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Jüdische Zeitung · 1918-11-08 · 45 (8.11.1918) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
45 (8.11.1918)
Date
1918-11-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 45 Seite & JDnjSCÖE ZKITUNO trau« entgegenb ringt, gelobt, ihm bei seiner Arbeit für die Interessen unseres Volkes Treue und unbedingte Gefolgschaft In gleicher Weise haben auch die jüdische Turnerschaft und die Organisation der „Schomrim“ den Nationalrat im schriftlichen Weg feierlich begrüßt " Es wird sodann Ln die Verhandlungen eingerangen. Herr Adolf Böhm erstattet das Referat über die Vorschläge des vorbereitenden Ausschußes auf Erlassung eines Manifestes an «as jüdische Volk in Deutschösterreich und verliest dieses Manifest, dessen Text genehmigt wird. Weiters legt Referent die Grandzüge des Memorandums vor, welches der deutschösterreichischen Regierung überreicht wird. An das Referat knüpft sich eine längere Debatte, nach deren'Abschluß die Anträge des Referenten genehmigt werden. Herr Dr. Schalit richtet einen Appell an die Versammlung, in dieser bedeutungsvollen Stunde den Blick stets nach Zion gerichtet zu halten. Die nächste Sitzung wird auf schriftlichem Wege bekanntgegeben werden. Als Exekutive des Natibnalrates führt das Präsidium bis zur Annahme eines Organisationsplanes die Geschäfte. Das Büro des Jüdischen Nationalrates befindet sich in Wien, II., Taborstrage 30a. Pogrome in Galizien und Ungarn Die Neuordnung hat schon die ersten katastrophalen Folgen für die Juden auf dem Gebiete der «hemaligen Monarchie zur Folge gehabt Aus vielen Städten Galiziens treffen fürchterlich* Nachrichten ein. Di# polnische Bevölkerung hat die Juden überfallen und nicht nur geraubt und geplündert, sondern auch nach echt russischem Muster in bestialischer Weise geschlagen und gemordet. In mehreren Orten soll die ganze jüdische Bevölkerung erschlagen und massakriert worden sein. Nähere Einzelheiten fehlen bis zur Stunde. Es scheint, daß die Besetzung Lembergs durch die Ukrainer den Vorwand für diese Unmenschlichkeiten bietet. Wie schon seinerzeit nach dem Brester Frieden die Polen den Juden die Schuld an dem Verluste des Cholmer Landes zugeschrieben haben, und die polnischen Demonstrationen damals dazu mißbrauchten, um über die. Juden herzufallen, so machen sie auch jetzt ihre Streitigkeiten mit den Ukrainern zu einem . Aigriffsgrund gegen die Juden. Es muß mit allem Nachdruck betont werden, dal das jüdische Volk nicht mehr gewillt ist, seine Kinder schutzlos und wehrlos den Instinkten einer entfesselten Menge preiszugeben. WiT weiden auf der ganzen Welt flammenden Protest erheben und wir werden alle Faktoren und alle Mächte, die die Lesung der Gerechtigkeit und Freiheit auf ihr Banner geschrieben haben, gegen diese Unmenschli.chkeiten mobilisieren. Wir fordern den Präsidenten Wilson und die verbündeten Mächte, aus deren Hand die Polen ihr neues Reich empfangen wollen, auf, sich der schutzlosen Juden mit aller Energie und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln anzunehnren, und es nicht zuzulassen, daß die von ihnen proklamierte neue Weltordnung mit solchen den neuen Geist schändende» Ereignissen beginne. Die Ehre der ganzen Welt bleibt für alle Ewigkeit befleckt, wenn diese Schandtaten keine Sühne finden. Wir fordern, daß Bürgschaften geschaffen werden, die solche Vorkommnisse ein für allemal unmögeine supplementäre, wie Rosenfeld es (siehe obiges Zitat) selbst sehr richtig definiert Da die Vorschläge Rosenfelds nur in sehr großen Umrissen gegeben werden, so erhellt nicht, wie er sich die Lösung jener Fragen ün einzelnen vorstellt Jeder Ausbau des Programms