entspricht auf der anderen Seite eine ebenso übermäßige Trockenheit und eine höchst bedeutende Verdunstung der vorhandenen Wasserflächen. Dr. Schoy weist in der „Zeitschrift für Balneologie“ noch eine besondere Ursache für die Hitze im Jordantal nach, daß sich die Luit aus der Umgebung föhnartig in die versenkte Landwirtschaft hinabstürzt und sich dabei in ähnlichem Grade erwärmt, wie cs vom Alpen-