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Jüdische Zeitung · 1918-11-08 · 45 (8.11.1918) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
45 (8.11.1918)
Date
1918-11-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sehe 6 JÜDISCHE ZETTUNO Hf. 45 föh* bekannt genugist Heile Winde, die mH dem eigenen Namen Backofenluft belegt werden, werden von den Beobachtern im Jordantal vielfach erwähnt, auch die unvergleichliche Durchsichtigkeit der Luft erinnert an die .Alpenföhne, von denen die bekannte Warnung in den Weißbüchern lautet: Bei ungewöhnlich guter Aussicht von einem Berggipfel müsse man sich schnellstens nach einem guten Quartier in Sicherheit bringen, weil dann ein Unwetter unvermeidlich bevorstehe, wie es eben der Föhn in den Alpen anzeigt Uebrigeus wird gerade Jericho wegen dieses Klimas als Kurort für Lungen-, Gicht- und Nierenkrankheiten empfohlen und in dieser Hinsicht den im Frieden vielbesuchten ägyptischen Bädern an die Seite gestellt Zweifellos wird nach Wiederkehr normaler Verhältnisse Palästina als Fremdenland eine große Zukunft haben und einen Teil des ägyptischen Fremdenstroms an sich ziehen. Palästina unter britischer Verwaltung, In der Jaffaer hebräischen Wochenschrift (Chadaschoth m'Haarez), .welche auch als offizielles Organ der englischen Okkupationsregierung fungiert setzt ein Berichterstatter die Vorteile auseinander, die die britische Verwaltung in Palästina zeitigte. In vier Hauptpunkten läßt sich . die Verbesserung feststellen, die im Verlaufe von neun Monaten sich vollzogen hat Erstens das Ver kehr s w esen. Es gab früher nur zwei gute Wagenwege — von Jaffa nach Jerusalem und von Jerusalem nach Hebron — und nur mit großen Unkosten and großer Mühe konnte man das Land außer den gewöhnlichen Pfaden bereisen. Jetzt sind gute Wege ' überall geschaffen worden. Zweitens ist das M ü nzvesen geregelt worden; jetzt sind überall 'die gleichen Münzen im Umlauf und mit dem ganzen' Schwindelgeschäft des Geldwechsels ist aufgeräumt worden; damit ist ein großes Hindernis für den'Handel und den Verkehr aus dem Wege geschaffen. Drittens haben die Einwohner die neuesten Erzeugnisse der europäischen Wissenschaft kennen gelernt was für die Erziehung der Kinder von großer Bedeutung ist Viertens äst Jerusalem mit reinem Wasser versorgt worden und seine Straßen werden sauber gehalten; für die Gesundheit und Beouemlicbkeit der Einwohner ist das von größter Bedeutung: Amerika -; * Erregung rf« Amerika Aber die polnischen Judenverfolgungen. Nach einer Londoner Depesche' hat sich in Amerika laüt Pressenachrichten der jüdischen Kreise eine starke Erregung wegen der Behandlung der Juden durch die Polen bemächtigt Ebenso wird der heftigste Unwille über die Maßnahmen der deutschen Regierung betreffend den, Grenzschluß laut * Amerika und der'Zionismus. Dem Jüdischen KoirespoiLdmizbürö. :im:Haag,^-wird .aus London berichtet: Anläßlich der Befreiung Palästinas von der türkischen'-Herrschaft wurden von der ame-— rikaiHschen zionistischen Föderation große Volksversammlungen ln. New-York und den anderen Städten der: Vereinigten Staaten veranstaltet in denen General Allanby als Befreier Palästinas gefeiert wurde.' . Münster Daniela erklärte bei einer dieser 'Versammlungen, daß Amerika für die jüdische Nation ebenso mntreten werde, wie für alle anderen unterdrückten Völker und das jüdische Palästina nach Kräften unterstützen werde. * Die medizinische Expedition der amerikanischen Zionisten. Die medizinische Expedition der amerikanischen Zionisten hat, wie die „Anglo Jewish Press Agency“ meldet ihren Hauptsitz in Jerusalem aufgeschlagen. Sie ist im Rothschildspital untergebracht. Sie hat im Interesse des Gesundheitszustandes der Bevölkerung sanitäre Vorschriften erlassen. Zionistische Bewegung Die