wird aber die hier angedeuteten Schwierigkeiten zu berücksichtigen haben. Sicherlich wird aber jede Konstruktion einer jüdischen Autonomie sich auf die Gemeinden stützen müssen, und dies ist auch der leitende Gedanke der Arbeit Rosenfelds, dem er auch am Schlüsse seines Buches Ausdruck gibt in folgenden Worten: „Die jüdische Gemeinde ist die einzige Grundlage, auf welche die jüdische Bevölkerung sich stützen kann, sie ist die Zelle des zukünftigen gesunden Organismus. Darum darf keine noch so große Mühe gescheut werden, keine Opfer sind zu groß, um den gesunden Aufbau der jüdischen Gesellschaft ln der Zerstreuung zu ermögliche«.“ " 11 Max Rosenfeld leitet sein Bnch mit einer Untersuchung über das Wesen des jüdischen Nationalismus ein. Wenn er darin naturgemäß auch nichts Neues sagen kann und weitaus davon entfernt ist. eine vollständige Analyse zu geben, so ist seine Darstellung dennoch hi der Art der Betrachtungsweise originell, und der Abschnitt enthält auch eine Reihe treffender Einzelbemerkungen, wie: Die jüdische Volksmeinung im -Ghetto war „wie der Chor ln der antiken Tragödie“, oder: „Das Mittelalter der Juden dauert fast bis ans Ende des 18. Jahrhunderts“ u. a. m. Nur in der Analyse der Religion geht er nicht sehr ln die Tiefe. Er sagt, wieder mit glücklicher Terminologie, daß die altjüdischen Führer die national# Idee sakrifiziert, gleichzeitig aber die Religion säkularisiert haben. Wenn er ab«r weiterli.ch machen. Wir fordern, daß Präsident Wilson dem-polnischen Volke klar mache, daß cs jeden Anspruch aui Freiheit verwirkt hat, wenn es sich nicht reif und würdig für diese Freiheit erweist und wenn es die neue A era mit einer Vergewaltigung und brutalen Verletzung der primitivsten Grundsätze der Menschlichkeit gegenüber einer schwachen Minderheit beginnt. * Auch aus der ungarischen Provinz kommen sehr beunruhigende Nachrichten. In Preßburg haben Exzesse stattgefunden und in ganz Nordwest- und Nordungarn ist die Bevölkerung gegen die Juden tätlich vorgegangen. Vor allem bandelt es sich dabei um das Gebiet der Slowakei, welches dem neuen tschechoslowakischen Staate angegliedert werden soll. Das tschechische Volk hat es verstanden, in Böhmen tadellose Ordnung zu bewahren und die Neuordnung fiat sich dort ohne jede Störung und ohne jede Beeinträchtigung von Leben und Eigentum der Bewohner vollzogen. Es ist eine Pflicht des tschechischen Staates, dafürSorge zu tragen, daß auch In seinen neuen Gebieten Ausschreitungen vermieden werden. Die Juden haben in diesen Gegenden eine bedauerlich falsche Politik gemacht Sie haben sich der ungarischen Majoritätsnation in allzu bereitwilliger Weise angebiedert Daher entlädt sich jetzt der Zorn der befreiten Bevölkerung gegen die Juden, in denen sie die Repräsentanten der magyarischen Unterdrücker sehen. Das sind die Folgen der verblendeten assimilatorischen Politik. vor der die einzigen einsichtigen Elemente im Judentum, nämlich die jüdischnationalen Politiker, immer gewarnt haben. Dennoch können wir es nicht zulassen, daß die slowakischen Massen auf die Juden losgelassen werden. Dies kann auch nicht in den Intentionen des tschechischen Nätionalausschusses liegen und es ist notwendig, daß die tschechische Nationalregierung in Paris seitens der Entente unzweideutig darüber aufgeklärt wird, daß solche Vorkommnisse nicht geduldet werden. Das Judentum der ganzen Welt muß mit allen Mitteln verbieten, daß die Juden, die am Weltkrieg am unschuldigsten waren und doch schon im Kriege am meisten gelitten haben, nun auch das erste Opfer des Friedens werden. Antisemitische Kooperation Die „Arbeiter-Zeitung“ vom 3. November enthält folgenden Bericht: „Auch gestern, fand