Vertrauensmfinnerkonferenz der zionistischen Landeskonferenz in Lemberg (Von unserem Korrespondenten.) Der Einladung der Parteiexekutive zur Parteisitzung am 27. Oktober folgten mehr als 100 Vertrauensmänner aus fast allen größeren Städten und Städtchen Galiziens. Auf der Tages- ~ Ordnung standen: I. Das Palästina-Referat; 2. das politische Referat und 3. die Frage des wirtschaftlichen Wiederaufbaues GaEziens. Unter den Teilnehmern bemerkte man als Vertreter des Wiener Exekutiv-Komitees Staatsbahnrat Gg. Robert Stricker ans Wien, Rabbiner Gedalie Schmelkes aus Przemysl, Rabbiner Dr. Samuel Guttmann (Lemberg), die Gg. Eidinger und Dr. Marens Krämer ans Czeraowitz. Nach Eröffnung der Konferenz durch den Vizepräsidenten des Exekutiv-Komitees Gg. Dr. Schmorak, welcher über die geleistete Arbeit -"«eit der letzten V. M. IC berichtete und die Resignation des bisherigen provisorischen Exekutiv- Komitees mitteälte und - nach Absolvierung der üblichen Fonmalitäten wurde ein Konfefenz- Präsidium wie folgt gewählt: Rabb. Gedalie Schmelkes als Ehrenpräsident, welcher, ovatiös akklamlert, mit Tränen in den Augen für die Ehrung dankte, Dr. Zimmermann (Krakau) als Vorsitzender, Ing. Zlatkes (Krakau) Dr Sussmann (Stanislau) und Oswald Schargel (Lemberg) als Stellvertreter, Dr." Anselm Kleinmanu und N. Appel als Schriftführer. Gg. Dr. Alexander Hausmann hielt das Palästinareferat Der Referent befaßte sich eingehend mit allen Frage* des wirtschaftliche* Wiederaufbaues und Umbaues des Landes und schlug mehrere Resolutionen vor, welche einer ad hoc gewählten Palästihakommisrion zur Durchberatung übergeben wurden. Als zweiter Referent über die politische Lage und unsere Aufgaben in der Landespolitik sprach Gg. Dr. Michael Ringel und als Korreferent Gg. Dr. Leon Reich. Ersterer entwickelte in allgemeinen Strichen ein. Bild der gegenwärtigen politischen Situation und formulierte unsere Forderungen hinsichtlich der äußeren und inneren Politik dem Staate und den Nachhamationen gegenüber. Der Zweite unterbreitete ein politisches Programm. Ferner befaßte er sich mit der' Frage des Nationalrates und eines Kompromisses mit den anderen nationalen Parteien in Sachen des Nationalrates. Beide Referenten unterbreiteten ihre Thesen und Resolutionen der durch die V. M. K. gewählten politischen Kommission zur eingehenden Durchberatung und endgültigen Redaktion der Resolutionen. Zum Schlüsse referierte Gg. Dr. Josef Tannenbaum über die Probleme des Wiederaufbaues der galizischen Städte im Hinblicke auf die jüdische Bevölkerung, wobei er ein detailliertes jüdisches Wirtschaftsprogramm entwickelte. In der sich hierauf. entwickelnden Debatte, welche den ganzen Nachmittag bis spät in die Nacht hinein dauerte, nahmen die meisten Ver- - trauensmänner das Wort, um zu den einzelnen , Fragen Stellung zu nehmen. Es sprachen unter den vielen auch die Gg. Robert Stricker, Ei di n g e r, Dr. Marcus Krämer, Nathan Melzer, Dr. Zimmermann, Dr. Waldmann, Redakteur Möses Waldmann, Dr. Gerr son Zipper. Parallel zu dem Plenum berieten die einzelnen Kommissionen, zu denen noch der durch die Konferenz gewählte Permanenzausschuß über die Frage der neüeinzusetzenden Parteileitung kam. Am nächsten Tage, d. L am Montag, den 28. Oktober legte der Permanenzausschuß und die Kommission ihre Beschlüsse dem Plenum vor, welches säe nach durchgeführter Debatte — die den ganzen Vormittag in Anspruch nahm — annahm. Uni 2 Uhr nachmittags wurde die Konferenz mit einer rührenden Ansprache des Rabbiners Gedalie Schmelkes geschlossen, indem noch ein neues Exekutivkomitee mit den Gg. Dr. Michael Ringel und Dr. Leon Reich als Duumvirat an der Spitze gewählt worden war. Die gefaßten Resolutionen und Beschlüsse werden wir in der nächsten Nummer veröffentlichen.*) Ben Mordechai Wiener Nachrichten , Kundgebung der^Wleher israelit. Kultusgenieinde Unmittelbar vor RedaktionsschluI erhalten wir von der Kultusgemeinde' folgendes Kommunique: In der am 5 November 1918 untler dem Vorsitze des ersten Vizepräsidenten, Hofrates Dr. Benjamin Rappaport stattgehabten Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde wurde folgender Aufruf beschlossen: . „An die Mitglieder d. Wiener israelitischen Kultusge.meinde. Der Ernst der Zeit,., die Sorge für unsere Gemeinde und ihre Angehörigen erfordern den festesten Zusammenhalt aller Juden. Jeder Unterschied in politischer, religiöser und nationaler Beziehung, muß zurücktreten, um die Juden Wiens und ihre Gemeinde — das größte und wichtigste Zentrum der Juden Deutschösterreichs— in diesen schweren Tagen nicht unnötigen Erschütterungen ausz'usetfcen. ' Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde richtet diesen Appell ah alle jüdischen Bewohner Wiens, angesichts der vor kurzem erfolgten Proklamierung des Jüdischen Nationalrates für Deufcschösterreich, dessen Schaffung bei allen in Wien lebenden Juden Beunruhigung hervorgerufen hat, die nicht auf dem Boden des jüdischen Nationalismus stehen und in dem Aufgeben des Standpunktes, daß die Juden nur eine Glaubensgemeinschaft sind, eine Gefahr in sozialer und wirtschaftlicher Beziehung erblicken. Nach der festen Ueberzeugung des Kultusvorstandes bilden diese Juden die zweifellose Mehrheit in Wien und Deutschösterreich. Diese; Mehrheit'will aber die Minderheit nicht unterdrücken, so wenig sie sich selbst zu Anschauungen zwingen lassen will, die sie nicht teilt, Der Vorstand hegt die Hoffnung, dal ein Ausgleich der Gegensätze nicht im Kampfe, sondern im Wege gegenseitiger Verständigung gelingen werde. Unter den jetzt bestehenden Gegensätzen darf jedoch — darüber , sind beide Parteien einig — die Lösung jener Aufgaben nicht, leiden, die im gemeinsamen Interesse gelegen und dringlich sind. Zu desem Zwecke wird aus der Mitte des Kultusvorstandes eine Perrnanenzkommission gebildet, in der beide Parteien vertreten sein werden, und die rieh mit allen besonderen Fragen zu befassen haben wird, die aus der gegenwärtigen allgemeinen Lage sich; eigeben,-insbesondere aber mit der Ausarbeitung des Entwurfes einer neuen Wahlordnung auf demokratischer Grundlage. Diese Kommission wird ihre Tätigkeit *) Die Resolutionen sind bisher nicht eilig elamgt, da zufolge der Ereignisse der Posiverkehr gestört ist solange fortsetze», bis. nach erfolgten NeuwaUM. der Wille und die Anschauung der Gememdcmnglieder unzweifelhaft feststehen. und in einem *eif» gewählten Vorstande Ausdruck gefunden kaba* werden. Der Vorstand erklärt schlieliich, dal to: Schaffung eines Jüdischen Nationalrates Hr Deutschösterreich und auch die angestrebte Anerkennung der Juden als Nation keinen wj-* immer gearteten Zwang für den £i zelnen bilden wird und darf. Jedem Juden wird und muß es vollkommen freistehe'*, nach seiner Ueberzeugung sich zü jeher Nation zu bekennen; der er sich zugehörig fühlt. In keinem Falle aber —- und dies betont der Vorstand »i> allem Nachdruck — wird den volle:*. Rechten und vollen Pflichten d>.r Juden als Staatsbürger Deutsch-. Österreichs, dem sie in hingebu*sg>- voller und opferbereiter Treue *tgeben sind, Eintrag geschehen. Der Vorstand bittet, unter allen Umstände*. - Und unbeirrt durch etwaige Aeußerunge» ujnä Handlungen extremer Elemente, treu zur Gemeinde zu stehen. - Der Vorstand der israelitische* Kultusgemeinde Wien.