vor dem Deutschmeisterdenkmal eine Soldatenversammlung statt, die aber ein anderes Gepräge hatte als am Vortage. Es waren etwa zweihundert Soldaten am Platze, aber vorwiegend ganz junge Leute, vielfach auch aus Kanzleipersonalen, denen man es ansah, daß sie im Zivilverhältnis sogenannte Intelligenzler bürgerlicher Herkunft sind. Sie waren offenbar alle Anhänger einer mit der Arbeiterschaft nicht in Fühlung befindlichen, sich überaus radikal gebärdenden Gruppe, deren Führer dem Zionismus ebensr nahestehen wie dem Anarchosyndikalismus. dessen Schlagworte sie sich zu eigen gemacht haben. Unsere Partei ist ihnen zu wenig radikal und zu „national“, sie stellten sich offenbar vor, daß es Demokratie wäre, wenn ein paar volksfremde Schreihälse, die keine Möglichkeit finden, sich innerhalb ihres eigenen Nationalstaates zu betätigen, einfach die Macht über die deutscheste! reichischen Arbeiter und Bauern, ohne Rücksicht auf die Gesinnungen der Mehrheit, an sich rissen. Solche Meinungen kamen in den Reden zum Ausdruck.“ hin die Religion bloß als die „äußere Hülle“ für den nationalen Kern erklärt, so heißt dies, daß die jüdische Religion — was ja auch die um Chamberlain behaupten — keinen wirklich religiösen Kern enthalte Dies ist natürlich durchaus unrichtig, denn selbst die Auserwählungsidee hat nur den Sinn, daß die Juden zu einer bestimmten religiösen Aufgabe ausersehen seien: Ihr sollt mir sein ein Volk von Priestern, ein heiliges Volk. Selbst in dieser Idee liegt also kein profaner Nationalismus eingeschlossen. Eine besondere Rolle für die nationale Erhaltung weist Rosenfeld der jüdischen Sprache zu. Dies ist unbestreitbar, doch ist die Frage von heute die, ob unter den bestehenden Verhältnissen die jüdische Sprache Bestand haben kann. Darüber hat Rosenfeld eine ganz positive Meinung. Er sieht in dem Aufblühen der jüdischen Literatur einen ähnlichen Vorgang, wie den der Erhebung der Volkssprache zur Nationalsprache bei anderen Völkern. Der Vergleich stimmt nicht, denn während z. B. in Italien das Latein der höheren Schichten auf solche Weise verdrängt wurde, so kann man weder sagen, das Jüdische habe das Hebräische verdrängt, noch aber, es könne die Juden davon abhaiten, die Landessprachen zu erlernen, also diese verdrängen. Man kann heute nur das eine sagen, daß die jüdische Sprache ein national konservierendes Element ist, von dem aber nicht abschließend festgestellt werden kann, ob es für sich allein imstande sein würde, den Zersetzimgsprozeß aufzuhalten. Das Verhältnis von Hebräisch zu Jüdisch wird von Rosenfeld so dargestellL als ob das Hebräische heute die Stelle der Religion einnehme, d. h. das knüpfende Band für alle Juden, das Jüdische aber die nationale Sprache sei. Wenn auch hier wieder ein glückliches Bild gewählt zn sein scheint, kann es doch nicht als zutreffend erklärt werden. Hebräisch wird immer mehr zsr Zur iloitatong für Palästina J1SKOR: Ein Bnch des Gedenkens, Geleitwort von Buber, geb. K 13.— EREZ ISRAEL, Heft I. geb. K 1.5® EREZ ISRAEL. Heft II. geb. K 2.2® HÖFLICH: Der Weg in das Land, geh. K 4.4® geb. K 6.— RUPPIN: Die Judenheit der Gegenwart, 3. Aui geb. K 12.—; geb. K 16.— BALLOD: Palästina als jüdisches Ansiedlungsgebiet K 1.60 DENKMAL für Jechicl Tschlenow K 0.5» TRIETSCH: Jüdische Kolonisation u. Emigration geb. K 24.— SCHECHTER: Palästina. Seine Geschichte and Kultur geh. K 8.— RATH: Lehrbuch der hebr. Sprache, geb. K 13.20 Die gesamte zionistische Literatur stets lagernd in National-jüdische Buchhandlung R. LÖW1T, WIEN, L, Rotenturmstral# Nr. 32. Es uirit ein grelles Licht auf die völlige Entartung der sozialdemokratischen Partei, da» sie sich nicht scheut, derartige niederträchtige Denunziationen in die Welt zu setzen. Die Herren der „Arbeiter-Zeitung“ müssen politisch erfahren genug sein, um zu wissen, was der Zionismus ist und daß die von ihnen erwähnten Leute mit dem Zionismus gar keinen Zusammenhang haben. Die von den Zionisten sowie von allen anderen iüdischnationalen Parteien einzig und allein anerkannte Behörde ist ausschließlich der jüdisch# Nationalrat. Der jüdische Nationalrat steht aber selbstverständlich den erwähnten Versammlungen und Aktionen vollständig fern. Es ist eine Infamie sondergleichen und übertrim at'es, was von anerkannt antisemitischer Seite bisher an Judenhetze geleistet wurde, daß gerade die „Arbeiterzeitung“, das Organ der internationalen (?) Sozialdemokratie, in nicht zu mißverstehender Weise gegen „volksfremde Schreihälse“ hetzt. Die „Arbeiter-Zeitung“ möge bedenken, daß sie ein gewagtes Spiel treibt Wenn nämlich Leute, die sich zu einem sozialistischen (und sei es auch kommunistischen) Programm bekennen, „volksfremd“ genannt werden, dann sind auch die in der deutschen Sozialdemokratie oft sogar führend vorhandenen Juden und Judenstämmlinge ebenso volksfremd. Es ist ein billiges, aber recht schäbiges Hilfsmittel, wenn man zur Rechtfertigung dieses Begriffes den Zionismus heranzieht, der mit der Sache gar nichts zu tun hat Aber diese sozialdemokratischen Pöbeleien rinden doch ein Echo. Das unanständigste vo» allen Wiener antisemitischen Organen, der alldeutsche „Wiener Mittag“, dessen deutschimperialistisches und kriegshetzerisches Spiel endgültig verloren ist. der jede Daseinsberechtigung eingebüßt hat und es nur der unverwüstlichen Geduld der gutmütigen Wiener Bevölkerung danken kann, daß er überhaupt noch zu erscheinen wagen dari, dieses Blatt nimmt die Notiz der ..Arbeiter-Zeitung“ dankend auf und benützt die Gelegenheit, um gegen die galizischen Juden in seiner bekannten gehässigen und unverfrorenen Weise zu hetzen. Dasselbe Organ fordert auch von der deutschösterreichischen Regierung eine Grenzsperre gegen die Zuwanderung von Ostjuden. So sieht man, wie in der Stellung zum Judentum die Extreme einander berühren. Die „Arbeiter-Zeitung“ und der „Wiener Mittag“ kooperieren im Antisemitismus. Die jüdische Bevölkerung kann nur ermahnt werden, angesichts dieser Kundgebungen eine# voroktoberischen reaktionären Geistes ihre Ruhe und Besonnenheit nicht zu verlieren. Die jüdische Bevölkerung muß sich zum Schutze ihrer Internationalen Sprache der Juden, Jüdisch ist nur eines der verschiedenen Volksidiome. Rosenfeld vermeidet es, was seine Darstellung der nationalen Frage unvollständig erscheinen läßt, vollkonmen, sich mit dem Zionismus auseinanderzusetzen, er widmet ihm wenige Zeilen, nennt ihn gar nicht. Er ist bestrebt, die Juden als Volk mit eigener Nationalsprache darzustellen, was darüber hinausgeht, berührt er nicht. So kann der große Wert des Buches nur in dem Positiven gesehen werden, das Rosenfeld gibt Dies ist in allen Teilen des Buches ungeheuer viel. In dem ersten Abschnitt entwirft er ein historisches Bild der polnischen Judenfrage, das schon durch die Veröffentlichung im „Juden“ (Heft Ii, 9) bekannt geworden ist, und das all die glänzenden Eigenschaften des Autors zeigt: Historisches und soziologisches Wissen, lebendige Darstellung und Originalität des Ausdrucks. Die folgenden Abschiitte sind der Demographie gewidmet und stellen eine wahre Fundgrube für alle nötigen Daten der Statistik dar. (Schluß folgt) Kapitalist gesucht zur Verwertung der Erfindung einer Maschine zum Bauen von Mauern und Häusern. — Ausführliche Angebote unter »Maurer* an die Administr. der jtid. Ztg.

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