“ Lokaleinteilunt des Zionistischen Böres. Die Büros der- Zionistischen Organisation, die infolge der herrschenden Wohnungsnot bisher nicht einheitlich imtergebracht werden konnten, sind bis auf weiteres iolgendermassen disloziert: Zionistisches Zentralkomitee und Redaktion der Jüdischen Zeitung: 1L Tabor Straße 20a. Jüdischer Nationaifonds, Zentralkassa für all# zion. Sammlungen, Administration der Jüdisch®* Zeitung, Rechtsschutzbüro: II. Zirkusgasse 33. Zionistisches Distriktskomitee, Jüdisches Jugendamt, Studiengruppe für jüdische Erziehwsi, Zionistischer Zeotralvereän.: II. Pra.t*r-- s f r a ß e 43. Die Kanzlei des Pädagogiums und der pädagogischen Kurse befindet sich im Jüdische* Jugendheim, II. 0 b e r e D o n a u s t r. 91. Alle Geldsendungen sind zu adressiere* a* das Büro in Wien, II. Zirkusgasse 33. Das Armen-Ambulatorium bleibt bis anf weiteres geschlossen. Der Jüdische Nationalvereln ln Oesterreich veranstaltet mit den jüdischen Frauenorganisationen Wiens eine Versammlung am Sonntag» den 10. November um 4 Uhr nachmittags ü* Reichshallensaale, I. Dorotheergasse 6, mit der Tagesordnung „Die Aufgaben der jüdischen'Frau“. Es werden sprechen Frau Anitta Müller, .Frau . Erna Patak, Frau Eva Salz, Frl; Röhätyn it” sc’" Der Bibel-Abend Lia Rosen findet nunmehr definitiv Sonntag, den 17. November Uhi 7 Uhr abends im Großen Musikvereinjfcsaale statt. Lia Rosen liest unter anderem Simsons Fall, Elend und letzte Rache, ferner: Aus dem Hohen Liede Salomonis (mit Orgelbegleitung.) Weiters bringt Cellovirtuose Hugo Kreisler das „Kol-Nidrei“ von Bruch und „ContabUe“ vo* Cesar Cui zum Vortragie. Karten von 2 bis J2 Kronen an der Musikvereinskasse, I., Karlsplart Nr. 6; bei Kehlendörfer, I.,'Krugerrilraße 3, io der Buchhandlung Löwit, I., Rotenturmstraße 22 und im Zionistischen Zentralbüro, II., Zirkusgasse 22t. Vortrag Oberrabbiner Dr. Chales. Ap 28. d. M. hat im Festsaale des n.-ö. Gewerbevereines der erste öffentliche Vortrag des Herr* Oberrabbiners Dr Chajes in Wien auf Einladung der Lese- und Redehalle jüdischer 'Hochschüler ft* Wien stattgefunden. Daß das Interesse das denkbar größte war und eine große Zahl Einlalheischender abgewiesen werden mußte, braucht . nicht erst gesagt zu werden. In einfach-schlichter Weise ließ der Vortragende Bilder aus dei* - reichen Kulturleben des Ghettos von Venedig ii* 17. Jahrhundert vor den Hörern erstehen, führt* aus, wie sich die Juden dort, wie immer und überall, als Volk des Buches bewährt,- aber auch im öffentlichen und wirtschaftlichen Leben Her- - vorragendes geleistet und weitreichenden Einfluß erlangt haben. Als dann die Ghettomauer* fielen, hat sich in Venedig gezeigt, was sich auch in allen anderen Ghettis erfüllt hat: Wenig« Jahre, längstens aber ein Menschenalter haben genügt, um die Juden, die das „Lernen“ in allder Zeit auch nicht für einen Tag unterbrochen hatten, auf die Kultur der umgebenden Völker zu. bringen und zu den bedeutendsten Leistungen zu . befähigen. In unseren Tagen hat sich.das russisch# Ghetto geöffnet; auch hier wird sich das gleich* Spiel wiederholen; wir aber hoffen, daß all di* - freiwerdenden Kräfte nicht Rußland, sondern unserer neu erstehenden Heimat in Erez Israel zugute kommen und unsere Auserwähltheit zü großer Kulturmisrion dartnn werde. Ober-' rabbiner Dr. Chajes wird seine Vorträge Htägig . fortsetzen; das Thema des nächsten Vortrages . lautet: „Die Juden im heidnischen Rom.“ Zeit and. Ort werden rechtzeitig bekanntgegeben werde*. Wiener Versammlungen Dienstag, den 5. d. M. fand im Konzerthaussaal eine große Versammlung der orthodox«* . Juden statt, einberufen vom Verein „Jischm*. Erez Israel“. Der Saal war überfüllt Den- Vorsitz führte Rabb. Friedmann aus Sadagoftf; es sprachen Oberrabb. Dr. Chajes, Dr.- Ra&- paport, Rabb.- Schmelkes (Przemysl), Obti Wallach für die Soldaten u. a. Wir werde*, über diese überaus bedeutungsvolle V.ersamml*n|, die den Jüdischen Nationalrat begrüßte, *ockrenauer berichten, ebenso Iber .di* grole Sttd*ntenv*nsamml«ng am Mittwoch.

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